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Björn Kopplin 21. Mai 2014

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Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Björn Kopplin, geboren im Januar 1989 in Berlin, bei der U20-Weltmeisterschaft in Ägypten über die linke Abwehrseite Antreiber des Spiels der DFB-Auswahl war. Obwohl die Deutsche Mannschaft damals im Viertelfinale knapp in der Verlängerung an Brasilien scheiterte, blieb mir dieses Nachwuchsturnier wie kein vergleichbarer Wettbewerb vorher oder danach in Erinnerung. Insbesondere auch wegen dem blonden Jungen auf der linken Abwehrseite: Björn Kopplin.

Kopplin spielte damals in der Zweiten Mannschaft des FC Bayern. Nach dem Turnier urteilte ich:

Besonders Kopplin könnte in dieser Form schon bald ein ernsthafter Ergänzungsspieler werden, was in absehbarer Zeit auch das Außenverteidigerproblem der Bayern lösen könnte.

Letztendlich kam es anders: Die Lücke, als Philipp Lahm von der linken auf die rechte Abwehrseite verschoben wurde, wurde bei Bayern durch verschiedene Spieler geschlossen. Massimo Oddo, Edson Braafheid, Diego Contento, David Alaba. Nur ein Name taucht in dieser Liste nie auf: Björn Kopplin. Er brachte es nie auf ein Bundesligaspiel für den FC Bayern – mehr noch: Absolvierte noch keine einzige Partie in der höchsten Spielklasse. Wie kam es dazu? Natürlich waren im Nachgang mit einigen Jahren Abstand betrachtet meine Vorschusslorbeeren für Kopplin etwas überzogen, doch dass er ein guter Bundesligaspieler werden könnte, dessen war ich mir schon sicher.

Nach besagter U20-Weltmeisterschaft spielte Björn Kopplin noch ein Jahr im Unterbau des FC Bayern. Da war aber schon nicht mehr sein Mentor Hermann Gerland der Trainer, sondern Mehmet Scholl. 2010 schließlich ging Kopplin – übrigens auf Vermittlung von Gerland – zum VfL Bochum. Dort testete er nicht nur erfolgreich Currywürste, sondern spielte auch zwei anständige Saisons. In seiner ersten Spielzeit mit dem VfL ging es sogar bis in die Aufstiegsrelegation gegen Mönchengladbach. Doch Kopplin handelte sich im Hinspiel seine fünte Gelbe ein, fehlte dann im Rückspiel gesperrt. Bochum blieb (sicher nicht wegen Kopplin) zweitklassig, plänkelte im Jahr darauf im Mittelfeld vor sich hin. Aber Kopplin war Stammspieler, allerdings auf der Position des Rechtsverteidigers.

Björn Kopplin war nun etabliert, immerhin in der Zweiten Bundesliga. Und so klang es schon etwas romantisch, als im Sommer 2012 sein Wechsel zu Union Berlin erfolgte. Die Köpenicker waren bereits in den ersten neun Fußballerjahren Kopplins Heimat, eher er im Alter von 15 nach München wechselte. Der Start in seiner Geburtsstadt war aber sicher nicht optimal: Kopplin verpasste zunächst mit einer Schambeinentzündung, kurz darauf mit einem Nasenbeinbruch das komplette erste Halbjahr. Es folgten zwar noch elf Einsätze in der Rückrunde, doch in der Saison 2013/2014, die eigentlich dann seine hätte werden sollen, kam er nicht an Marc Pfertzel vorbei. Kurioserweise jener Spieler, den er einst in Bochum verdrängte. Sieben Partien stehen in seiner Statistik der abgelaufenen Spielzeit, fünf weitere Spiele in der Zweiten Mannschaft, die in der Regionalliga Nordost kickt. Und die Perspektiven sind nicht besser: Obwohl Marc Pfertzel die Eisernen im Sommer verlässt, hat Union mit dem Österreichischen Nationalspieler Christopher Trimmel bereits einen neuen Konkurrenten verpflichtet.

Die Gründe für den ausgebliebenen endgültigen Durchbruch von Björn Kopplin sind vielschichtig. Da waren zum einen die wohl zu hohen Erwartungen. Vielleicht aber auch seine Versetzung auf die rechte Abwehrseite – denn auf Links wäre die Konkurrenz, egal in welchem Verein, wohl heute nicht so groß. Seine Vorstöße von der linken Flanke waren beim Nachwuchsturnier 2009 eine echte Waffe, in seinen Vereinen trat Kopplin aber nicht als besonders offensiv in Erscheinung. Doch auch eine gewisse Unruhe und Schludrigkeit waren Gründe, weshalb die Karriere nicht den erhofften Verlauf nahm. In einem Beitrag der Berliner Zeitung vom letzten Dezember berichtet sein Jugendtrainer Hermann Gerland: “Er war sehr schnell und laufstark, hatte allerdings wenig Ruhe am Ball”. Dass er sich in der letzten Saison nicht durchsetzen konnte, lag wohl auch an einer mangelnden Einstellung in der Vorbereitung. Kopplin gibt zu: “Ich war vom Fitnesszustand nicht so weit, dass ich jedes Training gut absolvieren konnte”.

Bis 2015 läuft der Vertrag von Kopplin bei seinem Heimatklub noch. Die Perspektiven sind wie beschrieben durch die Verpflichtung eines prominenten Konkurrenten nicht besser geworden. Doch man kann Björn Kopplin nur wünschen, dass er den Kampf wenigstens annimmt und sich an den Rat seines Ex-Trainers Gerland hält: “Er soll ein bisschen Gas geben”.

Chong Tese 24. August 2010

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Chong Tese ist sein Name. So steht es zumindest auf seinem Trikot, und so wird der Mann wohl auch ausgesprochen. Offensichtlich wurde hier von seinem neuen Verein, dem VfL Bochum, nur eine neue Version der Transkription seines Namens ausgepackt, denn bei Wikipedia taucht die Schreibweise wie auf seinem Trikot überhaupt nicht auf. Immerhin kann man froh sein, dass Bochum nicht erstklassig spielt, denn das ZDF hätte bestimmt noch eine schöne neue Form der Aussprache für ihn gefunden.

Von den Wirren um die korrekte Schreibweise von Teses Namen nun aber zum sportlichen. Chong Tese wird in seiner Heimat als “Wayne Rooney Asiens” verkauft. Nun halte ich wenig davon, Spielern das Prädikat anderer Fussballer aufzudrücken. Wie oft etwa hatte Frankreich schon den “neuen Zidane”? Immerhin steht ein Quervergleich mit Rooney aber auch für eine gewisse Qualität, für einen bestimmten Stürmertyp. Nach den ersten neunzig Minuten des Nordkoreaners in der 2. Bundesliga kann man folgendes Fazit ziehen: Qualität ja, aber ein Rooney-Doppelgänger ist er eher nicht.

Gleich zwei Treffer waren es zum Ligadebüt für Tese. Die ersten sechzig Minuten legte er einen bemerkenswerten Elan an den Tag, war in der Offensive auf allen Positionen zu finden, rannte ohne Ende. In Erinnerung bleiben zwei schöne Tore, wobei besonders sein Hechtkopfball überzeugte, wie man es eigentlich nur aus den FIFA-Spielen von EA Sports kennt. Nach etwa einer Stunde war die Luft zwar raus, aber nachhaltig in Erinnerung bleibt er für mich nach diesem Spiel auf jeden Fall. In den nächsten Wochen darf Tese dann bestätigen, ob es sich hier um ein kurzes Strohfeuer zum Anfang handelt, oder er wirklich die Möglichkeiten besitzt, zu dem Zweitligaspieler der Saison aufzusteigen.

Nur die Hintergrundgeschichte von Tese wirkt auf mich etwas strange. In Japan geboren als Sohn einer südkoreanischen (!) Auswandererfamilie besuchte er eine Schule, und später eine Universität, die Nordkorea nahe stehen. Offensichtlich hat er noch nie in Nordkorea gelebt, spielt aber seit dem Sommer 2007 für dieses Land. Bei der Weltmeisterschaft ging sein Bild um die Welt, als er bei der Nationalhymne weinte. Das wirkte auf mich im Vorfeld doch etwas befremdlich, sowohl seine Wahl für Nordkorea zu spielen, als auch der Emotionsausbruch vor einem WM-Spiel. Eines aber muss man ihm lassen: In seinen ersten Wochen in Deutschland hat er die Sprache sehr gut gelernt – das konnte man gestern im TV-Interview hervorragend miterleben – und spricht somit fast besser Deutsch als viele Spieler, die bereits seit Jahren hier spielen.

BL-Analyse (I): Im Keller 23. Dezember 2009

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Die Hinrunde ist bereits wieder einmal Geschichte, die Spieler widmen sich mehr oder weniger freudig den besinnlichen Stunden des Jahres. Gleichzeitig gibt uns das die Gelegenheit die Tradition unserer Analyse der Bundesligavereine während der Winterpause wieder aufzunehmen. Bereits zum vierten Mal durchleuchten wir die 18 Vereine und ihr Auftreten in den vergangenen 17 Spielen – nicht zu letzt, um auch eine Prognose für die zweite Hälfte der Saison abzugeben. Dafür zäumen wir die Tabelle von unten auf und beginnen mit den Kellerkindern, die ein eher tristes Fest erleben dürften.

VfB Stuttgart (15. – 16 Punkte – 16:23 Tore)

Der Saisonverlauf

Der mit Ambitionen gestartete Vorjahresdritte begann die Saison wie so oft in den vergangenen Jahren mit einer Krise im Herbst. Was zunächst nur wie eine Ergebniskrise schien, fuhr immer stärker in die Knochen und wuchs sich zu einer handfesten Talfahrt aus, die geprägt war von der Suche nach dem großen Knopf, den Trainernovize Babbel trotz oder wegen seines Lehrgangs nicht zu drücken vermochte, so dass am Ende der Vorstand nach unrühmlichen Protesten drei Spiele vor der Pause das Not-Aus betätigte. Der darauf folgende jüngste Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz nach der Inthronisierung des ewigen Kandidaten Christian Gross scheint hingegen fast unterzugehen in jenem Orkan, den Jens Lehmann entfachte. Zunächst feilte er mit harter öffentlicher Kritik am Vorstand nach der Entlassung von Babbel und dann mit eigenen Aussetzern, die Punkte kosteten, an einem Bad Boy-Image, dass den Verein nicht zur Ruhe kommen ließ.

Analyse

Der Vater des letztjährigen Erfolgs, Markus Babbel, hatte seinen wichtigsten Sohn, Mario Gomez, in der Sommerpause verloren. Die Entschädigung war zwar nicht zu verachten, doch von diesem Kuchen wollte jeder etwas ab haben, weshalb sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig gestaltete. Lange ließen Ergebnisse auf sich warten. Bis mit Hleb und Pogrebniyak kamen – und bis jetzt enttäuschten. In der allgemeinen Verunsicherung der Stuttgarter kamen sie nicht zurecht. Dafür schwang sich mit Kuzmanovic ein anderer Neuer zum Leistungsträger auf. Die Lücke im Sturm, das offensichtlichste Manko der Hinrunde konnte auch er nicht alleine stopfen. Die Chance der allgemeinen Verunsicherung nutzte mit Rudy auch der Nachwuchs. Dass das Potenzial, das sie lange Zeit nicht abrufen konnten noch in ihnen steckt, zeigten sie beim Gross’schen Einstand in der Chamipons League eindrucksvoll.

Prognose

Sollte Gross ein annähernd ähnlicher Einstand gelingen, die dem erfolgreichstem aller VfB-Trainer – seinem Vorgänger – wird man wohl leicht südlich der Europaligaplätze landen. Bei weitem realistischer dürfte aber ein Platz im gesicherten Mittelfeld sein, worüber man nach dieser Hinrunde sicher nicht undankbar sein wird. Vom großen fußballgeschäft wird man sich mit zwei Festen gegen Barca kurzfristig aber erst einmal verabschieden müssen.

VfL Bochum (16. – 16 Punkte – 18:33 Tore)

Der Saisonverlauf

Nach unser Saisonvorschau bewegt man sich in Bochum durchaus im Soll. Viel mehr erwartet man von der Nummer Drei im Ruhrgebiet angesichts des engen Etats auch gar nicht. Trotzdem gab es schon früh in der Saison so etwas wie eine kleine Revolution im Verein, als der Verein sich nach einigen schlechten Auftritten den wieder einmal verstärkten Unmutsäußerungen gegenüber Koller beugte. Nach vier Jahren war sein ohnehin geringer Kredit aufgebraucht gewesen, seine unspektakuläre Art nicht mehr erwünscht. Mehr Einsatz, mehr Spektakel wünschte man sich. Der Trainernovize versprach solchen bei seinem Antritt. Von großen Sprüngen, die die Bochumer seitdem vollzogen haben könnten, ist nicht viel zu sehen, so dass der Abstiegskampf weiterhin das Gebot der Stunde bleibt.

Analyse

Geändert hat sich nicht viel. Ruhiges Handeln scheint immer noch das Gebot der Stunde zu sein. Das große Feuer und die Leidenschaft, die Herrlich versprach lässt sich zu oft noch lange bitten, was letztendlich dazu führte, dass ein besserer Ausgang der Hinrunde gegen Köln und Stuttgart verspielt wurde. Doch hier gilt, das das wichtigste war, hier nicht verloren zu haben, denn das größte Plus waren sicher die Siege gegen die direkten Konkurrenten Hertha, Nürnberg und Hannover. Überhaupt liest sich der Kader wie eine lange Liste mit Erinnerungen an eine bessere Zukunft. Viele Spieler die einst von Bochum auszogen die Welt zu erobern kehrten geschlagen an ihre Wurzeln zurück und suchen weiter die Form vergangener Tage. Ein wenig wie die gesamte Mannschaft.

Prognose

Sollte man gegen die direkte Konkurrenz weiter die Nase vorne behalten und das ein oder andere Extra einsammeln, könnte es noch etwas werden mit dem Klassenerhalt. Wahrscheinlicher bleibt angesichts des mittelmäßigen Kaders wohl eher ein Platz in der Relegation.

1. FC Nürnberg (17. – 12 Punkte – 12:32 Tore)

Der Saisonverlauf

Als letztes der vier Kellerkinder hat mit dem Ende der Hinrunde nun also auch der Club seinem Trainer den Laufpass gegeben. Der strahlende Aufstiegsheld Michael Oenning, dem schon das viele nicht zugetraut hatten, musste kurz vor Weihnachten den Hut nehmen. Das positive Momentum nach dem Aufstieg ist so vollkommen verpufft. Drei Siege und drei Unentschieden waren der Verantwortlichen einfach zu wenig. Obwohl Nürnberg bis zu der Niederlagenserie gut im Geschäft war und das rettende Ufer noch im mittelnahen Bereich zu sein scheint. Doch scheinbar wollte man handeln bevor es zu spät ist, was etwas übereifrig erscheint.

Analyse

Nun soll es also Dieter Hecking richten. Heiß sei er auf die Aufgabe und es folgen die üblichen den Abstiegskampf betreffenden Sprüche eines Feuerwehrmannes. Auslöser für seine Verpflichtung waren wohl die vier letzten desolaten Auftritte der Nürnberger, die die ganze Situation noch einmal verschärft darstellten. Hinten lässt das Aufstiegsprunkstück zu viel zu und vorne fehlt ein Vollstrecker, der auch einmal ein Tor mache kann. Das wirft auch kein gutes Licht auf den in der Quantität exponierten Sturm mit unter anderem Neuzugang Charisteas, der furios scheiterte. Auch präsentierte soch das einstige Phantom Mintal wirkt eher wie ein Schatten. sich Als Pluspunkt konnte man bis vor kurzem die charmante Art von Oenning anführen, die nun aber wegfällt.

Prognose

Dieter Hecking scheint irgendwie der falsche Mann am falschen Ort zu sein. So wirklich traut man ihm die Mission Klassenerhalt nicht zu, weshalb es für den Club als Rekordabsteiger auch wieder nur um den Wettstreit um einen der letzten beiden Plätze gehen wird. Angesichts der letzten Bilanzen kein gutes Zeichen.

Hertha BSC (18. – 6 Punkte – 13:39 Tore)

Der Saisonverlauf

Der Saisonverlauf der Berliner ist im Grunde schnell erzählt. Zum Start ein Sieg, dann folgten sechs Niederlagen, nach denen Favres Stuhl vor die Tür gestellt wurde. Der Neue auf dem Posten, Feuerwehrmann aus Überzeugung Funkel, setzte die Serie für zwei Spiele fort, bevor alle Jubeljahre einmal ein Punkt Himmel fiel. Kurz und knapp: In der Bundesliga setzte es eine katastrophale Hinrunde. Einzig die Europaliga sorgte im Spätherbst für neuen Mut, als mit drei Siegen die zweite Runde erreicht wurde.

Analyse

Mängel in allen Mannschaftsteilen prägen die Hinrunde der Berliner. Obwohl allen klar war, dass der Verlust von gleich drei Führungsspielern ein schweres Stück Arbeit wird und die letzte Saison eine erfreuliche Ausnahme war, muss man sich schon fragen, wie das eigene Team dermaßen überschätzt werden konnte. Favre mag das zwar gesehen haben, schien sich aber in seiner zögerlichen Art nicht gegen allmächtige Sparpläne durchringen zu können. Die geholten Spieler waren bis auf eine Ausnahme keine Verstärkungen. Da sein Nachfolger mit dem gleichen Kader auch nicht mehr auf die Beine bringt, scheint man in der Führungsetage nun gemerkt zu haben, dass ohne entsprechende Verstärkungen nicht einmal mehr ein Blumentopf zu gewinnen ist. Zwei weitere Verteidiger und mit Gekas ein Stürmer, der dem bisher einzigen Torschützen, der diesen Namen verdient hat, behilflich sein soll, wurden bisher geholt. Auch wenn dies laut Preetz bereits alles gewesen sein soll, ist das Mittelfeld bisher der einzige Mannschaftsteil, der ohne Winterzugang leben muss. Max scoutete dafür intensiv in Norwegen, wo er mir bzw. eher dem Verein Magne Hoseth, als polyvalenten und vor allem torgefährlichen Mittelfeldspieler vorstellte. Ein solcher wäre vielleicht noch eine Überlegung wert.

Prognose

Zum Sterben zu wenig und zum Überleben sowieso. Sollten Preetz, Gegenbauer und Funkel ihre Seele nicht dem Teufel verschreiben, sieht es leider düster aus für die alte Dame. Einzig ein – kaum zu erwartender – überragender Start in die Rückrunde könnte die Hoffnung noch einmal nähren.

Soweit zum Auftakt unserer erneuten Serie. Die nächsten Teile wird es voraussichtlich erst nach den Weihnachtsfeiertagen geben.  Doch auch während dieser Tage soll es hier nicht verwaisen. Vielmehr lädt Max zu einem Liveblogging. Es lohnt sich also reinzuschauen. In diesem Sinne wünsche ich schon einmal ein Frohes Fest.

Neue Herrlichkeit in Bochum 27. Oktober 2009

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Am 20. September trennte sich der VfL Bochum von Trainer Marcel Koller. Der Schweizer hatte während seiner vierjährigen Tätigkeit in schwierigem Umfeld über lange Zeit die kontinuierliche Arbeit fortgesetzt, die sein Vorgänger Peter Neururer gestartet hatte. Nur wenige hatten Koller zugetraut, so lange im Amt zu bleiben – letztendlich betreute er das Team über den gleichen Zeitraum wie sein beliebter Vorgänger. Mit dem Eidgenossen an der Linie schaffte Bochum den Aufstieg und hielt letztendlich dreimal die Klasse. Und trotzdem sah sich Koller immer wieder starkem Gegenwind ausgesetzt, mehrmals in seiner Amtszeit hing sein Job am seidenen Faden. Bis im September endgültig Schluss war. Der neue Coach soll nach langer Sondierungsphase wohl Heiko Herrlich heißen.

Der ehemalige Torjäger hat in seiner noch relativ jungen Trainerkarriere schon beachtliche Erfolge aufzuweisen: Mit der A-Jugend von Borussia Dortmund gewann er den Westfalenpokal gegen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen. Sein toller Auftritt mit der U17-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2007, als der dritte Platz erreicht wurde, bildete den Auftakt einer Reihe von Erfolgen diverser DFB-Juniorenteams. Die Arbeit als Chefcoach bei einem Bundesligisten wäre freilich eine neue und schwierige Erfahrung für Heiko Herrlich. Nach diversen Medienberichten soll er bereits heute als neuer Trainer im Revier vorgestellt werden.

Er wird in Bochum keine einfache Aufgabe vorfinden. Auch wenn Marcel Koller sich fast zwei Jahre Schmähgesängen, die bereits früh seine Entlassung forderten, von den Rängen ausliefern musste – der Schweizer hat aus bescheidenen Möglichkeiten viel rausgeholt, am Ende hatte sich sein System aber abgenutzt. Der ruhige Schweizer konnte bei seinem Kader nicht mehr das richtige Feuer entfachen. Dabei hatte sich eigentlich nicht viel geändert, auch in den Jahren zuvor waren die Bochumer schlecht gestartet. Sein Interims-Nachfolger Frank Heinemann konnte das zumindest teilweise ändern, berief unter anderem den vierten Torwart Luthe zum zeitweisen Stammgoalie. Doch nach mehr als einem Monat auf der Trainerbank dürfte Heinemann jetzt wieder in die zweite Reihe rücken.

Bochum ist vielleicht die denkbar schwerste Aufgabe für einen Bundesliga-Novizen. Auf der anderen Seite aber auch eine große Chance: Schafft es Herrlich, dem Team neues Leben einzuhauchen, kann die Stimmung auch schnell in Euphorie kippen, so wie man es unter Peter Neururer erlebt hat. Letztendlich bleibt aber ein mäßig besetzter Kader und ein geringer Etat. Der Klassenerhalt wird auch mit dem neuen Coach das erste Ziel bleiben, alles andere ist unrealistisch. Vielleicht kann die Spielweise etwas attraktiver gestaltet werden. Überzeugt bin ich aber von einem Punkt: Herrlich ist von den für Bochum realistischen Traineroptionen vielleicht die beste Wahl.

Die Saisonvorschau – Die letzten Sechs 5. August 2009

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Die erste Pokalrunde ist bereits passé und die Saison nähert sich in Siebenmeilenstiefeln ihrem Auftakt. So wird es wieder Zeit für die schon fast traditionelle Saisonvorschau in ihrer dritten Ausgabe. Diesmal in handlichen Sechsergruppen eingeteilt, schweift der Blick zu Beginn in die unteren Tabellenregionen, in denen über weite Teile der Saison der Abstiegskampf toben wird. Abzurufen gibt es die aufgeschlüsselten Noten natürlich auch, wobei kurz angemerkt werden muss, dass in dieser Saison die Mannschaftsspezifischen Aspekte mit einer kleinen Gewichtung von 2:1 zu den restlichen vier Noten etwas mehr in den Mittelpunkt gerückt wurden.

1. FC Nürnberg (Letzte Saison: Zweite Liga – Note 2,40)

Nachdem sie das Hintertürchen Relegation erfolgreich genutzt haben, sind die Nürnberg nun also nach nur einem Jahr Abstinenz wieder in der Bundesliga angekommen und reihen sich gleich als erfolgreichster Aufsteiger in die Rangliste ein. Die Garanten für den Erfolg stellen auf der einen Seite die Defensive dar, die unterstützt von einem erfahrenen Rückgrat Raphael Schäfer schon in der letzten Saison die Grundlage für den Erfolg stellten. Überhaupt wird der sympathische Jungtrainer und Vater des Erfolgs, Michael Oenning, auf einen jungen, eingespielten Kader zurückgreifen können, der lediglich mit einigen wenigen Neuzugängen der Kategorie Ergänzung verstärkt wurde. Letztendlich wird sich die Bundesliga auf die Rückkehr einiger alter Bekannter wie Mintal freuen, die sich am Ende mit ausreichendem Abstand für einen versöhnlichen Saisonabschluss zur heißen Zone einsortieren werden.

SC Freiburg (Letzte Saison: Zweite Liga – Note 2,52)

Der Deutsche Zweitligameister der abgelaufenen Runde sortiert sich direkt dahinter ein und kehrt ebenfalls mit einem jungen, erfolgreichen Trainer ins Oberhaus zurück. Mit Robin Dutt ist es dem Nachfolger von Volker Finke gelungen das schwere Erbe anzutreten und auch erfolgreich mit einer ebenfalls jungen Mannschaft weiterzuführen. Die größte Stärke dürfte wie eigentlich gar nicht anders zu erwarten im Breisgau das ruhige Arbeitsklima sein. Mannschaft und Trainer können in aller Ruhe am Erfolg basteln, ohne das von außen oder ihnen Querschläger die Arbeit konterkarieren. So waren sie auch nur mal kurz intensiver in den Medien vertreten, als Kakas Bruder zum Test mittrainierte, später dann aber wieder in die Wüste geschickt wurde. Wie bei allen drei Aufsteigern ist der am stärksten einzuschätzende Mannschaftsteil, die Defensive, die nach dem Unfall Topraks noch einmal Zuwachs erhielt. Sollte es keine unerwartet Großen Umstellungsprobleme geben, dürften das Ziel Klassenerhalt für die Baden-Württemberger ebenfalls erfolgreich verlaufen.

Borussia M’Gladbach (Letzte Saison: 15. – Note 2,57)

In der letzten Saison verdankten die Borussen den Klassenerhalt aus aussichtloser Position wohl fast einzig dem Heldenstück von Hans Meyer, der sich nach getaner Arbeit sogleich wieder in den (vorläufigen) Ruhestand verabschiedet hat. Neben Meyer verabschiedeten sich auch Marin und Baumjohann, für die mit einem beherzten Griff ins Geldsäckel auch Ersatz verpflichtet wurde, der durchaus vielverspechend ist, sich aber einerseits erst einmal in die neue Angriffsordnung einfinden und an die Bundesliga andererseits eingewöhnen werden muss. Gleichzeitig kommt auf Frontzeck, der auf seinen bisherigen Stationen unter noch schlechteren Vorzeichen nicht unbedingt immer zu überzeugen wusste, die Aufgabe hinzu dem Defensivverbund die richtige Einstellung beizubringen, damit sich nicht wieder so eine schwer umzukehrende Dynamik wie in der letzten Saison entwickelt. Dies dürfte der Knackpunkt für ein erfolgreiches Abschneiden werden. Dank der Neuzugänge, die die Borussia bereits letzten Winter retteten, dürfte der Klassenerhalt das zweite Mal in Folge knappest möglich geschafft werden, wenn auch mit Zittern.

FSV Mainz 05 (Letzte Saison: Zweite Liga – Note 2,73)

Eine wahre “Glanzleistung” legten die Verantwortlichen von Mainz in den letzten Tagen hin, als sie kurz vor Saisonstart den offenbar vorherrschenden Spannungen nachgaben und den Aufstiegsheld Andersen von seinen Pflichten entbanden. Die Domstädter stehen somit kurz vor dem Saisonstart vor einem kleinen Scherbenhaufen: Ein Trainer, der zwar im Juniorenbereich Meister ist, sonst aber seine Feuertaufe erst bestehen muss, ein Kader, der nicht zuletzt wegen seiner vielen Verletzten kurz- und mittelfristig kaum in der Lage sein dürfte im Tollhaus Bundesliga zu bestehen und dem bereits im vergangenen Saisonfinale ein wenig die Puste ausging. Mit Ivanschitz wurde zwar ein vielversprechender Name eingekauft, doch keiner weiß, wie viel der Österreicher nach langer Abstinenz in der Lage ist zu leisten. Es steht den Rheinland-Pfälzern also eine ausgesprochen schwierige Saison mit so einigen Fragezeichen ins Haus. Doch dank seiner frenetischen Fans, erlangen die Karnevalsrecken letztendlich trotz aller widrigen Umstände noch den Platz zur Relegation, der ihnen eine letzte Ausfahrt aus dem Sündenpfuhl gewährt.

VfL Bochum (Letzte Saison: 14. – Note 2,78)

Erstaunlich, wenn nicht sogar fast erschreckend ist es, wie Marcel Koller in aller Ruhe und Schweizer Gemütlichkeit den VfL Bochum fast vollkommen unbemerkt durch die Untiefen der Bundesliga und des Abstiegskampfes in das inzwischen vierte konsekutive Bundesligajahr lenkt. Wie ein U-Boot auf Schleichfahrt wirken die Ruhrgebietler dabei. Weder Stars noch sonstige Mätzchen stören die Ruhe in größerem Maße und nichts destotrotz werden die Fans mit ihrem Trainer nicht so recht warm. Dabei ist der VfL durchweg mit bekannten Namen besetzt, von denen einen allerdings niemand vom Hocker reißen kann. Auch die Neuzugänge versprechen keine Bäume auszureißen, womit man in Bochum wieder einmal den Ruf als graue Maus mehr als bestätigt. An für sich muss das nichts schlechtes sein, doch vor lauter Grau reicht es dann, da andere Mannschaften vorbei zuziehen vermochten in unserer Saisonvorschau auch nicht mehr für einen Platz unter den ersten 16.

Hannover 96 (Letzte Saison: 11. – Note 2,81)

Ehrlich gesagt ist es für mich immer noch ein mittelgroßes Rätsel, wie Hannover sich so weit oben hat einsortieren können in der letzten Saison. Auf der Habenseite ist da sicher der Leistungs- und Sympathieträger der Mannschaft zu nennen. Mit Robert Enke haben sie einen Torwart, der auf der einen Seite zu bemitleiden ist, für das, was seine Vorderleute anstellen und andererseits zu bewundern für das, was er daraus macht. Nominell mag der Rest der Mannschaft zwar durchaus namhaft sein, doch in den Spielern steckt nicht wirklich das drin, was sie einst bei der Verpflichtung versprochen hatten. Aus finanziellen Gründen sind dann echte Verstärkungen auch Mangelware und im Brennpunkt Abwehr wurde nur Haggui verpflichtet, während man ansonsten im Großen und Ganzen auf den Kader der letzten Saison vertraut. Man könnte es auch ein Vabanquespiel oder Russisch Roulette mit einem unausgewogenen Kader nennen. Einzig die Heimbilanz rettete die Mannschaft und zeigte, dass der auswärts absolut harmlose Kader Bundesligareife besitzt. Positiv hervorzuheben ist auch die Kontinuität mit Dieter Hecking  auf dem Trainerstuhl, die bei einer nervöseren Vereinsführung sicher schon lange keinen Bestand haben würde. Trotz der wenigen Lichtblicke belegen die Rothemden in unserer Saisonvorschau den letzten Platz und müssten nach langen Jahren Bundesliga mit dem bitteren Abstieg vorlieb nehmen.

Soweit also das untere Tabellendrittel, in dem Schweißausbrüche und Angstzustände angesichts der Tabellensituation häufen dürften. Mit den nächsten sechs Mannschaften wird die Serie dann in ruhigeren Gefilden fortgeführt werden. Doch bis dahin wünsche ich noch einen sonnigen Mittwochnachmittag.