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Vorerst Erleichterung 1. September 2013

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Der HSV kann es ja doch noch: Mit dem klaren 4:0-Heimerfolg gegen Eintracht Braunschweig konnte das Team von Torsten Fink vor der Länderspielpause ein wichtiges Zeichen setzen. Sämtliche Störfaktoren der letzten Tage und Wochen konnten ausgeblendet werden, eine konzentrierte und geschlossene Mannschaftsleistung brachte nun die dringend benötigte Ruhe. Vorerst zumindest. Denn zu präsent sind noch die permanenten Rückschläge, welche es in den letzten Jahren regelmäßig nach guten und ansprechenden Spielen zu verkraften gab.

Vor drei Wochen startete der HSV mit einem 3:3 gegen Schalke in die neue Spielzeit. Defensiv zwar sehr anfällig, aber im Angriffsspiel bisweilen sehr gefällig, sodass man sich schon fragen konnte: Wie muss man dieses Ergebnis tatsächlich einordnen? Die Antwort darauf gab es dann in den letzten beiden Wochen, als es jeweils Niederlagen gegen Hoffenheim und Hertha gab – Mannschaften, die man von der Qualität her eigentlich hinter sich lassen sollte. Dazu noch das unsägliche Geplänkel rund um van der Vaart und seine Weiber, oder die wenig hilfreichen Aussagen von Investor Kühne. Glücklicherweise fährt der Verein um Edgar Jarchow hier einen rigorosen Kurs und lässt sich nicht aus der Bahn bringen – gut so!

4:0 klingt natürlich nach einer Hausnummer. Nun muss man ehrlich zugeben, dass Braunschweig auch ein dankbarer Gegner war – aber auch die von den Niedersachsen verteilten Geschenke muss man erst einmal annehmen. Der beste Aspekt am gestrigen Spiel war mit Sicherheit die mannschaftliche Geschlossenheit, der Einsatz der Spieler stimmte, selbst nach der schnellen 2:0-Führung gab es keine Nachlässigkeiten, wie in der Vergangenheit so oft. Die vom Trainer vorgenommenen Änderungen haben diesmal eine gute Wirkung erzielt: Neuzugang Johan Djourou spielte stabiler als zuvor Lasse Sobiech, Jiracek verlor im Mittelfeld zwar einige Bälle, setzte mit seinem giftigen Spiel aber die notwendigen Akzente. Die wichtigste Anpassung aber gab es in der Offensive. Den Braunschweigern fehlte über die komplette Spieldauer der Zugriff zu van der Vaart, Zoua und Beister. Insbesondere Beister und Zoua absolvierten ihre bisher besten Spiele im HSV-Trikot, Beister als quirliger Vorbereiter, Zoua als robuster zweikampf- und kopfballstarker Stürmer. Aber auch der zweite Anzug passte diesmal hervorragend: Die verletzungsbedingte frühe Auswechslung von Milan Badelj brachte diesmal nicht wie in den Partien zuvor Unordnung, Tomas Rincon fügte sich gut in die neue Mittelfeldraute ein und war sehr präsent. Joker des Tages war aber Hakan Calhanoglu, der mit zwei schnellen Toren direkt nach seiner Einwechslung das vorher etwas dahinplätschernde Spiel vergoldete.

“Heute haben wir gezeigt was wir draufhaben.” (Tolgay Arslan) – “Das hat uns gut getan.” (Heiko Westermann) – Aber auch: “Jetzt haben wir erstmal zwei Wochen Ruhe.” (Torsten Fink) – Gerade die Worte des Trainers verdeutlichen im Kontrast zu zwei seiner Spieler das Dilemma, in dem sich das Team immer noch befindet. Man hat zwar wie im Vorjahr bereits am vierten Spieltag direkt vor der Länderspielpause einen absoluten Fehlstart abgewendet, doch nun gilt es in zwei Wochen gegen Dortmund nachzulegen. Und das wird eine schwierige Aufgabe. Die Pause mit den Reisen vieler wichtiger Spieler macht die Sache nicht einfacher, wenn es dann am nächsten Spieltag gegen den BVB vielleicht eine deutliche Niederlage setzt, ist die wankelmütige Stimmung sofort wieder da. Deshalb ist die aktuelle Erleichterung auch nur vorläufig.

Abschließend noch ein paar Worte zu Eintracht Braunschweig. Es ist schon ernüchternd, wie schnell der Verein die ihm zugeschriebene “Favoritenrolle” als erster Absteiger ausfüllen kann. Zwar feierten die zahlreich mitgereisten Fans ihr Team unabhängig vom Ergebnis während der ganzen Partie, aber so langsam dürfte die Aufstiegseuphorie abebben. Die Parallelen zur SpVgg Greuther Fürth, die vergangenes Jahr ebenso sang- und klanglos unterging, drängen sich förmlich auf. In Braunschweig lässt sich aber nun schon eine andere, negative Tendenz ausmachen. Dazu muss man sich unbedingt mal das Interview von Torsten Lieberknecht nach dem Spiel mit dem NDR anhören. Lamentieren über den Schiedsrichter, fehlendes Standing in der Bundesliga – alles keine guten Voraussetzungen und selbsterschaffene Alibis für die Mannschaft. Mit so einer Einstellung wünscht man den Braunschweigern auch nicht unbedingt den schnellen Turnaround.

Der neue Dortmund-Schreck 10. Februar 2013

Posted by Max in : Bundesliga , 2 comments

Und plötzlich ist der HSV Tabellenfünfter. Zumindest in der Nacht von Samstag zum Sonntag, heute kann man bei Siegen von Mainz und Freiburg auf Platz Sieben abrutschen. Trotzdem halten die Hamburger direkten Anschluss an die Europapokalplätze und zeigten beim gestrigen 4:1-Erfolg in Dortmund auch endlich, warum eigentlich.

Schon in der Hinrunde wurde das Spiel gegen den Deutschen Meister zum unverhofften Spektakel. Damals hieß es im heimischen Stadion 3:2 – der Wendepunkt eines bis dahin völlig verkorksten und Angst einflößenden Saisonstarts – und nun sogar 4:1 in Dortmund. Das HSV-Team konnte in dieser Saison nicht besonders oft überzeugen, viele der Siege kamen eher glücklich zustande. Doch die Mannschaft hat Fortschritte gemacht, sonst würde sie nicht in diesen Regionen der Tabelle fern der Abstiegsränge rangieren. Die Rückrunde war mit den drei vorhergehenden Spielen ein Spiel der Hamburger Leistungsfähigkeit: Mal durchwachsen (Nürnberg), mal mit Leidenschaft (Bremen), mal schläfrig (Frankfurt). Besser als im Vorjahr – aber trotzdem hat man immer das Gefühl: Mit dieser Mannschaft muss doch mehr gehen.

Und es klappt. Ausgerechnet gegen Dortmund. Als erste Mannschaft der letzten Jahre schaffte es der HSV, in beiden Saisonspielen den BVB zu besiegen. Mit einer von der ersten Minute an engagierten und leidenschaftlichen Leistung. Verschlief man in den ersten drei Spielen 2013 noch jeweils eine Halbzeit, war das Team diesmal von Beginn an wach und ließ sich selbst von dem selbst verschuldeten Rückstand nicht verunsichern. Kaum eine Statistik verdeutlicht die Weiterentwicklung der Mannschaft von Torsten Fink so, wie die Ergebnisse gegen Dortmund: Letzte Saison zwei klare Niederlagen (1:3 und 1:5), in der Spielzeit 2012/2013 hingegen großartige Siege gegen eine sicher noch immer starke Mannschaft.

Torsten Fink und Frank Arnesen haben nicht nur Fürsprecher – sicher gibt es auch einige erkennbare Kritikpunkte: Die Transferpolitik von Arnesen ist nicht immer nachvollziehbar, die lange Streichliste im Winter konnte kaum abgearbeitet werden. Bei Fink reiben sich die Kritiker besonders an der angeblich nicht klar erkennbaren Handschrift und Weiterentwicklung, fehlende Konstanz trotz aller Fortschritte. Aber betrachten wir auch mal die positiven Aspekte der Arbeit des Duos: René Adler und Artjoms Rudnevs sind mittlerweile Schlüsselspieler der Mannschaft und maßgeblich für die Erfolge verantwortlich. Unter Fink haben Dauerproblemfälle wie Dennis Aogo oder Per Skjelbred zu ihrer Form gefunden, sind mittlerweile auch wichtige Akteure. Die Defensive konnte sich trotz gelegentlicher Aussetzer etwas stabilisieren. Aber klar ist auch: Der Weg muss weiter gegangen werden, in diesem Team steckt mehr Potential.

Abschließend noch ein paar Worte zu Dortmund. Hier zeigt natürlich umgekehrt die Ergebnisentwicklung der Spiele gegen den HSV (siehe oben) das Dilemma auf. Sicher sind die Dortmunder in dieser Spielzeit noch eindeutig das zweitbeste Team der Liga, aber der plötzliche Abstand zu den alles plattwalzenden Bayern ist schon erschreckend. In einigen entscheidenden Situationen schaffen es die Dortmunder Jungspunde nicht mehr, die Intensität der letzten Jahre abzurufen. Es fehlt der letzte Tick. Oder ist doch die Konzentration auf die Champions League zu groß? Jedenfalls wird man schon am Mittwoch im Spiel gegen Donezk eine Reaktion zeigen müssen. Die Leistung gegen die Hamburger war sicher nicht schlecht, in den Vorjahren hätte man so ein Spiel vielleicht sogar gewonnen. Aber irgendwann ist das Glück auch nicht mehr mit den Tüchtigen.

Jahresrückblickstöckchen 2012 30. Dezember 2012

Posted by Max in : Bundesliga,Dritte Halbzeit , 3 comments

Noch einmal Schlafen und wir schreiben den letzten Tag des Jahres. Es ist wieder an der Zeit für Jahresrückblicke, und HSV-Blogger Florian hat in seinem Blog ein kleines Stöckchen mit zehn Fragen vorgestellt. Dieses möchte ich heute gerne aufgreifen und für meinen Verein, den Hamburger SV, beantworten.

Welches war das beste Spiel deines Vereins?

Die guten Spiele 2012 kann man beim HSV leider fast an einer Hand abzählen. Nachhaltig beeindruckt hat mich jedoch das 3:2 zum Beginn der aktuellen Saison – es markierte zudem nach zuvor vier Niederlagen (Pokal und Liga) den dringend notwendigen Wendepunkt. Dieser Erfolg war vielleicht nicht das spielerisch beste Match des Jahres – schließlich stand am Ende ein Chancenverhältnis von 16:3 für Dortmund (!) in der Statistik – aber seitdem kämpft und ackert die Mannschaft in jedem Spiel und gewinnt auch endlich wieder solche Partien, in denen man eigentlich hoffnungslos unterlegen ist.

Welches war das schlechteste?

Da gab es leider viele im Jahr 2012. Ein wirklicher Schock war für mich die 0:4-Pleite am 11. April in Hoffenheim. In den Wochen zuvor hatte sich die Mannschaft mit viel Krampf mühsam von den Abstiegsrängen ferngehalten, ein Erfolg in Hoffenheim hätte wohl endgültig für Ruhe gesorgt. So kam aber nach der Phase der schwierigen Stabilisierung ein böser Rückschritt mit bekanntem Ende: Fast bis zum Schluss musste der HSV um den Klassenerhalt zittern, erreichte mit Platz 15 dann gerade so die Zulassung für die neue Saison.

Bester Spieler deines Vereins?

Schwierig zu sagen, da der Großteil der Mannschaft erst ab Mitte September annähernd als bundesligatauglich zu beschreiben ist. Letztendlich entscheide ich mich hier für die René Adler und Milan Badelj, beide sind wichtige Stützen der ansprechenden Herbstsaison, ohne sie wäre der HSV jetzt nicht in dieser Position. Das ich hier zwei Neuzugänge nenne, spricht auch für die dringende Notwendigkeit der personellen Einschnitte im 2012er Sommer.

Schlechtester Spieler?

Da fällt mir auf Anhieb Paolo Guerrero ein. Klar, er hat immerhin sporadisch mal einen Treffer erzielt. Aber mit seiner Roten Karte gegen Stuttgart am 24. Spieltag der Vorsaison setzte er einen weiteren Tiefpunkt in der Saison für den HSV und brachte das Fass der Undiszipliniertheiten seiner Hamburger Zeit endgültig zum Überlaufen. Glücklicherweise hat dieser Schwachkopf den Verein im Sommer endlich verlassen – und sein mediales Nachtreten vor einigen Tagen bestärkt mich in meiner Meinung.

Wie war(en) dein(e) Trainer?

Erstaunlicherweise gab es 2012 in Hamburg nur einen einzigen Trainer: Torsten Fink! Ehrlich gesagt, darauf hätte ich bei seiner Verpflichtung und auch noch im Frühjahr keinen Cent verwettet. Man muss ihm zugute halten: Er hat die Qualitäten des Kaders deutlich besser abrufen können als seine gescheiterten Vorgänger.
Trotzdem habe ich mit Fink weiterhin meine Bauchschmerzen: Zu präsent sind mir noch die großen Sprüche seines ersten Halbjahres in Hamburg und die nicht damit verbundenen Taten. Ich bin immer noch am Zweifeln, ob der derzeitige “Erfolg” nicht einfach die logische Konsequenz ist, dass die Mannschaft am negativen Wendepunkt angekommen war, oder doch das Ergebnis von Finks Arbeit. Er wird es im Jahr 2013 nachweisen müssen.

Hat dein Verein sich in diesem Jahr verbessert oder verschlechtert?

Da ist die Faktenlage eindeutig: Die Verbesserung im zweiten Halbjahr ist nicht zu übersehen. Zwar ist weiterhin nicht alles Gold und glänzend, aber die sportlichen Fortschritte waren erkennbar. Der Weg zurück zu einem festen Bestandteil der oberen Tabellenhälfte bis hin zum Europapokalasprinaten ist aber noch länger. Grundsätzlich sollte man aber die überwiegenden positiven Aspekte des Jahres festhalten können.

Wie zufrieden bist du mit der Jugendarbeit in diesem Jahr?

Da muss ich ehrlich zugeben: Beschäftige ich mich relativ wenig mit. Also muss ich mich daran orientieren, was im Bundesligakader sichtbar wird. Dort stehen mit Son, Beister und Arslan drei Spieler, die zumindest eine Weile die HSV-Jugendabteilung durchlaufen haben, mehr oder weniger regelmäßig in der Startformation.
Ansonsten habe ich nicht den Eindruck, dass die Nachwuchsarbeit auf höchstem Niveau stattfindet. Oder das Spielermaterial einfach nicht dem hohen Anspruch genügt. Spieler wie Ben-Hatira, Arslan oder Choupo-Moting könnten aber auch durch die Krise der letzten Jahre “verpasst” worden sein. Grundsätzlich scheint aber bis auf Lam, der aber auch nur leicht nachdrückt, derzeit kein großes Talent auf dem Radar zu sein. Der HSV scheint weit davon entfernt, Spieler der Marke Großkreutz, Götze, Müller oder Schweinsteiger aus den eigenen Reihen hervorbringen zu können.

Wie oft warst du im Stadion?

Traurig, traurig. Aus privaten und beruflichen Gründen hat es 2012 nicht einmal geklappt. Lediglich im Oktober habe ich der Arena mal einen Besuch abgestattet, allerdings mitten in der Woche und deshalb freilich auch ohne Spiel. Das muss und wird sich 2013 ändern.

Warst du auswärts unterwegs?

Ja! Mein einziger HSV-Livespiel in diesem Jahr sah ich am 1. April in Kaiserslautern. Ein mühsamer, furchtbar anzusehender 1:0-Erfolg. Es war jedoch ein wichtiges Lebenszeichen im Abstiegskampf. Und das erste Spiel von Balakov als kurzzeitiger FCK-Trainer.

Was war dein bewegendster Moment?

Möchte den Klassenerhalt hier nicht nennen. Das war mehr ein Gefühl der Erleichterung.
Deshalb entferne ich mich mal vom HSV und gehe zum Leipziger Lokalderby zwischen RB Leipzig und Lok Leipzig Anfang September. Seit zehn Jahren gehe ich nun in meiner Heimatstadt unregelmäßig ins Stadion. An diesem Tage habe ich erstmals so etwas wie richtige Stadionatmosphäre gespürt, wie ich sie zuvor nur in der Bundesliga erlebt habe. Es hat mich in meinem Gefühl bestärkt: Wenn Leipzig will, kann es. Retortenverein hin oder her. Es geht. Bitte mehr davon!

Auf ein gutes Jahr 2013! Für den HSV und alle Leipziger Vereine!

Erstmal Erleichterung 23. September 2012

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Das war ein harter Nachmittag gestern. In der halben Stunde zwischen 17 Uhr und halb Sechs habe ich so sehr gelitten, wie schon lange nicht mehr bei einem Fussballspiel. Doch mit dem Abpfiff von Schiedsrichter Günter Perl in Hamburg erstmal Erleichterung: Der erste Sieg der Saison, dem ewigen Negativtrend zumindest für kurze Zeit Einhalt geboten. Eine Randnotiz nach dem 3:2 gegen “ausgerechnet” Borussia Dortmund bleibt da noch die Tatsache, dass der HSV seinen 36-Spiele-Ungeschlagen-Ewigrekord behalten wird. Die Dortmunder waren dieser Marke schon ziemlich nah auf die Pelle gerückt, jetzt muss sich die Truppe von Jürgen Klopp nach einer intensiven Woche mit Höhen und Tiefen aber erstmal neu sortieren.

Obwohl wir uns ja erst am vierten Spieltag befinden, waren die ständigen Parolen von HSV-Trainer Torsten Fink, dass man die Fortschritte in den Spielen deutlich sehen könne, beängstigend. Es erinnerte so an die vergangene Saison, als immer wieder die Qualitäten und gute Entwicklung des Kaders beschworen wurde, alleine die Ergebnisse über Wochen und Monate hinweg fehlten. Sicher waren die Ansätze am vergangenen Wochenende in Frankfurt phasenweise schon positiv, aber letztendlich stand auch da wieder eine Niederlage – wenn auch gegen die aktuelle Mannschaft der Stunde. Mit Blick auf die nächsten drei Spiele innerhalb von sieben Tagen (Dortmund, Gladbach, Hannover) musste dringend ein Erfolgserlebnis her. Das es gleich mit so einem Paukenschlag wie gestern kommt, nimmt man da natürlich gerne mit. Wenn ich mich an das Debakel zu Jahresbeginn erinnere, als die Rothosen nach allen Regeln der Fussballkunst im eigenen Stadion vom BVB mit 1:5 zerlegt wurden – dann ist dieser Erfolg hoffentlich ein richtiger und wichtiger Schritt zur Konsolidierung der Mannschaft.

Klar, wenn man sich die statistischen Werte anschaut, kann man nur eine deutliche Überlegenheit der Dortmunder schlussfolgern: Torschussverhältnis (26:6), Ballbesitz (57%:43%), Passquote (70%:80%) – alle Werte sprechen für den Meister. Doch sagen diese noch lange nichts über die Qualität der Torversuche, über den Ort des Ballbesitzes und über die Art der Pässe aus. Fakt ist, dass es der HSV geschafft hat mit einem guten Forechecking und intensivem Zweikampfverhalten, die Dortmunder immer wieder in Bedrängnis zu bringen. In der ersten Halbzeit musste René Adler nicht einmal wirklich eingreifen, nach der Pause vereitelte er zwar wieder einige sogenannte hundertprozentige Chancen, aber als Teilerfolg kann man das so schon mal stehen lassen. Die Erfolgsfaktoren des HSV-Spiels waren diesmal Effektivität und das frühe Stören des Gegners schon in der eigenen Hälfte – so wurden die Innenverteidiger Neven Subotic und Mats Hummels regelmäßig zu üblen Fehlpässen gezwungen. Das Gemenge aus den genannten Faktoren und – das muss man fairerwaise auch festhalten – einem gebrauchten Tag der Dortmunder führte zu diesem wichtigen Heimerfolg, aus dem die HSV-Mannschaft hoffentlich endlich das erhoffte Selbstvertrauen für die nächsten Wochen mitnehmen kann.

Aber wie es im Fußball eben so läuft: Schon am Mittwoch geht es gegen Borussia Mönchengladbach. Fällt man dort wieder in alte Verhaltensmuster zurück, wird der Sieg gegen Dortmund schnell wieder zum statistischen Beiwerk. Gelingt es aber mit der Leidenschaft vom Samstag in die nächsten Spiele zu gehen, mache ich mir keine Sorgen um den HSV.

Großmannssucht 27. August 2012

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Da sind wir wieder. Nach nur einem einzigen Beitrag in den letzten vier Wochen sind die Akkus wieder aufgeladen. Die Europameisterschaft hat schon an den Kräften gezehrt, danach auch noch Olympia – übersättigt vom Fußball. Dieses Gefühl gab es bereits das zweite Jahr in Folge bei mir und umso glücklicher war ich über die Sommerpause. Natürlich haben wir trotzdem die Nachrichten aufmerksam verfolgt. Aber seit dem EM-Finale habe ich mit dem Olympia-Finale lediglich ein Spiel gesehen. Jetzt ist die Lust wieder da, die Vorfreude auf tolle Liga-, Europapokal- und Länderspiele, mit allen bekannten und vertrauten Nebengeräuschen.

Wobei man sich als HSV-Fan derzeit schon fragen kann, ob man die Fussball-Enthaltsamkeit nicht lieber doch ein paar Jahre fortsetzen wollte. Denn das, was in letzter Zeit von der Elbe an die Pleiße vorgedrungen ist, bereitet große Sorgen. Wieder einmal scheint der Hamburger Sportverein in der Sommerpause einem verhängnisvollen Phänomen verfallen zu sein: Im kicker-Sonderheft zur neuen Spielzeit kritisiert der auch in diesen Krisenzeiten angenehm sachliche Redakteur Sebastian Wolff die Großmannssucht im Verein. Statt mit Demut nach dem 15. Platz in der Vorsaison zu versuchen, sinnvolle Neuverpflichtungen zu tätigen, schwärmt man gleich wieder von Namen der Marke Rafael van der Vaart. Natürlich wäre es großartig, wenn er wieder zurück käme. Sicher würde der HSV damit auch eine große Lücke füllen – aber muss man über Wochen, nun fast schon Jahre, das Thema am laufen halten?

Glaubt man dem Großteil der Medienbeiträge in den letzten Tagen, ist die Saison für den HSV schon gelaufen. Es ist ein unerträgliches Deja-vu des Vorjahres, als der Verein ebenfalls sehr früh bereits abgeschrieben wurde. Die Startaufstellung am ersten Spieltag brachte bei den zehn Feldspielern nur bekannte Namen auf das Papier, kein Neuzugang war dort zu finden. Vom Grundsatz her kein großes Problem, das ist andernorts sicherlich auch so. Aber mit Blick auf die letzte Saison und dem erlittenen Substanzverlust mit Namen wie Petric, Guerrero, Jarolim, Töre muss die berechtigte Frage nach der Weiterentwicklung der Mannschaft gestellt werden. Dafür wurde vor mittlerweile mehr als einem Jahr Frank Arnesen als Sportchef verpflichtet.

Man könnte jetzt sicher einzelne Spieler hervorheben, aber der Versager des letzten Jahres ist für mich Frank Arnesen. Mit seiner Ernennung zum Sportchef und Vorstandsmitglied wurden viele Hoffnungen verknüpft – erfüllt haben sich keine. Nach der eigenartigen Transferpolitik im vergangenen Jahr (Stichwort Chelsea) machte er zunächst auf der Torwartposition eine unnötige Baustelle auf und bewegte sich diesen Sommer nur arg zögerlich über den Transfermarkt. Ich frage mich, ob Arnesen in dieser Situation wirklich der richtige Mann am richtigen Ort ist. Auf seinen Stationen als sportlicher Leiter für Profi- und Nachwuchsmannschaften in Eindhoven und London hat er jeweils ganz andere Mittel und Möglichkeiten vorgefunden. Mit seiner Großmannssucht und Visionen der Dimension van der Vaarts mag er zwar grundsätzlich ganz gut nach Hamburg passen – alleine gebraucht wird derzeit ein anderer Typ.

Arnesen ist für mich auch deshalb der falsche Mann, weil er den deutschen Markt nur schlecht kennt. Ich wünsche mir für den HSV endlich mal sinnvolle Verpflichtungen für kleineres Geld, wie sie von mindestens der Hälfte aller anderen Bundesligavereine regelmäßig getätigt werden. Wie schaffen es Klubs wie Hannover, Nürnberg, Freiburg, Augsburg oder Mainz sich über Jahre zu halten und immer wieder unbekannte Spieler ins Rampenlicht zu rücken? Hier scheint das Scouting des HSV mangelhaft ausgeprägt zu sein. Stattdessen präsentiert Arnesen Spieler wie Rudnevs, ein sicherlich hochtalentierter Stürmer aus Lettland. Aber ist dieser Mann wirklich seine 3,5 Millionen Wert? Hätte man für das gleiche Geld drei, vier durchschnittliche Bundesligaspieler mit Entwicklungspotential kaufen können? Apropos Millionen: Ein immer wieder von Arnesen vorgebrachtes Argument sind die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten beim HSV. Er ist nicht bei Chelsea, und trotzdem hat er bereits weit mehr als zehn Millionen in dieser Transferperiode ausgegeben – so schlimm kann es also eigentlich auch nicht sein.

Hoffnung macht mir der Aktionismus, der nach Pokalaus und schwachem Bundesligaauftakt aufgekommen ist. Arnesen forciert nun den Wechsel von Petr Jiracek aus Wolfsburg, der bei der Europameisterschaft einen guten Eindruck hinterlassen konnte und der braven Mannschaft etwas mehr Leben einhauchen soll. Für dieses Leben sollte dann auch ein Paul Scharner sorgen, der nach seiner Verletzung hoffentlich die Innenverteidigung stabilisiert. Loben muss man Arnesen letztendlich wohl für die Weitsicht mit René Adler. Obwohl im Tor wegen dem soliden Drobny eigentlich kein Bedarf vorhanden war, schwingt sich der ehemalige Nationaltorwart nun zum Führungsspieler auf und ist einer der wenigen Lautsprecher der Mannschaft, ein Antreiber.

Die Rolle des Antreibers muss aber langsam auch mal Trainer Torsten Fink ausfüllen. Der führte den HSV im letzten Herbst zwar aus der Abstiegsregion, fabulierte danach aber auch sofort wieder vom Europapokal. Eine Weiterentwicklung seines Teams in diese ambitionierte Richtung konnte er aber bis zum Saisonende nicht bewerkstelligen. Stattdessen wurde es im Frühjahr nochmal eng im Kampf gegen den Abstieg. Wenn er bald mit Badelj und Jiracek neue Optionen im Mittelfeld findet, mit Scharner einen neuen Verteidiger bekommt, muss er seinen oft markigen Worten Taten folgen lassen. Fünf Euro ins Phrasenschwein dafür, aber bei Fink trifft es zu wie für keinen anderen Protagonisten in der Bundesliga.

Das Duo Arnesen/Fink mag zweifellos eine große Expertise besitzen, aber das Versteckspiel hinter Geldmangel-Alibis nervt langsam. Starkreden der Mannschaft bringt hier schon lange nichts mehr. Sowohl Sportchef als auch Trainer müssen sich bewähren, sonst laufen beide Gefahr, für lange Zeit verbrannt zu sein. Und in Hamburg gehen nach fünfzig Jahren Bundesliga die Lichter aus. Doch abgestiegen ist der Verein noch lange nicht. Der Start war schwach. Es folgen aber noch 33 wegweisende Spiele mit neuen Hoffnungen. Schon am Samstag in Bremen.

In diesem Sinne: Nur der HSV!