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Schottischer Rumpelfussball 9. März 2011

Posted by Max in : Fussball International , 2 comments

Da sind wir wieder! Nach einigen Tagen in Schottland genießen wir nun endlich wieder die Vorzüge des Rechtsverkehrs. Die Reise auf die Insel diente nicht nur dazu, unseren Freund Tom zu besuchen, sondern auch um etwas schottische Fussball-Impressionen zu sammeln. Was wir zu sehen bekamen, diente nicht dazu, um Vorurteile zu entkräften: Das Glasgow-Derby zwischen Celtic und den Rangers lebt nahezu ausschließlich von Aggressivität, Inensität, Hass. Im restlichen Liga-Alltag treffen sie dann auf zum Großteil überforderte Gegner, die von ihnen keine Glanzleistungen abfordern.

Mittwoch, 2. März: Old Firm

DurGrafik aus dem Heimatmuseum ch ein Remis im Hinspiel des Pokal-Achtelfinales zwischen den Rangers und Celtic stand vor einer Woche das Wiederholungsspiel an. Um das “Old Firm” rankt sich eine glanzvolle Geschichte, kaum ein Derby weltweit elektrisiert die Stadt so sehr, wie dieses Spiel. Zwischen den Fans dieser beiden Vereine existieren tiefe Gräben, die Partie ist natürlich ein Spiel, das unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen werden muss.

Während das Spiel in den meisten Pubs aus Sicherheitsgründen nicht gezeigt wird, bot sich für uns in dem Gebäude der Studenten-Union die Möglichkeit, am Public Viewing teilzunehmen. Wir stolperten zum Ende der ersten Halbzeit in die gut gefüllte Union. Auffällig, dass hier keinerlei Fan-Utensilien zugelassen waren, offensichtlich wurde darauf schon beim Einlass geachtet, meinen HSV-Schal musste ich jedoch nicht abgeben. Schnell bekam man einen kleinen Eindruck von der Stimmung und den Emotionen, welche diese Partie in Glasgow hervorruft. Über die plärrenden Lautsprecher kam die hitzige Stadionatmosphäre in den Schauraum, dazu wurden alle Aktionen der Partie von den Studenten durch lautstarke Rufe, Unmutsbekundungen oder Jubelorgien begleitet. Die Celtic-Fans waren in der Union klar in der Überzahl. Vereinzelte Rangers-Anhänger saßen am linken Rand des Raumes und verhielten sich still. Sie hatten an diesem Abend aber auch wenig zu lachen.

Es ist bewundernswert, wie sehr sich die schottischen Fussballfans über jede kleine Aktion, jedes belanglose Allerweltsfoul im Mittelfeld echauffieren können. Vielleicht ist diese Leidenschaft aber auch nötig, um das erbärmliche sportliche Niveau auf dem Feld zu ertragen. Spielerisch war das ein Offenbarungseid der beiden augenscheinlich stärksten Teams Schottlands. Stattdessen gab es reihenweise Fouls am Rande der Körperverletzung, mit zunehmender Spieldauer inflationäre Rudelbildung. Die Bilanz des Abends: 13 Verwarnung, drei Platzverweise. Dazu offensichtlich rassistische Anfeindungen gegen El Hadji Diouf, Prügeleien zwischen den Spielerbänken nach dem Abpfiff, zahlreiche Festnahmen von Fans im Umfeld des Spiels. Die aggressive Stimmung auf den Rängen übertrug sich auf das Spielfeld. Oder war es umgekehrt? In Schottland diskutiert man jetzt, ob man die Spiele von Old Firm in Zukunft nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen sollte. Die Polizei nämlich sieht sich langsam nicht mehr im Stande, die Rivalität der beiden Teams zu kanaliseren.

Am Ende siegte Celtic verdient mit 1:0, weil sie neben allen Aggressionen und Emotionen zumindest in wenigen Szenen spielerische Fähigkeiten aufblitzen ließen und letztendlich mehr Siegeswillen auf den Platz brachten. Bezeichnend für die Partie: Rangers hatte während der 90 Minuten nicht eine einzige Torchance. Als neutraler Zuschauer ist es interessant, dieses wilde Treiben im Stadion und die Emotionen in der Studenten-Union anzusehen, aber dauerhaft möchte ich solche Derbys lieber nicht sehen.

Samstag, 5. März: Celtic vs. Hamilton

Drei Tage später machten wir uns selbst auf dem Weg in den Celtic Park. Das Ligaspiel stand unter völlig anderen Vorzeichen, mit Hamilton Academical ging es für den Celtic FC gegen den Tabellenletzten der Schottischen Premier League. Man merkte den Celtic-Spielern die Strapazen des Pokalsieges nicht an, sie wurden aber vom Gegner auch überhaupt nicht gefordert. Ohne besondere Anstrengungen, aber auch unendlich zäh siegte Celtic am Ende mit 2:0. Resultierte das Führungstor immerhin noch aus einem sehenswerten Volleyschuss, offenbarte der Treffer, welcher das Endergebnis bedeutete, die komplette Hilflosigkeit von Hamilton: Ein einigermaßen unbedränger Querpass vor dem eigenen Tor landete direkt in den Füßen eines Celtic-Stürmers, der keine Mühe hatte das Geschenk anzunehmen.

Das erneut schlechte Niveau der Partie sorgte dafür, dass ich erstmals bei einem Stadionbesuch ernsthafte Probleme hatte, mich munter zu halten. Der Celtic Park war mit 51.811 Zuschauern gut besucht. Schon in London war uns einst aufgefallen, dass auf der Insel eine völlig andere Einstellung der Zuschauer zur 08/15-Ligapartie herrscht: Man geht ins Stadion, setzt sich, lässt ein paar vereinzelte Anfeuerungsrufe los, geht wieder nach Hause. Im Übrigen verlassen mindestens 50 % der Zuschauer das Stadion beim Spielstand von 2:0 schon weit vor dem Abpfiff. Spätestens mit dem finalen Signal des Schiedsrichters sind die Tribünen aber quasi verwaist. Der Eventcharakter, den die meisten Bundesliga-Arenen heute verbreiten, fehlt hier. Das führt aber auch dazu, dass man bei einem solchen niveauarmen Spiel schnell die Gedanken abschweifen. Dazu kommt noch das monotones Getrommel einer kleinen Supporter-Gruppe. Dafür wachen die Fans bei Toren oder Torchancen plötzlich auf. Und eine sehr schöne Einlaufmusik hat Celtic: Let The People Sing!

Nach dem Craven Cottage war der Celtic Park nun schon das zweite Stadion aus der Feder von Architekt Archibald Leitch, welchem wir einen Besuch abgestattet haben. Die Bauweise ist ähnlich, wenngleich das Stadion in Glasgow alleine durch seine Dimension schon eindrucksvoller wirkt, jedoch nicht den heimeligen Charme seines Londoner Kollegen versprüht. Eine Parallele findet sich – wie übrigens wohl bei nahezu allen Leitch-Bauten – im Backstein-Stil des Eingangsbereiches vor der Haupttribüne. Vor diesem Vereinsheim wurde just am vergangenen Samstag eine neue Statue eingeweiht, zu Ehren des ehemaligen Celtic-Trainers Jock Stein. Mit Stein gewann Celtic 1967 den Europapokal der Landesmeister in Lissabon, seitdem trägt die Mannschaften den Spitznamen “Lisbon Lions”.

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Blick auf den Celtic Park, Jock Stein-Statue, Vorplatz (zum Vergrößern klicken)

Und damit wäre der Bogen gespannt zum “Lisbon Lions Stand”, wo wir unsere Plätze hatten. Um dorthin zu gelangen, die Tribüne wird auch “Rangers End” genannt, führt der Weg zunächst um das Stadion herum zum Eingang. Auch wie in London: Keine Ordner, keine Kontrolle – bemerkenswert. Um ganz nach oben, fast unter das Dach zu gelangen geht es durch ein geräumiges Treppenhaus mehrere Etagen hinauf. Mancher dürfte sich da wohl an verlassene Bahnhofsaufgänge erinnern. Nach dem beschwerlichen Aufstieg folgt dann ein wunderbarer, unbehinderter Blick auf das Feld, sogar garniert mit einem kleinen “Schaufenster” auf die Industriestadt Glasgow über die tiefergelegte Haupttribüne hinweg.

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Lisbon Lions Stand, Stadioninnenraum (zum Vergrößern klicken)

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 Beweisfoto: Tom, Max, Moritz im Celtic Park

Zwei Tage nach dem Stadionbesuch ging es für uns wieder zurück in die Heimat. Am Abend verfolgte ich zunächst mit einem halben Auge, später vollumfänglich, die Zweitligapartie zwischen Augsburg und Düsseldorf. Sieben Tore in 90 Minuten. Mit Tempofussball. Und Torchancen. Das hat gut getan nach zweimal Rumpelfussball in Schottland.

Bilder (c) Tom Hirschfeldt, Moritz Pfefferkorn

HSV und Werder auf Kurs 23. Oktober 2009

Posted by Max in : Europa League , add a comment

Nachdem die Bundesliga-Klubs in der Champions League keinen Sieg holen konnten, sollte es wenigstens am dritten Spieltag der noch jungen Europa League besser werden. Letztendlich präsentierte die zweite Hälfte des deutschen Europapokal-Teilnehmerfeldes aber auch nur ein buntes Ergebnis-Allerlei, mit einer Berliner Niederlage – mittlerweile leider ein Standardresultat – sowie dem Remis von Werder in Wien. Nur der HSV, und das war nach den Personalschwächungen zuletzt keine Selbstverständlichkeit, konnte einen Erfolg feiern in Glasgow.

Werder Bremen kam mit der Empfehlung einer tollen Serie ohne Niederlage in das kleine Franz-Horr-Stadion von Wien. Der deutsche Pokalsieger und Vorjahresfinalist ging als Favorit in die Partie, und zunächst wurden sie dieser Rolle auch gerecht. Durch eine konzentrierte Leistung konnte Claudio Pizarro mit einem Doppelpack bis zur Mitte der zweiten Halbzeit seine Mannschaft in eine gute Position manövrieren. Doch dann erlebte Werder etwas, womit man in einem solchen kleinen Hexenkessel rechnen muss. Nachdem ein reguläres Tor nicht gegeben wurde, obwohl Frings den Ball zu einem dann nicht im Abseits stehenden Wiener spielte. Beflügelt von der Kulisse startete die Austria eine sehenswerte Schlussoffensive und kam durch Sulimani sowie Schumacher in der Endphase noch zum Ausgleich. Letztendlich ein unglückliches Resultat für Werder, die zu früh auf Kontrolle schalteten und dann im Angriffswirbel der Gastgeber den Hebel nicht mehr umlegen konnten.

Werder hatte das Spiel besonders in der ersten Halbzeit klar im Griff. Mehrfach hatten sie vor und nach dem ersten Pizarro-Treffer (19. Minute) die Möglichkeit, bereits frühzeitig für eine Vorentscheidung zu sorgen. So traf etwa Mertesacker den Pfosten, oder die Bremer Angreifer scheiterten am starken Austria-Ersatzgoalie Robert Almer. Es dauerte eine ganze Weile, bis Milenko Acimovic, Dreh- und Angelpunkt des Spieles der “Veilchen”, gute Aktionen starten konnte. Im Vorfeld der Partie wurde diskutiert, wie weit Austria von der Form seines Spielmachers abhängig ist. Letztendlich war Acimovic nur ein Teil der späteren Aufholjagd, aber gewiss nicht die bestimmende Figur. Wesentlich besser gefielen mir da Sulimani, Baumgartlinger oder Schumacher, der nach seiner Einwechslung viel unterwegs war und mit dem Ausgleichstor belohnt wurde. Trotz des Achtungserfolges wird es für die Austria schwer, in die nächste Runde einzuziehen. Athletic Bilbao besiegte im Parallelspiel Nacional Funchal mit 2:1, somit liegen die Österreicher bereits vier Punkte hinter dem zweiten Rang zurück. Hier hängen ihnen nun die verlorenen zwei Zähler vor drei Wochen an gleicher Stelle gegen Funchal nach, ein Sieg in Bremen ist Vorraussetzung für einen positiven weiteren Verlauf der Gruppenphase. Es wird schwer – aber mit so einer kämpferischen Leistung ist nichts unmöglich. Zumal sich weder Funchal noch Bilbao gestern in Europapokalform präsentierten.

Anders als der Bremer Rivale ließ sich der Hamburger SV nach einer Führung die Butter in Glasgow nicht mehr vom Brot nehmen. Wie schon am Wochenende in der Bundesliga beschränkte sich das Spiel der Hanseaten zum großen Teil auf einige wenige Angriffe. Im Mittelpunkt stand dabei Markus Berg, der auch den Treffer des Abends erzielte. Abseits dessen gab es noch einige weitere Torchancen, die aber ungenutzt blieben. Auch Celtic hatte durchaus seine Möglichkeiten. Aber wie wir sie kennen – auch mit neuem Trainer ist die Mannschaft kein Schreckgespenst. Erschreckend ungefährlich konnten diverse Lücken in der Hamburger Abwehr, wo nun auch noch Jerome Boateng verletzt ausfiel, nicht verwertet werden. Entweder kam der Torabschluss zu früh, oder es wurde nur ein harmloser Rollerball aus vielversprechenden Situationen. Im Ernstfall war dann auch Frank Rost zur Stelle, oder der starke Guy Demel. Unter dem Strich ein durchaus verdienter Sieg.

Das andere Spiel in Gruppe endete mit einem Paukenschlag, weil Hapoel Tel Aviv die bisher starken Rapidler aus Wien mit 5:1 abfertigte. Somit sind die Israelis nun punktgleich mit dem HSV, während Rapid versuchen muss, beim Rückspiel in zwei Wochen Hapoel zu besiegen. Celtic ist mit einem Punkt schon richtig weit abgeschlagen, ein Sieg in Hamburg für den HSV ist auf jeden Fall drin.

Mit den schwachen bzw. durchwachsenen Resultaten (je nach Sichtweise) der Bundesligisten in dieser Woche verliert man in der Fünfjahreswertung wieder etwas an Boden im Vergleich mit Italien. Einen knappen halben Zähler hat die Serie A nun schon mehr gesammelt. Noch liegt man in der Ausgangswertung für das Jahr 2011 vor den Italienern, aber um diesen Vorsprung zu halten, sollte es in zwei Wochen wieder etwas besser laufen. Dann darf auch gerne die Hertha mal wieder einen Erfolg einfahren, ehe man sich in Berlin noch weiter in Nebensächlichkeiten flüchtet.

CL-Vorschau Teil 2: E, F, G und H 17. September 2008

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Nachdem die ersten acht Partien der neuen Champions League-Spielzeit gelaufen sind – mit einem aus deutscher Sicht suboptimalen Auftakt von Werder Bremen – wird es nun Zeit, auf die anderen 16 Vereine im Wettbewerb zu blicken, die sich in den Gruppen E bis H tummeln. Verzichten werde ich diesmal auf die Nennung weiterer sogenannter Geheimfavoriten, denn damit bin ich schon gestern Abend mächtig auf die Schnauze gefallen.

Der dritte Meistertitel in Dänemark nach 1995 und 1999 sowie die erfolgreiche Qualifikationsrunden gegen Modrica Maksima und FBK Kaunas sind der Grundstein, weshalb Aalborg BK als ein weiterer Debütant in der Champions League in Erscheinung tritt. Die Stärken der Mannschaft liegen vor allem in der mannschaftlichen Geschlossenheit, da kein Akteur übermäßig in der Lage ist, ein Spiel an sich zu reißen und notfalls alleine zu entscheiden. Doch gerade dieses letzte Quentchen dürfte Aalborg damit im Europapokal fehlen. Zwar wurden mit Bögelund und Beauchamp zwei Spieler mit Bundesliga-Erfahrung verpflichtet, doch es mangelt in fast allen Mannschaftsbereichen an Qualität und Quantität. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als brav ihre Punkte abzuliefern und Schützenfeste zu verhindern.

Unumstrittener Favorit in Gruppe E ist freilich Titelverteidiger Manchester United. Das Team um Trainerlegende Sir Alexander Ferguson kommt mit der Empfehlung als beste Vereinsmannschaft des Kalenderjahres in den Wettbewerb, und auch in der neuen Spielzeit wird der Weg zum Titel wohl nur über ManUnited gehen. Die Mannschaft ist weitestgehend zusammengeblieben, mit Eagles, Pique, Saha und Silvestre verließen nur Spieler den Verein, die nicht zum Grundgerüst der erfolgreichen Truppe gehörten. Wenn man über diese Mannschaft schreibt, ist es schwer, einen Anfang zu finden: Über die Abwehr mit dem Bollwerk Ferdinand/Vidic, das Mittelfeld, das fast alle Spielertypen auf diesen Positionen vereint mit Giggs, Hargreaves, Scholes oder Carrick, und natürlich der Sturm mit Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez. Es passt einfach vorne und hinten, wenn man sich den Kader genau anschaut. Man sollte also meinen, dass ManUnited nur über sich selber stolpern kann – so geschehen beim Saisonauftakt in der Premier League, wo die Red Devils nach vier Spieltagen nur auf dem 13. Platz liegen. Doch auch das werden sie in den Griff bekommen, und der Weg nach Rom wird in Siebenmeilenstiefeln bestritten.

2006 schaffte es der FC Villarreal bis in das Halbfinale der Champions League. Nach zwei durchwachsenen Jahren gelang den gelben “U-Booten” mit dem Vizemeistertitel in Spanien, sogar noch vor dem FC Barcelona, nun wieder der große Wurf mit dem Einzug in die Gruppenphase. Trainer Manuel Pellegrini kann dabei auf einen guten Kader zurückgreifen, der mit Edmilson (von Barca) sowie Ibagaza (aus Mallorca) ordentlich verstärkt wurde, und womit die Abgänge von unter anderem Mavuba, Riquelme und Tomasson gut abgefangen werden sollten. Prunkstück ist der Angriff mit Nihat und Giuseppe Rossi, die ein gefährliches Sturmduo bilden. Ich traue es den Spaniern durchaus zu, noch vor Celtic wiederum das Achtelfinale zu erreichen.

Eben dieses Celtic Glasgow hat es sich aber zuletzt im Achtelfinale gemütlich gemacht. Gordon Strachans Mannschaft zeichnete sich in den letzten beiden erfolgreichen Jahren hauptsächlich durch Kampfkraft, unbändigen Einsatzwillen aus. Die Spiele im Celtic Park waren für den nunmehr 42-maligen schottischen Meister fast ein Selbstläufer, dank der großartigen Unterstützung ihrer fanatischen Fans. Doch gerade wenn es in den alles entscheidenden Spielen zu engen Situationen kam, fehlte ihnen bisweilen die Durchschlagskraft. So war zuletzt auch deutlich mehr drin, als zweimal im Achtelfinale die Segel streichen zu müssen. Auf internationalem Niveau ist aus meiner Sicht der Angriff mit Vennegoor of Hesselink und Samaras sowie McDonald etwas dünn besetzt, es fehlt ein echter Torjäger, der auch ohne große Laufarbeit zur richtigen Zeit ein wichtiges Tor erzielen kann. Außer dem Abgang von Sno zu Ajax Amsterdam bleibt aber die letztjährige Erfolgsmannschaft zusammen, verstärkt durch Andreas Hinkel, der bei Celtic gar wieder zum Nationalspieler gereift ist, sowie Barry Robson und Shaun Maloney. Schon im Vorjahr strauchelten sie in der Gruppenphase und in der heimischen Liga – beide Male fand die Sache ein gutes Ende. Ist das Glück damit aber überstrapaziert? Ich bezweifle jedenfalls, dass Celtic auch 2008/2009 wieder das Achtelfinale erreicht. Mein Tipp für Gruppe E:

  1. Manchester United
  2. FC Villarreal
  3. Celtic Glasgow
  4. Aalborg BK

Die Champions League begrüßt mit dem AC Florenz in Gruppe F eine weitere Mannschaft, die nach längerer Abstinenz ihr Comeback in der Gruppenphase feiert. Zuletzt stand der Toskana-Klub 1999/2000 in der Zwischenrunde, die folgenden Jahre waren von viel sportlicher Tristesse bis hin zu einem Intermezzo in der unterklassigen Serie B gekennzeichnet. Trainer Cesare Prandelli, der Mann mit der lila Zuhälter-Jacke, kann in weiten Teilen auf den Stamm zurückgreifen, der die Qualifikation geschafft hat. Dabei hat man mit den Neuzugängen Vargas, Zauri, Felipe Melo, Jovetic und Gilardino auch in Sachen Qualität einen entscheidenden Sprung nach vorne gemacht, denn diese Spieler haben alle die Qualität, sich sofort in der Stammformation der Fiorentina festzuspielen. Letztes Jahr standen sie immerhin im Halbfinale des UEFA-Pokals, doch über weitere internationale Erfahrung verfügen viele Spieler nicht. Von daher wird es in dieser Gruppe sehr schwer, sich durchzusetzen.

Vor einigen Jahren wurde uns der rumänische Fussball als neues Schreckgespenst in der Fünfjahreswertung vorgestellt, unter anderem weil Vereine wie Steaua Bukarest überraschend weit in den Europapokal vorgedrungen waren. Trotz einiger beachtlicher Erfolge hat sich die Dominanz der Rumänen als Luftnummer herausgestellt, von ihnen geht für die deutsche Platzierung in der Europatabelle keine Gefahr mehr aus. Steaua hat es immerhin zum zweiten Mal in Serie geschafft, die Gruppenphase zu erreichen, wenn sie diese auch überstehen sollten, wäre das in der Tat ein sensationelles Resultat. Der Kader wird zwar durch potente Sponsoren kontinuierlich verstärkt, jedoch gibt es nicht wirklich große Namen in der Spielerliste, die einen Mitteleuropäer mit der Zunge schnalzen lassen. Zwar ist Steaua in der Vergangenheit immer torgefährlich aufgetreten, doch die Abwehr ist der große Schwachpunkt. So wird es auch in diesem Jahr sehr schwer, mehr als sechs Spiele zu absolvieren.

Anders sieht das hoffentlich beim FC Bayern München aus. Nach einjährigem Gastspiel im UEFA-Pokal ist der deutsche Rekordmeister endlich zurück in der Champions League. Denn trotz des beachtlichen Erfolges von Schalke 04 im Vorjahr ist der FCB weiterhin der Verein, der international von der Konkurrenz am meisten gefürchtet wird. Mit Jürgen Klinsmann sitzt jetzt ein verantwortlicher auf der Bank, der dem Erfolg alles unterordnet, der ein klares Konzept hat und auch nicht vor schwierigen Entscheidungen zurückschreckt. Das Potential des Kaders ist beachtlich, nahezu alle Positionen sind doppelt besetzt. Dank der im vergangenen Jahr geholten Ribery und Toni stehen jetzt auch diese zwei Spieler im Kader, die eine Partie notfalls im Alleingang entscheiden können. Die Abgänge von dos Santos, Jansen und Schlaudraff lassen sich mit Blick auf deren Einsatzzeiten und Perspektiven verkraften. Fraglich jedoch, wie Michael Rensing seine ersten Bewährungsproben als Stammtorwart bestreitet. In den ersten Bundesligaspielen präsentierte er sich souverän, ohne jedoch übermäßig oft gefordert gewesen zu sein, die Fußstapfen in die er tritt jedenfalls sind groß. Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, wurde mit Borowski und Oddo noch einmal nachgerüst, zwei Akteure, die auf eine beachtliche internationale Erfahrung zurückblicken können. Wenn das Klinsmann-Konzept greift und Bayern schnell ins Rollen kommt, traue ich ihnen durchaus eine starke Saison in der Königsklasse zu, das Viertelfinale ist auf jeden Fall im Bereich des Möglichen.

Der französische Serienmeister Olympique Lyon hat die im letzten Jahr eingeleitete Umbruchphase noch nicht überstanden, auch weil es teamintern aktuell immernoch Streitigkeiten zu verzeichnen gibt. Zuletzt stand OL in fünf Jahren dreimal im Viertelfinale, zweimal im Achtelfinale – mit fallender Tendenz. Der einst gefürchtete Kader hat sein Gesicht verloren, zudem hat Juninho mit 33 Jahren mittlerweile seine besten Zeiten hinter sich und ist nicht mehr in der Lage, durchgängig in jedem Spiel überragende Leistungen zu zeigen. Mit Claude Puel sitzt ein neuer Trainer auf der Bank, der die Unruhe im Verein mit schnellen Erfolgen besänftigen soll. Lyon bediente sich diesmal ausschließlich auf dem französischen Transfermarkt, geholt wurden mit Torwart Lloris, Abwehrspieler Mensah und Mittelfeldmann Makoun drei Spieler mit Potential für die Stammformation. Doch die Abgänge wiegen schwer: Coupet, Ben Arfa, Squillaci waren zuletzt wichtige Stützen des Erfolges und gehören nicht mehr zum Aufgebot. Ich bezweifle, dass die neuen Spieler diese adäquat ersetzen können. Vor allem der noch junge Torwart Lloris tritt ein schweres Erbe an. Dennoch sollte die Qualität bei Olympique ausreichen, die Gruppenphase zu überstehen. Mein Tipp für Gruppe F:

  1. FC Bayern München
  2. Olympique Lyon
  3. AC Florenz
  4. Steaua Bukarest

Ein großes mediales Erdbeben erschütterte in diesem Sommer den FC Arsenal in London. Erstmals seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren wurde Erfolgstrainer Arsene Wenger in Frage gestellt. Grund für diese Revolution ist seine neue Transferphilosophie, Spieler mit Perspektive relativ günstig zu kaufen, um diese dann einige Jahre später für viel Geld an die Konkurrenz zu verhöckern. Mit Flamini, Gilberto Silva und Hleb verließen drei Stützen die Mannschaft, lediglich Samir Nasri von Olympique Marseille steht neu im Kader. Nichtsdestotrotz liest sich das Aufgebot von Arsenal prächtig: Im Tor hat Manuel Almunia mittlerweile Jens Lehmann vergessen gemacht und strahlt Sicherheit aus. Die Abwehrkette mit Clichy, Gallas, Toure und Sagna kann auch auf große internationale Erfahrung zurückblicken, dahinter steht noch ein Johan Djourou oder Mikael Silvestre bereit. Auch das Mittelfeld ist trotz der Verluste nicht gerade schlecht besetzt: Fabregas, Nasry, Rosicky, Walcott und Denilson verdienen ihre Brötchen in London. Aber beim Nennen dieser Namen wird man den Eindruck einfach nicht los, dass dem Kader in dieser Zusammensetzung vor allem eines fehlt: Erfahrung. Die vielen jungen Spieler starteten zuletzt zwar regelmäßig großartig in die Saison, um am Ende wieder gnadenlos einzubrechen. Zudem fehlt in der zweiten Reihe auf vielen Positionen eine echte gleichwertige Alternative, so wird es beispielsweise schwer, einen Rosicky zu ersetzen, auf den jetzt noch mehr Verantwortung zukommt. Etwas dünn besetzt ist auch der Sturm, wo eigentlich nur Emmanuel Adebayor echter Zentrumsstürmer ist und international kaum Torgefahr ausstrahlt. Mit Nicklas Bendtner steht zwar ein Mann mit viel Perspektive bereit, jedoch wird der Däne noch Zeit brauchen. Ich bin wirklich gespannt, ob sich die mutige Transferpolitik von Wenger auszahlt, und Arsenal diesmal weiterkommt als zuletzt, als im Achtel- bzw. Viertelfinale Schluss war.

Fast wäre der FC Porto überhaupt nicht in der Champions League dabei gewesen. Aufgrund eines vier Jahre zurückliegenden Manipulationsskandales sollte der portugiesische Meister vom Europapokal ausgeschlossen werden, doch das verschleppte Verfahren durch die Behörden Portugals verhinderten ein endgültiges Urteil bisher. Ungeachtet dieser Unruhen im Umfeld kann Coach Jesualdo Ferreira auf einen gut besetzten Kader blicken, der jedoch von einem Umbruch gekennzeichnet ist. Neben vielen Reserve- und Ersatzspielern verließen auch Bosingwa, Paulo Assuncao und Ricardo Quaresma den Verein. Drei Spieler, die in der Vergangenheit gesetzt waren und wichtige Spieler im Gefüge waren. Sie sollen ersetzt werden durch die Neuen Sapunaru, Guarin und Rodriguez. Grundlegend hat Porto einen Kader mit viel Erfahrung, der zuletzt dreimal in vier Jahren das Achtelfinale erreicht hat. Außerdem neu dabei: Hulk, ein Brasilianer mit furchteinflößendem Namen und optischen Ähnlichkeiten zur gleichnamigen Filmfigur. Abgesehen von dieser Randnotiz wird es schwer für die Portugiesen, in dieser Gruppe das Weiterkommen zu schaffen. Oft genug waren ihre Auftritte in der Vergangenheit lethargisch und ohne Inspiration, mit dem Verlust von Quaresma wird das wohl erstmal nicht besser werden. Sie müssen sich strecken, um die nächste Runde zu erreichen.

Seine Chance nutzen will deshalb Fenerbahce Istanbul, die mit Europameister-Trainer Luis Aragones einen echten Knaller auf der Trainerbank an Land gezogen haben. Der kautzige Erfolgscoach bringt gleich einmal den spanischen Torjäger Daniel Guiza (von Real Mallorca) mit. Zusammen mit Semih Sentürk soll er ein furchteinflößendes Sturmduo bilden, während dahinter der Brasilianer Emre die Fäden zieht. Das Mittelfeld mit dem ebenfalls neu verpflichteten Emre sowie Colin Kazim-Richards ist eine weitere Stütze. Fast schon traditionell für türkische Teams liegt die Schwäche in der Defensive, wo Edu und Lugano sowie Torwart Volkan Demirel immer wieder für Spiele zwischen Genie und Wahnsinn zu haben sind. Dennoch finde ich dieses Team irgendwie sympathisch, und das Achtelfinale ist auf jeden Fall machbar.

Dynamo Kiew ist seit mehr als einem Jahrzehnt Stammgast in der Champions League, doch die Erfolge blieben in den letzten Jahren aus. Immer wieder qualifizierten sich die ukrainischen Hauptstädter, um dann hoffnungslos einzugehen. Häufig hat man sich auf mannschaftliche Geschlossenheit verlassen, doch spielerische Elemente bekam man bei Dynamo kaum geboten. Vielmehr war es immer ein bizarres Bild, wenn das Team im verfallenen Olympiastadion bei eisiger Kälte brav die Punkte an die Gegner abgegeben hat. Jetzt hat Coach Yuri Semin einen vorsichtigen Umbruch gewagt, mit Ognjen Vukojevic wurde ein neuer Sechser geholt, der der wackeligen Defensive Stabilität verleihen soll. Hoffnung, dass Dynamo heuer nicht schon wieder nur Kanonenfutter für die Konkurrenz ist, macht die Qualifikation, als Spartak Moskau mit zwei 4:1-Siegen locker bezwungen wurde. Insgesamt aber ist die Abwehr zu anfällig, der Spielaufbau zu langsam und mit zu wenigen Ideen. Vielleicht gelingt diesmal ein Achtungserfolg, mehr wird es aber nicht werden. Und das bewegt mich zu folgendem Gruppentipp:

  1. FC Arsenal
  2. Fenerbahce Istanbul
  3. FC Porto
  4. Dynamo Kiew

Eine Sensation war die Qualifikation der Belarussen von BATE Borissov. Als Meister ihres Landes mussten sie in drei Qualfikationsrunden gegen Valur Reykjavik, RSC Anderlecht und Levski Sofia bestehen. Gerade die letzten beiden Namen sind gemessen an dem Bekanntheitsgrad von BATE erfahrene Europapokalhausnummern. Erstaunt war ich beim Blick auf den Jahrgang des Trainers Viktor Goncharenko. Der ist Baujahr 1977 und dabei jünger als sein Mittelfeldspieler Ermakovich. Sonst jedoch besteht der Kader von Borissov aus jungen Spielern, die jetzt die Möglichkeit haben, sich auf der großen Bühne Champions League zu präsentieren. Ein Nachteil ist allerdings, dass man die Spiele mangels UEFA-tauglichem Stadion in der Hauptstadt Minsk austragen muss, auch wenn die Distanz zur Heimat des Vereines nicht übermäßig groß ist. Aus sportlicher Sicht ist BATE klar unterlegen in dieser schweren Gruppe H, der vielleicht schwierigsten in dieser Spielzeit.

Seinen Beitrag zur Schwere der Gruppenzusammensetzung liefert auch Juventus Turin. Die Italiener sind nach dem Zwangsabstieg 2006, dem Gastspiel in der Serie B nun endlich wieder dabei in der Champions League. Doch die entbehrungsreichen Jahre haben Juve in der Setzliste abrutschen lassen, weshalb es zu dieser schwersten aller Gruppen gekommen ist. Juventus ist wohl der einzige Verein, der sich einen Abstieg leisten kann und trotzdem fast alle Leistungsträger hält. Nationalspieler wie Buffon, Camoranesi, Nedved, del Piero und Trezeguet sind geblieben, um den schnellen Aufschwung wieder zu schaffen. Mit diesem hohen Vertrauen ausgestattet ist auch Trainer Claudio Ranieri, der die im Europapokal äußerst erfolgreiche “Alte Dame” auch hier wieder auf Kurs führen soll. Die Mannschaft ist hervorragend besetzt, wurde mit Amauri, Chimenti, Knezevic, Mellberg und Poulsen noch einmal hochkarätig verstärkt. Es gibt nur wenige andere Teams, die in solchen Ausmaßen an internationaler Erfahrung verfügen. Nach zwei Jahren Abstinenz brennen die Fans, die Mannschaft, eigentlich das gesamte Umfeld auf die Europapokalabende. Mit Juventus Turin muss wieder gerechnet werden!

Besonders gespannt bin ich auf Zenit St. Petersburg. Auch hier gilt “dank” mangelnder internationaler Erfolge in der Vergangenheit ein niedriger Setzlistenplatz, und gleich ist die Mannschaft von Coach Dick Advocaat in dieser Gruppe H gelandet. Der UEFA-Pokalsieger von 2008 hat sich in beeindruckender Manier im Europapokal etabliert, sie schalteten hochkarätige Gegner aus und überzeugten durch einen gelungenen Mix aus Offensive und Defensive. Der Kader ist zusammengeblieben, lediglicht Kerzhakov und Radimov sind als Abgänge zu vermelden, was aber nicht sehr schmerzt. Mit dem Portugiesen Danny und Abwehrspieler Puygrenier wurde an wenigen Stellen nachgebessert. Ich traue dieser Mannschaft eigentlich alles zu, so überzeugend wie sie im letzten UEFA-Pokal-Jahr aufgetreten ist. Interessant wird es nur dann, was passiert, wenn in Russland im November/Dezember die Saison vorbei ist und Zenit nur die Champions League als Pflichtspiele hat. Doch wenn sie den Winter gut überstehen, kann man sehr weit kommen.

Das Opfer von Zenit und Juve könnte letztendlich Real Madrid werden. Die Königlichen scheiterten zuletzt viermal in Serie im Achtelfinale und zeigten in der Königsklasse wahrlich kein überragendes Gesicht. Zwar ist der Kader top besetzt, mit Rafael van der Vaart steht ein weiterer Hochkaräter im Aufgebot und wird den Abgang von Robinho zu Scheichester City kompensieren können. Trainer Bernd Schuster hat in der Vergangenheit aber immer wieder mal kritische Töne über das unruhige Umfeld verlauten lassen, und das kann auch in der neuen Spielzeit das größte Problem bei Real werden. Das Potential wurde zu selten abgerufen, und so wird man sich strecken müssen, will man in dieser Gruppe nicht den Kürzeren ziehen. Mein Tipp deshalb:

  1. Juventus Turin
  2. Zenit St. Petersburg
  3. Real Madrid
  4. BATE Borissov

32 Vereine kämpfen um Europas Krone. Aus meiner persönlichen Sicht wird der Sieger diesmal zwischen Manchester United, dem FC Barcelona und Juventus Turin ausgespielt. Dem FC Bayern traue ich mindestens das Viertelfinale zu, für Werder wird spätestens im Achtelfinale Endstation sein.

Old Firm 29. März 2008

Posted by Max in : Fussball International , 2 comments

Das “Old Firm” in Glasgow ist vielleicht das traditionellste, emotionalste und attraktivste Stadt-Derby in der großen, weiten Fussball-Welt. Abgesehen von diesen historisch und wertmoralisch angehauchten Bedeutungen geht es heute auch sportlich um einiges: Für Celtic ist es im Stadion des gehassten Rivalen die letzte Chance, noch im Rennen um den Titel zu bleiben. Gewinnen die Rangers das Spiel, dürfte die Suppe bereits gelöffelt sein. Start an dieser Stelle ist 13.20 Uhr.

Porto scheitert an Neuer 6. März 2008

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Es war ein spannendes Achtelfinale in der Champions League Ausgabe 2007/2008. Sieben Teams stehen jetzt bereits für das Viertelfinale fest, darunter auch erstmals seit Bayer Leverkusen ’02 ein anderer deutscher Vertreter als der FC Bayern München. Neben diesem großen Erfolg für den deutschen Fussball bleibt eine andere Serie bestehen: Der Titelverteidiger scheidet seit vier Jahren regelmäßig im Achtelfinale aus, diesmal traf es die Senioren des AC Mailand. Der Blick auf die sieben Spiele der vergangenen beiden Tage:

Ohne ernsthafte Probleme erledigte der FC Barcelona seine Pflichtheimaufgabe gegen Celtic Glasgow. Ein frühes Tor von Xavi, wie bereits im Preview angedeutet, brachte die Katalanen auf den richtigen Weg. Es folgte eine Partie im Schongang, Barcelona wollte sich nicht unnötig belasten, denn in der Liga gilt es einen größeren Rückstand auf Real Madrid aufzuholen. Und Celtic Glasgow zeigte wieder einmal, was ihnen in den vergangenen Jahren regelmäßig größere Erfolge in Europa verwehrt hat: Erschreckend harmlos, ohne eine Torchance blieb das Team von Gordon Strachan auf der Strecke. Überschattet wurde das Spiel von einer schweren Verletzung des argentinischen Jung-Stürmers Lio Messi, der unter Tränen und mit Verdacht auf eine Muskelverletzung noch vor der Halbzeitpause ausgewechselt wird. Gerade im Hinspiel hat Messi gezeigt, wie wichtig er für Barca momentan ist. Eine langfristige Verletzung würde die Spanier auch mit Blick auf das Viertelfinale hart treffen.

Ebenfalls unspektakulär löste Manchester United seine Aufgabe gegen Olympique Lyon. Konnten die Franzosen im Hinspiel dem englischen Meister noch ein 1:1 abtrotzen, blieben sie über weite Strecken im Old Trafford zu harmlos, um ManU ernsthaft zu gefährden. Alain Perrin hatte zwar mit Gouvou, Juninho, Ben Arfa und Benzema das volle Kanonenrohr aufgeboten, aber die Innenverteidigung mit Ferdinand/Vidic stand einmal mehr exzellent. Mehr als ein Pfostenschuss sprang dabei nicht heraus. So erzielte Manchester durch Cristiano Ronaldo kurz vor dem Seitenwechsel das entscheidende Tor. Es war keine Glanzleistung der “Red Devils”, aber es hat gereicht. Wie schon in der Vorsaison tat man sich gegen einen französischen Vertreter erstaunlich schwer, damals wurde der OSC Lille nach zwei lahmen 1:0-Siegen gekickt. Doch wer dieses Team kennt, weiß, dass sie erst jetzt richtig aufdrehen werden. Für Lyon endet damit eine Saison, die mit wesentlich weniger Amibitionen als in den Jahren vorher bestritten wurde, letztendlich aber doch einen ordentlichen Erfolg hervorbrachte. Nun muss die Konzentration auf der Ligue 1 liegen, wo Olympique erstmals seit Jahren mit Girondins Bordeaux wieder einen ernsthaften Konkurrenten um den Titelkampf hat. Am Sonntagabend kommt es zwischen diesen beiden Teams zum Spitzenspiel in Frankreich.

Real Madrid bleibt auch im Jahr 2008 auf europäischer Bühne nur ein Schatten seiner selbst, lediglich eine trostlose Karikatur dessen, was sie am Anfang dieses Jahrtausends zur besten Mannschaft Europas gemacht hat. Die 1:2-Niederlage ist der erste negative Höhepunkt der Ära von Bernd Schuster als Trainer der “Königlichen”. Dabei schien man das Fehlen von Ruud van Nistelrooy ganz gut abfangen zu können mit den beiden Spitzen Raul und Robinho, aber Real brachte den Ball nicht im Tor unter. Über weite Strecken zu kompliziert versuchten sie, die Roma schwindlig zu spielen. Doch die Italiener ließen sich von der vermeintlich größeren Klasse der Madrilenen nicht beeindrucken und spielten munter ihren Stiefel herunter: Dabei überzeugte der AS Rom vor allem durch seine starke Innenverteidigung um Mexes und dem ehemaligen Leverkusener Juan. Gezielt versuchten sie, Konter zu setzen und brachten Real so schon früh durch Pfostentreffer in Bedrängnis. Nach knapp 75 Minuten dann der vermeintlich entscheidende Nackenschlag für Real: Das Kopfballtor von Perrotta ließ nun keinen Zweifel mehr an der zweiten Viertelfinalteilnahme der Mannschaft von Luciano Spalletti in Folge. Zwischenzeitlich konnte Raul zwar aus klarer Abseitsposition ausgleichen, doch Vucinic beendete in der Verlängerung mit dem zweiten Tor die letzten Hoffnungen auf einen Erfolg Reals. Real bleibt nach Bayern im Vorjahr nun am AS Rom hängen, für Bernd Schuster kann nun nur ein souveränes Auftreten in der Primera Division für Entlastung sorgen.

Nach der späten, aber gerechten Niederlage verpasst der AC Mailand den Sprung in das neunte Viertelfinale der Vereinsgeschichte. Über die gesamten 180 Minuten Spielzeit war Arsenal London einfach das bessere Team, ließ sich auch von der Defensiv-Stärke der Rot-Schwarzen nicht beeindrucken. Dabei überzeugte diesmal Urgestein Paolo Maldini in seinem damit wohl letztem Europapokalspiel. Verhindern konnte er freilich das Gegentor von Francesc Fabregas in der 84. Minute nicht. Dem war ein wahrer Sturmlauf der Londoner vorausgegangen. Nur in der ersten halben Stunde konnte Milan einigermaßen mithalten, danach übernahm Arsenal das Kommando und erspielte sich wie schon vor zwei Wochen Torchancen in Hülle und Fülle. Und diesmal hat es auch geklappt. Quasi die gesamte Offensiv-Abteilung konnte überzeugen, war spielfreudig und zelebrierte den hochgelobten One-Touch-Football par excellence. In dieser Form ist Arsenal momentan für mich der heißeste Tipp für den Sieg in der Champions League. Eigentlich könnten sie momentan nur über ihre nach wie vor schwache Chancenverwertung stolpern. Die Mailänder verabschiedeten sich glanzlos aus dem Wettbewerb, wirkten bei weitem nicht so abgezockt und eiskalt wie noch vor Jahresfrist. Der Franzose Mathieu Flamini beraubte mit einem großen Kraftakt dem AC seine größte Waffe – Kaka. Dem Weltfußballer droht im kommenden Jahr vielleicht das Münchener Schicksal: Milan steht momentan in der Serie A nur auf dem fünften Rang und würde somit gegenwärtig nicht an der Champions League 2008/09 teilnehmen dürfen.

Noch höher als die Qualifikation der Schalker für die nächste Runde schätze ich den Erfolg von Fenerbahce Istanbul beim FC Sevilla auf der Überraschungs-Skala ein. Zwar war das 3:2 aus dem Hinspiel eine passable Ausgangsposition, doch Sevilla war bisher sehr heimstark und zählte für mich vorher durchaus zu den Geheimfavoriten. Doch dieses Spiel hielt seine ganz eigene Geschichte bereit, die von Fener-Keeper Volkan Demirel. Ohne Not ließ er zwei Fernschüsse nach zehn Minuten in das Tor: Zunächst faustete er sich das Ding selber rein, danach griff er gehörig daneben. Dabei waren das beides keine besonders hart geschossenen Bälle. Erstaunlich, wie Fenerbahce dieses bösen Rückschlag so früh im Spiel wegstecken konnte: Deivid erzielte nach 20 Minuten das Anschlusstor. Weiter war aber bis zu diesem Zeitpunkt der andalusische Gastgeber, auch weil Kanoute kurz vor der Halbzeitpause den dritten Treffer erzielen konnte, diesmal ohne einen Fehler von Volkan. In der zweiten Hälfte entwickelte sich ein spannendes, weiterhin offenes Spiel. Sevilla war anfällig bei Standardsituationen, sodass erneut Deivid zehn Minuten vor dem Ende den Ausgleich erzielte. Die Verlängerung brachte keinen Vorteil für ein Team hervor, sodass die Dramatik eines Elfmeterschießens gefragt war: Und so war es an Volkan Demirel, alles, was vorher geschehen war, vergessen zu machen. Drei gehaltene Strafstöße öffneten die Tür zum Viertelfinale. Fenerbahce sichert sich damit nicht unverdient viel Geld für die nächste Runde, sie zeigten eine spektakuläre Art des Fussballspiels, waren in positiver wie negativer Hinsicht für Überraschungen gut. Dabei war es nicht nur die Leidenschaft und der Kampf, sondern auch eine gepflegte Offensive, die ihnen diesen Erfolg beschehrt hat. Für Sevilla ist das Abenteuer Champions League vorerst beendet. Nach den zwei UEFA-Pokal-Titelgewinnen zuletzt zeigten sie sich stark in der Gruppenphase, aber wenig konsequent im Achtelfinale. In der nächsten Saison führt der Weg wohl erstmal wieder in den UEFA-Cup, wenn überhaupt. Momentan liegen sie mit sechs Punkten Rückstand auf den Europapokalplatz nur im Tabellenmittelfeld.

Schlaff, ideenlos, gelangweilt – so präsentierte sich der FC Chelsea im Hinspiel vor zwei Wochen in der griechischen Hafenstadt Piräus. Vierzehn Tage später eine Leistung wie ausgewechselt: Forsch, dynamisch, offensiv. Ohne Probleme und mit einem bärenstarken Mittelfeld-Duo Lampard/Ballack zieht das Team von der Themse in das Viertelfinale ein. Bereits nach fünf Minuten brachten eine tolle Hereingabe von Lampard und ein wuchtiger Kopfball des deutschen Nationalmannschaftskapitäns die Führung. Und auch den Beweis, dass die Frage durchaus nicht Ballack oder Lampard heißen muss. Frank Lampard legte nach 25 Minuten das 2:0 nach, Kalou machte mit dem 3:0 nach dem Seitenwechsel alles perfekt. Trainer Avram Grant hatte seine “Blues” exzellent eingestellt: Von der ersten Minute an machten sie genau das, was Olympiakos nicht mag: Die Räume eng, den Ball mit sicheren Passstafetten hin und her spielen und mit entscheidenden “Nadelstichen” die Tore erzielen. Das war ein Spiel mit Stil einer europäischen Spitzenmannschaft. Nun darf man aber ob des Sieges nicht zu überschwänglich werden: Olympiakos war ungefährlich wie nie zuvor in dieser Saison.

Mirko Slomka bleibt vorerst Trainer von Schalke 04. Mit dem Erreichen des Viertelfinales sollte sich nun eigentlich erst einmal der Sturm der Schelte am Übungsleiter legen. Wenn Slomka so weiter macht, ist er selbst bald ein Trainer mit “internationalem Standing”, wie der hyperventilierende Vereinspräsident Josef Schnusenberg respektlos gefordert hatte. So groß die Freude nach dem diesem Erfolg auch ist, wenn man das Spiel in Porto nüchtern analysiert, hat sich bei weitem nicht alles mit einem Schlag zum guten gewendet. Vielmehr war die Leistung der königsblauen Mannschaft eine Offenbarung der Schwäche vom FC Porto. Jede andere Mannschaft im Achtelfinale hätte Schalke gnadenlos auseinander genommen. Doch natürlich gehört auch das Glück dazu, dass ihnen ausgerechnet der schwächste Gegner zugelost wurde. Nur in den ersten zehn Minuten machte Schalke das, was Trainer Slomka vorher gefordert hatte: Porto vom eigenen Tor fernhalten und gezielte “Nadelstiche” in Form von Kontern setzen. Dafür verzichtete er sogar auf seinen Lieblings-Wühler Asamoah und brachte Halil Altintop als schnellen zweiten Stürmer neben Kuranyi. Aber spätestens mit der ersten 100%-igen Torchance durch Tarik Sektioui nach 15 Spielminuten war klar, dass Porto hier den Ton angibt. In der Folge verlief das Spiel auf ein Tor, und Schalke durfte sich bedanken, dass Porto ebenso träge und unbeholfen stürmte wie die Gelsenkirchener selbst. Zwei weitere Torchancen bis zur 120. Spielminute vereitelte Manuel Neuer mit sensationellen Reflexen, und scheint seine Formkrise aus der Hinrunde nun endgültig abgelegt zu haben. Er war der Garant für den späteren Erfolg. Erst recht im Elfmeterschießen, wo er zwei Elfmeter glänzend pariert hat. Der Spieler des Spiels, Weltklasseleistung und eine glatte 1 mit einer Unmenge an Sternchen hat sich der Jung-Torwart verdient. Ich muss zugeben, dass ich in der Sympathie-Frage der jungen Torhüter eher zu René Adler tendiere, weil mich die provokant-lässige Art von Manuel Neuer zu sehr an Jens Lehmann erinnert. Aber das, was er in Porto abgeliefert hat, war wirklich unglaublich. Über Sinn und Unsinn einer Schalker Qualifikation für das Viertelfinale zu philosophieren, ist eigentlich zwecklos. Aus der Sicht eines deutschen Fussball-Fans kann das nur ein großer Erfolg sein, wenn sich einmal ein anderer Verein aus der Bundesrepublik außer dem FC Bayern München von seiner besseren Seite zeigt. Sportlich waren die Duelle zwischen Porto und S04 sicher die schwächsten in dieser Runde, was Schalke im Hinspiel gezeigt hat, machte Porto im Rückspiel: Spiel auf ein Tor mit zu vielen Fehlern im Spielaufbau. Nehmen wir es einmal so: Keiner von beiden hat sich das Viertelfinale wirklich verdient erarbeitet, das Team mit etwas mehr Glück und dem besseren Torwart hat gesiegt.

Jetzt bleibt noch die Frage, wer das achte Team in der nächsten Runde sein wird. Kommenden Dienstag treffen Inter Mailand und FC Liverpool aufeinander. Darüber berichten wir dann im gegebenen Rahmen. Für die Auslosung nächsten Freitag wünsche ich mir als Schalker Gegner entweder Fenerbahce Istanbul oder Manchester United. Abschließend möchte ich nochmal auf das Live-Blogging vom Bundesligaduell im UEFA-Pokal zwischen Bayer Leverkusen und Hamburger SV, heute ab 21.00 Uhr auf “Abenteuer Fussball” hinweisen.