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Betriebsausflug 8. März 2012

Posted by Moritz in : Champions League , add a comment

Ein Zeichen wollte Dutt setzen, indem er den großen Kießling als Spitze nach vorne beorderte. Er erhoffte sich dadurch, wenn schon nicht fußballerisch, einen gewissen Vorteil gegen die wahrscheinlich beste Mannschaft der Welt. Das mit dem Zeichen sollte er im Nachhinein aber noch einmal überdenken.

Anders als im Hinspiel, dass offenbar die Begehrlichkeit weckte mit den ganz großen Mithalten zu können, konnte man Barcelona im gestrigen Viertelfinalerückspiel gerade nur die ersten Minuten mithalten. Das lag aber lediglich daran, dass sich die spanische Torfabrik erst warm spielen musste.

Ein paar Pässe vor und zurück, dann ein paar Ballverlust und Bayer konnte auch mal kurz den Ball haben. Das was sie dann aber daraus machten, entsprach wohl kaum dem, was sich der Trainer Dutt vor dem Spiel vorgestellt hatte.

Symptomatisch dafür die Szenen vor dem alles entscheidenden ersten Tor. Bayer kam an den Ball und spielt den Konter über außen sogar bis an den gegnerischen Strafraum. Dort versandet der Angriff nach einer Flanke in der Abwehr.

Der Gegenzug hingegen demonstrierte all das, was Barca hat und was Leverkusen fehlte. Mit drei oder vier Pässen war der Ball vom anderen Ende des Spielfeldes im Tor hinter Leno gelandet. Ohne, dass auch nur ein Spieler der Bayer Elf nennenswert etwas dagegen hätte unternehmen können. Es sah aus, als würde Idrissou auf seiner PS3 Champions League spielen.

Im Mittelfeld ließ man Xavi Zeit und Raum, um den durch die hochstehende Abwehr hindurchstoßenden Messi den Ball in den Lauf zu schicken. Der nutzt seine zehn bis zwanzig Meter zum Tor sehenswert und lupft über den hinausstürmenden Leno hinweg ins Tor – ein Spielzug, der Bayer in vielen verschiedenen Varianten dargeboten wurde und noch im Gedächtnis bleiben dürfte. Die Fehler waren immer die selben und wurden eher eklatanter denn geringer.

Obwohl die Abwehr weit aufrückte, wurde keinerlei Druck auf das Mittelfeld von Barca ausgeübt. Stets stand man ein zwei Meter daneben und beobachtete den Gegner als sähe man fußballspielende Marsmännchen.

Bayer fehlte schlicht das, was Real oder einige anderen phasenweise zeigten, um diesen FCB an den Rand einer Niederlage oder sogar noch weiter zu bringen: Laufbereitschaft überall am Gegner dran zu sein und ihm keine Zeit und keinen Raum zu geben. Zu sehr hatte sich die Mannschaft zurückgenommen. Abgesehen einmal davon, dass ein Weiterkommen nach dem Hinspiel ohnehin nur illusorischen Charakter denn eine reale Grundlage hatte.

Das größte Understatement kam aber von Guardiola vor dem Spiel selbst:

” [..] wenn wir Bayer Leverkusen ins Laufen kommen lassen, dann sind sie die bessere Mannschaft.” via @rotebrauseblog 

Falls das in Leverkusen jemand las, kommt es ihm angesichts der übermenschlichen Leistung von Barca mit sieben astreinen Toren vor wie aus einer anderen Welt. Das was bleibt dürfte wohl sein, dass man mal live bei einer State-of-the-art-Vorführung dabei sein durfte.

Und noch etwas kann Leverkusen mitnehmen aus Spanien. Man hat die Messlatte hoch gelegt. Sehr hoch. So lange wie Bayer hat es seit einiger Zeit kein deutsches Team mehr geschafft die Null im Camp Nou zu halten. Dass am Ende eine solche Demontage folgte, ist ihnen selbst zuzuschreiben. Sie haben sich hängen lassen und die Quittung bekommen. Nun gilt es zurück in den Alltag zu finden, wo es – dem Fußballgott sei Danke – noch reelle Siegchancen gibt.

Eine Halbzeit teuer verkauft 15. Februar 2012

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Eigentlich war es doch nur eine Frage der Höhe, mit der Bayer Leverkusen sein Heimspiel im Achtelfinale der Champions League verlieren würde. So waren zumindest die allgemeinen Erwartungen im Vorfeld der Partie gegen den Titelverteidiger FC Barcelona. Kühne Optimisten waren schon jene, die Bayer immerhin zugetraut haben, das Spiel lange offen zu halten, mit viel Einsatz zumindest eine realistische Chance für das Rematch in drei Wochen zu wahren. Resümiert man die 90 Minuten vom Dienstagabend, war es von allem ein bisschen was, und die alte Weisheit wurde wieder heraufbeschwört: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Eine Mannschaft wie den FC Barcelona, zweifellos die erfolgreichste Mannschaft der letzten fünf Jahre, kann man nicht über 90 Minuten ausschalten. “Das ist klar” würde Lucien Favre dazu sagen. Gerade mit Blick auf die Vielzahl der exzellenten Einzelkönner, wo – wenn sie nicht zufällig gerade zur selben Zeit in der selben Mannschaft spielen würden – jeder für sich ein heißer Kandidat auf den Titel des Weltfussballers wäre. Leo Messi war zwar am Start, aber im Mittelfeld fehlte der Antreiber Xavi, in seiner Funktion maßgeblich beteiligt, vielleicht sogar der entscheidende Baustein bei allen Titeln der Katalanen und auch der spanischen Nationalmannschaft in den letzten Jahren. Damit fehlte Barca zwar das “Herz” im Mittelfeld, aber auch die elf Spieler, die letztendlich auf dem Feld standen, können sich den Pass hervorragend zuspielen. Die Ballsicherheit stören, Räume eng machen, und mit starkem Pressing Barca mit den eigenen Waffen schlagen: Das waren die Mittel, die sich Bayer-Coach Robin Dutt vor dem Spiel überlegt hatte. Dazu veränderte er auch die gewohnte Formation seines Teams und stellte sie sehr defensiv auf, im sagenumwobenen 4-2-3-1 mit Andre Schürrle als einzige Spitze.

In der ersten Halbzeit ging das Konzept von Dutt nur teilweise auf, weil seine Mannschaft vor Ehrfurcht erstarrte und Barca spielen ließ. Oder sagen wir besser: Barca konnte passen. Knapp 90 Zuspielen von Bayer stehen alleine im ersten Durchgang fast 500 der Gäste aus Spanien gegenüber! Mit staunenden Gesichtern und offenen Mündern verfolgten die Bayer-Spieler die Ballstaffetten. Das es zur Pause nur 0:1 stand, lässt sich im Endeffekt auf zwei Faktoren zurückführen: Der FC Barcelona erwischte auch keinen absoluten Sahnetag, weil Iniesta im Mittelfeld zwar ein Spieler von sehr hoher internationaler Qualität ist, aber ohne Xavi auch nur die Hälfte wert. Und die Viererkette von Bayer in der Formation Corluka, Schwaab, Reinartz und Kadlec stand sehr konzentriert. Die Vier retteten bei den gefährlichen Vorstößen in die Schnittstellen mehrfachmit hohem Risiko, auch Lars Bender wäre hier noch zu nennen. Letztendlich war es dann doch eine einzige Unsicherheit, welche durch Alexis Sanchez in der 41. Minute die Führung brachte.

Nach der Halbzeitpause offenbarte sich ein anderes Bild. Offensichtlich erinnerte Robin Dutt seine Elf an das Ziel, Barcelona bereits früh unter Druck zu setzen. Außerdem ließ sich Schürrle etwas mehr fallen, wodurch der zuvor völlig abgemeldete Jung-Nationalspieler besser Anschluss finden konnte. Die Maßnahmen erzielten schnell Wirkung. Plötzlich erspielte sich Bayer Chancen, zeigte einmal mehr, was viele vermuten, aber nie auszuprobieren wagen: Die Abwehr von Barca genügt keinesfalls den Weltklasse-Ansprüchen der Offensive. Und plötzlich war da der Ausgleich durch Michal Kadlec. Auch wenn es drei Minuten später erneut durch Alexis Sanchez die Führung der Gäste gab – Bayer war nun aufgeweckter und suchte sein Heil in der Flucht nach vorne. Eine Viertelstunde vor dem Ende wagte es Dutt sogar, mit Stefan Kießling einen weiteren Stürmer auf das Feld zu bringen. Der hatte dann auch gleich eine große Kopfballchance, konnte sein Team aber nicht nochmal zurück ins Spiel bringen. Erst in den letzten zehn Minuten schaffte es der FC Barcelona wieder, seine Spielweise durchzudrücken. Zwischendurch war der Ballbesitz auf fast schon bedenkliche 70% geschrumpft. Mit dem 3:1 kurz vor Abpfiff demonstrierten sie aber noch einmal ihre Klasse. Mindestens 95% aller Spieler hätten im Falle von Dani Alves im Strafraum vor Bernd Leno selbst abgeschlossen. Alves flankte, in der Mitte kam Messi angerannt und traf. Marcel Reif sagte dazu passend: “So einen Treffer kann auch nur der FC Barcelona erzielen.”

Spätestens mit dem dritten Tor sind die Chancen von Bayer Leverkusen für ein Weiterkommen natürlich noch weiter gesunken. Wenn das mit einem Rückspiel im Camp Nou vor der Brust überhaupt noch möglich war. Mit dem mutlosen Auftritt vor der Halbzeitpause hat sich das Team selbst in Probleme gebracht. Es ist hypothetisch, ob das Spiel anders gelaufen wäre, aber da man gegen Barca eigentlich nichts zu verlieren hat, hätte man wenigstens den Versuch starten können. Von der statistischen Seite war Barca – nimmt man den Ballbesitz einmal aus – keinesfalls der übermächtige Gegner. 12:7 Schüsse für die Spanier, davon 7:4 aufs Tor. Jedoch brauchte Alexis Sanches für zwei Tore eben auch nur drei Schüsse.

Als Schlusswort bleibt: Zumindest im zweiten Durchgang hat sich Bayer teuer verkauft und Gegenwehr geboten. Dass man mit mehr Risiko auch zwei Gegentore kassiert hat, liegt in der Natur der Sache, wenn man gegen das beste Team der Welt spielt. Da fehlt am Ende des Abends einfach die Qualität.

Zur Lage der Liga – oben 11. April 2011

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Die Bundesliga rast unaufhörlich ihrem Ende entgegen. In fünf Wochen sind die Entscheidungen gefallen. Langsam spitzt sich die Lage im Kampf um den Titel, um die Europapokalränge oder gegen den Abstieg zu. Sogar beim FC Bayern gehen mittlerweile die Nerven durch, Louis van Gaal wurde entlassen und durch eine branchenübliche Übergangslösung, aber bayernuntypische Co-Trainer-Beförderung ersetzt. Fünf Spieltage vor dem Ende habe ich mich mal vor den Tabellenrechner gesetzt und den Ausgang der Saison festgelegt. Heute gibt es den ersten Teil mit der oberen Tabellenhälfte.

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Der Titelkampf

Auch wenn die junge Dortmunder Mannschaft langsam ins Grübeln kommt und nicht mehr am laufenden Band die großartigen Leistungen abruft, die Klopps Team bis in den März hinein ausgezeichnet haben – der Titel wird am Ende souverän geholt. Eine Schlüsselrolle wird dabei bereits der nächste Spieltag einnehmen: Am Sonntag muss Hauptkonkurrent Leverkusen nach München und wird dort wohl bestenfalls einen Punkt mitnehmen, Dortmund kann im Spätspiel gegen Freiburg nachlegen und den Vorsprung wieder anwachsen lassen. Dann ließe sich auch im Restprogramm mit den Abstiegskandidaten Mönchengladbach, Bremen und Frankfurt gut machen, eine obligatorische Niederlage gegen Nürnberg habe ich schonmal eingeplant. Es wird zwar nochmal etwas enger für den BVB, und der Titel könnte letztendlich tatsächlich erst am letzten Spieltag vergeben werden, aber zehn Punkte sind noch drin.

Gleiches gilt auch für Bayer Leverkusen. Die Werkself wird in diesem Jahr nicht den obligatorischen Totaleinbruch erleben, aber den Dortmundern auch nicht mehr entscheidend auf die Pelle rücken können. Natürlich könnte man mit einem Sieg in München am Sonntag nochmal ordentlich Kohlen nachlegen, unter normalen Umständen aber sind Dreier gegen Hoffenheim, Köln und Hamburg möglich. Es könnte wirklich bis zum letzten Spieltag offen bleiben, aber dann verliert Bayer 04 gegen den jenseits von Gut und Böse platzierten SC Freiburg zum Abschied von Jupp Heynckes.

Qualifikation für die Champions League

Man stelle sich vor: Das Finale der Champions League 2012 findet in München statt und und der FC Bayern hätte nicht einmal die Möglichkeit, um diesen Titel mitzuspielen. Um dies zu vermeiden reagierten die Bosse nun mit der Reißleine. Gegen die designierten Absteiger Frankfurt, St. Pauli und Stuttgart müssen Dreier her, zudem mindestens zwei Punkte aus den Spielen gegen Leverkusen und Schalke. Letztendlich wird man wohl davon profitieren, dass Hannover auf der Zielgeraden ein bisschen die Puste ausgeht.

Die 96er haben ein undankbares Restprogramm. Nächstes Wochenende gibt es gegen den HSV freilich nichts zu holen. Danach sind zwei Siege gegen Freiburg und Gladbach möglich, doch am vorletzten Spieltag trifft Slomkas Elf auf hochmotiverte Stuttgarter, die ihre letzte Chance auf den Klassenerhalt ergreifen. Am letzten Spieltag gegen Nürnberg geht es für die “Clubberer” noch um die Europa League, weshalb auch hier kein Erfolg schwierig wird. So wird Hannover seine starke Saison letztendlich mit Platz Vier abschließen.

Qualifikation für die Europa League

Da die ersten vier Plätze manifestiert sind und es hier nur noch um die Reihenfolge geht, bleibt eine Startberechtigung für die Europa League offen – oder doch mehr? Der Kampf um Platz Fünf wird von einigen Rückschlägen für die beteiligten fünf Vereine gekennzeichnet sein. Genau: Fünf Vereine. Ich rechne den FC Schalke auf der Welle des derzeitigen Rangnick-Hypes auch noch zu einem heißen Kandidaten. Womit man vielleicht sogar Gedankenspiele anstellen könnte, was wäre wenn Schalke Fünfter wird und den Pokal gewinnt? Dann rückt schließlich sogar P6 in die Europa League. So weit wird es am Ende aber wohl nicht kommen, zu groß ist der Rückstand jetzt und zu viele andere Vereine Konkurrenten.

Eine besondere Rolle wird dabei das direkte Duell zwischen Mainz und Nürnberg am 31. Spieltag einnehmen. Da ich hier mit einem Remis, eher sogar mit einem Erfolg für Mainz rechne, wird letztendlich auch ein Sieg in Dortmund der Hecking-Elf nicht mehr weiterhelfen. Man scheitert knapp an der Qualifikation für Europa.

So wird es auch den HSV treffen, und die letzten Saisonspiele werden von ähnlicher Inkonstanz geprägt sein wie der bisherige Saisonverlauf. Rückschläge wie das späte 1:1 von Dortmund am Samstag erschweren die Lage zusätzlich. Siege gegen Hannover, Stuttgart und Gladbach helfen nicht, wenn Leverkusen und Freiburg nicht bezwungen werden.

Die Schalker robben sich wie beschrieben noch einmal heran, der Weg nach oben ist aber zu weit. Der SC Freiburg behält seine absteigende Kurve der letzten Zeit bei und kommt auf einem dennoch respektablen neunten Rang ein.

Soweit der Blick auf die obere Tabellenhälfte. In den nächsten Tagen dann folgt die Antwort auf die spannende Frage, wer nächstes Jahr nach Paderborn reisen darf.

Die Hochburg fällt 18. März 2011

Posted by Max in : Europa League , add a comment

Es war keine gute Woche für die deutschen Vereine im Europapokal. Der FC Bayern verdaddelte am Dienstag völlig unnötig das Viertelfinale in der Champions League, wo die Hoffnungen nun auf Schalke ruhen. Gestern in der Europa League verabschiedete sich mit Bayer Leverkusen. Damit finden dort nun die letzten drei Spielrunden ohne Bundesliga-Vertreter statt. Ein ungewohntes Bild, weil in den letzten Jahren deutsche Mannschaften regelmäßig das Halbfinale erreichten, teilweise in doppelter Formation und Werder erst im Finale 2009 Schachtjor Donezk unterlag. Diese Hochburg ist nun also gefallen, weil Dortmund in der Vorrunde die Erfahrung fehlte, Werder und Stuttgart ihre schwache Saison auch auf internationaler Ebene fortführten, Leverkusen nicht clever genug agierte.

Doch damit steht die Bundesliga nicht alleine da: Unter den letzten achten Mannschaften gehört mit Bayer-Bezwinger FC Villarreal lediglich ein Klub aus den Top5-Ligen der UEFA-Fünfjahreswertung (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) zum verbliebenen Kreis der Titelkandidaten in der Europa League. Stattdessen dreimal Portugal, zweimal Niederlande, das aufstrebende Osteuropa mit zwei Teilnehmern in der Runde der letzten Acht.

Und eben der FC Villarreal. Das Rückspiel im Stadion El Madrigal erinnerte in einigen Punkten an das Hinspiel: Wieder war Bayer Leverkusen das Team mit den höheren Spielanteilen, die Werkself hatte mehr Torschüsse, mehr Eckbälle. Wieder triumphierte am Ende das gelbe U-Boot. Doch diesmal hatte Bayer nicht wirklich eine Chance. Vor einer Woche noch konnte man den Sieg von Villarreal als unverdient bezeichnen, weil Bayer es einfach verpasste seine zahlreichen Chancen auszunutzen und in der Nachspielzeit durch Nilmar den entscheidenden Nackenschlag bekam. So hatte man im Bayer-Lager doch noch Hoffnung, mit einer ähnlich ansprechenden Offensivleistung und einer stabileren Defensive die nächste Runde zu erreichen. Es sollte anders kommen, weil Villarreal einmal mehr seine Heimstärke unter Beweis stellen konnte, Bayer hingegen nur schwer in die Partie kam. Besonders die Innenverteidigung mit Sami Hyypiä und Stefan Reinartz erwischte keinen guten Abend, ebnete so auch bereits in der ersten Halbzeit den Weg zum Führungstor. Das Bemühen war der Werkself zwar danach nicht abzusprechen, jedoch fehlte die entscheidende Durchschlagskraft. Die Tormöglichkeiten hatten auch lange nicht die Qualität aus dem Hinspiel. Erst beim Stand von 2:0 für die Gastgeber, wurde es etwas konkreter, zu mehr als dem Anschlusstreffer, auch noch ein Eigentor, reichte es aber nicht mehr. In der Summe gehen die Spanier verdient durch in die nächste Runde, sind mit solchen Vorstellungen sicher ein heißer Titelfavorit.

Auch die Premier League hadert mit dem Abschneiden seiner Klubs. Der FC Liverpool verabschiedete sich einigermaßen peinlich – bei allem Respekt – gegen die portugiesische Felsmannschaft Sporting Braga. Für Manchester City hingegen reichte es nicht zum Weiterkommen im Duell mit Dynamo Kiew. Das Hinspiel konnten die Ukrainer mit 2:0 für sich entscheiden, gestern retteten sie sich mit einer 0:1-Niederlage knapp über die Runden. Dabei ist bei ManCity nun mal wieder ein Spieler in der Diskussion, um den es wohl Zeit seiner Karriere nie ruhig werden wird: Mario Balotelli. Der Italiener gilt als hochtalentiert, aber immer wenn er bisher auf meinem Schirm auftauchte, ging es um sportliche Krisen, Querelen neben dem Platz und Undiszipliniertheiten. Mit einer brutalen Attacke in der 36. Minute brachte er gestern sein Team schon im ersten Durchgang in Unterzahl, eine Aktion, die City zwar zunächst gut kompensierte, in der Endphase aber fehlte die Kraft. In nun 19 Pflichtspieleinsätzen für Manchester City hat es Balotelli in drei Wettbewerben auf sieben Verwarnungen und zwei Platzverweise geschafft – dem stehen allerdings auch schon neun Treffer gegenüber. Direkt nach dem Platzverweis gab es auch das Führungstor für die Gastgeber, sie erspielten sich weitere Chancen und hätten zumindest die Verlängerung durchaus verdient gehabt. Aber im Endeffekt fehlte in einigen Situationen der zusätzliche Stürmer, der elfte Mann auf dem Feld. Später sorgte Dynamo mehrfach für Entlastung und ließ nicht mehr viel anbrennen. Auch die Einwechslung von Edin Dzeko brachte keine Besserung mehr.

Der Wettbewerb in der Europa League ist nun völlig offen. Liverpool und ManCity sind nur zwei weitere Beispiele dafür, wie schnell die Qualität im kleinen Bruder der Königsklasse unterschätzt wird. Gerade die Teams aus den Ligen auf den Plätzen 6 bis 10 der Fünfjahreswertung haben hier eine ideale Spielwiese gefunden, um zu internationalen Topmannschaften zu reifen, während Teams aus der Premier League, der Serie A und Primera Division nur die Champions League als Ziel kennen. Ich sehe den FC Villarreal als leichen Favorit, grundsätzlich dürfte aber jedem der acht ausgeglichenen Teams der Titel zuzutrauen sein.

Drei gute Halbzeiten 18. Februar 2011

Posted by Max in : Europa League , add a comment

Endlich wieder Europapokal! Dienstag und Mittwoch spielt die Champions League, Donnerstag folgt die Europa League. Daran darf man sich ab jetzt wieder gewöhnen, mal abgesehen vom neuen Namen des ehemaligen UEFA-Pokals, der auch heute noch von vielen Kommentatoren falsch genutzt wird. Gestern mussten sich die Bundesliga-Vertreter aus Leverkusen und Stuttgart bei Auswärtsspielen beweisen. Obwohl die beiden Mannschaften insgesamt drei gute Halbzeiten lieferten, sprang letztendlich nur ein Sieg dabei heraus.

Für diesen Erfolg sorgte Bayer Leverkusen im vorgezogenen Spiel in der Ukraine bei Metalist Kharkov. Letztendlich war es mit 4:0 sogar ein sehr souveräner Sieg, mit dem Bayer nun schon fast sicher das Achtelfinale buchen kann. Zu Beginn der Partie hatte die Werkself noch einige Anpassungsprobleme mit den kalten Temperaturen, erstmal spielte nur der Gastgeber aus Kharkov. Doch denen war dann schnell die fehlende Wettkampfpraxis anzumerken, die heimische Premier-Liga steckt derzeit mitten in einer dreimonatigen Winterpause. Also erhöhte die Heynckes-Truppe nach zwanzig Minuten die Schlagzahl und erzielte dann auch schnell das Führungstor durch Derdiyok. Nach dem Seitenwechsel zeichnete sich ein ähnliches Bild wie in der ersten Halbzeit: Kharkov kam mit mehr Schwung aus der Kabine, aber das Angriffsspiel der Hausherren blieb letztendlich harmlos und damit auch erfolglos. So war es also wieder an Bayer, die Spielkontrolle zu übernehmen, und der Treffer vom eingewechselten Castro nach 72 Minuten machte den Auswärtssieg klar. Ein Doppelschlag vom starken Sidney Sam in der Nachspielzeit entledigte Heynckes damit auch aller eventuellen Sorgen für das Rückspiel. Ein verdienter Sieg, Bayer ließ sich nicht von der Spielverlegung und den kalten Temperaturen beeinflussen.

Unter anderen klimatischen Bedingungen musste der VfB Stuttgart in Lissabon bei Benfica antreten. Und auch sonst waren die Voraussetzungen so völlig anders als zuvor bei Leverkusen: Die Stuttgarter stecken in der Bundesliga schließlich im Abstiegskampf und rutschen zuletzt immer mehr in den Schlamassel. Bei allen Problemen im Hauptgeschäft präsentierte sich der VfB bisher in der Europa League erstaunlich sorglos und souverän. So ging es auch im ersten Durchgang bei Benfica los. Labbadias Truppe machte das Spiel und durch Harnik in der 21. Minute sogar das Führungstor. Die Portugiesen fanden lange Zeit überhaupt keinen Zugang zur Partie, scheiterten oft an der eigenen Theatralik. Doch das Bild sollte sich drehen: Wie so oft in den letzten Wochen können die Stuttgarter Spieler ihre Leistung nicht konstant über 90 Minuten abrufen. Es folgte der Einbruch, das zuvor durchaus ansehnliche Offensivspiel versiegte zunehmend und Benfica kam stärker auf. Torwart Sven Ulreich schwankte zwischen tollen Paraden und großen Unsicherheiten besonders bei der Strafraumbeherrschung. Symptomatisch dafür eine Szene, als er zunächst wie ein Anfänger eine Flanke unterlief, um die folgende Torchance mit einem großartigen Reflex abzuwehren. Letztendlich fielen durch Cardozo und Jara noch zwei Gegentreffer, die man wohl hauptsächlich in solchen Phasen kassiert, wie der VfB derzeit durchlebt. Das erhoffte Auswärtstor ist zwar gelungen, aber der Leistungseinbruch nach dem Seitenwechsel macht aus dem Rückspiel in sechs Tagen doch noch einen heißen Tanz.

Bleibt am Ende noch die Hoffnung, dass den Stuttgartern das Schicksal der letzten beiden deutschen Europapokal-Kontrahenten von Benfica erspart bleibt. Denn sowohl der 1. FC Nürnberg als auch Hertha BSC spielten in den letzten Jahren gegen das Team aus Lissabon, scheiterten und mussten letztendlich sogar den Bundesligaabstieg verkraften.