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Alles noch drin? 5. November 2009

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Nach vier Spieltagen in der Champions League sind bereits sechs Achtelfinalisten gefunden – doch keine deutsche Mannschaft ist darunter. Nach einer erneut gemischten Bilanz – von jedem Ergebnis gab es etwas – muss man sich besonders in München die Frage stellen: Ist noch alles drin? Eher nicht, denn in den nächsten Wochen ist man auf freundliche Mithilfe von Girondins Bordeaux angewiesen. Währenddessen haben es Wolfsburg und Stuttgart noch in der eigenen Hand.

Nach der Niederlage in Frankreich sollte doch eigentlich alles besser werden beim Rückspiel, zumal noch im eigenen Stadion, wo sich die Bayern doch irgendwie noch immer durchsetzen konnte. Aber im Herbst 2009 zeigt sich Girondins Bordeaux als eine zu große Hausnummer für den deutschen Rekordmeister. Wie bereits vor zwei Wochen wirkte der Meister aus dem Nachbarland reifer, spritziger und in letzter Konsequenz auch effektiver. Erneut war es eine Standardsituation, die das erste Tor für Girondins brachte. Der zweite FCB-Gegentreffer war das Produkt eines lehmannesken Ausflugs von Hans-Jörg Butt. weit in die eigene Hälfte. Nach starken Wochen zu Beginn der Saison lässt sich jetzt auch der Torwart vermehrt von den Unzulänglichkeiten der Mannschaft anstecken. Kein Spieler erreicht momentan annähernd seine Bestform. Besonders die beiden Neuzugänge auf der linken Seite, Braafheid und Pranjic konnten noch keine gehobene Klasse nachweisen und werden immer häufiger als Sündenbock von den Zuschauern ausgemacht, welche sie dann mit Pfiffen beschenken. Dazu formschwache Stürmer, die das Tor einfach nicht treffen. Oder ein Mittelfeld, das keine Impulse setzt und es somit oft auch garnicht zu Torchancen kommt.

Somit ist für Bayern die Situation nach vier Runden prekär: Dem Auftaktsieg in Haifa folgte ein Remis sowie zwei Niederlagen. Die Qualifikation für die nächste Runde ist nicht mehr aus eigener Kraft machbar. Gewinnt Juventus in drei Wochen in Bordeaux, ist die Gruppe durch. Dann hat das letzte Gruppenspiel in Italien nur noch statistischen Wert. Sowieso habe ich den Eindruck, das die Franzosen stark unterschätzt wurden. Jetzt ist Laurent Blanc mit seiner Truppe als erste Mannschaft fix für das Achtelfinale qualifiziert. Die Hoffnung für Bayern könnte sein, das sich die Girondins in keinem Spiel bisher versteckt haben und am nächsten Spieltag den Gruppensieg einfahren wollen – also Juve schlagen wollen und damit die Münchener (bei Erledigung der Pflichtaufgabe gegen Haifa) im Rennen halten.

Der VfL Wolfsburg hat nach dem souveränen 3:0-Sieg in Istanbul die Sache in der eigenen Hand – es reicht schon ein einziger Punkt beim nächsten Gastspiel in Moskau. Die Stuttgarter können es erstaunlicherweise auch noch aus eigener Kraft schaffen. In einer erschreckend schwachen Staffel sind Siege gegen Urziceni und Glasgow Rangers das Erfolgsrezept für Markus Babbel. Die Krise ist noch nicht überwinden, aber das 1:1 in Sevilla hält alles offen! Eigentlich war man dem spanischen Kontrahenten klar unterlegen, die spielten durch ein frühes Tor von Jesus Navas lange Zeit klar auf Sieg. Auch Luis Fabiano hatte gute Möglichkeiten, nutzte sie aber nicht, um das Resultat höher zu stellen. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Schwaben selbstbewusster, hatten sogar selber einige Chancen und am Ende war es Kuzmanovic, der den Ball mit Gewalt in des Gegners Tor beförderte. Also: Alles offen, denn im Parallelspiel trennten sich zwei schwache Teams aus Urziceni und Glasgow auch nur 1-1.

Wie der FC Bayern München ist auch ein anderer große Name mächtig unter Zugzwang. Es geht um den FC Liverpool. Die “Reds” kassieren eine Niederlage nach der anderen, und zumindest eine “gefühlte” Pleite war es auch gestern Abend in Lyon. Denn sie führten bereits durch Babel, ehe in der letzten Spielminute Lisandro Lopez noch den Ausgleich markierte. Somit kann auch der Triumphator von 2005 die nächste Runde nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Das Szenario ist eigentlich ganz einfach: Gewinnt der AC Florenz in drei Wochen sein Heimspiel gegen Olympique Lyon, stehen die beiden Kontrahenten des Abends als Achtelfinalisten fest. Gewinnen aber die Franzosen – Motivation: Gruppensieg vor Augen – kann Liverpool bei Siegen in Debrecen und gegen das Team aus der Toskana Anfang Dezember doch noch den Sprung schaffen. Kompliziert wird es bei einem Remis in Florenz: Dann müssten die Jungs von der Anfield Road zunächst auch in Debrecen gewinnen, und dann einen Sieg mit drei Toren Differenz gegen Florenz holen. Das sind eigentlich zu viele der Varianten, als das man in der momentanen Form des LFC noch daran glauben könnte.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die feststehenden Achtelfinalisten: Den bereits erwähnten Girondins Bordeaux und Olympique Lyon folgten Manchester United, FC Chelsea, FC Porto sowie der FC Sevilla. Das Balgen um die anderen zehn Plätze geht weiter. Hoffentlich auch mit deutscher Beteiligung!

Der VfB in der Ergebnis-Krise 21. Oktober 2009

Posted by Max in : Champions League , 2 comments

Es läuft einfach nicht in Stuttgart. Der VfB verlor gestern Abend sein Heimspiel in der Champions League gegen den FC Sevilla. In jeder anderen Gruppe könnte man sich mit zwei Punkten nach Halbzeit der Spiele voll auf das Erreichen des “Strohhalmes” Europa League konzentrieren, aber in der Stuttgarter Staffel läuft alles anders: Während die Andalusier vorneweg marschieren, sind die Chancen des Teams von Markus Babbel weiter intakt. Das Spiel gegen Sevilla verlief wie so oft: Das Mehr an Chancen reichte nicht aus, um daraus endlich einmal Profit zu schlagen. Der VfB Stuttgart bleibt in seiner (Ergebnis)-Krise hängen.

Dabei hatte das Spiel vielversprechend begonnen. In der Anfangsphase entwickelte sich ein flottes Spiel, was selbst der als Sky-Chefkritiker bekannte Marcel Reif anmerken musste. Zuvor wurde von allen Seiten die Offensivkraft des FC Sevilla gelobt, doch, offensichtlich eingeschüchtert von den bärenstarken Auftritten der Stuttgarter in den letzten Wochen, die verlegten sich zunächst ausschließlich auf eine ungewohnte Kontertaktik. Mit genauen Pässen, schnellem Umschalten und flinker Überbrückung des Mittelfeldes erarbeiteten sie sich einige brauchbare Tormöglichkeiten – doch weder Youngster Julian Schieber noch Jung-Nationalspieler Cacau noch Millionen-Neueinkauf Kuzmanovic vermochten diese zu nutzen. Und so kam das erste Gegentor in genau jene Phase, als sich die Taktik der Sevillaner allmählich zu entfalten begann: Nach einem Eckball stört Hleb den flankenden Adriano nicht entscheidend, Squillaci bekommt noch Begleitschutz durch Boulahrouz und erzielt das bis dahin unverdiente 0:1. Die restlichen Minuten bis zur Halbzeitpause verliefen ereignislos – Stuttgart zeigte zwar Moral und war weiter um konstruktive Aktionen bemüht, aber sie scheiterten immer häufiger am Defensivverbund Sevillas.

Mit dem Seitenwechsel setzte der Gäste-Coach ein Zeichen – allerdings in Richtung Defensive: Verteidiger Duscher wirkte fortan anstelle des zweiten Stürmers Luis Fabiano mit. Das klassische “norwegische” 4-5-1-System verfehlte seine Wirkung nicht. Denn der VfB Stuttgart konnte an den engagierten Auftritt der ersten Dreiviertelstunde zunächst keinen Anschluss finden. Bezeichnend, und letztendlich der nächste Akteur auf der langen Liste von Spielern mit individuellen Fehlern, das Jens Lehmann das 0:2 zu verantworten hatte. Eine abgerutschte Sevilla-Flanke klärte der Goalie ohne Not direkt in die Mitte vor die Füße von Jesus Navas – der freilich keine Mühen scheute und den Ball im leeren Tor unterbrachte. Dieser Gegentreffer versetzte Stuttgart den endgültigen Nackenschlag, die Körperspannung ging völlig flöten. 20 Minuten gab es keine Gegenwehr mehr. Logisch, das auch das dritte Gegentor in dieser Phase fiel: Zu einfach konnte Squillaci mit seinem zweiten Treffer per Kopf den Doppelpack perfekt machen. Wieder ein Gegentor nach Standardsituation, auch wenn es aus einer relativ klaren Abseitsposition erzielt wurde.. Nach 69 Minuten wechselte Babbel mit Hitzlsperger, Pogrebnyak und Elson dreifach ein. Und besonders die Hereinnahme des Brasilianers lohnte sich: Elson belebte das Spiel und konnte mit einem sehenswerten Freistoß zumindest den Anschlusstreffer erzielen. Die letzten Minuten zeigten die Stuttgarter Moral und hatten durch Schieber und Tasci zwei weitere große Chancen.

Wir können jetzt das “Was wäre wenn”-Spiel spielen: Was wäre, wenn Lehmann den Ball vor dem 0:2 wie tausendmal vorher vernünftig geklärt hätte ? – Er hatte alle Optionen, nur diese war nicht dabei. Was wäre, wenn der Schiedsrichter beim zweiten Squillaci-Treffer korrekterweise auf Abseits entschieden hätte? Was wäre, wenn ein Schieber mit Selbstvertrauen den Ball in der 89. Minute freistehend vor Sevillas Torwart einfach eingeschoben hätte? Was wäre, wenn Tasci in der Nachspielzeit nicht die Latte, sondern das Tor getroffen hätte?

Es sind zu viele Fragen, die der große Meister André Siems mit dem wahren Satz “Fußball wird nicht im Konjunktiv gespielt” entkräftet hätte. Die Leistungen gegen Schalke und Sevilla machten zumindest über weite Strecken Mut, das Publikum steht weiter hinter der Mannschaft (außer hinter Hleb, der ausgepfiffen wurde). Doch irgendwann muss der Zeitpunkt kommen, wo die vielen Chancen genutzt werden, die auch gestern wieder statistische Überlegenheit in Resultate umgesetzt wird. Zumindest die Tendenz stimmt aber – und daraus müssen die Stuttgarter jetzt neuen Mut ziehen. Das Auswärtsspiel gegen Hannover kommt jetzt zum richtigen Zeitpunkt. Ein Gegner, der selbst seit Jahren nach konstant guter Form sucht.

Kompliment auch an den FC Sevilla: Nach den zwei UEFA-Pokal-Siegen und ihrem unglücklichen CL-Achtelfinal-Ausscheiden 2008 waren sie ein Jahr von der großen europäischen Bildfläche verschwunden. Neben dem oft zitierten Offensiv-Power kann dieses Team anscheinend auch anders spielen. Abwarten, effektiv. Kontertaktik eben. Der Einzug in die nächste Runde ist so nur noch eine Formsache. Dieser FC Sevilla musste gestern nur einen Bruchteil dessen abrufen, was sie an Qualität auf dem Kasten haben.

Im Parallelspiel der Gruppe blamierte sich Glasgow Rangers mit vier absurd lächerlichen Gegentoren gegen den rumänischen Meister Unirea Urziceni. Für Stuttgart bedeutet das: Alles ist noch offen – Remis in Sevilla und Siege gegen die Rumänen und Rangers, das könnte schon für das Achtelfinale reichen.

Porto scheitert an Neuer 6. März 2008

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Es war ein spannendes Achtelfinale in der Champions League Ausgabe 2007/2008. Sieben Teams stehen jetzt bereits für das Viertelfinale fest, darunter auch erstmals seit Bayer Leverkusen ’02 ein anderer deutscher Vertreter als der FC Bayern München. Neben diesem großen Erfolg für den deutschen Fussball bleibt eine andere Serie bestehen: Der Titelverteidiger scheidet seit vier Jahren regelmäßig im Achtelfinale aus, diesmal traf es die Senioren des AC Mailand. Der Blick auf die sieben Spiele der vergangenen beiden Tage:

Ohne ernsthafte Probleme erledigte der FC Barcelona seine Pflichtheimaufgabe gegen Celtic Glasgow. Ein frühes Tor von Xavi, wie bereits im Preview angedeutet, brachte die Katalanen auf den richtigen Weg. Es folgte eine Partie im Schongang, Barcelona wollte sich nicht unnötig belasten, denn in der Liga gilt es einen größeren Rückstand auf Real Madrid aufzuholen. Und Celtic Glasgow zeigte wieder einmal, was ihnen in den vergangenen Jahren regelmäßig größere Erfolge in Europa verwehrt hat: Erschreckend harmlos, ohne eine Torchance blieb das Team von Gordon Strachan auf der Strecke. Überschattet wurde das Spiel von einer schweren Verletzung des argentinischen Jung-Stürmers Lio Messi, der unter Tränen und mit Verdacht auf eine Muskelverletzung noch vor der Halbzeitpause ausgewechselt wird. Gerade im Hinspiel hat Messi gezeigt, wie wichtig er für Barca momentan ist. Eine langfristige Verletzung würde die Spanier auch mit Blick auf das Viertelfinale hart treffen.

Ebenfalls unspektakulär löste Manchester United seine Aufgabe gegen Olympique Lyon. Konnten die Franzosen im Hinspiel dem englischen Meister noch ein 1:1 abtrotzen, blieben sie über weite Strecken im Old Trafford zu harmlos, um ManU ernsthaft zu gefährden. Alain Perrin hatte zwar mit Gouvou, Juninho, Ben Arfa und Benzema das volle Kanonenrohr aufgeboten, aber die Innenverteidigung mit Ferdinand/Vidic stand einmal mehr exzellent. Mehr als ein Pfostenschuss sprang dabei nicht heraus. So erzielte Manchester durch Cristiano Ronaldo kurz vor dem Seitenwechsel das entscheidende Tor. Es war keine Glanzleistung der “Red Devils”, aber es hat gereicht. Wie schon in der Vorsaison tat man sich gegen einen französischen Vertreter erstaunlich schwer, damals wurde der OSC Lille nach zwei lahmen 1:0-Siegen gekickt. Doch wer dieses Team kennt, weiß, dass sie erst jetzt richtig aufdrehen werden. Für Lyon endet damit eine Saison, die mit wesentlich weniger Amibitionen als in den Jahren vorher bestritten wurde, letztendlich aber doch einen ordentlichen Erfolg hervorbrachte. Nun muss die Konzentration auf der Ligue 1 liegen, wo Olympique erstmals seit Jahren mit Girondins Bordeaux wieder einen ernsthaften Konkurrenten um den Titelkampf hat. Am Sonntagabend kommt es zwischen diesen beiden Teams zum Spitzenspiel in Frankreich.

Real Madrid bleibt auch im Jahr 2008 auf europäischer Bühne nur ein Schatten seiner selbst, lediglich eine trostlose Karikatur dessen, was sie am Anfang dieses Jahrtausends zur besten Mannschaft Europas gemacht hat. Die 1:2-Niederlage ist der erste negative Höhepunkt der Ära von Bernd Schuster als Trainer der “Königlichen”. Dabei schien man das Fehlen von Ruud van Nistelrooy ganz gut abfangen zu können mit den beiden Spitzen Raul und Robinho, aber Real brachte den Ball nicht im Tor unter. Über weite Strecken zu kompliziert versuchten sie, die Roma schwindlig zu spielen. Doch die Italiener ließen sich von der vermeintlich größeren Klasse der Madrilenen nicht beeindrucken und spielten munter ihren Stiefel herunter: Dabei überzeugte der AS Rom vor allem durch seine starke Innenverteidigung um Mexes und dem ehemaligen Leverkusener Juan. Gezielt versuchten sie, Konter zu setzen und brachten Real so schon früh durch Pfostentreffer in Bedrängnis. Nach knapp 75 Minuten dann der vermeintlich entscheidende Nackenschlag für Real: Das Kopfballtor von Perrotta ließ nun keinen Zweifel mehr an der zweiten Viertelfinalteilnahme der Mannschaft von Luciano Spalletti in Folge. Zwischenzeitlich konnte Raul zwar aus klarer Abseitsposition ausgleichen, doch Vucinic beendete in der Verlängerung mit dem zweiten Tor die letzten Hoffnungen auf einen Erfolg Reals. Real bleibt nach Bayern im Vorjahr nun am AS Rom hängen, für Bernd Schuster kann nun nur ein souveränes Auftreten in der Primera Division für Entlastung sorgen.

Nach der späten, aber gerechten Niederlage verpasst der AC Mailand den Sprung in das neunte Viertelfinale der Vereinsgeschichte. Über die gesamten 180 Minuten Spielzeit war Arsenal London einfach das bessere Team, ließ sich auch von der Defensiv-Stärke der Rot-Schwarzen nicht beeindrucken. Dabei überzeugte diesmal Urgestein Paolo Maldini in seinem damit wohl letztem Europapokalspiel. Verhindern konnte er freilich das Gegentor von Francesc Fabregas in der 84. Minute nicht. Dem war ein wahrer Sturmlauf der Londoner vorausgegangen. Nur in der ersten halben Stunde konnte Milan einigermaßen mithalten, danach übernahm Arsenal das Kommando und erspielte sich wie schon vor zwei Wochen Torchancen in Hülle und Fülle. Und diesmal hat es auch geklappt. Quasi die gesamte Offensiv-Abteilung konnte überzeugen, war spielfreudig und zelebrierte den hochgelobten One-Touch-Football par excellence. In dieser Form ist Arsenal momentan für mich der heißeste Tipp für den Sieg in der Champions League. Eigentlich könnten sie momentan nur über ihre nach wie vor schwache Chancenverwertung stolpern. Die Mailänder verabschiedeten sich glanzlos aus dem Wettbewerb, wirkten bei weitem nicht so abgezockt und eiskalt wie noch vor Jahresfrist. Der Franzose Mathieu Flamini beraubte mit einem großen Kraftakt dem AC seine größte Waffe – Kaka. Dem Weltfußballer droht im kommenden Jahr vielleicht das Münchener Schicksal: Milan steht momentan in der Serie A nur auf dem fünften Rang und würde somit gegenwärtig nicht an der Champions League 2008/09 teilnehmen dürfen.

Noch höher als die Qualifikation der Schalker für die nächste Runde schätze ich den Erfolg von Fenerbahce Istanbul beim FC Sevilla auf der Überraschungs-Skala ein. Zwar war das 3:2 aus dem Hinspiel eine passable Ausgangsposition, doch Sevilla war bisher sehr heimstark und zählte für mich vorher durchaus zu den Geheimfavoriten. Doch dieses Spiel hielt seine ganz eigene Geschichte bereit, die von Fener-Keeper Volkan Demirel. Ohne Not ließ er zwei Fernschüsse nach zehn Minuten in das Tor: Zunächst faustete er sich das Ding selber rein, danach griff er gehörig daneben. Dabei waren das beides keine besonders hart geschossenen Bälle. Erstaunlich, wie Fenerbahce dieses bösen Rückschlag so früh im Spiel wegstecken konnte: Deivid erzielte nach 20 Minuten das Anschlusstor. Weiter war aber bis zu diesem Zeitpunkt der andalusische Gastgeber, auch weil Kanoute kurz vor der Halbzeitpause den dritten Treffer erzielen konnte, diesmal ohne einen Fehler von Volkan. In der zweiten Hälfte entwickelte sich ein spannendes, weiterhin offenes Spiel. Sevilla war anfällig bei Standardsituationen, sodass erneut Deivid zehn Minuten vor dem Ende den Ausgleich erzielte. Die Verlängerung brachte keinen Vorteil für ein Team hervor, sodass die Dramatik eines Elfmeterschießens gefragt war: Und so war es an Volkan Demirel, alles, was vorher geschehen war, vergessen zu machen. Drei gehaltene Strafstöße öffneten die Tür zum Viertelfinale. Fenerbahce sichert sich damit nicht unverdient viel Geld für die nächste Runde, sie zeigten eine spektakuläre Art des Fussballspiels, waren in positiver wie negativer Hinsicht für Überraschungen gut. Dabei war es nicht nur die Leidenschaft und der Kampf, sondern auch eine gepflegte Offensive, die ihnen diesen Erfolg beschehrt hat. Für Sevilla ist das Abenteuer Champions League vorerst beendet. Nach den zwei UEFA-Pokal-Titelgewinnen zuletzt zeigten sie sich stark in der Gruppenphase, aber wenig konsequent im Achtelfinale. In der nächsten Saison führt der Weg wohl erstmal wieder in den UEFA-Cup, wenn überhaupt. Momentan liegen sie mit sechs Punkten Rückstand auf den Europapokalplatz nur im Tabellenmittelfeld.

Schlaff, ideenlos, gelangweilt – so präsentierte sich der FC Chelsea im Hinspiel vor zwei Wochen in der griechischen Hafenstadt Piräus. Vierzehn Tage später eine Leistung wie ausgewechselt: Forsch, dynamisch, offensiv. Ohne Probleme und mit einem bärenstarken Mittelfeld-Duo Lampard/Ballack zieht das Team von der Themse in das Viertelfinale ein. Bereits nach fünf Minuten brachten eine tolle Hereingabe von Lampard und ein wuchtiger Kopfball des deutschen Nationalmannschaftskapitäns die Führung. Und auch den Beweis, dass die Frage durchaus nicht Ballack oder Lampard heißen muss. Frank Lampard legte nach 25 Minuten das 2:0 nach, Kalou machte mit dem 3:0 nach dem Seitenwechsel alles perfekt. Trainer Avram Grant hatte seine “Blues” exzellent eingestellt: Von der ersten Minute an machten sie genau das, was Olympiakos nicht mag: Die Räume eng, den Ball mit sicheren Passstafetten hin und her spielen und mit entscheidenden “Nadelstichen” die Tore erzielen. Das war ein Spiel mit Stil einer europäischen Spitzenmannschaft. Nun darf man aber ob des Sieges nicht zu überschwänglich werden: Olympiakos war ungefährlich wie nie zuvor in dieser Saison.

Mirko Slomka bleibt vorerst Trainer von Schalke 04. Mit dem Erreichen des Viertelfinales sollte sich nun eigentlich erst einmal der Sturm der Schelte am Übungsleiter legen. Wenn Slomka so weiter macht, ist er selbst bald ein Trainer mit “internationalem Standing”, wie der hyperventilierende Vereinspräsident Josef Schnusenberg respektlos gefordert hatte. So groß die Freude nach dem diesem Erfolg auch ist, wenn man das Spiel in Porto nüchtern analysiert, hat sich bei weitem nicht alles mit einem Schlag zum guten gewendet. Vielmehr war die Leistung der königsblauen Mannschaft eine Offenbarung der Schwäche vom FC Porto. Jede andere Mannschaft im Achtelfinale hätte Schalke gnadenlos auseinander genommen. Doch natürlich gehört auch das Glück dazu, dass ihnen ausgerechnet der schwächste Gegner zugelost wurde. Nur in den ersten zehn Minuten machte Schalke das, was Trainer Slomka vorher gefordert hatte: Porto vom eigenen Tor fernhalten und gezielte “Nadelstiche” in Form von Kontern setzen. Dafür verzichtete er sogar auf seinen Lieblings-Wühler Asamoah und brachte Halil Altintop als schnellen zweiten Stürmer neben Kuranyi. Aber spätestens mit der ersten 100%-igen Torchance durch Tarik Sektioui nach 15 Spielminuten war klar, dass Porto hier den Ton angibt. In der Folge verlief das Spiel auf ein Tor, und Schalke durfte sich bedanken, dass Porto ebenso träge und unbeholfen stürmte wie die Gelsenkirchener selbst. Zwei weitere Torchancen bis zur 120. Spielminute vereitelte Manuel Neuer mit sensationellen Reflexen, und scheint seine Formkrise aus der Hinrunde nun endgültig abgelegt zu haben. Er war der Garant für den späteren Erfolg. Erst recht im Elfmeterschießen, wo er zwei Elfmeter glänzend pariert hat. Der Spieler des Spiels, Weltklasseleistung und eine glatte 1 mit einer Unmenge an Sternchen hat sich der Jung-Torwart verdient. Ich muss zugeben, dass ich in der Sympathie-Frage der jungen Torhüter eher zu René Adler tendiere, weil mich die provokant-lässige Art von Manuel Neuer zu sehr an Jens Lehmann erinnert. Aber das, was er in Porto abgeliefert hat, war wirklich unglaublich. Über Sinn und Unsinn einer Schalker Qualifikation für das Viertelfinale zu philosophieren, ist eigentlich zwecklos. Aus der Sicht eines deutschen Fussball-Fans kann das nur ein großer Erfolg sein, wenn sich einmal ein anderer Verein aus der Bundesrepublik außer dem FC Bayern München von seiner besseren Seite zeigt. Sportlich waren die Duelle zwischen Porto und S04 sicher die schwächsten in dieser Runde, was Schalke im Hinspiel gezeigt hat, machte Porto im Rückspiel: Spiel auf ein Tor mit zu vielen Fehlern im Spielaufbau. Nehmen wir es einmal so: Keiner von beiden hat sich das Viertelfinale wirklich verdient erarbeitet, das Team mit etwas mehr Glück und dem besseren Torwart hat gesiegt.

Jetzt bleibt noch die Frage, wer das achte Team in der nächsten Runde sein wird. Kommenden Dienstag treffen Inter Mailand und FC Liverpool aufeinander. Darüber berichten wir dann im gegebenen Rahmen. Für die Auslosung nächsten Freitag wünsche ich mir als Schalker Gegner entweder Fenerbahce Istanbul oder Manchester United. Abschließend möchte ich nochmal auf das Live-Blogging vom Bundesligaduell im UEFA-Pokal zwischen Bayer Leverkusen und Hamburger SV, heute ab 21.00 Uhr auf “Abenteuer Fussball” hinweisen.

Slomka Fighting 4. März 2008

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Nachdem uns am Wochenende Emma einen Besuch abgestattet hat, legt sich zumindest der meteorologische Sturm auf den europäischen Fussball-Plätze. Aus rein sportlicher Sicht hingegen stellen die Spiele heute und am Mittwoch einen entscheidenden Punkt im Saisonverlauf der Vereine dar. Aus der Erfahrung ist ab dem Viertelfinale der Wettbewerb noch viel weniger von möglichen Klassenunterschieden beeinflusst. Ohne dabei eine dumme Faustregel aus dem Boden zu stampfen, aber wer sich für das Viertelfinale in der Champions League qualifiziert, hat auch realistische Chancen, den Titel am Ende der Saison zu gewinnen. Und mittendrin der FC Schalke 04, die pünktlich zum vorläufig größten Augenblick der Vereinsgeschichte den aus der Vergangenheit bekannten Selbstzerfleischungsprozess wieder in Gang gesetzt haben. Aufgrund einer UEFA-Regel, dass nicht zwei Spiele im selben Stadion an zwei Tagen hintereinander durchgeführt werden dürfen, findet das Rückspiel zwischen Inter Mailand und dem FC Liverpool erst nächste Woche Dienstag statt. Damit gibt es also heute nur den Blick auf sieben Spiele.

AC Mailand – Arsenal London (Di., Schiri: Plautz/AUT, Hin: 0:0)

Im Hinspiel verpassten die “Gunners” aus London, trotz zahlreicher Torchancen sich eine komfortable Ausgangsposition für dieses Spiel zu verschaffen. Stattdessen bringt das torlose Remis das Problem, dass Arsenal jetzt mindestens ein Auswärtstor erzielen muss, um die nächste Runde zu erreichen. Doch gerade am vergangenen Wochenende zeigte sich wieder, dass die Effektivität momentan der größte Schwachpunkt im Team von Arsenè Wenger ist: Gegen Aston Villa stürmte Arsenal quasi 45 Minuten lang auf ein Tor, doch den Ausgleich erzielte Nicklas Bendtner erst zwanzig Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit. Und gegen ein Team von der defensiven Klasse des AC Mailand wird man nicht so viele Torchancen bekommen wie gegen die Mannschaft aus Birmingham. Auf jeden Fall entgegen kommen dürfte Arsenal aber, dass beim AC Mailand momentan eine Diskussion um die Veränderung des überalterten Kaders angelaufen ist. Trainer Carlo Ancelotti spricht von “Notstand”, am Samstag gab es ein dürftiges 1:1 zu Hause gegen Lazio Rom, nicht das erste schwache Spiel der Rot-Schwarzen vor dem eigenen Publikum. Im Tor scheint der Australier Kalac jetzt endgültig Dida abgelöst haben, der Brasilianer verspielte nicht zuletzt mit seiner dämlichen Einlage in Glasgow den letzten Kredit auf der großen Fussball-Bühne. Es wird auf jeden Fall ein interessantes Spiel, aber wohl auch wieder ein sehr defensives, abwartendes. Ich wäre auf jeden Fall nicht verwundert, wenn die Begegnung erst in der Verlängerung entschieden wird.

FC Sevilla – Fenerbahce (Di., Schiri: Busacca/SUI, Hin: 2:3)

Fünf Tore und ein Spiel mit viel Tempo sahen die Zuschauer vor zwei Wochen am Bosporus. Diese wiederum quittierten es mit einer fantastischen, emotionalen Stimmung auf den Rängen. Gleiches erwarte ich heute auch vom Publikum in Andalusien, gerade bei dem Duell mit Schalke 04 vor zwei Jahren und im Endspurt des UEFA-Pokals der Vorsaison wurde das wieder deutlich. Die Spanier konnten die großen Ambitionen, mit denen sie aus der Vorrunde gestartet waren, zunächst nicht bestätigen. Drei Gegentore in der Türkei sind eigentlich zu viel gewesen. Doch mit zwei selbst erzielten Treffern wurde der Schaden zumindest noch in Grenzen gehalten, ein 1:0 würde Sevilla nun eigentlich schon reichen. Die Form scheint aber momentan nicht die Beste: Am Wochenende setzte es eine 1:2 Niederlage beim Abstiegskandidaten aus La Coruna. Doch auch Fener konnte nicht überzeugen bei ihrer Generalprobe, 0:0 bei Ankaragücü. Zu verlieren haben die Türken aber nichts, in diesem Duell galt und gilt Sevilla eigentlich als Favorit. Somit erwarte ich wiederum ein offenes Spiel mit vielen Torchancen.

FC Barcelona – Celtic Glasgow (Di., Schiri: Vink/NED, Hin: 3:2)

So gut die tapferen Schotten im Hinspiel mitgespielt haben, so enttäuschend war im Endeffekt das Ergebnis. Das 3:2 macht die Sache eigentlich zu einem Selbstläufer für Barca, denn auswärts hat Celtic in den letzten 300 Jahren nichts mehr gerissen im Europapokal. Mir fällt auch wirklich kein Grund ein, warum dieses Spiel unbedingt zu großer Spannung geredet werden sollte. Die Luft ist eindeutig raus, Barca wird vielleicht versuchen, Celtic mit einem frühen Tor das letzte laue Lüftchen aus den Segeln zu nehmen.

ManU – Olympique Lyon (Di., Schiri: Rosetti/ITA, Hin: 1:1)

Im Gegensatz zum Spiel in Katalonien ist die Begegnung im Old Trafford eine spannende Sache. Das Spiel vor zwei Wochen offenbarte eine Lyoner Mannschaft, die durchaus gewillt ist, nach der durchwachsenen Vorrunde jetzt den Kampf aufzunehmen. Ärgerlich und schmerzlich ist freilich das späte Gegentor Carlos Tevez, so verdient es auch war. Manchester United kommt mit einem flotten 3:0-Sieg in London beim FC Fulham daher, ist jetzt wieder bis auf einen Zähler an Tabellenführer Arsenal dran. Im Gegensatz zum Konkurrenten aus der Hauptstadt rollt die ManU-Offensive selbst bei Fehlen von Rooney und/oder Ronaldo, einer trifft eigentlich immer das Tor, wie jetzt Owen Hargreaves per Freistoß oder Reserve-Spieler Ji-Soon Park. Auch Lyon konnte sein letztes Spiel vor der schweren Aufgabe in Manchester erfolgreich gestalten: Vor neuer französischer Rekordkulisse gewann Olympique 1:0 in Lille. Gegen ManU wird man sich aber sicher erst einmal auf defensive Aufgaben beschränken, aber natürlich muss irgendwann auch ein Tor fallen, denn ein torloses Unentschieden reicht wegen der bekannten Auswärtstor-Regel natürlich nicht aus. Somit ist es ein Spiel wie gemalt für ManU, gegen einen Kontrahenten, der selber zum Erzielen eines Treffers verdammt ist.

Real Madrid – AS Rom (Mi., Schiri: Vassaras/GRE, Hin: 1:2)

Der AS Rom zeigte sich nun schon zum zweiten Mal als Favoritenschreck. Im Vorjahr traf es Olympique Lyon, diesmal Real Madrid? Dazu braucht es aber eine konzentrierte Leistung in Spanien, denn Real konnte sich durch zumindest einen Treffer im Hinspiel eine ordentliche Ausgangsposition erarbeiten. Am Wochenende haben beide Sturmreihen noch einmal die Muskeln spielen lassen, wenn auch nur bei Abstiegskandidaten. Real schaffte einen 3:2-Erfolg bei Recreativo Huelva durch einen 15-Minuten-Doppelschlag von Robinho sowie einen Treffer von Robinho. Die Roma triumphierte 4:0 gegen den AC Parma. Das wohl größte Pfund für die Madrilenen sollte ihre Heimstärke sein, die sie in dieser Europapokal-Saison bereits mehrfach unter Beweis gestellt haben. Vor dem Opern-Publikum trumpfen die “Königlichen” regelmäßig zu starken Sturmleistungen auf. Gegen die Roma wäre ein frühes Tor das probate Mittel, um die frechen Italiener in den Griff zu bekommen. Aber aufgepasst: Francesco Totti spielt momentan in großer Form auf! Viel wird davon abhängen, wie der AS Rom die ersten 20, 30 Minuten im Bernabeu übersteht, geschieht das schadlos, ist die Überraschung durchaus im Bereich des Möglichen.

Chelsea – Olympiakos Piräus (Mi., Schiri: Gonzalez/ESP, Hin: 0:0)

Das 0:0 im Hinspiel war sehr mager, ein lustloser Vortrag der “Blues” gegen mittellose Griechen. Wohl wieder mit dem in starker Form aufspielenden Michael Ballack sehe ich ein typisches Chelsea-Match kommen. Viel defensive Aktion, einige Torchancen, bis irgendwann das 1:0 fällt und anschließend abgesichert wird. Beim 4:0 im Derby gegen West Ham hat sich das Team von Avram Grant schin einmal warm geschossen, spielte dabei sogar 55 Minuten in Unterzahl, weil Frank Lampard schon früh nach einer Tätlichkeit vom Platz gestellt wurde. Für Olympiakos wird das Abenteuer Champions League wohl am Mittwoch, gegen 21.40 Uhr Ortszeit London sein vorläufiges Ende nehmen. Gerade das 1:1 gegen Asteras Tripolis zeigte wieder einmal die Ungefährlichkeit des Sturmes der Griechen. Nur Kampf und hoher Einsatz alleine reicht eben nicht aus.

FC Porto – Schalke 04 (Mi., Schiri: Webb/ENG, Hin: 0:1)

Das Spiel in Porto wird eines der wichtigsten Spiele in der Saison für die königsblauen Schalker. Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge in der Bundesliga und der aufkommenden Trainer-Diskussion, die sich anscheinend schon extrem zugespitzt hat, würde das Ausscheiden in der Champions League vielleicht sogar das Ende der Ära Slomka in Gelsenkirchen bedeuten. Am Samstag im Spitzenspiel gegen Bayern war S04 nicht mehr als eine billige Vorspeise für den Tabellenführer. Die Harmlosigkeit wurde wieder einmal unterstrichen, die offensiven Spieler verdienten sich im kicker die Noten 5 (Rakitic, Sanchez); 5,5 (Kuranyi) und 6 (Grossmüller, Asamoah). Anschließend holte Kapitän Marcelo Bordon zum Rundumschlag aus. Rückendeckung für den Trainer sieht anders aus: “Das bringt nichts, nur zu sagen: Der Trainer ist gut, der Trainer soll bleiben.”. Bordon hinterfragt die Einstellung der Mannschaft, kritisiert die Kollegen Jones, Ernst und Rafinha, die sich unsinnige Gelb- bzw. Gelb-Rot-Sperren eingehandelt haben. Mehrfach wird auch deutlich, dass anscheinend momentan nur wenige Spieler auf Schalke 100 % geben. Die Trainerdiskussion ist natürlich unnötig, aber wieder einmal ein besonderes Schmankerl, was wäre Schalke nur ohne all diese sinnlosen selbst in Umlauf gebrachten Spekulationen? Besonders überzeugend klang das auf keinen Fall, was Manager Müller am Samstag in der Sportschau zur Jobsicherheit für Slomka von sich gegeben hat. Und auch Heiko Westermann reagierte eher trotzig auf die Trainerfrage: “Bin ich Hellseher?” Auch wenn es aus meiner Sicht ein völlig falscher Schritt ist, Slomka nach einem möglichen Ende in der Champions League vor die Tür zu setzen, ausgeschlossen ist das nicht, vielmehr sogar recht wahrscheinlich. Dann sollten sich aber auch die Verantwortlichen fragen, ob sie nicht eher das Ausscheiden auf dem Gewissen haben. Einen ungünstigeren Zeitpunkt für die Trainer-Kritik hätte man sich nicht aussuchen können. Gegen Porto muss also alles besser werden. Vielleicht hilft dabei ja wenigstens, dass Porto in Hinspiel und am Wochenende im Stadt-Duell mit Boavista kein Tor geschossen hat und damit ähnlich ungefährlich ist wie die Schalker selbst. Man erwarte vom Spiel im “Drachenstadion” keinen Augenschmaus, eher eine umkämpfte, ruppige Partie mit wenigen spielerischen Highlights.

Trotz aller Skepsis drücke ich Schalke natürlich die Daumen, denn ein deutscher Verein im Viertelfinale wäre schon eine tolle Sache. Die Analyse dazu und zu allen anderen Spielen gibt es am Donnerstag. Morgen blicken wir dann auf das Achtelfinale im UEFA-Pokal.

CL-Analyse: Schalke legt vor 21. Februar 2008

Posted by Max in : Champions League , add a comment

[ Hier gibt es die Analyse der Achtelfinale-Hinspiele der Champions League. Zur Vorschau auf den UEFA-Pokal hier entlang... ]

Ein ganz wichtiger Sieg für den Verein, aber eigentlich für den gesamten deutschen Fussball gelang dem FC Schalke am Dienstag in der eigenen Arena gegen den FC Porto. Mit dem 1:0-Erfolg legten die Königsblauen den Grundstein auf dem Weg in die nächste Runde. Eng ist es trotzdem noch, wie bei fast allen anderen Spielen bei diesem Spieltage der Runde der besten 16 Vereine Europas.

Die wenigsten Probleme sollte eigentlich der FC Barcelona mitnehmen. Erstaunlich torreich gestaltete sich deren Gastspiel bei Celtic in Glasgow, und die Katalanen mussten sich doch heftig bemühen, die tapferen Schotten nicht unnötig stark für das Rückspiel zu machen. Durch Tore von Vennegoor of Hesselink und Robson führten die Hausherren sogar zur Halbzeit mit 2:1, zwischendurch hatte der überragende Lionel Messi den Ausgleich für Barca besorgt. Doch mit nur fünf Torschüssen im gesamten Spiel war nach dem Seitenwechsel keine Steigerung mehr möglich, stattdessen wackelte die sonst so sattelfeste Celtic-Defensive. Dazu spielte Barca in die Karten, das sie gestern mal wieder einen richtig guten Abend aus der Wundertüte gezaubert hatten und sich Torchancen in Hülle und Fülle erspielen konnten. Das laufintensive Spiel von Celtic begeisterte zwar die frenetischen Fans, reicht aber in der europäischen Spitze nicht aus. Durch ein weiteres Tor von Messi und einem Treffer von Henry drehten die Gäste das Spiel zu ihren Gunsten. Damit ist die Ausgangsposition für das Rückspiel in zwölf Tagen exzellent: Drei Auswärtstore im Rücken und den Sieg dazu. Für die Schotten müssten alle unwahrscheinlichen Fälle zusammenkommen: Ein Sieg in Camp Nou, entweder mit zwei Toren Differenz, oder im Falle von vier Toren Celtics auch ein schlichter Sieg. Wie soll das gehen?

Der Finalist der letzten Saison, FC Liverpool, hat ungleich bessere Vorraussetzungen für das Rückspiel, welches aus reglementtechnischen Gründen erst am 11. März gespielt wird. Zwei sehr späte Treffer druch Kuijt und Gerrard gegen Inter Mailand brachte die “Reds” auf die richtige Bahn. Bedanken kann sich der Großteil der 41.999 Zuschauer aber beim belgischen Referee Frank De Bleeckere, der Marco Materazzi nach zwei 08/15-Fouls vom Platz stellte und Inter eine Stunde lang mit nur zehn Akteuren auskommen musste. Klar, das so kein großer Angriffswirbel möglich war, wie ihn ein Ibrahimovic in Topform durchaus hätte versprechen können. So war es der erhoffte Befreiungsschlag für den FC Liverpool und Trainer Rafael Benitez nach der peinlichen Pleite gegen Barnsley am Wochenende. Inter Mailand konnte wieder einmal die großen Erwartungen nicht erfüllen, das erneute Ausscheiden droht. Im Rückspiel bedarf es einer Leistungssteigerung, vor allem was die Torgefährlichkeit angeht.

Ohne Esprit und den nötigen Schwung kam der europäische Finanzkrösus FC Chelsea nicht über ein 0:0 bei Olympiakos Piräus hinaus. Einzig die Zuschauer im Stadion in der Athener Hafenstadt hatten Königsklasse-Niveau, was man von Spiel und Rasen nicht behaupten kann. Vor dem Spiel gab es in Griechenland heftige Schneefälle, die das Grün zu einem harten, hoppligen Geläuf machten. Das Feld musste sogar mit Schaufeln vom Schnee befreit werden. Diesen Bedingungen passten sich auch dei beiden Mannschaften an. Olympiakos kam über einige wenige gefällige Aktionen bis zur Strafraumgrenze nicht hinaus, Chelsea drückte erst in der Endphase nach der Doppeleinwechslung von Nicolas Anelka und Salomon Kalou zaghaft auf den Treffer. Erwähnenswert ist, dass Avram Grant im Mittelfeld Michael Ballack den Vorzug gab, Lampard wurde erst nach 86 Minuten für den deutschen Nationalspieler eingewechselt. Doch auch Ballack überzeugte an diesem Abend nicht. Für das Rückspiel hat Chelsea mit ihrer Heimstärke den größten Kredit. Ich weiß nicht, wie lange die “Blues”, die am Dienstag in lumenszierenden Gelb spielten an der Stamford Brigde nicht mehr verloren haben. Es wird wohl auch in zwei Wochen ein zähes Spiel, ein typisches Chelsea-Spiel mit einem Tor und lässiger Verwaltung der Führung.

Ohne Tore mussten auch die Fans des anderen Vertreters aus London auskommen. Im Spitzenspiel des Spieltages trennten sich der FC Arsenal und Titelverteidiger AC Mailand torlos. Im Vorfeld war viel über die harte 0:4-Abfuhr Arsenals im FA-Cup bei Manchester United gesprochen worden, doch mit der Rückkehr einiger Stammspieler in die Startformation besserte sich auch das Spiel der “Gunners”. Zwar war das Tempo der Begegnung durchaus ansprechend, aber die Neutralisierung im Mittelfeld versperrte diesem Aufeinandertreffen den Weg zu den Toren. Der AC Mailand war anscheinend auf gar nichts anderes aus, als ein 0:0 aus dem Emirates Stadium zu entführen, welches dann im eigenen Stadion verwaltet und gezuckert zu einem spröden 1:0-Sieg verarbeitet wird. Wenigstens gab sich Arsenal in einigen Situationen nicht die Blöße, den azurblauben Verweigerungsfussball mitzuspielen. Aber zahlreiche Torchancen reichten nicht, was Blogger-Kollege Felix in den Wahnsinn trieb, und auch mit Blick auf die Mailänder Heimstärke fatal ist. Ich habe die schlimmsten Befürchtungen, was die Entscheidung in diesem offenen Duell angeht. Die Spieler des AC Mailand sind zu abgezockt, um diese Vorlage nicht umzusetzen. Positiv ist die Teilnahme von Jens Lehmann am Spiel zu erwähnen, der mit einigen Paraden seinen Job tadellos erledigte, genauso wie auf der anderen Seite Kalac, der Dida vertrat, dessen Zeit in Mailand langsam abzulaufen scheint.

Entweder Bernd Schuster hat vor dem Spiel nicht auf “Abenteuer Fussball” vorbeigeschaut, oder es gelingt ihm nach einem halben Jahr als Trainer in Real Madrid nicht, den “Königlichen” die Arroganz auszutreiben. Chronische Selbstüberschätzung und eine heftige Fehlinterpretation der Heimstärke des AS Rom brachten der Roma überraschend einen 2:1-Sieg gegen die Madrilenen. Nach der frühen Führung durch Raul drehten die Hausherren, begleitet von 60.000 Besuchern im Olympiastadion das Spiel durch Treffer von Pizarro und Mancini. Damit erarbeiten sich die Italiener wie bereits vor einem Jahr eine exzellente Position für das Rückspiel, seinerzeit wurde Olympique Lyon 2:0 besiegt. Die Leistungen der spanischen Konkurrenten Real Madrid und FC Barcelona scheinen sich in Primera Division und Champions League genau gegensätzlich zu entwickeln, was angesichts des hohen Stellenwerts der Königsklasse natürlich den Druck auf Bernd Schuster für das Rückspiel erhöht. Der deutsche Coach ist zwar momentan unangefochten, jedoch würde ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Wettbewerb ihn auf die gleiche Erfolgsstufe stellen wie den ungeliebten Vorgänger Fabio Capello. Unangebracht fand ich die Schiedsrichter-Schelte des “Blonden Engels”. Nicht verdient habe es Herbert Fandel, ein Landsmann des Schusters zu sein. Dabei ist das doch überhaupt nicht der Fall: Während Schuster Schwabe im Exil ist, war im Fandelschen Haus in der Pfalz einer von nur 993 Einwohnern Kyllburgs ausgeflogen.

Ohne Schiedsrichterschelte kamen gestern Olympique Lyon und Manchester United aus. Unter der hervorrangenden Leitung des spanischen Unparteiischen Luis Medina Cantalejo trennten sich die beiden Teams im französisch-englischen Vergleich schiedlich friedlich 1:1. Sowohl Lyon als auch ManU boten nur eine Sturmspitze auf, weshalb die anfängliche Vorsicht nicht verwunderte. Am ehesten lösten sich noch die Hausherren von den Vorgaben, kamen hin und wieder zu einer Torchance. Über weite Strecken spielte sich das Geschehen im Mittelfeld ab, jedoch mit hohem Tempo. Nur Mitte der ersten Halbzeit schleppte sich die Sache etwas. Zuvor ging Olympique verdient aufgrund höherer Spielanteile durch Karim Benzema in Führung, der insgesamt für viel Unruhe in Manchesters Abwehrreihen sorgte und das Duo Ferdinand/Vidic mächtig beschäftigte. Nach diesem Rückstand dauerte es einige Zeit, aber ManU kontrollierte die Begegnung fortan. Jedoch gelant erst drei Minuten vor dem Ende der Ausgleichstreffer durch den zuvor eingewechselten Carlos Tevez. In der Summe eine gerechte Punkteteilung bei einem offenen Schlagabtausch, der beiden Teams alle Optionen für das Rückspiel offen lässt. Dabei sollte Manchester wegen der erst am letzten Wochenende präsentierten Heimstärke die etwas besseren Karten haben.

Die angenehmste Überraschung des Spieltages war für mich das forsche 3:2 von Fenerbahce Istanbul gegen den FC Sevilla. Damit wiesen die Türken einmal mehr ihre gute Form nach, die sie schon seit einem Vierteljahr unbesiegt lässt. Angetrieben von einem fantastischen Publikum brauchte es aber drei Führungstreffer und jede Menge stabiler Nervendrähte, ehe der Erfolg feststand. Die Führung nach 17 Minuten durch Mateja Kezman egaliserte Istanbuls “Goalgetter” Edu Dracena mit seinem zweiten Eigentor im laufenden Wettbewerb. Im zweiten Durchgang legte das Spiel noch einmal an Intensität zu, Fener kämpfte bis zum Umfallen und verdient sich ein Bonusheft mit Fleißkärtchen. Lugano (57.) und Semih (87.) ließen den Ausgleich durch Escudé nach 66 Minuten vergessen und den Bosporus zum Tollhaus werden. Gespannt bin ich jetzt auch auf das Rückspiel. Sevillas Publikum ist ähnlich leidenschaftlich wie die türkischen Anhänger, zudem bringen zwei Auswärtstore eine gute Ausgangslage. Ein gefährliches Resultat für den türkischen Meister: Einerseits gewonnen, andererseits ist es auch verdammt eng. Fenerbahce braucht eine konzentrierte Leistung, um in Andalusien zu bestehen.

Damit abschließend zum erfreulichsten Resultat der Hinspiele aus deutscher Sicht: Schalkes 1:0-Erfolg über den FC Porto. Zuvor gab es eine schwache Leistung bei der 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg, während Porto in Portugal die Liga dominiert und am Freitag auch ohne Probleme auf Madeira 3:0 gegen Maritimo gewinnen konnte. Aber der Europapokal ist ein anderes Geschäft – Porto wirkte ängstlich, zurückhaltend, nervös. Aus diesem Blickwinkel ist es wirklich schade, dass sich Schalke nicht mit dem ein oder anderen Tor mehr eine bessere Position für das Wiedersehen im Drachenstadion am 5. März geschaffen hat. Stürmisch begann das Team von Mirko Slomka, bereits nach vier Minuten klingelte es im portugiesischen Tor. Auch in den folgenden zwanzig Minuten bestimmte Schalke das Spiel, anschließend aber wurde der FC Porto unnötig aufgebaut. Viele Fehlpässe und katastrophale Ballverluste im Mittelfeld, hektisch gespielte Angriffe brachten Unruhe in das Spiel. So baute das Niveau immer weiter ab, im zweiten Durchgang passierte fast nichts mehr. Immerhin muss die Schalker Defensivarbeit gelobt werden, die wirklich gut funktioniert hat und Porto somit erstmals in dieser Saison ohne eigenes Tor im Europapokal blieb. Traurig aber war die Vorstellung der Angreifer, nur Kevin Kuranyi und Ivan Rakitic konnten im ersten Durchgang etwas wirbeln, auch ihre Arbeit verpuffte nach dem Seitentausch. Nicht ganz nachvollziehen kann ich die positive Bewertung im kicker. So erhält etwa ein Gerald Asamoah auf Schalker Seite die Note 4, obwohl er nicht eine vernünftige Aktion eingeleitet hat. Auch bei Porto muss ich ein wenig den Kopf schütteln: Quaresma Note 3? Außer zehn Freistößen, die in einer furchteinflößenden Ein-Mann-Mauer hängen geblieben sind, und einigen Außenristpässen zum Gegner kam doch nicht besonders viel. Insgesamt muss konstatiert werden, dass für Schalke viel mehr drin war, als dieses 1:0. Wunschergebnisse erreichen ist zwar schön, aber man könnte auch mal darüber hinaus gehen.

Acht spannende Spiele stehen auch in zwei bzw. drei Wochen auf dem Programm, denn kein Team konnte sich einen extrem komfortablen Vorsprung erarbeiten. Für alle 16 Mannschaften ist bei den Rückspielen noch alles möglich. Auch dann meldet sich “Abenteuer Fussball” wieder mit ausführlicher Berichterstattung.