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Betriebsausflug 8. März 2012

Posted by Moritz in : Champions League , add a comment

Ein Zeichen wollte Dutt setzen, indem er den großen Kießling als Spitze nach vorne beorderte. Er erhoffte sich dadurch, wenn schon nicht fußballerisch, einen gewissen Vorteil gegen die wahrscheinlich beste Mannschaft der Welt. Das mit dem Zeichen sollte er im Nachhinein aber noch einmal überdenken.

Anders als im Hinspiel, dass offenbar die Begehrlichkeit weckte mit den ganz großen Mithalten zu können, konnte man Barcelona im gestrigen Viertelfinalerückspiel gerade nur die ersten Minuten mithalten. Das lag aber lediglich daran, dass sich die spanische Torfabrik erst warm spielen musste.

Ein paar Pässe vor und zurück, dann ein paar Ballverlust und Bayer konnte auch mal kurz den Ball haben. Das was sie dann aber daraus machten, entsprach wohl kaum dem, was sich der Trainer Dutt vor dem Spiel vorgestellt hatte.

Symptomatisch dafür die Szenen vor dem alles entscheidenden ersten Tor. Bayer kam an den Ball und spielt den Konter über außen sogar bis an den gegnerischen Strafraum. Dort versandet der Angriff nach einer Flanke in der Abwehr.

Der Gegenzug hingegen demonstrierte all das, was Barca hat und was Leverkusen fehlte. Mit drei oder vier Pässen war der Ball vom anderen Ende des Spielfeldes im Tor hinter Leno gelandet. Ohne, dass auch nur ein Spieler der Bayer Elf nennenswert etwas dagegen hätte unternehmen können. Es sah aus, als würde Idrissou auf seiner PS3 Champions League spielen.

Im Mittelfeld ließ man Xavi Zeit und Raum, um den durch die hochstehende Abwehr hindurchstoßenden Messi den Ball in den Lauf zu schicken. Der nutzt seine zehn bis zwanzig Meter zum Tor sehenswert und lupft über den hinausstürmenden Leno hinweg ins Tor – ein Spielzug, der Bayer in vielen verschiedenen Varianten dargeboten wurde und noch im Gedächtnis bleiben dürfte. Die Fehler waren immer die selben und wurden eher eklatanter denn geringer.

Obwohl die Abwehr weit aufrückte, wurde keinerlei Druck auf das Mittelfeld von Barca ausgeübt. Stets stand man ein zwei Meter daneben und beobachtete den Gegner als sähe man fußballspielende Marsmännchen.

Bayer fehlte schlicht das, was Real oder einige anderen phasenweise zeigten, um diesen FCB an den Rand einer Niederlage oder sogar noch weiter zu bringen: Laufbereitschaft überall am Gegner dran zu sein und ihm keine Zeit und keinen Raum zu geben. Zu sehr hatte sich die Mannschaft zurückgenommen. Abgesehen einmal davon, dass ein Weiterkommen nach dem Hinspiel ohnehin nur illusorischen Charakter denn eine reale Grundlage hatte.

Das größte Understatement kam aber von Guardiola vor dem Spiel selbst:

” [..] wenn wir Bayer Leverkusen ins Laufen kommen lassen, dann sind sie die bessere Mannschaft.” via @rotebrauseblog 

Falls das in Leverkusen jemand las, kommt es ihm angesichts der übermenschlichen Leistung von Barca mit sieben astreinen Toren vor wie aus einer anderen Welt. Das was bleibt dürfte wohl sein, dass man mal live bei einer State-of-the-art-Vorführung dabei sein durfte.

Und noch etwas kann Leverkusen mitnehmen aus Spanien. Man hat die Messlatte hoch gelegt. Sehr hoch. So lange wie Bayer hat es seit einiger Zeit kein deutsches Team mehr geschafft die Null im Camp Nou zu halten. Dass am Ende eine solche Demontage folgte, ist ihnen selbst zuzuschreiben. Sie haben sich hängen lassen und die Quittung bekommen. Nun gilt es zurück in den Alltag zu finden, wo es – dem Fußballgott sei Danke – noch reelle Siegchancen gibt.

Eine Halbzeit teuer verkauft 15. Februar 2012

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Eigentlich war es doch nur eine Frage der Höhe, mit der Bayer Leverkusen sein Heimspiel im Achtelfinale der Champions League verlieren würde. So waren zumindest die allgemeinen Erwartungen im Vorfeld der Partie gegen den Titelverteidiger FC Barcelona. Kühne Optimisten waren schon jene, die Bayer immerhin zugetraut haben, das Spiel lange offen zu halten, mit viel Einsatz zumindest eine realistische Chance für das Rematch in drei Wochen zu wahren. Resümiert man die 90 Minuten vom Dienstagabend, war es von allem ein bisschen was, und die alte Weisheit wurde wieder heraufbeschwört: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Eine Mannschaft wie den FC Barcelona, zweifellos die erfolgreichste Mannschaft der letzten fünf Jahre, kann man nicht über 90 Minuten ausschalten. “Das ist klar” würde Lucien Favre dazu sagen. Gerade mit Blick auf die Vielzahl der exzellenten Einzelkönner, wo – wenn sie nicht zufällig gerade zur selben Zeit in der selben Mannschaft spielen würden – jeder für sich ein heißer Kandidat auf den Titel des Weltfussballers wäre. Leo Messi war zwar am Start, aber im Mittelfeld fehlte der Antreiber Xavi, in seiner Funktion maßgeblich beteiligt, vielleicht sogar der entscheidende Baustein bei allen Titeln der Katalanen und auch der spanischen Nationalmannschaft in den letzten Jahren. Damit fehlte Barca zwar das “Herz” im Mittelfeld, aber auch die elf Spieler, die letztendlich auf dem Feld standen, können sich den Pass hervorragend zuspielen. Die Ballsicherheit stören, Räume eng machen, und mit starkem Pressing Barca mit den eigenen Waffen schlagen: Das waren die Mittel, die sich Bayer-Coach Robin Dutt vor dem Spiel überlegt hatte. Dazu veränderte er auch die gewohnte Formation seines Teams und stellte sie sehr defensiv auf, im sagenumwobenen 4-2-3-1 mit Andre Schürrle als einzige Spitze.

In der ersten Halbzeit ging das Konzept von Dutt nur teilweise auf, weil seine Mannschaft vor Ehrfurcht erstarrte und Barca spielen ließ. Oder sagen wir besser: Barca konnte passen. Knapp 90 Zuspielen von Bayer stehen alleine im ersten Durchgang fast 500 der Gäste aus Spanien gegenüber! Mit staunenden Gesichtern und offenen Mündern verfolgten die Bayer-Spieler die Ballstaffetten. Das es zur Pause nur 0:1 stand, lässt sich im Endeffekt auf zwei Faktoren zurückführen: Der FC Barcelona erwischte auch keinen absoluten Sahnetag, weil Iniesta im Mittelfeld zwar ein Spieler von sehr hoher internationaler Qualität ist, aber ohne Xavi auch nur die Hälfte wert. Und die Viererkette von Bayer in der Formation Corluka, Schwaab, Reinartz und Kadlec stand sehr konzentriert. Die Vier retteten bei den gefährlichen Vorstößen in die Schnittstellen mehrfachmit hohem Risiko, auch Lars Bender wäre hier noch zu nennen. Letztendlich war es dann doch eine einzige Unsicherheit, welche durch Alexis Sanchez in der 41. Minute die Führung brachte.

Nach der Halbzeitpause offenbarte sich ein anderes Bild. Offensichtlich erinnerte Robin Dutt seine Elf an das Ziel, Barcelona bereits früh unter Druck zu setzen. Außerdem ließ sich Schürrle etwas mehr fallen, wodurch der zuvor völlig abgemeldete Jung-Nationalspieler besser Anschluss finden konnte. Die Maßnahmen erzielten schnell Wirkung. Plötzlich erspielte sich Bayer Chancen, zeigte einmal mehr, was viele vermuten, aber nie auszuprobieren wagen: Die Abwehr von Barca genügt keinesfalls den Weltklasse-Ansprüchen der Offensive. Und plötzlich war da der Ausgleich durch Michal Kadlec. Auch wenn es drei Minuten später erneut durch Alexis Sanchez die Führung der Gäste gab – Bayer war nun aufgeweckter und suchte sein Heil in der Flucht nach vorne. Eine Viertelstunde vor dem Ende wagte es Dutt sogar, mit Stefan Kießling einen weiteren Stürmer auf das Feld zu bringen. Der hatte dann auch gleich eine große Kopfballchance, konnte sein Team aber nicht nochmal zurück ins Spiel bringen. Erst in den letzten zehn Minuten schaffte es der FC Barcelona wieder, seine Spielweise durchzudrücken. Zwischendurch war der Ballbesitz auf fast schon bedenkliche 70% geschrumpft. Mit dem 3:1 kurz vor Abpfiff demonstrierten sie aber noch einmal ihre Klasse. Mindestens 95% aller Spieler hätten im Falle von Dani Alves im Strafraum vor Bernd Leno selbst abgeschlossen. Alves flankte, in der Mitte kam Messi angerannt und traf. Marcel Reif sagte dazu passend: “So einen Treffer kann auch nur der FC Barcelona erzielen.”

Spätestens mit dem dritten Tor sind die Chancen von Bayer Leverkusen für ein Weiterkommen natürlich noch weiter gesunken. Wenn das mit einem Rückspiel im Camp Nou vor der Brust überhaupt noch möglich war. Mit dem mutlosen Auftritt vor der Halbzeitpause hat sich das Team selbst in Probleme gebracht. Es ist hypothetisch, ob das Spiel anders gelaufen wäre, aber da man gegen Barca eigentlich nichts zu verlieren hat, hätte man wenigstens den Versuch starten können. Von der statistischen Seite war Barca – nimmt man den Ballbesitz einmal aus – keinesfalls der übermächtige Gegner. 12:7 Schüsse für die Spanier, davon 7:4 aufs Tor. Jedoch brauchte Alexis Sanches für zwei Tore eben auch nur drei Schüsse.

Als Schlusswort bleibt: Zumindest im zweiten Durchgang hat sich Bayer teuer verkauft und Gegenwehr geboten. Dass man mit mehr Risiko auch zwei Gegentore kassiert hat, liegt in der Natur der Sache, wenn man gegen das beste Team der Welt spielt. Da fehlt am Ende des Abends einfach die Qualität.

Hoffnung überflüssig 3. Mai 2011

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Auf Schalke scheint man sich nach der gravierenden Niederlage der letzten Woche gegen Manchester United damit abgefunden zu haben, dass das Finale ohne sie stattfinden wird. Zwar setzt man noch auf Durchhalteparolen. Echte Zuversicht allerdings sieht anders aus.

Allein schon die Tatsache, wie oft das Wunder von Old Trafford beschworen werden muss zeigt, dass auch sonst niemand an ein solches glaubt. Ein anständiger Auftritt sei der Mannschaft hingegen trotzdem angeraten. Eine erneute Klatsche würde sonst das bisher sensationell Erreichte in der Champions League wohl vollkommen mit einem faden Beigeschmack belegen.

Entgegen kommen dürfte ihnen da ein wenig, dass Ferguson selbst einige Spieler für das Saisonfinale in der Liga schonen möchte. Doch auch die zweite Reihe des englischen Meisterschaftsanwärters ist mit Owen und Co nicht von Pappe. So richtig vermag man zudem das Leistungsgefüge der Schalker im Moment nicht einzuschätzen. Zu schwach war auch der Auftritt zwischen den Halbfinalspielen am Samstag auswärts in München. Gegen die gut aufgelegten Münchener, war man wieder wie von der Rolle. Selbst ein Unentschieden dürfte sich wohl schon wie ein Finalsieg anfühlen für den letzten deutschen Vertreter in der Königsklasse.

Bezüglich des anderen Halbfinals scheint sich hingegen wieder einmal die gravierende Nebenwirkung zu bestätigen, dass man sich nach dem vierten Spiel innerhalb von zwei bis drei Wochen nicht mal mehr riechen kann, zumal man vorher schon nicht besonders dicke war. Das einstige Saisonfinle zwischen dem HSV und Werder führte sogar dazu, dass die DFL für eine erneute Ansetzung des Spiels gegen Ende der Folgesaison angegriffen wurde.

Doch gegen das, was sich die Uefa momentan anhören darf, scheint das wohl ein eher Kindergeburstag gewesen zu sein. Von Seiten Reals wird Mourinho gar nicht mehr müde mit übelsten Verschwörungstheorien aufzufahren, die eine wie die andere einfach nur obskur klingen.

Niemand wird dabei verschont. Seien es die beiden Schiedsrichter der Spiele, der Barca-Trainer Gardiola oder gar die Uefa, die das alles nur arrangiert, um den Erzrivalen zu bevorzugen. Wahlweise lässt sich das natürlich auch als eine Benachteiligung von Mourinho aus.

Eines ist Mourinho damit allerdings sicher gelungen. Seine Mannschaft tauchte so kaum in der Presse auf, da ihr Trainer, der zudem für das Spiel noch suspendiert wurde, sämtliche Aufmerksamkeit auf zog. Doch ob das reicht für einen Auftritt im Nou Camp, der wohl in die Annalen eingehen würde, ist wohl mehr als fraglich.

Man mag zwar an das Spiel in der Hinrunde denken, als Real Barca mit einem 5-1 spektakulär überrannte oder auch an das Ligapokalfinale. Doch über die entscheidenden Momenten der Saison waren die Katalanen konstant zur Stelle, während eher die Real zu Schwächen neigte.

Hinzu kommt, dass die Königlichen am Abend nicht nur auf Khedira sondern auch auf den im Hinspiel vom Platz geschickten Pepe verzichten müssen. Das defensive Korsett fehlt also, was es noch einmal erschwert, Barca so unter Druck zu setzen, dass sie zu schlagen wären. Zumal Madrid selbst noch treffen muss und demzufolge irgendwann die Spielanlage nach vorne schieben muss, was dem FCB Platz schafft.

Insgesamgt keine guten Voraussetzungen also, das kaiserliche “Aggregat” zu drehen. Vielmehr haben die Eskapaden den faden Beigeschmack präventives Gezetere zu sein, um danach erst recht einen Grund zu haben sich über die Gegebenheiten des Halbfinales auszulassen. Sich also einen Sündenbock zu basteln, in einem fairen Wettbewerb wäre man ja nie so unterlegen gewesen.

In diesem Fall dürfte man the Special One wohl endgültig bescheinigen über das Ziel hinaus geschossen und gänzlich abgehoben zu sein. Vielleicht ist es aber auch einfach nur das Geschrei eines Babies, das im Mittelpunkt stehen will und es nicht erträgt dort jemanden anderen zu sehen.

Die Serie hält 29. April 2010

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Barcelonas Trainer Guardiola hatte schon im Vorfeld der K.O.-Runde zur diesjährigen Champions League seinen größten Respekt davor geäußert: Noch nie seit der Neustrukturierung der Meisterklasse Anfang der 1990er-Jahre konnte eine Mannschaft ihren Titel verteidigen. Barcelona hatte man in Anbetracht der Zauber-Auftritte gegen Arsenal zugetraut, als erstes Team diese Serie zu durchbrechen. Doch seit gestern Abend ist klar: Die Serie hält!

Und das, obwohl die Zahlen ganz klar für Barca sprechen: Mehr als 70 % Ballbesitz, mehr als fünfmal so viele Pässe wie Gegner Inter Mailand. Nur das Tor haben sie einmal zu wenig getroffen. Selbst ein früher Platzverweis von Inters Thiago Motta und die daraus resultierende drückende – wenngleich letztendlich nur gefühlte – Überlegenheit haben nicht geholfen. Mit einem Kraftakt, und ohne sich eine einzige Torchance herauszuspielen, leistete das Team von José Mourinho beeindruckende Arbeit und schaltete den katalanischen Angriffswirbel aus. Gekonnte No-Look-Pässe, gefühlvolle Heber über den Gegner – versucht hat Barca wie in den Spielen zuvor viel, aber die Inter-Verteidiger hatten die Klasse, jeden Versuch abzuwehren. Eine eindrucksvolle Demonstration in zwei Spielen, wie man die vermeintlich beste Mannschaft der Welt ausschalten kann. Im Finale freilich wird man von Inter eine andere Leistung sehen müssen, denn irgendwann muss ein Treffer erzielt werden, um Bayern in die Knie zu zwingen. Fraglich ist für mich, wie das Spiel ausgesehen hätte, wenn Motta nicht so früh die Rote Karte (die ich im Übrigen für völlig überzogen halte, aber selbst Gelb hätte in dem Moment ja einen Platzverweis bedeutet – von daher: wer fragt am 22. Mai noch danach?) gesehen hätte. Wahrscheinlich hätte sich das Spiel auch mit elf Internationalen nicht groß anders entwickelt, vielleicht mit dem ein oder anderen Konter der Italiener.

Während Inter seine Defensiv-Künste unter Beweis stellen durfte, präsentierte sich der deutsche Rekordmeister im Torrausch – besonders Ivica Olic. Der Kroate stellt seit Wochen prominente Namen wie Mario Gomez oder Miroslav Klose in den Schatten, überzeugt durch sein sensationelles Laufpensum, welches sich derzeit auch noch mit enormer Effektivität vereinigt. Nahezu im Alleingang erledigte Olic so – zumindest auf dem Scoreboard – Olympique Lyon. Die Franzosen bekamen jedoch kaum ein Bein auf den Boden, die gesamte Bayern-Mannschaft überzeugte, neben Olic vor allem Bastian Schweinsteiger, den ich so präsent und spielfreudig eigentlich noch nie gesehen habe. Nimmt man beide Spiele in der Summe, stehen die Bayern völlig verdient im Finale von Madrid. Um ehrlich zu sein: Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich kann mich noch an den Saisonbeginn erinnern, als nach Klinsmann auch Louis van Gaal als Trainer in München zu scheitern drohte. In welcher Manier man jetzt harmlose Lyoner besiegte war mehr als überzeugend.

Das Finale jedoch wird sicher ein harter Brocken. Inter ist gerade defensiv ein anderes Kaliber, und mit elf Spielern auch immer für die gefährliche Vorstöße gut, wie man im Hinspiel gegen Barcelona bestaunen durfte. Dazu kommt noch die Unberechenbarkeit Mourinhos – es wird wohl bis zum Spielbeginn unklar sein, für welche Taktik, offensiv oder defensiv, er sich entscheidet. Wenn das mal nicht die Vorfreude steigert…

Ba-Ba-Banküberfall 21. April 2010

Posted by Max in : Champions League , 1 comment so far

Niemand hatte ihn auf der Rechnung. Er kam am Abend. Seine Tarnung: Eine UEFA-Plakette. Seine Waffe: Eine Trillerpfeife. Seine Komplizen: Die Offiziellen zwei, drei und vier (in dieser Reihenfolge). Der Vorwurf: Punkteraub in Tateinheit mit Nationalität – Portugiese ist der Mann. Um wen geht es? Olegario Benquerenca! Halbfinalspiele in der Champions League scheinen in den letzten zwölf Monaten zumindest fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen nahezu heraufzubeschwören. So war es gestern auch beim Hinspiel, als Inter Mailand auf den FC Barcelona traf.

Fest steht nun: Jetzt hat auch Barca seinen Övrebrö. Er kommt sogar gleich von nebenan. Streitpunkt sind nach dem 3:1-Ergebnis besonders zwei Szenen: Zum einen das Tor, welches den Endstand herstellte durch Diego Milito. Der Inter-Spieler stand beim letzten Zuspiel seines Mitspielers im Abseits. Nicht meterweit, aber schon aus dem Spiel heraus konnte man den entsprechenden Verdacht der Illegalität äußern. In der zweiten Situation war es jedoch eindeutiger, als im eigenen Strafraum Wesley Sneijder ziemlich ungeschickt den Barcanesen Alves von den Beinen holte – doch wieder hatte Benquerenca die Situation anders gesehen. Zwei eindeutige Benachteiligungen, welche die für ihre Objektivität und Korrektheit bekannten spanischen Gazetten zur Schlagzeile „Raubüberfall“ (El Mundo Deportivo) veranlasste. Andere wieder sehen es als ausgleichende Gerechtigkeit für die massive Bevorteilung des FC Barcelona in der letzten Saison, als die Katalanen im Halbfinalrückspiel erst auf den letzten Drücker und unter Mitarbeit von Referee Övrebö den Einzug in das Endspiel schaffen konnten.

Die Situation von damals lässt sich aber nur bedingt vergleichen: Gehen wir mal von einer einwandfreien Schiedsrichterleistung in der nächsten Woche aus, hat Barcelona immerhin noch mindestens 90 Minuten, die Fauxpas von Benquerenca aus eigener Kraft auszumerzen – Chelsea hingegen blieben 2009 dafür nur wenige Augenblicke.

Trotz dieser Einwirkungen des Unparteiischen am Dienstagabend kann man wohl von einem verdienten Sieg Inters sprechen. Die Italiener schafften es, eine Mannschaft – und dabei besonders Lionel Messi – zu bändigen, welche zuletzt Arsenal zerfleddert hatte. Nur selten schaffte es Barca, das eigene Kombinationsspiel aufzuziehen. Stattdessen investierte Inter in einem insgesamt sehr sehenswerten Spiel nicht nur in Defensivarbeit, sondern auch in Angriffsbemühungen. So konnte dann sogar ein 0:1-Rückstand gerade gebogen werden, die Ausgangslage für das Spiel in einer Woche ist blendend. Nach knapp zwei Jahren scheint Mourinho sein Team dort zu haben, wo er es sehen will: In der europäischen Spitze – und selbst die augenscheinlich beste Mannschaft der Welt ist gerade gut genug, um einen läppischen Treffer gegen Inter zu erzielen. Nicht weniger zurückhaltend als ihre Kollegen von der iberischen Halbinsel betitelten die italienischen Zeitungen derweil das Team aus Mailand bereits als „außerirdisch“ gut.

Wie vergänglich solche Lobpreisungen sind wissen sie in Barcelona wohl selbst gut genug, wenn man sich mal an die Schlagzeilen nach der Gala vor zwei Wochen erinnert. Deshalb würde ich den Titelverteidiger auch für das Rückspiel auf keinen Fall abschreiben – das wird ein heißer Tanz im Camp Nou!