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Lausitzer Pragmatismus 10. Juli 2011

Posted by Moritz in : Bundesliga,Nordostfussball , add a comment

Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Nach dem sensationell verlaufenen Umschwung in Richtung Ausbildungsverein, den Pele Wollitz in der Lausitz einleitete, erfährt in diesem Sommer auch Energie Cottbus diesen Grundsatz.

Erfolg hatten sie in der vergangenen Saison nicht zu knapp. Energie stand im Pokalhalbfinale. In der Liga war man hinter der “Übermannschaft” aus Berlin die Torfabrik, bot seinen Besuchern spektakuläre Auftritte und spielte nebenbei trotz der zusätzlichen Belastung noch relativ lange um den Aufstieg mit.

All das rief potentere Vereine auf den Plan, die sirenengleich dem Herzstück der Mannschaft Avancen machten, die einfach zu gut waren. Petersen gab dem Werben der Bayern nach. Jula zog es nach Duisburg, wohin auch Shao entflog.

Es steht also ein Umbruch an dieser Tage. Während andernorts teure Umbrüche zu Saisonbeginn zum guten Ton gehören, sind in der Lausitz traditionell schwierig zu berwerkstelligen. Die Mittel für adäquaten Ersatz sind in der Lausitz immer noch dünn gesät. Daran ändert der ganze Erfolg in der letzten Saison nichts. Dementsprechend setzt man die Interessen auch eher auf künftiges Potenzial als auf aktuell große Namen.

Symptomatisch dafür stehen die Verpflichtungen von Problemvereinen wie Müller von Bielefeld oder Ludwig von den 60ern aus München. Beide erspielten sich in der vergangen Saison keine Bestnoten. Allerdings traut man ihnen zu, wenn sie schon nicht einschlagen, den Kader zumindest in der Breite zu erweitern. Ein weiterer Punkt, den Wollitz in der vergangenen Saison, bemängelte, da er in den entscheidenden Momenten mangels Verfügbarkeit kaum neue Impulse von außen setzen konnte.

Bekanntester Neuzugang dürfte ohnehin Dimitar Ragenlov sein. Schon einmal lief der Bulgare für Energie auf und stellt eigentlich ein Relikt aus alten osteuropäischen Zeiten dar. Als Hoffnungsträger, der die Ära Radu/Munteanu fortführen sollte, kam er einst und konnte nur halb überzeugen. Zuletzt war er in der Versenkung verschwunden und versucht nun neuerlich über Cottbus den Anschluss an erfolgreiche Zeiten.

Ein Reihe von Risiken also, die zugleich auch eine große Chance darstellen. Durch die Abkehr wird es möglich die Balance der Mannschaft wieder auf vernünftige Füße zu stellen. Zuweilen lebte die Mannschaft ihren offensiven Rausch zu sehr aus und vernachlässigte die defensive Kompaktheit. In der Folge summierten sich die Gegentreffer zu eigentlich abstiegsreifen 52 auf. Wer dafür einen Beleg braucht, sieht sich am Besten noch einmal Max gestrigen Stimmungstipp gegen die Schießbude der Liga an.

Angesichts dieser Schreckensbilanz erwägt sogar Offensiv-Fanatiker Wollitz einen zusätzlichen Defensivakteur im Mittelfeld, der hinten die Reihen besser aneinander kittet. Zu Zeiten, in denen das sehenswerte schnelle Spiel aus einer steinharten Defensive heraus, eines der erfolgsversprechenden Konzepte für den schmalen Geldbeutel darstellt, einfach unmodern. Die Gefahr zu einem Rückfall in düsterste Ekelzeiten steht unter Wollitz zumindest nicht zu erwarten.

Viel wird davon abhängen, ob er es schafft der neuen Mannschaft wieder den Geist einzuhauchen in der Lage ist, der es seit seinem Amtsantritt umwehte. Wenn hier nicht alle Rädchen ineinander greifen droht der Laden auseinander zu fliegen.Dies hat man auch in der Lausitz erkannt und stapelt eher tief. Obwohl das stringente Gesetz der Serie in diesem Jahr eigentlich einen Ligenwechsel vorsehen müsste – man wechselte seit der Wiedervereinigung alle drei Jahre die Klasse. Zu begrenzt sind die Mittel für einen vollumfänglichen Ersatz der abgeflossenen Qualität und zu groß sind die Unabwägbareiten, die bleiben. Das Saisonziel lautet schlicht Nichtabstieg. Ein unaufgeregtes und realistisch ambitioniertes Ziel. Alles weitere lässt man auf sich zukommen.

Fussball ist hier 9. Juli 2011

Posted by Max in : Bundesliga,Nordostfussball , 1 comment so far

In sechs Tagen geht es endlich wieder los! Die Zweite Bundesliga startet in die Saison 2011/2012 – und die Vorfreude bei mir ist ob der großartigen Besetzung mit den fünf ostdeutschen Teams aus Aue, Berlin, Dresden, Rostock und Cottbus extrem groß. Dazu warten weitere spannende Fragen auf ihre Beantwortung: Wie läuft es in Frankfurt mit Veh? Welchen Sprung macht 1860 mit seinem Investor? Sind die Fußstapfen für André Schubert bei St. Pauli zu groß?

Mangels Vergleichsmöglichkeiten möchte ich nicht unbedingt in die Lobeshymnen der “stärksten zweiten Liga der Welt” und ähnlichem einstimmen, aber alleine auf dem Papier wird das eine sehr attraktive, ansprechende Saison. Die das Niveau des sehr kurzweiligen Vorjahres bestimmt nochmal steigern kann. Zur Einstimmung habe ich mal einen Zusammenschnitt des unglaublichen 5:5 in Cottbus aus dem vergangenen September herausgekramt.

In den kommenden Tagen werden wir hier die Schlagzahl etwas erhöhen und uns ausführlicher mit den ostdeutschen Mannschaften aus der Zweiten Liga beschäftigen. Den Anfang macht morgen Moritz.

Auf ins gelobte Land 1. März 2011

Posted by Moritz in : DFB-Pokal,Europa League , add a comment

Es stand bereits zur Auslosung fest – im diesjährigen Pokalfinale wird es wieder einen Zweitligisten geben. Heute Abend entscheiden Duisburg und Cottbus im Stechen über die David-Rolle für das Endspiel.

Lange her ist es her, dass ein unterklassiger Klub, zuletzt eine solche Chance hatte. Als kleines Schmankerl lockt vor allem auch bei einem passenden Ergebnis im zweiten Halbfinale die das gelobte Land des Fußballs – die Teilnahme am internationalen Geschäft. Kein alltäglicher Anreiz für einen “unterklassigen” Verein, was sich heute Abend hoffentlich in mutigen Spiel und nicht Versagensängsten auf dem Spielfeld ausdrückt.

Das letzte Team, dem dieses Kunststück gelang, war die Alemannia aus Aachen, die zugleich auch eben jenes Glück hatten sich trotz der Finalniederlage gegen Stevens Schalke für den Uefa-Pokal zu qualifizieren. Mit oben erhofftem Verhalten lag ihnen der Pokal damals so sehr, dass sie die Gruppenphase überstanden und bis ins Sechzehntelfinale vordrangen. Unvergesslich blieben vor allem die Spiele, die Alemannia Aachen im Uefa Pokal einem bescherte. Wer weiß, ob jemals ein Zweitligist weiter in die internationalen Weiten vorgedrungen ist, aber eine bessere Werbung für die “beste Zweite Liga der Welt” kann man sich gar nicht vorstellen.

Vor allem der Abend gegen den AZ Alkmaar damals im Rhein-Energiestadion im letztlich vergeblichen Duell ist noch im Gedächtnis. Es war ein typisches Spiel eines Underdogs im eigenen Stadion gegen einen Gegner, der sich darauf nur halbherzig vorbereitet zu haben schien. Die Alemannen gingen mit dermaßen viel Herzblut zur Sache, dass der Wille auch vor dem Fernseher förmlich spürbar wurde.

Eigentlich einer der Abende, an denen Geschichte geschrieben wird und Spieler sich unsterblich machen können. Erik Meijer brannte sich an diesem Abend mit einem Bärenpensum über die Stimme des Kommentators zumindest in mein Gedächtnis. Allein dieses vermaledeite Tor der Holländer blieb wie vernagelt. All die Energieleistung half nichts – im Rückspiel musste man sich nach einem fast ebenso engagiertem Spiel mit 2-1 geschlagen geben.

Einem Verein würde ich ein vergleichbares Kunststück an diesem Abend nicht nur aus lokaler Verbundenheit gönnen: Energie Cottbus. Was wurde über sie und ihre Spielweise vor einigen Jahren noch geschimpft und inzwischen sind sie eines der Offensivwunder der zweiten Liga. Zumal zuletzt der Bundesligaaufstieg in weite Ferne rückte, wäre das auch in der Anbetracht der positiven Veränderung, die Cottbus und seine Spielphilosophie unter Pele Wollitz durchgemacht hat, wäre das ein grandioses Schmankerl Europapokalnächte im so oft zitierten armen Fußballosten zu zelebrieren.

Doch bei so viel Träumerei gilt es zunächst einmal heute Abend den letzten Stein auf dem eigenen Weg beiseite zu räumen und auf ein passendes morgiges Ergebnis zu warten, bevor das Fell zerlegt wird. Also: Viel Erfolg, Cottbus!

Zum Schluss noch eine kurze Meldung in eigener und vollkommen anderer Sache. Auch wir haben vor uns ins gelobte Land des Fußballs aufzumachen!

Dorthin, wo der Fußball noch verlässlich und die Welt in Ordnung ist. Wenn Fußball irgendwo noch so gespielt wird, wie es unsere Großväter einst taten, dann ist es in Schottland, jener gallischen Enklave, in der nicht mit Fitnessbändern, Medizinbällen oder ähnlichem sondern mit Baumstämmen trainiert wird.

In Glasgow werden wir uns ein Bild jener Abwehrreihen machen, die Granit wie Wackelpudding erscheinen lassen und in der es noch echte Hinkel (-Steine) auf dem Feld gibt. Doch genug der Stereotype – hiermit verabschieden wir uns für eine Woche ins gelobte Land und wünschen eine allseits angenehme Zeit!

Fussball mit Energie 16. November 2010

Posted by Max in : Bundesliga,Nordostfussball , 3 comments

Seit dieser Saison ist München die östlichste Stadt in der Bundesliga. Mit dem Abstieg von Hertha BSC im Sommer verabschiedete sich auch der letzte Repräsentant aus diesen geografischen Gefilden in das Unterhaus. Doch zumindest mit der aktuellen Momentaufnahme der deutschen Profiligen könnte sich das ändern: Hertha und Aue auf den Aufstiegsrängen, Energie Cottbus in Schlagweite zu den begehrten Plätzen in der Zweiten Liga. Und das in der Bundesliga leidlich überrepräsentierte NRW stellt derzeit alle drei Teams auf den Abstiegsrängen in der Eliteklasse des deutschen Fussballs.

Immerhin sechs Jahre Bundesligaerfahrung kann mittlerweile Energie Cottbus vorweisen. Die Lausitzer sind seit jeher mit dem Handicap einer strukturschwachen Region belegt und hatten im Oberhaus nahezu immer den Ruf als “Ekel der Liga”. Destruktiver Fussball, und das ganz ohne einen Friedhelm Funkel auf der Trainerbank. Dort saßen zunächst mit dem cholerischen Eduard Geyer und anschließend dem ruhigen Gegenpol Petrik Sander zwei ostdeutsche Übungsleiter. Mit Geyer schaffte Energie erstmals den Sprung in die Bundesliga, sein Name war eng mit den Erfolgen der Ära Piplica/Miriuta verbunden. Sander führte die erfolgreiche Arbeit von Geyer anschließend fort. Doch was in all den Jahren verpasst wurde, war der Versuch eines Imagewechsels: Bis zum vergangenen Sommer war die Transferpolitik ziemlich einfallslos. Mittelmäßige, andernorts gescheiterte osteuropäische Spieler wurden verpflichtet. Vielleicht schlägt ja mal einer ein. So hat es einst beim Duo Munteanu/Radu geklappt, aber zu oft waren Nieten dabei. Letztendlich wurde mit Bojan Prasnikar sogar noch ein osteuropäischer Coach geholt. Als  mit ihm im Sommer 2009 der erneute Abstieg nicht verhindert werden konnte, setzte in Cottbus offensichtlich ein Umdenken ein.

Der FC Energie hat seit Jahren eine gute Nachwuchsarbeit, derer man sich bestimmt nicht schämen muss. Deshalb ist es für mich eigentlich seit Jahren unverständlich gewesen, warum sich die Lausitzer nicht schrittweise einen Imagewechsel in Richtung “Ausbildungsverein” geleistet haben. Stattdessen kam also vor knapp anderthalb Jahren der radikale Schnitt: Ein neuer, frischer Trainer. Claus-Dieter Wollitz, der Zweitliga-Klopp, überzeugte die Jahre davor durch seine unkonventionelle aber erfolgreiche Arbeit in Osnabrück. Ein emotionaler Typ – also wieder ein krasses Gegenteil zum ruhigen, nahezu unterkühlten Prasnikar. Damit einher ging aber auch die Orientierung weg ausschließlich vom osteuropäischen Spielermarkt. Zunächst gab es in der letzten Spielzeit zwar Anlaufschwierigkeiten, aber insgesamt bestreitet Energie den “neuen Weg” auffallend positiv.

Es war ja schon ein Aufschrei damals, als sich die Cottbusser “trauten”, erstmals in der Bundesliga ausschließlich Ausländer auf den Platz zu schicken. Klingt mittlerweile wie aus einer vergangenen Zeit. Man glaubt es kaum, aber am Wochenende beim 0:0 gegen 1860 München standen neun deutsche Spieler in der Anfangsformation von Wollitz. Mit Bittroff und Fandrich zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich. Mit Nils Petersen, 21 Jahre jung, der derzeit beste Torschütze der Zweiten Bundesliga, über den zuletzt (angeblich) auch der FC Bayern schon Erkundigungen eingeholt haben soll. In nur 16 Monaten hat es Wollitz geschafft, die strategische Stoßrichtung des Vereines komplett zu drehen. Energie steht weiterhin für Kampf und Leidenschaft, aber jetzt auch für ansehnliches Offensivspiel, Torgefahr, Dynamik, Jugend. Ich bin ehrlich: Keiner Mannschaft wünsche ich den Aufstieg so sehr wie Energie Cottbus. Und so dürfte es ja dann auch keine empörten kicker-Leserbriefe mehr geben, wo mit lautem Geschrei wegen destruktiver Spielweise und zu geringer Anzahl deutscher Akteure der Lizenzentzug für den Verein gefordert wird.

2. BL: Energie Cottbus – Union Berlin 26. April 2010

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