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Schottischer Rumpelfussball 9. März 2011

Posted by Max in : Fussball International , 2 comments

Da sind wir wieder! Nach einigen Tagen in Schottland genießen wir nun endlich wieder die Vorzüge des Rechtsverkehrs. Die Reise auf die Insel diente nicht nur dazu, unseren Freund Tom zu besuchen, sondern auch um etwas schottische Fussball-Impressionen zu sammeln. Was wir zu sehen bekamen, diente nicht dazu, um Vorurteile zu entkräften: Das Glasgow-Derby zwischen Celtic und den Rangers lebt nahezu ausschließlich von Aggressivität, Inensität, Hass. Im restlichen Liga-Alltag treffen sie dann auf zum Großteil überforderte Gegner, die von ihnen keine Glanzleistungen abfordern.

Mittwoch, 2. März: Old Firm

DurGrafik aus dem Heimatmuseum ch ein Remis im Hinspiel des Pokal-Achtelfinales zwischen den Rangers und Celtic stand vor einer Woche das Wiederholungsspiel an. Um das “Old Firm” rankt sich eine glanzvolle Geschichte, kaum ein Derby weltweit elektrisiert die Stadt so sehr, wie dieses Spiel. Zwischen den Fans dieser beiden Vereine existieren tiefe Gräben, die Partie ist natürlich ein Spiel, das unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen werden muss.

Während das Spiel in den meisten Pubs aus Sicherheitsgründen nicht gezeigt wird, bot sich für uns in dem Gebäude der Studenten-Union die Möglichkeit, am Public Viewing teilzunehmen. Wir stolperten zum Ende der ersten Halbzeit in die gut gefüllte Union. Auffällig, dass hier keinerlei Fan-Utensilien zugelassen waren, offensichtlich wurde darauf schon beim Einlass geachtet, meinen HSV-Schal musste ich jedoch nicht abgeben. Schnell bekam man einen kleinen Eindruck von der Stimmung und den Emotionen, welche diese Partie in Glasgow hervorruft. Über die plärrenden Lautsprecher kam die hitzige Stadionatmosphäre in den Schauraum, dazu wurden alle Aktionen der Partie von den Studenten durch lautstarke Rufe, Unmutsbekundungen oder Jubelorgien begleitet. Die Celtic-Fans waren in der Union klar in der Überzahl. Vereinzelte Rangers-Anhänger saßen am linken Rand des Raumes und verhielten sich still. Sie hatten an diesem Abend aber auch wenig zu lachen.

Es ist bewundernswert, wie sehr sich die schottischen Fussballfans über jede kleine Aktion, jedes belanglose Allerweltsfoul im Mittelfeld echauffieren können. Vielleicht ist diese Leidenschaft aber auch nötig, um das erbärmliche sportliche Niveau auf dem Feld zu ertragen. Spielerisch war das ein Offenbarungseid der beiden augenscheinlich stärksten Teams Schottlands. Stattdessen gab es reihenweise Fouls am Rande der Körperverletzung, mit zunehmender Spieldauer inflationäre Rudelbildung. Die Bilanz des Abends: 13 Verwarnung, drei Platzverweise. Dazu offensichtlich rassistische Anfeindungen gegen El Hadji Diouf, Prügeleien zwischen den Spielerbänken nach dem Abpfiff, zahlreiche Festnahmen von Fans im Umfeld des Spiels. Die aggressive Stimmung auf den Rängen übertrug sich auf das Spielfeld. Oder war es umgekehrt? In Schottland diskutiert man jetzt, ob man die Spiele von Old Firm in Zukunft nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen sollte. Die Polizei nämlich sieht sich langsam nicht mehr im Stande, die Rivalität der beiden Teams zu kanaliseren.

Am Ende siegte Celtic verdient mit 1:0, weil sie neben allen Aggressionen und Emotionen zumindest in wenigen Szenen spielerische Fähigkeiten aufblitzen ließen und letztendlich mehr Siegeswillen auf den Platz brachten. Bezeichnend für die Partie: Rangers hatte während der 90 Minuten nicht eine einzige Torchance. Als neutraler Zuschauer ist es interessant, dieses wilde Treiben im Stadion und die Emotionen in der Studenten-Union anzusehen, aber dauerhaft möchte ich solche Derbys lieber nicht sehen.

Samstag, 5. März: Celtic vs. Hamilton

Drei Tage später machten wir uns selbst auf dem Weg in den Celtic Park. Das Ligaspiel stand unter völlig anderen Vorzeichen, mit Hamilton Academical ging es für den Celtic FC gegen den Tabellenletzten der Schottischen Premier League. Man merkte den Celtic-Spielern die Strapazen des Pokalsieges nicht an, sie wurden aber vom Gegner auch überhaupt nicht gefordert. Ohne besondere Anstrengungen, aber auch unendlich zäh siegte Celtic am Ende mit 2:0. Resultierte das Führungstor immerhin noch aus einem sehenswerten Volleyschuss, offenbarte der Treffer, welcher das Endergebnis bedeutete, die komplette Hilflosigkeit von Hamilton: Ein einigermaßen unbedränger Querpass vor dem eigenen Tor landete direkt in den Füßen eines Celtic-Stürmers, der keine Mühe hatte das Geschenk anzunehmen.

Das erneut schlechte Niveau der Partie sorgte dafür, dass ich erstmals bei einem Stadionbesuch ernsthafte Probleme hatte, mich munter zu halten. Der Celtic Park war mit 51.811 Zuschauern gut besucht. Schon in London war uns einst aufgefallen, dass auf der Insel eine völlig andere Einstellung der Zuschauer zur 08/15-Ligapartie herrscht: Man geht ins Stadion, setzt sich, lässt ein paar vereinzelte Anfeuerungsrufe los, geht wieder nach Hause. Im Übrigen verlassen mindestens 50 % der Zuschauer das Stadion beim Spielstand von 2:0 schon weit vor dem Abpfiff. Spätestens mit dem finalen Signal des Schiedsrichters sind die Tribünen aber quasi verwaist. Der Eventcharakter, den die meisten Bundesliga-Arenen heute verbreiten, fehlt hier. Das führt aber auch dazu, dass man bei einem solchen niveauarmen Spiel schnell die Gedanken abschweifen. Dazu kommt noch das monotones Getrommel einer kleinen Supporter-Gruppe. Dafür wachen die Fans bei Toren oder Torchancen plötzlich auf. Und eine sehr schöne Einlaufmusik hat Celtic: Let The People Sing!

Nach dem Craven Cottage war der Celtic Park nun schon das zweite Stadion aus der Feder von Architekt Archibald Leitch, welchem wir einen Besuch abgestattet haben. Die Bauweise ist ähnlich, wenngleich das Stadion in Glasgow alleine durch seine Dimension schon eindrucksvoller wirkt, jedoch nicht den heimeligen Charme seines Londoner Kollegen versprüht. Eine Parallele findet sich – wie übrigens wohl bei nahezu allen Leitch-Bauten – im Backstein-Stil des Eingangsbereiches vor der Haupttribüne. Vor diesem Vereinsheim wurde just am vergangenen Samstag eine neue Statue eingeweiht, zu Ehren des ehemaligen Celtic-Trainers Jock Stein. Mit Stein gewann Celtic 1967 den Europapokal der Landesmeister in Lissabon, seitdem trägt die Mannschaften den Spitznamen “Lisbon Lions”.

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Blick auf den Celtic Park, Jock Stein-Statue, Vorplatz (zum Vergrößern klicken)

Und damit wäre der Bogen gespannt zum “Lisbon Lions Stand”, wo wir unsere Plätze hatten. Um dorthin zu gelangen, die Tribüne wird auch “Rangers End” genannt, führt der Weg zunächst um das Stadion herum zum Eingang. Auch wie in London: Keine Ordner, keine Kontrolle – bemerkenswert. Um ganz nach oben, fast unter das Dach zu gelangen geht es durch ein geräumiges Treppenhaus mehrere Etagen hinauf. Mancher dürfte sich da wohl an verlassene Bahnhofsaufgänge erinnern. Nach dem beschwerlichen Aufstieg folgt dann ein wunderbarer, unbehinderter Blick auf das Feld, sogar garniert mit einem kleinen “Schaufenster” auf die Industriestadt Glasgow über die tiefergelegte Haupttribüne hinweg.

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Lisbon Lions Stand, Stadioninnenraum (zum Vergrößern klicken)

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 Beweisfoto: Tom, Max, Moritz im Celtic Park

Zwei Tage nach dem Stadionbesuch ging es für uns wieder zurück in die Heimat. Am Abend verfolgte ich zunächst mit einem halben Auge, später vollumfänglich, die Zweitligapartie zwischen Augsburg und Düsseldorf. Sieben Tore in 90 Minuten. Mit Tempofussball. Und Torchancen. Das hat gut getan nach zweimal Rumpelfussball in Schottland.

Bilder (c) Tom Hirschfeldt, Moritz Pfefferkorn

Dreimal Hoffen auf das Achtelfinale 26. November 2009

Posted by Max in : Champions League , add a comment

In dieser Saison findet das Endspiel zur Champions League erstmals in der Geschichte des Wettbewerbes an einem Samstag statt. Für die drei Bundesliga-Vertreter stehen aber zumindest ihre Gruppen-Endspiele bereits in knapp zwei Wochen auf dem Programm. Stuttgart, Bayern und Wolfsburg haben alles noch in der eigenen Hand. Jeweils ein Sieg und man steht im Achtelfinale. Doch denkbar ist auch der worst case: Am Ende sind sie alle nur in der Europa League.

Nach der Auslosung rechnete man dem VfB Stuttgart die einfachste Gruppe zu. Letztendlich bewahrheitete sich diese Prognose – so konnten es sich die Schwaben erlauben, eine heftige Krise durchzuschleppen, und dann haben sie es nach dem ersten Sieg im vorletzten Spiel auch noch selbst in der Hand! Vor zwei Jahren waren sie in der Gruppenphase als deutscher Meister grandios gescheitert. Auch damals gab es den ersten Erfolg im fünften Spiel, doch da stand das Ausscheiden bereits fest. Es war der erste Sieg für den VfB im dritten Anlauf in Glasgow, dabei überzeugte besonders die Mittelfeldachse mit Youngster Sebastian Rudy und Zdravko Kuzmanovic. Besonders der Serbe reift immer mehr zum Führungsspieler und wird seinem Team am Wochenende gesperrt schmerzlich fehlen. In der Abwehr lieferten Delpierre und Niedermeier endlich mal eine konzentrierte Vorstellung ab. Das schottische “Bollwerk” hielt so nur 16 Minuten, ehe Rudy traf. Überhaupt sind die Rangers nur ein Schatten vergangener Tage. Die Spielkunst war nie ihr Ding, doch jetzt sind sie auch noch abwehrschwach. So war es die dritte Heimpleite im dritten Match. Dabei konnte man sich noch bedanken, dass die Stuttgarter ihre Chancen nicht nutzten, einen wesentlich klareren Sieg zu erspielen. Bedanken bei Pavel Pogrebnyak, der selbst freistehend das Tor nicht trifft und Torwart McGregor. Das Endspiel für Stuttgart steigt gegen Unirea Urziceni. Die Rumänen besiegten überraschend Sevilla (per Drago-Eigentor), damit ist die Devise klar: Nur ein Sieg für den VfB zählt!

Gleichermaßen gilt dies auch für den FC Bayern. Klar kontrolliert haben sie in der nicht ausverkauften Allianz Arena die Israelis von Maccabi Haifa. Dabei konnte zumindest erstmals seit langer Zeit wieder der Sturm überzeugten, wo diesmal Gomez und Olic stürmten. Die Querelen um van Gaal und Toni wurden so zunächst einmal beiseite geschoben. Doch glanzvoll war die Leistung des deutschen Rekordmeisters sicher nicht, aber man muss sich in der aktuellen Situation schon mit einem ungefährdeten 1:0-Pflichtsieg gegen Haifa zufrieden geben. Denn der Gegner bekam wenig auf die Reihe, nutzte dabei in keiner Weise die Unzulänglichkeiten und fehlende Kreativität im schwachen Bayern-Mittelfeld. Die Stürmer waren alleine auf weiter Flur, dabei war es wahrlich kein Hochgeschwindigkeitsfussball, der Haifa alles abverlangte. Sie hätten ihre Chance durchaus gehabt. Dadurch, und auch durch den 1:0-Erfolg von Bordeaux gegen Juventus Turin, kann der FCB mit einem Sieg in zwei Wochen in Turin das Achtelfinale buchen. Sonst heißt es (wieder einmal): Europa League.

Als einziger Klub aus der Bundesliga könnte es der VfL Wolfsburg auch ohne einen eigenen Sieg schaffen. Die eigene Aufgabe gegen Manchester United wird schon schwer genug. Besonders tragisch, dass die Wölfe den großen Matchball gegen ZSKA Moskau relativ leichtfertig verspielten. Einer engagierten ersten Halbzeit mit früher Dzeko-Führung folgte ein Doppelschlag der Russen nach dem Seitenwechsel, und ZSKA drehte das Spiel. Sieht man den gesamten Spielverlauf, ist das 2:1 für die Hausherren durchaus ein gerechtes Resultat, musste etwa Diego Benaglio mehrmals glänzend retten. Irgendwann zahlte sich aber der Angriffswirbel um Krasic, Necid und Dzagoev aus. Wolfsburg nutzte auch in der Endphase sich bietende Gelegenheiten nicht, weil die Angriffe oft einfach zu schlampig ausgespielt wurden. Es wäre schade, wenn die überzeugendste deutsche Mannschaft in der Gruppenphase am Ende die Segel streichen müsste. Und wie ist die Arithmetik in dieser Staffel? Gewinnt Wolfsburg, sind sie sicher durch. Besiegt man ManUnited sogar mit 1:0 oder zwei Toren Differenz, ist Vehs Mannschaft auch Gruppensieger. Geht die Partie Remis aus, ist man darauf angewiesen, dass ZSKA im Parallelspiel nicht gegen Besiktas gewinnt. Verliert Wolfsburg, ist ebenfalls noch nicht alles verloren: Mit Besiktas-Sieg wären drei Teams punktgleich, und nach meinem Kenntnisstand setzt sich dann der Sieger aus den direkten Duellen, also Wolfsburg, durch.

Wem rechnet man nun die besten Chancen aus? Ganz ehrlich, ich rechne nur mit Stuttgart im Achtelfinale. Wolfsburg würde ich mir wünschen, aber die Aufgabe gegen Manchester ist sehr schwer, zumal die sicher nicht gern den Gruppensieg herschenken werden. Bayern rechne ich gegen Juventus nur Außenseiterchancen aus.

Zwei verlorene Punkte 17. September 2009

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Ein erfolgreicher Auftakt liegt hinter den deutschen Vertretern in der Champions League. Bayern bewältigte seine schwierige Auswärtsaufgabe in Haifa, Wolfsburg triumphierte beim Königsklassendebüt über ZSKA Moskau. Und auch der dritte Verein im Bunde, VfB Stuttgart, konnte sich gegen Glasgow Rangers zumindest einen Punkt sichern. Nach dem Spielverlauf jedoch muss man bei den Schwaben eher von zwei verlorenen Punkten sprechen.

Man kennt sich in Glasgow und Stuttgart. Bereits das dritte Aufeinandertreffen der beiden Klubs in der Gruppenphase markierte das gestrige Spiel. Letztmalig duellierten sich VfB und Rangers vor zwei Jahren, ebenfalls zum Auftaktspiel, nur damals in Ibrox. Nach einer guten Anfangsphase und dem Führungstreffer gaben die Stuttgarter später das Spiel aus der Hand und kassierten eine unnötige Niederlage, die vielleicht ein Schlüsselerlebnis für die dann folgende, durchwachsene Saison war. Soweit ist es zwar momentan noch nicht, doch einige Parallelen sind durchaus erkennbar.

Der VfB begann nach den letzten Misserfolgen in der Bundesliga engagiert und mit hohem Tempo. Bereits nach wenigen Sekunden konnte man sich die erste Torchance erarbeiten, doch Rangers-Torwart McGregor war auf dem Posten. Die Schwaben setzten ihr offensives Spiel fort und wurden nach 19 Minuten durch das Führungstor von Pogrebynak belohnt. Durch konsequentes Nachsetzen wurde der Ball bereits im Mittelfeld erobert und dann durch schnelles Umschalten Richtung Tor befördert. Maßgeblich beteiligt an dem Treffer mit dem entscheidenden Pass war auch Jung-Nationalspieler Cacau, der eine gute erste Halbzeit spielte. Doch danach ging ein Bruch durch das Stuttgarter Spiel. Durch zu passives Verhalten schleppte man sich nach dem 1:0 bis zur Halbzeitpause. Auch danach wurde nicht mehr entscheidend nachgesetzt. Es entwickelte sich das Spiel, worauf die Rangers von Beginn spekuliert hatten. Während das Team von Markus Babbel mit der Spieldauer immer passiver wurde, konnten die Gäste aus Glasgow zunehmend besser in die Partie finden. Ihre Spielweise ist – genau wie vor zwei Jahren – angelegt auf das Ausnutzen individueller Fehler des Gegners oder die Verwertung eines einzelnen Konters. Ohne großen spielerischen Glanz verlagerte sich das Spiel aus der Rangers-Hälfte zunächst in das Mittelfeld, bis Innenverteidiger Bougherra nach 77 Minuten den Assist von Rothen zum Ausgleich finalisierte. Erst nach diesem Gegentor, das nach dem Spielverlauf nicht ganz unverdient war, öffneten sich die Schwaben wieder etwas mehr der Idee vom eigenen Angriffsspiel. Eine wirklich zwingende Chance gab es aber nicht mehr, vielmehr konnten sie am Ende froh sein, nicht noch das zweite Gegentor kassiert zu haben.

Die Einzelleistung der Stuttgarter Spieler war nicht so schlecht, wie es die Schilderung vielleicht vermuten lässt. Aber neben dem beweglichen Sturmduo Cacau/Pogrebnyak, das im zweiten Durchgang auch abgebaut hat, konnte kein Spieler positiv oder negativ auffallen. Es war eine Leistung aus der Kategorie “Absolutes Mittelmaß”. Über die Flügel kamen zu wenige Akzente. Besonders die linke Seite enttäuschte: Hleb ist nicht fit gewesen und wurde später ausgewechselt, Artur Boka fehlt Spielpraxis und zeigte auch, warum ihm zuletzt Magnin vorgezeigt wurde. Etwas besser war es auf der rechten Flanke, auch wenn sich Träsch und Hilbert schwer taten, gegen den aggressiven Papac ein Durchkommen zu finden. Auch aus dem zentralen Mittelfeld kam zu wenig. Kapitän Thomas Hitzlsperger spielt in letzter Zeit für meine Begriffe zu zurückhaltend, wie auch schon in der Nationalmannschaft. Er muss auch mal einer sein, der das Team mitreißt und nicht nur den Rasen im Mittelkreis beackert. Insgesamt hat man es versäumt, nach der guten Anfangsphase mit frühem Führungstor weiter offensiv zu spielen und Rangers damit ein Spiel aufzuzwingen, das sie nicht mögen.

Die Schotten dürften mit dem Punktgewinn zufrieden sein. Wie schon vorletzte Saison, als sie Stuttgart besiegten und später bis in das UEFA-Pokal-Finale vorgedrungen sind, konzentriert sich das Team von Walter Smith hauptsächlich auf seine Defensivqualitäten. Mit dem Fußballer des Jahres in seinen Reihen, Innenverteidiger Bougherra, konnte man sich davon auch in der zweiten Halbzeit ein gutes Bild machen. Allerdings ist die Abwehr keineswegs besonders sattelfelst, wie die Anfangsphase gezeigt hat. Wenn sich ein Team findet, das über 90 Minuten konsequent den Weg nach vorne sucht, häufig Flanken schlägt und auch mal Fernschüsse gegen den nicht zwingend sattelfesten Torwart McGregor probiert, wird es für Rangers schwer die Gruppenphase zu überstehen.

Es hätte eine einfache Rechnung werden können in dieser dankbaren Gruppe für den VfB: Drei Heimsiege, dazu ein Sieg in Rumänien. Das würde doch sicher schon das Achtelfinale bedeuten. So steht man jetzt bei Neuling Unirea Urziceni schon unter dem Druck, unbedingt siegen zu müssen.

Russland stürmt nach vorne 15. Mai 2008

Posted by Max in : Europa League , add a comment

Der erste europäische Titel der Saison 2007/2008 ist vergeben. Als zweiter russischer Verein nach ZSKA Moskau 2005 sicherte sich am Mittwochabend die Mannschaft von Zenit St. Petersburg den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, und darf für zumindest ein Jahr den Wander-UEFA-Pokal mit von Manchester in die Heimat nehmen.

Als Verlierer gingen die Schotten aus Glasgow, die Rangers vom Platz. 150.000 Fans, die mit nach England gereist waren, davon aber nur ein kleiner Teil im Stadion – das alles reichte nicht. Sieht man alle Leistungen der Rangers in diesem Wettbewerb, wäre ein Titelgewinn auch ein großes Desaster gewesen. So fanatisch die Fans auch sind, die Spielweise war sehr ernüchternd und hat viele Fussball-Fans schon am eigenen Sachverstand zweifeln lassen. So defensiv der internationale taktische Trend auch ist, das Team aus Glasgow hat es heuer wirklich auf die Spitze getrieben. Die größte Farce war das Rückspiel in Florenz, als man bis kurz vor Ende der Spielzeit nicht einen Torschuss abgefeuert hatte, und die gesamte Kunst des Spiels nur darin bestand, Bälle aus dem eigenen Strafraum zu schlagen.

So möchte ich am Ende durchaus bilanzieren, dass das im Frühjahr 2008 stärkste Team im Wettbewerb den Titel gewonnen hat. Wer Marseille, Leverkusen und Bayern ausschaltet, hat den Sieg im Finale auch verdient. Vor allem in den Auswärtsspielen sind die Russen über sich hinaus gewachsen, legten so den Grundstein in Leverkusen und München. Mit dem starken Sturmduo Progrebnyak/Arshavin, die auch ohne den jeweiligen Mitspieler ihrer Mannschaft helfen können, haben sich auch zwei für die großen europäischen Ligen interessante Spieler hervorgetan. Bezeichnend für die mannschaftliche Geschlossenheit, die letztendlich ausschlaggebend für den großen Erfolg waren, ist, dass im Endspiel mit Denisov und Zyryanov als Torschützen sich zwei weitere Spieler hervorgetan haben. Die beiden Akteure waren es, die nach langer Anlaufzeit in einem durchwachsenen Spiel – sicher eines der schlechtesten Finals der Europapokalgeschichte – den Bann brechen konnten. Es ist aber kein fahler Beigeschmack, der den Sieg von Zenit begleitet. Sie hatten es sich einfach verdient, den Pokal in die Höhe zu strecken.

So ist das auch ein weiteres Zeichen für den Aufschwung des russischen Fussballs. ZSKA’s Titelgewinn 2005, jetzt Zenit St. Petersburg. Außerdem qualifizierte sich die russische Nationalmannschaft sicher für die Europameisterschaft. Mit potenten Geldgebern im Rücken entfaltet sich nun das große Potential des Fussballs in einem Land, dass auf dieser sportlichen Ebene seit dem Fall des eisernen Vorhanges in einem Dornröschenschlaf geweilt hat. Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren vermehrt auf Mannschaften aus den ehemaligen Sowjet-Republiken achten müssen. Das betrifft nicht nur ZSKA, Zenit oder Klubs wie das aufstrebende Dinamo aus Moskau. Auch aus der Ukraine etabliert sich langsam aber sicher Schachtjor Donezk im Europapokal. Der Spannung und Abwechslung wird es auf jeden Fall gut tun.

Wer schafft den Triumph? 13. Mai 2008

Posted by Moritz in : Europa League , add a comment

Wenn sich morgen Glasgow Rangers und Zenit St. Petersburg gegenüber stehen, wird sich wohl kaum einer der Fans auf der Tribüne an den letzten Titelgewinn erinnern können. Auf der einen Seite, weil er schon über 30 Jahre zurückliegt und auf der anderen weil es schlicht noch keinen gab. Somit stellt dieses Spiel wohl nicht nur den Saisonhöhepunkt sondern eines der wichtigsten Spiele der aktuelleren Geschichte dar.

Ihr Weg in dieses Finale könnte kaum unterschiedlicher sein. St. Petersburg spielte sich mit seiner dynamischen offensiven Mannschaft mit teilweise überragenden Siegen nach England in das Endspiel. Unter den Leidtragenden waren klangvolle Namen wie Marseille und auch die Bayern. Zusammen mit Leverkusen zum damaligen Zeitpunkt vor allem Mannschaften, die selber einen gepflegten Offensivfußball zu spielen pflegten und dies zum Teil auch noch tun, die sich öffneten nach einem Tor um den Anschluss zu schaffen, was den Mannen von St. Petersburg die Möglichkeit gab nachzusetzen und die entstehenden Lücken zu nutzen und das endgültige K.O. zu erreichen.

Advocaats früherer Verein, die Rangers, hingegen mogelten sich, in der Königsklasse noch als zu leicht befunden, über das Hintertürchen in den Wettbewerb und brachten ihre Kontrahenten zum Verzweifeln und letztendlich zur Kapitulation vor dem gnadenlos verbauten Strafraum. Ganze zwei Gegentore fingen sie sich im gesamten Wettbewerb und sind nun schon seit fast 400 Minuten oder sechseinhalb Stunden unüberwunden. Alle bissen sich bisher die Zähne an ihnen aus.

Zwei Erfolgsmodelle also, die sich mehr als diametral gegenüber stehen. Sollte sich keiner der beiden von seinem gewohnten System abwenden, dürfte es ein interessantes Spiel ergeben, denn Aktionen, die über die Mittellinie hinausgehen sind dann von den Schotten kaum zu erwarten, während die Russen, um ihr volles Potential entfalten zu kommen und die Offensivqualitäten zur Geltung kommen lassen, Raum und Bewegung im Spiel brauchen, die ihnen so sicher nicht gewährt werden wird. Ein solcher Gegner kommt sicher auch den Schotten nicht unbedingt entgegen, hielten sie es doch bisher so, gegen einen anstürmenden Gegner einen oder zwei sich bietenden Konter messerscharf zu verwandeln. Doch vor allem der Ausfall ihrer Leistungsträger, auf kontinentaler Seite des Top-Torschützen Pogrebniak und auf britischer des Garanten im Tor McGregor, wiegt schwer und wird unter Umständen zu einem Enteilen aus festgefahrenen Gleisen führen, die ein paar mehr spielerische Elemente in die Partie bringen. Auch der jeweilige Gegner nötigt ihnen Respekt ab, so dass Walter Smith wohl darüber nachdenkt etwas offensiver aufzustellen. Ein weiterer Aspekt dabei wird wohl sein, dass man sich im Finale nicht auf ein Rückspiel verlassen kann, auch wenn dies im Zweifelsfall wohl eher zu mehr Vorsicht als Risikofreude führen wird.

Für Stimmung auf den Rängen wird hingegen wohl schon allein durch die Nähe Manchesters zur schottischen Grenze gesorgt sein. Diesen kleinen Hopser über die Grenze werden wohl mehrere Zehntausend „Gers”-Anhänger nutzen, um im und um das City of Manchesterstadion ihr Team anzufeuern, wie sie es sonst im Ibrox-Park machen. Es ist also angerichtet für ein Uefa-Pokalfinale, nach dem der Cup sich nach zwei Jahren wieder in Geld-Rot wieder in neuen Farben schmücken darf und in dem alles drin ist von einer Abwehrschlacht bis hin zu einem leidenschaftlichem Kampf mit offenem Visier. Am Ende wird jedoch für beide etwas Historisches stehen. Der erste internationale Titel für Zenit oder ein weiterer Baustein zu einem kleinen Quadrupel der Rangers. In diesem Sinne wünsche ich noch einen angenehmen Dienstagnachmittag und ein berauschendes Spiel.