Benfica Lissabon

Der Bela-Guttmann-Fluch

Posted by Max on Mai 17, 2014
Europa League / No Comments

Mein Kollege, über dessen Kritik an der Bundesliga-Langeweile ich vor einiger Zeit sinnierte, ist aufgrund seiner familiären Wurzeln Fan von Benfica Lissabon. In dieser Woche musste er (wieder einmal) feststellen, dass es wohl noch mindestens 48 Jahre dauern wird, bis er wieder einen Internationalen Titel seiner Mannschaft feiern darf. Anfang 90 wird er dann sein, und vorher wird der Liebe Gott bei ihm nicht das Licht ausknipsen.

Schuld an der Misere ist Béla Guttmann. Ich kannte diesen Namen nicht, bevor ich Anfang des Jahres das sehr empfehlenswerte Buch von Jonathan Wilson zur Taktikgeschichte des Fußballs gelesen hatte. Mit Guttmann gewann Benfica im Jahr 1962 letztmals den Europapokal der Landesmeister, seitdem gab es acht Finalteilnahmen, in allen acht Spielen verlor Benfica das Endspiel. Wilson schreibt dazu in seinem Buch:

Man erzählt sich, Guttmann habe Benfica bei seinem Abschied mit einem Fluch belegt. Demnach sollte der Klub so lange keinen europäischen Titel mehr gewinnen, bis er ihm seine ihm zustehende Prämie bezahlt habe. Natürlich ist das Unsinn. Dennoch hat Benfica seitdem von fünf Endspielen im Europapokal keines mehr gewinnen können.  (Jonathan Wilson: Revolutionen auf dem Rasen, Seite 138)

Mittlerweile sind es schon acht Niederlagen: Im Europapokal der Landesmeister 1963, 1965, 1968, 1988 und 1990. Im UEFA Cup 1983 sowie in der Europa League 2013 und 2014. Ein interessantes Guttmann-Portrait aus dieser Woche nennt eine andere Version: Benfica habe ihm eine Gehaltserhöhung verweigert, deshalb ergriff Guttmann Hals über Kopf die Flucht und verfluchte den Verein auf 100 Jahre im Europapokal. Diese Version ist die bekannteste Auslegung des Bela-Guttmann-Fluchs. Bei früheren Finals flehten sogar schon Stars wie Eusebio am Grab des Ex-Trainers, es half alles nichts. Bela Guttmann, ein großer Name, Visionär und Weltenbummler, Importeur des erfolgreichen 4-2-4-Systems in Brasilien, galt gleichermaßen als unsentimental wie skrupellos, hat kein Einsehen.

Der Fluch ist derzeit so präsent wie lange nicht mehr: Zwei Jahre nacheinander verlor der größte Sportverein der Welt das Finale der Europa League. Vorige Saison gegen Chelsea durch ein Tor in der Nachspielzeit, vergangene Woche gegen den FC Sevilla im Elfmeterschießen. Nun mag man denken, dass sich die Fußballmillionäre von heute nicht um Flüche, Prophezeiungen oder andere Gedankenspiele der Metaebene kümmern.

Nur schwer lässt sich aber ohne das Bemühen höherer Mächte erklären, was am Mittwoch beim Finale in Turin passiert ist: Benfica hatte, beginnend mit der Endphase der ersten Halbzeit, reihenweise hochkarätiger Torchancen, deren Verhinderung durch den FC Sevilla sich nur unzureichend mit Glück beschreiben lässt. Wie die Spanier den Ball im letzten Moment von  der Linie kratzen, wie von Geisterhand plötzlich den Ball abblockten oder die Benfica-Spieler aus bester Position das Tor verfehlten – hatte hier Bela Guttmann seine Finger im Spiel? Anders lässt sich wohl auch kaum erklären, wie kläglich Oscar Cardozo und Rodrigo ihre Elfmeter in der entscheidenden Phase vergaben. Als hätte ihnen beim Anlauf die Stimme von Guttmann im Kopf herum gespukt.

So stand am Ende der Titelgewinn für den FC Sevilla. Es ist bereits der dritte Titel in diesem Wettbewerb für den Verein innerhalb der letzten acht Jahre. Man kann diese vom Kader her eigentlich relativ unspektakuläre Truppe also gut und gerne als Spezialist für den Europapokal beschreiben. Ohne Piotr Trochowski, den indisponierten Marko Marin, der nur 26 Minuten nach seiner Einwechslung wieder ausgetauscht wurde, dafür aber mit einem überragenden Ivan Rakitic. Der Kroate hat sich in den drei Jahren seit seinem Weggang vom FC Schalke 04 zu einem gestandenen Mittelfeldspieler von hoher internationaler Klasse entwickelt. Eine Entwicklung, die damals im Trikot der Königsblauen nicht unbedingt absehbar war. Am Mittwoch überzeugte Rakitic durch eine extrem hohe Präsenz in fast allen Teilen des Spielfeldes, einem guten Gespür für den richtigen Pass und unterstrich auch seine Führungsqualitäten als Mannschaftskapitän. Kein Wunder also, dass er in den Blickpunkt einiger großer Vereine gerückt ist.

Während Sevilla also in seinen drei europäischen Finalteilnahmen immer siegreich vom Platz ging, knabbert Benfica weiter am Bela-Guttmann-Fluch. Noch 48 Jahre – oder ist doch alles nur Aberglaube und großer Zufall?

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Benfica knackt Zenit

Posted by Max on März 07, 2012
Champions League / No Comments

Es war vor dem Auftakt der Achtelfinal-Rückspiele in der Champions League am gestrigen Dienstag das Spiel mit der vielversprechenderen Ausgangslage, auch wenn Benfica Lissabon und Zenit St. Petersburg natürlich auf dem Papier weit hinter dem Glanz der Begegnung zwischen Arsenal und Milan liegen. In London gab es zwar dann das größere Spektakel – auch wenn Arsenals Aufholjagd am Ende unbelohnt blieb – aber auch das Duell in Portugal konnte sich durchaus sehen lassen. Am Ende siegte Benfica verdient mit 2:0 und steht erstmals seit sechs Jahren wieder im Viertelfinale der Königsklasse.

Vor drei Wochen im Hinspiel hatte sich Zenit im eigenen Stadion noch knapp mit 3:2 durchsetzen können und brachte damit eigentlich die bessere Ausgangslage mit. Die Taktik der Zenit-Mannschaft von Luciano Spalletti schien sich deshalb auch im “Stadion des Lichts” zu Lissabon einzig und allein darauf zu beschränken, denn knappen Vorsprung zu verwalten. Dabei konnte Zenit nun auch wieder auf seine Nummer 1 Vyacheslav Malafeev bauen, der im Hinspiel noch verletzt fehlte. Der Torwart war auch früh gefordert, denn Benfica brauchte nur ungefähr zehn Minuten, um sich auf die extrem defensiven Russen einzustellen. Besonders über die rechte Angriffsseite mit dem agilen Maxi Pereira gab es jede Menge Druck der Hausherren, zweimal musste Malafeev in höchster Not entschärfen. Kurz vor der Halbzeitpause erzielte dann Pereira nach einer starken Einzelaktion des Belgiers Axel Witsel, der sich durch die Zenit-Abwehrreihen presste, das Führungstor.

Bis zur Halbzeitpause hatte Zenit genau eine Torchance. Es sollte bis zum Abpfiff dabei bleiben. Allein dieser Umstand zeigt schon, dass Spalletti für diesen Abend offenbar keinen “Plan B” vorbereitet hatte, denn ein Auswärtstor hätte die Sache schon wieder für Zenit gedreht. Aber die offensiven Semak, Bystrov und Denisov hingen über die vollen 90 Minuten in der Luft. Warum sich Zenit in so einem wichtigen Spiel – man hatte ja nach dem Rückstand nun eigentlich nichts mehr zu verlieren – trotzdem überhaupt nicht in die Offensive traute, ist ein großes Rätsel. Spalletti vermutete eine “mentale Barriere” bei seinen Akteuren. Es wäre der größte Erfolg des Vereins in der Champions League gewesen.

Das Spiel bezog seine Spannung deshalb im zweiten Durchgang hauptsächlich aus der Tatsache, wann Benfica endlich die endgültige Entscheidung herbeiführen würde. Es dauerte bis zur Nachspielzeit, denn mit dem Schlusspfiff erzielte der eingewechselte Nelson Oliveira das erlösende 2:0. Zuvor hatte Benfica zahlreiche gute Chancen ausgelassen. Und wie die sonderbaren Gesetze des Fussballs nun einmal sind, hätte Zenit deshalb ein gelungener Konter ausgereicht, um selbst den Schritt in die Runde der letzten Acht zu machen. Aber die Russen blieben bis zum Ende viel zu harmlos.

Die Fans von Benfica feierten nachher euphorisch den Sieg. Enttäuschend war die Leistung von Zenit, die in der Fremde einfach keinen Bein auf den Boden bekommen. Die Champions League auf diesem Niveau ist für den UEFA-Pokal-Sieger von 2008 wohl noch eine Nummer zu hoch. Dennoch hätten ich zumindest eine kleine Reaktion in der zweiten Halbzeit erwartet – da kam aber nichts.

Während Zenit sich nun also auf seine Titelverteidigung in der Russischen Premier Liga konzentrieren kann, äußerte Benficas Coach Jorge Jesus schon seinen Wunsch für das Viertelfinale:

Wenn möglich, würden wir uns einen englischen Gegner wünschen, also vermutlich Chelsea. Nicht so gerne würde ich gegen Real Madrid spielen, sie haben viele Portugiesen in ihrem Team, viele davon haben früher für Benfica gespielt. (Quelle: uefa.com)

In jedem Fall wird Benfica wohl, Überraschungen in den verbleibenden sechs Spielen dieser Runde ausgenommen, der Wunsch-Gegner für die anderen Mannschaften sein.

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Drei gute Halbzeiten

Posted by Max on Februar 18, 2011
Europa League / No Comments

Endlich wieder Europapokal! Dienstag und Mittwoch spielt die Champions League, Donnerstag folgt die Europa League. Daran darf man sich ab jetzt wieder gewöhnen, mal abgesehen vom neuen Namen des ehemaligen UEFA-Pokals, der auch heute noch von vielen Kommentatoren falsch genutzt wird. Gestern mussten sich die Bundesliga-Vertreter aus Leverkusen und Stuttgart bei Auswärtsspielen beweisen. Obwohl die beiden Mannschaften insgesamt drei gute Halbzeiten lieferten, sprang letztendlich nur ein Sieg dabei heraus.

Für diesen Erfolg sorgte Bayer Leverkusen im vorgezogenen Spiel in der Ukraine bei Metalist Kharkov. Letztendlich war es mit 4:0 sogar ein sehr souveräner Sieg, mit dem Bayer nun schon fast sicher das Achtelfinale buchen kann. Zu Beginn der Partie hatte die Werkself noch einige Anpassungsprobleme mit den kalten Temperaturen, erstmal spielte nur der Gastgeber aus Kharkov. Doch denen war dann schnell die fehlende Wettkampfpraxis anzumerken, die heimische Premier-Liga steckt derzeit mitten in einer dreimonatigen Winterpause. Also erhöhte die Heynckes-Truppe nach zwanzig Minuten die Schlagzahl und erzielte dann auch schnell das Führungstor durch Derdiyok. Nach dem Seitenwechsel zeichnete sich ein ähnliches Bild wie in der ersten Halbzeit: Kharkov kam mit mehr Schwung aus der Kabine, aber das Angriffsspiel der Hausherren blieb letztendlich harmlos und damit auch erfolglos. So war es also wieder an Bayer, die Spielkontrolle zu übernehmen, und der Treffer vom eingewechselten Castro nach 72 Minuten machte den Auswärtssieg klar. Ein Doppelschlag vom starken Sidney Sam in der Nachspielzeit entledigte Heynckes damit auch aller eventuellen Sorgen für das Rückspiel. Ein verdienter Sieg, Bayer ließ sich nicht von der Spielverlegung und den kalten Temperaturen beeinflussen.

Unter anderen klimatischen Bedingungen musste der VfB Stuttgart in Lissabon bei Benfica antreten. Und auch sonst waren die Voraussetzungen so völlig anders als zuvor bei Leverkusen: Die Stuttgarter stecken in der Bundesliga schließlich im Abstiegskampf und rutschen zuletzt immer mehr in den Schlamassel. Bei allen Problemen im Hauptgeschäft präsentierte sich der VfB bisher in der Europa League erstaunlich sorglos und souverän. So ging es auch im ersten Durchgang bei Benfica los. Labbadias Truppe machte das Spiel und durch Harnik in der 21. Minute sogar das Führungstor. Die Portugiesen fanden lange Zeit überhaupt keinen Zugang zur Partie, scheiterten oft an der eigenen Theatralik. Doch das Bild sollte sich drehen: Wie so oft in den letzten Wochen können die Stuttgarter Spieler ihre Leistung nicht konstant über 90 Minuten abrufen. Es folgte der Einbruch, das zuvor durchaus ansehnliche Offensivspiel versiegte zunehmend und Benfica kam stärker auf. Torwart Sven Ulreich schwankte zwischen tollen Paraden und großen Unsicherheiten besonders bei der Strafraumbeherrschung. Symptomatisch dafür eine Szene, als er zunächst wie ein Anfänger eine Flanke unterlief, um die folgende Torchance mit einem großartigen Reflex abzuwehren. Letztendlich fielen durch Cardozo und Jara noch zwei Gegentreffer, die man wohl hauptsächlich in solchen Phasen kassiert, wie der VfB derzeit durchlebt. Das erhoffte Auswärtstor ist zwar gelungen, aber der Leistungseinbruch nach dem Seitenwechsel macht aus dem Rückspiel in sechs Tagen doch noch einen heißen Tanz.

Bleibt am Ende noch die Hoffnung, dass den Stuttgartern das Schicksal der letzten beiden deutschen Europapokal-Kontrahenten von Benfica erspart bleibt. Denn sowohl der 1. FC Nürnberg als auch Hertha BSC spielten in den letzten Jahren gegen das Team aus Lissabon, scheiterten und mussten letztendlich sogar den Bundesligaabstieg verkraften.

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Rausch und Schock im Uefa-Pokal

Posted by Moritz on Februar 22, 2008
Europa League / No Comments

Nun ist sie vorbei, die Zwischenrunde des Uefa-Cups, und holte zum Abschluss noch einmal die Keule raus um gnadenlos zu sortieren, wer im weiteren Wettbewerb die besten Chancen hat erfolgreich zu sein und dem nächsten Gegner Steine in den Weg zu legen. Erwartungsgemäß zeigten sich Bremen, Hamburg und auch München ihren Aufgaben gewachsen und zogen sorgenlos eine Runde weiter. Positiv überraschten die Leverkusener, die ihr Spiel unerwartet positiv gestalteten. Einzig in Nürnberg herrschte nach großartigem Kampf des Abstiegskämpfers am Ende Trauer vor, als Unachtsamkeit, Pech und der Schock am Ende zusammenkamen und eine unüberwindbare Mauer darstellten.

Dem unglücklichen Ausscheiden gingen dabei zwei äußerst unterschiedliche Halbzeiten voraus. Die Club-Elf, die mit dem Willen gestartet war aus der ungünstigen Ausganssituation das Beste zu machen und offensiv zu agieren, zeigte sich zunächst nervös und fahrig, so dass die eigenen Ungenauigkeiten und Abspielfehler ein gefährliches Auftreten zunächst verhinderten und für einige gefährliche Aktionen durch die Portugiesen von Benfica Lissabon in der Anfangsphase sorgten. Diese fanden ihr Ziel zum Glück nicht, so dass sich der größte Teil des ersten Durchgangs ansah, wie eine Fortsetzung des Hinspiels und beide Mannschaften sich größtenteils im Griff hatten. Erst gegen Ende kam die Mannschaft im dritten Spiel unter van Heesen zu einigen Chancen, als sie auf einmal zügig und flüssig den Ball nach vorne trugen. Erst passte Saenko auf den freistehenden Charisteas, der die Kugel aus kurzer Entfernung über den Querbalken schoss und kurz darauf Saenko selber, der nach Flanke von Engelhardt Quim anschoss. Mit diesen Erinnerungen im Kopf schien von Heesen in der Pause seinen Schützlingen ihre Möglichkeiten aufgezeigt und neuen Mut gemacht zu haben, da sie sich nach dem Wechsel wesentlich engagierter zeigten und stets den Weg nach vorne suchte, wobei viele Aktionen von der linken Seite ausgingen. So brachten sie die kompakte Deckung der Portugiesen nun immer öfter in Verlegenheit, so dass das erlösende Tor auch nicht mehr lange auf sich warten ließ. Charisteas, der die Führung bereits mehrfach auf dem Fuß hatte, tunnelte Quim und stieß somit das Tor weit auf. Mit diesem Treffer im Rücken schienen sich beim Club neue Kraftreservoirs aufzutun, die so gleich angezapft wurden. So zog Pinola erst mit massig Platz ausgestattet einfach ab und traf unglücklich nur den Innenpfosten, von wo der Ball zurück ins Spiel sprang, bis Saenko einem überraschten Verteidiger den Ball im eigenen Strafraum von den Füßen nahm und zum 2-0 vollendete, was für das Achtelfinale gereicht hätte. Benfica zeigte sich wollkommen geschockt und fand lange Zeit keine Antwort auf die Aufgabe, so dass es den Nürnbergern zunächst leichtviel die Führung zu verwalten. Erst in der Schlussphase besannen sie sich und zeigten sich vermehrt offensiv und erzielten knallhart aus dem Gewühl, in dem man nicht in der Lage war den Ball herauszuschlagen, heraus durch einen Glücksschuss den Anschluss, der das ganze Spiel auf den Kopf stellt. Im nun totenstillen Stadion werfen die Franken Mann und Maus nach vorne, so dass es für Benfica nun ein leichtes war den Gegner auszukontern und di Maria mutterseelenallein auf Blazek zulaufen kann und die Träume endgültig zerstören kann. Am Ende bleib eine am Boden zerstörte Franken-Elf, die sich nun vollends nur noch auf den Abstiegskampf konzentrieren muss, was nach diesem Ausscheiden eine schwierige Aufgabe für von Heesen werden wird, der seine Arbeit nach jedem Spiel von Neuem beginnen muss und einen Rückschlag nach dem nächsten einstecken muss. Während Benfica nun auf Getafe trifft, schied Nürnberg somit als erste Bundesligamannschaft aus.

Ebenfalls am Scheideweg befand sich Bayer Leverkusen, die nach dem torlosen Remis am Bosporus ebenfalls dem Druck ausgesetzt sahen gewinnen zu müssen. Doch dies schien ihnen eher Flügel zu verleihen, als sie zu behindern. So konnten die Zuschauer in der BayArena gegen Galatasaray einen Start nach Maß bewundern, als Barbarez nach einer Flanke von Kießling von seinen Bewachern allein gelassen einnetzen konnte. Nur kurz darauf ereilte die von mehreren Landsleuten unterstützten Türken mit einem Kießlingschen Lupfer über Keeper Uzak hinweg der Doppelschlag. Doch Bayer ließ nicht locker und machte mit der dritten sehenswerten Kombination schon nach knapp zwanzig Minuten alles klar, als Barbarez erneut den türkischen Torwart überwand und sein zweites Tor perfekt machte. Wer nun auf eine Reaktion des vom Deutschen Trainer Feldkamp trainierten Teams gehofft hatte sah sich enttäuscht, denn die Werkself hatte ihren Gegner weiter im Griff und ließ ein Aufbäumen nicht zu. Erst zur Pause brachte Feldkamp neue Offensivkräfte, die aber trotz einer es nun ruhiger angehenden Heimmannschaft verpufften. Im Gegenteil sie mussten zusehen wie sich Bayer sich weiter Chancen erarbeitete, die Hintermannschaft von Galatasaray schwindlig spielte und sich wie im Rausch zeigte. So erhöhten sie in der nächsten Viertelstunde durch Haggui und per Strafstoß von Schneider weiter. Danach hatten sie ein Einsehen mit den türkischen Spielern und Fans, die mit leerem Blick und Tränen in den Augen aufs Feld schauten, hatte sie sich doch nicht wenig ausgerechnet für das Gastspiel in Deutschland. Immerhin ermöglichte Haggui durch sein Handspiel im eigenen 16-Meter-Raum noch den Ehrentreffer, den sie dankend annahmen. Somit machte das sich wieder einmal von seiner besten Seite zeigende und im Vergleich zur Vorwoche wie ausgetauscht wirkende Bayer gegen erschreckend schwache „Löwen vom Bosporus” ihre Hausaufgaben für das erste deutsche Aufeinandertreffen seit 1999 und fegte den Gegner förmlich vom Platz.

Diese hatte der Hamburger SV seinerseits bereits im Hinspiel erledigt und ließ es mit dem 3-1-Vorsprung aus dem Hinspiel ruhig angehen in einer Partie, in der der FC Zürich nicht halten konnte was er versprochen hatte. Wollten sie doch noch mit einer Energieleistung den Gastgeber überwältigen und sich noch für die nächste Runde qualifizieren, fügten sie sich anstandslos in die ereignisarme Partie ein und kamen über gut Ansätze nicht heraus. Dazu hatten die Hanseaten das Heft zu sehr in der Hand. Sie kamen zwar durch Trochowski bzw. Olic zu einigen Chancen, die aber allesamt nicht zwingend waren und somit nur den gegnerischen Torwart vor einer Unterkühlung retteten. Sein Gegenpart musste da schon selber für Bewegung sorgen um nicht wie angenagelt dazustehen. So blieb es bis zum Ende bei einer Kraft und Energie sparenden Partie, in der die eine Mannschaft nicht unbedingt wollte und die andere, in der auch der hochgelobte Chikhaoui mehr als blass blieb, nicht konnte. Nach dem sorgenlosen Spiel treffen die Hanseaten nun auf Bayer Leverkusen und garantieren somit schon einmal eine deutsche Mannschaft im Viertelfinale.

Einen ähnlichen Abend erlebten die wenigen Fans, die sich zur späten Partie in das Felsenstadion in Braga eingefunden hatten. Bremen agierte zunächst sehr passiv und ließ die Portugiesen das Spiel machen, die sich sogar einige Möglichkeiten erspielten, jedoch wie im Hinspiel gegen noch leicht verschlafene Bremer ohne Fortune agierten und somit erneut torlos die Segel streichen mussten. Nach zwei Großchancen durch Bragas Wender, begannen auch die Hanseaten wieder aktiver am Spiel mitzuwirken und sorgten durch Özil und Almeidas Lattentreffer für die Höhepunkte in einer nicht allzu mitreißenden ersten Halbzeit. Doch auch nach dem Kabinengang sollte sich das Niveau nicht allzu sehr heben und die Bremer kontrollierten nun gekonnt das Spiel und den Gegner. Die Ergebnisverwaltung wurde letztendlich noch durch das Tor von Klasnic eine Viertelstunde vor Schluss vollendet, als dieser Kieszek überwand und die insgesamt schwache Partie somit zur endgültigen Entscheidung verhalf. Letztendlich konnte sich Bremen ohne Mühe souverän auswärts durchsetzen und dabei auch noch auf Grund der mangelnden Gegenwehr Kräfte schonen. Ihr nächster Gegner im Achtelfinale werden nun die Glasgow Rangers sein, die ebenfalls aus der Champions League, ach Spielen gegen unter anderem Barça und Stuttgart, ihren Weg in den Uefa-Cup gefunden haben und dort in der Zwischenrunde Panathinaikos Athen glanzlos ausschalteten. Nach einem torlosen Remis im Hinspiel reichte den Schotten in Athen nur ein knappes 1-1 um die Runde zu überstehen. Dabei liefen sie lange Zeit einem frühen Rückstand hinterher und konnten erst neun Minuten vor Schluss das Goldene Tor erzielen. Nichtsdestotrotz werden sie wohl eine anspruchsvollere Aufgabe und einen der härtesten Brocken darstellen.

Ebenfalls mühelos erreichten die Münchener Bayern das Achtelfinale. Nach dem mühevollen Remis im Hinspiel gegen die Schotten vom FC Aberdeen, ließen es die Mannen vom scheidenden Trainer Ottmar Hitzfeld, der wieder einmal mit einigen Umstellungen überraschte, keinesfalls ruhig angehen. So knallte Podolski, der für Klose stürmen durfte und zu einem der Gewinner des Abends wurde, den Ball bereits nach zwei Minuten gegen die Latte. Nach diesem Warnschuss begann auch gleich der Sturmlauf der Gastherren gegen nun vom Tempo überforderte Gäste. Die sich oft nur durch Fouls zu helfen wussten, wie auch vor dem Freistoß zum 1-0, als der überraschend auflaufende Jungstar Toni Kroos gestoppt wurde. Diese Chance ließ sich Lucio nicht entgehen und jagte den Ball mit aller Gewalt am Torwart vorbei in die Maschen. Auch danach drückten die Bayern weiter und ließen Aberdeen kaum zum atmen kommen. Es sollte aber noch eine Weile dauern bis erneut nach einem Freistoß das schon fast vorentscheidende zweite bayerische Tor folgen sollte und van Buyten nach einem Kroos-Freistoß einnickte. Nach dem Wechsel ließen sie es ebenfalls etwas ruhiger angehen und verhalfen somit den „Dons” zu mehr Spielanteilen und Möglichkeiten, die darin gipfelten, dass diese einen Abseitstreffer erzielten, der aber nicht gegeben wurde. In der Folge mobilisierten sich die Gastgeber noch einmal um zum finalen Sturmlauf zu blasen, bei dem sich vor allem Podolski hervortat und mit seinen beiden Toren zwanzig Minuten vor Schluss seiner Leistung das I-Tüpfelchen aufsetzte. Einen Ehrentreffer für die Schotten ließen die souveränen Bayern dann auch noch zu, den Lovell besorgen durfte. Doch damit war der Schlusspunkt unter eine unterhaltsame Partie noch nicht gesetzt, denn van Bommel vollendete zum 5-1-Endstand mit einem Schuss ins linke untere Eck. Somit erreicht der haushohe Favorit nach dem überraschenden Hinspiel gegen überforderte und von der Überraschung weit entfernten Schotten letztendlich doch deutlich die nächste Runde. Dort trifft man auf den RSC Anderlecht, der nach dem Hinspielsieg gegen den Ligue-1-Zweiten auch im Rückspiel nach anfänglichem eigenem Führungstreffer nur kurz zittern mussten. Die Belgier, die in der heimischen Liga derzeit Platz fünf belegen, befinden sich zur Zeit in einer exzellenten Form und verloren ihr letztes Spiel zuletzt Mitte Dezember und dürften eine ebenfalls anspruchsvolle aber machbare Aufgabe werden.

Ebenfalls qualifiziert haben sich für das Achtelfinale Neueinsteiger Olympique Marseille, die sich letztendlich souverän gegen Spartak Moskau durchsetzten auch wenn die letzten fünf Minuten nach dem Anschlusstreffer noch einmal zur Zitterpartie geworden sein dürften und sich nun gegen Zenit St. Petersburg erneut mit einem russischem Vertreter messen dürfen. Die Runde der letzten 16 erreichten auch der FC Everton und AC Florenz, die mit vereinten Kräften mit Brann Bergen und Rosenborg Trondheim die letzten Norwegischen Vertreter aus den internationalen Wettbewerben verbannten und nun aufeinander treffen werden. Somit dürfte auch in dieser Runde für ausreichend Spannung und torreiche Spiel gesorgt sein, auch wenn die letzten leichten Gegner wie Brann Bergen oder Braga schon die Segel gestrichen haben. Leider ist auch mein Traum von einem rein deutschen Uefa-Cup-Halbfinale geplatzt durch das traurige Ausscheiden von Nürnberg. Nichtsdestotrotz präsentierten sich die deutschen Vertreter, die noch dabei sind, souverän und haben weiter alle Chancen den Sieger am Ende in ihren Reihen wieder zu finden. In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Freitagnachmittag und ein erholsames Wochenende.

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Sechzehntelfinale zum Zweiten

Posted by Moritz on Februar 21, 2008
Europa League / 2 Comments

Am heutigen Tag gilt es die mehr oder wenig guten Ausgangssituationen, die sich die fünf Bundesligavereine in der Vorwoche erarbeitet haben, zu nutzen und in ein versöhnliches Endergebnis umzusetzen. Bis auf Werder Bremen, die es in die Felsenarena in Portugal zieht, dürfen dabei alle auf die Unterstützung ihrer Fans im heimischen Stadion bauen. Am wichtigsten dürfte dies wohl für Leverkusen und Nürnberg sein, die auf Grund nicht ganz so erfolgreicher Vorleistungen selber aktiv werden müssen und für die nur ein Sieg zählt. Allen anderen würde schon ein Remis genügen um das Achtelfinale zu erreichen.

Eine schwierige Aufgabe steht dabei mit Galatasaray der Werkself aus Leverkusen vor der Tür. Nach der unüberzeugenden Nullnummer in der türkischen Hauptstadt muss sich die Mannschaft in fast allen Bereichen steigern um den Tabellenführer der Süper Lig in Verlegenheit zu bringen, die im Hinspiel nur am starken Adler scheiterten. Doch ausgerechnet sein Einsatz wird wohl wegen einer Muskelverletzung bis zum Anpfiff fraglich bleiben. Sein Ausfall wäre eine entscheidende Schwächung für die Elf von Trainer Skibbe, der ansonsten seine besten Spieler aufstellen kann und ein druckvolleres Auftreten fordert, was sich sicher auch durch bessere Wetterverhältnisse als im Hinspiel begünstigt wird gegen Karlsruhe aber noch nicht ganz so optimal gelungen ist. Allerdings werden die Türken, die wohl viel mehr als nur 1000 Gastkarten organisiert haben, auch eher abwartend agieren und die offensive Kreativität der Leverkusener testen um ihrerseits auf die Gelegenheit für schnelle Gegenstöße zu warten, können sie doch auf ihre nach dem Ausrutscher in der Liga vor zwei Wochen wiedererstarkte Abwehr zählen. Und so erwartet nicht nur Galatasarays Trainer Feldkamp ein enges Spiel, in dem wohl beide Mannschaften lange versuchen die Null zu halten und aus einer kompakten Deckung heraus zu agieren.

Gleichzeitig zum Spiel in Leverkusen findet einige hundert Kilometer weiter nördlich ein weiteres Rückspiel statt, in dem die Rollen deutlicher verteilt sind und der nächste Gegner der vorigen Partie ausgespielt wird. Nach einer guten zweiten Halbzeit in Zürich kann es der HSV in der HSH-Nordbank-Arena zunächst ruhig angehen lassen und entspannt aufspielen. Der FC Zürich machte in den letzten Auftritten wahrlich nicht die Anstalten einen zwei Tore Rückstand auswärts noch aufholen zu können, müssten dafür doch mindestens drei Bälle in das Tor von Frank Rost gelangen. Zwar erreichten sie am Wochenende noch in der Nachspielzeit ein Unentschieden gegen den FC Basel. Sollte dies aber der Anfang eines Aufschwungs sein kommt das Hamburg-Spiel eindeutig zu früh und es wird wohl einzig darum gehen sich anständig aus dem Wettbewerb zu verabschieden. Beim auch am Wochenende gut aufgelegten HSV wird man trotzdem wachsam sein und das Spiel intensiv nutzen um sich noch ohne den immer noch verletzten van der Vaart für das Spitzenspiel am Sonntag gegen München einzuspielen. Alles in allem dürfte dies wohl ein klares Spiel werden.

Auch beim FC Bayern rechnet vor dem Rückspiel keiner mit Problemen. Spiegelte sich die eigene spielerische Überlegenheit in Aberdeen noch nicht im Ergebnis wider, hofft man darauf dies in der heimischen Allianz-Arena besser zu machen. Gegen die Schotten, die in der Vorwoche mit einer Energieleistung noch über sich hinausgewachsen sind, wird man nichtsdestotrotz wachsam sein müssen und vor allem eine konzentriertere Defensivleistung ablegen als noch zuletzt im Hinspiel. Interessant zu sehen dürfte sicher sein, ob Aberdeen wie zu Hause oder nach dem Vorbild Boltons auf Konter lauert oder auf Grund der Ausgangssituation, selber ein Tor erzielen zu müssen, sich weiter nach vorne wagt und somit vielleicht größere Räume für die bajuwarischen Offensivkünstler schafft, die weiter auf Frank Ribery verzichten müssen, sich aber am Wochenende vor allem in Person von Luca Toni bestens gerüstet zeigten. In der Defensive wird auch Kahn wieder ins Tor zurückkehren und wieder für Ordnung bei dem vor ihm Postierten sorgen. Auch angesichts des 2-2 aus dem Hinspiel dürfte wohl alles andere als ein Einzug des Favoriten aus München in das Achtelfinale eine große Überraschung sein, die dann wohl wenn auch nicht in der Welt zumindest in München tatsächlich einige Zeit nachhallten wird, wie Aberdeens Coach Calderwood meinte.

Eine der schwierigsten Aufgaben hat wohl Thomas von Heesen vor sich, wenn er mit seinen Nürnbergern, die Heimpremiere vor den eigenen Fans feiert. Nachdem die Elf im Hinspiel bis auf einen Ausrutscher zumindest defensiv überzeugte und in Bremen bis zur Roten Karte gegen Saenko durchaus gute Ansätze zeigte, ist die Frage wohl ob es ihm im dritten Spiel gelingen wird die Mannschaft wieder aufzurichten und sie dazu zu bringen die von ihm geforderte aggressive Spielweise wieder auf den Platz zu bringen. Dass dann ein Erfolg im ausverkauften Stadion möglich ist, konnte man letzte Woche sehen, als Benfica ideenlos vor sich hin dümpelte. Dass auch ihr Trainer ankündigt nicht auf ein torloses Remis zu spielen, dürfte dem Spiel den Reiz eines spannenden Pokalfights geben auch wenn fraglich ist inwieweit die Portugiesen dies verwirklichen können. Klar ist jedenfalls dass ein Erfolg die Nürnberger aus ihrem Dornröschenschlaf wecken könnte und ihnen den Schwung gibt die Rückrunde unter neuem Trainer erfolgreicher zu gestalten. Alles in allem ist dieses Spiel das unklarste von allen, ist doch von einem Spiel wie letzte Woche bis zum packenden Duell alles drin.

Die Hoffnungen noch nicht ganz aufgegeben hat auch Sporting Braga, obwohl sie eigentlich kaum einen Grund dafür haben dürften, wiegt doch die Hypothek aus dem Hinspiel schwer. Beim 3-0 von Werder Bremen agierte man zwar nach vorne und hatte einige Chancen scheiterte aber an der eigenen Chancenverwertung und lief immer wieder in Bremer Konter. Wie sich das im Rückspiel ändern soll ist fraglich, verlor man doch erneut die Generalprobe in der portugiesischen Liga und ist gezwungen von der ersten Minute an nach vorne zu stürmen. Dies dürfte den Bremern entgegen kommen, die wieder auf Diego verzichten müssen des Verletzung komplizierter zu sein scheint als zunächst angenommen. Nichtsdestotrotz werden sie wohl wieder, wie es auch ihre Art ist, offensiv antreten und versuchen früh alles klar zumachen, um dann den Rest der Partie entspannt zu absolvieren, wobei Trainer Schaaf wieder die genesenen Borowski, Owomoyela und Sanogo bauen kann. Eine besondere Choreografie ist auch von den Fans zu erwarten, die bereits seit längerem dazu aufrufen mit einer Menge Taschentüchern anzureisen, um ihrem unbeliebten und erfolglosen Trainer den Abschied zu erleichtern. Für Bremen dürfte diese Partie wohl nur eine Pflichtaufgabe sein, die in gewohnter Art und Weise bravourös gelöst werden wird.

Abschließend lässt sich sagen, dass mit Bayern, Bremen und dem HSV bereits drei Vereine mit einem Bein im Achtelfinale stehen und zumindest die beiden letzten im Grunde vor keinen schwierigen Aufgaben stehen, während sich die Münchener wohl doch noch ein wenig anstrengen müssen um diesen Schritt zu vollziehen. Spannend wird es hingegen für Nürnberg und Leverkusen, die noch vor einer Energieleistung stehen und sich im Vergleich zum Hinspiel merklich steigern müssen um ihre Chance auf die nächste Runde und ein bundesligainternes Duell mit den Hamburgern zu wahren.

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