Inter Mailand

Schalke singt und lacht

Posted by Moritz on April 14, 2011
Champions League / No Comments

Relativ überraschungsfrei hat es der FC Schalke gestern Abend in einem ruhigen Spiel ins Halbfinale der Königsklasse geschafft.  Dort wo einst noch gegen Barca Endstation war, macht der Titelverteidiger Inter nun Platz für den königsblauen Express. Bei so vielen adligen Attributen wusste der italienische Kontrahent nicht anders, als sich quasi von Spielbeginn an zu verneigen und zeigte kaum den Willen am eigenen Schicksal überhaupt Anteil zu nehmen.

Wie geht man ein Alles-Oder-Nichts-Spiel an? Richtig, man spielt für gewöhnlich auf alles oder nichts. Vor allem, wenn es schon nichts mehr zu verlieren gibt. Nicht so die Gäste. Wer so töricht war von den Mailändern ein Spektakel zu erwarten, wurde von Beginn an enttäuscht. Das Team das letztes Jahr noch Barcelona entzauberte war kaum wahrnehmbar. Der Gegner hätte am letzten Abend auch ein Konkurrent aus der unteren Bundesligatabelle sein können, einen all zu großen Unterschied hätte der geneigte Zuschauer kaum feststellen können.

Entschuldigend möchte man ihnen entgegenhalten, dass sie einer Mannschaft gegenüber standen, die sich auch von einem Vier-Tore-Vorsprung und dem Auftreten der Gäste nicht einschläfern ließ. Vielmehr zeigten sie eine abgeklärte Leistung. Defensiv ließen sie den zaghaften Versuchen kaum Luft zum Atmen während sie auf der anderen Seite die sich ihnen bietenden Chancen eiskalt nutzten.

Ganz besonders im Blickpunkt stand dabei Raul. Zuerst umkurvte er kurz vor der Pause leichtfüßig Cesar, bevor er mit einem passgenauen Lupfer Höwedes an der Abwehrreihe vorbei ins Torglück navigierte. Doch auch sonst ließ er sich sein Alter wieder einmal nicht anmerken. Der gesamten Mannschaft scheint seit dem Trainerwechsel ein riesiger Fels vom Herzen gefallen zu sein. Auf einmal wirkt das Offenspiel befreit von Altlasten, die ihnen das Stürmen vor wenigen Wochen noch unglaublich schwer machten und sie wohl nicht diese zielgerichteten forschen Pässe geschlagen hätten.

Ohne dies zu sehr zu schmälern, wurde diese erneute Glanzvorstellung in Sachen Chancenverwertung andererseits erneut von einer schwachen Interdefensive begünstigt. Wieder einmal stimmten die Laufwege nicht und hinterließen riesige Löcher. Nach dieser Saison scheint mit dieser Mannschaft, die in den letzten Jahren den italienischen Fußball dominierte wie keine zweite, eine kleine Zäsur anzustehen. Vorrangig wird dies zwar wohl den Trainer betreffen, der wohl von selbst schon zurückgetreten wären, wenn man ihn denn gelassen hätte. Aber der Nachfolger von Leonardo dürfte einiges an Arbeit zu investieren haben, um die Abstimmung der Mannschaft auf mehr als tönerne Füße zu stellen, die derzeit die Post-Mourinho-Ära prägen.

Nur kurz nebenbei bemerkt, zeigte dieses Inter auch noch einmal eindrücklich, wie schwach der FC Bayern diese Saison spielt. Es ist mir immernoch ein Rätsel, warum sie damals den bereits geschlossenen Sack noch einmal aufmachten. Aber das gehört woanders hin. Die Königsblauen ließen nichts mehr anbrennen und brachten die Partie zu einem verdienten Ende.

Es ist beeindruckend zu sehen, was Magath hier für ein Potential angehäuft hat und auch wie Rangnick es nun zu nutzen weiß. Es scheint eine wirklich ausgewogene Mischung aus Alt und Jung, Talent und Star zu sein. Falls der Verein es im Sommer versteht ein Großteil des gewaltigen Overheads an Ersatzspielern abzubauen, dürften auch die Personalkosten des Kaders auf ein halbwegs erträgliches Maß sinken, ohne das zu viel Qualität für den nächsten Angriff in der Liga verloren geht. Schalke das ist im Moment eine Mannschaft, auf die man sich in der nächsten Saison freuen darf.

Als wenn das schon nichts wäre, darf man bis dahin noch zwei Duelle auf höchster europäischer Ebene mit ihnen genießen – vielleicht auch mehr. Balsam für die   geschundener Seele vieler Schalker.

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Auf einmal nur noch Schmerz

Posted by Moritz on März 17, 2011
Champions League / No Comments

Schmerz in jeglicher Ausführung war das Stichwort in der Nacht zum Mittwoch in München. War der HSV am Wochenende noch Balsam für die in der letzten leidvollen Woche geschundenen Seele des FC Bayern gewesen, lud man den Gast aus Mailand gerade zu ein Stiche in das Herz zu setzen. Es ist durchaus ein Abbild der Probleme der Saison komprimiert auf dieses eine Spiel. Wieder einmal muss man inzwischen wohl schon sagen.

Es waren schon 20 Minuten gespielt, zählte Marcel Reif die aktuelle Spieldauer mehrfach höchst selbst hoch. Soll im vornehmen Dialekt heißen, es bleiben nur noch 70 Minuten Spielzeit. Bis dahin hatte Inter Mailand schon ein Tor erzielt und das späte Tor aus dem Hinspiel früh ausgeglichen.

Danach ging erst einmal gar nichts. Bis auf erste vereinzelte von Enttäuschung geprägte und somit ziellose Attacken war der FCB unter Kontrolle und ließ die Köpfe schon ein wenig hängen. Die lombardischen Gäste machten den Anschein das Spiel locker bis in die Verlängerung so gestalten zu können. Der Spielverlauf verleitete sicher nicht nur Reif immer wieder Pein geplagt auf den fortschreitenden Zeiger zu blicken.

Dann der Paukenschlag, der den letztendlichen Schmerz im Bayernland in letzter Konsequenz ins Unendliche steigern sollte. Wie drei Wochen zuvor ließ Cesar einen dieser typischen Robbenschüsse wieder abprallen, so dass Gomez, wenn auch diesmal nicht ganz so lässig, den Ball einschieben konnte.

Das was dann folgte, dürfte Inters Ex-Trainer Mourinho dazu veranlasst haben, seine Fernbedienung durch die Gegend zu werfen. In beinahe unglaublicher Manier nahmen die Münchener fortan genüsslich die Defensiv der Gäste auseinander. Angetrieben wurden diese Vorstöße von einem bravourösen Robben, der über die gesamte Breite des Feldes rochierte und insbesondere auf engem Raum mit Ribery durch die Abwehrreihen wanderte als wären sie auf einem anderen Feld.

Es war ein Augenschmaus dem zuzuschauen. Leider ein beinahe vergeblicher. Auch wenn Inter kaum stattfand, wurde eine Chance nach der anderen vergeben. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr drifte vor allem Ribery in Einzelaktionen ab, die zwar nett aussahen, aber meistens auch mit dem finalen Ballverlust einher gingen. Der Ball tänzelte auf der Linie, doch insgesamt wollte nur noch ein weiteres Tor fallen.

Dann aber der fatale Fehler: Sie hörten auf. Mit der Auswechslung von Robben übergaben sie die Spielverantwortung sukzessive an Inter und vertändelten ihre wenigen Gelegenheiten auf Konter erfolgreich. Die Gäste ließen sich darum nicht zweimal bitten und nutzten in der Endphase katastrophale Schnitzer in der bajuwarischen Defensive. Erste drosch Sneijder den Ball in den Winkel, bevor Pandev mit dem letztendlich goldenen Tor das Aus der Bayern besiegelte.

Die Niederlage hat somit nicht nur einen Vater sondern auch viele Köche. Wo Van Gaal und Gomez im Vorbericht noch über einfaches Tore schießen witzelten, fehlte es am Ende am Willen eindeutige Chancen auch zu Toren zu machen. Summiert gab es mit Sicherheit genug hochprozentige, um Inter über den Rand des Debakels zu führen. Auch nach dem Ausgleich hätten sie alle Ambitionen der Italiener nonchalant zurückweisen können.

Das größere Problem hingegen war wieder einmal die in entscheidenden Szenen auf unzureichendem Niveau spielende Innenverteidigung. Diesmal besetzt mit Van Buyten und Breno war sie ein steter Unsicherheitsfaktor, was auch nach den Wechseln in der Endphase letztlich zu den Gegentoren führte. Nach dem Spiel kündigte Nerlinger zwar das offensichtliche schon an. Doch bis zum Sommer wird Van Gaal mit dieser Abwehr das scheinbar unmögliche versuchen und die nächstjährige Teilnahme an der Königsklasse sicherstellen müssen.

Bis mindestens dahin dürfte auch noch der Schmerz nachwirken, den dieses Spiel hinterlässt. Insbesondere, da man der einzige Gruppensieger ist, der darauf im Achtelfinale die Segel streichen musste. Selbst verschuldet wohlgemerkt. Allein gelassen von einer Defensive, die ihren Namen auf diesem Niveau nur pro forma trägt und somit letztendlich auch vollkommen verdient.

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Zwischenstation Inter

Posted by Moritz on Februar 24, 2011
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Wäre da nicht dieses eine Spiel zum Ende der letzten Saison, wären die Kräfteverhältnisse vor dem Spiel klar gewesen. Bayern kam mit kräftig Rückenwind aus der Gruppenphase in jenes Achtelfinale, in das sich Internazionale Mailand mit Hängen und Würgen hineinrettete.

Wenn dieses eine Spiel nicht gewesen wäre. So wurde in Gedenken an jenes Finale die Partie hochgejazzt zu einer Revanche und der Gegner gleichgesetzt mit jener Mannschaft des negierenden Fußballs unter Mourinho.

Nur zähmt dieser Mourinho jetzt das weiße Ballett in Madrid und hat die bajuwarische Mannschaft nur in Ansätzen noch etwas mit der letztjährigen Finalelf gemein. Gegen alle in- und externen Widerstände boxte der einsame General Van Gaal diese Veränderungen durch und präsentierte ein Team, das wieder mindestens auf Augenhöhe mit dem taumelnden Riesen Italiens steht.

Während sich die Münchener schon durch die lange Abwesenheit von Ribery und Robben, die zudem wieder in das Spielgeschehen der Gästeauswahl zurück fanden, spielerisch entwickeln mussten, ist und fällt den Italienern die Evolution nach Mourinho noch deutlich schwerer.

Einerseits sind die Ansätze des tiefen, engmaschigen Defensivverbundes noch deutlich zu sehen. Doch hier schlichen sich mit der Zeit Fehler ein, fanden die Münchener die diesmal noch nicht entscheidenden Lücken, um ihre Chancen zu erarbeiten.

Als Kehrseite ließ Inter sie kurz vor den Strafraum quasi gewähren und diesen Raum im Mittelfeld nutzten die Gäste und besonders Schweinsteiger und Gustavo in seinem guten Königsklassendebüt ausgiebig für ihr dominantes Spiel. Robben ließ sich von der Raumdeckung um ihn herum nur mäßig bremsen, verlegte seinen Aktionsradius vermehrt auf Flanken und zog weniger oft nach innen. Sein Konterpart Ribery hingegen war im Spiel nach vorne deutlich unsichtbarer, was allerdings auch an der fehlenden Unterstützung durch den früh auf der Flanke durch Badstuber ersetzten Pranjic zurückzuführen sein wird.

Einzig das mit der Chancenverwertung war so eine Sache. Einige schnelle und schön anzuschauende Spielzüge wie exemplarisch der Pfostenschuss von Robben in der zweiten Halbzeit waren zu bestaunen.

Hier fehlt der verjüngten Mannschaft sicher noch die Erfahrung, eine tiefstehende Defensive noch öfter auseinander zu spielen und vor allem auch einmal kaltblütiger einfach das Tor zu machen, an dem sie mehrfach nah dran waren. Aber es reichte immerhin dazu, Inters Trainer Leonardo wild gestikulierend an der Seitenlinie umhereilen zu lassen.

Doch seine Mannschaft beschränkte sich nicht nur auf die reine Defensivarbeit. Auch wenn sie offensiv nicht ganz hilflos waren, beschränkten sich große Teile der Aktivität hier auf Standards und Eto’o. Sobald der Afrikaner den Ball berührte hätten die Verteidiger hellwach werden müssen. Der Tatsache, dass sie hier einige Male zu spät aufwachten und ihn zu weit gewähren ließen, sind einige hervorragende Chancen der Italiener entsprungen.

Letztendlich scheiterten sie an einem kraftvollen starken Rückhalt im Münchener Tor. Bei allem Widerstand gegen Van Gaal in dieser Entscheidung, wenn nicht dieses Spiel sein Potenzial deutlich gemacht hat und die “Entscheidungsträger” überzeugte, was muss der Jungtorhüter noch vollbringen, um seinen neuen Status zu rechtfertigen?

Doch warum sollte man dem Gegner letztendlich Zeit lassen zu reagieren, wenn man mit dem Schlusspfiff noch alles klar machen kann. Gerade als Inter sich offensiv noch einmal aufrappelte doch noch gegen das allseits erwartete und überhaupt nicht den Chancen entsprechende jungfräuliche Remis anzugehen, staubte wieder einmal Gomez einen Abpraller zum goldenen Tor ab.

Letztendlich ein vollkommen verdienter Sieg in einem kurzweiligen, attraktivem und vor allem schnellen Spiel, der in seiner Entstehung dann doch überraschend, typisch zu Stande kam. Van Gaal und den Bayern wird es auch ohne Pokal recht sein.

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Himmelfahrt

Posted by Moritz on Mai 22, 2010
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Heute ist der Tag, an dem sich Aloysius Paulus Maria van Gaal ein Denkmal setzen kann. Bevor er kam, musste man in München wohl schon so langsam beginnen, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass man im europäischen Fußballorchester wohl eher nur noch die dritte Geige als die zweite und geschweige denn der ersten spielen würde.

Doch dann kam er und hob den Verein in diesem Frühjahr in den Himmel.  Gemeinsam mit seinem Landsmann Arjen Robben gab der dem Verein eine Spielweise wieder, die das fast natürliche Selbstvertrauen des Vereins wieder rechtfertigte. Eindrucksvoll konnten sie sich in dieser Saison so mehrfach im letzten Moment aus der Schlinge ziehen. In der Gruppenphase, gegen Florenz und Manchester waren sie selten die klar überlegene Mannschaft. Vielmehr überzeugten sie mit ihrem Willen es noch schaffen zu können, gerade dann präsent zu sein, wenn der Kontrahent sie schon abgeschrieben hatte.

Im Finale trifft Van Gaal nun auf seinen Lehrling Mourinho. Es hat etwas von einem Duell der Gemeinsamkeiten. Beide Mannschaften konnten ihre jüngsten Erfolge erst feiern, als ein bei Real Madrid ausrangierter Niederländer in ihren Reihen wieder aufdrehte. Auf der einen Seite bekam Robben und auf der anderen Snijder die Möglichkeiten, die es brauchte damit sie sich voll entfalten können. Besondere Ironie ist, dass beide nun im Wohnzimmer ihres ehemaligen Vereins um die Krone kämpfen dürfen, während der Gastgeber trotz Abermillionen an Investitionen schmachvoll im Achtelfinale ausgeschieden ist.

Anders Inter, die im Halbfinale ebenfalls ihr bisheriges Meisterstück ablieferten und Barcelona eiskalt auflaufen ließen. Mit einer konsequenten Defensivhaltung – und dem nötigen Quentchen Glück – ließen sie die Katalanen in ihrem eigenen Saft ertrinken.

Seit seiner Zeit bei Chelsea lässt sich der Portugiese gerne “The Special One” nennen und lädt nun seinen Mentor, ebenfalls ein besonderer Trainer, zum Pas de Deux, zum Höhepunkt der Saison. Beide konnten in drei verschiedenen Löndern schon den Meistertitel feiern und den Henkeltopf hoben sie ebenfalls beide schon einmal. Sie stehen für eine außergewöhnliche Trainerklasse, die scheinbar überall mit den Gegebenheiten zurecht kommen und Erfolg haben kann.

Die Frage bei diesem speziellen Tanz am heutigen Abend wird sein, welchen Weg Mourinho einschlagen wird mit seiner Mannschaft – und ob Inter über die volle Spielzeit in voller Kompagniestärke spielen wird.

Der Rekordmeister aus München stellte sich in dieser Saison meist dann gut an, wenn er pressen und das Spielfeld im Mittelfeld eng hallten konnte. Allzu oft wurde dies dadurch begünstigt, dass der Kontrahent durch einen Platzverweise mit einem Spieler weniger auf dem Feld antreten musste und so weniger Gefahr bestand, wenn einer der Verteidiger zusätzlich nach vorne aufrückte.

Vorne wird man dann auf ihre wuseligen Stürmer aufpassen müssen, die immer wieder versuchen die entscheidende Lücke für Arjen Robben zu reißen, damit dieser nach innen ziehen und so seinen gefährlichen linken Fuß voll ausspielen kann. Dies zu verhindern, dürfte für Inter die Aufgabe des Spiels zu sein. Denn wenn man Bayerns Star bremst, fehlt ihnen eine Menge Schwund.

Auf der anderen Seite wird das defensiv extrem kompakte Inter versuchen können, das Pressing zu verhindern, in dem schnell und direkt immer wieder nach vorne spielen und so verhindern, dass Demichelis allzu weit nach vorne tendiert. Gleichzeitig haben sie mit Snijder praktisch das Gegenstück zu Robben. Er tendiert eher dazu von innen nach außen zu ziehen, während seine drei Offensivkompagnons in die andere Richtung rücken und so wie gegen Barcelona die Viererkette mitnehmen und den Holländer quasi entfesseln.

Gleichzeitig können sie sich auch noch darauf verlassen, eine wesentlich erfahrenere Mannschaft auf den Platz zu stellen, die auch schon einmal selbstbewusst genug sein kann sich einfach einmal hinten reinzustellen und einfach der Dinge zu harren, die da kommen. So dürfte es also eher ein enges Spiel werden, dass bis zur letzten Minute Spannung verspricht.

Obwohl Inter als der leichte Favorit in die Partie gehen wird, wird ein Titelgewinn in der Königsklasse des europäischen Fußballs so einfach wie in diesem Moment lange nicht mehr zu holen sein. In diesem Sinne sollten sie die letzte Stufe ihres Triumphzuges zünden und sich endgültig gen siebten Himmel begeben.

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Die Serie hält

Posted by Max on April 29, 2010
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Barcelonas Trainer Guardiola hatte schon im Vorfeld der K.O.-Runde zur diesjährigen Champions League seinen größten Respekt davor geäußert: Noch nie seit der Neustrukturierung der Meisterklasse Anfang der 1990er-Jahre konnte eine Mannschaft ihren Titel verteidigen. Barcelona hatte man in Anbetracht der Zauber-Auftritte gegen Arsenal zugetraut, als erstes Team diese Serie zu durchbrechen. Doch seit gestern Abend ist klar: Die Serie hält!

Und das, obwohl die Zahlen ganz klar für Barca sprechen: Mehr als 70 % Ballbesitz, mehr als fünfmal so viele Pässe wie Gegner Inter Mailand. Nur das Tor haben sie einmal zu wenig getroffen. Selbst ein früher Platzverweis von Inters Thiago Motta und die daraus resultierende drückende – wenngleich letztendlich nur gefühlte – Überlegenheit haben nicht geholfen. Mit einem Kraftakt, und ohne sich eine einzige Torchance herauszuspielen, leistete das Team von José Mourinho beeindruckende Arbeit und schaltete den katalanischen Angriffswirbel aus. Gekonnte No-Look-Pässe, gefühlvolle Heber über den Gegner – versucht hat Barca wie in den Spielen zuvor viel, aber die Inter-Verteidiger hatten die Klasse, jeden Versuch abzuwehren. Eine eindrucksvolle Demonstration in zwei Spielen, wie man die vermeintlich beste Mannschaft der Welt ausschalten kann. Im Finale freilich wird man von Inter eine andere Leistung sehen müssen, denn irgendwann muss ein Treffer erzielt werden, um Bayern in die Knie zu zwingen. Fraglich ist für mich, wie das Spiel ausgesehen hätte, wenn Motta nicht so früh die Rote Karte (die ich im Übrigen für völlig überzogen halte, aber selbst Gelb hätte in dem Moment ja einen Platzverweis bedeutet – von daher: wer fragt am 22. Mai noch danach?) gesehen hätte. Wahrscheinlich hätte sich das Spiel auch mit elf Internationalen nicht groß anders entwickelt, vielleicht mit dem ein oder anderen Konter der Italiener.

Während Inter seine Defensiv-Künste unter Beweis stellen durfte, präsentierte sich der deutsche Rekordmeister im Torrausch – besonders Ivica Olic. Der Kroate stellt seit Wochen prominente Namen wie Mario Gomez oder Miroslav Klose in den Schatten, überzeugt durch sein sensationelles Laufpensum, welches sich derzeit auch noch mit enormer Effektivität vereinigt. Nahezu im Alleingang erledigte Olic so – zumindest auf dem Scoreboard – Olympique Lyon. Die Franzosen bekamen jedoch kaum ein Bein auf den Boden, die gesamte Bayern-Mannschaft überzeugte, neben Olic vor allem Bastian Schweinsteiger, den ich so präsent und spielfreudig eigentlich noch nie gesehen habe. Nimmt man beide Spiele in der Summe, stehen die Bayern völlig verdient im Finale von Madrid. Um ehrlich zu sein: Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich kann mich noch an den Saisonbeginn erinnern, als nach Klinsmann auch Louis van Gaal als Trainer in München zu scheitern drohte. In welcher Manier man jetzt harmlose Lyoner besiegte war mehr als überzeugend.

Das Finale jedoch wird sicher ein harter Brocken. Inter ist gerade defensiv ein anderes Kaliber, und mit elf Spielern auch immer für die gefährliche Vorstöße gut, wie man im Hinspiel gegen Barcelona bestaunen durfte. Dazu kommt noch die Unberechenbarkeit Mourinhos – es wird wohl bis zum Spielbeginn unklar sein, für welche Taktik, offensiv oder defensiv, er sich entscheidet. Wenn das mal nicht die Vorfreude steigert…

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