VfB Stuttgart

Schwäbisches Mittelmaß

Posted by Moritz on April 21, 2013
Bundesliga / No Comments

Man kann zu den Schwaben stehen wie man will, mit dem Verein wird in den letzten Jahren wohl nur absolutes Mittelmaß verbunden. Wer steht besser dafür als der Name des aktuellen Trainers. Doch Labbadia hin, Labbadia her – der Verein ist seit Jahren einer der regelmäßigsten Teilnehmer am internationalen Geschäft und das macht den VfB Stuttgart gewissermaßen zu einem Phänomen.

Mit dem heutigen schon zweiten Sieg über den SC Freiburg, stellt wieder eine Saison auf den Kopf. Wo seit Monaten eigentlich nur Verdruss auftürmte, stellt sich der Trainer nun hin und bezeichnet die Saison mit dem Nichtabstieg und der Qualifikation für die Europaliga als erfolgreich.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein paar erfolgreiche Wochen mögen zwar kurzfristig Zufriedenheit verbreiten, an den grundsätzlichen Problemen ändert sich dadurch aber herzlich wenig. Jung und wild ist längst Vergangenheit. Tristesse ist auf dem Rasen angesagt. Bis auf einige seltene Ausnahmen mit Symbolcharakter, in denen der VfB zu erleichtern weiß wie in Frankfurt, bleiben zu selten. Die Realität hieß zu oft Magerkost und Gegentore.

Gerade in den letzten Wochen wurde der hohe Einsatz der Mannschaft gelobt oder – je nach Ansicht – für den harten Einsatz kritisiert. Fakt ist, sie läuft und sprintet in der Bundesliga unerreicht weit und oft. Die Tatsache, dass dies explizit hervorgehoben wird, sagt schon viel über den sonstigen Zustand der Mannschaft aus. Denn was nützt all das Laufen, wenn die Tore wer anders macht und die Vorstellung eher öfter als selten mit einschläfernd als mitreißend bezeichnet wird. Hohe Niederlagen gegen Bremen und Düsseldorf prägen eine weitere Sicht auf dieses Problem.

Im Sommer soll hingegen laut Bobic wieder einmal eine Überraschung warten. Nach den bemerkenswerten Verschiebung der Aktivitäten zuletzt in den Winter, ist eine gewisse Portion Skepsis wohl angesagt. Im letzten Sommer wurde der Mannschaft der Vorsaison aus Gründen der Austerität noch vertraut, um letztlich festzustellen, dass die Möglichkeiten sich misszuverstehen trotz Eingespieltheit nahezu unbegrenzt sind. Zwischen den Jahren wurde jedoch die eigentliche Ergänzung verpflichtet. Zuerst Ibisevic und dieses Jahr Maxim brachten die Mannschaft stets einige Schritte voran. Für den ganz großen Wurf reichte es in jeweils einer halben Saison jedoch nicht.

Von Jugendspielern aus der eigenen Akademie hört man hingegen zwar viel, integriert werden sie aber trotz aller Sorgen nur zaghaft. Mit dem jungen Rüdiger gibt es zwar wieder ein Exempel, dass es doch geht. Auf breiterer Front ist davon aber nichts zu spüren. Wo bleiben ein Khedira oder ein Tino Werner, über die hin und wieder gefachsimpelt wird, letztlich aber nicht weiter in Erscheinung treten.

Was bleibt ansonsten noch von der Saison? Die allgemeine Stimmung im Umfeld ist seit Monaten mies. Verein und Fans sind alles andere als ein Herz und eine Seele. Erinnert sei nur an gähnende Leere im Stadion im Europapokal. Die schlechtere Heimbilanz ist wohl mehr als nur ein Symptom.  So beschäftigt man sich am Ende doch wieder mehr mit sich selbst, als mit einer Perspektive. All das macht es für die Verantwortlichen nicht einfacher den Verein aus der Lethargie zu reißen und die Fans gleich mit.

Mit dem Pokalfinale hat sich der Verein zwar wieder einmal mit einem Erfolg – an einen Sieg in Berlin werden wohl nicht einmal Berufsoptimisten glauben – in die Sommerpause gerettet. Eine Initialzündung sieht jedoch anders aus. So wird wohl alles bleiben, wie es schon immer war – und das Phänomen Stuttgart lebt weiter.

Tags:

Zur Lage der Liga – unten

Posted by Max on April 13, 2011
Bundesliga / No Comments

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich das Trainerkarussell der Bundesliga nicht ein Stück weiterbewegt. Heute ist es Holger Stanislawski, der seinen Abschied zum Saisonenende verkündet hat. Ob er den 34. Spieltag wirklich noch als Coach erlebt, dürfte nach dem Erlebten der letzten Wochen nicht als 100%ig sicher gelten. Sollte er ab Sommer zudem – wie spekuliert wird – tatsächlich neuer Übungsleiter in Hoffenheim, wäre das ein ziemlich krasser Imagewechsel der St. Pauli-Legende. Derzeit aber steht er noch in Hamburg in der Verantwortung und muss zusehen, mit seinen Kiez-Kickern nach sieben Pleiten in Folge den Umschwung im Abstiegskampf zu schaffen. Und damit auf zu Teil Zwei der Tabellenanalyse – der Blick nach unten.

tabelle2011_unten.jpg

Die fast Geretteten

Nach meinen Berechnungen reichen diese Saison 36 Punkte für den direkten Klassenerhalt, ein Zähler weniger berechtigt immerhin zur Teilnahme an der Relegation. Vier Vereine haben dieses Ziel schon fast erreicht und brauchen aus den letzten fünf Spielen nur noch ein oder zwei Punkte, um auf der sicheren Seite zu sein. Zum einen die TSG Hoffenheim. Mit Spannung hatte ich die Auswirkungen des Trainerwechsels im Kraichgau erwartet – doch Marco Pezzaiouli konnte den Vertrauensvorschuss nicht zurückgeben, zeigte sich farblos, das Team tritt seit der Winterpause endgültig auf der Stelle. Ein kompliziertes Restprogramm wird dafür sorgen, dass es mit Punktgewinnen gegen Frankfurt und Wolfsburg nur knapp über die 40-Punkte-Grenze geht. Auswärtsniederlagen in Leverkusen und Nürnberg scheinen vorprogrammiert, zudem empfängt die TSG noch hochmotiverte Stuttgarter. Letztendlich bleibt es beim tristen zehnten Rang – jenseits von Gut und Böse.

Bei Werder Bremen machen sie drei Kreuze, wenn die Saison endlich vorbei ist. Mittlerweile hat sich das Schaaf-Team selbst in etwas ruhigeres Fahrwasser gebracht. Zudem geht es gegen St. Pauli, Wolfsburg und Kaiserslautern. Direkte Konkurrenten also, und Spiele, wo Werder jeweils zumindest mit einem Remis leben kann. Auch der designierte Meister Dortmund wird an der Weser kein leichtes Spiel haben. Lediglich die wiedererstarkten Schalker dürften am nächsten Spieltag eine andere Kragenweite haben und drei Punkte aus dem Weserstadion mitnehmen. Dennoch brennt für Werder nichts mehr entscheidend an.

Der 1. FC Kaiserslautern scheint aus dem Gröbsten heraus, muss aber wachsam bleiben. Die nächsten Spiele gegen Nürnberg, Schalke und St. Pauli bringen nochmal Unsicherheit, ein Auswärtssieg in Wolfsburg am 33. Spieltag jedoch wird den Klassenerhalt endgültig klar machen. Da wird das Remis eine Woche später gegen Werder Bremen nur noch die Kür sein.

Mit seiner Heimstärke haben die Spieler vom 1. FC Köln das Fundament gelegt für die ordentliche Ausgangsposition. Mit einem weiteren Erfolg vor eigenem Publikum am Samstag gegen Konkurrent Stuttgart wird der letzte Schritt gemacht. Da darf man sich dann auch im Derby gegen Leverkusen wieder mal eine Heimpleite leisten, in Wolfsburg und Frankfurt werden wie üblich die Punkte gelassen. Ein Punktgewinn gegen Schalke beendet die Saison. Die Kölner haben so viele Big-Point-Spiele gegen direkte Konkurrenten, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die akut Gefährdeten

Geändert hat sich bei Eintracht Frankfurt einiges, seit Christoph Daum das Zepter schwingt. Die Ergebnisse jedoch fehlen noch, und so wird es ein zähes Ringen um den Ligaverbleib bis zum Ende. Das Restprogramm ist extrem schwer. Ein Unentschieden am Samstag in Hoffenheim, ein Heim-Erfolg gegen Köln: Reicht alles gerade so, denn Niederlagen gegen Bayern, Mainz und Dortmund müssen zwingend einkalkuliert werden. Nur über die zwei genannten Spiele wird der Weg zum Ziel führen.

Apropos drei Kreuze: Für den VfB Stuttgart dürften die Haken hinter die Spielzeit eher dutzendweise gesetzt werden. Es wird richtig eng, und der Ligaerhalt sollte schon vor dem letzten Spieltag feststehen – denn dann geht es nach München. Am Samstag in Köln wird man an der Heimstärke des Gastgebers verzweifeln, auch der HSV eine Woche später wird die Schwaben vor Probleme stellen. Vielleicht wackelt sogar nochmal der Stuhl von Bruno Labbadia? In Hoffenheim und Hannover heißt es dann alles oder nichts. Und die Stuttgarter werden den Kopf gerade so noch aus der Schlinge ziehen.

Da wird es am Ende der Spielzeit auch dem VfL Wolfsburg nicht mehr viel nützen, dass Magath die Wölfe wieder besser in die Spur bekommt. Zu lange hat es gedauert, bis der Meistercoach die Defizite der vergangenen Monate aufgearbeitet hat. Mit einem Erfolg am kommenden Wochenende im direkten Vergleich setzt man sich erstmal von St. Pauli ab, eine Woche später folgt ein weiterer Heimerfolg gegen Köln. Die beiden folgenden Heimspiele sind das größte Plus des Champions von 2009. Zum Abschluss jedoch wird man die gute Ausgangslage wieder verdaddeln, nur ein Punkt aus dem Spiel gegen Werder, Pleiten in den Duellen mit Lautern und Hoffenheim. Für den VfL führt der Weg in die Bundesliga 2011/2012 nur über die Relegation.

Bleibt in dieser Kategorie noch der FC St. Pauli. Die Nackenschläge der letzten Wochen sind eigentlich kaum noch zu fassen. Seit dem umjubelten Derbysieg reihen sich die Niederlagen fröhlich aneinander, dazu folgt wohl noch ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Vater des Erfolgs verlässt zudem bald das Schiff. Schlechte Aussichten, St. Pauli wird stark angeschlagen absteigen. Die Fortsetzung der Pleitenserie gegen Wolfsburg, Bremen, Bayern und Mainz wird nur durch ein letztes Aufbäumen in Kaiserslautern unterbrochen. Im besten Fall.

Borussia Mönchengladbach

Blickt man heute auf die Tabelle, sieht die Lage für die Gladbacher eigentlich wieder hoffnungsvoll aus. Doch immer wieder folgten auf vermeintliche Aufholjagden bittere Rückschläge. Das ständige Herankämpfen kostet zu viel Kraft. Am Freitag ist ein Punkt in Mainz möglich, doch dann folgen Dortmund und Hannover, was das Ende aller Hoffnungen bedeuten wird. Ein Sieg gegen Freiburg noch, HSV-Pleite zum Abschied. Auf ein neues in Liga Zwei.

Und am Ende kommt es wohl ganz anders.

Tags: , , , , , , , ,

Drei gute Halbzeiten

Posted by Max on Februar 18, 2011
Europa League / No Comments

Endlich wieder Europapokal! Dienstag und Mittwoch spielt die Champions League, Donnerstag folgt die Europa League. Daran darf man sich ab jetzt wieder gewöhnen, mal abgesehen vom neuen Namen des ehemaligen UEFA-Pokals, der auch heute noch von vielen Kommentatoren falsch genutzt wird. Gestern mussten sich die Bundesliga-Vertreter aus Leverkusen und Stuttgart bei Auswärtsspielen beweisen. Obwohl die beiden Mannschaften insgesamt drei gute Halbzeiten lieferten, sprang letztendlich nur ein Sieg dabei heraus.

Für diesen Erfolg sorgte Bayer Leverkusen im vorgezogenen Spiel in der Ukraine bei Metalist Kharkov. Letztendlich war es mit 4:0 sogar ein sehr souveräner Sieg, mit dem Bayer nun schon fast sicher das Achtelfinale buchen kann. Zu Beginn der Partie hatte die Werkself noch einige Anpassungsprobleme mit den kalten Temperaturen, erstmal spielte nur der Gastgeber aus Kharkov. Doch denen war dann schnell die fehlende Wettkampfpraxis anzumerken, die heimische Premier-Liga steckt derzeit mitten in einer dreimonatigen Winterpause. Also erhöhte die Heynckes-Truppe nach zwanzig Minuten die Schlagzahl und erzielte dann auch schnell das Führungstor durch Derdiyok. Nach dem Seitenwechsel zeichnete sich ein ähnliches Bild wie in der ersten Halbzeit: Kharkov kam mit mehr Schwung aus der Kabine, aber das Angriffsspiel der Hausherren blieb letztendlich harmlos und damit auch erfolglos. So war es also wieder an Bayer, die Spielkontrolle zu übernehmen, und der Treffer vom eingewechselten Castro nach 72 Minuten machte den Auswärtssieg klar. Ein Doppelschlag vom starken Sidney Sam in der Nachspielzeit entledigte Heynckes damit auch aller eventuellen Sorgen für das Rückspiel. Ein verdienter Sieg, Bayer ließ sich nicht von der Spielverlegung und den kalten Temperaturen beeinflussen.

Unter anderen klimatischen Bedingungen musste der VfB Stuttgart in Lissabon bei Benfica antreten. Und auch sonst waren die Voraussetzungen so völlig anders als zuvor bei Leverkusen: Die Stuttgarter stecken in der Bundesliga schließlich im Abstiegskampf und rutschen zuletzt immer mehr in den Schlamassel. Bei allen Problemen im Hauptgeschäft präsentierte sich der VfB bisher in der Europa League erstaunlich sorglos und souverän. So ging es auch im ersten Durchgang bei Benfica los. Labbadias Truppe machte das Spiel und durch Harnik in der 21. Minute sogar das Führungstor. Die Portugiesen fanden lange Zeit überhaupt keinen Zugang zur Partie, scheiterten oft an der eigenen Theatralik. Doch das Bild sollte sich drehen: Wie so oft in den letzten Wochen können die Stuttgarter Spieler ihre Leistung nicht konstant über 90 Minuten abrufen. Es folgte der Einbruch, das zuvor durchaus ansehnliche Offensivspiel versiegte zunehmend und Benfica kam stärker auf. Torwart Sven Ulreich schwankte zwischen tollen Paraden und großen Unsicherheiten besonders bei der Strafraumbeherrschung. Symptomatisch dafür eine Szene, als er zunächst wie ein Anfänger eine Flanke unterlief, um die folgende Torchance mit einem großartigen Reflex abzuwehren. Letztendlich fielen durch Cardozo und Jara noch zwei Gegentreffer, die man wohl hauptsächlich in solchen Phasen kassiert, wie der VfB derzeit durchlebt. Das erhoffte Auswärtstor ist zwar gelungen, aber der Leistungseinbruch nach dem Seitenwechsel macht aus dem Rückspiel in sechs Tagen doch noch einen heißen Tanz.

Bleibt am Ende noch die Hoffnung, dass den Stuttgartern das Schicksal der letzten beiden deutschen Europapokal-Kontrahenten von Benfica erspart bleibt. Denn sowohl der 1. FC Nürnberg als auch Hertha BSC spielten in den letzten Jahren gegen das Team aus Lissabon, scheiterten und mussten letztendlich sogar den Bundesligaabstieg verkraften.

Tags: , , ,

Die ersten Opfer

Posted by Max on Oktober 26, 2010
Bundesliga / No Comments

Es ist Herbst. Die Temperaturen werden langsam ungemütlich und mancher zieht sich mittlerweile beim samstäglichen Gang in das Stadion schon eine lange Unterhose an. Traditionell bricht mit dem Abfallen der ersten Blätter aber auch ein Prozess über die Bundesliga herein, der den Entwicklungen der ersten Wochen der Saison geschuldet ist: Trainerentlassungen. Auch wenn ich generell das Gefühl habe, die Vereine sind bei vorschnellen Reaktionen in den letzten Jahren vorsichtiger geworden, hat es nun innerhalb weniger Tage die ersten beiden Opfer gegeben: Christian Groß beim VfB Stuttgart, Zvonimir Soldo in Köln. Zwei völlig gegensätzliche Typen, die jedoch der sportliche Misserfolg in den zweieinhalb Monaten dieser Spielzeit vereinte.

In Stuttgart dominierte der Schweizer Christian Groß mit harter Hand, von einigen Seiten wurden ihm sogar Allmachtsfantasien bescheinigt, die letztendlich zum schnellen – und für mich auch überraschenden – Ende beigetragen haben. Am Anfang sah es noch nach der üblichen schwäbischen Start-Delle im Saisonverlauf aus. Mit einem 7:0 gegen Mönchengladbach im September schien der Wendepunkt eingeleitet. Doch es folgten weitere Niederlagen. Die Umstände dieses Trainerwechsels sind für mich noch immer etwas diffus: Zum einen traf es Groß am Ende einer Länderspielpause. Hat es wirklich zwei Wochen gebraucht, um die Situation zu analysieren oder haben sich in der spielfreien Zeit unüberbrückbare Differenzen zwischen Trainer und Management aufgebaut? Was soll das Nachkarten von Groß’ Nachfolger Jens Keller, der mangelnden Einfluss als Co-Trainer unter seinem Vorgänger bemängelte? Für mich schaut es hier eher so aus, dass die vorschnelle Abwicklung der Personalie Groß nicht hauptsächlich ihre Ursache in der sportlichen Situation hatte. Nach anfänglichen Spekulation um eine Verpflichtung von Bobic-Kumpel Balakov oder gar Christoph Daum ist man in Stzuttgart wohl jetzt erstmal gewillt, mit dem Trainertandem Keller/Kramny fortzusetzen.

Bemerkenswert ist der Trainertausch in Stuttgart für mich auch durch die Tatsache, die für mich kaum erklärbar ist, dass es wieder ein Schweizer Trainer nicht geschafft hat, für dauerhaften Erfolg in der Bundesliga zu stehen. Erst Hans-Peter Latour, dann Marcel Koller in Köln und Bochum und nun Christian Groß. Bei Groß allerdings ist die Entwicklung besonders interessant, weil er ja quasi seit Jahren bei diversen Bundesliga-Klubs als Kandidat gehandelt wurde und nun bei seiner ersten Station in Deutschland nach nicht einmal einem Jahr die Sachen packen musste.

Nachdem es einst mit einem Schweizer nicht klappte, wagte der 1. FC Köln vergangenen Sommer das kroatische Experiment mit Zvonimir Soldo und setzte zugleich einen Trainer-Neuling auf die Bank. Eigentlich muss man überrascht sein, wie lange sich Soldo halten konnte – stand er doch eigentlich von Beginn an ziemlich unter Beschuss. Man erinnere sich nur an den unattraktiven Nullnummer-Fussball des FC in der vergangenen Saison. Oder die Querelen mit Torjäger Novakovic. Die lang andauernde Integration von Rückkehrer Podolski. Am Anfang versuchte es Soldo mit Streicheln, dann mit der harten Hand. Genützt hat es wenig, zu viele Spieler tanzten ihm auf der Nase herum. Höhepunkt jetzt war die Story um Faryd Mondragon, der letztendlich nichts anderes als Arbeitsverweigerung betrieben hat. Soldo zu lieb, zu wenig durchsetzungsfähig für den Trainerjob? Pauschal würde ich dass so nicht unterschreiben, allerdings schon für die Konstellation Köln/Soldo. Gebt Soldo einen ruhigeren Posten, das könnte klappen.

Der 1. FC Köln schreibt also wieder einmal keine sportlichen Schlagzeilen. Auch hier rückt mit U23-Coach Schaefer zunächst eine interne Alternative nach, doch dies wird wohl wirklich nur ein temporärer Zustand sein. Die Namen, die jetzt durch die Gegend geistern, passen da schon eher: Christian Groß, Christoph Daum, Hans Meyer, Klaus Toppmöller. Bei letzterem dementierte der Verein heute heftig, womit die Verpflichtung von Toppmöller also nur noch eine Frage von Stunden sein sollte. Lassen wir uns überraschen!

Tags: ,

Saisonvorschau 10/11 – Teil 2

Posted by Max on August 19, 2010
Bundesliga / No Comments

Tag Zwei im Analysebüro. Nachdem wir gestern die nach unseren Bewertungen zusammengestellte untere Tabellenhälfte der Bundesliga-Saison 2010/2011 vorgestellt haben, geht es heute weiter mit den Mannschaften im oberen Mittelfeld und den Teams, die sich Chancen auf Europapokal oder sogar den Meistertitel ausrechnen dürfen. Für weitere Details verweise ich erneut auf unsere Übersichtsseite, wo es die Einzelwertungen en detail gibt und zugleich alle Kategorien kurz erläutert werden. Damit also rein in die Saisonvorschau, Teil 2.

(1) Bayern München (Notenschnitt: 1,42)

Es geht gleich munter los, mit unserem völlig überraschungsfreien Meistertipp. Nach der überragenden letzten Saison, wo der FC Bayern auch spielerisch glänzen konnte und sich im Frühjahr in einen regelrechten Rausch spielte, verwundert diese Einschätzung nicht. Eine auch in der Breite hervorragend besetzte Mannschaft, angeführt von einem Genie auf der Trainerbank. Nur auf der Seite der Neuzugänge präsentierten sich die Bayern in dieser Sommerpause nicht meisterlich, aber bei dieser Qualität im Kader sollte das eher keine große Rolle spielen.

(2) FC Schalke 04 (Notenschnitt: 1,67)

An den Schalkern scheiden sich bei uns die Geister. Moritz sieht die “Knappen” sogar auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Für meinen Teil habe ich an einigen Stellen doch Zweifel: Wie verkraftet man die Abgänge von Heiko Westermann und Kevin Kuranyi? Trainer Felix Magath – einhellig mit Bestnote bewertet – hat zwar wieder fleißig eingekauft, inwiefern sich Quantität auch in Qualität niederschlägt, ist fraglich. Zudem könnte auch aus dem unruhigen Umfeld Unheil aufziehen, wie sich in diesen Tagen schon wieder andeutet. Im letzten Jahr ist es Magath gelungen, dass Team davon unberührt zu lassen. Bei einem Fan-Aufstand könnte das anders aussehen.

(3) Bayer 04 Leverkusen (Notenschnitt: 1,77)

Hier sind wir uns ziemlich einig. Die junge Mannschaft wirkt ausgewogen zusammengestellt und sollte auch den schmerzhaften Abgang von Toni Kroos verkraften können. Denn auf Liste neuer Spieler steht schließlich Michael Ballack, der dem Team zu neuer Qualität verhelfen wird. Wäre da nicht der ewige Zweifel an “Vizekusen”, würden die Noten vielleicht sogar noch besser ausfallen und Bayer zu einem Titelfavorit avancieren. Das aber ist unvorstellbar. So wird es wieder eine gute Saison mit einem Ende in den Europapokalrängen.

(4) SV Werder Bremen (Notenschnitt: 1,86)

Die letzten Tage waren turbulent in Bremen. Der gestrige Auftritt in den CL-Playoffs lässt aber einige Zweifel vergessen, ob der Abgang von Mesut Özil zu kompensieren ist. Zweifellos verliert die Mannschaft an Qualität, aber mit Geschlossenheit wird man auch das kompensieren können. Dafür sorgen auch Trainer Thomas Schaaf und ein ruhiges Umfeld. Ein kleiner Schwachpunkt könnte die Abwehr sein, Naldo und Mertesacker sind zwar gestandene Innenverteidiger, aber nie über eine ganze Saison konstant. Dahinter steht aber auch noch Nationaltorwart Tim Wiese.

(5) Hamburger SV (Notenschnitt: 1,92)

Wieder alles zurück auf Anfang. So wie jeden Sommer in Hamburg. Das Potential im Verein wird durch eine scheinbar überforderte Vereinsführung und zahlreichen Trainerwechseln seit Jahren erfolgreich verschleppt. Qualität für höhere Weihen hat der Kader auf jeden Fall, zumindest in der Stammformation. Mit Heiko Westermann wurde ein guter Innenverteidiger von Schalke geholt, Armin Veh ist der neue Mann auf der Trainerbank. Viel wird aber davon abhängen, wie der Saisonstart verläuft. Störfeuer kommen in Hamburg immer schnell auf und verunsichern die Mannschaft nachhaltig.

(6) VfL Wolfsburg (Notenschnitt: 1,94)

Nach der überragenden Meistersaison war die letzte Spielzeit die erwartet Schwierige für Wolfsburg. Der Kader gehört immer noch zu den Besten der Liga, Leistungsträger wie Dzeko und Misimovic wurden (noch) gehalten. Arne Friedrich wird, wenn er nur annähernd in WM-Form spielt, die Abwehr zu stabilisieren helfen und mit Simon Kjaer ein gutes Gespann bilden. Moritz hegt diesbezüglich allerdings noch Zweifel. Mit einigem Vertrauensvorschuss auch von uns ist Steve McClaren als neuer Trainer ausgestattet. Seine Fähigkeiten als Vereinstrainer hat er auf jeden Fall schon mehrfach eindrucksvoll nachgewiesen.

(7) Borussia Dortmund (Notenschnitt: 1,96)

Der BVB wird sich auch in der neuen Spielzeit im Dunstkreis der Europapokalränge bewegen. Sieht man jedoch unsere Noten an, kann man zum Eindruck kommen: Nichts sticht heraus – von Trainer Jürgen Klopp als entscheidendem Faktor mal abgesehen. Zu lieb, zu harmlos, zu wenig Killerinstinkt? Beweisen müssen werden sich auch die Neuzugänge, wenngleich alle sehr talentiert. Bleibt im Endeffekt auch noch das Westfalenstadion mit dieser überragenden Kulisse als wichtiger Bestandteil des bevorstehenden Erfolges.

(8) TSG Hoffenheim (Notenschnitt: 2,17)

Hinter dem BVB klafft ein riesiges Loch im Notendurchschnitt. Somit eröffnet die TSG Hoffenheim das Mittelfeld, den Kreis der Mannschaften, die nicht zittern müssen aber auch nach oben kaum Chancen haben. Als Schwäche haben wir die Torwartposition ausgemacht. Vielleicht ein Trugschluss, aber Tom Starke muss sich als Nachfolger von Timo Hildebrandt zunächst noch beweisen. Auch die Neuzugänge sind aus meiner Sicht nicht mehr auf dem Niveau der Vorjahre. Zweifelhaft, ob die TSG in ihrem dritten Bundesligajahr endlich den erhofften nächsten Entwicklungsschritt nimmt.

(8) VfB Stuttgart (Notenschnitt: 2,17)

Zum Abschluss nochmal ein Verein, an dem sich die Gemüter erhitzen. Moritz zweifelt doch ernsthaft, ob der VfB die schwierige letzte Saison inklusive böser Fanattacken im Dezember schon verarbeitet hat, um wieder oben mitspielen zu können. Für mich sind sie in Schlagweite zu den Europapokalrängen. Doch zwei offene Fragen dominieren: Wird sich Sven Ulreich im zweiten Anlauf im Tor durchsetzen können und dementsprechend Leistung zeigen? Wie wird der Abgang von Khedira verkraftet? Trainer Christian Gross muss darauf Antworten finden, sonst wird es vielleicht doch schnell wieder ungemütlich.

Damit schließen wir die Saisonvorschau 2010/2011 ab. Die Erfahrung zeigt: Am Ende kommt eh wieder alles völlig anders, als von uns vorhergesagt.

Tags: , , , , , , , ,