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Knallstart in die Saison 11. August 2013

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Wir sind wieder da! Nach zwei Monaten Schreib- und Sommerpause soll es auch hier weitergehen. Kurzzeitig hatten wir überlegt, unser Hobby “Abenteuer Fussball” nach sechs Jahren beiseite zu legen. Doch es wird weitergehen – irgendwie und in welchem Umfang auch immer. Die Ruhe der letzten beiden Monate jedenfalls ist erstmal vorbei. Und dafür hat auch der Knallstart in die neue Spielzeit gesorgt.

28 Tore in bisher sieben Spielen – das ist schon eine klare Ansage der Bundesliga, die in der vergangenen Saison auch international für viel Furore sorgte. Für viele Beobachter gilt die Bundesliga mit ihren attraktiven Spielen und gesunden (finanziellen) Strukturen mittlerweile schon als beste Liga der Welt. Mal abgesehen, dass ich solche Einschätzungen immer arg subjektiv finde, ist der Liga zumindest in der letzten Spielzeit aber etwas die Ausgeglichenheit in der Spitze abhanden gekommen. Zuerst der FC Bayern und später auch Borussia Dortmund dominierten das Geschehen mit streckenweise Weltklasse-Fussball, durften sich ja letztendlich auch im Finale der Champions League duellieren.

Nun gab es schon die Befürchtung dass gerade der FC Bayern mit der Verpflichtung von Pep Guardiola und millionenschweren Transfers der Marke Götze und Thiago weiter einsam ihre Kreise ziehen. Gefolgt natürlich von den Dortmundern, die diesmal auch ordentlich Geld in die Hand nahmen, bzw. eher nehmen mussten, um den Abstand zu den Münchnern nicht zu groß werden zu lassen. Steht uns also ein Zweierduell an der Tabellenspitze bevor, mit großem Abstand zum Rest der Liga?

Obwohl die Fakten dafür sprechen – so richtig vorstellen kann ich mir das eigentlich nicht. Aus zweierlei Gründen: Die enorme Star- und Leistungsdichte in München, dazu die sicher noch einige Wochen oder Monate andauernde Anpassungsphase an den Guardiola-Stil. In Dortmund wird man außerdem sehen müssen, dass man mit den noch einmal gestiegenen Ansprüchen zurechtkommt. Ohne gleich vom erneuten Finaleinzug in der Champions League zu sprechen, muss auch der BVB das Niveau vom Vorjahr wieder unter Beweis stellen. Eine erneute Saison ohne Titel – rechnen wir einfach mal den gewonnenen Supercup aus der Wertung – ist mit diesem Kader mittlerweile auch eher schwer vermittelbar. Auch wenn man in Dortmund sicher weiterhin versucht, die Rolle des Verfolgers und Unterlegenen zu spielen.

Den besseren Eindruck zum Saisonstart hinterließ zunächst der BVB. 4:0 in Augsburg ist zumindest eine Ansage. Insbesondere von Neuzugang Pierre-Emerick Aubameyang. Drei Tore zum Debüt, das ist vorher nur wenigen Spielern gelungen. Zum Beispiel Adhemar. Die Bundesliga-Karriere von Aubameyang sollte aber sicher erfolgreicher verlaufen, als die vom ehemaligen Stuttgarter, der sich letztendlich nie beim VfB durchsetzen konnte. Aubameyangs Dynamik und Torgefahr wird ein wesentlicher Faktor in dieser Saison werden, da bin ich mir ziemlich sicher. Damit kann man wohl auch die ein oder andere zu erwartende Motivationsdelle von Robert Lewandowski auffangen können.

Den Saisonauftakt am Freitag machten die Bayern mit ihrem 3:1-Sieg gegen Mönchengladbach. Nach einer von vielen Experimenten geprägten Vorbereitung war die Aufstellung dann erstaunlich konservativ. Nur eine Änderung im Vergleich zum letzten Ligaspiel unter Jupp Heynckes. Kein Lahm im Sturm, kein Mandzukic als Linksverteidiger. Das Ergebnis hat gestimmt, die Spielzüge waren oft sehr gefällig, aber gerade im Defensivbereich passte noch nicht alles zusammen. Mönchengladbach hatte durchaus mehr Chancen, als es das Ergebnis vermuten lässt. Es wird wohl wie gesagt noch einige Zeit dauern, bis Guardiolas Ideen in Perfektion sichtbar werden. Respekt zollen muss man dem neuen Coach allerdings dafür, dass er die fehlenden Automatismen seiner wilden Testspielformationen erkannt hat und die Aufstellung zum Pflichtspielauftakt auf Sicherheit wählte.

Wer also soll Bayern und Dortmund gefährden? Leverkusen könnte ein Kandidat werden, überzeugte im Pokal und zum Saisonauftakt. Wohl eher weniger Hertha BSC, trotz des starken 6:1 gegen Eintracht Frankfurt. Auf jeden Fall steht uns eine spannende Saison bevor – auch an der Tabellenspitze.

Glücklich ins Finale 1. Mai 2013

Posted by Moritz in : Champions League , 1 comment so far

Es war das Spiel, auf das seit Ewigkeiten die größte Vorfreude herrschte. Das sahen die Zuschauer im Bernabeu wohl ähnlich. Das als Operettenpublikum verschrieene Publikum generierte eine umwerfende Kulisse. Trotz des Hinspiels schienen sie noch auf die Chance ihrer Königlichen zu hoffen und wurden nicht enttäuscht.

Das Spiel belohnte gleich zu Beginn mit einer Intensität wie von einem anderen Stern. Während anderswo zögerlich ausgelotet wird, fegte Real wie ein Orkan durch die Reihen der Dortmunder. Das mussten die Königlichen aber auch und gingen mehr als noch erwartet bis in den roten Bereich in Vorleistung. Das Mittelfeld der Dortmunder bekam kaum einen Zugriff auf das Spiel der Madrilenen, die sich mehrere hundertprozentige Chancen erarbeiteten.

Doch sowohl Öszil als auch Ronaldo mussten mehrfach freistehend vor Weidenfeller erfahren, wie schwer ist, gegen diese Mannschaft auch schon ein Tor zu schießen. Beide vergaben ihre Chancen an den herausragenden Keeper. Es dauerte lange, fast zu lange, bis sich zum einen der BVB darauf einstellte und die Reihen vor dem Strafraum enger schloss, aber zum anderen auch Real dieses hohe Tempo nicht mehr in voller Breite gehen konnte.

Auf Seiten der Madrilenen verlegte man sich zur Kompensation der nachlassenden läuferischen Stärke auf immer längere und weitere Bälle, die es dem Gündogan, Hummels und Subotic immer leichter machten, sie abzufangen. Zudem bearbeiteten sie Lewandowski fortwährend an und über der Grenze zum akzeptablen mit und an allen Körperteilen, was der äußert großzügig pfeifende Webb aber galant übersah. Gleichzeitig nahmen mit der Zeit die Räume zwischen den gegnerischen Mannschaftsteilen zu. Ein erwachendes Angriffsspiel auf Seiten der Schwarz-Gelben war die Folge.

Von Beginn an unverändert musste Klopp seine Mannschaft auf Grund einer Verletzung von Götze schon früh umbauen. Mit Großkreutz statt Götze fehlte den Dortmundern ein zentrales Element, um noch mehr Gefahr bei Kontern zu erzeugen. Das was sie trotzdem auf die Beine stellten konnte sich aber sehen lassen. Am eindrucksvollsten waren mit Sicherheit der Lattenkracher des freistehenden Lewandowski sowie der Schuss an die Pranke des ebenso gut aufgelegten Real Schlussmannes. Es waren die Möglichkeiten den Stress der Schlussminuten frühzeitig zu vermeiden. Vier und mehr Tore hätte Madrid an diesem Abend wohl keiner mehr zugetraut.

Das sah wohl auch Mourinho so, der trotz wacher Augen am Spielfeldrand stehts den Eindruck vermittelte, als würde es ihm gleich den Magen umdrehen. Auch seine Spieler ließen zur Halbzeit schon Anzeichen an Frustration erkennen. Sie traten verärgert in den Rasen, blickten entnervt gen Himmel. Nach gut einer Stunde, in der seine Mannschafte mehr und mehr an Boden verlor, trimmte der Portugiese sie noch einmal darauf alles nach vorne zu werfen.

Seit gefühlten Ewigkeiten pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass man miteinander nicht mehr möchte. Der unverbesserliche Optimismus und die Wirkung seiner Maßnahmen zeigten aber trotzdem Wirkung. Ein gemeinsames Ziel scheint kurzfristig jede Wunden zu heilen. Langfristig war wohl eine der letzten Vorstellungen des Special Ones in Madrid.

Seine Wechsel sollten aber noch einmal Erfolg zeigen. mit gefühlten elf Mann überschwemmten die Weißen das Angriffsdrittel und auf einmal fielen die Tore. Das erste durch den gekommenen Benzema und kurz darauf aus dem Gewühl durch Ramos. Daraufhin wackelte der BVB in der Hölle von Madrid bedrohlich. Szenen wie aus dem Viertelfinale gegen Malaga spielten sich umgekehrt ab. Doch es wurde nur gewankt nicht gefallen.

Ob es allerdings Teil eines Plans war, die eroberten Bälle einfach nur in besten griechischen Spiel immer wieder möglichst weit weg vom eigenen Tor zu schlagen, anstatt nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung zu verfahren wird wohl ein Rätsel bleiben. Eine solche Beruhigung hätte zum einen Zeit gebracht zum anderen aber auch den Angrifsswahn der Madrilenen durchbrochen.

Wie dem auch sei, es ging gut und ist ein am Ende und insgesamt verdienter Sieg in zwei Runden für die Borussia, der Madrid nichts ebenbürtiges entgegenzusetzen hatte. Am Ende lachte den Schwarz-Gelben das Glück aus dem Gesicht. Welch ein Anblick und am Ende scheinen sie auch noch nicht.

Turbulente Tage 27. April 2013

Posted by Max in : Bundesliga,Champions League , add a comment

Es sind verrückte Tage für die Fussballrepublik Deutschland. Vom Steuersünder über den Götze-Transfer bis zu zwei souveränen Siegen im Halbfinale der Champions League war alles dabei. Und immer mittendrin: Der FC Bayern und Borussia Dortmund, die beiden beherrschenden Teams im deutschen Fussball der letzten Jahre. Eigentlich bin ich kein Freund von generalisierenden Rückblicken, aber da es hier zuletzt so lange ruhig war und ich zumindest einige Gedanken zu den verschiedenen Themen niederschreiben möchte, mache ich das heute trotzdem mal.

Beginnen wir zumindest kurz mit der Steueraffäre rund um Uli Hoeneß. Ich bin ja der Meinung, so etwas ist Privatsache der Leute. Hoeneß wird seine Strafe bekommen, er hat sich ja schließlich auch selbst angezeigt. Nun ist es natürlich so, dass Hoeneß kraft seines Amtes eine öffentliche Person ist, von daher musste er zwangsläufig damit rechnen, dass die Geschichte auch an die Öffentlichkeit kommt. Der Bayern-Präsident wusste ja in den letzten 30 Jahren auch selbst oft genug sich der Wirkung der Presse zu bedienen. Trotzdem finde ich dass, was jetzt rund um dieses Thema abgezogen wird, schlicht lächerlich: Zerredet in den zig Talkshows, wird die Hoeneß-Steueraffäre jetzt wohl sogar ein Wahlkampfthema? Wie krank sind denn die Politiker, die offenbar so einen Grund brauchen, um Themen zu finden? Und letztes Wort dazu: Wer jetzt den Rücktritt von Hoeneß mit Verweis auf seine Vorbildfunktion fordert, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Stigma der “Vorbildfunktion” hat der Profifussball schon seit vielen Jahren abgelegt.

Die Reaktion auf diese letztendlich trotzdem für den FC Bayern unappetitlichen Geschichte kam in der Nacht zum Montag: Plötzlich und unerwartet wurde der Wechsel von Mario Götze öffentlich. Ein völlig nachvollziehbares Manöver, besonders die Dortmunder Fans hatten schließlich in den Tagen zuvor riesigen Spaß daran, gegen Bayern und Hoeneß zu schießen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bayern den Wechsel frühestens nach den Rückspielen im Halbfinale bekanntgeben wollten, wenn nicht sogar erst in der Sommerpause. Doch sie mussten diesen “Trumpf” ziehen, um Hoeneß aus der Schusslinie zu nehmen. Hätte übrigens Dortmund und jeder andere Verein genauso gemacht. Und die Scheinheiligkeit vom BVB-Boss Watzke, der sich enttäuscht zeigte über die vorher nicht erfolgte Kontaktaufnahme seitens des FC Bayern, nervt auch extrem: Wie lief gleich noch mal der Wechsel von Reus zu Dortmund ab? Noch schlimmer aber ist die Behauptung, Bayern würde den anderen Vereinen die Spieler wegkaufen. Das ist das Geschäft. Dortmund würde auch einen Ribery oder Robben kaufen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Und: Wer zwingt Götze nach München zu gehen? Er ist ein freier Mann und hat diese Entscheidung sicher nicht ohne Grund getroffen.

Doch damit genug geschimpft. Kommen wir lieber zu angenehmen Dingen. Ungeachtet sämticher oben benannter Störfeuer in den Tagen zuvor brannten Bayern und Dortmund in den Halbfinal-Hinspielen ein Feuerwerk ab. Eine solche brutale Qualität im Halbfinale, insbesondere in den Hinspielen, habe ich zuvor noch nie erlebt. Auch wenn im Bayern-Spiel zwei bis drei Tore irregulär waren, das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf trotzdem völlig korrekt wieder. Barcelona hatte ebenso keine Chance, wie einen Tag später Real Madrid. Diese beiden Spiele haben neue Maßstäbe gesetzt, die “spanischen Verhältnisse”, von denen Uli Hoeneß noch unbelastet vor zwei Wochen – wenn auch im Bezug auf die Bundesliga – sprach, muss man für die Königsklasse verneinen: Die Spanier sind im Halbfinale untergegangen. Deutschland ist Trumpf.

Und das ist das schöne in diesen Tagen: Das Säbelrasseln zwischen den Vereinen, insbesondere der Funktionäre und den Medien, scheint die Teams kaum zu beeindrucken. Aber nur deshalb kann man das groteske Gebahren zwischen den Spielen einigermaßen ertragen. Wird dann doch bald Zeit für die Sommerpause.

Dortmunder Spektakel 10. April 2013

Posted by Max in : Champions League , 1 comment so far

Respekt, Borussia Dortmund! So ein Spiel, so eine Endphase wie beim gestrigen 3:2-Erfolg in der Champions League sieht man wirklich nur ganz selten. Die Vergleiche mit dem 1999 so dramatisch beendeten Finale in der Königsklasse sind keineswegs übertrieben – an ein anderes Spiel auf diesem Niveau mit dieser Dramatik in der Nachspielzeit kann ich mich spontan überhaupt nicht erinnern.

Letztendlich war es ein Sieg der Moral für die Dortmunder, in einem Vergleich mit Malaga, die taktisch über 180 Minuten extrem diszipliniert auftraten und trotzdem viele Chancen zuließen. Analysiert man Hin- und Rückspiel, ergibt sich ein seltsames Bild: Das Weiterkommen der Dortmunder ist verdient, über ein Ausscheiden hätte man sich aber ebenso wenig beschweren können. Nachdem man vor einer Woche im Auswärtsspiel einige große Torchancen leichtfertig vergeben hatte, setzte sich dieses Bild im Rückspiel über weite Strecken fort – nur diesmal setzte Dortmunder die Treffer, in allerletzter Minute zwar, aber immerhin.

Natürlich bestand im Vorfeld des Duells mit dem FC Malaga die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen. Das ist ein fast schon natürlicher Vorgang, nachdem man es zuvor im Wettbewerb mit den Gegnern Real Madrid, Manchester City, Ajax Amsterdam und Schachtjor Donezk zu tun hatte. Als “Freilos” bezeichnete manch durch die Gruppenphase euphorisierter Fan schon die Spanier – wenngleich ich behaupte, dass sich Mannschaft und Trainer der Aufgabe schon bewusst waren. Trotzdem hat es der BVB spannender als nötig gemacht, vielmehr kann man aus diesem Last-Minute-Sieg sogar einen Hauch mehr Motivation in die Runde mitnehmen als bei einem “normalen” Weiterkommen.

Gestern las ich kurz nach der Partie übrigens eine interessante Theorie auf Twitter: Sollte Borussia Dortmund die Champions League gewinnen, würde das die Meisterschaft für den FC Bayern wertlos machen. Ich gebe zu: Eine sehr krude Theorie. Aber sie ist Bestandteil einer in den letzten Wochen etwas albern gewordenen Rivalität zwischen Dortmund und München. Mittlerweile wird dort jede Aktion auf die Goldwaage gelegt, Dortmund hätte letztes Jahr besser gefeiert und sowieso und überhaupt ist der jeweils andere besser.

An eine Entwertung der Meisterschaft für die Bayern – gerade nach den harten letzten zwei Jahren – glaube ich übrigens nicht. Aber ginge der Titel in der Königsklasse wirklich in den Ruhrpott, wäre das freilich ein harter Schlag. Schließlich haben die Bayern in den letzten Jahren oft alleine das deutsche Fähnchen hoch halten müssen und den Titel verdient. The show must go on… Wir warten auf das Halbfinale!

Sympathie verspielt 3. März 2013

Posted by Max in : Bundesliga , 3 comments

Dieser Beitrag brennt mir schon lange unter den Nägeln. Nach den Ereignissen der letzten Woche jedoch kann ich ihn nicht länger zurückhalten, die Luft muss einfach mal raus. Es gibt da einen Charakter in der Bundesliga, der es geschafft hat in den vergangenen Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren, jegliche Sympathie zu verspielen: Jürgen Klopp.

Rückblende ins Jahr 2006: Jürgen Klopp, wortgewandter Erfolgstrainer des FSV Mainz 05, erobert während der Weltmeisterschaft gerade durch spritzige Analysen im Trio mit Johannes B. Kerner und Urs Meier die Herzen der Zuschauer. Auch mir ist Klopp durch seine offene und ehrliche Art sympathisch, verbunden mit dem Aufstieg der nicht weniger sympathischen Nullfünfer aus Mainz exponiert sich diese Sympathie in den nächsten Jahren nur noch. Dass Klopp ein Klasse-Trainer ist, beweist er nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund 2008. Denn er schafft es auch hier, mit Erfolg zu punkten. Zweimal führt er den BVB bis letzten Sommer zur Meisterschaft, gewinnt zuletzt sogar das Double mit dem DFB-Pokal.

Doch irgendwann im letzten Jahr kam es zum Bruch. Klopp wirkt mittlerweile feinfühliger bei Niederlagen, kann Pleiten oder gar Kritik seiner Mannschaft nicht mehr so nonchalant weglächeln wie in früheren Tagen. Stattdessen an der Tagesordnung: Ein mies gelaunter, motzender Klopp, der bei leicht provokanten Nachfragen sofort aus der Haut fährt. Im Herbst 2012, als Dortmund in der Liga für einige Zeit nicht richtig in Schwung kommt, und der Abstand zum Hauptkonkurrenten FC Bayern immer größer wird, vergeht kaum eine Woche, an dem man nicht einen muffigen Jürgen Klopp bei Interviews erleben muss. Fast so, als sind die Journalisten Schuld an den fehlenden Ergebnissen. Klopp und die anderen Dortmunder Verantwortlichen werden zwar nicht müde zu erwähnen, dass man ja in der Champions League sehr erfolgreich sei und selbst Platz Zwei oder Drei in der Bundesliga ein großer Erfolg sei. Doch die regelmäßig gereizte Stimmung bei Interviews lässt auf andere Gefühle schließen.

Mittlerweile ist Klopp in meiner Sympathie-Skala irgendwo in der Region von Mario Ballotelli oder Marco Materazzi angekommen. Zum Verständnis: Auch ich rege mich gerne mal über Spieler, Schiedsrichter oder Journalisten auf. Ich toleriere dass bei anderen Trainern. Aber wenn es mittlerweile zur Gewohnheit wird, wie bei Klopp, ist das für mich nur noch schlechter Stil.

Einen neuen Höhepunkt erreichte Klopps fehlende Souveränität nach dem Pokalspiel in der letzten Woche. Die Anschuldigungen, der FC Bayern würde sich an der Spielweise Dortmunds orientieren und wie die Chinesen kopieren, sind schlicht absurd. Die Duelle gegen den FC Bayern waren für Klopp wohl bis zuletzt der letzte Rettungsanker für das Ego, der nun auch gefallen ist. Anders kann ich mir diese Schlechte-Verlierer-Mentalität nicht mehr erklären. Und das ist der Unterschied zwischen souveränen Trainern von Weltformat wie Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld zu dem gelb-schwarzen Burschen mit der Pöhler-Kappe aus dem Ruhrgebiet.

Übrigens wächst in Mainz schon der nächste Kandidat dieser Sorte heran. Emotionen rechtfertigt keine Beleidigungen und Beschimpfungen. Und damit endet dieser Beitrag zum Frustabbau auch schon.