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Turbulente Tage 27. April 2013

Posted by Max in : Bundesliga,Champions League , add a comment

Es sind verrückte Tage für die Fussballrepublik Deutschland. Vom Steuersünder über den Götze-Transfer bis zu zwei souveränen Siegen im Halbfinale der Champions League war alles dabei. Und immer mittendrin: Der FC Bayern und Borussia Dortmund, die beiden beherrschenden Teams im deutschen Fussball der letzten Jahre. Eigentlich bin ich kein Freund von generalisierenden Rückblicken, aber da es hier zuletzt so lange ruhig war und ich zumindest einige Gedanken zu den verschiedenen Themen niederschreiben möchte, mache ich das heute trotzdem mal.

Beginnen wir zumindest kurz mit der Steueraffäre rund um Uli Hoeneß. Ich bin ja der Meinung, so etwas ist Privatsache der Leute. Hoeneß wird seine Strafe bekommen, er hat sich ja schließlich auch selbst angezeigt. Nun ist es natürlich so, dass Hoeneß kraft seines Amtes eine öffentliche Person ist, von daher musste er zwangsläufig damit rechnen, dass die Geschichte auch an die Öffentlichkeit kommt. Der Bayern-Präsident wusste ja in den letzten 30 Jahren auch selbst oft genug sich der Wirkung der Presse zu bedienen. Trotzdem finde ich dass, was jetzt rund um dieses Thema abgezogen wird, schlicht lächerlich: Zerredet in den zig Talkshows, wird die Hoeneß-Steueraffäre jetzt wohl sogar ein Wahlkampfthema? Wie krank sind denn die Politiker, die offenbar so einen Grund brauchen, um Themen zu finden? Und letztes Wort dazu: Wer jetzt den Rücktritt von Hoeneß mit Verweis auf seine Vorbildfunktion fordert, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Stigma der “Vorbildfunktion” hat der Profifussball schon seit vielen Jahren abgelegt.

Die Reaktion auf diese letztendlich trotzdem für den FC Bayern unappetitlichen Geschichte kam in der Nacht zum Montag: Plötzlich und unerwartet wurde der Wechsel von Mario Götze öffentlich. Ein völlig nachvollziehbares Manöver, besonders die Dortmunder Fans hatten schließlich in den Tagen zuvor riesigen Spaß daran, gegen Bayern und Hoeneß zu schießen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bayern den Wechsel frühestens nach den Rückspielen im Halbfinale bekanntgeben wollten, wenn nicht sogar erst in der Sommerpause. Doch sie mussten diesen “Trumpf” ziehen, um Hoeneß aus der Schusslinie zu nehmen. Hätte übrigens Dortmund und jeder andere Verein genauso gemacht. Und die Scheinheiligkeit vom BVB-Boss Watzke, der sich enttäuscht zeigte über die vorher nicht erfolgte Kontaktaufnahme seitens des FC Bayern, nervt auch extrem: Wie lief gleich noch mal der Wechsel von Reus zu Dortmund ab? Noch schlimmer aber ist die Behauptung, Bayern würde den anderen Vereinen die Spieler wegkaufen. Das ist das Geschäft. Dortmund würde auch einen Ribery oder Robben kaufen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Und: Wer zwingt Götze nach München zu gehen? Er ist ein freier Mann und hat diese Entscheidung sicher nicht ohne Grund getroffen.

Doch damit genug geschimpft. Kommen wir lieber zu angenehmen Dingen. Ungeachtet sämticher oben benannter Störfeuer in den Tagen zuvor brannten Bayern und Dortmund in den Halbfinal-Hinspielen ein Feuerwerk ab. Eine solche brutale Qualität im Halbfinale, insbesondere in den Hinspielen, habe ich zuvor noch nie erlebt. Auch wenn im Bayern-Spiel zwei bis drei Tore irregulär waren, das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf trotzdem völlig korrekt wieder. Barcelona hatte ebenso keine Chance, wie einen Tag später Real Madrid. Diese beiden Spiele haben neue Maßstäbe gesetzt, die “spanischen Verhältnisse”, von denen Uli Hoeneß noch unbelastet vor zwei Wochen – wenn auch im Bezug auf die Bundesliga – sprach, muss man für die Königsklasse verneinen: Die Spanier sind im Halbfinale untergegangen. Deutschland ist Trumpf.

Und das ist das schöne in diesen Tagen: Das Säbelrasseln zwischen den Vereinen, insbesondere der Funktionäre und den Medien, scheint die Teams kaum zu beeindrucken. Aber nur deshalb kann man das groteske Gebahren zwischen den Spielen einigermaßen ertragen. Wird dann doch bald Zeit für die Sommerpause.

Der Monster-Move 16. Januar 2013

Posted by Max in : Bundesliga , 3 comments

Ganz ehrlich: Wer hat daran wirklich geglaubt? Doch wie heute klar wurde, heißt der neue Trainer ab Sommer beim FC Bayern tatsächlich … Pep Guardiola. Diese Verpflichtung, die ja schon seit einigen Wochen durch die Medien geisterte, wirkt auf mich aufgrund der Rahmenbedingungen auch nach der offiziellen Verkündung noch so unwirklich, dass mir kein anderer Begriff als “Monster-Move” einfallen mag.

Die Verpflichtung von Guardiola hat eine ganz andere Dimension als seinerzeit die glücklose Liaison mit Jürgen Klinsmann. Im Vergleich zum als Motivator und notorischen Erneuerer Klinsmann hat Guardiola in seiner vierjährigen Trainerkarriere beim FC Barcelona große Erfolge errungen. Ohne es genau belegen zu können, aber seine Erfolge in so kurzer Zeit dürften weltweit wohl fast ein Novum sein. Einen Trainer der weiß, wie man Titel gewinnt – so etwas sucht und braucht der FC Bayern. Alleine, es bleiben Fragen offen.

Da wäre zum einen wohl die wichtigste Frage: Kann Pep Guardiola auch außerhalb der Welt des FC Barcelona funktionieren? Schließlich hat er bei diesem Verein seine Jugend verbracht, elf Jahre als Profi gespielt und den Weg zum Weltklasse-Trainer gemacht. Es gibt sicher einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden FCBs, aber auch gravierende Unterschiede. Die Mentalität des FC Barcelona ist sicher nicht mit der bayerisch-arroganten “Mia san Mia”-Kultur zu vergleichen.

Frage Zwei beschäftigt sich mit dem Anteil von Guardiola an den Erfolgen des FC Barcelonas. Rein oberflächlich gesehen hat er ein schon starkes Team – schließlich wurden die Katalanen schon zwei Jahre vor seinem Amtsantritt Sieger der Champions League – noch weiter verbessert und nachhaltig den Weltfussball, zumindest aber auch die spanische Nationalmannschaft, verändert. Doch im vergangenen Sommer, nach seinem Abschied aus Barcelona, hieß es auch schon, dass eigentlich sein ehemaliger Assistenztrainer und Nachfolger Tito Vilanova das schlaue Köpfchen hinter den Erfolgen war. Ähnlich wie es seinerzeit bei Klinsmann/Löw im Nationalteam gewesen sein soll. Diese Frage dürfte sich aber relativ bald klären, denn Vilanova wird sicher nicht aus Barcelona nach München wechseln.

Manko Nummer Drei: Die Sprache. Pep Guardiola spricht kein Deutsch. Eigentlich hatte ich im Hinterkopf, dass Deutsch ein zwingendes Jobkriterium beim FC Bayern ist. Zumindest bevor Matthias Sammer kam. Ich sehe das nicht als extremes Problem, Sprachen kann man lernen und es gibt genug Beispiele im internationalen Fussball, wo die Zusammenarbeit trotz dieser Barriere reibungslos funktioniert. Falls sich jedoch nicht wie gewünscht sofort die Erfolge einstellen, wird dieses Thema sehr schnell auf die Tagesordnung rücken.

Neben all diesen Risiken bringt die Verpflichtung von Guardiola auch eine große Chance für den FC Bayern. Ich halte Matthias Sammer für intelligent genug, die oben genannten Punkte -und darüber hinaus noch viele mehr – sorgfältig bewertet zu haben. Der Vergleich zum gescheiterten deutschen Modell Klinsmann hinkt nicht nur wegen der Erfolge Guardiolas. Ich halte Pep auch weniger für einen selbst ernannten Konzepttrainer, der mit Buddhas auf dem Dach jeden Tag jeden Spieler ein Stückchen besser machen möchte, als für einen akribischen Arbeiter.

Willkommen in der Bundesliga, Pep!

Für die Geschichtsbücher 21. Mai 2012

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Das war es nun also, das “Finale dahoam”. Der Titel nervte ja schon etwas, der Hype war riesig und schon vorher war klar: Egal wer gewinnt, irgendwas für die Geschichtsbücher wird es schon werden. Entweder gewinnt erstmals Chelsea, oder mit Bayern holt erstmals ein Verein im eigenen Stadion die Champions League. Natürlich hofften die meisten deutschen Fussball-Fans auf Variante Zwei, aber letztendlich setzte sich die effektivere Spielweise durch.

Der Spielverlauf war eines Finals der Königsklasse absolut würdig: Zwar nicht mit der allerhöchsten Ballkunst, wie man es vielleicht mit Barcelona und/oder Real erlebt hätte. Aber dramatisch war es, mit einigen überraschenden Wendungen. Und es bleibt die pikante Randnotiz, dass Bayern nun zehn Jahre nach “Vizekusen” auch das Kunststück vollbracht hat, in allen Wettbewerben das Nachsehen zu haben. Opa meinte, auch Platz Zwei ist ein hervorragendes Ergebnis – aber vereinbar mit den Bayern-Ansprüchen ist es natürlich kaum. Ob die schmerzhafte Niederlage vom Samstag nun verdient ist oder nicht – das interessiert in einer Woche keinen mehr. Dann bleibt für ewig der Name FC Chelsea im Pokal mit den großen Ohren eingraviert.

An dieser Stelle möchte ich ganz ausdrücklich den “Blues” gratulieren: Schließlich hechelt Chelsea nun auch schon seit Jahren dem Titel hinterher, stand mehrfach kurz vor dem Finale oder scheiterte im Endspiel fast ebenso dramatisch wie jetzt die Bayern. Sie waren oft kurz vor dem Triumph, und es freut mich auch für die Generation Cech-Terry-Lampard-Drogba, die wohl ein Auslaufmodell ist, dass sie nun doch auf den letzten Drücker noch den Titel mitgenommen hat.

Was mich im Umfeld des Finals, auch schon im Halbfinale gestört hat: Die extreme Kritik an der Spielweise von Chelsea. Ist Fussball nicht auch im Jahr 2012 noch ein ergebnisorientierter Sport? Was hätte man denn im Halbfinale – was Matthias Sammer für mich unverständlich als “Katastrophe für den Fussball” bezeichnete – machen sollen? Sich abschlachten lassen wie Leverkusen? Diese Spielweise ist auf die momentane Situation des Kaders von Chelsea zugeschnitten und Interims(?)-Coach Roberto di Matteo hat das Optimum herausgeholt. Diese Spielweise ist auch nicht die Zukunft des Fussballs, sondern einfach eine Momentaufnahme. Und: Hätte sich Genosse Sammer ebenso aufgeregt, wären die Rollen vertauscht gewesen? Dann würden wir Jupp Heynckes wohl jetzt für seine taktischen Meisterleistungen gegen Barca und Chelsea loben. Also immer schön den Ball flach halten.

Schade in diesem Zusammenhang ist – und für mich der einzige Kritikpunkt an der ansonsten exzellenten Sky-Berichterstattung vom Finale – dass sich ein eigentlich ausgewiesener Fachmann wie Jan Henkel beim Interview nach dem Spiel auf das Sammer-/Boulevard-Niveau herunterziehen ließ: Di Matteo beendete das Interview mit Henkel sofort, als dieser fragte: “Finden sie diese Spielweise attraktiv?” Die Frage kann man stellen, aber sicher nicht fünf Minuten nach dem Finale dem Trainer der siegreichen Mannschaft.

Rekordmeister a.D. 12. April 2012

Posted by Moritz in : Bundesliga , add a comment

Lange Zeit war das Label Rekordmeister ein Synonym für die Erwartungshaltung eines gewissen südlichen Vereins. Ganz gemäß dem Grundsatz, dass der Teufel stets auf den größten Haufen scheiße, gehörte die Schale nach München und wurde lediglich ausnahmsweise ausgeliehen.

Spätestens seit gestern sein offizielle Zweifel an diesem Grundsatz erlaubt. Erneut wird der bajuwarische Abonnement-Meister grämend an der Schale vorbeischrammen. Erneut setzt es eine knappe Niederlage gegen den schwarz-gelben Ballspielverein, der am Mythos Bayern kratzt.

Es war nicht unbedingt ein berauschendes Spiel, das vorher beinahe in den Himmel und darüber hinaus gehoben wurde. Den Zuschauern präsentierte sich vielmehr eine intensiv geführte und über 90 Minuten hinweg enge Partie. Angesichts des Einsatzes klappte keiner der beiden Anwärter auf den Titel das Visier hoch. Vielmehr galt die Prämisse über eine stabile Defensive in das Spiel zu finden.

Eine Herangehensweise die vor allem dem Dortmunder Gastgeber in der ersten Halbzeit besser gelang. Wunderbar nahmen sie die bayerischen Motoren, Robben und Ribery, aus dem Spiel und selbiges krankte folglich an fehlenden Ideen. Den Wirbel vor dem neuerschen Tor erledigte dann die durch Kagawa verstärkte, pfeilschnelle Polen-Verbindung.

Einzig das mit der Chancen-Verwertung muss man Klopps Mannschaft stets aufs Neue vorhalten. Mehrfach scheiterten sie an einem starken Neuer, dem Aluminum oder dem verpassten Abschluss. Gut und gerne zwei oder drei Tore hätten sie erzielen können, wenn nicht sogar müssen. Ein Umstand der sich in der zweiten Hälfte fast rächen sollte.

Denn hier stotterte der Motor wieder einmal. Den Dortmundern gelangen teils einfache Pässe nicht mehr und bauten damit einen Kontrahenten auf, der sich zunächst über behäbigen Ballbesitz ins Spiel zu hieven versuchte. Weiter nachlassende Kräfte der Gastgeber ermöglichten dann doch noch die eine oder andere Chance.

Das meiste lief bei den Bayern über die linke Seite, die von einen erfrischenden Alaba profitierte. In der Form und Harmonie mit Ribery ist der Junge ein Juwel, der einen Lahm auf der linken Seite bei weitem vergessen lässt. Wobei man dem Kapitän zu Gute halten muss, dass er mit seinem niederländischen Partner auf der rechten Außenbahn ein schweres Los gezogen hatte.

Prinzipiell blieb es aber eine defensiv betonte Partie. Fast zwangsweise fiel das goldene Tor dann nach einer Ecke, die zunächst erst per Kopf geklärt wurde. Doch durch zu langsames Herausrücken von insbesondere Robben und die Vernachlässigung der vor dem Strafraum lauernden Dortmunder überwanden sich die Münchener letztendlich selbst. Ein Kullerball von Großkreutz und ein minimal abfälschender Lewandowski ließen Neuer unglücklich aussehen und entschieden letztlich die Partie.

Überhaupt Robben. Wie viel er sich für die Partie auch vorgenommen haben mag. Am Ende wurde der Tag immer schwärzer für ihn. Seine Angriffseite fiel klar ab gegen das Gespann Ribery und Alaba. Später hob er vor dem Gegentreffer das Abseits auf und verschoss sowohl einen Abpraller vor dem leeren Tor als auch einen Elfmeter. Von der Klasse, mit der er unter anderem Manchester bezwang, war gestern nicht viel zu sehen.

Mit der Zeit wird somit immer offensichtlicher wie sehr die Münchener ihre mühsam zementierte nationale Vormachtstellung durch den Schlingerkurs der vergangenen Jahre auf das Spiel setzten und setzen. Das einstige Abo ist vorläufig gekündigt, der sportliche Vorsprung ist schon einige Zeit weg. Einzig über die soliden Finanzen hebt er sich noch heraus. Doch auch hier scheinen vorerst vernünftige Leute das Ruder beim BVB übernommen zu haben.

Der letzte Titelverteidiger abseits der Bayern war übrigens auch die Borussia aus Dortmund. Geschichte wiederholt sich. Nach der zweiten Meisterschaft wurden sie damals übrigens Champions League Sieger.

Alles schon klar? 29. März 2012

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Sky-Kommentator Kai Dittmann bejubelte schon den großen Schritt zum Duell mit Real in der nächsten Runde. Die LVZ titelte heute gar etwas arg vorschnell mit “Bayern bucht das Halbfinale” – wenn auch mit der Bemerkung im Untertitel, dass der deutsche Rekordmeister mit “eineinhalb Beinen” weiter sei. Doch trotz des 2:0-Auswärtserfolgs im Stade Velodrome gegen Olympique Marseille: Es sind immer noch (mindestens) 90 Minuten zu spielen. Noch zu präsent ist mir das bittere Ausscheiden der Münchener in der vergangenen Saison gegen Inter Mailand. Auch dort feierte man im Hinspiel einen Auswärtssieg (wenn auch nur 1:0), um sich dann auf spektakuläre Weise in der eigenen Arena das sichere Weiterkommen nehmen zu lassen. Nun ist aber der FC Bayern in der aktuellen Form sicher nicht vergleichbar mit dem Frühjahr 2011. Und OM ist nicht Inter. Vorsicht ist dennoch geboten.

Gestern Abend war es kein Leckerbissen für die Zuschauer. Eher ein hart erkämpfter, aber verdienter und vor allem sehr abgezockter Sieg der Rot-Weißen gegen die Franzosen. In einem streckenweise sehr zerfahrenen, teilweise sogar unfairen Duell entschied die individuelle Klasse. Gegner Olympique Marseille befindet sich derzeit in einer schweren Schaffenskrise, dazu mussten sie Stammgoalie Mandanda wegen seines selten dämlichen Fouls im Achtelfinalrückspiel ersetzen. Da der zweite Torwart Gennaro Bracigliano bei seiner Generalprobe im Pokal gegen einen Drittligisten vergangene Woche patzte, entschied sich OM-Coach Didier Deschamps kurzfristig noch für den Brasilianer Elinton Andrade zwischen den Pfosten. Andrade spielte einst für Rapid Bukarest im UEFA-Pokal gegen Nürnberg und sitzt seit 2009 in Marseille auf der Bank. Gestern Abend bewahrheiteten sich dann die schlimmsten Befürchtungen, denn Andrade patzte beim Führungstor des FC Bayern.

Bis zu diesem Moment kurz vor der Pause konnte sich Olympique Marseille wacker schlagen, wenngleich ihnen die fehlende Form anzumerken war. Oft einen Schritt zu spät, aber zweimal immerhin kamen sie trotzdem zu brauchbaren Tormöglichkeiten. Mit zunehmender Spieldauer jedoch übernahmen die Bayern die Kontrolle und vollendeten einen flotten Konter durch Mario Gomez, dessen haltbaren Schuss Andrade nicht abwehren konnte. Obwohl es eigentlich Schwachsinn ist, scheint das Tor zum oft beschriebenen “psychologisch günstigen Zeitpunkt” OM endgültig erledigt zu haben. Der zweite Durchgang bewegte sich auf deutlich niedrigerem Niveau – von beiden Seiten wohlgemerkt.

Doch Bayern kontrollierte weiterhin das Geschehen, und es war dann auch nur eine Frage der Zeit, bis sie endlich einen Angriff konzentriert zu Ende spielen würden. Robben war es in der 69. Minute, der alles klar machte. Unter Vorarbeit des extrem starken Thomas Müller, der mit Abstand auffälligste Akteur auf dem Feld. Müller war überall zu finden – rechts und links, vorne wie hinten. Nach dem 2:0 schaukelte Bayern das Ding fast unbedrängt nach Hause, Schweinsteiger holte sich noch eine “kluge” gelbe Karte ab, fehlt damit im Rückspiel, ist aber im wahrscheinlichen Halbfinale gegen Real Madrid mit dabei.

Hat Olympique Marseille noch eine Chance nächste Woche in München? Dazu müssen sie sich deutlich steigern. Gestern hatten sie eigentlich nur dann den Hauch einer Möglichkeit, wenn Bayern (einmal im zweiten Durchgang durch Boateng) unkonzentriert in der Viererkette agierte. Möglichkeiten aus eigenem Antrieb agieren, scheint derzeit nicht auf der Agenda von OM zu stehen.