FC Valencia

Ausgeglichene Europa League

Posted by Max on März 16, 2012
Europa League / No Comments

Neben der Königsklasse geht auch ihr kleiner Bruder Europa League langsam auf die Zielgerade. Heute wurden in der UEFA-Zentrale in Nyon die Spiele für das Viertelfinale ausgelost, mit dabei sind weiterhin zwei deutsche Vertreter: Hannover 96 und Schalke 04. Doch während man in der Champions League einen Kreis von zwei, drei Favoriten ausmachen kann, fällt dies eine Klasse tiefer schwer. Man kann das als fehlende Spitzenklasse auslegen, ich sehe es aber eher als abwechslungsreiche Ausgeglichenheit. Die acht Teams, die gestern die nächste Runde erreicht haben, können an guten Tagen ihren Gegner jeweils schlagen und auch den Wettbewerb gewinnen. Von einer Übermacht wie den FC Barcelona kann man nicht sprechen. Blicken wir also auf die vier Begegnungen im Viertelfinale.

FC Schalke 04 – Athletic Bilbao

Die Schalker beschwören schon seit Saisonbeginn im Europapokal mit der legendären Hymne von 1997 den Finaleinzug. Bisher ging es einigermaßen souverän durch den Wettbewerb, sehen wir mal von der Extraschicht in der Verlängerung gegen Viktoria Pilsen ab. Beeindruckend hingegen war die gestrige Partie gegen Twente Enschede, als Schalke nach frühem Rückstand aus fast schon aussichtsloser Lage doch noch die Qualifikation für das Viertelfinale schaffte. Der Schlüssel für Schalke liegt besonders in den Heimspielen, hier konnten die Königsblauen bisher überzeugen und in den letzten beiden Runden jeweils das Weiterkommen sichern. Gleiches gilt nicht unbedingt für Athletic Bilbao. Der charismatische Klub aus dem Baskenland hat schließlich zuletzt absolut überzeugend den großen Favoriten Manchester United bezwungen – sowohl in England, als auch im eigenen Stadion. Auf das Erfolgsrezept rund um Trainer Marco Bielsa hatte ich bereits in unseren letzten Querpässen hingewiesen. In den Duellen mit United hat sich Athletic insbesondere als offensivstarke Elf erwiesen, die auch vor großen Namen keinen Halt macht. Mit Blick auf den Schalker Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar (mit neun Toren bester Schütze der Europa League) könnte das eine sehr ansprechende Paarung werden, in der Schalke diesmal bereits im Heimspiel-Hinspiel vorlegen muss.

Atletico Madrid – Hannover 96

Kaum einer hätte vor dieser Saison auch nur einen Pfifferling darauf verwettet, dass Hannover 96 in das Viertelfinale einziehen würde, dass ihnen tatsächlich noch einmal so eine stabile, gute Saison gelingt. Nach dem Quali-Ausscheiden von Mainz 05 gab es bereits die ersten Unkenrufe, Hannover würde bald nachfolgen. Sie bezwangen den FC Sevilla, setzten sich in der Gruppenphase gegen Kopenhagen, Lüttich und Poltawa durch, eliminierten das Belgien-Doppel Brügge und nochmal Lüttich. Gerade in der Endphase der Saison scheinen die Niedersachsen noch einmal richtig in Schwung zu kommen – nimmt man das gestrige 4:0 gegen Standard als Maßstab. Zweifellos, das Viertelfinale ist ein riesiger Erfolg und Ausdruck der Stabilität, die mit Mirko Slomka an der Leine eingekehrt ist. Gegner von ganz anderem Kaliber hatte jedoch bisher Atletico Madrid vor der Brust: Eine schwere Gruppe mit Udinese Calcio, Celtic sowie Stade Rennes. Lazio Rom in der Zwischenrunde und zuletzt Besiktas Istanbul im Achtelfinale. Ihre Aufgaben haben die Spanier mit einer großen Souveränität erledigt, kaum einmal gerieten sie wirklich in Bedrängnis. Ob Hannover beim Sieger von 2005 Schwächen findet? Es war wohl das schwerste Los im Topf, es wird ein schweres Stück Arbeit. Am Ende dürfte sich aber Atletico durchsetzen, auch weil sie für mich mit den bisherigen Leistungen aus der Reihe ausgeglichener Teams der größte Titelkandidat sind.

AZ Alkmaar – FC Valencia

In den letzten Jahren haben sich die Niederländer step-by-step im erweiterten europäischen Spitzenfeld etabliert. Von der guten Arbeit des Louis van Gaal (2005-2009), der AZ in seinem Abschiedsjahr auch zum zweiten Meistertitel nach 1981 führte, profitiert der Klub auch heute unter Gertjan Verbeek noch. Dabei sind sie für mich etwas schwer einzuschätzen, da sie in der Gruppenphase mit Kharkov, Malmö und Austria Wien lösbare Aufgaben hatten. Danach ging es über RSC Anderlecht und Udinese Calcio in das Viertelfinale. Für die Moral der Mannschaft spricht der spektakuläre Spielverlauf gestern beim Rückspiel in Udine: Bereits nach zwei Minuten flog Verteidiger Vierger nach einer Notbremse vom Platz, nach einer Viertelstunde war der 2:0-Hinspielvorsprung von Alkmaar aufgebraucht. Aber es folgte ein großer Kampf zu Zehnt, es kam zum Anschlusstor und sogar ein verschossener Strafstoß konnte dem Tabellenführer der niederländischen Eredivise nichts mehr anhaben. Für Gegner FC Valencia ist es bereits das zweite Aufeinandertreffen mit einem niederländischen Klub in Folge: Gegen PSV Eindhoven (1:1/4:2) ließ man ergebnismäßig wenig anbrennen, im Hinspiel zeigte sich jedoch, dass die Spanier mitunter zur Überheblichkeit und Nachlässigkeit neigen. Ebenso in der Gruppenphase der Champions League, wo Valencia mit etwas mehr Konsequenz in der Staffel mit Chelsea, Leverkusen und Genk relativ einfach die lukrative nächste Runde hätte erreichen können. Hier liegt die Chance für Alkmaar, unter normalen Umständen geht aber der FC Valencia durch ins Halbfinale.

Sporting Lissabon – Metalist Kharkov

Eine völlig offene Begegnung. Das liegt vor allem an den Ukrainern aus Kharkov, die zwar immer noch einen Underdog-Status haben, in den letzten Jahren aber mit schöner Regelmäßigkeit im Europapokal zu Gast waren. Größter Erfolg war dabei bisher das Achtelfinale 2009, als sie ausgerechnet an Dynamo Kiew scheiterten. Letzte Saison überzeugten sie in zwei Spielen der Zwischenrunde gegen Leverkusen nicht. Ganz anders in dieser Spielzeit, wo man mit viel Offensivpower bereits viele hohe Siege einfahren konnte. Garant dafür ist eine mit zahlreichen Brasilianern und Argentiniern bestückte Mannschaft, die aber durchaus Moral hat, wie die späte Aufholjagd im Achtelfinale gegen Piräus beweist – hier wurden die entscheidenden Treffer, um die 0:1-Heimspielniederlage zu egalisieren, erst in den letzten zehn Minuten erzielt. Ich traue den Ukrainern durchaus den nächsten Sprung zu, auch weil Sporting Lissabon eine weitere unberechenbare Größe im Viertelfinalgeschäft ist. Einerseits eine Mannschaft, die in den vergangenen Jahren oft Champions League spielte. Andererseits international nur selten überzeugend, und in bleibender Erinnerung sind natürlich noch die bösen Pleiten im CL-Achtelfinale 2009 (0:5 und 1:7 gegen den FC Bayern). Und nochmal im Gegensatz dazu hat man im Achtelfinale brav seine Chance gegen ein nachlässiges Manchester City genutzt. Zusammengefasst dürfte Sporting dann eine Chance haben, wenn sie Kharkovs Offensivstärke in den Griff bekommen oder ihnen die Ukrainer – allerdings nicht zu erwarten bei den größten Spielen ihrer Vereinsgeschichte – durch fehlenden Einsatz Möglichkeiten bieten.

Fünfmal Spanien, zweimal Deutschland, dazu je ein Vertreter aus Portugal, Niederlande und Ukraine. Als leichte Favoriten sehe ich Atletico Madrid und den FC Valencia. Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt: In diesem Wettbewerb ist alles möglich. Und große Namen werden in der Europa League ganz klein – fragen sie mal in Manchester nach! Europa League ist Einstellungssache – nicht umsonst sind sieben der acht “Absteiger” aus der Gruppenphase der Champions League bereits wieder ausgeschieden.

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Schalke weiter, Magath raus!

Posted by Max on März 10, 2011
Champions League / No Comments

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Immerhin können sich so die leidgeplagten Fans vom Hamburger SV und vom FC Schalke 04 gegenseitig Bedauern aussprechen. In beiden Klubs herrscht derzeit intern Chaos, spätestens im Sommer sind die Übungsleiter Veh und Magath weg. Während allerdings in der Hansestadt die momentane Entwicklung nur ein weiteres Kapitel eines seit Jahre schwelenden Konfliktes bedeutet, ist die Situation in Gelsenkirchen bizarr: Es ist keine zwei Jahre her, dass Magath als Heilsbringer für das königsblaue Lager verpflichtet wurde und seitdem mit umfangreichen Generalvollmachten im sportlichen Bereich ausgestattet ist. Im Verlaufe einer wenig zufriedenstellenden zweiten Spielzeit unter Magath scheinen sich nun derart tiefe Diskrepanzen zwischen Vorstand, Trainer-Manager und Fans zu entwickeln, dass sogar die Situation droht, dass Magath in den Tagen nach dem größten sportlichen Triumph der letzten Jahre abgesägt wird.

Und es ist wieder ein Rückfall in alte Zeiten: Auf Schalke spricht man mehr übereinander als miteinander. Der unsympathische Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bringt immer wieder mit zweifelhaften Aussagen den Verein in die Bredoullie. Offenbar ist der Abschied von Magath bereits beschlossene Sache in den Führungsgremien. Dumm nur, dass sich eine Trennung von “Quälix” nach dem Erreichen des Viertelfinales in der Champions League wohl noch schwerer verkaufen lässt, als ohnehin schon. Derweil geistert mit Otto Rehagel bereits ein potentieller Interimstrainer durch die Schalker Reihen. Glaubt man einigen Medien, hat man auch schon mit Robin Dutt gesprochen. Da dauert es sicher nicht lange, bis Christoph Daum und Lothar Matthäus ins Spiel gebracht werden.

Wenden wir uns also lieber dem sportlichen Geschehen zu: Denn Schalke gelang im Achtelfinal-Duell mit dem FC Valencia ein toller Triumph. Mit etwas Losglück, nach der Hälfte der Spielrunde sind etwa Schachtjor Donezk oder Tottenham Hotspur in der Trommel, ist vielleicht sogar noch mehr möglich. Übrigens auch ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern. In der Summe der beiden Spiele gegen die Spanier ist das Weiterkommen nicht unverdient. Ein Duell zwischen zwei Mannschaften, die sich annähernd auf Augenhöhe begegneten, das Pendel zeigte nach 180 Minuten bestenfalls leichte Vorteile für Schalke. So war der Sieg gestern keinesfalls ein Selbstläufer: Nach engagierter Anfangsphase kam Valencia besser in das Spiel, profitierte von der bekannten offensiven Ideenlosigkeit der Hausherren. Passwege wurden geschickt zugestellt, zudem erwischte ein Christoph Metzelder in der Innenverteidigung nicht seinen besten Abend. Dass es am Ende nur zu einem Treffer für Valencia langte, lag zum einen an zu vielen Schnörkelpässen, zum anderen am starken Manuel Neuer, der speziell im zweiten Durchgang weitere Gegentore verhinderte.

Durch einen prima Freistoßtreffer von Farfan kam Schalke allerdings schon vor dem Seitenwechsel zurück in in das Spiel. Nach der Pause dann übernahmen sie weitgehend die Spielkontrolle, zwar weiterhin nur mit dezent sehenswerten Angriffen, aber unterstützt von viel Dynamik durch Escudero, Kluge und Gavranovic. Valencia hatte spätestens nach dem 2:1 nur noch wenig entgegenzusetzen, kam aber dennoch hin und wieder gefährlich vor das Tor – wo Neuer wartete. In der Nachspielzeit gab es den finalen Nackenschlag, wo Farfan einen Konter nach einem langen Solo vollendete.

Schalke jubelt und freut sich auf das zweite Viertelfinale nach 2008. Doch schon kurz nach dem Abpfiff stand die Trainerfrage wieder im Mittelpunkt. Ich möchte meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass der Trainer in der nächsten Runde noch Felix Magath heißt.

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Popcornfußball

Posted by Moritz on März 19, 2010
Champions League / No Comments

Popcornfußball war es, der am gestrigen Abend in der Europaliga geboten wurde. Anziehend wurde das dargeboten, bei dem viele mit der Zunge schnalzen: Tore, Tore, Torchancen und noch mehr Tore. Der Rückspieltag des Achtelfinales war zumindest in den deutschen Partien geprägt von einem Verzicht auf das Toreverhindern.

Vorexerziert wurde dies von Werder Bremen, seit jeher schon tendenziell als Anhänger dieser Strategie zu beschreiben, nahmen sich gestern einmal vor möglichst hinten dicht zu halten. Das funktionierte auch ganz gut – gute zwei Minuten dauerte es nur bis der Ball hinter Wiese im Netz zappelte wie ein frisch gefangener Fisch. Doch lange trauerten die dem nicht nach. Konnten sie auch gar nicht, da Valencia nicht gewillt war, sich damit zufrieden zu geben. Was sich entwickelte war ein extrem intensives Spiel mit Abwehrreihen, die sich fast den Status nichtexistent bescheinigen lassen konnten. Vor allem Werder tankte sich durch einen phänomenal aufgelegten Marin immer wieder bis ans Tor der Spanier heran. Mal durch Flanken, durch kurze Pässe schufen sie sich den Platz, den sie brauchten um sich auf das gegnerische Tor einzuschießen. Eigentlich hätte das Publikum schon zur Pause mindestens acht Tore zu Gesicht  bekommen können. Das es derer nur vier wurden, ungleich zu Gunsten von Valencia verteilt, muss sich vor allem Bremen selbst ankreiden. Nach dem zweiten Rückstand schon mit einem weiteren Stürmer unterwegs scheiterten sie vor allem an einem: Ihrer Effektivität. Oder eher ihrem Gegenteil. Es ist schon fast unglaublich wie sie trotz ihres spielerisch eigentlich unfassbar starken Auftritts als gäbe es sie gerade im Sonderangebot eine Torchance nach der anderen versemmelten. Mal zu weit links, zu hoch, zu kurz oder der gut auflegte Sanchez – irgendetwas passte so gut wie immer nicht.

Wie es richtig geht, zeigten hingegen die Gäste, die mit einer ähnlichen Spielkultur geprägt waren wie die Hanseaten. Allerdings spielten sie in Sachen Chancenverwertung in einer anderen Liga. Die hochverschuldeten Spanier tauchten insgesamt bei weitem nicht so oft vor Wiese auf, wirkten aber auch auf Grund ihrer schnell komfortablen Situation immer in der Lage einen Konter bis zum finalen Schuss durchfahren zu können. Vor allem als die Bremer gen Ende in der Abwehr quasi das System letzter Mann hält praktizierten. Zwar kamen sie noch einmal heran, aber die Aktionen wirkten “dank” des atemberaubenden laufintensiven Spiels zunehmend träger und noch weniger zielführend. Im Spiel gegen die Zeit zogen sie so den kürzeren und müssten sich vor allem an der eigenen Nase ziehen. Mit solchen Torchancen bestreiten manche Teams eine ganze Saison erfolgreich, während es Özil und Co damit nicht gelingt ein Spiel trotz massig Gegentoren nach Hause zu fahren.

Damit ist auch der drohende größte anzunehmende Unglücksfall für HSV-Anhänger aus der Welt. Denn Europapokalsieger in der Hamburger Arena wird Bremen in diesem Jahr nicht mehr. Um ihre eigene Teilnahme am weiteren Wettbewerb mussten aber die Hamburger in einem ähnlich verrückten Spiel bangen. Der Trend schien am gestrigen Abend auch in Anderlecht eher in Richtung Spiel ohne Abwehr. Gegen eine Mannschaft aus Belgien die ähnlich wie Werder nie recht aufstecken wollte, dauerte es lange bis Petric mit dem dritten Hamburger Treffer das Weiterkommen besiegelte. Auf jeden Fall wieder einmal wieder kein Spiel für HSV-Fans mit labiler Seele.

Einen stabilen Gemütszustand brauchten auch die Anhänger der Wölfe. In einer knappen Partie konnten die Wolfsburg zwar zunächst das Szepter schwingen. Allerdings warf sie Kazan schnell aus der Bahn. Das was sie danach auf dem Rasen präsentierten wirkte etwas schwerfällig. Gegen den diszipliniert stehenden russischen Meister fehlte zumeist die Kreativität und ein zwingendes Element um überzeugend aufzutreten. Im Gegenzug wackelte, als wäre es mit den anderen Teams abgesprochen, das Defensivgebilde mehr als bedenklich. Von Glück können sie reden, dass die Tartaren nicht vollends auf die Entscheidung spielten sondern ihr eigenes Tor stets im Hinterkopf behielten. So taten sich die Mannen von Köstner schwer. Ausdruck dafür auch das niederschmetternde Ergebnis von 19 Ecken. Es gab schlicht keines. Diese Standardvariante sollte auch im Hinblick auf das Saisonfinale dringend noch einmal trainiert werden. Dass es besser geht, zeigte Misimovic bei seiner Freistoßvorlage zum Ausgleich. Pech kam für sie dann auch noch dazu, als sie unberechtigterweise ihren ersten Siegtreffer nicht zugesprochen bekamen und sich noch bis ans Ende der Verlängerung quälen mussten, bis sie diesen Faux-Pas der Schiedsrichter korrigieren konnten. Letztendlich kam der deutsche Meister somit doch noch zum verdienten größten internationalen Erfolg.

Alles in allem ein erfolgreicher Pokalabend, der durchaus noch durch ein weiteres Bremer Tor abgerundet hätte werden können. So gab es “immerhin” kurzweiligen Popkornfußball vom Feinsten, eigentlich kann man Werder und auch die anderen für solche abwechslungsreiche Spiele nur mögen. In diesem Sinne noch ein schönes Wochenende.

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Das Trio ist auf Kurs

Posted by Max on März 12, 2010
Europa League / No Comments

Drei Norddeutsche Vereine halten nach dem Ausscheiden des rapide sinkenden Hertha-Schiffes in der Europa League die deutschen Fahnen in den Wind. Gegen anspruchsvolle Gegner konnten sich der HSV, Werder sowie Wolfsburg gute Ausgangspositionen erarbeiten, dürfen sich aber nicht ausruhen in den Rückspielen am kommenden Donnerstag.

„Ein Verein steht für das Finale schon fest“ – diesen Fakt habe ich bei einer Stadionführung in der Nordbank-Arena zu Hamburg am vergangenen Wochenende gelernt. Gemeint ist natürlich der Hamburger SV, auch wenn hier Wunsch Vater des Gedankens ist und mit dem enthusiastischen Guide etwas die Emotionen durchgingen. Dafür ist noch ein hartes Stück Arbeit notwendig, aber immerhin präsentierte sich die Mannschaft deutlich besser als am Samstag im bescheidenen Spiel gegen Hertha BSC. Das Duell mit dem belgischen Vertreter RSC Anderlecht war zugleich auch das Startelf-Debüt von Ruud van Nistelrooy, der dann mit dem zwischenzeitlichen 2:0 auch mal gezeigt hat, was einen Torjäger seiner Klasse von einem „gewöhnlichen“ Stürmer unterscheidet. Vom Anpfiff weg war der HSV bemüht, die Spielkontrolle zu übernehmen. Nach guter Anfangsphase ging der Druck zwar etwas verloren, aber Anderlecht wurde auch nicht wirklich gefährlich. Über den gesamten Spielverlauf waren es nur einige (gewohnte) Abwehrschwächen und Unkonzentriertheiten, die aber nicht ausgenutzt wurden, mal abgesehen vom sehenswerten Anschlusstor kurz vor der Halbzeitpause. Nach dem Seitenwechsel aber steigerten sich die Hamburger noch einmal und drängten konsequent auf den dritten Treffer – der fiel durch Jarolim (Ja, JAROLIM!) und somit hat Labbadias Mannschaft jetzt eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel im Nachbarland. Mit seiner Auswechslungspolitik allerdings hat mich der Trainer mal wieder in den Wahnsinn getrieben. Nur einmal wechselte er, als Trochowski für Elia kam. Ein aus meiner Sicht viel zu später und überfälliger Wechsel, weil der Niederländer mit Abstand schwächster Hamburger war. Was bleibt: Ein verdienter Sieg, mit dem man als gute Ausgangsbasis in sechs Tagen hoffentlich die nächste Runde erreicht.

Vor dem Spiel von Werder Bremen beim FC Valencia erinnerten die Medien an eine wilde Treterei aus dem Jahr 2004 zwischen diesen beiden Teams. Auch gestern Abend schien die Partie zeitweise aus dem Ruder zu laufen, denn Schiedsrichter Atkinson erwischte einen schlechten Tag. Einen auf den ersten, zweiten, dritten und wahrscheinlich auch zehntausendsten Blick nicht nachvollziehbarer Elfmeter brachte Werder in Führung und das Publikum in Rage. Mit weiteren fragwürdigen Pfiffen im Spielverlauf sorgte der englische Referee nicht unbedingt für Beruhigung. Dabei entwickelte sich ein intensives, abwechslungsreiches Spiel. Schon früh entschieden sich die beiden Kontrahenten, das Mittelfeld zu missachten und die Zone um die Mittellinie einfach mit Ignoranz zu bestrafen. Valencia hatte nach dem 0:1 Phasen mit Chancen im Minutentakt, den Ausgleich zu erzielen. Werder konterte gefährlich, aber ohne die letzte Konsequenz. Es schien soweit alles für die Grün-Weißen gut zu laufen, doch ausgerechnet ein Platzverweis für den besten Spanier auf dem Feld kippte die Partie etwas. Ob wirklich eine Tätlichkeit vorgelegen hat, lässt sich nicht überprüfen, da es keine Fernsehbilder gegeben hat – die Reaktion des Übeltäters scheint aber so, als sei die rote Karte eine korrekte Entscheidung. Scheinbar geschwächt, erzielt Valencia zwei Minuten später den Ausgleich und hat auch danach wieder zahlreiche Möglichkeiten, weitere Treffer auf die Habenseite zu notieren. Es bleibt aber in einem teilweise wilden Spiel beim Remis. Und eines kann man schon mal sicher sagen: Das Rückspiel wird bestimmt nicht torlos enden.

Im dritten Spiel mit deutscher Beteiligung trotzte der wieder aufstrebende Meister VfL Wolfsburg den Russen von Rubin Kazan ebenfalls ein 1:1 ab. Die Tartaren starten gerade wieder in die neue Saison und haben ihre Vorbereitung hinter sich. Wolfsburg sollte die Tatsache im Rückspiel nutzen, dass Rubin wohl noch nicht zu 100 Prozent im Rhythmus ist. Dann sind auch drei deutsche Viertelfinalisten möglich.

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Ein Hanse-Duo für Deutschland

Posted by Max on Februar 27, 2009
Europa League / No Comments

Das deutsche Teilnehmerfeld im UEFA-Pokal schrumpft sich weiter gesund – nach den Rückspielen im Sechzehntelfinale (bald fangen wir schon ab der 1. Runde an, mit Brüchen zu arbeiten, etwas das Einhunderachtundzwanzigstelfinale) befindet sich nur noch die Hälfte der angetretenen Vereine mit deutscher Staatsbürgerschaft im Rennen um den Titel. Ausgerechnet zwei Mannschaften aus dem ehrwürdigen Hanse-Verbund halten das schwarz-rot-goldene Fähnchen in den Wind.

Dabei ist das Weiterkommen des SV Werder Bremen die größte Überraschung, aber zugleich auch eine sehr angenehme. Nach den Ergebnissen der letzten Wochen hätte wohl niemand dem Team von Thomas Schaaf zugetraut, sich gegen dieses abgewichste italienische Team durchzusetzen, die vor knapp zwei Monaten mit der heißbegehrten “Dubai Football Challenge” ihre Titelsammlung erweitern konnten. Jetzt sollte mit dem UEFA-Pokal die Kollektion im Atelier von Herrn Berlusconi komplett werden. Zunächst lief auch alles normal, ganz Milan-like eben: Werder macht das Spiel, erarbeitet sich eine Torchance nach der anderen, und wird doch um den verdienten Lohn gebracht. Ein Foulelfmeter, verwandelt von Pirlo, und ein Treffer von Pato beschehrten Milan eine scheinbar komfortable 2:0-Führung zur Halbzeit. Doch am Ende sollte sich der späte Ausgleich im Hinspiel für Werder noch auszahlen, ein Doppelschlag von Pizzaro brachte das Remis und dank der Auswärtstorregel das Aus für den AC. Auch wenn man dieses Spiel wegen fehlender TV-Bilder nicht bestaunen konnte, es spricht für Werder und gegen die These, das Schaaf aus seiner Mannschaft nichts mehr herausholen könnte. Vielleicht war genau das die Initialzündung, die das Team gebraucht hat. Während Werder jetzt im Achtelfinale gegen den französischen Abstiegskandidaten AS St. Etienne eine lösbare Aufgabe vor der Brust hat, darf sich der AC Mailand auf seine nicht vorhandenen Titelchancen in der Serie A konzentrieren.

Leider nicht gereicht hat es für den VfB Stuttgart gegen den russischen Titelverteidiger Zenit St. Petersburg. Die Ausgangsposition mit der 1:2-Niederlage vor Wochenfrist verlangte einen Kraftakt von den Schwaben, der aber dennoch im möglichen Bereich schien. Aber auch ohne ihren Spielmacher Tymoschuck war Zenit einfach zu stark. Sie setzten genau ihre Stärke ein, mit der sie in der letzten Saison bereits Bayern, Bayer und eine Reihe anderer Gegner zum Wahnsinn getrieben haben: Die Konter mit Pogrebnyak in vorderster Front sind einfach tödlich. Lange sah es garnicht so schlecht aus für Stuttgart, sie kontrollierten das Spiel scheinbar, doch sie erspielten sich keine echten Tormöglichkeiten. Eine Unachtsamkeit vor der Halbzeitpause brachte die Vorentscheidung. Auch nach dem Seitenwechsel konnten Babbels Team die Bemühungen nicht abgesprochen werden, aber Zenit ist ein taktisch exzellent aufgestellter Gegner. Der Ausgleich durch Gebhart war ein sehr kurzes Strohfeuer, ein weiterer Konter brachte die Entscheidung zu Gunsten von Zenit. Trotzdem Respekt an den VfB Stuttgart: Im Herbst haben sie den Umständen in der Bundesliga getrotzt und ihre Gruppe souverän überstanden. Zenit war eine Nummer zu groß, aber sie haben sich sehr achtbar aus der Affäre gezogen.

Ohne Probleme absolvierte der Hamburger SV sein Heimspiel gegen NEC Nijmegen. Der überforderte Gegner kassierte früh den Siegtreffer durch Olic, präsentierte sich teilweise desaströs in der Abwehrarbeit. Erst als der HSV deutlich Tempo rausgenommen hat, kamen die Gäste etwas besser zurecht. Sowas kann man von Wolfsburg leider nicht behaupten. Die Niedersachsen konnten den Eindruck, dass die Hinspielniederlage im Prinzenpark nur ein Ausrutscher war, nicht bestätigen. Mit dem 3:1-Erfolg war Paris St. Germain auch beim VfL jederzeit Herr der Lage.

Besonders spektakulär verlief aber eine andere Begegnung: Das Duell zwischen Galatasaray Istanbul und Girondins Bordeaux entpuppte sich als Fussball-Fest mit insgesamt sieben Treffern. Aus deutscher Sicht auch ein sehr wichtiges Spiel, sollte sich doch aus diesem Feld der nächste Gegner des Hamburger SV im Achtelfinale rekrutieren. Das Hinspiel endete 0:0, sodass zunächst nicht von einer solchen Torflut auszugehen war. Schon in der ersten Minute eröffneten die Gäste durch Bellion den Torreigen. Galatasaray schien früh die nächste Runde zu verspielen, ein weiterer Rückschlag nach dem verlorenen Derby zuletzt und der damit verbundenen Entlassung von Trainer Michael Skibbe. Ein Doppelschlag vor der Halbzeitpause zeigte dann aber eindrucksvoll, wozu türkische Teams vor heimischen Publikum in der Lage sind: Ist der Gegner klar überlegen, bäumt sich Galatasaray auf und dreht die Partie. Nach dem 3:1 durch Turan in der 65. Minute schien die Sache endgültig durch. Aber auch die Girondins hatte noch einen Knaller auf Lager – Chamakh und Cavenaghi brachten ihre Mannschaft eine Viertelstunde vor dem Ende binnen einer Minute wieder auf Kurs. Bis zum Showdown in der Nachspielzeit. Ein Eckball wird von den Franzosen nur halbherzig abgewehrt, Sabri Sarioglou zieht aus 20 Metern zum Nachschuss ab und verwandelt das Stadion in einen Hexenkessel – 4:3! Der HSV ist gut beraten, schon im Heimspiel am 12. März für klare Verhältnisse zu sorgen.

Spannend gestaltete sich auch das Match zwischen dem FC Valencia und Dynamo Kiew. Mit einer anscheinend guten Ausgangslage – das Hinspiel in Kiew endete 1:1 – war der FC Valencia auf dem Papier Favorit. Die in den letzten Jahren so biederen Ukrainer zeigten aber vom Anpfiff an, dass sie in dieser Saison im Europapokal deutlich verbessert spielen. Nach einer knappen halben Stunde besorgte Kravtes die Führung für die Gäste. In einem guten Spiel kämpfte sich Valencia ganz galaesk wieder zurück in das Spiel, mit dem Pausenpfiff besorgte Marchena den Ausgleich. Die Vorteile lagen jetzt bei den Hausherren, sie machten das Spiel und erzielten durch Del Horno kurz nach Wiederbeginn auch die Führung. Nichts und niemand schien sie auf ihrem Weg in das Achtelfinale aufzuhalten. Oder doch? Mit einem fatalen Stellungsfehler leitete der FC seinen eigenen Untergang ein. Ein einfacher Pass in die Spitze hebelt eine gesamte spanische Abwehrreihe aus, Doppelschütze Karvets stellt den 2:2-Endstand mit einem flachen, strammen Schuss in die Tormitte her. Dynamo mauert sich langsam zu einer guten Nummer, die Leistungen in der Champions League im Herbst waren nicht überragend, aber Remis gegen Arsenal und Fenerbahce sowie ein Auswärtssieg in Porto waren gute Resultate. Erst die einsetztende lange Winterpause warf sie zurück auf den dritten Platz in der Gruppe. Jetzt startet auch die Spielrunde in der Ukraine wieder, und Dynamo ist frisch. In der nächsten Runde trifft man auf Metalist Kharkov – ein weiteres ukrainisches Team! Somit sehen wir auf jeden Fall eine Mannschaft aus dem osteuropäischen Land im Viertelfinale.

Soweit der Blick auf die Rückspiele im UEFA-Pokal. Die beliebten Drei-Tage-Rhytmen gehen weiter, nächste Woche DFB-Pokal, und dann geht es auch im Europacup weiter.

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