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2. BL: MSV Duisburg – 1860 München 15. März 2010

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Achtungserfolge für Cottbus und Rostock 24. September 2008

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Bevor der DFB-Pokal nach dem heutigen Spieltag in seinen Winterschlaf geht und erst zum Achtelfinale am 27. Januar wieder erwachen wird, stehen derzeit 32 Vereine im Fokus, die sich nach dem Auftakt im August für die 2. Runde qualifizieren konnten. Seinerzeit blieb die ganz große Überraschung aus, denn alle 18 Bundesligisten setzten sich durch, bis auf den FC Oberneuland Bremen mussten schon alle Amateurklubs früh die Segel streichen. Doch schon zum Auftakt dieser Spielrunde verfehlten vier Erstligamannschaften das Achtelfinale. Zuständig dafür waren unter anderem zwei ostdeutsche Vereine.

Ein kurioses Spiel entwickelte sich im Stadion der Freundschaft zu Cottbus. Dort empfing die heimische Energie den Bundesligakonkurrenten aus Mönchengladbach, die zuletzt immer mehr in die Kritik geraten sind. Auch in der Lausitz präsentierte sich die Elf vom Niederrhein nicht gerade als Tormaschine, in den 90 Minuten konnte so gut wie nie Gefahr vor dem Kasten von Gerhard Tremmel erzeugt werden. Auf der anderen Seite kam Cottbus durch hanebüchene Abwehrfehler der Borussia zu Möglichkeiten. Die Krone der Unzulänglichkeit in Gladbachs Hintermannschaft waren drei Elfmeter, die alle berechtigt waren. Besonders sympthomatisch die Entstehung des zweiten Strafstoßes: Unbedrängt verliert Jan-Ingwer Callsen-Bracker den Ball auf der rechten Seite an Rangelov, um den zunächst in den Strafraum zu begleiten und durch einen gekonnten Tritt in die Hacken zu Fall zu bringen. Ervin Skela traf zweimal, Rangelov selber einmal vom Punkt und machten den 3:0-Sieg für Energie klar. Wenn man jetzt genug Selbstvertrauen aus diesem Erfolg mitnimmt, kann sich das auch positiv auf die Bundesliga auswirken. Mönchengladbach hingegen muss sich ernsthaft fragen, ob man mit solchen Leistungen antreten kann.

Ein weiteres Sorgenkind nach fünf Bundesligaspieltagen ist Eintracht Frankfurt, die in der Commerzbank-Arena vor lediglich 18.300 Zuschauern Hansa Rostock empfingen. Nach ausgeglichenen Anfangsminuten übernahmen die Hessen schnell die Kontrolle, die in der Führung durch Martin Fenin nach 44 Minuten gipfelte. Nach der Pause jedoch wurde die Partie zunehmend schlechter, und auch die Eintracht ließ merklich nach. Deshalb kam Hansa nach einem Torwartfehler von Oka Nikolov durch Enrico Kern in der 53. Minute zum Ausgleich. Der Unterhaltungswert des Spieles beschränkte sich nur noch auf die Spannung, und natürlich auf die Dramatik in den Schlussminuten: 91 Minuten waren verstrichen, als Schiri Felix Brych einen Elfmeter für Frankfurt anzeigte. Schütze Caio scheiterte mit einem viel zu lasch geschossenen Strafstoß an Hahnel, das Spiel ging in die Verlängerung. Und wie so oft kippte das Spiel dort, wiederum Enrico Kern besorgte nach 101 Minuten die Entscheidung. Rostock kegelte trotz durchwachsenen Start in die Saison einen weiteren Bundesligisten.

Ebenfalls gescheitert sind der 1. FC Köln, trotz großem Kampf im emotionalen Duell gegen den FSV Mainz. Doch das Team von Christoph Daum konnte mit bescheidenen Mitteln der spielerischen Klasse von Mainz nichts entgegensetzen. Im Duell des Bundesliga-Tabellenführers Schalke 04 und dem angeschlagegenen Niedersachsen-Vertreter Hannover 96 gingen die Königsblauen mit 2:0 als Sieger hervor, ohne dabei wirklich zu glänzen. Besonders enttäuschend war dabei Jefferson Farfan, der es über 90 Minuten nicht vermochte, gegen zwei A-Jugendliche Akzente zu setzen. Weitere Favoritensiege gab es auch in Aue, wo Bremen nach anfänglichem Rückstand im Endeffekt verdient weiterkam (2:1) und Augsburg. Im Rosenaustadion stellte Leverkusen nach 1:0-Halbzeitführung das Fussballspielen ein und verwaltete ein jederzeit verdientes 2:0 bis zum Abpfiff.

Triste Pokalatmosphäre gab es in der Münchener Allianz-Arena. Während selbige wohl mit dem Derby Bayern gegen Nürnberg heute ausverkauft sein wird, wollten gestern lediglich 5450 Zuschauer (in einem Stadion für 69.000 Besucher!) das Spiel zwischen 1860 München und dem MSV Duisburg sehen. Passend zur Kulisse gab es ein grausam schlechte Spiel, welches schon vorher nach Langeweile klang und dann auch nicht wirklich besser wurde. Unmengen an Unzulänglichkeiten im Spielaufbau, keine Torgefahr auf beiden Seiten, technische Mängel, Fehlpässe en masse. Diese Attribute verharmlosen den Kick eigentlich noch. Nach 90 Minuten stand es 0:0, ebenso nach 105 und 120. Immerhin kam durch das Elfmeterschießen etwas Spannung auf, die “Löwen” verwandelten alle Versuche, während bei Duisburg Cedric Makiadi den Ball eine Etage zu hoch auf die Tribüne jagte. Ohne Glanz ist 1860 eine Runde weiter.

Heute Abend greifen nun noch 18 weitere Vereine ein, darunter die Bundesligaelite aus München, Dortmund, Hamburg und Berlin. Außerdem ist Carl Zeiss Jena dabei. Die Thüringer haben die Trainersuche erfolgreich abgeschlossen. Zwar wird heute noch einmal, wie schon am Wochenende beim 1:2 in Offenbach, Interimscoach Mark Zimmermann auf der Bank sitzen. Doch schon ab Donnerstag leitet der Niederländer René van Eck das Training. Dieser spielte einst 16 Spiele für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga, machte sich als Trainer in der Schweiz einen Namen und erlebte dort große Siege, aber auch die Dramatik eines Abstieges mit. Auf seiner ersten Trainerstation beim FC Luzern schaffte er 2005/2006 den Aufstieg in die erste Liga, mit dem FC Thun jedoch konnte er zuletzt den Sturz in die Zweitklassigkeit nicht mehr verhindern. Dass er aber auch ein Retter in der Not sein kann, zeigte van Eck beim FC Wohlen sowie dem finnischen Verein Inter Turku. Schlechter als zuletzt kann es für Jena ohnehin nicht mehr werden.

Soweit ein kurzer Blick auf die Spiele von gestern und die aktuelle Situation in Jena, morgen geht es weiter mit der Analyse der Mittwochsspiele. Bei denen wünsche ich heute Abend viel Spaß!

Bundesliga-Splitter #32 9. Mai 2008

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Mit einer kurzen Verspätung – zum Zwecke eines großartigen Regionalliga-Spieles gestern Abend – gibt es nun zum drittletzten Mal für diese Spielzeit den Bundesliga-Splitter. Nachdem sich die Bayern schon am Wochenende den Titel gesichert haben, lassen sich für die letzten beiden Spielrunden drei Brennpunkte ausmachen: Werder und Schalke kämpfen um die direkte Champions League-Qualifikation; eine Gruppe von vier Mannschaften um zwei Plätze im UEFA-Pokal sowie das Trostpflaster UI-Cup; aber ganz eng ist es natürlich im Abstiegskampf, in den vier Teams verwickelt sind.

Mit Spannung erwartet wurde das brisante Nord-Derby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen. Die Rivalität dieser beiden Vereine ließ schon vermuten, dass es härter als im Normalfall zur Sache gehen wird. In Sachen Agressivität, auch über die erlaubten Grenzen hinaus, war es am Ende aber ein Spiel der ganz extremen Sorte. Sportlich setzten sich die Jungs von der Weser mit 1:0 durch, ein glücklicher Sieg, weil die Hamburger das Spiel über weite Strecken kontrolliert haben, aber in der Endphase dieser Spielzeit hapert es immer wieder an der Effektivität. Damit ist auch klar: Der HSV kann sich auf keinen Fall mehr für die Champions League qualifizieren, eher muss der Blick in den nächsten Tagen auch nach unten gerichtet werden, damit zumindest der UI-Cup vermieden wird. Derweil verdichten sich die Anzeichen, dass der neue Trainer Martin Jol heißen wird. Nachdem sich Fred Rutten für Schalke entschieden hat und Jürgen Klopp im Klub-Vorstand keine breite Lobby genießt, scheint jetzt alles auf den Niederländer herauszulaufen. Auch wenn er vielleicht nicht auf Anhieb jedem Leser ein Begriff ist, Jol als Coach zu verpflichten, wäre schon ein “großer Fang”. In Tottenham lieferte er einige Jahre tolle Arbeit ab, erreichte zweimal den fünften Rang direkt hinter den großen vier Teams. Sein Führungsstil ähnelt dem von Stevens, wohl aber mit einem etwas engeren Kontakt zu den Spielern – von diesem Standpunkt also könnte es passen. Auch ihm stehen dann die rassigen Duelle mit Werder bevor. Am Mittwochabend entglitt Schiedsrichter Lutz Wagner die Spielleitung komplett, er verpasste es, frühzeitig durch eine konsequente Linie beim Austeilen von Verwarnungen, für Ruhe zu sorgen. So wurde es im Spielverlauf immer robuster, die Krönung war das Foul von Tim Wiese gegen Ivica Olic, welches für mich ein klarer Fall von Körperverletzung war, das aber nur mit Gelb bestraft wurde. Besonders krass natürlich später die Interpretation des Werder-Torhüters, der sein offensichtliches Fehlverhalten runterspielte und indirekt auch Olic noch die Schuld in die Schuhe schob. By the way: In der Partie gab es zwei Platzverweise sowie sieben gelbe Karten.

Ein Konkurrent des HSV ist weiterhin der VfB Stuttgart. Die Schwaben nutzten ihre Chance nicht, mit einem Sieg bei Borussia Dortmund an den Hansestädtern vorbeizuziehen. Zwei Treffer durch Mario Gomez sind nicht immer genug, vor allem dann nicht, wenn Raphael Schäfer im Tor einmal mehr patzt. Die Personalie um den Goalie scheint sich zu einem Dauerbrenner zu entwickeln: Für einige Millionen als Pokalsieger aus Nürnberg geholt, später durch Sven Ulreich verbannt, dann zurückgekämpft mit guten Leistungen, zeigt die Formkurve nun wieder in die falsche Richtung. Wundert es, dass jetzt der Name Jens Lehmann auftaucht. Schließlich fühlt sich der deutsche Nationaltorwart noch fit genug, weiter auf höchstem Niveau zu spielen. Ein Team mit den Ansprüchen des VfB kann sich auf Dauer keine solche Torwart-Debatte leisten, auch mit Blick auf den Europapokal, der im nächsten Jahr wieder lockt. Die Niederlage in Westfalen aber nur an Schäfer festzumachen wäre aber völlig daneben. Es gilt, die starke Leistung von Borussia Dortmund anzuerkennen. Beste Argumente für Thomas Doll, dass er das Team doch noch erreicht und das der BVB auch mit ihm in der nächsten Saison den Aufschwung schaffen kann. Glanzpunkt des Sieges war die tolle Vorstellung des Sturm-Duos Frei/Valdez. Letzterer generierte ungewohnte Spielfreude, erzielte zwar keinen Treffer, aber sonst passte an diesem Abend alles. Auch Alex Frei kommt anscheinend kurz vor der Europameisterschaft in seiner Heimat wieder besser in Form und ergänzte sich mit Valdez sehr gut. Schade eigentlich, dass dieses Pärchen für Samstag in Bielefeld gesprengt wird, weil Valdez nach seiner fünften gelben Karte gesperrt fehlt.

Bayer Leverkusen macht die Reihe jener Teams voll, die sich Chancen auf den UEFA-Pokal ausrechnen und ihr Spiel aber verloren haben. Gerade in der entscheidenden Phase der Saison dreht das Team von Michael Skibbe am Rad, erschreckende Abstimmungsschwierigkeiten in allen Mannschaftsteilen offenbaren sich schonungslos. Dazu kommt, dass am Mittwoch erstmals “Skibbe Raus”-Rufe durch das Stadion hallten. Die Leverkusener Anhänger werden wieder einmal ihrem Ruf als Erfolgs-Fans gerecht. Ist es denn wirklich schon vergessen, dass der gleiche Skibbe vor wenigen Wochen mit exzellenten taktischen Kniffen sein Team zu berauschendem Offensiv-Fussball verholfen hat? Klar, das hilft jetzt nichts, Leverkusen droht, sogar den UI-Cup zu verspielen, denn von hinten naht der VfL Wolfsburg mit großen Schritten. In dieser Form ist auch eine Niederlage in Rostock am Samstag im Bereich des Möglichen. Auch die Berliner Hertha spielte in Leverkusen nicht wirklich besser, aber sie zeichnet in dieser Phase der Saison eine große Stärke aus: Effektivität und eine relativ stabile Abwehr mit dem formstarken Jaroslav Drobny im Kasten. Marco Pantelic trifft ungeachtet der Debatte um seinen Vertrag, liefert so gute Punkte ab, wenn es um die deutliche Gehaltssteigerung auf. Und zeigt auch auf, dass Hertha ohne ihn eigentlich nicht kann. Mit Pantelic hat man in der Hauptstadt endlich den wichtigen, treffsicheren Stoßstürmer gefunden, nach dem seit Michael Preetz gesucht wurde. Hertha sollte alles tun, um den Serben zu halten, auch wenn dazu finanzielle Wagnisse nötig sind.

Wagnisse einer ganz anderen Sorte bewegen momentan den 1. FC Nürnberg sowie den MSV Duisburg. Beide Teams stecken in großem Abstiegs-Trouble, jetzt kam es zum direkten Duell. Und es waren die Franken, die mit dem Druck besser umgehen konnten, erzielten schon früh durch Charisteas die Führung und kontrollierten fortan die Begegnung. Somit sieht es – dank der Niederlage von Bielefeld in München – wieder besser aus für den Club. Aus eigener Kraft kann man den Klassenerhalt aber nicht mehr schaffen. Besonders hart ist freilich das Restprogramm, zunächst geht es morgen in Berlin gegen Hertha, und nächstes Wochenende empfängt man den FC Schalke. Die Nürnberger werden sich mächtig strecken müssen, um den Klassenerhalt noch zu erreichen. Noch mehr gilt das aber für den MSV Duisburg, die sogar schon drei Zähler Rückstand zum rettenden 15. Rang haben. Auch hier gilt: Die letzten beiden Spiele könnten ungünstigere Gegner zu diesem Zeitpunkt nicht bereithalten: Samstag Bayern, nächste Woche Frankfurt. Darf man sich vom MSV schon verabschieden? Bereits morgen könnte es soweit sein. Dabei war es mit diesem Kader wirklich eine so schlechte Saison, aber in den entscheidenden Spielen fehlte einfach das Durchsetzungsvermögen. So kann man den Sturz in die zweite Liga wohl nicht mehr aufhalten.

Fest planen kann eigentlich schon Hansa Rostock. Sicher, es besteht eine theoretische Restchance mit Siegen gegen Leverkusen und in Bochum, aber ehrlich, daran glaubt wirklich keiner mehr. Anderslautende Aussagen von der Ostsee sind nichts weiter als branchenübliche Durchhalteparolen. Freundlicher sieht es aus für Arminia Bielefeld, momentan knapp über dem bösen Strich. Die Konkurrenz hat ein schweres Restprogramm, selber geht es noch gegen Dortmund und Stuttgart. Durch den Nürnberger Sieg noch einmal in Bedrängnis geraten ist Energie Cottbus, die zwei Punkte vor den Abstiegsrängen stehen und am Samstag den Hamburger SV empfangen, ehe es am letzten Spieltag nach Hannover geht. In diesem Fall bin ich aber ganz optimistisch, dass die Lausitzer nächste Saison weiterhin erstklassig spielen werden. Aus meiner Sicht läuft alles auf ein Fernduell zwischen Bielefeld und Nürnberg heraus, wobei ich doch auf einen besseren Ausgang für die Ostwestfalen hoffe.

Zum Spieler des Tages küre ich an dieser Stelle Marko Pantelic, weil er mit seinem Führungstreffer in Leverkusen die Pillendreher so demoralisiert hat, dass sie nicht in der Lage warne, dem HSV auf die Pelle zu rücken. Was das Wochenende neues bringt im Kampf um den Abstieg – das gibt es am Montag im vorletzten Bundesliga-Splitter. Es bleibt mir vor dem Wochenende nur noch eines: Allen Lesern wünscht das Team von Abenteuer Fussball ein erholsames Pfingstfest!

Bundesliga-Splitter #28 14. April 2008

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Nachdem in den letzten zwei Wochen einiges durcheinander gelaufen ist auf diesem Blog, versuchen wir nun so schnell wie möglich wieder in den normalen Blog-Rhythmus zurückzukehren. Dazu gehört natürlich auch der Bundesliga-Splitter, den es dank einer “Englischen Woche” binnen weniger Tage sogar zweimal geben wird. Die Bundesliga-Saison geht jetzt in ihre heiße Phase, in nicht einmal mehr einem Monat steht bereits die Endtabelle. Dabei wird zumindest an der Tabellenspitze der bekannte Name erwartet: Spätestens nach diesem Spieltag füllt sich der zuvor schon gefühlte Vorsprung des FC Bayern nun auch auf dem Punktekonto – Zehn Zähler Abstand zum Verfolger Werder Bremen bei noch sechs ausstehenden Partien ein dankbares Polster. Deshalb drehen wir den Scheinwerfer zunächst auf andere Brennpunkte.

Zuerst jedoch zu einem Kuriosum in der Bundesliga. Nach über 30 Jahren wurde am Freitag erstmals wieder eine Begegnung abgebrochen. Jedoch nicht, wie seinerzeit beim Spiel zwischen Kaiserslautern und Düsseldorf wegen Flaschenwürfen, sondern wegen eines zornigen Wettergottes. Etwa fünf Minuten vor Beginn in Nürnberg regnete es im Frankenstadion wie aus Kübeln. Die erste Halbzeit drückte Referee Jochen Drees noch durch, jedoch unter durchaus schon irregulären Bedingungen. Nach verlängerter Halbzeitpause und nicht nachlassendem Regen bricht der Unparteiische gegen 22.16 Uhr das Spiel ab. Besonders bitter natürlich für den 1. FC Nürnberg, die bis dahin dank eines Treffers von Ivan Saenko geführt haben und auf dem Weg waren, dringend notwendige drei Punkte zu erzielen. Inwiefern die Wetterbedingungen aber maßgeblich beteiligt waren am Club-Führungstor, bleibt unklar. Fakt ist, dass der nasse Ball Diego Benaglio durch die Finger flutschte und erst hinter der Torlinie zum liegen kam. Auf der anderen Seite verhinderten Pfützen im Torraum weitere sichere Nürnberger Tore. Ohne mir durch umfangreiche bewegte Bilder einen Eindruck verschaffen zu können, aber die Bilder, die via Sportstudio öffentlich geworden sind, haben bei mir Erinnerungen an die Wasserschlacht von Domzale hervorgerufen. Der VfB Stuttgart hatte damals das zweifelhafte Vergnügen, sich im Slowenischen auf einem unbespielbaren Platz gegen den Gastgeber messen zu müssen. Das war damals genauso irregulär, wie am Freitag in Nürnberg. In Zeiten, wo über “Artenschutz” gegen böse Tritte von Verteidigern für Spielmacher diskutiert wird, ist es die völlig richtige Entscheidung gewesen, die Spieler vor dem Wetter und damit verbundenen Verletzungsrisiken zu schützen. Zumal ja bekanntlich sowohl Nürnberg (gegen den Abstieg) als auch Wolfsburg (um den Europapokal) noch um entscheidende Punkte kämpfen und einen übermäßig großen Zufalls-Faktor nicht gebrauchen können.

Ganz ohne Zufall, dafür aber mit einem wahren Sturmlauf deklassiert hat Werder Bremen seinen Konkurrenten Schalke 04 und leitete damit das Ende der Ära Slomka in Gelsenkirchen ein (Vgl. hier). Dabei war das Spiel auf keinen Fall so eindeutig wie es das 5:1 für die Hanseaten vermuten lässt. Über weite Strecken konnte Schalke gut mithalten, ingesamt waren die 90 Spielminuten gespickt von 25 (!!!) Torchancen auf beiden Seiten etwa gleichmäßig verteilt. Der Blick auf das Resultat verrät dann aber auch den Punkt, weshalb Schalke momentan nicht zu den Spitzenmannschaften gehört und so auch letzte Woche gegen Barcelona in der Champions League den Abgang gemacht hat: Eine katastrophale Chancenverwertung. Kevin Kuranyi fehlt jedwede Unterstützung aus dem Mittelfeld, Halil Altintop ist wahrlich kein Torjäger, Sören Larsen genügt höchsten Ansprüchen nicht und Gerald Asamoah spielt sowieso jenseits von gut und böse. Der Gegenentwurf dazu in Bremen: Mit einem Boubacar Sanogo, der endlich wieder trifft, einem starken Markus Rosenberg sowie dem Top-Joker Ivan Klasnic ballerte sich die grün-weiße Raute aus der Kreativpause der letzten Wochen. Maßgeblich beteiligt am kurfristigen Erfolg ist Tim Borowski, der anders als Miroslav Klose vor Jahresfrist die letzten Spiele seiner Bremer Zeit vor dem Abschied an die Isar noch einmal mit Leistung zu überzeugen scheint. Mittlerweile deutet sich nicht nur der Abschied von Borowski an, sondern auch der von Ivan Klasnic. Trotz zweier Treffer innerhalb von 30 Minuten nach seiner Einwechslung war der Kroate später unzufrieden mit seinem Platz auf der harten Bank. Dazu erwartet Klasnic eine Gehaltserhöhung, Werder möchte den Vertrag jedoch erst einmal herunterfahren. Kalkuliertes Risiko, weil Klasnic zwar momentan beschwerdefrei ist, aber eine Nierentransplantation natürlich auch langfristig Gefahren birgt? In jedem Fall geht die Tendenz im Fall des ehemaligen Hamburger in Richtung Vereinswechsel. Gerüchte über einen solchen Wechsel zerstreut hat jetzt Kreativspieler Diego. Mittlerweile ist es aber ohnehin schon eine große Lachnummer, das spanische Zeitungen jede Woche den Wechsel von Diego zu Real Madrid, FC Barcelona oder sonst irgendeinem Team als perfekt melden.

Völlig außer Tritt gekommen ist momentan der Hamburger SV. Quasi seit jenem 4:1 gegen Frankfurt vor anderthalb Monaten, welches wir selber im Stadion miterlebt haben, läuft fast alles schief. Das Ausscheiden im UEFA-Pokal und die Wochen der verpassten Chancen in der Bundesliga. Noch vor zwei, drei Wochen hätte der HSV mit großen Schritten davon ziehen können und ein feines Punktepolster zwischen sich und seine Konkurrenten im Kampf um den Champions League-Platz legen können. Die Realität sechs Spieltage vor dem Ende sieht anders aus: Absturz auf dem vierten Platz, nun schon vier Spiele ohne Sieg. Der Abstand zum lange gehaltenen zweiten Rang beträgt schon wieder drei Punkte. Leistungsträger wie Rafael van der Vaart, Vincent Kompany und Paolo Guerrero stehen neben sich. Im Falle des Belgiers Kompany ist der Leistungsabfall jetzt sogar so schlimm, dass er zunächst für eine Woche vom Treiben in Hamburg freigestellt ist. Seit dem Tod seiner Mutter im letzten Winter läuft Kompany völlig neben der Spur und verunsichert seine Nebenleute. Mittlerweile kann ich auch nicht mehr leugnen, dass die immer noch ungeklärte Trainerfrage das Team zumindest in einem gewissen Maße beeinflusst. Vor etwa vier Wochen hatte ich die Lage an der Elbe ausführlich analysiert, mittlerweile hat sich folgende Faktenlage ergeben: Jürgen Klopp ist wohl genauso aus dem Rennen wie Fred Rutten, die jeweils das Anforderungsprofil eines Bestandteils des Führungsduos Beiersdorfer/Hoffmann nicht erfüllt haben. Nun steht ein anderer großer Name vor der Tür: Gerard Houllier, einst UEFA-Pokal-Gewinner mit dem FC Liverpool und zuletzt beim französischen Serienmeister Olympique Lyon angestellt. Houllier wurde im letzten Sommer und zum Jahreswechsel jeweils wage mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Solange es dazu keine offiziellen Stellungnahmen gibt, verbietet sich eine exakte Analyse der neuen Situation. Ich aber würde eine Verpflichtung von Houllier begrüßen. Mitten in diese neue Meldung platzte am Samstag der MSV Duisburg mit einem 1:0-Sieg in der Nordbank-Arena. Ohne spielerische Glanzpunkte zu setzen, gaben die Zebras ein deutliches Lebenszeichen ab. Torschütze war einmal mehr Mittelfeldspieler Ivo Grlic, in diesen Tagen Lebensversicherung der Meidericher. Am Mittwoch bietet sich die Chance, beim momentan etwas neben der Spur laufenden Karlsruher SC erstmals in dieser Spielzeit zwei Partien in Folge zu gewinnen. Dank eines in guter Form befindlichen Torwarts Tom Starke und dem starken Grlic könnte die wie erwartet von großen Abstiegssorgen begleitete Saison doch noch ein gutes Ende nehmen. Dazu muss sich der MSV aber deutlich stabilisieren, und nicht, wie in den Wochen zuvor, nach einem Erfolg wieder mehrere Schritte zurück machen.

Nach Wochen der Tristesse, wo Hansa Rostock nur von dem komfortablen Punktepolster aus der Vorrunde gezehrt hat, gelang am Wochenende in Karlsruhe der zweite Auswärtssieg. Mit einem überragenden Fin Bartels, der in neuer Rolle als Stürmer neben Sebastian Hähnge zum Doppeltorschützen avancierte, konnte der freie Fall gestoppt werden. Aus einer stabilen Abwehr heraus mit Rückhalt Stefan Wächter trug auch Coach Frank Pagelsdorf seinen Teil dazu bei, dass sieben sieglose Spiele genug der Misserfolge waren. Am Dienstag nun kommt es zum Nord-Duell mit Werder Bremen. Sicher keine einfache Aufgabe, doch Hansa ist ein Team, welches spielstarken Teams wie Werder den letzten Nerv rauben kann und mit Geduld zum Erfolg kommt. Geduld ist wohl das, was dem Karlsruher SC momentan verloren gegangen ist. Nach der überragenden Vorrunde und einem passablen Start in die Rückrunde ist jetzt schon seit einiger Zeit der Wurm drin. Tamas Hajnal wirkt nicht mehr so frisch und sprudelt nicht mehr voller Ideen, wie noch im Herbst 2007. Auch Winter-Neuzugang Joshua Kennedy hat das Toreschießen vorerst eingestellt, wenngleich er immer noch mehr Gefahr ausstrahlt als Kapplani & Co. Das Mittelfeld mit Porcello und Iashvili bringt nicht mehr genug Impulse, und unterstützt den Sturm zu wenig. Und, es mangelt gerade jetzt an der Chancenverwertung. Der in der Vorrunde gewonnene Eindruck, dass jeder Karlsruher Treffer markieren kann, ist dahin. Vielleicht ist diese Entwicklung aber einfach nur eine ganz normale, auch nützliche Entwicklung. Denn: Zuviel des Guten und überschäumender Optimismus hat schon einigen Vereinen in der jüngeren Vergangenheit das Genick gebrochen. Beispiel gefällig? Nun denn, da gibt es den VfL Bochum und den 1. FC Nürnberg, die sich vom Abstiegskandidaten in den Europapokal mauserten und im darauf folgenden Jahr schon den umgekehrten Weg bestritten haben. Eigentlich ist es garnicht so schlecht, dass die erste Krise nach dem Wiederaufstieg schon jetzt kommt. Zu einem Zeitpunkt, wo der Klassenerhalt sicher ist, aber auch utopische Ziele in weite Ferne gerückt sind.

Bleibt zum Ende noch die beliebt-bekannte Wahl zum Spieler des Tages. Diese Auszeichnung wird heute Fin Bartels zuteil, der ungeahnte Stürmerqualitäten gezeigt hat und Hansa Rostock zu drei ganz ganz wichtigen Punkten geschossen hat. Soweit der Rückblick auf den 28. Spieltag. Schon am Donnerstag geht es weiter, mit unserem 29. Splitter. Bis dahin, eine schöne Zeit!

Bundesliga-Splitter #23 9. März 2008

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Mir geht es jedes Jahr zu diesem Zeitpunkt – Mitte März und einige Wochen nach beendeter Winterpause – gleich: Plötzlich ist der Schock groß, dass sich der Spieltags-Zähler in rasendem Tempo der 34 nähert. Nun sind es nur noch elf Spiele bis zum Ende einer weiteren Bundesliga-Saison. Die 23. Spielrunde hielt diesmal eine große Überraschung bereit, denn in Stuttgart kamen die Freunde der Offensiv-Kunst auf ihre Kosten. In diesem Bundesliga-Splitter geht der Blick aber bis auf die Ausnahme im Gottlieb-Daimler-Stadion in die untere Tabellenhälfte.

Den Auftakt gab wiederum die “Alte Dame” aus Berlin, eine Woche nach dem tollen Auftritt gegen Duisburg diesmal im Dortmunder Westfahlenstadion. Borussia Dortmund zeigte einmal mehr die fehlende Konstanz in dieser Saison, was auch der Hauptgrund ist, warum man immer noch nicht genügend Punkte als Polster zu den Abstiegsrängen geschaffen hat. Zwar liegt man momentan elf Punkte vor dem bedrohenden Strich, aber eine schlechte Serie, und irgendwann fangen die im Tabellenkeller auch mal an, etwas mehr Punkte zu holen. Die Dortmunder Eichörnchentaktik führt wohl mit Sicherheit zum Klassenerhalt, aber die Spielweise hält jetzt nicht gerade dazu an, die Fans mit euphorischen Stimmungsschüben zu versorgen. Wieder einmal war ein Beispiel dafür, dass man sich fast über die gesamte Spielzeit von Hertha kontrollieren ließ – und das im eigenen Stadion.  Dies sollte aber auch Ausdruck der momentanen Berliner Stärke sein. Nach einem halben Jahr Tristesse hat Lucien Favre schneller als bei seinen schweizer Trainerstationen die Kehrtwende eingeleitet. Maßgeblich daran beteiligt ist Raffael – dessen Verpflichtung ich ehrlich mit einiger Skepsis betracht habe. Doch der Hype und sein Ruf als Heilsbringer ist zumindest im Ansatz gerechtfertigt. Ein solcher Spielertyp hat Hertha wirklich noch gefehlt. Dazu ein weiterhin treffsicherer Marko Pantelic, und das Team ist weiterhin im Jahr 2008 unbesiegt. Fünf Punkte im engen Kampf um den sechsten Platz sind es jetzt nur noch Rückstand. Allerdings sollten, wenn man dieses Ziel noch erreichen will, auch die letzten Reserven mobilisiert werden, um aus einem solchen klar kontrollierten Spiel wie in Dortmund mehr als nur einen Zähler mitzunehmen. Für einen besonderen Höhepunkt sorgte aber Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover. Nach einer missverständlichen Geste des vierten Offiziellen zeigte er Marko Pantelic die rote Karte, nahm diese aber korrekterweise zurück, und verbannte den eigentlichen Übeltäter Lucien Favre auf die Tribüne. Klar, es war ein offensichtlicher Fauxpas des Schiedsrichters, dennoch gibt es einige arrogante Schiedsrichter, die in solchen Situationen wohl nicht mehr umgedacht hätten

Neun Tore in einem Bundesligaspiel. Das ist wahrlich eine Rarität, obwohl die Bundesliga lange nicht an einer solchen Torarmut wie die französische Ligue 1 leidet. Die Stuttgarter hatten nach dem abgesagten Spiel der Vorwoche noch länger Zeit, sich Gedanken über das Ausscheiden im Pokal gegen Jena zu machen. Einmal mehr war es Mario Gomez, der dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt hat. Über weite Strecken der Partie lautete das Duell Gomez gegen Werder, erst nach einer Stunde drehte der eingewechselte Cacau auf und machte mit zwei Treffern das halbe Dutzend voll. Für die Zuschauer war das Torfestival im Gottlieb-Daimler-Stadion natürlich ein gelungener Nachmittag, aber die Abwehrarbeit beider Mannschaft zeigte doch erhebliche Schwächen auf. Von Stabilität war im Quartett Osorio, Tasci, Delpierre, Boka auf Stuttgarter Seite nichts zu merken. Schon nach 27 Minuten wechselte Armin Veh zudem den indisponierten Antonio da Silva aus und brachte den Nationalspieler Roberto Hilbert. Dieser konnte dem Mittelfeld etwas mehr Impulse geben und war fortan auch am Festival beteiligt. Noch mehr Sorgen macht mir aber Werder Bremen. Nur anderthalb Tage nach dem schwachen 0:2 in Glasgow hatten sich die Hanseaten anscheinend noch nicht erholt, und spielten auf noch schlimmeren Niveau weiter. Vor allem Nationalverteidiger Per Mertesacker erwischte einen schwarzen Tag: Sein Eigentor zum 5:3 sorgte für die Vorentscheidung, anschließend durfte er auch noch wegen einer Notbremse vorzeitig duschen gehen. Anscheinend entwickelt sich bei Werder wie schon zum gleichen Zeitpunkt der Vorrunde eine kleine Formkrise, was natürlich im fortschreitenden Meisterschaftskampf gerade jetzt eine herbe Enttäuschung wäre. Jedenfalls ist am Donnerstag im UEFA-Pokal gegen Glasgow ein Sturmlauf nötig, wobei es an der Offensive in Stuttgart nicht gehangen hat. Der Weg des VfB Stuttgart zeigt dagegen immer weiter nach oben, ein Sieg am Dienstag im Nachholer gegen Cottbus, und Armin Vehs Mannschaft steht erstmals in der Saison 2007/2008 auf einem Europapokalplatz, auch wenn es nur der UI-Cup-Rang ist. Mehr ist möglich, denn der aktuell Fünftplatzierte, Schalke 04, ist auch nicht gerade der Inbegriff der Konstanz.

Ein weiterer Anwärter auf den sechsten Platz, oder vielleicht sogar auf P5, ist seit Beginn der Rückserie auch der VfL Wolfsburg. In Spielen wie gegen Cottbus hat man sich noch im Herbst des vergangenen Jahres sehr schwer getan, jetzt werden solche Spiele schnell in der Kategorie “Pflichtsieg” unter Dach und Fach gebracht. Auch dank eines endlich aus dem Winterschlaf erwachten Marcelinho stand es nach 20 Minuten schon 2:0, sodass in der restlichen Spielzeit das Resultat gut verwaltet werden konnte. Erstmals dabei war Daniel Ljuboja, der sich zuvor in Stuttgart und Hamburg den Ruf des geldgierigen “Bad Boy” erarbeitet hat und dessen Karriere lange Zeit wegen seines schwierigen Charakters auf der Kippe stand. In Sachen Einsatz jedenfalls kann dem Serben am Samstag kein Vorwurf gemacht werden, auch Trainer Felix Magath bestätigte die charakterliche Weiterentwicklung des Sorgenkindes. Der Trend zeigt anscheinend in die richtige Richtung. Wer das von Energie Cottbus behauptet, ist entweder Zyniker oder schaut sonst nur Snooker. Da nützt es auch nicht, dass in den letzten Wochen spielerisch durchaus Fortschritte erkennbar waren. Wenn dann eine solche Leistung wie in Wolfsburg folgt, führt der Weg zwangsläufig in die zweite Liga. Der neue Stürmer Jelic bekam erstmals seine Chance von der ersten Minute an, versagte aber jämmerlich und wurde schon zur Halbzeit ausgewechselt. Aber auch das nach 60 Minuten neu formierte Sturmduo Papadopolus/Shao entfachte nicht den Ansatz von Torgefahr. Spricht es nun gegen Cottbus oder für die Wolfsburger Stärke, dass dieses Spiel deutlich mit 0:3 aus Sicht der Lausitzer endete? Am Dienstag gegen Stuttgart sollte vor eigenem Publikum – auch wenn das sicher nicht sehr zahlreich anwesend sein wird – die Trendwende eingeleitet werden. Man kann sich wirklich bei Nürnberg, Bielefeld und Duisburg bedanken, dass solche schwachen Leistungen heuer nicht von der Konkurrenz gnadenlos ausgenutzt werden. So paradox es nach dieser Totalverweigerung auch klingt, ein Sieg am Dienstag und Cottbus verschafft sich Luft.

In dieser Spielzeit offenbaren sich doch fünf Vereine, die sich in Sachen Qualität deutlich vom Rest der Liga nach unten absetzen. Zwei dieser Klubs traffen am Samstag in Duisburg aufeinander, der Meidericher SV und Hansa Rostock teilten sich aber standesgemäß die Zähler mit 1:1. Vor allem für die Hausherren Zebras war es viel zu wenig. Eine Woche nach dem Totalausfall in Berlin wurde die Chance zur Rehabilitation vor den eigenen Fans nicht genutzt, eher erneut verspielt.  Besonders bezeichnend ist es, dass sich Duisburg von Victor Agali einen Treffer einschenken ließ, was zuvor kein anderer Bundesligaverein fertig gebracht hat. Angesichts dieser Fahrlässigkeit ist die Frage zu stellen, ob der MSV überhaupt noch zu retten ist. Aus Sicht der Tabellenkonstellation mit durchaus guten Chancen, zumindest gleichwertig zur Konkurrenz, aber von der Qualität her ist der Duisburger Kader momentan der schlechteste seiner Art in der gesamten Liga. Bei Hansa Rostock kann man mit dem Zähler durchaus zufrieden sein. Nun, die Chance, sich nach oben abzusetzen, wurde verfehlt, aber andererseits wurde einem Konkurrenten auch nicht die Punkte in den Rachen geworfen. Besonders freut es mich ja, dass bei Victor Agali mit freundlicher Mithilfe der Zebra-Abwehr endlich auch ein Erfolgserlebnis eingetreten ist. Nach 20 Spielen, die Frank Pagelsdorf trotz teils schlechter Leistungen des Nigerianes auf Agali gebaut hat, zahlt sich dieses Vertrauen vielleicht gerade noch rechtzeitig aus. Ich würde noch abwarten, um vom geplatzten Knoten zu sprechen, aber das erste Tor wirkt vielleicht wie eine Befreiung. Damit wäre zumindest das größte Problem von Hansa – ein fehlender bundesligatauglicher Stürmer neben Enrico Kern – gelöst. Nächste Woche steht im Heimspiel gegen Hertha BSC aber eine schwere Aufgabe auf dem Programm. Doch ich glaube, dass Berlin mit der Rostocker Spielweise einige Probleme bekommt, das Berliner Team tut sich bei solch kompakten Defensivreihen immer sehr schwer.

Wer hätte das gedacht, dass der 1. FC Nürnberg auch am 23. Spieltag noch so tief im Schlamassel steckt. Irgendwie habe ich schon damit gerechnet, dass man sich trotz der schwachen Vorrunde in der zweiten Halbserie schnell steigern wird und etwas freischwimmt. Fehlanzeige. Eher ist das Spiel nach dem Trainerwechsel zu Thomas von Heesen noch schlechter geworden. Vielleicht war es, mal abgesehen von der Art und Weise des Meyer-Abgangs, auch ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt: Mit den schweren Spielen gegen Benfica einen Neustart einzuleiten, ging im Nachhinein gründlich in die Hose. Mir scheint es so, dass das bittere Ausscheiden mit den Last-Minute-Gegentoren ein Knackpunkt war, der nun vielleicht alles in Nürnberg den Bach runter gehen lässt. Neuer Tiefpunkt: Im heutigen Heimspiel gegen den HSV vergab Misimovic vom Elfmeterpunkt kläglich die Chance auf den ersten Dreier seit Monaten. Immerhin hat der Torwartwechsel zu Daniel Klewer etwas mehr Stabilität gebracht, erstmals seit langer Zeit wird in Nürnberg wieder nicht vordergründig über die Fehler des geschassten Jaro Blazek geredet. Vielleicht öffnet das den auf den Torwart eingeschossenen Beobachtern jetzt die Augen, dass die schlechte Bilanz nicht alleine auf den bemittleidenswerten Blazek zurückzuführen ist. Nürnberg steht vor dem Abgrund, aber noch ist nichts verloren. Ohne schwarzmalen zu wollen, ein Abstieg wäre fatal: Sämtliche Aufbauarbeit der letzten Jahre wäre dahin, denn die mittlerweile etablierten Bundesligaspieler würden sicher schnell neue Arbeitgeber in der Republik finden. Der Blick auf das Programm in den nächsten Wochen macht Angst: Alles Spiele gegen die Teams, die zuletzt in guter Form dabei waren – Leverkusen, Bochum, Bayern, Frankfurt, Wolfsburg, Stuttgart. Es wird ein hartes Stück Arbeit. Nach dem Gala-Auftritt vergangene Woche gegen Frankfurt befindet sich der Hamburger SV jetzt wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück. 0:1 in Leverkusen, 0:0 in Nürnberg. Kein eigener Treffer, aber immerhin seit Anfang Dezember in der Bundesliga unbesiegt. Trotzdem wurde der Sprung auf den zweiten Tabellenrang verpasst, der Patzer des Erzrivalen von der Weser nicht genutzt. Es fehlt aber momentan nur an der Initialzündung, die Chance war auch in Nürnberg durch einen Lattentreffer von David Jarolim da. Zudem der glänzende Frank Rost mit seiner Elfmeterparade. Der HSV bleibt weiterhin eine schwer zu knackende Nuss, aber etwas mehr Mut im offensiven Spiel wäre in den nächsten Wochen wünschenswert. Oder wir verlassen uns einfach auf die Heimstärke.

Spieler des Tages wird dieses mal, wie sollte es anders sein, Mario Gomez. Der Nationalstürmer weist seit Wochen eine grandiose Form nach und ist Garant für den Aufschwung des VfB Stuttgarts. Nächste Woche gibt es einige zurückgestellte Begegnungen: Cottbus-Stuttgart und Inter Mailand-FC Liverpool am Dienstag. Zudem die Rückspiele im Achtelfinale des UEFA-Pokals. Darüber berichten wir hier natürlich im gewohnten Rahmen.