Werder Bremen

Das Talent der Inkonstanz

Posted by Max on Januar 24, 2015
Bundesliga, Fussball International / No Comments

Plötzlich war er wieder da. Gleich im zweiten Spiel für den FC Southampton trifft Eljero Elia, in der Bundesliga bestens bekannt aus insgesamt vier Spielzeiten beim Hamburger SV und bei Werder Bremen, doppelt. Totgesagte leben länger? Obacht! Schließlich eilt Elia ein balotelli’scher Ruf voraus, zwar hochveranlagt, aber zu schlampig für einen Spitzenprofi und insbesondere auch wenig diszipliniert. Inkonstant. Zwei Tore für den neuen Verein, da kam bei mir gleich das typische Elia-Gefühl auf: Starker Start, und dann? Der Name Eljero Elia ist bei mir negativ konnotiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er in der Labbadia-Saison 2009/2010 zum HSV kam, jener Spielzeit, als für mich der Absturz in das bis heute andauernde Dilemma begonnen hat. Elia trägt daran sicher keine Hauptschuld, aber er war damals zwei Jahre Teil einer überforderten Mannschaft.

Eljero Elia war einer dieser jungen Spieler, denen eine große Karriere vorhergesagt wurde. Einer dieser jungen Spieler, die dann weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, die mit komplizierten Situationen überfordert sind. Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Karrierestationen des Niederländers:

  • 07/2007 – 07/2009: Twente Enschede (Wechsel für 200.000 Euro)
    Nach dem Wechsel von ADO Den Haag nach Enschede wurde Elia sofort Stammspieler, erzielte in seiner ersten Saison nur zwei Treffer, der erste am 19. Spieltag. Der endgültige Durchbruch gelang in der zweiten Spielzeit: Neun Tore erzielte Elia und geriet in den Fokus des HSV. Schon hier deutet sich ein später typisches Phänomen an, denn von den neun Treffern fielen vier bereits an den ersten sechs Spieltagen, während sich die weiteren Tore über den restlichen Saisonverlauf verteilten.
  • 07/2009 – 08/2011: Hamburger SV (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Mit viel Vorschuss wurde Elia unter dem neuen HSV-Trainer Labbadia schnell zum Leistungsträger. Mit fünf Toren in der Vorrunde war er am guten Saisonstart maßgeblich beteiligt. Später fiel seine Leistung dann proportional zu denen des gesamten Teams ab, die Rückrunde verpasste er weitgehend durch eine Knöchelverletzung. In seiner zweiten Saison an der Elbe waren es dann nur noch zwei Treffer, bei Armin Veh fiel er regelmäßig durch eine negative Körpersprache auf (vergleiche Özil, Mesut). Ende August 2011 folgte – schon unter seinem vierten Trainer in Hamburg – der Wechsel nach Turin.
  • 08/2011 – 07/2012: Juventus Turin (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Der Deal war gut. Quasi ohne Verlust gab der HSV Elia nach Turin ab. Die Geschichte dort ist schnell erzählt: Obwohl nicht verletzt, kam Elia nur auf vier Ligaeinsätze, pendelte ansonsten zwischen Ersatzbank und Tribüne.
  • 07/2012 – 01/2015: Werder Bremen (Wechsel für 5,5 Mio. Euro)
    Der Transfer von Elia nach Bremen sollte für den Niederländer einen Neustart markieren. Zugleich war es einer der letzten Fehleinkäufe der Ära Allofs/Schaaf an der Weser. Elia war auch an der Weser zu Beginn Stammspieler, die Rückrunde verbrachte er dann häufiger auf der Bank, am Saisonende wurde er mit dem gleichsam undisziplinierten Marko Arnautovic wegen einer Autobahnraserei suspendiert. Null Tore in seiner ersten Werder-Saison. Der Start in das Spieljahr 2013/2014 war besser, vier Tore unter dem neuen Trainer Robin Dutt in der Hinrunde. Elia blieb Stammspieler bis zum Saisonende, war aber wie die gesamte Mannschaft inkonstant. Nach der Entlassung von Dutt im vergangenen Herbst hatte Elia endgültig keinen sportlichen Wert mehr für die Mannschaft, Victor Skripnik brauchte ihn nicht mehr im Kader.

Wie sein früherer Bremer Leidensgenosse Marko Arnautovic ist Eljero Elia nun also in der Premier League gelandet. Und hat mal wieder einen guten Beginn beim neuen Verein hingelegt. Trainer in Southampton ist sein Landsmann Ronald Koeman, vielleicht braucht er ja diesen heimischen Einfluss, um endlich konstanter zu werden. Southampton ist ein Neustart für Elia. Mal wieder.

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Werder leckt

Posted by Moritz on März 04, 2013
Bundesliga / 3 Comments

 []Gegen Freiburg kann man diese Saison verlieren. Gegen Bayern sowieso. Gegen Augsburg wird es schon grenzwertig. Und so befindet sich Werder Bremen auf direktem Weg in unruhiges Fahrwasser. Zumal die drei eigentlich schon abgeschriebenen Vereine in Torschlusspanik doch noch einmal Punkten.

Diese Saison hebt sich eigentlich nicht großartig von denen der Vorjahre ab. Leider muss man sagen, denn Bremen ist schon eine Weile nicht mehr eines der großen Lichter der Liga. Die Jahre eines Micoud sind schon lange gezählt und ebenso wird an der Weser unter der Woche nur noch Pay-TV geschaut, ansattt mittden drin zu sein.

Nichts neues im Norden irgendwie. Und doch ist es ein wenig anders. Es ist das erste Mal, dass Werder ohne Allofs in der unteren Hälfte schwächelt. Seit wenigen Wochen ist sein Nachfolger im Amt und wird gleich mit der Frage zur Zukunft seines Trainers konfrontiert. Trotz aller Managementerfahrung ist das, keine einfache Aufgabe für den Einstieg.

Kurzfristige Eingriffsmöglichkeiten hat er sowieso keine. Darf so jemand wie Thomas Schaaf von einem Rookie im Verein überhaupt in Frage gestellt werden? In dieser Situation ist ein klares Nein, die einzige Möglichkeit. Zumal die Unruhe, die eine Diskussion um dieses lebende Denkmal, die letzte verbliebene Machtperson des Duos mit Allofs, auslösen würde, der aktuellen Aufgabe alles andere als zuträglich wäre und wohl eine mittlere Sinnkrise auslöst. Jegliche Aktionen aus dem Giftschrank sind so per se absurd. Trotz regelmäßig in die Richtung gehender Gedanken, wären das ob der Überraschung ein Paukenschlag.

Trotzdem soll seit geraumer Zeit ein forcierter Umbruch stattfinden, möchte man alles hinterfragen. Ein Fortschritt ist dabei nur bedingt sichtbar. Die Spieler sind zwar immer mal andere, aber die Probleme ähneln sich im Prinzip seit Jahren und Schaaf ist immer öfter in noch unredseligerer Laune anzutreffen.

Hauptverursacher dafür ist zumindest in den jüngsten Spielen das Defensivverhalten. Ob lange und hohe Bälle wie am Samstag, die die Abwehr überfliegen oder frühe Attacken der Freiburger. Viele Möglichkeiten lassen die Grün-Weißen zur Zeit alt aussehen und sorgen gleichzeitig dafür, dass Bemühungen nach vorne erschwert werden, möchte man nicht allzu viele Räume lassen und ins Messer laufen.

Statt Schwachstellen gezielt zu beseitigen ähnelt das Konzept trotz Umdenken weiter dem der Vergangenheit. Unbequeme Spieler sollten in der Bremer Gemütlichkeit zu sich finden und neu erstrahlen. Doch irgendwie stabilisieren sich Elia, Arnautovic und Co. bestenfalls nur und arrangieren sich mit den mittelprächtigen Gegebenheiten. Irgendwo auf dem Weg hat sich das Erfolgsrezept überlebt.

Einer der wenigen Leistungsträger, Sokratis, kassierte auf denkbar unnötige Weise seine 5. Gelbe Karte und fehlt im nächsten Spiel, ging gegen Augsburg mit Gelb-Rot vom Platz [danke, MS], um kurz darauf unverblümt festzustellen, dass sich Werder nun im Abstiegskampf befinde. Angesichts des Vorsprungs von noch sieben Punkten ist die Aussage wohl etwas verfrüht. Angesichts des durchmischten Restprogramms kann der eine oder andere Punkt noch einkalkuliert werden, so dass es wohl trotz einiger Lecks wieder einmal für einen Zieleinlauf im sicheren Hafen reicht.

Wie man Bemen kennt, wird auf diese Art und Weises wohl solange weiter gemacht, bis Schaaf seinen Platz von selbst räumt. Bisher hat er alle Kritik stets ausgessenen, doch vielleicht hat ihn der Abschied von Allofs in diese Richtung nachdenklicher gemacht, als er nach außen äußert. Aber selbst das wäre bei seiner hanseatischen Art irgendwie eine Überraschung.

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Lebenslang Grün-Weiß?

Posted by Max on November 13, 2012
Bundesliga / 3 Comments

Das Motto der Bremer Meisterhymne von 2004 wird derzeit an der Weser von keinem Geringeren als Manager Klaus Allofs, seit 1999 eine Institution im Gleichschritt mit Trainer Thomas Schaaf,  in Frage gestellt. Auch wenn der Transfer von Allofs zur Stunde noch nicht feststeht, verdichten sich derzeit die Anzeichen. Die eindeutig uneindeutigen Aussagen des Hauptprotagonisten sind entweder ein eigenartiger Schachzug des von Lemke angepissten Managers, oder Ehrlichkeit einer ernsthaften Wechselabsicht. Fakt ist: Ein Wechsel von Allofs in die Autostadt würde eine massive Bewegung in die Bundesliga bringen. Da wäre zum einen die erwartete Rekord-Ablöse für einen Funktionär, andererseits aber auch das Aufbrechen der in Bremen als Naturgesetz geltenden Machtstrukturen im Verein.

Werder Bremen hat sich in den 1990er-Jahren schon einmal in einer solchen Situation befunden. Damals war es Trainer Otto Rehhagel, der mit seinem Wechsel zum FC Bayern nach 14 Dienstjahren im Westerstadion dafür sorgte, dass der Verein auf eine jahrelange Schlingertour geschickt wurde. Vier Jahre dauerte es, ehe mit Thomas Schaaf, der interessanterweise Felix Magath ablöste, die nächste Langfristlösung gefunden wurde. Fast zeitgleich kam Klaus Allofs dazu, die Beiden bildeten seit dieser Zeit ein harmonisches Duo, das Werder zu zahlreichen Europapokalteilnahmen brachte, mehrere Pokalsiege sowie eine Meisterschaft holte. Zuletzt ist der Glanz aber etwas verflogen. Weniger durch eine bröckelnde Beziehung Schaaf/Allofs, eher scheint das Verhältnis zwischen Manager und Vereinsführung, in persona Willi Lemke, zerrüttet. Schon beim letzten Vertragspoker vor etwa einem Jahr waren deutliche Misstöne zwischen Lemke und Allofs zu vernehmen, letztendlich blieb der Manager aber doch. Und sucht er jetzt doch eine neue Herausforderung?

Auf den ersten Blick scheint die vermeintliche Wahl des VfL Wolfsburg mehr als logisch: Allofs steht wie kein anderer Macher in der Bundesliga für Kontinuität, Solidität und letztendlich auch für Erfolge. So eine erfahrene Führungskraft zu gewinnen, ist aus unternehmerischer Sicht jede Anstrengung wert. Dennoch gibt es Zweifel: Bei allen Vorteilen und der überzeugenden Arbeit Allofs der letzten Jahre, er kennt quasi kein anderes Geschäft als in Bremen. Wolfsburg bewegt sich in einer anderen Dimension. In Bremen musste Allofs jeden Cent zweimal umdrehen, hatte bei Transfers – insbesondere bis ca. 2008 – häufig ein glückliches Händchen. In Wolfsburg nun könnte er aus einem deutlich größeren Geldtopf schöpfen – doch kann er das auch? Kann er nach 13 Jahren Werder-Denke plötzlich in eine andere Welt eindringen, in höhere Gehalts- und Transfersphären? Letztendlich muss er dann auch beim Geldgeber VW Rechenschaft ablegen. Und die Herren im altehrwürdigen Backsteingebäude arbeiten nach den knallharten Gesetzen der Wirtschaft – in Bremen geht es da beim Rapport wohl doch etwas beschaulicher zu.

Ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Allofs in Wolfsburg funktionieren würde. Es gibt einfach Vereine, die sind aufgrund ihrer Konstellation einfach nicht darauf ausgelegt, über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren Kontinuität zu verkörpern. Wolfsburg gehört für mich dazu. Wie auch immer, “Lebenslang Grün-Weiß” bliebe Allofs mit Blick auf die Vereinsfarben des VfL übrigens auch bei einem Wechsel an die Aller.

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Abschied aus der Spitze

Posted by Moritz on Juli 21, 2011
Bundesliga / No Comments

Es gibt Sachverhalte, die sind für die beginnende Saison schon geklärt. Nach dem Gesetz der Serie und des Geldes wird nach einem Jahr Pause Bayern München zum 23. Mal deutscher Meister. Spannung im Titelkampf bietet hier vielleicht noch der widerspenstige DFB-Pokal. Trotzdem gibt es Dinge, die der Spielzeit trotzdem noch ihre Spannung verleihen. Wer wird Schritt halten können mit dem Klassenprimus?

Werder Bremen gehörte lange Zeit zu den ärgsten Wetteiferern der Münchener. Der Verein definierte sich über Schaafsche Kontinuität und seine Raute. Im deutschen Fußball stellte man so das größte Spektakel, das taktische Non-Plus-Ultra dar. Doch irgendwann kam der Bruch, überholte die Entwicklung das auf einen Spielmacher ausgelegte Spielprinzip.

Auf ihnen lag im Bremen des vergangenen Jahrzehnts stets der Fokus. Sei es Micoud oder Diego, sie kamen und gingen. Und stets wurde ein weiterer Prototyp des gleichen Spielers gesucht, anstatt den alternativ schwierigeren Schritt zu gehen und das System weiter zu entwickeln. In einem zugegebenermaßen teilweise überhitzten Markt wurde für Versuche die Kontinuität zu erhalten immer wieder viel Geld in die Hand genommen.

Konnte man sich auf Grund der unaufgeregten Art früher rühmen, immer eine passende Antwort zu verpflichten, sei in jüngerer Vergangenheit vor allem an den fabulösen Carlos Alberto erinnert. Später kam der wechselhafte Marko Marin. Auch Wesley war wahrlich kein Schnäppchen. Lediglich Mesut Özil entwickelte sich hier zu einem Volltreffer. Auf dem Weg zu Real kompensierte er mit seinem Können die Schwächen seiner Nebenleute und konnte den Verein kurzzeitig noch einmal auf eine höhere Stufe heben. Doch danach war er auch schon wieder in höhere Gefilde entschwunden.

Der Schmelztiegel des Bremer Handelns war immer der Weg nach vorne. Die immer eklatanter klaffende Baustelle in der Defensive wurde geflissentlich übersehen. Während andere Vereine bereits am neuen in der Spieleröffnung und dem offensiv begabten Verteidigertypus bastelten, beruhigte man sich in Bremen mit Mertesacker einen etwas hüftsteifen Nationalverteidiger der Stunde in seinen Reihen zu wissen. Statt nach Verstärkung für das Flügelspiel Ausschau zu halten, sorgte man sich eher um die Tore und rannte in ein immer eindimensionaleres Spiel mit dem Kopf durch die Mitte.

Eigentlich standen die Vorzeichen nach der enttäuschenden letzten Saison positiv für eine Erneuerung. Das Saisonergebnis machte vergessene Hausaufgaben überdeutlich. Mit Frings ging ein Dino der Bremer in den Ruhestand. Inzwischen sieht alles eher wieder danach aus, als ob ein nachhaltiger Richtungswechsel ausbleibt.

Schon früh im Sommer wurde viel Geld für eine Hoffnung namens Ekici ausgegeben, die den gleichen Spielertypus verkörpert wie seine Vorgänger. Alle Hoffnungen scheint man in den Jungen zu legen. Besser als Özil soll er sein. Sein Erbe lastet nun allein auf seinen Schultern. Das klingt selbst in der ruhigen Hansestadt nach sehr viel Druck.

In der Folge fehlte dann das Geld, den Umbruch, der noch keiner ist, weiter zu führen. Wichtige Transfers wurden in der Hoffnung auf Transfereinnahmen aus Verkäufen verzögert. Der Wunsch nach einem größerem Budget prallten am Vorstand ab. Invesitionen in spielerische Breite fielen dem zum Opfer. Die längerfristig quasi komplett verletzte Innenverteidigung konnte bisher noch nicht halbwegs kompensiert werden.

All das sind keine guten Vorzeichen für die startende Saison. Noch sitzt das Führungsduo Schaaf und Allofs fest im Sattel. Doch die Zweifel wachsen, dass beide es noch einmal schaffen, den Verein konstant in die Beletage der deutschen Bundesliga zu führen.

Falls es auch in diesem Jahr erneut nicht laufen sollte, wird die Kritik, die bereits im letzten Jahr über das übliche, gemächliche Bremer Maß hinausging, sich wohl weiter verschärfen. Personelle Konsequenzen, die beide nicht selbst befürworten, dürfte dies trotzdem nicht haben. Viel wahrscheinlicher erscheint es, dass man mit Schaaf den Weg ins Niemandsland antritt. Doch ob das auch seinen Ansprüchen genügt und er mit dieser Perspektive anfreunden kann? Hier ist alle möglich. Auch das einfach – nichts – passiert. Eine weitere offene Frage, die der Saison ihre Würze gibt.

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Zur Lage der Liga – unten

Posted by Max on April 13, 2011
Bundesliga / No Comments

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich das Trainerkarussell der Bundesliga nicht ein Stück weiterbewegt. Heute ist es Holger Stanislawski, der seinen Abschied zum Saisonenende verkündet hat. Ob er den 34. Spieltag wirklich noch als Coach erlebt, dürfte nach dem Erlebten der letzten Wochen nicht als 100%ig sicher gelten. Sollte er ab Sommer zudem – wie spekuliert wird – tatsächlich neuer Übungsleiter in Hoffenheim, wäre das ein ziemlich krasser Imagewechsel der St. Pauli-Legende. Derzeit aber steht er noch in Hamburg in der Verantwortung und muss zusehen, mit seinen Kiez-Kickern nach sieben Pleiten in Folge den Umschwung im Abstiegskampf zu schaffen. Und damit auf zu Teil Zwei der Tabellenanalyse – der Blick nach unten.

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Die fast Geretteten

Nach meinen Berechnungen reichen diese Saison 36 Punkte für den direkten Klassenerhalt, ein Zähler weniger berechtigt immerhin zur Teilnahme an der Relegation. Vier Vereine haben dieses Ziel schon fast erreicht und brauchen aus den letzten fünf Spielen nur noch ein oder zwei Punkte, um auf der sicheren Seite zu sein. Zum einen die TSG Hoffenheim. Mit Spannung hatte ich die Auswirkungen des Trainerwechsels im Kraichgau erwartet – doch Marco Pezzaiouli konnte den Vertrauensvorschuss nicht zurückgeben, zeigte sich farblos, das Team tritt seit der Winterpause endgültig auf der Stelle. Ein kompliziertes Restprogramm wird dafür sorgen, dass es mit Punktgewinnen gegen Frankfurt und Wolfsburg nur knapp über die 40-Punkte-Grenze geht. Auswärtsniederlagen in Leverkusen und Nürnberg scheinen vorprogrammiert, zudem empfängt die TSG noch hochmotiverte Stuttgarter. Letztendlich bleibt es beim tristen zehnten Rang – jenseits von Gut und Böse.

Bei Werder Bremen machen sie drei Kreuze, wenn die Saison endlich vorbei ist. Mittlerweile hat sich das Schaaf-Team selbst in etwas ruhigeres Fahrwasser gebracht. Zudem geht es gegen St. Pauli, Wolfsburg und Kaiserslautern. Direkte Konkurrenten also, und Spiele, wo Werder jeweils zumindest mit einem Remis leben kann. Auch der designierte Meister Dortmund wird an der Weser kein leichtes Spiel haben. Lediglich die wiedererstarkten Schalker dürften am nächsten Spieltag eine andere Kragenweite haben und drei Punkte aus dem Weserstadion mitnehmen. Dennoch brennt für Werder nichts mehr entscheidend an.

Der 1. FC Kaiserslautern scheint aus dem Gröbsten heraus, muss aber wachsam bleiben. Die nächsten Spiele gegen Nürnberg, Schalke und St. Pauli bringen nochmal Unsicherheit, ein Auswärtssieg in Wolfsburg am 33. Spieltag jedoch wird den Klassenerhalt endgültig klar machen. Da wird das Remis eine Woche später gegen Werder Bremen nur noch die Kür sein.

Mit seiner Heimstärke haben die Spieler vom 1. FC Köln das Fundament gelegt für die ordentliche Ausgangsposition. Mit einem weiteren Erfolg vor eigenem Publikum am Samstag gegen Konkurrent Stuttgart wird der letzte Schritt gemacht. Da darf man sich dann auch im Derby gegen Leverkusen wieder mal eine Heimpleite leisten, in Wolfsburg und Frankfurt werden wie üblich die Punkte gelassen. Ein Punktgewinn gegen Schalke beendet die Saison. Die Kölner haben so viele Big-Point-Spiele gegen direkte Konkurrenten, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die akut Gefährdeten

Geändert hat sich bei Eintracht Frankfurt einiges, seit Christoph Daum das Zepter schwingt. Die Ergebnisse jedoch fehlen noch, und so wird es ein zähes Ringen um den Ligaverbleib bis zum Ende. Das Restprogramm ist extrem schwer. Ein Unentschieden am Samstag in Hoffenheim, ein Heim-Erfolg gegen Köln: Reicht alles gerade so, denn Niederlagen gegen Bayern, Mainz und Dortmund müssen zwingend einkalkuliert werden. Nur über die zwei genannten Spiele wird der Weg zum Ziel führen.

Apropos drei Kreuze: Für den VfB Stuttgart dürften die Haken hinter die Spielzeit eher dutzendweise gesetzt werden. Es wird richtig eng, und der Ligaerhalt sollte schon vor dem letzten Spieltag feststehen – denn dann geht es nach München. Am Samstag in Köln wird man an der Heimstärke des Gastgebers verzweifeln, auch der HSV eine Woche später wird die Schwaben vor Probleme stellen. Vielleicht wackelt sogar nochmal der Stuhl von Bruno Labbadia? In Hoffenheim und Hannover heißt es dann alles oder nichts. Und die Stuttgarter werden den Kopf gerade so noch aus der Schlinge ziehen.

Da wird es am Ende der Spielzeit auch dem VfL Wolfsburg nicht mehr viel nützen, dass Magath die Wölfe wieder besser in die Spur bekommt. Zu lange hat es gedauert, bis der Meistercoach die Defizite der vergangenen Monate aufgearbeitet hat. Mit einem Erfolg am kommenden Wochenende im direkten Vergleich setzt man sich erstmal von St. Pauli ab, eine Woche später folgt ein weiterer Heimerfolg gegen Köln. Die beiden folgenden Heimspiele sind das größte Plus des Champions von 2009. Zum Abschluss jedoch wird man die gute Ausgangslage wieder verdaddeln, nur ein Punkt aus dem Spiel gegen Werder, Pleiten in den Duellen mit Lautern und Hoffenheim. Für den VfL führt der Weg in die Bundesliga 2011/2012 nur über die Relegation.

Bleibt in dieser Kategorie noch der FC St. Pauli. Die Nackenschläge der letzten Wochen sind eigentlich kaum noch zu fassen. Seit dem umjubelten Derbysieg reihen sich die Niederlagen fröhlich aneinander, dazu folgt wohl noch ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Vater des Erfolgs verlässt zudem bald das Schiff. Schlechte Aussichten, St. Pauli wird stark angeschlagen absteigen. Die Fortsetzung der Pleitenserie gegen Wolfsburg, Bremen, Bayern und Mainz wird nur durch ein letztes Aufbäumen in Kaiserslautern unterbrochen. Im besten Fall.

Borussia Mönchengladbach

Blickt man heute auf die Tabelle, sieht die Lage für die Gladbacher eigentlich wieder hoffnungsvoll aus. Doch immer wieder folgten auf vermeintliche Aufholjagden bittere Rückschläge. Das ständige Herankämpfen kostet zu viel Kraft. Am Freitag ist ein Punkt in Mainz möglich, doch dann folgen Dortmund und Hannover, was das Ende aller Hoffnungen bedeuten wird. Ein Sieg gegen Freiburg noch, HSV-Pleite zum Abschied. Auf ein neues in Liga Zwei.

Und am Ende kommt es wohl ganz anders.

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