Borussia M’gladbach

Revanche

Posted by Moritz on März 22, 2012
DFB-Pokal / No Comments

Es ist in der Tat beeindruckend wie schnell sich Großwetterlagen drehen können. Vor nur wenigen Wochen setzten ein Sägen an einem scheinbar einsamen Stuhl an der Säbener Straße ein. Damals wurde das Pokalfinale als krönender Abschluss von Wochen des Schicksals stilisiert, an deren Ende der FC Bayern alles verspielt haben wird.

Inzwischen reibt sich der neutrale Betrachter die Augen. Zusammenfallend mit der Verletzung von Rafinha und der Rückkehr von Lahm auf die rechte Seite setzte ein Siegeszug ohnegleichen ein. Mit der einhergehenden Wiederbelebung von Ribery und Robben, taten sie es unter drei Toren pro Halbzeit nicht mehr und retteten ihrem Trainer Heynckes vorerst den Job. Weiter östlich wird für eine solche Serie sicher einiges auf den Tisch gelegt.

Hätten Hubnik und De Camargo sich im Halbfinale im Griff gehabt – die uneingeschränkten Festivals des Feierbiests FCB wären wohl weiter gegangen. Doch die Vorzeichen standen schlecht für die Bayern. Auswärts bei der Mannschaft, in der sie bisher ihren ganz persönlichen Meister gefunden hatten, galt es nun sich von der Welle weiter tragen zu lassen.

Das Gladbacher Konzept zum Brechen der Wellen ist immer wieder denkbar einfach. Eng stehen und dabei die Pass- und Laufwege der bayerischen Ballkünstler zustellen. Ein Konzept, dass schon bei den bisherigen Begegnungen aufging und auch gestern in einem intensiven Spiel Früchte zeigte.  Dank des erneut hohen läuferischen Einsatzes störten sie den bayerischen Spielfluss. Die beiden Außen der Bayern konnten ihr Spiel nicht wie gewohnt aufziehen und mussten alternative Wege suchen. Dieses Mal ließen sich die Münchener damit hingegen nicht vollständig neutralisieren ausschalten und erspielten sich trotzdem ein Übergewicht und Chancen.

Es ist mit Sicherheit bezeichnend für alle Halbfinalisten, dass sie (fast) 120 Minuten kein Gegentor zuließen. Entgegen aller sonst gezeigter Offensiv-Stärke ließ sich auch Gladbach nicht zu allzu risikoreichen Angriffen verleiten. Die wenigen Konter, die bis zum Strafraum von Neuer gespielt wurden und nicht vorher schon im bayerischen Defensivsumpf versandeten, fanden dort recht bald in Neuer ihren Meister. Wer die beiden Abwehrreihen passierte. kam letztlich an ihm und Ter Stegen nicht vorbei.

Das besondere Augenmerk lag sicher auf Manuel Neuer. Zweimal hatte er in dieser Saison gegen Gladbach gepatzt, zweimal hatten die Bayern deshalb verloren. Am gestrigen Abend hingegen hielt er mehr, als zu halten war. Einige Male warf er sich mustergültig Reus entgegen und entschärfte auch den letzten Elfmeter. Sein persönliches “Trauma” dürfte somit als verarbeitet gelten.

Dabei zeigte Ter Stegen meiner Meinung nach sogar die bemerkenswertere Leistung als sein Münchener Konterpart. Für sein junges Alter zeigt er wieder einmal, dass  er schon sehr weit ist. Mehrere Male wehrte er, zum Teil gemeinsam mit dem Pfosten, reaktionsschnell die Durchstöße durch den Abwehrverbund ab. Sein Manko war in der allgemeinen Betrachtung wohl letztlich, dass er nicht in der Mannschaft stand, die in wenigen Wochen, das Finale in Berlin bestreiten darf.

In der Verlängerung ging schließlich beiden Teams der Atem aus. Insbesondere bei den Bayern war es da um so verwunderlicher, dass sie zuvor noch nicht gewechselt hatten. Auch wenn Schweinsteiger gefehlt hat, sieht ein Vertrauensvotum für die zweite Reihe mit Sicherheit anders aus.

Bei den Leistungen beider Mannschaften wurde der moderne Münzwurf schließlich das Mittel der Wahl, eine Entscheidung herbeizuführen. Letztendlich entschied mit Dantes verschossenem Elfmeter wieder einmal eine Einzelleistung eine mannschaftlich ausgeglichene Partie. Dass sie angesichts der Wechselvorzeichen noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird, setzte dem Ganzen noch das Tüpfelchen auf das i. Auch wenn sie vorher trotz einiger, weniger Chancen das goldene Tor verpassten, zeigten sie trotzdem wieder einmal eine Leistung, auf die in Hinblick auf den Saisonendspurt aufgebaut werden kann. Die Bayern hingegen demonstierten ihr neugewonnenes Selbstvertrauen. Obwohl der frühe Führungstreffer ausblieb, bewahrten sie einen ruhigen Kopf, der im Elfmeterschießen wohl mit für den Erfolg verantwortlich war. Der verdiente Lohn lehrt alle Kritiker wieder einmal eines besseren – zumindest bis zur nächsten Krise.

Tags: ,

Beeindruckende Show

Posted by Max on November 26, 2011
Bundesliga / 3 Comments

Am Ende war es wieder eine deutliche Vorführung. 0:3 verlor der 1. FC Köln am Freitagabend zu Hause gegen den Erzrivalen aus Mönchengladbach. Wieder einmal, nachdem man schon im letzten Jahr mit 0:4 (zu Hause) und 1:5 (in Gladbach) deutlich das Nachsehen hatte und insgesamt im für die eigenen Fans vielleicht wichtigsten Spiel des Jahres eine schlechte Bilanz vorzuweisen hat. Letztendlich war der Auftakt zum 14. Spieltag eine Demonstration der Gladbacher Stärke, und ein deutlicher Fingerzeig für Köln, dass man noch weit von Konstanz entfernt ist.

Dabei dürfte man in Köln schon froh sein, dass sich die anfänglichen Bedenken mittlerweile zerschlagen haben. Mit Stale Solbakken holte man im Sommer einen Trainer, der in den letzten Jahren mit dem 1. FC Kopenhagen große Erfolge vorweisen konnte und in schöner Regelmäßigkeit von diversen Bundesligisten umworben wurde. Dass es Solbakken letztendlich nach Köln zog, war da schon eine Überraschung. Mit Solbakken holte man aber nicht nur den neuen Übungsleiter, sondern ein völlig anderes taktisches System, was ungefähr eine 180°-Wendung zu dem bedeutete, was Kölner Spieler bisher kannten. In den ersten Spieltagen erwies sich die Saisonvorbereitung als zu kurz, denn da spielten die Kölner fernab von Gut und Böse. Die Automatismen funktionierten überhaupt nicht, es wirkte oft sogar so, als wären die Spieler mit Solbakkens System schlicht überfordert.

Seit dem sechsten Spieltag geht es aufwärts. Seitdem gab es schon einige gute Spiele, in denen man sehen konnte, wie begeisternd der 1. FC Köln auftreten kann, wenn die Rädchen ineinander greifen. Nur auswärts hat man bisher noch kein Bein auf den Boden bekommen und teilweise heftige Niederlagen kassiert. Grundsätzlich zeigt sich ein positiver Trend, aber es gibt immer wieder Rückschläge, konstant hat sich das neue System noch nicht etabliert. Wenn man dann einen gebrauchten Tag erwischt, gegen eine Mannschaft mit Selbstvertrauen wie die Gladbacher spielt, und noch dazu selbst erschreckend blutleer auftritt, kommt eben dann eine 0:3-Niederlage im Derby heraus.

Die Borussia aus Mönchengladbach zeigte in dieser Spielzeit gleich am ersten Spieltag an, wohin die Reise gehen könnte: Man triumphierte mit 1:0 in München. Das schaffte bisher nur eine weitere Mannschaft, nämlich Borussia Dortmund. Kein Zufall also, dass die Fohlen gemeinsam mit Bayern und Dortmund derzeit die Tabellenspitze bilden. Auch am Niederrhein hat sich einiges verändert, jedoch hatte Coach Lucien Favre bereits eine Halbserie Vorlaufzeit, um seine Vorstellungen zu etablieren – mit beeindruckendem Resultat. Favre hat es geschafft, eine Mannschaft mit jungen Nachwuchsleuten zu mischen mit Routiniers. Er disziplinierte einen Arango, erweckte Mike Hanke zu neuem Leben, dass man fast Angst haben muss, Jogi Löw denkt ernsthaft über eine Rückholaktion nach. Prunkstück ist natürlich Marco Reus, der derzeit in überragender Form aufspielt, aber keinesfalls ein Einzelgänger ist und mit seiner Leistung über Wohl und Wehe der Borussia entscheidet.

Das Kollektiv steht im Vordergrund, und wenn man sieht, wie bodenständig sich die Spieler auch nach solchen emotionalen Siegen in Köln geben, kann man der Mannschaft einen ähnlichen Weg andichten, wie ihn zuletzt Hannover 96 gegangen ist: Trainer mit Konzept, homogene Mannschaft, sportlicher Erfolg. Es würde mich nicht wundern, ja nach derzeitigem Stand sogar enttäuschen wenn es nicht klappt, wenn Borussia Mönchengladbach in der nächsten Saison die Farben der Bundesliga mindestens in der Europa League vertritt. Das Potential haben sie auf jeden Fall. Und Favre hat bewiesen, was für ein guter Trainer ist – auch wenn man Bedenken muss, dass in Gladbach die finanziellen Mittel doch besser sind als in Berlin, wo er ja der Hertha zumindest kurzzeitig schon zu Höhenflügen verhalf.

Was mir gestern Abend noch in den Sinn gekommen ist: Was muss sich Friedhelm Funkel heute ärgern? Borussia Mönchengladbach steht heute dort, wo eigentlich Funkel mit dem VfL Bochum stehen müsste, wäre damals nicht dieses vermaledeite Relegationsspiel entgegen jeder Logik und Regel fünf Sekunden zu lange gelaufen. Die Welt ist böse. Und es gibt eben doch einen Fussballgott.

Tags: ,

Zur Lage der Liga – unten

Posted by Max on April 13, 2011
Bundesliga / No Comments

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich das Trainerkarussell der Bundesliga nicht ein Stück weiterbewegt. Heute ist es Holger Stanislawski, der seinen Abschied zum Saisonenende verkündet hat. Ob er den 34. Spieltag wirklich noch als Coach erlebt, dürfte nach dem Erlebten der letzten Wochen nicht als 100%ig sicher gelten. Sollte er ab Sommer zudem – wie spekuliert wird – tatsächlich neuer Übungsleiter in Hoffenheim, wäre das ein ziemlich krasser Imagewechsel der St. Pauli-Legende. Derzeit aber steht er noch in Hamburg in der Verantwortung und muss zusehen, mit seinen Kiez-Kickern nach sieben Pleiten in Folge den Umschwung im Abstiegskampf zu schaffen. Und damit auf zu Teil Zwei der Tabellenanalyse – der Blick nach unten.

tabelle2011_unten.jpg

Die fast Geretteten

Nach meinen Berechnungen reichen diese Saison 36 Punkte für den direkten Klassenerhalt, ein Zähler weniger berechtigt immerhin zur Teilnahme an der Relegation. Vier Vereine haben dieses Ziel schon fast erreicht und brauchen aus den letzten fünf Spielen nur noch ein oder zwei Punkte, um auf der sicheren Seite zu sein. Zum einen die TSG Hoffenheim. Mit Spannung hatte ich die Auswirkungen des Trainerwechsels im Kraichgau erwartet – doch Marco Pezzaiouli konnte den Vertrauensvorschuss nicht zurückgeben, zeigte sich farblos, das Team tritt seit der Winterpause endgültig auf der Stelle. Ein kompliziertes Restprogramm wird dafür sorgen, dass es mit Punktgewinnen gegen Frankfurt und Wolfsburg nur knapp über die 40-Punkte-Grenze geht. Auswärtsniederlagen in Leverkusen und Nürnberg scheinen vorprogrammiert, zudem empfängt die TSG noch hochmotiverte Stuttgarter. Letztendlich bleibt es beim tristen zehnten Rang – jenseits von Gut und Böse.

Bei Werder Bremen machen sie drei Kreuze, wenn die Saison endlich vorbei ist. Mittlerweile hat sich das Schaaf-Team selbst in etwas ruhigeres Fahrwasser gebracht. Zudem geht es gegen St. Pauli, Wolfsburg und Kaiserslautern. Direkte Konkurrenten also, und Spiele, wo Werder jeweils zumindest mit einem Remis leben kann. Auch der designierte Meister Dortmund wird an der Weser kein leichtes Spiel haben. Lediglich die wiedererstarkten Schalker dürften am nächsten Spieltag eine andere Kragenweite haben und drei Punkte aus dem Weserstadion mitnehmen. Dennoch brennt für Werder nichts mehr entscheidend an.

Der 1. FC Kaiserslautern scheint aus dem Gröbsten heraus, muss aber wachsam bleiben. Die nächsten Spiele gegen Nürnberg, Schalke und St. Pauli bringen nochmal Unsicherheit, ein Auswärtssieg in Wolfsburg am 33. Spieltag jedoch wird den Klassenerhalt endgültig klar machen. Da wird das Remis eine Woche später gegen Werder Bremen nur noch die Kür sein.

Mit seiner Heimstärke haben die Spieler vom 1. FC Köln das Fundament gelegt für die ordentliche Ausgangsposition. Mit einem weiteren Erfolg vor eigenem Publikum am Samstag gegen Konkurrent Stuttgart wird der letzte Schritt gemacht. Da darf man sich dann auch im Derby gegen Leverkusen wieder mal eine Heimpleite leisten, in Wolfsburg und Frankfurt werden wie üblich die Punkte gelassen. Ein Punktgewinn gegen Schalke beendet die Saison. Die Kölner haben so viele Big-Point-Spiele gegen direkte Konkurrenten, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die akut Gefährdeten

Geändert hat sich bei Eintracht Frankfurt einiges, seit Christoph Daum das Zepter schwingt. Die Ergebnisse jedoch fehlen noch, und so wird es ein zähes Ringen um den Ligaverbleib bis zum Ende. Das Restprogramm ist extrem schwer. Ein Unentschieden am Samstag in Hoffenheim, ein Heim-Erfolg gegen Köln: Reicht alles gerade so, denn Niederlagen gegen Bayern, Mainz und Dortmund müssen zwingend einkalkuliert werden. Nur über die zwei genannten Spiele wird der Weg zum Ziel führen.

Apropos drei Kreuze: Für den VfB Stuttgart dürften die Haken hinter die Spielzeit eher dutzendweise gesetzt werden. Es wird richtig eng, und der Ligaerhalt sollte schon vor dem letzten Spieltag feststehen – denn dann geht es nach München. Am Samstag in Köln wird man an der Heimstärke des Gastgebers verzweifeln, auch der HSV eine Woche später wird die Schwaben vor Probleme stellen. Vielleicht wackelt sogar nochmal der Stuhl von Bruno Labbadia? In Hoffenheim und Hannover heißt es dann alles oder nichts. Und die Stuttgarter werden den Kopf gerade so noch aus der Schlinge ziehen.

Da wird es am Ende der Spielzeit auch dem VfL Wolfsburg nicht mehr viel nützen, dass Magath die Wölfe wieder besser in die Spur bekommt. Zu lange hat es gedauert, bis der Meistercoach die Defizite der vergangenen Monate aufgearbeitet hat. Mit einem Erfolg am kommenden Wochenende im direkten Vergleich setzt man sich erstmal von St. Pauli ab, eine Woche später folgt ein weiterer Heimerfolg gegen Köln. Die beiden folgenden Heimspiele sind das größte Plus des Champions von 2009. Zum Abschluss jedoch wird man die gute Ausgangslage wieder verdaddeln, nur ein Punkt aus dem Spiel gegen Werder, Pleiten in den Duellen mit Lautern und Hoffenheim. Für den VfL führt der Weg in die Bundesliga 2011/2012 nur über die Relegation.

Bleibt in dieser Kategorie noch der FC St. Pauli. Die Nackenschläge der letzten Wochen sind eigentlich kaum noch zu fassen. Seit dem umjubelten Derbysieg reihen sich die Niederlagen fröhlich aneinander, dazu folgt wohl noch ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Vater des Erfolgs verlässt zudem bald das Schiff. Schlechte Aussichten, St. Pauli wird stark angeschlagen absteigen. Die Fortsetzung der Pleitenserie gegen Wolfsburg, Bremen, Bayern und Mainz wird nur durch ein letztes Aufbäumen in Kaiserslautern unterbrochen. Im besten Fall.

Borussia Mönchengladbach

Blickt man heute auf die Tabelle, sieht die Lage für die Gladbacher eigentlich wieder hoffnungsvoll aus. Doch immer wieder folgten auf vermeintliche Aufholjagden bittere Rückschläge. Das ständige Herankämpfen kostet zu viel Kraft. Am Freitag ist ein Punkt in Mainz möglich, doch dann folgen Dortmund und Hannover, was das Ende aller Hoffnungen bedeuten wird. Ein Sieg gegen Freiburg noch, HSV-Pleite zum Abschied. Auf ein neues in Liga Zwei.

Und am Ende kommt es wohl ganz anders.

Tags: , , , , , , , ,

Kommen und Gehen

Posted by Max on Februar 15, 2011
Bundesliga, Fussball International / No Comments

Wer nicht flexibel ist, stirbt aus. Das muss sich wohl auch Lucien “Lulu” Favre gedacht haben, als er gestern nach mehr als 14 Monaten Arbeitslosigkeit wieder einen neuen Vertrag unterschrieben hat. Statt Champions League und Meisterkampf mit Hertha jetzt also Existenzängste und danach vermutlich der Neuaufbau im Unterhaus. Während Favre jetzt also neuen Erfolgen entgegenstrebt, beendet ein anderer seine Karriere: Ronaldo wird nicht mehr als Spieler auf den Fussballplatz zurückkehren. So ist das, in der Fussballwelt – ein Kommen und Gehen.

Richten wir zuerst den Blick in den Westen der Republik, nach Mönchengladbach. Dort knüpft Lucien Favre jetzt also dort an, wo er Anfang Oktober 2009 aufhörte: Am Tabellenende der Bundesliga. Vom Zürcher Meistertrainer zum Erfolgstrainer in Berlin, um anschließend die Bindung zu seiner Mannschaft zu verlieren. Nun also der Feuerwehrmann Favre? Die Langfristigkeit seines Vertrages am Bökelberg, bzw. die Gültigkeit auch für die Zweite Liga lässt erahnen, dass man sich in Mönchengladbach (zurecht) bereits mit dem Abstieg beschäftigt. Während die Konkurrenz aus St. Pauli und Köln zuletzt fleißig Punkte sammelt, tritt die Fohlen-Elf auf der Stelle. Die Lage scheint fast aussichtslos, nach den beiden verlorenen Spielen gegen die direkte Abstiegskonkurrenz.

Seit einiger Zeit warte ich eigentlich schon auf den nächsten Entwicklungsschritt dieser Mannschaft. Die Namen im Kader lassen durchaus auf einen Platz im Mittelfeld hoffen, und zu Beginn der Amtszeit von Michael Frontzeck wurde ja auch kräftig investiert, um dem Team weitere Qualität zuzuführen, etwa in einen Arango oder Bobadilla. Die Beiden konnten fast nie wirklich helfen, spielen keine Rolle mehr in Mönchengladbach oder gehen unter wie der Rest der Mannschaft. Es war nie gelungen, aus einer Reihe zweifellos begabter Einzelkönner eine funktionierende Einheit zu formen. In den Leistungen der Elf spiegelte sich keine Konstanz wieder. Die Borussia war in den vergangenen Monaten mitunter offensiv schön anzuschauen, aber das alleine konnte die fatal löchrige Abwehr nicht kompensieren. Schnell hatte man sich als Schießbude der Liga einen Namen gemacht, dazu kamen einige Verletzungssorgen und Undiszipliniertheiten der eigenen Spieler. Fast scheint es so, als geht Gladbach heuer so unter wie damals 1998/1999.

Ich bin gespannt, wie sich Favre jetzt auf diesem Posten macht. Nach den Erfahrungen aus Berliner Zeiten betrachte ich das derzeit mit einiger Skepsis. Mönchengladbach gilt nicht als das ruhige Umfeld, dass Favre schon bei Hertha nicht finden konnte. Von seinen Visionen hinsichtlich höherer Ziele, etwa der Champions League, muss er sich für die nächsten Jahre wohl auch erstmal verabschieden.  Zumindest kann er jetzt mit Mo Idrissou gemeinsam davon träumen.

Bleibt noch der Blick auf Michael Frontzeck. Mir tut er ja schon Leid, allerdings muss man nüchtern betrachten, dass er es über Wochen nicht geschafft, die Leistungen seiner Mannschaft entscheidend zu stabilisieren. Der Abstand zum rettenden Ufer wurde größer, wichtigste Spiele verloren, die Ablösung war nur noch eine Frage weniger Partien und ist jetzt für den Verein vielleicht die letzte Chance für den Rettungsanker zur rechten Zeit. Damit hat sich Frontzeck zwar in den letzten fünf Jahren als Bundesligacoach etabliert, jedoch gelang es ihm weder in Aachen, noch in Bielefeld, noch in Mönchengladbach langfristig oder zumindest zum Saisonenende der Abstiegszone zu entkommen.

Egal auf welche Trainerbank es Frontzeck bald verschlägt, einen Spieler wird er garantiert nicht mehr trainieren: Ronaldo. Der Brasilianer verkündete nach einer erfolg- und torreichen Karriere seinen Rücktritt, beugte sich damit den Schmerzen und Sorgen, die ihm sein geschundener Körper macht.  Ronaldo trat für mich als Spieler eigentlich immer nur bei den Weltmeisterschaftenso richtig auf den Schirm: 1998 das Theater um seinen Einsatz im WM-Finale, 2002 ein großartiges Comeback, auch zum Leidwesen der deutschen Mannschaft. 2006 schließlich beim Sommermärchen seine letzten großen Auftritte, offensichtlich nicht ganz fit, dennoch mit Toren gekrönt, was ihn bis heute zum erfolgreichsten Torschützen bei Weltmeisterschaften macht. Natürlich war er auch Bestandteil des legendären Teams der “Galaktischen” von Real Madrid. Obwohl ich mich, außer an jene Tore im WM-Finale von 2002, an keine Treffer Ronaldos erinnern kann: Seine Trefferquoten, egal bei welcher Mannschaft, selbst am Ende der Karriere, waren immer außergewöhnlich gut. Ich bin gespannt, wann es wieder einen Ausnahmestürmer wie Ronaldo geben wird. Frankreich wartet auf den neuen Zidane, Brasilien auf den neuen Ronaldo!

Tags:

Saisonvorschau 10/11 – Teil 1

Posted by Max on August 18, 2010
Bundesliga / No Comments

Sie kommt spät. Aber verzichten möchten wir auch in diesem Jahr darauf nicht. In der mittlerweile vierten Auflage unserer Saisonvorschau haben wir in den letzten Tagen wieder unser Analysebüro geöffnet und die 18 Bundesligamannschaften in acht Kategorien bewertet. Auf Grundlage der Kriterien des kicker, der diese Form der Saisonvorschau bis zur Saison 2006/2007 durchführte, ist dabei wieder eine Rangliste entstanden, die hier in zwei Teilen kurz vorgestellt wird. Für den detaillierten Überblick und eine Kurzbeschreibung aller Kategorien verweise ich auf die Übersichtsseite. Den Anfang machen heute die neun Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Wohlgemerkt aus der von uns zusammengestellten unteren Tabellenhälfte.

(10) Eintracht Frankfurt (Notenschnitt: 2,26)

In mühsamer Kleinarbeit hat sich die Eintracht in den letzten Jahren in der Bundesliga konsolidiert. Nach einigen tristen Jahren knapp vor den Abstiegsrängen scheinen die Hessen mit Skibbe einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Doch der Weg zurück nach oben bleibt weiter zäh, auch in dieser Spielzeit wird der Erfolg nicht zufliegen. Wegbereiter könnte die Offensive sein, wenn sie den vor allem von Moritz ausgemachten Nachteil einer durchwachsenen Defensive ausgleichen kann. Probleme könnte es geben, wenn viele Stammspieler ausfallen. Die zweite Reihe ist zu dünn besetzt.

(11) FC St. Pauli (Notenschnitt: 2,30)

Überraschend weit oben, im Mittelfeld der Tabelle, darf sich der Aufsteiger aus Hamburg einordnen. Grund dafür sind in erster Linie zwei Faktoren: Zum einen die recht ausgewogen zusammengestellte Mannschaft, die durch prominente Neuzugänge gut verstärkt wurde. Zum anderen spielt die Komponente von Trainer Holger Stanislawski eine wichtige Rolle. Allgemein gut bewertet wurde auch das Vereinsumfeld, wobei hier abzuwarten ist, inwiefern die scheinbare Ruhe bei der ersten sportlichen Krise bestehen bleibt.

(12) FSV Mainz 05 (Notenschnitt: 2,32)

Hält der Mainzer Fussballzauber an, oder müssen sie sich der Weisheit fügen, dass das zweite Jahr für einen Aufsteiger stets das schwierigste sei? Größter Pluspunkt ist und bleibt das angenehme Umfeld, indem sich in Windeseile auch der einstige Nobody Thomas Tuchel zum gestandenen Bundesliga-Trainer entwickelte. Fraglich scheint, ob die Offensive Bundesligansprüchen genügt. Zumindest Moritz meldet an diesem Punkt einige Zweifel an. Torwart Heinz Müller spielte eine starke Debütsaison, fehlt nun aber längere Zeit verletzt. Auch das könnte ein wichtiger Faktor sein.

(13) Borussia M’gladbach (Notenschnitt: 2,57)

Bei keinem anderen Team liegen Moritz und ich in der Gesamteinschätzung so weit auseinander, wie bei der Borussia. Für meinen Teil sehe ich Gladbach zumindest auf der nächsten Entwicklungsstufe in Richtung Mittelfeld, während Moritz sogar den Abstiegskampf prognostiziert. Arge Diskrepanz weist dabei die Einschätzung der Abwehrreihe auf. Michael Frontzeck hat sich zwar gemacht am Niederrhein, aber bei Moritz noch lange nicht alle Vorurteile besiegt. Es wird interessant zu sehen sein, wer am Ende Recht behält.

(13) 1. FC Köln (Notenschnitt: 2,57)

Nach unserer Einschätzung wird der 1. FC Köln auch in dieser Spielzeit nicht so recht aus den Pötten kommen. Ein entscheidender Knackpunkt ist dabei erneut Trainer Zvonimir Soldo, der in seiner Debütsaison einige Anpassungsschwierigkeiten offenbarte. Kölner Trümpfe sind die Defensive inklusive Goalie Mondragon. Sorgen bereitet dagegen die Besetzung der zweiten Reihe sowie das unruhige Umfeld. Im medialen Haifischbecken Köln könnte es schon bei einem Fehlstart schnell ungemütlich werden. Einiges wird auch davon abhängen, ob Lukas Podolski der Mannschaft endlich entscheidend weiterhilft.

(15) 1. FC Kaiserslautern (Notenschnitt: 2,59)

Auch bei der Bewertung des Meisters von 1998 liegen wir beide um einiges auseinander. Ich für meinen Teil halte diese Mannschaft für zu wenig erfahren, um in der Bundesliga Bestehen zu können. Während Moritz die Neuzugänge und Verstärkungen als gut bewertet, sehe ich diese bestenfalls befriedigend. Wie wird Marco Kurz als Bundesliga-Novize auf der Trainerbank damit zurecht kommen? Wer schießt im Angriff die Tore? Kommt bei Niederlagen schnell Unruhe auf? Das sind doch einige offene Fragen. Ohne Zweifel wird es für den FCK eine schwere Saison im Abstiegskampf.

(16) Hannover 96 (Notenschnitt: 2,75)

Trotz Slomka: Auch 2010/2011 wird in der Landeshauptstadt Niedersachsens wieder gegen den Abstieg gespielt. Am Ende kommen Moritz und ich zwar auf den gleichen Notenschnitt, aber die Einzelwertungen liegen teilweise weit auseinander. Moritz etwa beurteilt die Neuzugänge als unzureichend. Für meinen Geschmack sind da allerdings durchaus einige gute Namen dabei. Dafür sieht er die Offensive als Prunkstück, für mich sind dort zu viele Namen dabei, die lange ihre Qualitäten vermissen ließen. Comeback fraglich. Größtes Sorgenkind ist aber die Defensive. Sie genügt zumindest auf dem Papier keinen Erstligaansprüchen.

(17) 1. FC Nürnberg (Notenschnitt: 2,77)

Erst in der Relegation hat sich der Club vor dem Abstieg gerettet. Diesmal könnte es die Franken erwischen, zumindest knapp wird es wieder. Bis auf den erfahrenen Goalie Torwart Schäfer wurden alle mannschaftsrelevanten Kategorien nur durchschnittlich eingeschätzt. Durchschnittlich zu wenig für die Bundesliga? Auch Trainer Dieter Hecking konnte uns noch nicht endgültig als Krisenmanager überzeugen. Für mich ist er gar ein heißer Kandidat auf einen Rauswurf bis zur Winterpause. Spiele mit dem FCN dürften auch in dieser Saison keine Leckerbissen werden.

(18) SC Freiburg (Notenschnitt: 3,00)

Mit großem Abstand und Einigkeit der beiden Bewerter landet der sympatische SC Freiburg abgeschlagen auf der letzten Position. Letztendlich wird es darauf hinauslaufen, was Teams aus dem Breisgau von jeher auszeichnete: Ein kompetenter Trainer, der in einem ruhigen und homogenen Umfeld ungestört arbeiten darf und eine Mannschaft formt. Die Probleme liegen in eigentlich allen Mannschaftsteilen, die Abwehr ist zu löchrig und wurde nicht ansprechend verstärkt. Der Sturm ist ausgedünnt mit lediglich drei Angreifern. Die Alternativen auf der Bank versprechen auch eher keine Besserung. Na dann: Mit dieser Prognose kann uns der SCF nur positiv überraschen!

Soweit die Teams auf den Plätzen 10-18. Morgen geht es dann in höhere Gefilde. Mit Antworten auf die Fragen: Wer wird Meister? Wer zieht in den Europapokal ein? Wer landet im oberen Mittelfeld?

Tags: , , , , , , , ,