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Die Sache mit Hecking 28. Dezember 2012

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Stell dir vor, du bist ein sogenannter Traditionsverein. Rekordabsteiger zwar gemeinsam mit Arminia Bielefeld, aber gerade dabei – im Gegensatz zur drittklassigen Arminia – dich wieder in der Bundesliga zu etablieren. Endlich hast du einen Trainer gefunden, der die bescheidenen finanziellen Mittel ideal mit den vorhandenen Ressourcen aus dem eigenen Nachwuchs verknüpft. Und dann kommt direkt vor Weihnachten der vom größten deutschen Automobilhersteller fremdgelenkte VfL Wolfsburg daher und nimmt dir diesen Coach kurzerhand von der Gehaltsliste. Frohes Fest!

Es wirkt schon bizarr, dass der eigentlich als ruhig und besonnen geltende Hecking plötzlich den Schritt nach Wolfsburg wagt. Ein Verein, der nach dem Abgang von Wolfgang Wolf 2003 nie zur Ruhe gekommen ist. Zwar feierte man kurzzeitig große Erfolge, aber nachhaltig waren diese Ergebnisse nie. In der Reihe mit Jürgen Röber, Eric Gerets, Holger Fach, Klaus Augenthaler, Felix Magath, Lorenz-Günter Köstner, Steve McClaren und Pierre Littbarski ließt sich Dieter Hecking nur wie ein weiterer Kandidat einer langen Streichliste mit dem Titel “Gescheitert in Wolfsburg”.

Dieses Gefühl, dass sich bei einem scheinbar unvorstellbaren Trainerwechsel einstellt, ist nun auch bei Hecking da. Unvorstellbar im Sinne von “das kann nicht funktionieren.” Dieses Gefühl, dass ich einst übrigens auch mal bei Jürgen Klopp und Dortmund hatte. Dieses Gefühl, welches sich einstellt, wenn bei einem Trainerwechsel nicht die Wahl auf einen der “üblichen Verdächtigen” Marke “Retter” oder “Feuerwehrmann” fällt, sondern der langjährige Coach eines anderen Vereins verpflichtet wird. Geprägt wird das Gefühl davon, dass hier eine Gewohnheit aufgebrochen wird, zum einen natürlich – und das ist einschneidend – beim abgebenden Verein, zum anderen in den Köpfen der Fussballfans und -experten.

Ein seltsames Gefühl also, und jetzt reden wir gleich wieder davon, dass VW mit seinen Millionen mit unlauteren Mitteln kämpft, und Hecking letztendlich dem Ruf des Geldes erlegen ist. Aber bringen wir nicht für jeden Kollegen oder gar Verwandten Verständnis auf, der seine Arbeitsstelle bei einem kleinen mittelständischen Unternehmen aufgibt, wenn er die Chance bekommt bei einem Branchenprimus zu arbeiten und dort ganz andere Möglichkeiten aufgezeigt bekommt? Wer würde nicht zu Mercedes-Benz gehen und fortan den Lieferanten die Konditionen diktieren – dabei wie selbstverständlich auch noch mehr Geld kassieren – anstatt den emsigen Produktionsleiter mit 50-Stunden-Woche und ständigem Wettbewerbsdruck bei eben diesem Zulieferer zu geben?

Nähern wir uns dem Hecking-Transfer aber mal noch von einer anderen Seite an: Schon erstaunlich, dass dies tatsächlich die erste Trainersuche von Klaus Allofs war. So wie man ihn als Manager in Bremen kennengelernt hat, ist die Wahl Hecking eigentlich schon wieder verständlich. Ein großer internationaler Name hätte eigentlich ebenso wenig gepasst wie ein klassischer Ein-Zwei-Jahre-Trainer. Hecking stand in Nürnberg mit bescheidenen Mitteln für Kontinuität und Erfolg, so wie es auch bei Allofs und Schaaf an der Weser viele Jahre war.

Umso interessanter fand ich die Tatsache, dass Allofs offenbar zuerst mit Bernd Schuster verhandelte. Oder verhandeln musste? Schließlich war Schuster schon mehrfach im Gespräch und gilt als persönlicher Freund von VW-Aufsichtsrat Sanz. Ob sich letztendlich Allofs durchgesetzt hat und Rückgrat bewies, oder der lange verhandelte Vertrag mit Schuster aus anderen Gründen nicht zustande kam – wir werden es wohl nie erfahren, es sei denn, Allofs schreibt mal ein Enthüllungsbuch. Komisch bleibt nur das Timing, nach Allofs’ Amtsantritt erst wochenlang Interimscoach Lorenz-Günter Köstner hinzuhalten, dann offiziell und lange mit Schuster zu verhandeln und letztendlich den gefühlten Schnellschuss mit Hecking abzufeuern. Doch diese Kapriolen um die Trainerwahl sind nun vorbei, ab Januar wird das Duo Hecking/Allofs nur noch an Erfolgen gemessen. Interessant wird außerdem zu sehen sein, wie beide mit der neuen Situation – Geld im Überfluss – klarkommen. In jedem Fall eine interessante Konstellation an der Aller.

Die ärmste Sau bei dem ganzen Gebahren ist wohl Martin Bader. Je nach dem, ab welchem Zeitpunkt der Nürnberger Manager über die Abwanderungsgedanken und -taten von Dieter Hecking informiert war. Der Nachfolger von Hecking wurde dann über die Weihnachtstage schnell etabliert: Der bisherige U23-Coach Michael Wiesinger übernimmt. Eine andere Lösung als diese hätte mich auch verwundert. Erstens wäre das nicht Nürnberg-like für die Ära Bader gewesen, zweitens hat man mit Wiesinger einen Trainer, der eine Chance verdient hat. Der Job im stabilen Nürnberg Umfeld – wobei die Stimmung dort auch schnell kippen kann – scheint ideal, um erste Erfahrungen als Bundesligatrainer zu sammeln. Mit acht Punkten Abstand zum Relegationsplatz, gar elf Zähler bis zum direkten Abstiegsrang, hat ihm Hecking ein gutes Polster hinterlassen. Seinen eigenen Weg muss Wiesinger nun trotzdem finden, das Potential zur nächsten Dauerlösung hat er.

Lebenslang Grün-Weiß? 13. November 2012

Posted by Max in : Bundesliga , 3 comments

Das Motto der Bremer Meisterhymne von 2004 wird derzeit an der Weser von keinem Geringeren als Manager Klaus Allofs, seit 1999 eine Institution im Gleichschritt mit Trainer Thomas Schaaf,  in Frage gestellt. Auch wenn der Transfer von Allofs zur Stunde noch nicht feststeht, verdichten sich derzeit die Anzeichen. Die eindeutig uneindeutigen Aussagen des Hauptprotagonisten sind entweder ein eigenartiger Schachzug des von Lemke angepissten Managers, oder Ehrlichkeit einer ernsthaften Wechselabsicht. Fakt ist: Ein Wechsel von Allofs in die Autostadt würde eine massive Bewegung in die Bundesliga bringen. Da wäre zum einen die erwartete Rekord-Ablöse für einen Funktionär, andererseits aber auch das Aufbrechen der in Bremen als Naturgesetz geltenden Machtstrukturen im Verein.

Werder Bremen hat sich in den 1990er-Jahren schon einmal in einer solchen Situation befunden. Damals war es Trainer Otto Rehhagel, der mit seinem Wechsel zum FC Bayern nach 14 Dienstjahren im Westerstadion dafür sorgte, dass der Verein auf eine jahrelange Schlingertour geschickt wurde. Vier Jahre dauerte es, ehe mit Thomas Schaaf, der interessanterweise Felix Magath ablöste, die nächste Langfristlösung gefunden wurde. Fast zeitgleich kam Klaus Allofs dazu, die Beiden bildeten seit dieser Zeit ein harmonisches Duo, das Werder zu zahlreichen Europapokalteilnahmen brachte, mehrere Pokalsiege sowie eine Meisterschaft holte. Zuletzt ist der Glanz aber etwas verflogen. Weniger durch eine bröckelnde Beziehung Schaaf/Allofs, eher scheint das Verhältnis zwischen Manager und Vereinsführung, in persona Willi Lemke, zerrüttet. Schon beim letzten Vertragspoker vor etwa einem Jahr waren deutliche Misstöne zwischen Lemke und Allofs zu vernehmen, letztendlich blieb der Manager aber doch. Und sucht er jetzt doch eine neue Herausforderung?

Auf den ersten Blick scheint die vermeintliche Wahl des VfL Wolfsburg mehr als logisch: Allofs steht wie kein anderer Macher in der Bundesliga für Kontinuität, Solidität und letztendlich auch für Erfolge. So eine erfahrene Führungskraft zu gewinnen, ist aus unternehmerischer Sicht jede Anstrengung wert. Dennoch gibt es Zweifel: Bei allen Vorteilen und der überzeugenden Arbeit Allofs der letzten Jahre, er kennt quasi kein anderes Geschäft als in Bremen. Wolfsburg bewegt sich in einer anderen Dimension. In Bremen musste Allofs jeden Cent zweimal umdrehen, hatte bei Transfers – insbesondere bis ca. 2008 – häufig ein glückliches Händchen. In Wolfsburg nun könnte er aus einem deutlich größeren Geldtopf schöpfen – doch kann er das auch? Kann er nach 13 Jahren Werder-Denke plötzlich in eine andere Welt eindringen, in höhere Gehalts- und Transfersphären? Letztendlich muss er dann auch beim Geldgeber VW Rechenschaft ablegen. Und die Herren im altehrwürdigen Backsteingebäude arbeiten nach den knallharten Gesetzen der Wirtschaft – in Bremen geht es da beim Rapport wohl doch etwas beschaulicher zu.

Ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Allofs in Wolfsburg funktionieren würde. Es gibt einfach Vereine, die sind aufgrund ihrer Konstellation einfach nicht darauf ausgelegt, über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren Kontinuität zu verkörpern. Wolfsburg gehört für mich dazu. Wie auch immer, “Lebenslang Grün-Weiß” bliebe Allofs mit Blick auf die Vereinsfarben des VfL übrigens auch bei einem Wechsel an die Aller.

Gegenwärtige Zukunftsmusik 30. Juli 2011

Posted by Moritz in : DFB-Pokal,Nordostfussball , 1 comment so far

Gestern öffnete sich ein Fenster in die Zukunft. Wie weit oder kurz dieser Blick reichte, mag jeder für sich selbst entscheiden, aber er zeigte, dass die Phrasen vom nach Profifußball dürstenden Leipziger mehr sind als nur solche. Erstmals deutete sich wirklich an, dass RB das Potenzial haben kann, ein größeres Auditorium hinter sich zu vereinigen und in die Lücke zu stoßen, die andere offen gelassen haben.

Im DFB-Pokal gegen Wolfsburg geschah im altehrwürdigen Zentralstadion etwas, das ich an diesem Ort noch nicht erlebt hatte. Das ganze Stadion – gemeint sind mehr als nur vereinzelte, homöopathische Mengen – stand nach einer wechselhaften Partie wortwörtlich hinter dem Gastgeber.

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Die fast vollständig entkernte und runderneuerte Mannschaft von RB Leipzig zog das Publikum gleich in den ersten Sekunden und Minuten auf seine Seite und ließ erst gar keine Skepsis unter den Zuschauern aufkommen. Vom Anstoß weg spielten sie zielstrebig nach vorne. Die erste eigentlich todsichere Chance vergaben sie noch. Ihre Wirkung verfehlt diese Aktion allerdings nicht und ließ die Magath’schen Wölfen ziemlich konsterniert zurück.

In dieser kritischen Anfangsphase wurden Floskeln der Anerkennung bittere Wahrheit für den König von Wolfsburg. Eine konzentrierte Leistung sei gegen den Regionalligisten mit Format für die Zweite Klasse nötig. Wie ernst seine Spieler diese Ansage nahmen, war in diesen Anfangsminuten zu beobachten. Eine unsortierte Abwehr machte es den Leipzigern leicht ihre Stiche effektiv zu setzen.

Ein ums andere Mal zeigten sie sich nicht auf Ballhöhe. Jeder Weiß-Rote konnte sich über zu viel Platz nicht beschweren. Die Pässe fanden durch die Reihen wunderbar ihr Ziel und der größte Fehler: Sie vergaßen in Frahn den Spieler des Abends mit Beachtung zu würdigen. Mehrfach tauchte er frei vor dem Tor auf und hätte seine Leistung noch weiter toppen können. Aber auch seine Hintermänner genossen die Rolle des Unterdogs und füllten sie mit schnellen Gegenangriffen wunderbar aus. Bevor der Gast aus Niedersachsen sich versah, war er praktisch schon weg vom Fenster.

Es sollte sie ein wahre Kraftanstrengung kosten gegen die giftige RBler wieder Anschluss zu finden. Unter gütiger Mithilfe der Defensive von RB konnte sie immerhin den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielen. Sie schlugen zu und ließen Borel plus Vordermänner einmal alt sowie ein weiteres Mal sehr alt aussehen.

Nach diesen Rückschlägen gab sich der Gastgeber, entgegen dem dann doch verunsicherten Zuschauer, aber beachtenswerterweise nicht vollständig auf. Vielmehr zeigten sie Moral und Einsatz und schlugen mit dem altbekannten Strickmuster zurück. Ein schneller Gegenstoß über die rechte Seite, eine Flanke, ein torlüsterner Frahn und ein verdientes Tor bedeuteten noch vor der Pause den späteren Endstand.

Wie sehr Magath kochte war nicht nur seiner erregten, gestenreichen Unterhaltung mit seinem Vize zu entnehmen – kurz zuvor hatte er immerhin ausgegeben bis nach Berlin vorstoßen zu wollen – sondern auch der Tatsache, dass er zwei seiner Spieler nach gut einer halben Stunde wieder aus dem Spiel nahm. Als ersten traf es Josue, der vor dem zweiten Tor seinen Gegenspieler entwischen ließ, und in der zweiten Hälfte den für ihn eingewechselten Tuncay. Allein es half nichts.

Nach einer mit offenem Visier und dezenten Abwehrreihen zog sich RB in der zweiten Hälfte teilweise beängstigend weit zurück. Streckenweise traute sich kaum ein Spieler aus der Abwehrreihe heraus und man ließ die Wölfe gewähren. Doch denen fehlten die Mittel und Wege, die man sich eigentlich von einem Bundesligisten erwartet. Uninspiriert schoben sie den Ball vor dem Strafrum umher, verstrickten sich in Scharmützel, die die nötige Weite und das Tempo aus dem Spiel nahmen. Kurz es sollte nicht reichen.

Erwähnenswert ist neben Frahn noch Lagerblom, der nicht nur auf Grund seines Haarschopfes als Organisator im defensiven Mittelfeld herausragte. Überhaupt scheint die Mannschaft schon zu einem frühen Saisonzeitpunkt wesentlich besser zueinander zu passen, als dies auch im Laufe der letzten der Fall war.

Das mag bei einem solchen Spiel, bei einem solchen Gegner einfach sein. Auch gibt es sicher noch genug Baustellen, denen sich der Trainer in den kommenden Wochen widmen kann. Gegen Meuselwitz und Co. wird ein einfaches auf Konter ausgerichtetes Spiel nicht reichen. Auch die Abwehrreihe bedarf noch die ein oder andere Einheit bis sie sich eingespielt hat.

Nach dem Spiel ist vor allem eines klar – mit solchen Leistungen begibt sich Wolfsburg erneut in akute Abstiegsgefahr. Auf Leipziger Seite lässt sich feststellen, dass der Respekt gegenüber RB auch in Anbetracht der vergangen Saison bei der Konkurrenz wieder gestiegen sein dürfte. Es gibt schlechtere Bedingungen als ein solcher Erfolg zu Beginn. Alles andere wird erst die Zukunft zeigen müssen.

Wirklich negativ fiel einzig das Auspfeifen der geschlagenen Wölfe nach dem Spiel aus dem RB-Block auf. Das war dem Publikum und dem sich als alternativ darstellenden RB-Anhangs unwürdig. Ein weiterer Aspekt ist die Laola-Welle. War das Spiel so schlecht, dass die Zuschauer sich selbst feiern mussten? Aber geschenkt. Mit solchen Auftritten sammelt der “Kommerz” Pluspunkte für die Zukunft in Leipzig.

Zurück zur Normalität 6. Juli 2011

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Das der Schritt vom Fussball-Burnout zurück zur Normalität so schnell vollzogen werden kann, hätte ich nicht gedacht. Im Hintergrund dudelt ein anscheinend entscheidendes Gruppenspiel bei der Frauen-Weltmeisterschaft nebenbei, doch mich beschäftigen derzeit eher die üblichen Sommertransfer-Gerüchte und -Meldungen. Während der ewige Pieckenhagen, der tatsächlich als dritter Mainzer Torhüter in der letzten Saison noch zu seinem 215. und letzten Bundesligaeinsatz kam, seine Karriere endgültig beendete, kehrt mit Hasan Salihamidzic ein Spieler in die Liga zurück, der wie auch “Piecke” schon dort war, als ich vor zwölf Jahren meine Bundesliga-Sozialisiation vollzog.

Man darf sicher berechtigte Zweifel haben, ob der mittlerweile 34-jährige Brazzo noch das Niveau früherer Tage hat. Die Skeptiker sehen die Neuverpflichtung vom VfL Wolfsburg eher in der von Magath geschaffenen Kategorie “Alt und willig”, in welche sich etwa die Herren Sarpei, besonders aber Charisteas und Karimi einordnen lassen. Nun kommt mit Salihamidzic aber ein anderes Kaliber: Kein Ghanaer, der mal in Leverkusen ein bisschen ordentlich Außenverteidiger spielte. Kein Grieche, der seit sieben Jahren von einem Kopfball lebt. Kein Iraner, zu dem mir einfach nichts einfallen will (außer Hoeneß’ Aussage zu Magaths Transferpolitik während seiner Bayern-Zeit: “Jeder hat mal seinen Karimi”). Salihamidzic hat maßgeblich Anteil an sechs Meistertiteln, vier DFB-Pokal-Siegen, dem Triumph in der Champions League und im Weltpokal mit den Bayern. Und an Bierduschen für Sebastian Hellmann. Seine vier Jahre in Turin scheinen eher durchwachsen verlaufen zu sein, zuletzt ohne feste Position und wohl am Ende auch leicht verletzungsanfällig. Nur 61 Einsätze in vier Spielzeiten sind auch keine überragende Ausbeute. Da Brazzo früher zu meinen Lieblingsspielern in der Liga gehörte, hoffe ich auf ein gelungenes Comeback. Ob er jedoch noch die Spritzigkeit verangener Tage hat, werden die ersten Spiele zeigen müssen.

Eine weitere interessante Personalie betrifft Tim Wiese. Beim Bremer Schlussmann muss ich zuletzt immer an eine Aussage in der Biografie von Jens Lehmann denken, der es bezeichnend fand, dass kein anderer Verein Wiese verpflichten möchte. Offensichtlich haben sich die Vorzeichen geändert, und es ist – wie sollte es anders sein – der VfL Wolfsburg der Interesse an Wiese bekundet. Nach meinen Eindrücken zählt Wiese wohl zu den unbeliebtesten Spielern der Liga. Von daher wäre es eigentlich logisch, dass er zu einem Verein wechselt, dessen Fans sich bisher in mehr als einem Jahrzehnt noch nicht damit hervorgetan haben, sich gegen einzelne Spieler zu sperren. Ehrlich gesagt glaube ich allerdings noch nicht wirklich an den Wahrheitsgehalt dieses Gerüchtes. Zumal Diego Benaglio ja einst schon mit einem Paukenschlag von Magath verpflichtet wurde. Auf der anderen Seite: Sag niemals nie – gerade bei Magath.

Der dritte Name, den ich hier kurz in die Runde werfen möchte, ist Dominic Adiyiah. Der Stürmer aus Ghana war mir erstmals bei der U20-WM im Herbst 2009 aufgefallen, die wir hier ausführlich begleitet hatten. Dort rauschte er mit seiner Auswahl durch das Turnier zum Titel, erzielte Tore am Fließband und deutete eine großartige Karriere an. Es dauerte also nicht lange, bis er aus Norwegen zum AC Mailand wechselte. Mittlerweile war er auch mit Ghana bei der WM 2010 am Start. Doch in Italien blieb ihm der Durchbruch verwehrte, Leihgeschäfte mit Reggina Calcio sowie zuletzt Partizan Belgrad werden dem großen Talent des Jungen nicht gerecht. Und nun soll er angeblich bei Hannover 96 auf der Liste stehen für eine weitere Entleihung. Oder auch nicht? Sein Berater äußerte sich folgendermaßen:

Das Gerücht um Hannover 96 ist nicht richtig. Ich habe Kontakt zu anderen Klubs aus der Bundesliga. Milan will ihn nicht nur verleihen, sie wären auch bereit, ihn zu verkaufen.

Ob hier wieder Felix Magath seine Finger im Spiel hat? Eine Bereicherung wäre er wohl für fast jeden Kader, wenn er einen Trainer findet, der sein Talent aktivieren und gewinnbringend einsetzen kann.

Brazzo, Wiese, Adiyiah – nur drei Namen, die derzeit am Transfermarkt besprochen werden. In den nächsten Wochen wird das Personalkarussell sicher noch einmal mächtig an Fahrt aufnehmen, auch wenn ich glaube, dass mit Manuel Neuer der Königstransfer des Sommers schon über die Bühne ging. Wir bleiben trotzdem am Ball.

Zur Lage der Liga – unten 13. April 2011

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich das Trainerkarussell der Bundesliga nicht ein Stück weiterbewegt. Heute ist es Holger Stanislawski, der seinen Abschied zum Saisonenende verkündet hat. Ob er den 34. Spieltag wirklich noch als Coach erlebt, dürfte nach dem Erlebten der letzten Wochen nicht als 100%ig sicher gelten. Sollte er ab Sommer zudem – wie spekuliert wird – tatsächlich neuer Übungsleiter in Hoffenheim, wäre das ein ziemlich krasser Imagewechsel der St. Pauli-Legende. Derzeit aber steht er noch in Hamburg in der Verantwortung und muss zusehen, mit seinen Kiez-Kickern nach sieben Pleiten in Folge den Umschwung im Abstiegskampf zu schaffen. Und damit auf zu Teil Zwei der Tabellenanalyse – der Blick nach unten.

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Die fast Geretteten

Nach meinen Berechnungen reichen diese Saison 36 Punkte für den direkten Klassenerhalt, ein Zähler weniger berechtigt immerhin zur Teilnahme an der Relegation. Vier Vereine haben dieses Ziel schon fast erreicht und brauchen aus den letzten fünf Spielen nur noch ein oder zwei Punkte, um auf der sicheren Seite zu sein. Zum einen die TSG Hoffenheim. Mit Spannung hatte ich die Auswirkungen des Trainerwechsels im Kraichgau erwartet – doch Marco Pezzaiouli konnte den Vertrauensvorschuss nicht zurückgeben, zeigte sich farblos, das Team tritt seit der Winterpause endgültig auf der Stelle. Ein kompliziertes Restprogramm wird dafür sorgen, dass es mit Punktgewinnen gegen Frankfurt und Wolfsburg nur knapp über die 40-Punkte-Grenze geht. Auswärtsniederlagen in Leverkusen und Nürnberg scheinen vorprogrammiert, zudem empfängt die TSG noch hochmotiverte Stuttgarter. Letztendlich bleibt es beim tristen zehnten Rang – jenseits von Gut und Böse.

Bei Werder Bremen machen sie drei Kreuze, wenn die Saison endlich vorbei ist. Mittlerweile hat sich das Schaaf-Team selbst in etwas ruhigeres Fahrwasser gebracht. Zudem geht es gegen St. Pauli, Wolfsburg und Kaiserslautern. Direkte Konkurrenten also, und Spiele, wo Werder jeweils zumindest mit einem Remis leben kann. Auch der designierte Meister Dortmund wird an der Weser kein leichtes Spiel haben. Lediglich die wiedererstarkten Schalker dürften am nächsten Spieltag eine andere Kragenweite haben und drei Punkte aus dem Weserstadion mitnehmen. Dennoch brennt für Werder nichts mehr entscheidend an.

Der 1. FC Kaiserslautern scheint aus dem Gröbsten heraus, muss aber wachsam bleiben. Die nächsten Spiele gegen Nürnberg, Schalke und St. Pauli bringen nochmal Unsicherheit, ein Auswärtssieg in Wolfsburg am 33. Spieltag jedoch wird den Klassenerhalt endgültig klar machen. Da wird das Remis eine Woche später gegen Werder Bremen nur noch die Kür sein.

Mit seiner Heimstärke haben die Spieler vom 1. FC Köln das Fundament gelegt für die ordentliche Ausgangsposition. Mit einem weiteren Erfolg vor eigenem Publikum am Samstag gegen Konkurrent Stuttgart wird der letzte Schritt gemacht. Da darf man sich dann auch im Derby gegen Leverkusen wieder mal eine Heimpleite leisten, in Wolfsburg und Frankfurt werden wie üblich die Punkte gelassen. Ein Punktgewinn gegen Schalke beendet die Saison. Die Kölner haben so viele Big-Point-Spiele gegen direkte Konkurrenten, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die akut Gefährdeten

Geändert hat sich bei Eintracht Frankfurt einiges, seit Christoph Daum das Zepter schwingt. Die Ergebnisse jedoch fehlen noch, und so wird es ein zähes Ringen um den Ligaverbleib bis zum Ende. Das Restprogramm ist extrem schwer. Ein Unentschieden am Samstag in Hoffenheim, ein Heim-Erfolg gegen Köln: Reicht alles gerade so, denn Niederlagen gegen Bayern, Mainz und Dortmund müssen zwingend einkalkuliert werden. Nur über die zwei genannten Spiele wird der Weg zum Ziel führen.

Apropos drei Kreuze: Für den VfB Stuttgart dürften die Haken hinter die Spielzeit eher dutzendweise gesetzt werden. Es wird richtig eng, und der Ligaerhalt sollte schon vor dem letzten Spieltag feststehen – denn dann geht es nach München. Am Samstag in Köln wird man an der Heimstärke des Gastgebers verzweifeln, auch der HSV eine Woche später wird die Schwaben vor Probleme stellen. Vielleicht wackelt sogar nochmal der Stuhl von Bruno Labbadia? In Hoffenheim und Hannover heißt es dann alles oder nichts. Und die Stuttgarter werden den Kopf gerade so noch aus der Schlinge ziehen.

Da wird es am Ende der Spielzeit auch dem VfL Wolfsburg nicht mehr viel nützen, dass Magath die Wölfe wieder besser in die Spur bekommt. Zu lange hat es gedauert, bis der Meistercoach die Defizite der vergangenen Monate aufgearbeitet hat. Mit einem Erfolg am kommenden Wochenende im direkten Vergleich setzt man sich erstmal von St. Pauli ab, eine Woche später folgt ein weiterer Heimerfolg gegen Köln. Die beiden folgenden Heimspiele sind das größte Plus des Champions von 2009. Zum Abschluss jedoch wird man die gute Ausgangslage wieder verdaddeln, nur ein Punkt aus dem Spiel gegen Werder, Pleiten in den Duellen mit Lautern und Hoffenheim. Für den VfL führt der Weg in die Bundesliga 2011/2012 nur über die Relegation.

Bleibt in dieser Kategorie noch der FC St. Pauli. Die Nackenschläge der letzten Wochen sind eigentlich kaum noch zu fassen. Seit dem umjubelten Derbysieg reihen sich die Niederlagen fröhlich aneinander, dazu folgt wohl noch ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Vater des Erfolgs verlässt zudem bald das Schiff. Schlechte Aussichten, St. Pauli wird stark angeschlagen absteigen. Die Fortsetzung der Pleitenserie gegen Wolfsburg, Bremen, Bayern und Mainz wird nur durch ein letztes Aufbäumen in Kaiserslautern unterbrochen. Im besten Fall.

Borussia Mönchengladbach

Blickt man heute auf die Tabelle, sieht die Lage für die Gladbacher eigentlich wieder hoffnungsvoll aus. Doch immer wieder folgten auf vermeintliche Aufholjagden bittere Rückschläge. Das ständige Herankämpfen kostet zu viel Kraft. Am Freitag ist ein Punkt in Mainz möglich, doch dann folgen Dortmund und Hannover, was das Ende aller Hoffnungen bedeuten wird. Ein Sieg gegen Freiburg noch, HSV-Pleite zum Abschied. Auf ein neues in Liga Zwei.

Und am Ende kommt es wohl ganz anders.