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Seltsames Geplänkel 19. Januar 2013

Posted by Max in : Bundesliga , 2 comments

Der heißersehnte Rückrundenauftakt der Bundesliga wurde zu einem eigenartigen Spektakel. Am Ende steht der 5:4-Sieg von Schalke 04 gegen Hannover 96 in der Statistik, doch so großartig dieses Resultat auch klingt – wirklich Glücksgefühle hat diese Partie bei mir nicht ausgelöst.

In der Winterpause hatte ich gelesen, dass die Bundesliga in Europas Spitze ein Alleinstellungsmerkmal besitzt: Nirgendwo sonst gab es so wenig trost- und torlose Remis wie in Deutschland. Der kicker beurteilte diese Statistik dann als ein weiteres Argument für die These, dass die Bundesliga derzeit die wohl stärkste Liga der Welt sei – zumindest was die Attraktivität der Spiele angeht. Mit diesem Wissen im Hinterkopf fühlte sich die erste Halbzeit gestern Abend in der Veltins-Arena wie eine schlimme Prophezeiung für die Rückrunde an, denn Schalke und Hannover neutralisierten sich auf sehr überschaubarem Niveau über 44 Minuten gegenseitig. Das zehnte 0:0 der Saison war in meinem Kopf bereits fest eingeplant.

Nach dem glücklichen 1:0 der Schalker vor der Halbzeitpause projizierte sich die ganze Verunsicherung und alle Probleme der beiden Teams in dieser Spielzeit plötzlich auf das Feld. Fast im Minutentakt fielen die Tore – allerdings war kein einziges davon wirklich Folge eines sehenswerten Spielzugs. Ein individueller Fehler folgte dem anderen, lediglich die Torschützen bewiesen an diesem Abend Bundesligaformat. Von daher erfreute ich mich selbst an der Torflut nur bedingt, zu mau war das spielerische Niveau beider Teams.

Für Schalke hat das 5:4 wenigstens einen positiven Aspekt: Endlich wieder drei Punkte. Dieses Ergebnis wird allerdings nur bedingt dafür sorgen können, dass die Zweifel rund um Neu-Trainer Jens Keller ausgeräumt werden. Vielmehr konnte man den Eindruck gewinnen, dass Schalke auch im neuen Jahr keine Stabilität mitbringt und der Sieg nur der Tatsache geschuldet ist, dass ein noch defensivschwächerer Gegner auf dem Feld stand. Bezeichnend und alarmierend zugleich ist auch der Umstand, dass der beste Spieler des Abends – Lewis Holtby – offenbar schon in den nächsten Tagen den Wechsel zu Tottenham vollziehen wird und sich dann endgültig ein kreatives Loch im Mittelfeld auftut. Dass der frühere Herthaner Rafael die Lücke schließen kann, bezweifle ich stark – mit Hertha ging er in die zweite Liga und in Kiew, immerhin wie Schalke ein international anerkannter Verein, konnte er sich nicht durchsetzen. Viel Arbeit für Jens Keller.

Dieses Urteil trifft aber auch auf Mirko Slomka zu. Fast wirkt es so, als hätte es die Winterpause nicht gegeben. Die Probleme fühlen sich gleich an, offensiv mit Durchschlagskraft, defensiv streckenweise katastrophal. Warum Hannover die meisten Gegentore in der Vorrunde kassiert hat, wurde nun wirklich jedem Zuschauer eindrucksvoll vor Augen geführt. Die Stabilisierung der Abwehr, welche Mirko Slomka durch Neuzugang Johan Djourou gesehen haben will, braucht wohl noch seine Zeit. Angesichts der offensiven Ziele Hannovers – erneute Qualifikation für Europa und Weiterkommen in der Europa League – muss Slomka schnell den richtigen Stellhebel finden.

Was bleibt nach diesem Abend? Zwei Mannschaften mit teilweise akuten Problemen. Der Eindruck vom Spiel verfestigte bei allem Spektakel auch den Eindruck, dass sowohl Schalke als auch Hannover derzeit nicht besser sind, als es ihre Tabellenpositionen verraten.

Horst ist ein Heldt 16. Dezember 2012

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Das ging schnell. Etwas mehr als zwölf Stunden nach dem Abpfiff der letzten Bundesligapartie des FC Schalke im Kalenderjahr 2012 ist Huub Stevens entlassen. Letztendlich wurde das für den kauzigen Niederländer als Endspiel titulierte Duell gegen Freiburg eindeutig verloren, mit einer blutleeren Leistung hatte Stevens am Ende offensichtlich keine Argumente mehr auf seiner Seite. Und trotz der zuletzt eindeutigen Tendenz verwundert mich die Entwicklung in Gelsenkirchen nun doch, denn so richtig hatte ich den Bruch eigentlich nicht mitbekommen.

Offensichtlich sind die schlechten Ergebnisse der letzten Wochen nicht nur das Resultat einer sportlichen Delle, sondern vielmehr des gestörten Verhältnisses zwischen Trainer und Mannschaft. Man qualifizierte sich zwar mit Stevens noch als Gruppensieger für das Achtelfinale der Champions League, doch in der Bundesliga gab es den Absturz vom zweiten auf den siebten Platz innerhalb kürzester Zeit. Zuletzt wurde immer häufiger über Misstöne im Team berichtet, einige Spieler sollen ihre Zukunft beim Verein vom (Nicht-)Verbleib des Trainers abhängig gemacht haben.

Letztendlich bleibt die zweite Liaison zwischen Stevens und Schalke also unvollendet. Eigentlich war die Geschichte für mich von Anfang an zum Scheitern verurteilt – die Rückkehr des erfolgreichsten Schalker Trainers der letzten 50 Jahre, der sich in seiner ersten Amtszeit von 1996 bis 2002 einen enormen Stellenwert für den Verein erarbeitet hatte. Bei seinen Stationen danach verweilte Stevens nie mehr als annähernd anderthalb Jahre. Und es war auch nicht die erste Rückkehraktion früherer Helden, die daneben geht. Überraschenderweise spielte Schalke aber eine starke Vorsaison unter Stevens, der im Sommer kurzfristig vom erkrankten Ralf Rangnick übernahm, qualifizierte sich als Dritter in der Liga direkt für die Champions League. Es schien so harmonisch wie Jahre zuvor nicht auf Schalke, aber ich bin zu wenig Insider bei diesem Verein, und so wunderte mich eben die plötzliche Negativentwicklung einschließlich Stimmungskippen gegen Stevens in den letzten Wochen.

Und was kommt nun? Was braucht diese hochveranlagte Mannschaft? In der Champions League Gruppensieger und für die Achtelfinalspiele qualifiziert, in der Bundesliga auch noch in Schlagweite zumindest zum zweiten Rang. In den nächsten Tagen geht es zudem für die Königsblauen auch noch im DFB-Pokal weiter. Für mich – und so formulierte es auch Sky-Experte Jens Lehmann gestern – braucht es eher Ruhe für das Team, eine Winterpause und etwas Selbstvertrauen für die Rückrunde.

Und jetzt kommt Manager Horst Heldt mit Jens Keller als Interimslösung bis Saisonende um die Ecke! Das ist dann plötzlich eine Entscheidung, die für mich einen faden Beigeschmack hat. Erstens: Wie schnell das plötzlich ging. Zweitens: Ausgerechnet Jens Keller! Der wurde einst von Heldt nach Stuttgart geholt, dort dann zum kurzzeitigen Interims-Trainer nach Christian Groß, letztes Jahr erst Scout und dann Jugendtrainer auf Schalke. Und nun ist er per Entscheidung seines Kumpels Heldt plötzlich Cheftrainer. Wer kann sich noch an Keller als Stuttgarter Trainer erinnern? Gut, es waren nur zwei Monate, aber wirklich überzeugen konnte er dort nicht. Außer mit flotten Sprüchen.

Ich glaube, der Verein braucht eine andere Lösung auf der Trainerposition. Nach Stevens keinen Keller, der mit dem Held-Buddy-Manko leben muss. Das könnte eine – für Aussenstehende – lustige Rückrunde werden in Gelsenkirchen.

Spanien legt vor 30. März 2012

Posted by Max in : Europa League , add a comment

Vor zwei Wochen hatte ich hier an dieser Stelle bekräftigt, wie ausgeglichen doch die Europa League sei, gerade mit Blick auf die ausgelosten Viertelfinalspiele. Ausgeglichenheit impliziert dabei natürlich zum einen sehr gute Chancen, dass die deutschen Vertreter Schalke 04 und Hannover 96 das Finale in Bukarest erreichen, zum anderen könnte der Weg der Beiden aber auch schon im Viertelfinale zu Ende sein. Nach den gestrigen Hinspielen sieht es wohl eher nach der zweiten Variante aus, wobei sich insbesondere bei den Schalkern schon Resignation eingestellt hat. Sowohl für Hannover als auch für Schalke wäre deutlich mehr möglich gewesen, um eine bessere Ausgangssituation in die Rückspiele mitzunehmen. Letztendlich scheiterten sie aber entweder an der eigenen Unkonzentriertheit, sicher aber auch an der hohen Klasse ihrer Gegner.

Eine besondere Klasse bewies dabei einmal mehr Athletic Bilbao. Der Verein aus dem Baskenland mit seiner ganz eigenen Philosophie eliminierte schließlich in der vergangenen Runde schon Manchester United und überzeugte mit Leidenschaft, hohem Einsatz bis zur letzten Minute. Besonders die Mentalität, nie ein Spiel verloren zu geben, hilft ihnen neben ihrer zweifellos vorhandenen individuellen Klasse weiter. Davon mussten sich die Schalker überzeugen lassen, als Bilbao nach 20 Minuten durch Llorente in Führung ging. Doch noch stützten sich die Königsblauen auf ihre immer wieder bewiesene Fähigkeit, erst nach einem Rückstand richtig in Schwung zu kommen, was zuletzt Twente Enschede im Achtelfinale (4:1-Sieg nach 0:1-Rückstand) erfahren musste. So wunderte es wohl kaum jemanden, dass keine zwei Minuten nach Bilbaos Führung durch Raul der schnelle Ausgleich kam. Ab diesem Moment kontrollierte das Team von Huub Stevens das Geschehen, und als wiederum Raul mit einem sehenswerten Tor nach einer Stunde zum 2:1 traf, schienen die Dinge ihren Lauf zu nehmen. Kurz darauf gab es weitere hochkarätige Chancen. Aber wie bereits erwähnt: Gegen Athletic Bilbao darf man sich nie auf der sicheren Seite wähnen, doch Schalke machte genau diesen Fehler: Plötzlich nahmen sie Tempo aus der Partie, wollten das Spiel über die Runden bringen, evtl. noch ein drittes Tor erzielen. Solche Nachlässigkeiten bestraft Athletic sofort, erzielte seine Treffer Zwei, Drei und Vier. Zumindest bei einem Treffer sah auch der zur Halbzeit eingewechselte Ersatz-Ersatz-Ersatz-Torwart Matthias Schober mit einer verunglückten Abwehraktion nicht gut aus. Schalkes Hintermannschaft zeigte danach weiter Auflösungserscheinungen und schien auch tatsächlich nicht aus den kurz zuvor begangenen Fehlern gelernt zu haben: Bilbao gibt nie auf! Während den Schalker Spielern im Kopf schon förmlich das “2:0-Sieg in Bilbao ist möglich” durch die Gehirnzellen ratterte, machten die Basken das vierte Tor. Nun braucht es ein 3:0 im Athletic-Hexenkessel. Stevens knapp dazu: “Daran glaube ich nicht.” Horst Heldt meinte sogar, man müsse sich nun auf die Liga konzentrieren. Mit dieser Einstellung haben sie das Halbfinale wohl tatsächlich schon abgeschrieben. Versuchen wäre wenigstens eine Variante, 90 Minuten konzentriert durchspielen. Das man Bilbao kontrollieren kann, hat Schalke selbst für einige Zeit bewiesen.

Anders stellte sich das Geschehen in Madrid dar. Nach der Auswärtsreise in die spanische Hauptstadt muss man die 1:2-Niederlage als großen Erfolg werten. Schließlich haben die Niedersachsen so nun wegen des Auswärtstreffers noch eine realistische Chance auf das Weiterkommen. Dazu muss es allerdings nächste Woche zu einer deutlichen Leistungssteigerung kommen, denn das Endergebnis spiegelt nicht einmal ansatzweise die Überlegenheit des Titelfavoriten Atletico dar. Von der ersten Minute an dominierten die Spanier das Geschehen, nach neun Minuten erzielte Falcao unter freundlicher Mithilfe von 96-Goalie Ron-Robert Zieler und seiner Vordermannschaft die Führung. Danach blieb Hannover weiter mächtig unter Beschuss, aber Atletico verwertete die sich bietenden Chancen schlecht. Und da die Gäste zumindest ein einigermaßen unberechenbares Team sind, kam in der 38. Minute der überraschende Ausgleich durch Mame Diouf. Aus dem Nichts – wie man so schön sagt. Mit diesem Erfolgserlebnis im Rücken konnte Slomkas Elf dann nach der Halbzeitpause zumindest streckenweise dagegenhalten, erspielte sich zwei Möglichkeiten. Weiterhin waren aber hauptsächlich die Hausherren dominierend, aber eines konnte man Hannover an diesem Abend nicht vorwerfen: Mangelnder Einsatz. Mit großer Leidenschaft gingen sie in jedes Laufduell, absolvierten jeden Zweikampf, blockten immer wieder im letzten Moment gute Schussmöglichkeiten ab. So dauerte es auch bis zur 89. Minute, als Atletico durch Savio zum für Hannover unglücklichen, letztendlich aber hochverdienten Siegtreffer kam. Atletico war die deutlich bessere Mannschaft und hat seine Klasse – bis auf die Chancenverwertung – untermauert. Für die 96er ist trotzdem alles möglich, wenn sie Atletico im Rückspiel besser unter Kontrolle bekommen.

Mit dem gleichen 2:1-Heimsieg absolvierten auch Sporting Lissabon gegen Metalist Kharkov und AZ Alkmaar gegen den FC Valencia ihre Hinspiele. Wie bei Hannover gilt hier: Eine gute Ausgangsposition für das siegreiche Team, aber noch nichts entschieden. Es scheint fast so, als sei Bilbao vs. Schalke die einzige Paarung, in der es bereits zu einer Vorentscheidung gekommen ist. Für attraktive Rückspiele ist in jedem Fall gesorgt!

Ausgeglichene Europa League 16. März 2012

Posted by Max in : Europa League , add a comment

Neben der Königsklasse geht auch ihr kleiner Bruder Europa League langsam auf die Zielgerade. Heute wurden in der UEFA-Zentrale in Nyon die Spiele für das Viertelfinale ausgelost, mit dabei sind weiterhin zwei deutsche Vertreter: Hannover 96 und Schalke 04. Doch während man in der Champions League einen Kreis von zwei, drei Favoriten ausmachen kann, fällt dies eine Klasse tiefer schwer. Man kann das als fehlende Spitzenklasse auslegen, ich sehe es aber eher als abwechslungsreiche Ausgeglichenheit. Die acht Teams, die gestern die nächste Runde erreicht haben, können an guten Tagen ihren Gegner jeweils schlagen und auch den Wettbewerb gewinnen. Von einer Übermacht wie den FC Barcelona kann man nicht sprechen. Blicken wir also auf die vier Begegnungen im Viertelfinale.

FC Schalke 04 – Athletic Bilbao

Die Schalker beschwören schon seit Saisonbeginn im Europapokal mit der legendären Hymne von 1997 den Finaleinzug. Bisher ging es einigermaßen souverän durch den Wettbewerb, sehen wir mal von der Extraschicht in der Verlängerung gegen Viktoria Pilsen ab. Beeindruckend hingegen war die gestrige Partie gegen Twente Enschede, als Schalke nach frühem Rückstand aus fast schon aussichtsloser Lage doch noch die Qualifikation für das Viertelfinale schaffte. Der Schlüssel für Schalke liegt besonders in den Heimspielen, hier konnten die Königsblauen bisher überzeugen und in den letzten beiden Runden jeweils das Weiterkommen sichern. Gleiches gilt nicht unbedingt für Athletic Bilbao. Der charismatische Klub aus dem Baskenland hat schließlich zuletzt absolut überzeugend den großen Favoriten Manchester United bezwungen – sowohl in England, als auch im eigenen Stadion. Auf das Erfolgsrezept rund um Trainer Marco Bielsa hatte ich bereits in unseren letzten Querpässen hingewiesen. In den Duellen mit United hat sich Athletic insbesondere als offensivstarke Elf erwiesen, die auch vor großen Namen keinen Halt macht. Mit Blick auf den Schalker Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar (mit neun Toren bester Schütze der Europa League) könnte das eine sehr ansprechende Paarung werden, in der Schalke diesmal bereits im Heimspiel-Hinspiel vorlegen muss.

Atletico Madrid – Hannover 96

Kaum einer hätte vor dieser Saison auch nur einen Pfifferling darauf verwettet, dass Hannover 96 in das Viertelfinale einziehen würde, dass ihnen tatsächlich noch einmal so eine stabile, gute Saison gelingt. Nach dem Quali-Ausscheiden von Mainz 05 gab es bereits die ersten Unkenrufe, Hannover würde bald nachfolgen. Sie bezwangen den FC Sevilla, setzten sich in der Gruppenphase gegen Kopenhagen, Lüttich und Poltawa durch, eliminierten das Belgien-Doppel Brügge und nochmal Lüttich. Gerade in der Endphase der Saison scheinen die Niedersachsen noch einmal richtig in Schwung zu kommen – nimmt man das gestrige 4:0 gegen Standard als Maßstab. Zweifellos, das Viertelfinale ist ein riesiger Erfolg und Ausdruck der Stabilität, die mit Mirko Slomka an der Leine eingekehrt ist. Gegner von ganz anderem Kaliber hatte jedoch bisher Atletico Madrid vor der Brust: Eine schwere Gruppe mit Udinese Calcio, Celtic sowie Stade Rennes. Lazio Rom in der Zwischenrunde und zuletzt Besiktas Istanbul im Achtelfinale. Ihre Aufgaben haben die Spanier mit einer großen Souveränität erledigt, kaum einmal gerieten sie wirklich in Bedrängnis. Ob Hannover beim Sieger von 2005 Schwächen findet? Es war wohl das schwerste Los im Topf, es wird ein schweres Stück Arbeit. Am Ende dürfte sich aber Atletico durchsetzen, auch weil sie für mich mit den bisherigen Leistungen aus der Reihe ausgeglichener Teams der größte Titelkandidat sind.

AZ Alkmaar – FC Valencia

In den letzten Jahren haben sich die Niederländer step-by-step im erweiterten europäischen Spitzenfeld etabliert. Von der guten Arbeit des Louis van Gaal (2005-2009), der AZ in seinem Abschiedsjahr auch zum zweiten Meistertitel nach 1981 führte, profitiert der Klub auch heute unter Gertjan Verbeek noch. Dabei sind sie für mich etwas schwer einzuschätzen, da sie in der Gruppenphase mit Kharkov, Malmö und Austria Wien lösbare Aufgaben hatten. Danach ging es über RSC Anderlecht und Udinese Calcio in das Viertelfinale. Für die Moral der Mannschaft spricht der spektakuläre Spielverlauf gestern beim Rückspiel in Udine: Bereits nach zwei Minuten flog Verteidiger Vierger nach einer Notbremse vom Platz, nach einer Viertelstunde war der 2:0-Hinspielvorsprung von Alkmaar aufgebraucht. Aber es folgte ein großer Kampf zu Zehnt, es kam zum Anschlusstor und sogar ein verschossener Strafstoß konnte dem Tabellenführer der niederländischen Eredivise nichts mehr anhaben. Für Gegner FC Valencia ist es bereits das zweite Aufeinandertreffen mit einem niederländischen Klub in Folge: Gegen PSV Eindhoven (1:1/4:2) ließ man ergebnismäßig wenig anbrennen, im Hinspiel zeigte sich jedoch, dass die Spanier mitunter zur Überheblichkeit und Nachlässigkeit neigen. Ebenso in der Gruppenphase der Champions League, wo Valencia mit etwas mehr Konsequenz in der Staffel mit Chelsea, Leverkusen und Genk relativ einfach die lukrative nächste Runde hätte erreichen können. Hier liegt die Chance für Alkmaar, unter normalen Umständen geht aber der FC Valencia durch ins Halbfinale.

Sporting Lissabon – Metalist Kharkov

Eine völlig offene Begegnung. Das liegt vor allem an den Ukrainern aus Kharkov, die zwar immer noch einen Underdog-Status haben, in den letzten Jahren aber mit schöner Regelmäßigkeit im Europapokal zu Gast waren. Größter Erfolg war dabei bisher das Achtelfinale 2009, als sie ausgerechnet an Dynamo Kiew scheiterten. Letzte Saison überzeugten sie in zwei Spielen der Zwischenrunde gegen Leverkusen nicht. Ganz anders in dieser Spielzeit, wo man mit viel Offensivpower bereits viele hohe Siege einfahren konnte. Garant dafür ist eine mit zahlreichen Brasilianern und Argentiniern bestückte Mannschaft, die aber durchaus Moral hat, wie die späte Aufholjagd im Achtelfinale gegen Piräus beweist – hier wurden die entscheidenden Treffer, um die 0:1-Heimspielniederlage zu egalisieren, erst in den letzten zehn Minuten erzielt. Ich traue den Ukrainern durchaus den nächsten Sprung zu, auch weil Sporting Lissabon eine weitere unberechenbare Größe im Viertelfinalgeschäft ist. Einerseits eine Mannschaft, die in den vergangenen Jahren oft Champions League spielte. Andererseits international nur selten überzeugend, und in bleibender Erinnerung sind natürlich noch die bösen Pleiten im CL-Achtelfinale 2009 (0:5 und 1:7 gegen den FC Bayern). Und nochmal im Gegensatz dazu hat man im Achtelfinale brav seine Chance gegen ein nachlässiges Manchester City genutzt. Zusammengefasst dürfte Sporting dann eine Chance haben, wenn sie Kharkovs Offensivstärke in den Griff bekommen oder ihnen die Ukrainer – allerdings nicht zu erwarten bei den größten Spielen ihrer Vereinsgeschichte – durch fehlenden Einsatz Möglichkeiten bieten.

Fünfmal Spanien, zweimal Deutschland, dazu je ein Vertreter aus Portugal, Niederlande und Ukraine. Als leichte Favoriten sehe ich Atletico Madrid und den FC Valencia. Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt: In diesem Wettbewerb ist alles möglich. Und große Namen werden in der Europa League ganz klein – fragen sie mal in Manchester nach! Europa League ist Einstellungssache – nicht umsonst sind sieben der acht “Absteiger” aus der Gruppenphase der Champions League bereits wieder ausgeschieden.

Hoffnung überflüssig 3. Mai 2011

Posted by Moritz in : Champions League , add a comment

Auf Schalke scheint man sich nach der gravierenden Niederlage der letzten Woche gegen Manchester United damit abgefunden zu haben, dass das Finale ohne sie stattfinden wird. Zwar setzt man noch auf Durchhalteparolen. Echte Zuversicht allerdings sieht anders aus.

Allein schon die Tatsache, wie oft das Wunder von Old Trafford beschworen werden muss zeigt, dass auch sonst niemand an ein solches glaubt. Ein anständiger Auftritt sei der Mannschaft hingegen trotzdem angeraten. Eine erneute Klatsche würde sonst das bisher sensationell Erreichte in der Champions League wohl vollkommen mit einem faden Beigeschmack belegen.

Entgegen kommen dürfte ihnen da ein wenig, dass Ferguson selbst einige Spieler für das Saisonfinale in der Liga schonen möchte. Doch auch die zweite Reihe des englischen Meisterschaftsanwärters ist mit Owen und Co nicht von Pappe. So richtig vermag man zudem das Leistungsgefüge der Schalker im Moment nicht einzuschätzen. Zu schwach war auch der Auftritt zwischen den Halbfinalspielen am Samstag auswärts in München. Gegen die gut aufgelegten Münchener, war man wieder wie von der Rolle. Selbst ein Unentschieden dürfte sich wohl schon wie ein Finalsieg anfühlen für den letzten deutschen Vertreter in der Königsklasse.

Bezüglich des anderen Halbfinals scheint sich hingegen wieder einmal die gravierende Nebenwirkung zu bestätigen, dass man sich nach dem vierten Spiel innerhalb von zwei bis drei Wochen nicht mal mehr riechen kann, zumal man vorher schon nicht besonders dicke war. Das einstige Saisonfinle zwischen dem HSV und Werder führte sogar dazu, dass die DFL für eine erneute Ansetzung des Spiels gegen Ende der Folgesaison angegriffen wurde.

Doch gegen das, was sich die Uefa momentan anhören darf, scheint das wohl ein eher Kindergeburstag gewesen zu sein. Von Seiten Reals wird Mourinho gar nicht mehr müde mit übelsten Verschwörungstheorien aufzufahren, die eine wie die andere einfach nur obskur klingen.

Niemand wird dabei verschont. Seien es die beiden Schiedsrichter der Spiele, der Barca-Trainer Gardiola oder gar die Uefa, die das alles nur arrangiert, um den Erzrivalen zu bevorzugen. Wahlweise lässt sich das natürlich auch als eine Benachteiligung von Mourinho aus.

Eines ist Mourinho damit allerdings sicher gelungen. Seine Mannschaft tauchte so kaum in der Presse auf, da ihr Trainer, der zudem für das Spiel noch suspendiert wurde, sämtliche Aufmerksamkeit auf zog. Doch ob das reicht für einen Auftritt im Nou Camp, der wohl in die Annalen eingehen würde, ist wohl mehr als fraglich.

Man mag zwar an das Spiel in der Hinrunde denken, als Real Barca mit einem 5-1 spektakulär überrannte oder auch an das Ligapokalfinale. Doch über die entscheidenden Momenten der Saison waren die Katalanen konstant zur Stelle, während eher die Real zu Schwächen neigte.

Hinzu kommt, dass die Königlichen am Abend nicht nur auf Khedira sondern auch auf den im Hinspiel vom Platz geschickten Pepe verzichten müssen. Das defensive Korsett fehlt also, was es noch einmal erschwert, Barca so unter Druck zu setzen, dass sie zu schlagen wären. Zumal Madrid selbst noch treffen muss und demzufolge irgendwann die Spielanlage nach vorne schieben muss, was dem FCB Platz schafft.

Insgesamgt keine guten Voraussetzungen also, das kaiserliche “Aggregat” zu drehen. Vielmehr haben die Eskapaden den faden Beigeschmack präventives Gezetere zu sein, um danach erst recht einen Grund zu haben sich über die Gegebenheiten des Halbfinales auszulassen. Sich also einen Sündenbock zu basteln, in einem fairen Wettbewerb wäre man ja nie so unterlegen gewesen.

In diesem Fall dürfte man the Special One wohl endgültig bescheinigen über das Ziel hinaus geschossen und gänzlich abgehoben zu sein. Vielleicht ist es aber auch einfach nur das Geschrei eines Babies, das im Mittelpunkt stehen will und es nicht erträgt dort jemanden anderen zu sehen.