FC Metz

Alles verloren

Posted by Moritz on Mai 13, 2012
Fussball International / No Comments

Gerechnet hatte irgendwie keiner damit, schließlich konnte der FC Metz auch in der letzten Saison den Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen. Auch wenn ist es noch nicht amtlich ist, wäre es ein Narr, der glaubt, dass der Verein seinen Rückstand zum rettenden Ufer noch aufholen könnte. Er beträgt genau drei Punkte und die Wenigkeit 14 Toren.

Damit erlebt der Absturz des Vereins einen neuen, traurigen Höhepunkt. Einen mit Ansage jedoch. Grundlos versinkt Metz nicht das erste Mal in seiner achtzigjährigen Geschichte nicht in der Drittklassigkeit. Jean-Sébastien Gallois vom Republicain Lorrain hat ein wunderbar zutreffendes Filmzitat aus “La Haine” dafür gefunden:

Dies ist die Geschichte einer Mannschft, die aus dem 38. Stock eines Hochhaus fällt. Während sie fällt, wiederholt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher ging es gut, bis hierher ging es gut, bis hierher ging es gut…‘. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!

Was die Jahre zuvor gut ging, endete nun schmerzhaft. Lange Zeit befand man sich im Mittelfeld, wähnte sich in Sicherheit und spielte weder spektakulär noch unterirdisch. Doch die Ergebnisse entsprachen nicht mehr dem, was im Herbst zuvor den ruhigen Tabellenplatz verschafft hatte. Es war der schleichende Beginn, der Maßnahmen zum Winter wohl unnötig erscheinen ließ.

Erst in der zweiten Saisonhälfte brach die Mannschaft beinahe komplett auseinander. Bedingt auch durch die Verletzung einiger Schlüsselspieler, die danach nie wieder an ihre alte Form anknüpfen konnten, verlor die Mannschaft jegliche Durchschlagskraft im Spiel nach vorne und stellt inzwischen den schwächsten Angriff der Liga. 29 Tore in 37 Spielen, das ist das harmlose Niveau eines FCK und ähnlich hat man sich die Auftritte auch vorzustellen.

Das alleine ist man vom Verein noch gewohnt. Schwer wiegt hingegen, dass der Liga, in der jedes drittes Spiel unentschieden endet, das, was den FC Metz eigentlich auszeichnete, sich ebenfalls dem schwachen Niveau anpasste. Nachdem sowohl der ehemalige Kapitän als auch der Außenverteidiger in Dresden große Erfolge feiern, zeigte der Defensivverbund in Metz in vielen Spielen Lücken. Tödlich bei Stürmern, die ihren Namen kaum verdienen.

Im Vorfeld wurde zwar stets versprochen, dass man es nun besser machen werde. Das Ergebnis strafte offenkundig lügen. Zahlreiche Punkte wurden nur durch wenige Momente der Unaufmerksamkeit verschenkt.

Doch Präsident Serin wackelte bis auf ein eingehaltenes Ultimatium und nur zwei Siegen in der Rückrunde nicht am Stuhl des Trainers Bijotat. Ein Vertrauen, das letztendlich nicht erfüllt wurde. Vielleicht auch weil auch er konstatieren musste, dass diese Mannschaft, die wirkte wie ein benommer Boxer, der apathisch einen Haken nach dem anderen kassiert, auch durch einen anderen Trainer nicht aufgeweckt werden konnte.

Ein weiterer Randaspekt, der das das Verhältnis zur Realität ganz gut beschreibt ist, dass die Verantwortlichen sich die ganze Zeit über Hoffnungen auf eine verspätete Nominierung zur EM-Stadt und einen millionenschweren Stadionneubau machten. Im Nachhinein erscheint es wie der Größenwahn eines Fieberkranken.

Für den Verein kann es nun nicht einfach nur heißen, die Mannschaft zusammenzuhalten. Dazu sind die Gründe auf allen Ebenen zu tiefgreifen, zu vielfältig. Vielmehr wird ein grundlegender Neuanfang nötig sein, der sowohl die Mannschaft als auch die Vereinsstruktur komplett entkernt und neuzusammensetzt. Unter den gegebenen Umständen dürfte es den FC Metz noch weiter an den Rand seiner Möglichkeiten oder sogar darüber hinaus treiben. Es ist die Quittung für Fehler, die inzwischen in der Vergangenheit liegen und nicht rechtzeitig korrigiert wurden.

Wie weit das führen kann, zeigt ein warnendes Beispiel: Vor exakt zwei Jahren stieg der RC Strasbourg gleichermaßen ab und wurde von den in der Folge freigesetzten Fliehkräften rund um den Abstieg und verpassten Wiederaufstieg im Grunde vollkommen zerissen und findet sich als Schatten seinerselbst nur noch in der fünften Liga wieder. Bleibe dies dem Verein erspart.

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Vierter Anlauf

Posted by Moritz on August 07, 2011
Fussball International / No Comments

Auch in der neuen Saison wird der FC Metz wieder in loser Folge ein Thema an dieser Stelle sein. In der nun schon vierten Zweitligasaison seit dem jüngsten Abstieg müht sich der Verein weiter, den finanziellen und spielerischen Umbruch fortzusetzen. Viele Verträge ließ man auslaufen und der Mannschaft ging so vor allem defensiv einiges an Qualität verloren. Ein Mannschaftsteil, der in der vergangenen Saison lange Zeit der eigentliche Erfoglsgarant im Abstiegskampf war.

Die bekanntesten, jüngste Beispiele des fortgesetzten Umbruchs dürften ohne Zweifel die Neuzgänge von Dynamo Dresden aus Metz sein. Mit Romain Brégerie, in der letzten Saison Kapitän der Lorrains, und Cheikh Gueye sicherten sie sich gleich zwei der Metzer Schwergewichte, deren Vertrag nach der vergangenen Saison nicht verlängert wurde. Zu diesen beiden Abgängen gesellt sich auch noch der Luxemburger Internationale Marko Mutsch, der seine defensiven Qualitäten nun in der Schweizer Liga unter Beweis stellen wird.

Den Trainer Bijotat mochten diese Generalüberholung bisher nicht beängstigen. Gebetsmühlenartig wiederholte er auch hierzulande wohlbekannte Phrasen und versuchte Vertrauen aufzubauen in seine Verpflichtungen. Die Mannschaft passe sehr gut zusammen und man habe nicht so viel Qualität verloren im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem beharre er darauf, dass er sich gerne noch die ein oder andere Verstärkung verpflichten wolle. Die Vorbereitung schien ihm hier auch Recht zu geben, wenn auch Glanzleistungen nur gegen unterklassige Teams standen. Im letzten Test platzte dann mit einem 0-5 gegen Ligakonkurrenz Sedan die Bombe und plötzlich waren die Zweifel wieder da.

Der folgende Start in die Saison tat sein übriges, um die Zweifel wachsen zu lassen und erinnert stärkstens an den Sommer 2010. Trotz der Klatsche im Testspiel folgte ein dramatisches Ausscheiden im Ligapokal gegen Klassenkamerad Le Havre. Obwohl man nach wenigen Minuten 3-0 führte, verspielte man dieses Ergebnis in einer Manier, die an Bayer Leverkusen in Dresden erinnert.

Das Ziel zur neuen Saison war eine Stärkung der Offensive, über die man offensichtlich in der Vorbereitung den Gegenpart vernachlässigt hatte, was sich nun zu rächen scheint. Im Pokal gegen Le Havre wirkte das neue Innenverteidiger-Duo Abdoulaye und Diagne noch uneingespielt und passiv. Zu inkonsequent ließ man die Gegner vorbeiziehen und fing sich letztendlich erneut fünf Tore. Nur war der Spaß diesmal Ernst geworden. Zum Schluss fehlte einfach die mentale Kraft nach diesem Nackenschlag noch einmal den Schalter umzulegen.

Ein Faden der Verunsicherung, der sich direkt weiter in das erste Saisonspiel zog. Gegen ein mitnichten übermächtiges Tours reichte es nur zu einer mageren Niederlage. Mit mehr Selbstvertrauen, mehr Direktheit in den Aktionen hätte sich das Spiel sicher noch zu Recht biegen lassen, aber mit dem Zweifel der vergangenen zwei Spiele im Kopf hatten sie keine Chance. Für Bijotat wird es noch wohl noch eine Weile dauern, bis er die Einzelteile seines Kaders erneut zu einem wettbewerbsfähigen Kollektiv zusammengesetzt hat.

In dieser Spielklasse weiß man zwar nie, auch Überraschungsteams haben durch einen guten Lauf in den letzten Jahren immer kurzfristig eine gute Chance gehabt, für Furore zu sorgen. Es ist, zumal so früh in der Saison, zu zeitig den Kopf in den Sand zu stecken, aber ein Ausbund an Zuversicht sieht anders aus. Zudem träumt noch der eine oder andere Spieler von einem Aufstieg. Da bleibt nur zu hoffen, dass die aktuelle Mannschaft sich so schnell wie möglich findet und die Messins trotz des misslungenen Saisonstarts ihr Segel bald geschickt in den Wind zu hängen wissen. Der vierte Anlauf in Liga 2 soll schließlich nicht im Super-GAU enden.

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Zieleinlauf

Posted by Moritz on Mai 22, 2011
Fussball International / No Comments

Der Klassenerhalt ist durch. Der FC Metz darf sich seit Freitag als endgültig gerettet ansehen. Und das schöne daran ist, dass es am Ende gar nicht so knapp erscheint, wie es sich in den letzten Wochen anfühlte.

Seit der unglücklichen Niederlage gegen den inzwischen souveränen Absteiger Grenoble Anfang April, starteten sie richtig durch. Nur eine Niederlage und 15 Punkte in den acht Spielen seither ist aus dem Rückstand auf das rettende Ufer die vorzeitige Rettung geworden. Zuletzt jubilierte man sogar drei mal in Folge.

In einer wohl beispiellosen Aktion hat der Verein versucht, die Stadt auf seine Seite zu ziehen. Für die letzten Heimspiele der Saison gab es die Eintrittskarten für das ansonsten eher mau gefüllte Saint-Symphorien letztendlich fast geschenkt. Die erzeugte Erwartungshaltung konnte die Mannschaft auch eindrucksvoll einlösen. Vielleicht wirkt das bis ins nächste Spieljahr nach.

Besonders angetan dürften die Zuschauer von der “Toreflut” gewesen sein, die den Verein dabei ereilt hat. Musste man im Verlauf der Saison fast von Glück sprechen, wenn der Ball mal im Tor landete. Ohne den Einsatz in Form eines riskanteren Spiels grundlegend zu erhöhen, fielen die Tore auf einmal. Mit den Toren kam dann das Selbstbewusstsein und der Klassenerhalt.

Vor allem der junge Mahamane Traoré tat sich in den letzten Wochen als torgefährlicher Mittelfeldmotor besonders hervor. Leider ist er aus Nizza nur für diese Saison ausgeliehen gewesen. Er hätte eine langfristige Bereicherung für das Metzer Spiel sein können. Gleiches gilt für Duhamel, der im Winter als Verstärkung aus Troyes kam. Nachdem es etwas dauerte, bis er warm wurde, schwang er sich seit Februar zum erfolgreichsten Offensivspieler auf – mit 10 Toren. Im Grunde ein ein Armutszeugnis für die Hinrunde.

Nach dem Umbruch in diesem Jahr werden im Sommer hoffentlich ähnliche Spieler wieder verpflichtet, damit es wieder mehr nach oben gehen kann und die nächste Saison nicht wieder ein Tanz auf der Rasierklinge wird.

Doch letztendlich wurden die umgekehrten Vorzeichen in diesem Jahr – bisher befand man sich kurz vor dem Saisonende stets auf einem Aufstiegsplatz und verspielte diesen unfassbarer Weise noch – durch den Zielsprint noch erfolgreich gemeistert. Ein versöhnliches Ende einer Saison voller Schmerzen.

Theoretische hat man am kommenden Wochenende sogar noch die Chance sich mit einem Sieg gegen den Tabellenführer Evian-Thonon-Gaillard FC noch bis an die erste Tabellenhälfte heranzuschießen. Angesichts des guten Torverhältnisses kein Ding der Unmöglichkeit.

Apropos Evian TG – Der Verein ist bereits für die Ligue 1 qualifiziert. Wer den Ort vorher nur wegen des Wassers kannte, muss sich auch nicht groß umgewöhnen. Die Spieler, die ähnlich wie RB, Wasserflaschen genannt werden, haben auch einen ähnlichen Look wie eben jene. Das Markenzeichen: Drei Berge auf der Brust.

Innerhalb von wenigen Jahren sind sie nun unter anderem mit der Unterstützung von Zidane und Lizarazu aus der vierten Liga bis ins Oberhaus geklettert. Ein wahrhaft kometenhafter Aufstieg, der mit einer beeindruckenden Leistung in dieser Saison gekrönt wurde. Seit Saisonbeginn spielten sie immer in der Spitzengruppe mit und ist nun der erste Aufsteiger.

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Metz in natura

Posted by Moritz on April 04, 2011
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Gut eine Woche lang hatte ich nun das Vergnügen in Metz ein Praktikum zu absolvieren. Genauer handelte es sich um die Programmierung von Industrierobotern. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Intelligenz in den Kästen schon drin steckt und so die letztendliche Anwendung wesentlich vereinfachen.

In der Zeit stand natürlich nicht nur der Wissenserwerb im Institut im Vordergrund. Wer hier ab und zu vorbei schaut, wird schon festgestellt haben, dass der örtliche Verein des öfteren hier Thema ist. Ein Stadionbesuch gehörte somit also schon fast zum Pflichprogramm. Wie es der Zufall so will, spielte der Verein des Herzens dann auch ausgerechnet gegen den Tabellenletzten und Abstiegskonkurrenten Grenoble.

Malerisch auf einer Insel in der Mosel inmitten von Wohnhäusern gelegen befindet sich das Vereinsgelände. Eine Anreise per Fuß dürfte für Nachahmer übrigens angeraten sein. Ab dem Stadtzentrum entfernt spannte sich eine endlose Autokolonne auf. Da gegen erscheint jedes Verkehrschaos am Leipziger Zentralstadion erträglich dagegen – bei einem Spiel wohlgemerkt, dass nur moderaten Andrang verursachte und bei weitem nicht ausverkauft war. So konnte man immerhin auch etwas heimisches Feeling in einem geschätzt nicht einmal halb gefüllten Stadion genießen.

Saint-Symphorien bei Nacht

Das Stadion an sich dürfte wohl wesentlich älter sein als es auf den ersten Blick wirkt. Vier einzelne mit der Zeit entstandene Tribünen bilden das Ensemble. Solange es hell genug war, ließen sie es so zu, das Gemüt an durch die Ecken hineinlugenden, entfernten Hügeln zu beruhigen. Seit gut einem halben Jahrzehnt gibt es zudem Pläne das gesamte Stadion weiter auszubauen. Doch der Ausgang dürfte wohl auch vom weiteren Erfolg abhängen.

Kurz nach dem Durchtreten des netten menschlichen Drehkreuzes stellten sich aber auch das erste Problem. Wie nimmt man Platz Nummer 98 ein, wenn es auf der einen Seite bis in die Vierzig geht und auf der anderen Seite der Treppe mit 320 weiter geht? Ich setzte mich einfach und hoffte, dass der eigentliche Besitzer mir das sagen konnte. Doch der sollte nicht kommen. Glück gehabt.

Die Geschichte des Spiels ist eigentlich schnell erzählt. Die Heimmannschaft erarbeitet sich schnell ein Chancenplus. Diese ließen die Messins aber allesamt kläglich liegen. Gefühlte 10 Torschüsse und ein Pfostentreffer brachten in den ersten Minunten genau gar nichts ein.

Zur Halbzeit gab es so ein jungfräuliches Remis. Wie es wohl auf allen Plätzen dort fast Standard zu sein scheint. Von neun Partien gab es sagenhafte drei Tore und sechs torlose Spiele zur Pause. Doch noch hielten die Zuschauer sich zurück und pfiffen nur dezent. Vielmehr holten sie sich die französische Stadionwurst: Ein Baguette. Auffälliger als hier kann ein Klischee nicht bestätigt werden.

Anderswo wurden dann die jedoch die Torschleusen geöffnet. Aber je länger das Spiel in Metz dauerte desto seltener wurden die Torchancen. Den Gastgeber verließ langsam die Lust, da scheinbar nichts zum Erfolg führte und die destruktive Taktik von GF38 ging vollends auf. Eingeigelt bis zum Schluss fuhren sie einen Konter zum Ende und machten es den Gastgebern somit vor, woran ihr Spiel offensichtlich krankt – an der Chancenverwertung.

Zudem merkte man den Grenats doch deutlich an, dass sie nicht wirklich eingespielt waren. Laufwege waren nicht abgestimmt, zu oft wurde schon früh der Weg über die dichte Seite gesucht und zu oft war bei der Flanke kein Verwerter anwesend. Das wäre nicht das Problem, wenn man aus den erspielten, hochkarätigen Chancen wenigstens Tore machen würde, wirkt so aber noch deutlich unausgegorener.

Kurz vor Ende versuchte Trainer Bijotat noch einmal in guter Fußballmanager-Manier das Ruder herumzureißen und löste die Viererkette auf. Ehrlich gesagt wirkten die Maßnahmen allerdings wie eine Verzweiflungstat. Neuen Schwung konnten sie der Mannschaft, die zuvor trotz der Mängel eigentlich meist überlegen war, kaum geben.

Gegen Ende der Partie als die Hoffnung schwand, kam aus der zugegeben auch recht kleinen härteren Fangruppe die üblichen Gesänge der Art “Wir sind Messins und ihr nicht”. Der Verein scheint intern wohl doch wesentlich mehr unter Druck zu stehen, als man aus dem Ausland erfahren kann. Zumal auch die vergangenen Anstrengungen wieder aufzusteigen sich deutlich in den Bilanzen niedergeschlagen haben.

Kleine Ironie der Geschichte: Trainer von Grenoble war jener Yvon Pouliquen, der vor gut einem Jahr entlassen wurde, weil man hoffte damit den misslungenen Aufstieg noch retten zu können. Auch in diesem Jahr scheint er wieder einen Nagel in den Sarg geschlagen zu haben.

Auf der abschließenden Streiftour nach dem Spiel entdeckte ich dann übrigens tatsächlich noch einen kleinen Sektor vor der eigentlich Tribüne in dem sich wohl jener fragliche Platz 98 befindet. Ich weiß allerdings bis heute nicht, wie man dort hin gelangt wäre, ohne über die Brüstung zu hüpfen. Letztendlich durfte ich so wohl ein Spiel zum Superspartarif für Ortsunkundige erleben.

Auch wenn der Ausgang des Spiels alles andere als wünschenswert war, zeichnete er doch ein deutliches Bild warum es in dieser Saison nur gegen den Abstieg geht. Das Potenzial wäre durchaus da in der Mannschaft weiter oben mitzuspielen. Allerdings wurden wohl ähnlich wie bei Hertha in der Abstiegssaison einige winzige Rädchen übersehen, die es zwingend braucht um eine funktionierende Mannschaft auf den Platz zu schicken. So bleibt wohl nur die Hoffnung und weiterhin ein Punkt auf den Nichtabstiegplatz.

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Ungenaue Weisheiten

Posted by Moritz on März 20, 2011
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Zunächst ein kurzer Exkurs in die Kneipentheorie des Fußballs. Dort heißt es, dass der Sturm Spiele gewinne, aber die Abwehr die Meisterschaften einführe. Grundlage dieser Weisheit, die in passenden Situationen gerne zitiert wird, scheint langjährige Erfahrung zu sein.

Die französischen Ligue 2 liefert hingegen so einige Ausnahmen, die die Regel wohl eindeutig bestätigen: Die viert-beste Defensive der Liga befindet sich entgegen jeder Korrelation nicht irgendwo im vorderen Feld der Tabelle. Nein, sie balanciert weiter am Rande des Abgrundes.

Seit Saisonbeginn steckte der FC Metz teilweise schon recht tief in der Roten Zone und bis zur Winterpause schien es fast so als hätte er sich an seine Rolle als Kellerkind und Punktelieferant gewöhnt. Trotz der hinten funktionierenden Torverhinderung, schien auch das auf der anderen Seite des Platzes fast wie vernagelt. Das fast zwangsläufige Ergebnis ist eine Flut von Unentschieden. Über einen solchen gelegentlichen Punkt kann man sich zwar freuen, aber davon wird das entsprechende Konto nicht fett. Glücklicherweise ist Metz nicht der einzige Verein mit dieser Diagnose, sonst wären sie wohl schon hoffnungslos abgeschlagen in der Abstiegszone. Mindestens sechs Unentschieden gehören zum Repertoire eines französischen Zweitligisten. Eine Anzahl im unteren zweistelligen Bereich gehört eher zur Regel als es eine Ausnahme ist.

Doch nach zwei verpassten Aufstiegen will sich der klamme Traditionsverein nicht so einfach geschlagen geben. Im Winter wurden die vordersten Reihen noch einmal aufgerüstet. Sowohl Alexander Odegaard als auch Mathieu Duhamel stießen in den Kader. Während ersterer aus Norwegen kommend sich noch nicht recht zeigen konnte, bekam mit letzterem die Offensive ihre Struktur zurück. Ein wenig zumindest. Fehlte den Jungspunden vorher ein Bezugspunkt scheint ein erster Ansatz jetzt gefunden zu sein. Auch setzte er sich seitdem selbst an die Spitze der internen Torjägerliste. Seine sechs Tore sind zugleich auch ein Armutszeugnis für die stürmenden Kollegen und ihre Effizienz in der laufenden Saison.

Auch wenn Trainer Bijotat wohl nie vollkommen zufrieden war und in dieser Saison nie zweimal in Folge die gleiche Mannschaft auflaufen ließ, scheint das Mannschftsgebilde in den letzten Wochen wesentlich fester gegen Rückschläge im laufenden Spiel geworden zu sein. Vielleicht deswegen oder zum Trotz. Fragen nch dem Konzept dahinter werden damit beiseite gewischt, dass ihm das Konzept einer Stammelf nicht so recht gefalle und es auf Grund von Verletzungen sowieso kaum möglich sei.

Zudem zeigt die Formkurve seit jenem vermurksten letztem Herbst endlich wieder nach oben. Eine Serie von zuletzt sechs ungeschlagenen Spielen, die sogar einen kurzen Blick aus der Abstiegszone heraus ermöglichte, ging gegen Dijon zu Ende. In der Senfstadt ließen sie sich den Schneid zu leicht abkaufen. Von der eiskalten Effizienz ließen sie sich in der Fremde trotz einiger guter Ansätze wieder einmal beeindrucken.

Zwar wurden insbesondere in den letzten Wochen einige Spielbälle gegen direkte Konkurrenten leichtfertig vergeben. Doch noch balanciert man hinreichend gut auf der Rasierklinge, um noch den Absprung zu schaffen. Ein weiterer Pluspunkt für die Mannschaft von Bijotat ist die Ausgeglichenheit der Liga. Selbst kurz vor dem Saisonfinale beträgt der Abstand zwischen den Auf- und Abstiegsrängen lediglich 14 Punkte. Auch wenn es in dieser Enge für fast jede Mannschaft noch um etwas geht, dürfte den Messins so kein von vornherein aussichtsloses Match ins Haus stehen. Vielmehr gilt es in den nächsten Wochen erneut den Sprung aus der Roten Zone zu schaffen. Das Gastspiel des Tabellenletzten und Absteigers aus der Ligue 1, Grenoble, in wenigen Tagen dürfte dafür prädestiniert sein, um nicht noch mehr unliebsame Konkurrenz in Schlagweite gelangen zu lassen.

Auch wenn sich hier letztendlich die Erkenntnis aufdrängen mag, dass Sturm und Abwehr einander bedingen, sollte die Abwehr hoffentlich den Nichtabstieg absichern. Alles andere wäre eine weitere schwere Enttäuschung für den Verein, der in den letzten Jahren schon viel verspielte.

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