Juventus Turin

Das Talent der Inkonstanz

Posted by Max on Januar 24, 2015
Bundesliga, Fussball International / No Comments

Plötzlich war er wieder da. Gleich im zweiten Spiel für den FC Southampton trifft Eljero Elia, in der Bundesliga bestens bekannt aus insgesamt vier Spielzeiten beim Hamburger SV und bei Werder Bremen, doppelt. Totgesagte leben länger? Obacht! Schließlich eilt Elia ein balotelli’scher Ruf voraus, zwar hochveranlagt, aber zu schlampig für einen Spitzenprofi und insbesondere auch wenig diszipliniert. Inkonstant. Zwei Tore für den neuen Verein, da kam bei mir gleich das typische Elia-Gefühl auf: Starker Start, und dann? Der Name Eljero Elia ist bei mir negativ konnotiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er in der Labbadia-Saison 2009/2010 zum HSV kam, jener Spielzeit, als für mich der Absturz in das bis heute andauernde Dilemma begonnen hat. Elia trägt daran sicher keine Hauptschuld, aber er war damals zwei Jahre Teil einer überforderten Mannschaft.

Eljero Elia war einer dieser jungen Spieler, denen eine große Karriere vorhergesagt wurde. Einer dieser jungen Spieler, die dann weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, die mit komplizierten Situationen überfordert sind. Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Karrierestationen des Niederländers:

  • 07/2007 – 07/2009: Twente Enschede (Wechsel für 200.000 Euro)
    Nach dem Wechsel von ADO Den Haag nach Enschede wurde Elia sofort Stammspieler, erzielte in seiner ersten Saison nur zwei Treffer, der erste am 19. Spieltag. Der endgültige Durchbruch gelang in der zweiten Spielzeit: Neun Tore erzielte Elia und geriet in den Fokus des HSV. Schon hier deutet sich ein später typisches Phänomen an, denn von den neun Treffern fielen vier bereits an den ersten sechs Spieltagen, während sich die weiteren Tore über den restlichen Saisonverlauf verteilten.
  • 07/2009 – 08/2011: Hamburger SV (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Mit viel Vorschuss wurde Elia unter dem neuen HSV-Trainer Labbadia schnell zum Leistungsträger. Mit fünf Toren in der Vorrunde war er am guten Saisonstart maßgeblich beteiligt. Später fiel seine Leistung dann proportional zu denen des gesamten Teams ab, die Rückrunde verpasste er weitgehend durch eine Knöchelverletzung. In seiner zweiten Saison an der Elbe waren es dann nur noch zwei Treffer, bei Armin Veh fiel er regelmäßig durch eine negative Körpersprache auf (vergleiche Özil, Mesut). Ende August 2011 folgte – schon unter seinem vierten Trainer in Hamburg – der Wechsel nach Turin.
  • 08/2011 – 07/2012: Juventus Turin (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Der Deal war gut. Quasi ohne Verlust gab der HSV Elia nach Turin ab. Die Geschichte dort ist schnell erzählt: Obwohl nicht verletzt, kam Elia nur auf vier Ligaeinsätze, pendelte ansonsten zwischen Ersatzbank und Tribüne.
  • 07/2012 – 01/2015: Werder Bremen (Wechsel für 5,5 Mio. Euro)
    Der Transfer von Elia nach Bremen sollte für den Niederländer einen Neustart markieren. Zugleich war es einer der letzten Fehleinkäufe der Ära Allofs/Schaaf an der Weser. Elia war auch an der Weser zu Beginn Stammspieler, die Rückrunde verbrachte er dann häufiger auf der Bank, am Saisonende wurde er mit dem gleichsam undisziplinierten Marko Arnautovic wegen einer Autobahnraserei suspendiert. Null Tore in seiner ersten Werder-Saison. Der Start in das Spieljahr 2013/2014 war besser, vier Tore unter dem neuen Trainer Robin Dutt in der Hinrunde. Elia blieb Stammspieler bis zum Saisonende, war aber wie die gesamte Mannschaft inkonstant. Nach der Entlassung von Dutt im vergangenen Herbst hatte Elia endgültig keinen sportlichen Wert mehr für die Mannschaft, Victor Skripnik brauchte ihn nicht mehr im Kader.

Wie sein früherer Bremer Leidensgenosse Marko Arnautovic ist Eljero Elia nun also in der Premier League gelandet. Und hat mal wieder einen guten Beginn beim neuen Verein hingelegt. Trainer in Southampton ist sein Landsmann Ronald Koeman, vielleicht braucht er ja diesen heimischen Einfluss, um endlich konstanter zu werden. Southampton ist ein Neustart für Elia. Mal wieder.

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Bock der Woche (26)

Posted by Max on März 22, 2010
Fussball International / No Comments

Pfleglichen Umgang mit den Arbeitsmitteln lernt man hier schon in der Schule. Trotz südeuropäischer Heißblütigkeit wird das wahrscheinlich auch in Italien nicht anders sein. Demzufolge hat sich Juventus Turins Torwart Antonio Chimenti nicht gerade vorbildlich verhalten. Für einen Schlussmann sind schließlich die Hände ein wichtiges Arbeitsmittel, darf er doch als einziger Akteur auf dem Feld in einem vorgegeben Bereich seine zwei angeborenen Greifwerkzeuge benutzen.

Nach dem 1:4-Ausscheiden von Juve in der Europa League gegen Fulham verlor die ehemalige Klassemannschaft auch am Wochenende in der Serie A. Ergebnis: 0-1 gegen Sampdoria Genua, Torwart Chimenti sah dabei bei einem Distanzschuss nicht gut aus. Nach dem Spiel ereignete sich nach den Erzählungen Chimentis folgendes:

Ich war so frustriert. Als ich als Erster in die Kabine gekommen bin, habe ich aus Wut mit der Faust auf einen Tisch geschlagen und mir dabei die Hand gebrochen.

Doppelt bitter: Auf seinen Verein könnte am Donnerstag ein Torwartproblem zukommen, denn sowohl Stammgoalie Gianluigi Buffon als auch dessen Ersatz Alex Manninger sind derzeit verletzt. Wird nicht einer der Beiden rechtzeitig fit, muss Juventus mit dem vierten Torwart die Partie gegen Neapel bestreiten. Aber auch für Chimenti – neben dem Verletzungsschmerz – eine unerfreuliche Situation, hatte er doch zuletzt nach langer Zeit mal die Chance bekommen, sich zu beweisen. Denn egal ob in Turin, bei Udinese oder Cagliari, Chimenti war nie Stammtorwart und absolvierte in den letzten sieben Jahren lediglich 51 Ligaspiele. Vorerst werden keine weiteren dazukommen.

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Zwei aus Drei

Posted by Moritz on Dezember 10, 2009
Champions League / No Comments

Der letzte Spieltag ist Geschichte und somit ist auch die Gruppenphase der Königsklasse vorbei. Nachdem diese in dieser Saison wieder von vielen Neulingen aufgefrischt wurde, sind die üblichen Verdächtigen im Großen und Ganzen wieder unter sich. Dazu dürfen sich nach zumindest teilweise überragenden Partien nun auch der VfB Stuttgart und der FC Bayern zählen, während in Wolfsburg die Trauer über den zweiten verpassten Matchball vorherrscht.

Nach der verpassten, vorzeitigen Qualifikation in und gegen Moskau sollte der große Achtungserfolg nun gegen Manchester United gelingen. Dementsprechend stürmend begannen sie auch. Torchancen blieben bei weitem keine Ausnahmeerscheinung, nur die Tore auf Seiten der Wolfsburger sollten es bleiben. Im Gegensatz zum typischen Erscheinungsbild der Mannen von Armin Veh in den letzten Wochen präsentierte sich ManU abgezockt effektiv in einer B-Besetzung. Deren Micheal Owen gelang es aus drei leichtfertig zugelassenen Chancen drei Tore zu erzielen, die den Hausherren letztendlich das Genick brachen. Auf der anderen Seite verteidigten sie geschickt, aber keinesfalls unüberwindbar. Ein Wolfsburg in der zwingenden Form des Frühjahrs wäre mit der Situation aller Wahrscheinlichkeit nach fertig geworden. Doch im Moment scheint mit Grafite zu mindestens ein Teil weiter auf der Suche nach der verlorenen Form zu sein. Er nahm den Kollegen gute Bälle ab, verzog Schüsse und wirkte auf dem Platz irgendwie glücklos. Erst Sekunden vor der Auswechslung hatte er seine vielleicht beste Gelegenheit, als ein endlich mal strammer und zielgerichteter Schuss aber nichtsdestotrotz das Tor verfehlte. Am Ende haderte dann auch der Trainer mit dem Schicksal und fragte sich, was die Mannschaft verbrochen habe, dass ihr in den entscheidenden Situationen das letzte Quäntchen fehlt.

So gar nicht hadern konnten am selben Abend hingegen die Bayern in Turin. Vielmehr ergingen sie sich nach dem Spiel in immer neue und höhere Lobeshymnen über das eigene Auftreten am Abend. Konzentriert und mit Einsatz kauften sie der alten Dame Juve den Schneid ab. Auch ein frühes Gegentor, das Trezeguet wie aus dem nichts nach einem Konter zur kurzen Führung der Italiener schoss, konnte sie nicht aus dem Tritt bringen. Sehr schön zogen sie die Mannschaft der Italiener auseinander und erarbeiteten sich so die Freiräume, die sie benötigten. Allerdings war es erst ein Elfmeter, den der Torwart mit den wohl meisten Treffern in der Königsklasse verwandelte und der die Torejagd startete. Von der konzentrierten Leistung in der ersten Halbzeit war sogar der General van Gaal so angetan, dass er nach eigenem Bekunden bis auf ein “Super, weiter so!” nichts zu sagen hatte.Also taten seine Recken wie ihnen befohlen und arbeiteten weiter an der Demontage einer seltsam schwach wirkenden Turiner Mannschaft. Vor allem der unaufhörlich kämpfende Olic tat sich wieder einmal hervor und setze in Punkto Lauf- und Einsatzbereitschaft Marken, die der restlichen Mannschaft zeigten, wo es lang geht. Mit drei weiteren Toren schafften sie so fast spielend in ihrem ganz persönlichen Endspiel den Einzug ins Achtelfinale. Ob man nun allerdings die Neugeburt des alten FC Bayern erleben durfte, ist sicher nicht so klar, wie die Akteure es gerne hätten. Als ein bemerkenswertes Signal und einen Schritt in die richtige Richtung kann man es allemal werten.

Einen solchen vollzog auch der VfB Stuttgart beim ersten Auftritt unter dem Babbelnachfolger Gross. Mit dem Rückkehrer in die Startelf Khedira gelang den Schwaben im entscheidenden Spiel gegen Unirea Urziceni ein wahrer Traumstart. Wie entfesselt spielten sie auf wie entfesselt gegen eine Abwehr, die in den ersten Minuten ihren Namen sicher nur bedingt verdient hatte. Die schnellste Drei-Tore-Führung der Champions League-Geschichte entschied das Spiel nach praktisch 11 Minuten. Gegen die vollkommen geschockten Rumänen konnte die Mannschaft nun tun und lassen, was sie wollte. Pässe durch drei, vier Mann hindurch, die bis zum letzten Wochenende schon beim ersten Gegner gescheitert wären, kamen auf einmal an. Die Taktik der Gäste auf Konter zu lauern und dann zuzuschlagen war fulminant gescheitert und ein Plan B stand unter Schockstarre offensichtlich nicht zur Verfügung. Dieser kam erst nach der Pause und sorgte mit dem Anschlusstreffer für ein Mindestmaß an Spannung. Doch letztendlich diente er nur der Kosmetik, denn obwohl sie nun besser mithalten konnten, blieben sie offensiv selten harmlos. Zum Glück für den VfB, der mit Beginn der zweiten Halbzeit den Faden verlor und nun in Ansätzen eher erkennen ließ, warum in der Bundesliga bisher so viel schief lief. Mit dem am Ende jedoch hochverdienten Sieg haben sie den Sprung unter die besten 16 Mannschaften Europas allerdings geschafft und dürfen sowohl auf einen potenten Gegner fürs Frühjahr als auch auf Besserung im Ligaalltag hoffen. Zumindest wenn man die ersten 45 Minuten als Maßstab zu Grunde legt. Wie viel davon am Trainer lag, mag wohl keiner beantworten, aber den ominösen Knopf scheint er auf Anhieb gefunden zu haben.

Somit konnten sich immerhin die Stuttgarter und Bayern für die nächste Champions League-Runde qualifizieren und dürfen verdientermaßen weiter vom großen Geld träumen. Einzig Wolfsburg muss sich, nach zwei Matchbällen durchaus bitter, aber selbst verschuldet mit der Europa Liga auseinandersetzen. Deren andere Teilnehmer werden erst nächste Woche endgültig ausgespielt. Aber vielleicht treffen sie dort ja auch auf Unirea und schießen sich ganz stuttgartmäßg den Frust von der Seele.

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Der zwölfte Mann für Bayern

Posted by Max on März 11, 2009
Champions League / No Comments

Die Vorzeichen waren klar, schließlich hatte der FC Bayern München das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League mit 5:0 bei Sporting Lissabon gewonnen. Also sprach Kai Dittmann vor dem Anpfiff: „Ich sag‘ ihnen ganz ehrlich – ab 0:3 bekomme ich die Panik.“ – Soweit sollte es nicht kommen, stattdessen durfte der Premiere-Kommentator eine Partie begleiten, in der Sportings Anderson Polga einen denkwürdigen Abend verlebte. Der Portugiese hatte sich offensichtlich viel vorgenommen, und wurde so als zwölfter Mann des FC Bayern zum besten Spieler auf dem Platz. An fünf von sieben Gegentoren war der bemittleidenswerde Abwehrspieler direkt beteiligt. Entweder dadurch, dass er gekonnt den eigenen Torwart aus dem Weg räumte, dass er den entscheidenden Fehlpass spielte, beim Klärungsversuch wegrutschte oder schlicht den Ball in das eigene Tor beförderte. Sporting Lissabon avancierte in zwei Spielen zur Lachnummer Europas, klauten mit zwölf Gegentoren in einer K.O.-Serie dem SV Werder den „ewigen“ Rekord. Bis auf 30 Minuten im Hinspiel ließ die Mannschaft von Paulo Bento jede Europapokalreife vermissen. Ehrlich gesagt frage ich mich, wie man sich überhaupt in der portugiesischen Liga halten kann.

Die Erkenntnisse nach so einem Spiel beim FC Bayern sind eher gering. Sporting war letztendlich ein Freilos, ein Geschenk der Losfee an die Isar. Einige Akteure konnten diese Spiele zur Zurückgewinnung von verlorenem Selbstvertrauen nutzen, etwa Lukas Podolski, der innerhalb weniger Minuten seine Allzeit-Torausbeute in der Königsklasse verdreifachen konnte. Ein Podolski in verbesserter Form kann der FC Bayern mit seinem mageren Drei-Mann-Sturmaufgebot gut gebrauchen in der Endphase der Saison. Ansonsten, wie gesagt, wenig brauchbare Analysedillemata. Thomas Müller holte sich in der Endphase gegen ein völlig demoralisiertes Team sein erstes Tor im Europapokal ab und durfte auch so mal zeigen, was er auf dem Kasten hat. Nur gegen einen anderen Gegner wird er sicher nicht so wirbeln können. Das vielleicht wichtigste Resultat: Hans-Jörg Butt trotzt der fehlenden Spielpraxis und zeigte eine klasse Leistung, ohne Abwehrchance beim Gegentreffer. Was ist eigentlich, wenn Butt nicht nur zur Schonung von Rensing gespielt hat, sondern um zu testen, wie er in Form ist, um demnächst vielleicht dauerhaft das Bayern-Tor zu hüten?

Nicht so viele Tore fielen zwar in Liverpool. Doch Anfield erlebte trotzdem ein denkwürdiges Spiel. Der Tabellenzweite aus der Premier League zerlegte die sogenannten „Königlichen“ aus Madrid in alle Einzelteile. Mit dem 1:0-Sieg aus dem Hinspiel im Rücken wirbelten die Reds ohne Unterlass, ließen Real keinen Raum. Fernando Torres war zwar angeschlagen in die Partie gestartet, doch davon ist nicht viel zu spüren gewesen. Stattdessen war er beweglicher als jeder Madrilene und steuerte einen Treffer zum Erfolg bei. Neben dem Torjäger erzielte auch Steven Gerrard zwei Tore. Mit 4:0 endete schließlich das Offensivspektakel, das nur wenige Wünsche offen ließ und einmal mehr deutlich die Stärke der Liverpooler im Europapokal zeigte.

Bei Real hingegen ist außer der Vergangenheit nicht mehr viel königlich. Die Schlagzeilen rund um die Mannschaft sind groß, von Spielern, die durch die eigenen Fans fertig gemacht werden, die sich selber fertig machen oder andere fertig machen. Aber der Gegner wird nicht mehr abgefertigt. In Madrid muss langsam ein Umdenken einsetzen: Die Zeiten, als die Gegner alleine vor dem Namen Real in Ehrfurcht erstarrt sind, gehören lange der Vergangenheit an. Zu einer solchen Erkenntnis hätte man auch schon vor zwei Jahren kommen sollen, als damals in desolater Form aufspielende Münchener Mannschaft Real aus dem Wettbewerb kegelte. Jetzt laufen sie wirklich Gefahr, in Europa den Anschluss zu verlieren. Doch die Gründe liegen viel tiefer, zunächst wird eine stabile Vereinsführung benötigt. Da sehe ich momentan aber eher keinen Selbstreinigungsprozess.

Das spannendste Duell des Dienstagabends fand in Turin statt. Im Olympiastadion versuchte Juventus, den 0:1-Rückstand aus dem ersten Spiel vor zwei Wochen zu egalisieren. Dabei stürmten die Italiener von der ersten Minute nach vorne, sodass der Treffer nicht lange auf sich warten ließ. Letztendlich scheiterten sie aber an einer abgezockten Chelsea-Mannschaft, die das Glück auch auf ihrer Seite hätte. In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs wurde ein Freistoß so unglücklich abgefälscht, dass er sich hinter Buffon an die Latte senkte und danach nur noch von Essien über die Linie gedrückt werden musste. Gerade als Juve mit der Aussicht, zwei weitere Treffer erzielen zu müssen, warm geworden ist und das 2:1 vorlegte, dezimieren sie sich selber. So ließ sich Chelsea mit seiner Erfahrung das Viertelfinale nicht mehr nehmen, Drogba sicherte mit dem 2:2 dann endgültig das Weiterkommen. Zu planlos waren die letzten Versuche der Turiner, den dritten Treffer in Unterzahl zu schießen.

Das „Modell Hiddink“ in London scheint zu klappen. Die diffuse Personalpolitik von Scolari hat ein Ende, Hiddink regiert mit dem berühmten Zuckerbrot und der noch bekannteren Peitsche. Weiterhin haben die Blues unter der Regie des Niederländers keine Niederlage hinnehmen müssen. Sie glänzen zwar weiterhin nicht mit großartigem Spiel, aber die bekannte Effektivität ist zurückgekehrt. Doch unverwundbar sind auch sie nicht, wenn sie im Viertelfinale etwa gegen Barcelona spielen, könnte es deutlich enger werden.

Der vierte Viertelfinalist vom Dienstag heißt FC Villarreal. Die Spanier bezwangen Panathinaikos Athen mit 2:1 in einer mäßigen Partie dank der besseren spielerischen Akzente. In Erinnerung wird von Panathinaikos lediglich die Laser-Show bleiben.

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CL-Vorschau Teil 2: E, F, G und H

Posted by Max on September 17, 2008
Champions League / No Comments

Nachdem die ersten acht Partien der neuen Champions League-Spielzeit gelaufen sind – mit einem aus deutscher Sicht suboptimalen Auftakt von Werder Bremen – wird es nun Zeit, auf die anderen 16 Vereine im Wettbewerb zu blicken, die sich in den Gruppen E bis H tummeln. Verzichten werde ich diesmal auf die Nennung weiterer sogenannter Geheimfavoriten, denn damit bin ich schon gestern Abend mächtig auf die Schnauze gefallen.

Der dritte Meistertitel in Dänemark nach 1995 und 1999 sowie die erfolgreiche Qualifikationsrunden gegen Modrica Maksima und FBK Kaunas sind der Grundstein, weshalb Aalborg BK als ein weiterer Debütant in der Champions League in Erscheinung tritt. Die Stärken der Mannschaft liegen vor allem in der mannschaftlichen Geschlossenheit, da kein Akteur übermäßig in der Lage ist, ein Spiel an sich zu reißen und notfalls alleine zu entscheiden. Doch gerade dieses letzte Quentchen dürfte Aalborg damit im Europapokal fehlen. Zwar wurden mit Bögelund und Beauchamp zwei Spieler mit Bundesliga-Erfahrung verpflichtet, doch es mangelt in fast allen Mannschaftsbereichen an Qualität und Quantität. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als brav ihre Punkte abzuliefern und Schützenfeste zu verhindern.

Unumstrittener Favorit in Gruppe E ist freilich Titelverteidiger Manchester United. Das Team um Trainerlegende Sir Alexander Ferguson kommt mit der Empfehlung als beste Vereinsmannschaft des Kalenderjahres in den Wettbewerb, und auch in der neuen Spielzeit wird der Weg zum Titel wohl nur über ManUnited gehen. Die Mannschaft ist weitestgehend zusammengeblieben, mit Eagles, Pique, Saha und Silvestre verließen nur Spieler den Verein, die nicht zum Grundgerüst der erfolgreichen Truppe gehörten. Wenn man über diese Mannschaft schreibt, ist es schwer, einen Anfang zu finden: Über die Abwehr mit dem Bollwerk Ferdinand/Vidic, das Mittelfeld, das fast alle Spielertypen auf diesen Positionen vereint mit Giggs, Hargreaves, Scholes oder Carrick, und natürlich der Sturm mit Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez. Es passt einfach vorne und hinten, wenn man sich den Kader genau anschaut. Man sollte also meinen, dass ManUnited nur über sich selber stolpern kann – so geschehen beim Saisonauftakt in der Premier League, wo die Red Devils nach vier Spieltagen nur auf dem 13. Platz liegen. Doch auch das werden sie in den Griff bekommen, und der Weg nach Rom wird in Siebenmeilenstiefeln bestritten.

2006 schaffte es der FC Villarreal bis in das Halbfinale der Champions League. Nach zwei durchwachsenen Jahren gelang den gelben „U-Booten“ mit dem Vizemeistertitel in Spanien, sogar noch vor dem FC Barcelona, nun wieder der große Wurf mit dem Einzug in die Gruppenphase. Trainer Manuel Pellegrini kann dabei auf einen guten Kader zurückgreifen, der mit Edmilson (von Barca) sowie Ibagaza (aus Mallorca) ordentlich verstärkt wurde, und womit die Abgänge von unter anderem Mavuba, Riquelme und Tomasson gut abgefangen werden sollten. Prunkstück ist der Angriff mit Nihat und Giuseppe Rossi, die ein gefährliches Sturmduo bilden. Ich traue es den Spaniern durchaus zu, noch vor Celtic wiederum das Achtelfinale zu erreichen.

Eben dieses Celtic Glasgow hat es sich aber zuletzt im Achtelfinale gemütlich gemacht. Gordon Strachans Mannschaft zeichnete sich in den letzten beiden erfolgreichen Jahren hauptsächlich durch Kampfkraft, unbändigen Einsatzwillen aus. Die Spiele im Celtic Park waren für den nunmehr 42-maligen schottischen Meister fast ein Selbstläufer, dank der großartigen Unterstützung ihrer fanatischen Fans. Doch gerade wenn es in den alles entscheidenden Spielen zu engen Situationen kam, fehlte ihnen bisweilen die Durchschlagskraft. So war zuletzt auch deutlich mehr drin, als zweimal im Achtelfinale die Segel streichen zu müssen. Auf internationalem Niveau ist aus meiner Sicht der Angriff mit Vennegoor of Hesselink und Samaras sowie McDonald etwas dünn besetzt, es fehlt ein echter Torjäger, der auch ohne große Laufarbeit zur richtigen Zeit ein wichtiges Tor erzielen kann. Außer dem Abgang von Sno zu Ajax Amsterdam bleibt aber die letztjährige Erfolgsmannschaft zusammen, verstärkt durch Andreas Hinkel, der bei Celtic gar wieder zum Nationalspieler gereift ist, sowie Barry Robson und Shaun Maloney. Schon im Vorjahr strauchelten sie in der Gruppenphase und in der heimischen Liga – beide Male fand die Sache ein gutes Ende. Ist das Glück damit aber überstrapaziert? Ich bezweifle jedenfalls, dass Celtic auch 2008/2009 wieder das Achtelfinale erreicht. Mein Tipp für Gruppe E:

  1. Manchester United
  2. FC Villarreal
  3. Celtic Glasgow
  4. Aalborg BK

Die Champions League begrüßt mit dem AC Florenz in Gruppe F eine weitere Mannschaft, die nach längerer Abstinenz ihr Comeback in der Gruppenphase feiert. Zuletzt stand der Toskana-Klub 1999/2000 in der Zwischenrunde, die folgenden Jahre waren von viel sportlicher Tristesse bis hin zu einem Intermezzo in der unterklassigen Serie B gekennzeichnet. Trainer Cesare Prandelli, der Mann mit der lila Zuhälter-Jacke, kann in weiten Teilen auf den Stamm zurückgreifen, der die Qualifikation geschafft hat. Dabei hat man mit den Neuzugängen Vargas, Zauri, Felipe Melo, Jovetic und Gilardino auch in Sachen Qualität einen entscheidenden Sprung nach vorne gemacht, denn diese Spieler haben alle die Qualität, sich sofort in der Stammformation der Fiorentina festzuspielen. Letztes Jahr standen sie immerhin im Halbfinale des UEFA-Pokals, doch über weitere internationale Erfahrung verfügen viele Spieler nicht. Von daher wird es in dieser Gruppe sehr schwer, sich durchzusetzen.

Vor einigen Jahren wurde uns der rumänische Fussball als neues Schreckgespenst in der Fünfjahreswertung vorgestellt, unter anderem weil Vereine wie Steaua Bukarest überraschend weit in den Europapokal vorgedrungen waren. Trotz einiger beachtlicher Erfolge hat sich die Dominanz der Rumänen als Luftnummer herausgestellt, von ihnen geht für die deutsche Platzierung in der Europatabelle keine Gefahr mehr aus. Steaua hat es immerhin zum zweiten Mal in Serie geschafft, die Gruppenphase zu erreichen, wenn sie diese auch überstehen sollten, wäre das in der Tat ein sensationelles Resultat. Der Kader wird zwar durch potente Sponsoren kontinuierlich verstärkt, jedoch gibt es nicht wirklich große Namen in der Spielerliste, die einen Mitteleuropäer mit der Zunge schnalzen lassen. Zwar ist Steaua in der Vergangenheit immer torgefährlich aufgetreten, doch die Abwehr ist der große Schwachpunkt. So wird es auch in diesem Jahr sehr schwer, mehr als sechs Spiele zu absolvieren.

Anders sieht das hoffentlich beim FC Bayern München aus. Nach einjährigem Gastspiel im UEFA-Pokal ist der deutsche Rekordmeister endlich zurück in der Champions League. Denn trotz des beachtlichen Erfolges von Schalke 04 im Vorjahr ist der FCB weiterhin der Verein, der international von der Konkurrenz am meisten gefürchtet wird. Mit Jürgen Klinsmann sitzt jetzt ein verantwortlicher auf der Bank, der dem Erfolg alles unterordnet, der ein klares Konzept hat und auch nicht vor schwierigen Entscheidungen zurückschreckt. Das Potential des Kaders ist beachtlich, nahezu alle Positionen sind doppelt besetzt. Dank der im vergangenen Jahr geholten Ribery und Toni stehen jetzt auch diese zwei Spieler im Kader, die eine Partie notfalls im Alleingang entscheiden können. Die Abgänge von dos Santos, Jansen und Schlaudraff lassen sich mit Blick auf deren Einsatzzeiten und Perspektiven verkraften. Fraglich jedoch, wie Michael Rensing seine ersten Bewährungsproben als Stammtorwart bestreitet. In den ersten Bundesligaspielen präsentierte er sich souverän, ohne jedoch übermäßig oft gefordert gewesen zu sein, die Fußstapfen in die er tritt jedenfalls sind groß. Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, wurde mit Borowski und Oddo noch einmal nachgerüst, zwei Akteure, die auf eine beachtliche internationale Erfahrung zurückblicken können. Wenn das Klinsmann-Konzept greift und Bayern schnell ins Rollen kommt, traue ich ihnen durchaus eine starke Saison in der Königsklasse zu, das Viertelfinale ist auf jeden Fall im Bereich des Möglichen.

Der französische Serienmeister Olympique Lyon hat die im letzten Jahr eingeleitete Umbruchphase noch nicht überstanden, auch weil es teamintern aktuell immernoch Streitigkeiten zu verzeichnen gibt. Zuletzt stand OL in fünf Jahren dreimal im Viertelfinale, zweimal im Achtelfinale – mit fallender Tendenz. Der einst gefürchtete Kader hat sein Gesicht verloren, zudem hat Juninho mit 33 Jahren mittlerweile seine besten Zeiten hinter sich und ist nicht mehr in der Lage, durchgängig in jedem Spiel überragende Leistungen zu zeigen. Mit Claude Puel sitzt ein neuer Trainer auf der Bank, der die Unruhe im Verein mit schnellen Erfolgen besänftigen soll. Lyon bediente sich diesmal ausschließlich auf dem französischen Transfermarkt, geholt wurden mit Torwart Lloris, Abwehrspieler Mensah und Mittelfeldmann Makoun drei Spieler mit Potential für die Stammformation. Doch die Abgänge wiegen schwer: Coupet, Ben Arfa, Squillaci waren zuletzt wichtige Stützen des Erfolges und gehören nicht mehr zum Aufgebot. Ich bezweifle, dass die neuen Spieler diese adäquat ersetzen können. Vor allem der noch junge Torwart Lloris tritt ein schweres Erbe an. Dennoch sollte die Qualität bei Olympique ausreichen, die Gruppenphase zu überstehen. Mein Tipp für Gruppe F:

  1. FC Bayern München
  2. Olympique Lyon
  3. AC Florenz
  4. Steaua Bukarest

Ein großes mediales Erdbeben erschütterte in diesem Sommer den FC Arsenal in London. Erstmals seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren wurde Erfolgstrainer Arsene Wenger in Frage gestellt. Grund für diese Revolution ist seine neue Transferphilosophie, Spieler mit Perspektive relativ günstig zu kaufen, um diese dann einige Jahre später für viel Geld an die Konkurrenz zu verhöckern. Mit Flamini, Gilberto Silva und Hleb verließen drei Stützen die Mannschaft, lediglich Samir Nasri von Olympique Marseille steht neu im Kader. Nichtsdestotrotz liest sich das Aufgebot von Arsenal prächtig: Im Tor hat Manuel Almunia mittlerweile Jens Lehmann vergessen gemacht und strahlt Sicherheit aus. Die Abwehrkette mit Clichy, Gallas, Toure und Sagna kann auch auf große internationale Erfahrung zurückblicken, dahinter steht noch ein Johan Djourou oder Mikael Silvestre bereit. Auch das Mittelfeld ist trotz der Verluste nicht gerade schlecht besetzt: Fabregas, Nasry, Rosicky, Walcott und Denilson verdienen ihre Brötchen in London. Aber beim Nennen dieser Namen wird man den Eindruck einfach nicht los, dass dem Kader in dieser Zusammensetzung vor allem eines fehlt: Erfahrung. Die vielen jungen Spieler starteten zuletzt zwar regelmäßig großartig in die Saison, um am Ende wieder gnadenlos einzubrechen. Zudem fehlt in der zweiten Reihe auf vielen Positionen eine echte gleichwertige Alternative, so wird es beispielsweise schwer, einen Rosicky zu ersetzen, auf den jetzt noch mehr Verantwortung zukommt. Etwas dünn besetzt ist auch der Sturm, wo eigentlich nur Emmanuel Adebayor echter Zentrumsstürmer ist und international kaum Torgefahr ausstrahlt. Mit Nicklas Bendtner steht zwar ein Mann mit viel Perspektive bereit, jedoch wird der Däne noch Zeit brauchen. Ich bin wirklich gespannt, ob sich die mutige Transferpolitik von Wenger auszahlt, und Arsenal diesmal weiterkommt als zuletzt, als im Achtel- bzw. Viertelfinale Schluss war.

Fast wäre der FC Porto überhaupt nicht in der Champions League dabei gewesen. Aufgrund eines vier Jahre zurückliegenden Manipulationsskandales sollte der portugiesische Meister vom Europapokal ausgeschlossen werden, doch das verschleppte Verfahren durch die Behörden Portugals verhinderten ein endgültiges Urteil bisher. Ungeachtet dieser Unruhen im Umfeld kann Coach Jesualdo Ferreira auf einen gut besetzten Kader blicken, der jedoch von einem Umbruch gekennzeichnet ist. Neben vielen Reserve- und Ersatzspielern verließen auch Bosingwa, Paulo Assuncao und Ricardo Quaresma den Verein. Drei Spieler, die in der Vergangenheit gesetzt waren und wichtige Spieler im Gefüge waren. Sie sollen ersetzt werden durch die Neuen Sapunaru, Guarin und Rodriguez. Grundlegend hat Porto einen Kader mit viel Erfahrung, der zuletzt dreimal in vier Jahren das Achtelfinale erreicht hat. Außerdem neu dabei: Hulk, ein Brasilianer mit furchteinflößendem Namen und optischen Ähnlichkeiten zur gleichnamigen Filmfigur. Abgesehen von dieser Randnotiz wird es schwer für die Portugiesen, in dieser Gruppe das Weiterkommen zu schaffen. Oft genug waren ihre Auftritte in der Vergangenheit lethargisch und ohne Inspiration, mit dem Verlust von Quaresma wird das wohl erstmal nicht besser werden. Sie müssen sich strecken, um die nächste Runde zu erreichen.

Seine Chance nutzen will deshalb Fenerbahce Istanbul, die mit Europameister-Trainer Luis Aragones einen echten Knaller auf der Trainerbank an Land gezogen haben. Der kautzige Erfolgscoach bringt gleich einmal den spanischen Torjäger Daniel Guiza (von Real Mallorca) mit. Zusammen mit Semih Sentürk soll er ein furchteinflößendes Sturmduo bilden, während dahinter der Brasilianer Emre die Fäden zieht. Das Mittelfeld mit dem ebenfalls neu verpflichteten Emre sowie Colin Kazim-Richards ist eine weitere Stütze. Fast schon traditionell für türkische Teams liegt die Schwäche in der Defensive, wo Edu und Lugano sowie Torwart Volkan Demirel immer wieder für Spiele zwischen Genie und Wahnsinn zu haben sind. Dennoch finde ich dieses Team irgendwie sympathisch, und das Achtelfinale ist auf jeden Fall machbar.

Dynamo Kiew ist seit mehr als einem Jahrzehnt Stammgast in der Champions League, doch die Erfolge blieben in den letzten Jahren aus. Immer wieder qualifizierten sich die ukrainischen Hauptstädter, um dann hoffnungslos einzugehen. Häufig hat man sich auf mannschaftliche Geschlossenheit verlassen, doch spielerische Elemente bekam man bei Dynamo kaum geboten. Vielmehr war es immer ein bizarres Bild, wenn das Team im verfallenen Olympiastadion bei eisiger Kälte brav die Punkte an die Gegner abgegeben hat. Jetzt hat Coach Yuri Semin einen vorsichtigen Umbruch gewagt, mit Ognjen Vukojevic wurde ein neuer Sechser geholt, der der wackeligen Defensive Stabilität verleihen soll. Hoffnung, dass Dynamo heuer nicht schon wieder nur Kanonenfutter für die Konkurrenz ist, macht die Qualifikation, als Spartak Moskau mit zwei 4:1-Siegen locker bezwungen wurde. Insgesamt aber ist die Abwehr zu anfällig, der Spielaufbau zu langsam und mit zu wenigen Ideen. Vielleicht gelingt diesmal ein Achtungserfolg, mehr wird es aber nicht werden. Und das bewegt mich zu folgendem Gruppentipp:

  1. FC Arsenal
  2. Fenerbahce Istanbul
  3. FC Porto
  4. Dynamo Kiew

Eine Sensation war die Qualifikation der Belarussen von BATE Borissov. Als Meister ihres Landes mussten sie in drei Qualfikationsrunden gegen Valur Reykjavik, RSC Anderlecht und Levski Sofia bestehen. Gerade die letzten beiden Namen sind gemessen an dem Bekanntheitsgrad von BATE erfahrene Europapokalhausnummern. Erstaunt war ich beim Blick auf den Jahrgang des Trainers Viktor Goncharenko. Der ist Baujahr 1977 und dabei jünger als sein Mittelfeldspieler Ermakovich. Sonst jedoch besteht der Kader von Borissov aus jungen Spielern, die jetzt die Möglichkeit haben, sich auf der großen Bühne Champions League zu präsentieren. Ein Nachteil ist allerdings, dass man die Spiele mangels UEFA-tauglichem Stadion in der Hauptstadt Minsk austragen muss, auch wenn die Distanz zur Heimat des Vereines nicht übermäßig groß ist. Aus sportlicher Sicht ist BATE klar unterlegen in dieser schweren Gruppe H, der vielleicht schwierigsten in dieser Spielzeit.

Seinen Beitrag zur Schwere der Gruppenzusammensetzung liefert auch Juventus Turin. Die Italiener sind nach dem Zwangsabstieg 2006, dem Gastspiel in der Serie B nun endlich wieder dabei in der Champions League. Doch die entbehrungsreichen Jahre haben Juve in der Setzliste abrutschen lassen, weshalb es zu dieser schwersten aller Gruppen gekommen ist. Juventus ist wohl der einzige Verein, der sich einen Abstieg leisten kann und trotzdem fast alle Leistungsträger hält. Nationalspieler wie Buffon, Camoranesi, Nedved, del Piero und Trezeguet sind geblieben, um den schnellen Aufschwung wieder zu schaffen. Mit diesem hohen Vertrauen ausgestattet ist auch Trainer Claudio Ranieri, der die im Europapokal äußerst erfolgreiche „Alte Dame“ auch hier wieder auf Kurs führen soll. Die Mannschaft ist hervorragend besetzt, wurde mit Amauri, Chimenti, Knezevic, Mellberg und Poulsen noch einmal hochkarätig verstärkt. Es gibt nur wenige andere Teams, die in solchen Ausmaßen an internationaler Erfahrung verfügen. Nach zwei Jahren Abstinenz brennen die Fans, die Mannschaft, eigentlich das gesamte Umfeld auf die Europapokalabende. Mit Juventus Turin muss wieder gerechnet werden!

Besonders gespannt bin ich auf Zenit St. Petersburg. Auch hier gilt „dank“ mangelnder internationaler Erfolge in der Vergangenheit ein niedriger Setzlistenplatz, und gleich ist die Mannschaft von Coach Dick Advocaat in dieser Gruppe H gelandet. Der UEFA-Pokalsieger von 2008 hat sich in beeindruckender Manier im Europapokal etabliert, sie schalteten hochkarätige Gegner aus und überzeugten durch einen gelungenen Mix aus Offensive und Defensive. Der Kader ist zusammengeblieben, lediglicht Kerzhakov und Radimov sind als Abgänge zu vermelden, was aber nicht sehr schmerzt. Mit dem Portugiesen Danny und Abwehrspieler Puygrenier wurde an wenigen Stellen nachgebessert. Ich traue dieser Mannschaft eigentlich alles zu, so überzeugend wie sie im letzten UEFA-Pokal-Jahr aufgetreten ist. Interessant wird es nur dann, was passiert, wenn in Russland im November/Dezember die Saison vorbei ist und Zenit nur die Champions League als Pflichtspiele hat. Doch wenn sie den Winter gut überstehen, kann man sehr weit kommen.

Das Opfer von Zenit und Juve könnte letztendlich Real Madrid werden. Die Königlichen scheiterten zuletzt viermal in Serie im Achtelfinale und zeigten in der Königsklasse wahrlich kein überragendes Gesicht. Zwar ist der Kader top besetzt, mit Rafael van der Vaart steht ein weiterer Hochkaräter im Aufgebot und wird den Abgang von Robinho zu Scheichester City kompensieren können. Trainer Bernd Schuster hat in der Vergangenheit aber immer wieder mal kritische Töne über das unruhige Umfeld verlauten lassen, und das kann auch in der neuen Spielzeit das größte Problem bei Real werden. Das Potential wurde zu selten abgerufen, und so wird man sich strecken müssen, will man in dieser Gruppe nicht den Kürzeren ziehen. Mein Tipp deshalb:

  1. Juventus Turin
  2. Zenit St. Petersburg
  3. Real Madrid
  4. BATE Borissov

32 Vereine kämpfen um Europas Krone. Aus meiner persönlichen Sicht wird der Sieger diesmal zwischen Manchester United, dem FC Barcelona und Juventus Turin ausgespielt. Dem FC Bayern traue ich mindestens das Viertelfinale zu, für Werder wird spätestens im Achtelfinale Endstation sein.

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