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Ein viertel Achtelfinale 18. Februar 2010

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Vor der Saison hatte ich noch ein wenig gestutzt, warum für das Achtelfinale der Königsklasse auf einmal acht Termine im Spielplan standen, wobei die Logik ja eigentlich bestechend ist ein solches in Achtelhäppchen zu präsentieren. Vielleicht findet sich die Zahl Acht im Verlauf der Runde ja noch häufiger wieder.

Dafür gab es aber auch einige mitreißende Spiele. Den Auftakt in dieser Serie machte der französische Ex-Serienmeister aus Lyon gegen die das Millionenballet aus Madrid. Im Vorhinein wurden den Franzosen auch an gedenk ihrer aktuellen schwächelnden Tabellensituation kaum große Chancen eingeräumt. Dich diese wollten sie sichtbar nutzen. Drängten von der ersten Minute an auf das Tor der Madrilenen und erspielten sich gegen den überfordert wirkenden Gegner Chance um Chance. Das Leder wollte nur nicht ins Tor. Vor allem Delgado scheiterte das ein oder andere Mal.  Eine Offensive seitens der Gäste fand nicht statt, dazu waren sie viel zu sehr und mehr schlecht als recht in ihrer Deckung beschäftigt. Doch ein Tor gelang den Franzosen erst nach der Pause, als Makoun sich den Ball eroberte einige Schritte außerhalb des Sicherheitsabstandes jeglichen Gegners voranschreiten konnte, bevor er den Ball aus über 20 Metern über den zu weit vor dem Tor stehenden Casillas hinweghob. Erst als ihnen gegen Ende der laufintensiven Partie etwas die Luft ausging kam Real, auch wenn zwingend Aktionen anders aussehen. Im Verlauf des Spiels konnte man sich schon fragen, wo die vielen Millionen aus dem Sommer geblieben sind. Vorgestern standen sie zu den fast bescheidenen knapp 70 Millionen, die Lyon im Sommer in die Hand nahm, in keinem Verhältnis, so dass wieder einmal das frühe Aus droht. Im Nachhinein kann man Lyon nur einen Vorwurf machen. Sie haben bei dem verdienten Sieg und ihrem Dominanten auftreten es einfach verpasst, den Sack schon für das Rückspiel zu zu machen.

Ein ähnliches “Missgeschick” unterlief im Parallelspiel dem AC Milan gegen Manchester. Die alten italienischen Kempen, hatten es einfach verpasst, nach dem frühen Führungstor nachzulegen. Die Chancen dazu waren vorhanden, gleich mehrfach. Aber vielleicht wehrte sich hier der italienische Geist zu sehr in Führung zu gehen. die Briten, die zunächst nicht richtig ins Spiel fanden, bedankten sich spätestens nach einer halben Stunde für die Geduld, die man mit ihnen hatte und drehten das Spiel dann Mitte der zweiten Hälfte vollständig. Held des Abends war dabei Rooney, der mit seinem Doppelpack den sieg sicherte. Zweimal setzte er sich wunderbar gegen die nicht schaltende Milanabwehrreihe durch und ließ Dida völlig frei keine Abwehrchance. Die Rossonnieri konnten danach zwar noch einmal an ihren Sturmlauf anknüpfen, doch mehr als eine minimale Chance für das Rückspiel konnten sie sich nicht erhalten. Dazu fehlte ihnen einfach in vorderster Front die Genauigkeit. Sollten sie diese nicht bald wiederfinden, dürfte es schwer werden mit mindestens zwei Treffern im Rückspiel. Zumal Manchester dann auch sein Publikum im Rücken haben wird.

Denn hatten im gestrigen Hinspiel auch die Münchener gegen ehemaligen Verein des ehemaligen Münchners Toni. Den Respekt vor dem Gegner und seiner Form merkte man den Fiorentinern dabei durchaus an. Tief stehend behinderten sie das bekannte druckvolle Spiel der Münchener, die so zwar in Ballbesitz blieben, aber nicht in die Verlegenheit von Torchancen kamen. Auch Zange von Ribery und Robben sendete erst kurz vor der Pause erste Lebenszeichen. Der Führungstreffer kam mit einem etwas überflüssigen Elfmeter, da der Ball auch mit einem Vorteil schon im Netz gewesen war, vor der Pause gerade noch rechtzeitig. Die zweite Halbzeit setzte Van Gaal dann notgedrungen mit einem weiteren Jugendexperiment fort, da sich Van Buyten verletzt hatte und für Contento Platz machte. Auch wenn oder gerade da die erste Szene den Lilanen und ihrem Ausgleichstreffer gehörte, fanden sich die Münchenern nun besser. Endlich verstanden sie es Druck zu machen auf die Abwehrreihe der Italiener. Letztendlich brauchte es trotz einiger Chancen aber einer berechtigten Roten Karte für einen Ellenbogenschlag und der Scheuklappen des hart am Ruf eines Skandalschiedsrichters arbeitenden Övrebrö um noch den Siegtreffer zu erzielen. Klose stand dabei locker ein bis zwei Meter im Abseits, durfte sich aber trotzdem freuen. Während sich Prandelli nun dank des einen Tores über eine machbare Ausgangssituation freuen kann, dürften sich die die Münchener über ihre vielen vergebenen Chancen und das unnötige Gegentor ärgern. Auch wenn es am Ende ein glücklicher Sieg, powered by Övrebrö, war.

Mit weitaus weniger Unterstützung mussten die Kanoniere von Arsenal in Porto leben. Vielmehr machten sie sich mit duseligen Gegentoren selbst das Leben schwer. Zwar plagten das junge Team einige Verletzungssorgen, doch diese rechtfertigen sicher nicht das Verhalten vor den Gegentoren. Zunächst ließ der Almunia-Ersatz Fabianski eine Mittelding aus Flanke und Torschuss gekonnt ins eigene Tor abklatschen, bevor er dann vor dem zweiten Tor einen von Campell zwar unsinnigerweise noch einmal angestubsten Ball in die Hand aufnahm – indirekter Freistoß direkt im Strafraum. Noch ganz verdutzt davon, merkten beide erst, dass dieser schon wieder schnell ausgeführt wurde, als der Ball schon im Tor lag. Dazwischen entwickelte sich ein schnelles Spiel, in dem beide Abwehrreihen das eine oder andere Mal auf ihre Torhüter hoffen mussten. Doch nach dem schnellen, zwischenzeitlichen Ausgleich fand kein weiterer Ball den Weg ins Tor. Bis es zum obenerwähnten Faux-Pas kam, der Arsenal um das Unentschieden brachte. Beschweren dürfen sie sich aber letzten Ende wohl nur bei sich selbst, während Porto eine gute Ausgangssituation ins den Korb gelegt bekommen hat.

Eins ist nach den ersten vier Partien immerhin schon klar. Es kann sich nach dem Hinspiel keiner allzu sicher sein, die nächste Runde auch zu erreichen. Dafür waren eigentlich alle Siege zu knapp. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Europaliga-Abend.

Aufgepasst , die Hanse kommt 17. April 2009

Posted by Moritz in : Champions League,Europa League , add a comment

Sie haben es noch einmal spannend gemacht und ihre beruhigenden Ausgangspositionen fast oder gänzlich verspielt, doch am Ende behielten Werder Bremen und der Hamburger SV mehr oder weniger souverän die Oberhand und verhalfen der Bundesliga somit schon vorzeitig zum ersten Mal seit sieben Jahren zu einer Finalteilnahme. Eine Klasse weiter oben hingegen schieden die Münchener erwartungsgemäß aus, während sich die britische Dominanz in der Champions League weiter fortsetzt.

Vor den Rückspielen schien vor allem der erneute Einzug des Titelverteidigers aus Manchester fraglich, da sie sich zuvor überrascht von der Wucht der Portugiesen vom FC Porto gezeigt hatten. Doch im erneuten Aufeinandertreffen, sollte die Partie mehr nach dem Gusto der Roten Teufel laufen. Der frühe Treffer von Christiano Ronaldo stellte die Männer um Hulk erst einmal ruhig. Erst als sie nach einer Weile den frühen Schlag verdaut hatten, rappelten sie sich auf dem gegnerischen Tor entgegen zu rennen, wobei sie mit fortwährender Spieldauer jegliche Ordnung vermissen ließen. ManU begnügte sich mit einigen wenigen Chancen in der Folge und hielt die aus Nahdistanz fast chancenlosen Portogiesen an der langen Leine, ohne das Van der Saar selbst große Gefahr laufen musste hinter sich zu greifen. Letztendlich eine Partie, die den Engländern bis auf eine stabile defensive Ordnung nicht viel abverlangte und vor allem vom “Was wäre wenn Porto ein Tor schießt”-Spannung lebte.

Ganz anders hingegen in London, wo Arsenal seinen in der Vorwoche errungen Vorteil gegen Villareal auszubauen trachtete, während die Gelben mit der gleichen Energie aber letztendlich chancenlos auf das Gegenteil aus waren, so dass sich eine temporeiche Partie entwickelte, in der es von einer Seite des Platzes zu anderen und wieder zurück ging, wobei letztendlich in vielen Situationen die Gunners die Oberhand behielten und nach einer ebenfalls frühen Führung einen kräftigen moralischen Rückenwind verbuchen konnten, dem sich die Gäste früh geschlagen geben mussten. Auch wenn der zweite Treffer in einer chancenreichen Partie lange auf sich warten ließ, bis Adebayor nach gut einer Stunde aus einer ähnlichen Situation wie im Hinspiel die wirklich letzten Zweifel ausräumte und Arsenal mehr als verdient voll auf Halbfinalkurs brachte.

Bereits am Vorabend hatten Chelsea und Liverpool in einem wahrlichen Wechselbad der Gefühle sich einen harten Kampf um ihren Platz in der Vorschlussrunde der Königsklasse geliefert. Durch das Hinspiele schien schon alles entschieden, doch nach einer kurzen Aufwärmphase starteten die Liverpooler durch und vermochten es innerhalb von nur neun Minuten die etwas zögerlich und überrascht agierenden Blues an den Rand des Ausscheidens zu drängen. Vor allem die Art und Weise mit der die Reds mit breiter Brustauf Tore drängten beeindruckte. Letztendlich gelangen vor der Pause durch einen frechen Freistoß und einen Elfmeter jedoch nur zwei Tore, einzig das Glück von Chelsea verhinderte einen größeren Rückstand, bevor sich in der zweiten Halbzeit eine packende Partie entwickelte. Ein vollkommenen veränderte Chelsea war nach der Pause kaum wieder zu erkennen und lieferte sich mit den Reds, die sich auch von einem 3-2 Rückstand nicht entmutigen ließen, einen wechselhaften, spannenden und mitreißenden Kampf, in dem sie letztendlich die Überhand behielten und Liverpool zu keinem Zeitpunkt eine entsprechend ausreichende Führung gelingen sollte. Letztendlich stehen die Blues dank einer von einem genialen Billardtor gekrönten Leistung auch verdient im Halbfinale, vermochten sie es schließlich zweimal gegen ein solches Liverpool einen Rückstand aufzuholen und zu drehen, während die Mannen von Benitez es stets verpassten die entscheidenden Gegentreffer zu verhindern und sich ihre eigenen Bemühungen damit zu Nichte machten.

Nach dem 24. Duell mit Liverpool folgt für den FC Chelsea nun im Halbfinale das bereits siebte und achte Aufeinandertreffen mit den Katalanen des FC Barcelona, der erwartungsgemäß keine Probleme in der Allianzarena hatte. In einem über weite Strecken kaum spannenden Spiel verharrten die Spanier in der Parkposition und ließen sich nur einmal von einem Frank Ribery wirklich kitzeln, der mit einem für ein allseits oft zitiertes Wunder viel zu spätem Tor für 25 Minuten eine Führung der Bayern erzielte. Genauso lange brauchten sie um in den ersten Gang zu schalten und den würdigen Ausgleich zu erzielen, der ein wohl allerseits versöhnliches Ergebnis darstellte, aber auch klar macht, dass wenn Barca gewollte hätte durchaus mehr drin gewesen wäre und in Bayern niemand mehr die Bodenhaftung verlieren muss. Letztendlich war es ein in Hin- und Rückspiel verdientes Ausscheiden, mit dem sie ihre Ziel vom Achtelfinale sogar noch übertroffen haben und nun genügend Zeit haben über ihr Konzept nachzudenken.

Erfreulichere Meldungen gab es hingegen aus dem Uefa-Pokal, indem sowohl der HSV als auch Werder ihre Führungen aus dem Hinspiel verteidigen konnten. Allerdings war in beiden Spielen das große Zittern angesagt, vor allem in Udine erwischte die Bremer zunächst eine kalte Dusche. In der ersten Halbzeit präsentierten sich die Italiener viel zielstrebiger als noch im Hinspiel und Quagliarella konnte vor allem in der Chancenverwertung deutlich mehr überzeugen, so dass ihnen regelrecht drei Nackenschläge gelangen, denen die Hanseaten nur ein bravourös herausgespieltes Tor von Diego entgegensetzen konnten. In einem rasenden Spiel musste man sich spätestens nach der Egalisierung des Hinspiels zur Pause Sorgen um die Grün-Weißen machen, doch nach der Halbzeitansprache zeigten sie sich dann auch geordneter, ließen aber nicht weniger Chancen zu. Viel mehr schossen sie sich nun den Stress vom Leib und vergaben sogar in Person Diego noch einen Elfmeter. Überhaupt war Diego an diesem Abend Lichtgestalt und Hoffnungsträger in einem für die Werderaner. Eine Position, die er mit seiner Leistung und seinen Toren vor den Augen der italienischen Scouts einmal mehr bestätigte. Überhaupt zeigte sich Bremen in diesem Spiel wieder einmal von der altbekannten Seite und nutzte seine Torchancen wie sie fielen, etwas was leider auch die Defensive betraf, dem Erfolg aber nicht im Wege stand.

Im Spiel des HSV, der im nächsten Monat in allen Wettbewerben gegen die Werderaner bestehen muss, gegen des Scheichs Mannschaft, die gestern Abend das erste Mal vor dem Besitzer höchstpersönlich aufspielte, zeigte einige Parallelen zum Hinspiel. Denn bereits früh gingen die Gäste in Führung, während in der Folge die Heimmannschaft durch einen mehr als streitbaren Elfmeter schnell ausgleichen konnte und danach einen Dauerdruck auf das gegnerische Tor aufbaute. Einem Druck, dem der HSV mit einigem Glück, Erfahrung und Frank Rost aber standhalten konnte. Mehrfach half der Pfosten den Rothosen und verhinderte, dass die Partie in die Verlängerung ging, in der der HSV sicher kaum noch hätte mithalten können, denn je länger die Partie dauerte, desto geringer wurde der eigene Vorwärtsdrang und desto mehr ließen sie sich in der eigenen Hälfte festhalten, während sie zu Beginn der Partie durchaus hatten mithalten können. Entgegen kam ihnen auch die Rote Karte gegen den Citizen Dunne, mit dem sich die Gastherren in der Schlussphase selbst schwächten und somit trotz eines Sieges eine gefühlte Niederlage kassierten, fuhr der Zug ins Halbfinale doch ohne sie.

In den beiden anderen franko-ukrainischen Duellen sollten sich jeweils die Mannschaften aus dem Noch-Gastgeberland der Euro 2012 durchsetzen und werden somit den zweiten Pokalfinalisten stellen. Zusammen mit den Hinspielen hatten beide Teams gegen ihre Kontrahenten kaum Probleme, vielmehr sollte es der Abend der französischen Torhüter werden, die mit einigen Szenen eine gewisse Misere auf dieser Position aufdeckten und somit einen etwas größeren Anteil am Ende aller Pokalträume jenseits des Rheins hatten. Luyindula besorgte mit einem Piplica-Gedächtnistor und einer erstklassigen Vorlage das Aus von Paris Saint-Germain, das auch sonst kaum Akzente setzen konnte, gegen den ganz heißen ukrainischen Meisterschaftsanwärter Kiew. Im anderen Spiel war die Luft nach einer halben Stunde heraus, als Donezk das erste Auswärtstor erzielte und somit den Marseilleise schon früh die Hoffnung auf ein kleines Wunder nahm. Einzig zum kurzzeitigen Ausgleich sollte es reichen, bis in der Nachspiel ein Bock von Mandanda die Heimniederlage besiegeln sollte.

Somit steht also die Nationalität des Großteils der Finalteilnehmer schon fest und nach Dortmund und Leverkusen im Jahre 2002 wird nun die Bundesliga nach dem internen Duell um den Finalplatz wieder jemanden die Daumen in der Hölle von Istanbul drücken können wenn es gegen ein Team aus dem Land der orangenen Revolution geht. In der Königsklasse sind die Tickets hingegen wieder einmal fest in englischer Hand und erneut ist es Barcelona, die sich in diese Phalanx einmischen konnte und gegen sie bestehen muss, um einen erneuten britischen Triumph zu verhindern, während für ManU die erste Titelverteidigung des Wettbewerbs so nah wie noch nie gekommen ist.

Angezählt 9. April 2009

Posted by Moritz in : Champions League , add a comment

So wirkt im Moment nach den ersten Viertelfinals der Champions League die Situation vom einstigen Hoffnungsträger auf dem Trainerposten des FC Bayern München. Auch wenn das Ergebnis an sich keine Überraschung ist, war die Art und Weise des Zustandekommens Anschauungsunterricht pur.

Von den Hoffnungen, die auch der Ausgang der Spiele am Tag vor dem Tag, an dem die Bayern ihre Träume in Flammen aufgehen sahen, wurde keine erhört. Nur am Dienstag wackelten die Favoriten. Sowohl ManU als auch Arsenal mussten einen Rückstand hinnehmen und erkämpften sich dann letztendlich immer noch ein Unentschieden.

Dabei gingen die gelben U-Boote aus Villareal zunächst aussichtsreich auf Feindfahrt und kaperten ein ums andere Mal das Gunnersschiff, das einige Startprobleme hatte und bereits vor der Pause mit Almunia und Gallas zwei Leistungsträger auswechseln musste. Erst eine Feinjustierung durch Wenger brachte Arsenal wieder zurück ins Spiel, die nach der Pause so die Offensivwirbel der Spanier bändigen als auch eigene Akzente nach vorne setzen konnten, bis ein wahrliches Traumtor von Adebayor per Fallrückzieher diagonal durch den Strafraum das Endergebnis besiegelte. Damit dürften die London im heimischen Rückspiel vorerst alle Trümpfe in der Hand halten. Chancenlos werden aber auch die Spanier aus Villareal nicht anreisen müssen, zeigten sie doch in den ersten Minuten, dass sie mit dem jungen Gegner, bei dem die eigene Ungenauigkeit in vielen Szenen eine noch bessere Ausgangssituation verhinderte, gut zurechtkommen können.

Noch überraschend starte die Partie im Old Trafford, wo der FC Porto als klarer Underdog sich vorgenommen hatte selbst Druck aufzubauen und ManU nicht zum Zuge kommen zu lassen, was ihnen in der Anfangsphase auch glänzend gelang und so die Gastgeber lange Zeit bremsen konnten. Mit zwei Toren erfüllten sie ihr Soll dabei in der Wiege des englischen Tabellenführers fast tadellos. Einzig ein riesiger Bock nach einer Viertelstunde als Alves den normalerweise weit im Abseits stehenden Rooney mit einem Rückpass nahezu zwang den zwischenzeitlichen Ausgleich zu erzielen. Doch auch nach diesem Erfolgserlebnis war nicht viel Zwingendes von den Mannen in Rot zu sehen, die gegen Ende der Partie, die sie noch drehen konnten, auch ein wenig müde wirkten und so den letzten Treffer des Abends zum Ausgleich hinnehmen mussten. Nächste Woche haben die roten Teufel daher einige Steine im Gepäck, bleibt ihnen im Drachenstadion zu Porto angesichts des Ergebnisses fast nur die Chance zu gewinnen, was ihnen im letzten Auftritt dort vor fünf Jahren nicht gelang, während die jungen Portugiesen berechtigterweise weiterhin träumen davon dürfen einen der großen Favoriten zu eliminieren.

Die Gedanken an ein ähnliches Ergebnis waren bis zum Mittwochabend auf Seiten des FC Bayern mehr als lebendig, doch am Ende mussten sie erfahren wie Lissabon sich nach den beiden Klatschen im Achtelfinale gefühlt haben muss. Dabei haben sie alles versucht, um Barca den Wind aus den Segeln zu nehmen und sogar den Mythos des Angstgegners für spanische Teams bemüht. Darunter fällt auch der Wechsel von Rensing zu Butt, der rein rational vor einem solchen Spiel kaum Sinn machte und wohl ebenfalls die Ankündigungen selbst nach vorne spielen zu wollen. Den von all den Täuschungsmanövern zeigten sich die Katalanen unbeeindruckt. Schnitten sorgenlos ein ums andere Mal durch die Rot-Weiße Butter, die sich Bayern-Defensive nannte und wohl unter die Kategorie Mogelpackung fiel. Teilweise reichten nur drei der Weltklassespieler in den blauroten Trikots, um fast alle sich zu einem Netz eng wie beim Einlass vor einem Fußballspiel gruppierenden Gegner zu überwinden. Die Konsequenz war eine noch harmlos anmutende Halbzeitführung von vier zu null Toren und ein sichtlich gezeichneter, bedauernswerter und machtloser Hans-Jörg Butt. Doch egal in welchen Gang Barcelona schaltete, hätten sich die Bayernspieler genauso gut ein paar Karten für das Spiel besorgen können, um einen ähnlich hohen gefühlten Spielanteil zu bekommen. Sie wurden von Barca beherrscht ohne sich aufbäumen zu können.

Der Rest war die Bilanz des Scheiterns. Selten hat man nach einem Spiel auch die Verantwortlichen so extrem schmallippig erlebt. Man sah ihnen den Schock regelrecht an, sogar Beckenbauer musste mehrere Minuten erklären warum ihm die Worte fehlten, während bei Rummenigge während des Interviews wohl schon erste Trainervermittler anriefen, denn in diesem Spiel zeichneten sich viele der dringlichsten Probleme ab, die in dieser Spielzeit vereinzelt schon auftraten und teils teils auch oder vor allem dem Trainer, dessen Schild nun auch in der Führungseben zu bröckeln scheint, anzulasten sind und die Zweifel an ebenjenem nun weiter gewachsen sind. Zum ersten Mal erlebte man ihn nach einem verloren Spiel vollkommen ratlos, wo er sonst immer noch versuchte irgendeinen positiven Aspekt im Stile deus ex machina hervorzukramen. Das allerdings waren an diesem Abend wohl alle. So jedoch dürften einige heiße Tage im Süden Deutschlands anstehen.

Ähnlich im falschen Film dürften sich auch die Fans an der Anfield Road gefühlt haben, die nach einem eigentlich perfekten Start mit ansehen mussten, wie Chelsea ausgerechnet in der Champions League gegen sie ihre Auswärtsnegativserie beenden werden und gleichzeitig ihrem Team das derzeit lief wie kein anderes in der Premier League einen herben Dämpfer versetzte. Nach einem rasanten Beginn, saßen am Ende die Londoner gegen den Perfektionisten Beniez am längeren Hebel, indem Ivanovic die Partie nach zwei Standards noch dreht und so gemeinsam mir Drogba für ein überraschend deutliches Ergebnis sorgte, dass es für die Reds nach dem Hinspiel nun schon fast unmöglich erscheint an der Stamford Bridge das Pendel noch in die andere Richtung zu drücken.

Somit erscheint in den Dienstagspartien der nächsten Woche unter den Kontrahenten bereits nach den Hinspielen alles geklärt zu sein, während am Tag darauf noch zwei weitere englische Vertreter um ihre Zugangsberechtigung zum Halbfinale spielen werden müssen und eine oder vielleicht auch zwei Überraschungen dort noch in der Luft liegen könnten. In diesem Sinne wünsche ich einen aus Sicht der Bundesliga wesentlich erfolgreicheren Donnerstagnachmittag und einen guten Start in das Osterwochenende.

Wohin führt der Weg der Bayern? 25. Februar 2009

Posted by Max in : Champions League , 1 comment so far

So schnell geht das – schon sind wieder vier Spiele im Achtelfinale der Champions League vorbei. Wie erwartet legte kaum ein Team die Karten offen auf den Tisch, lediglich das iberische Duell konnte mit einigen Toren glänzen, das Spitzenspiel des Abends blieb allerdings ohne Treffer.

In der Vorschau hatte ich die Partie zwischen Atletico Madrid und dem FC Porto noch ignoriert, jetzt möchte ich diesem Spiel die Beachtung schenken, die es verdient – mit vier Treffern fiel im “Vicente Calderon” mehr als die Hälfte der Treffer am Dienstagabend. Atletico ging mit einem neuen Trainer in dieses Achtelfinale, trotz des besten Abschneidens im Europapokal seit langer Zeit musste Javier Aguirre seinen Hut nehmen, anhaltende Erfolgslosigkeit in der Primera Division. Mit dem neuen Übungsleiter verbesserte sich das Spiel aber nur bedingt, in der Liga spielt Atletico weiterhin mehr schlecht als recht und auch im Hinspiel gestern konnte man das Spiel nicht wie erwartet kontrollieren. Der FC Porto agierte auffällig stark, hatte die Partie über weite Strecken im Griff. Dennoch brachten zwei Abwehrfehler die Portugiesen am Ende um den verdienten Lohn. Der zweite Gegentreffer war aber noch vielmehr ein Pascal-Borel-Gedächtnispatzer, denn Portos Schlussmann ließ einen haltbaren Schuss durch die Arme rutschen, und Atletico führte vor der Pause mit 2:1. Zwischendurch hatte Lisandro Lopez den Ausgleich besorgt, und der Torjäger war es dann auch, der im zweiten Durchgang den Endstand herstellte. Lobend muss auch der Zusammenhalt in der Mannschaft von Porto erwähnt werden – nach Heltons Patzer tröstete fast die ganze Mannschaft den Torwart, nach dem 2:2 jubelten sie mit ihm. Mit dieser Leistung konnte sich der FC Porto eine gute Ausgangsposition erarbeiten und gilt für mich jetzt als Favorit auf das Viertelfinale.

Warum hat der Trainer des FC Barcelona, Josip Guardiola, gestern nicht mal hier vorbeigeschaut? Denn seine Mannschaft machte beim Spiel in Lyon genau das nicht, was ich empfohlen hatte. Statt von der ersten Minute Druck auf die Abwehr von Olympique Lyon auszuüben, ließ man den Franzosen Möglichkeiten zur Entfaltung. Damit war es fast ein Spiegelbild des Achtelfinales im Vorjahr: Auch damals spielte OL eine starke erste Halbzeit, erzielte das Führungstor und kassierte später im zweiten Durchgang gegen einen stärkeren Gegner noch den Ausgleich. Damals ManUnited, nun der FC Barcelona. Beim Führungstreffer, ein Juninho-Freistoß, sah Victor Valdez ganz schlecht aus, auch sonst wirkte die Abwehr der Katalanen im ersten Spielabschnitt stark verunsichert. Erst mit zunehmender Spieldauer konnte Barca zulegen, und nutzte in Person von Thierry Henry prompt einen Stellungsfehler zum Augleichstor. Und so wird es so laufen, wie OL es gewohnt ist: Barca hat das Auswärtstor, Barca ist heimstark, Barca kommt ins Viertelfinale. Trotzdem konnten die Franzosen zeigen, dass sie noch lange nicht auf dem absteigenden Ast sind.

Die beiden italienisch-englischen Vergleiche am Dienstag waren deutlich weniger spektakulär. Das zuvor vielbeachtete Aufeinandertreffen von Ferguson und Mourinho in Mailand blieb torlos. Arsenal konnte dank eines Elfmeters in einem mäßigen Spiel mit 1:0 den AS Rom schlagen. Ausführlich nachzulesen gibt es diese beiden Spiele hier.

Heute greift dann auch der FC Bayern München in das Geschehen ein. Die Münchener geben in der Rückrunde der Fussball-Welt Rätsel auf. Nach dem 5:1-Kantersieg beim VfB Stuttgart Ende Januar konnte man sich vor Lob kaum retten, nichts und niemand schien den FCB auf seinem Weg zum Meistertitel aufzuhalten, und in dieser Form wäre auch ein Spiel gegen Sporting Lissabon kein Problem gewesen. Doch schnell folgte die Ernüchterung: Das Pokal-Spiel war mehr ein Produkt Stuttgarter Unzulänglichkeiten denn der Stärke des FC Bayern. Drei Niederlagen in vier Rückrundenspielen, lediglich gegen Borussia Dortmund reichte es zu einem Sieg. In jedem Ligaspiel 2009 ging Bayern in Rückstand. Was momentan fehlt, ist ein klares Konzept. Verwunderlich, wo Jürgen Klinsmann sich eigentlich einen Namen gemacht hat mit klaren, präzisen Vorstellungen von der täglichen Arbeit und der Spielweise seiner Mannschaft. Doch Berichte aus der Bayern-Kabine zeichnen laut kicker ein anderes Bild. Denn dort war am Montag zu lesen:

In Berlin, als sich die Elf kurz vor dem Anpfiff in der Kabine heiß machte, kam Klose plötzlich die Idee: “Gehen wir vorne drauf?” Der Trainer stimmte spontan begeistert zu. Eigentlich müssten solche taktischen Kniffe zum einstudierten Grundrepertoire eines Spitzenteams gehören.

Ein fast unglaubliches Szenario, das bei entsprechendem Wahrheitsgehalt natürlich den Masterplan von Jürgen Klinsmann, so wohl eher ein “Master of Desaster”, in Frage stellt. Wenn die taktischen Ideen erst spontan kurz vor dem Anpfiff intoniert werden, muss die Bemerkung erlaubt sein, wie sich die Mannschaft auf das Spiel vorbereitet. Beim ehrbaren Ziel, “jeden Spieler jeden Tag ein Stückchen besser zu machen”, darf der Alltag in Liga, Pokal und Champions League nicht aus den Augen verloren werden.

Jetzt ist der FC Bayern genau in der Phase, die ich bei der Verpflichtung von Klinsmann geahnt habe: Entweder das Konzept des Trainers geht auf, oder der Schuss geht nach hinten los. Mittlerweile ist kaum noch ein Unterschied zu spüren in Sachen Spielweise zu jenem Team, mit dem Ottmar Hitzfeld in den Jahren 2007 und 2008 kritisiert wurde. Auf meine Bemerkung, es sind ja fast noch die gleichen Spieler wie bei Klinsmanns Vorgänger, erwiderte mein weiser Co-Autor Moritz: “Ein guter Trainer kann aus einem Team trotzdem das Optimum herausholen.” Die Bayern sind gut beraten, schnell wieder den richtigen Weg einzuschlagen. Jetzt ist der Krisenmanager Klinsmann gefragt, eine Rolle, die eigentlich nicht seinem Charakter entspricht. Er kann das Gegenteil beweisen. Ein überzeugender Sieg bei Sporting Lissabon wäre ein guter Start zur Krisenbewältigung, andernfalls dürften sich die kritischen Stimmen zu Klinsmann häufen.

Neben dem Gastspiel des FC Bayern in Lissabon steht auch auf dem Programm: Chelsea-Juventus, Villarreal-Panathinaikos, Real-Liverpool. Viel Spaß mit diesen Spielen!

CL-Vorschau Teil 2: E, F, G und H 17. September 2008

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Nachdem die ersten acht Partien der neuen Champions League-Spielzeit gelaufen sind – mit einem aus deutscher Sicht suboptimalen Auftakt von Werder Bremen – wird es nun Zeit, auf die anderen 16 Vereine im Wettbewerb zu blicken, die sich in den Gruppen E bis H tummeln. Verzichten werde ich diesmal auf die Nennung weiterer sogenannter Geheimfavoriten, denn damit bin ich schon gestern Abend mächtig auf die Schnauze gefallen.

Der dritte Meistertitel in Dänemark nach 1995 und 1999 sowie die erfolgreiche Qualifikationsrunden gegen Modrica Maksima und FBK Kaunas sind der Grundstein, weshalb Aalborg BK als ein weiterer Debütant in der Champions League in Erscheinung tritt. Die Stärken der Mannschaft liegen vor allem in der mannschaftlichen Geschlossenheit, da kein Akteur übermäßig in der Lage ist, ein Spiel an sich zu reißen und notfalls alleine zu entscheiden. Doch gerade dieses letzte Quentchen dürfte Aalborg damit im Europapokal fehlen. Zwar wurden mit Bögelund und Beauchamp zwei Spieler mit Bundesliga-Erfahrung verpflichtet, doch es mangelt in fast allen Mannschaftsbereichen an Qualität und Quantität. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als brav ihre Punkte abzuliefern und Schützenfeste zu verhindern.

Unumstrittener Favorit in Gruppe E ist freilich Titelverteidiger Manchester United. Das Team um Trainerlegende Sir Alexander Ferguson kommt mit der Empfehlung als beste Vereinsmannschaft des Kalenderjahres in den Wettbewerb, und auch in der neuen Spielzeit wird der Weg zum Titel wohl nur über ManUnited gehen. Die Mannschaft ist weitestgehend zusammengeblieben, mit Eagles, Pique, Saha und Silvestre verließen nur Spieler den Verein, die nicht zum Grundgerüst der erfolgreichen Truppe gehörten. Wenn man über diese Mannschaft schreibt, ist es schwer, einen Anfang zu finden: Über die Abwehr mit dem Bollwerk Ferdinand/Vidic, das Mittelfeld, das fast alle Spielertypen auf diesen Positionen vereint mit Giggs, Hargreaves, Scholes oder Carrick, und natürlich der Sturm mit Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez. Es passt einfach vorne und hinten, wenn man sich den Kader genau anschaut. Man sollte also meinen, dass ManUnited nur über sich selber stolpern kann – so geschehen beim Saisonauftakt in der Premier League, wo die Red Devils nach vier Spieltagen nur auf dem 13. Platz liegen. Doch auch das werden sie in den Griff bekommen, und der Weg nach Rom wird in Siebenmeilenstiefeln bestritten.

2006 schaffte es der FC Villarreal bis in das Halbfinale der Champions League. Nach zwei durchwachsenen Jahren gelang den gelben “U-Booten” mit dem Vizemeistertitel in Spanien, sogar noch vor dem FC Barcelona, nun wieder der große Wurf mit dem Einzug in die Gruppenphase. Trainer Manuel Pellegrini kann dabei auf einen guten Kader zurückgreifen, der mit Edmilson (von Barca) sowie Ibagaza (aus Mallorca) ordentlich verstärkt wurde, und womit die Abgänge von unter anderem Mavuba, Riquelme und Tomasson gut abgefangen werden sollten. Prunkstück ist der Angriff mit Nihat und Giuseppe Rossi, die ein gefährliches Sturmduo bilden. Ich traue es den Spaniern durchaus zu, noch vor Celtic wiederum das Achtelfinale zu erreichen.

Eben dieses Celtic Glasgow hat es sich aber zuletzt im Achtelfinale gemütlich gemacht. Gordon Strachans Mannschaft zeichnete sich in den letzten beiden erfolgreichen Jahren hauptsächlich durch Kampfkraft, unbändigen Einsatzwillen aus. Die Spiele im Celtic Park waren für den nunmehr 42-maligen schottischen Meister fast ein Selbstläufer, dank der großartigen Unterstützung ihrer fanatischen Fans. Doch gerade wenn es in den alles entscheidenden Spielen zu engen Situationen kam, fehlte ihnen bisweilen die Durchschlagskraft. So war zuletzt auch deutlich mehr drin, als zweimal im Achtelfinale die Segel streichen zu müssen. Auf internationalem Niveau ist aus meiner Sicht der Angriff mit Vennegoor of Hesselink und Samaras sowie McDonald etwas dünn besetzt, es fehlt ein echter Torjäger, der auch ohne große Laufarbeit zur richtigen Zeit ein wichtiges Tor erzielen kann. Außer dem Abgang von Sno zu Ajax Amsterdam bleibt aber die letztjährige Erfolgsmannschaft zusammen, verstärkt durch Andreas Hinkel, der bei Celtic gar wieder zum Nationalspieler gereift ist, sowie Barry Robson und Shaun Maloney. Schon im Vorjahr strauchelten sie in der Gruppenphase und in der heimischen Liga – beide Male fand die Sache ein gutes Ende. Ist das Glück damit aber überstrapaziert? Ich bezweifle jedenfalls, dass Celtic auch 2008/2009 wieder das Achtelfinale erreicht. Mein Tipp für Gruppe E:

  1. Manchester United
  2. FC Villarreal
  3. Celtic Glasgow
  4. Aalborg BK

Die Champions League begrüßt mit dem AC Florenz in Gruppe F eine weitere Mannschaft, die nach längerer Abstinenz ihr Comeback in der Gruppenphase feiert. Zuletzt stand der Toskana-Klub 1999/2000 in der Zwischenrunde, die folgenden Jahre waren von viel sportlicher Tristesse bis hin zu einem Intermezzo in der unterklassigen Serie B gekennzeichnet. Trainer Cesare Prandelli, der Mann mit der lila Zuhälter-Jacke, kann in weiten Teilen auf den Stamm zurückgreifen, der die Qualifikation geschafft hat. Dabei hat man mit den Neuzugängen Vargas, Zauri, Felipe Melo, Jovetic und Gilardino auch in Sachen Qualität einen entscheidenden Sprung nach vorne gemacht, denn diese Spieler haben alle die Qualität, sich sofort in der Stammformation der Fiorentina festzuspielen. Letztes Jahr standen sie immerhin im Halbfinale des UEFA-Pokals, doch über weitere internationale Erfahrung verfügen viele Spieler nicht. Von daher wird es in dieser Gruppe sehr schwer, sich durchzusetzen.

Vor einigen Jahren wurde uns der rumänische Fussball als neues Schreckgespenst in der Fünfjahreswertung vorgestellt, unter anderem weil Vereine wie Steaua Bukarest überraschend weit in den Europapokal vorgedrungen waren. Trotz einiger beachtlicher Erfolge hat sich die Dominanz der Rumänen als Luftnummer herausgestellt, von ihnen geht für die deutsche Platzierung in der Europatabelle keine Gefahr mehr aus. Steaua hat es immerhin zum zweiten Mal in Serie geschafft, die Gruppenphase zu erreichen, wenn sie diese auch überstehen sollten, wäre das in der Tat ein sensationelles Resultat. Der Kader wird zwar durch potente Sponsoren kontinuierlich verstärkt, jedoch gibt es nicht wirklich große Namen in der Spielerliste, die einen Mitteleuropäer mit der Zunge schnalzen lassen. Zwar ist Steaua in der Vergangenheit immer torgefährlich aufgetreten, doch die Abwehr ist der große Schwachpunkt. So wird es auch in diesem Jahr sehr schwer, mehr als sechs Spiele zu absolvieren.

Anders sieht das hoffentlich beim FC Bayern München aus. Nach einjährigem Gastspiel im UEFA-Pokal ist der deutsche Rekordmeister endlich zurück in der Champions League. Denn trotz des beachtlichen Erfolges von Schalke 04 im Vorjahr ist der FCB weiterhin der Verein, der international von der Konkurrenz am meisten gefürchtet wird. Mit Jürgen Klinsmann sitzt jetzt ein verantwortlicher auf der Bank, der dem Erfolg alles unterordnet, der ein klares Konzept hat und auch nicht vor schwierigen Entscheidungen zurückschreckt. Das Potential des Kaders ist beachtlich, nahezu alle Positionen sind doppelt besetzt. Dank der im vergangenen Jahr geholten Ribery und Toni stehen jetzt auch diese zwei Spieler im Kader, die eine Partie notfalls im Alleingang entscheiden können. Die Abgänge von dos Santos, Jansen und Schlaudraff lassen sich mit Blick auf deren Einsatzzeiten und Perspektiven verkraften. Fraglich jedoch, wie Michael Rensing seine ersten Bewährungsproben als Stammtorwart bestreitet. In den ersten Bundesligaspielen präsentierte er sich souverän, ohne jedoch übermäßig oft gefordert gewesen zu sein, die Fußstapfen in die er tritt jedenfalls sind groß. Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, wurde mit Borowski und Oddo noch einmal nachgerüst, zwei Akteure, die auf eine beachtliche internationale Erfahrung zurückblicken können. Wenn das Klinsmann-Konzept greift und Bayern schnell ins Rollen kommt, traue ich ihnen durchaus eine starke Saison in der Königsklasse zu, das Viertelfinale ist auf jeden Fall im Bereich des Möglichen.

Der französische Serienmeister Olympique Lyon hat die im letzten Jahr eingeleitete Umbruchphase noch nicht überstanden, auch weil es teamintern aktuell immernoch Streitigkeiten zu verzeichnen gibt. Zuletzt stand OL in fünf Jahren dreimal im Viertelfinale, zweimal im Achtelfinale – mit fallender Tendenz. Der einst gefürchtete Kader hat sein Gesicht verloren, zudem hat Juninho mit 33 Jahren mittlerweile seine besten Zeiten hinter sich und ist nicht mehr in der Lage, durchgängig in jedem Spiel überragende Leistungen zu zeigen. Mit Claude Puel sitzt ein neuer Trainer auf der Bank, der die Unruhe im Verein mit schnellen Erfolgen besänftigen soll. Lyon bediente sich diesmal ausschließlich auf dem französischen Transfermarkt, geholt wurden mit Torwart Lloris, Abwehrspieler Mensah und Mittelfeldmann Makoun drei Spieler mit Potential für die Stammformation. Doch die Abgänge wiegen schwer: Coupet, Ben Arfa, Squillaci waren zuletzt wichtige Stützen des Erfolges und gehören nicht mehr zum Aufgebot. Ich bezweifle, dass die neuen Spieler diese adäquat ersetzen können. Vor allem der noch junge Torwart Lloris tritt ein schweres Erbe an. Dennoch sollte die Qualität bei Olympique ausreichen, die Gruppenphase zu überstehen. Mein Tipp für Gruppe F:

  1. FC Bayern München
  2. Olympique Lyon
  3. AC Florenz
  4. Steaua Bukarest

Ein großes mediales Erdbeben erschütterte in diesem Sommer den FC Arsenal in London. Erstmals seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren wurde Erfolgstrainer Arsene Wenger in Frage gestellt. Grund für diese Revolution ist seine neue Transferphilosophie, Spieler mit Perspektive relativ günstig zu kaufen, um diese dann einige Jahre später für viel Geld an die Konkurrenz zu verhöckern. Mit Flamini, Gilberto Silva und Hleb verließen drei Stützen die Mannschaft, lediglich Samir Nasri von Olympique Marseille steht neu im Kader. Nichtsdestotrotz liest sich das Aufgebot von Arsenal prächtig: Im Tor hat Manuel Almunia mittlerweile Jens Lehmann vergessen gemacht und strahlt Sicherheit aus. Die Abwehrkette mit Clichy, Gallas, Toure und Sagna kann auch auf große internationale Erfahrung zurückblicken, dahinter steht noch ein Johan Djourou oder Mikael Silvestre bereit. Auch das Mittelfeld ist trotz der Verluste nicht gerade schlecht besetzt: Fabregas, Nasry, Rosicky, Walcott und Denilson verdienen ihre Brötchen in London. Aber beim Nennen dieser Namen wird man den Eindruck einfach nicht los, dass dem Kader in dieser Zusammensetzung vor allem eines fehlt: Erfahrung. Die vielen jungen Spieler starteten zuletzt zwar regelmäßig großartig in die Saison, um am Ende wieder gnadenlos einzubrechen. Zudem fehlt in der zweiten Reihe auf vielen Positionen eine echte gleichwertige Alternative, so wird es beispielsweise schwer, einen Rosicky zu ersetzen, auf den jetzt noch mehr Verantwortung zukommt. Etwas dünn besetzt ist auch der Sturm, wo eigentlich nur Emmanuel Adebayor echter Zentrumsstürmer ist und international kaum Torgefahr ausstrahlt. Mit Nicklas Bendtner steht zwar ein Mann mit viel Perspektive bereit, jedoch wird der Däne noch Zeit brauchen. Ich bin wirklich gespannt, ob sich die mutige Transferpolitik von Wenger auszahlt, und Arsenal diesmal weiterkommt als zuletzt, als im Achtel- bzw. Viertelfinale Schluss war.

Fast wäre der FC Porto überhaupt nicht in der Champions League dabei gewesen. Aufgrund eines vier Jahre zurückliegenden Manipulationsskandales sollte der portugiesische Meister vom Europapokal ausgeschlossen werden, doch das verschleppte Verfahren durch die Behörden Portugals verhinderten ein endgültiges Urteil bisher. Ungeachtet dieser Unruhen im Umfeld kann Coach Jesualdo Ferreira auf einen gut besetzten Kader blicken, der jedoch von einem Umbruch gekennzeichnet ist. Neben vielen Reserve- und Ersatzspielern verließen auch Bosingwa, Paulo Assuncao und Ricardo Quaresma den Verein. Drei Spieler, die in der Vergangenheit gesetzt waren und wichtige Spieler im Gefüge waren. Sie sollen ersetzt werden durch die Neuen Sapunaru, Guarin und Rodriguez. Grundlegend hat Porto einen Kader mit viel Erfahrung, der zuletzt dreimal in vier Jahren das Achtelfinale erreicht hat. Außerdem neu dabei: Hulk, ein Brasilianer mit furchteinflößendem Namen und optischen Ähnlichkeiten zur gleichnamigen Filmfigur. Abgesehen von dieser Randnotiz wird es schwer für die Portugiesen, in dieser Gruppe das Weiterkommen zu schaffen. Oft genug waren ihre Auftritte in der Vergangenheit lethargisch und ohne Inspiration, mit dem Verlust von Quaresma wird das wohl erstmal nicht besser werden. Sie müssen sich strecken, um die nächste Runde zu erreichen.

Seine Chance nutzen will deshalb Fenerbahce Istanbul, die mit Europameister-Trainer Luis Aragones einen echten Knaller auf der Trainerbank an Land gezogen haben. Der kautzige Erfolgscoach bringt gleich einmal den spanischen Torjäger Daniel Guiza (von Real Mallorca) mit. Zusammen mit Semih Sentürk soll er ein furchteinflößendes Sturmduo bilden, während dahinter der Brasilianer Emre die Fäden zieht. Das Mittelfeld mit dem ebenfalls neu verpflichteten Emre sowie Colin Kazim-Richards ist eine weitere Stütze. Fast schon traditionell für türkische Teams liegt die Schwäche in der Defensive, wo Edu und Lugano sowie Torwart Volkan Demirel immer wieder für Spiele zwischen Genie und Wahnsinn zu haben sind. Dennoch finde ich dieses Team irgendwie sympathisch, und das Achtelfinale ist auf jeden Fall machbar.

Dynamo Kiew ist seit mehr als einem Jahrzehnt Stammgast in der Champions League, doch die Erfolge blieben in den letzten Jahren aus. Immer wieder qualifizierten sich die ukrainischen Hauptstädter, um dann hoffnungslos einzugehen. Häufig hat man sich auf mannschaftliche Geschlossenheit verlassen, doch spielerische Elemente bekam man bei Dynamo kaum geboten. Vielmehr war es immer ein bizarres Bild, wenn das Team im verfallenen Olympiastadion bei eisiger Kälte brav die Punkte an die Gegner abgegeben hat. Jetzt hat Coach Yuri Semin einen vorsichtigen Umbruch gewagt, mit Ognjen Vukojevic wurde ein neuer Sechser geholt, der der wackeligen Defensive Stabilität verleihen soll. Hoffnung, dass Dynamo heuer nicht schon wieder nur Kanonenfutter für die Konkurrenz ist, macht die Qualifikation, als Spartak Moskau mit zwei 4:1-Siegen locker bezwungen wurde. Insgesamt aber ist die Abwehr zu anfällig, der Spielaufbau zu langsam und mit zu wenigen Ideen. Vielleicht gelingt diesmal ein Achtungserfolg, mehr wird es aber nicht werden. Und das bewegt mich zu folgendem Gruppentipp:

  1. FC Arsenal
  2. Fenerbahce Istanbul
  3. FC Porto
  4. Dynamo Kiew

Eine Sensation war die Qualifikation der Belarussen von BATE Borissov. Als Meister ihres Landes mussten sie in drei Qualfikationsrunden gegen Valur Reykjavik, RSC Anderlecht und Levski Sofia bestehen. Gerade die letzten beiden Namen sind gemessen an dem Bekanntheitsgrad von BATE erfahrene Europapokalhausnummern. Erstaunt war ich beim Blick auf den Jahrgang des Trainers Viktor Goncharenko. Der ist Baujahr 1977 und dabei jünger als sein Mittelfeldspieler Ermakovich. Sonst jedoch besteht der Kader von Borissov aus jungen Spielern, die jetzt die Möglichkeit haben, sich auf der großen Bühne Champions League zu präsentieren. Ein Nachteil ist allerdings, dass man die Spiele mangels UEFA-tauglichem Stadion in der Hauptstadt Minsk austragen muss, auch wenn die Distanz zur Heimat des Vereines nicht übermäßig groß ist. Aus sportlicher Sicht ist BATE klar unterlegen in dieser schweren Gruppe H, der vielleicht schwierigsten in dieser Spielzeit.

Seinen Beitrag zur Schwere der Gruppenzusammensetzung liefert auch Juventus Turin. Die Italiener sind nach dem Zwangsabstieg 2006, dem Gastspiel in der Serie B nun endlich wieder dabei in der Champions League. Doch die entbehrungsreichen Jahre haben Juve in der Setzliste abrutschen lassen, weshalb es zu dieser schwersten aller Gruppen gekommen ist. Juventus ist wohl der einzige Verein, der sich einen Abstieg leisten kann und trotzdem fast alle Leistungsträger hält. Nationalspieler wie Buffon, Camoranesi, Nedved, del Piero und Trezeguet sind geblieben, um den schnellen Aufschwung wieder zu schaffen. Mit diesem hohen Vertrauen ausgestattet ist auch Trainer Claudio Ranieri, der die im Europapokal äußerst erfolgreiche “Alte Dame” auch hier wieder auf Kurs führen soll. Die Mannschaft ist hervorragend besetzt, wurde mit Amauri, Chimenti, Knezevic, Mellberg und Poulsen noch einmal hochkarätig verstärkt. Es gibt nur wenige andere Teams, die in solchen Ausmaßen an internationaler Erfahrung verfügen. Nach zwei Jahren Abstinenz brennen die Fans, die Mannschaft, eigentlich das gesamte Umfeld auf die Europapokalabende. Mit Juventus Turin muss wieder gerechnet werden!

Besonders gespannt bin ich auf Zenit St. Petersburg. Auch hier gilt “dank” mangelnder internationaler Erfolge in der Vergangenheit ein niedriger Setzlistenplatz, und gleich ist die Mannschaft von Coach Dick Advocaat in dieser Gruppe H gelandet. Der UEFA-Pokalsieger von 2008 hat sich in beeindruckender Manier im Europapokal etabliert, sie schalteten hochkarätige Gegner aus und überzeugten durch einen gelungenen Mix aus Offensive und Defensive. Der Kader ist zusammengeblieben, lediglicht Kerzhakov und Radimov sind als Abgänge zu vermelden, was aber nicht sehr schmerzt. Mit dem Portugiesen Danny und Abwehrspieler Puygrenier wurde an wenigen Stellen nachgebessert. Ich traue dieser Mannschaft eigentlich alles zu, so überzeugend wie sie im letzten UEFA-Pokal-Jahr aufgetreten ist. Interessant wird es nur dann, was passiert, wenn in Russland im November/Dezember die Saison vorbei ist und Zenit nur die Champions League als Pflichtspiele hat. Doch wenn sie den Winter gut überstehen, kann man sehr weit kommen.

Das Opfer von Zenit und Juve könnte letztendlich Real Madrid werden. Die Königlichen scheiterten zuletzt viermal in Serie im Achtelfinale und zeigten in der Königsklasse wahrlich kein überragendes Gesicht. Zwar ist der Kader top besetzt, mit Rafael van der Vaart steht ein weiterer Hochkaräter im Aufgebot und wird den Abgang von Robinho zu Scheichester City kompensieren können. Trainer Bernd Schuster hat in der Vergangenheit aber immer wieder mal kritische Töne über das unruhige Umfeld verlauten lassen, und das kann auch in der neuen Spielzeit das größte Problem bei Real werden. Das Potential wurde zu selten abgerufen, und so wird man sich strecken müssen, will man in dieser Gruppe nicht den Kürzeren ziehen. Mein Tipp deshalb:

  1. Juventus Turin
  2. Zenit St. Petersburg
  3. Real Madrid
  4. BATE Borissov

32 Vereine kämpfen um Europas Krone. Aus meiner persönlichen Sicht wird der Sieger diesmal zwischen Manchester United, dem FC Barcelona und Juventus Turin ausgespielt. Dem FC Bayern traue ich mindestens das Viertelfinale zu, für Werder wird spätestens im Achtelfinale Endstation sein.