Twente Enschede

Das Talent der Inkonstanz

Posted by Max on Januar 24, 2015
Bundesliga, Fussball International / No Comments

Plötzlich war er wieder da. Gleich im zweiten Spiel für den FC Southampton trifft Eljero Elia, in der Bundesliga bestens bekannt aus insgesamt vier Spielzeiten beim Hamburger SV und bei Werder Bremen, doppelt. Totgesagte leben länger? Obacht! Schließlich eilt Elia ein balotelli’scher Ruf voraus, zwar hochveranlagt, aber zu schlampig für einen Spitzenprofi und insbesondere auch wenig diszipliniert. Inkonstant. Zwei Tore für den neuen Verein, da kam bei mir gleich das typische Elia-Gefühl auf: Starker Start, und dann? Der Name Eljero Elia ist bei mir negativ konnotiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er in der Labbadia-Saison 2009/2010 zum HSV kam, jener Spielzeit, als für mich der Absturz in das bis heute andauernde Dilemma begonnen hat. Elia trägt daran sicher keine Hauptschuld, aber er war damals zwei Jahre Teil einer überforderten Mannschaft.

Eljero Elia war einer dieser jungen Spieler, denen eine große Karriere vorhergesagt wurde. Einer dieser jungen Spieler, die dann weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, die mit komplizierten Situationen überfordert sind. Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Karrierestationen des Niederländers:

  • 07/2007 – 07/2009: Twente Enschede (Wechsel für 200.000 Euro)
    Nach dem Wechsel von ADO Den Haag nach Enschede wurde Elia sofort Stammspieler, erzielte in seiner ersten Saison nur zwei Treffer, der erste am 19. Spieltag. Der endgültige Durchbruch gelang in der zweiten Spielzeit: Neun Tore erzielte Elia und geriet in den Fokus des HSV. Schon hier deutet sich ein später typisches Phänomen an, denn von den neun Treffern fielen vier bereits an den ersten sechs Spieltagen, während sich die weiteren Tore über den restlichen Saisonverlauf verteilten.
  • 07/2009 – 08/2011: Hamburger SV (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Mit viel Vorschuss wurde Elia unter dem neuen HSV-Trainer Labbadia schnell zum Leistungsträger. Mit fünf Toren in der Vorrunde war er am guten Saisonstart maßgeblich beteiligt. Später fiel seine Leistung dann proportional zu denen des gesamten Teams ab, die Rückrunde verpasste er weitgehend durch eine Knöchelverletzung. In seiner zweiten Saison an der Elbe waren es dann nur noch zwei Treffer, bei Armin Veh fiel er regelmäßig durch eine negative Körpersprache auf (vergleiche Özil, Mesut). Ende August 2011 folgte – schon unter seinem vierten Trainer in Hamburg – der Wechsel nach Turin.
  • 08/2011 – 07/2012: Juventus Turin (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Der Deal war gut. Quasi ohne Verlust gab der HSV Elia nach Turin ab. Die Geschichte dort ist schnell erzählt: Obwohl nicht verletzt, kam Elia nur auf vier Ligaeinsätze, pendelte ansonsten zwischen Ersatzbank und Tribüne.
  • 07/2012 – 01/2015: Werder Bremen (Wechsel für 5,5 Mio. Euro)
    Der Transfer von Elia nach Bremen sollte für den Niederländer einen Neustart markieren. Zugleich war es einer der letzten Fehleinkäufe der Ära Allofs/Schaaf an der Weser. Elia war auch an der Weser zu Beginn Stammspieler, die Rückrunde verbrachte er dann häufiger auf der Bank, am Saisonende wurde er mit dem gleichsam undisziplinierten Marko Arnautovic wegen einer Autobahnraserei suspendiert. Null Tore in seiner ersten Werder-Saison. Der Start in das Spieljahr 2013/2014 war besser, vier Tore unter dem neuen Trainer Robin Dutt in der Hinrunde. Elia blieb Stammspieler bis zum Saisonende, war aber wie die gesamte Mannschaft inkonstant. Nach der Entlassung von Dutt im vergangenen Herbst hatte Elia endgültig keinen sportlichen Wert mehr für die Mannschaft, Victor Skripnik brauchte ihn nicht mehr im Kader.

Wie sein früherer Bremer Leidensgenosse Marko Arnautovic ist Eljero Elia nun also in der Premier League gelandet. Und hat mal wieder einen guten Beginn beim neuen Verein hingelegt. Trainer in Southampton ist sein Landsmann Ronald Koeman, vielleicht braucht er ja diesen heimischen Einfluss, um endlich konstanter zu werden. Southampton ist ein Neustart für Elia. Mal wieder.

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