AS Rom

Wieder die Engländer

Posted by Max on März 12, 2009
Champions League / No Comments

Die Vertreter der Englischen Premier League sind auch im Jahr 2009 das Maß aller Dinge in der Champions League. Wie schon in der letzten Saison stellen sie die Hälfte der Teilnehmer im Viertelfinale. Und wieder stellt sich die Frage: Wer soll die nur stoppen?

Am längsten auf der Kippe stand die Teilnahme an der Runde der letzten acht Klubs beim FC Arsenal London. Die Gunners wollten einen knappen 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel verwalten, doch in der großartigen Kulisse im Finalstadion von Rom wurde dieses Vorhaben schon früh unmöglich. Nach vorne gepeitscht von den eigenen Fans spielten die Hausherren um Regisseur Francesco Totti eine leidenschaftliche Partie, wenn auch nicht besonders hochklassig. Doch in jedem Zweikampf war zu spüren, wie sehr der Glaube an ein Finale im eigenen Stadion beflügelt hat. Doch es reichte leider nicht. Die Roma ist eben keine typisch italienische Mannschaft, ist nicht abgeklärt genug ein Elfmeterschießen für sich zu entscheiden. In der Spielzeit über 120 Minuten verpassten sie die Chance, dem enttäuschenden Spiel von Arsenal den Gar auszumachen. Der sechzehnte Schuss vom Punkt ging über das Tor, das junge Team aus London konnte dem Druck standhalten. Den Ausgang der Partie sehe ich mit gemischten Gefühlen: Arsenal konnte im Achtelfinale nicht überzeugen, das könnten ziemlich langatmige Spiele in der nächsten Runde werden. Der AS Rom hat zwar auch keine großen spielerischen Glanzpunkte gesetzt, jedoch haben sie aus meiner Sicht mehr Einsatz gezeigt und schon wegen des tollen Publikums wäre die nächste Runde verdient gewesen.

Den italienischen Totalschaden im Achtelfinale machte Inter Mailand komplett. Dienstag Juve, Mittwoch Roma und auch Inter. Kein Verein aus der Serie A erreichte die nächste Runde. Das 0:0 im Hinspiel bog sich José Mourinho als perfektes Resultat zurecht, doch seine Mannschaft wurde sehr früh kalt erwischt. Schon nach vier Minuten köpfte Verteidiger Vidic ManUtd mit 1:0 in Führung. Es dauerte eine Weile, bis Inter diesen Schock verdaut hatte, doch dann waren sie optisch die bessere Mannschaft. Was fehlte, war das Durchsetzungsvermögen in den entscheidenden Situationen. Zwei Pfostentreffer zeugen vielleicht von der vorhandenen Chancen, oft genug übersahen die Stürmer aber den besser postierten Nebenmann, speziell Ibrahimovic und Balotelli bugsierten den Ball mehrmals überhastet weit abseits des Kastens von Edwin van der Saar ins Aus. Die vielleicht vorhandene Hoffnung in der Halbzeitpause wurde durch ein zweites Tor der Titelverteidiger nach Wiederbeginn zerstört: Fortan verwalteten die Red Devils abgeklärt ihren Vorsprung. Beachtlich: Den seit der Spielzeit 2004/2005 (FC Porto als Titelverteidiger) bestehenden “Fluch”, dass kein Sieger des Wettbewerbes im Vorjahres das Achtelfinale übersteht, konnte Manchester United durchbrechen. Die Chancen zur Titelverteidigung sind intakt. Eine detaillierte Analyse der Partie gibt es auch bei der Taktikbesprechung.

Neben Manchester ist der FC Barcelona meistgenannter Kandidat auf den Titel. Eine kleine Krise zwar in der Liga, doch im entscheidenden Moment ist das Team hellwach. Die beeindruckende Leistung der Bayern am Dienstag wollte Barca wohl gerne wiederholen. Das Opfer hieß Olympique Lyon. Schnell stand es 2:0, noch schneller stand es danach 4:0. Doch kurz vor der Pause durchbrach OL die Gegentor-Flut, Makoun erzielte den Anschlusstreffer. “Nur noch drei Tore” sprach ich also zur Pause, und als hätten sie mich erhört, kam durch Juninho kurz nach Wiederbeginn das zweite Tor. Lyon ist eben doch kein Lissabon. Aber Barca ist auch kein Bayern und deshalb war das 4:2 schon das Ende der Aufholjagd. In der Nachspielzeit folgte noch das fünfte Tor, Barcelona ist mit Pomp durch und muss sich mit dieser Spiellaune vor keinem Gegner fürchten. Lyon scheitert wieder einmal vorzeitig, vielleicht ist das aber auch besser so: Cris, Grosso, Toulalan und Juninho wären für das Viertelfinale gesperrt.

Der letzte Viertelfinalist heißt FC Porto. In einem ereignisdiskreten Spiel reichte ein 0:0 gegen ein enttäuschendes Atletico Madrid (Moritz: “Hier könnte Schalke stehen.”) für die nächste Runde. Damit spreche ich – frei nach Hansi Küpper – die Besonderheit des Viertelfinales aus: Acht “FC’s” duellieren sich dort. Für den FC Bayern wünsche ich mir jetzt einen englischen FC, egal ob FC Arsenal, FC Chelsea, FC Liverpool oder Manchester United FC.

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CL-Vorschau Teil 1: A, B, C und D

Posted by Max on September 16, 2008
Champions League / 1 Comment

Endlich ist es wieder soweit – die Champions League, der beste und bedeutendste Klubwettbewerb der Welt, startet mit acht Spielen in eine neue Spielzeit. In dieser Saison 2008/2009 wird vor allen Dingen die Frage dominieren, wer diesmal in die Vormachtstellung der englischen Vereine eindringen kann. Deren Kreise wurden mit je drei Teilnehmern am Halbfinale in den letzten beiden Jahren nur vom AC Mailand und dem FC Barcelona gestört. Aus deutscher Sicht ist es natürlich interessant zu sehen, ob der FC Bayern nach einjähriger Abstinenz seinen hohen Ansprüchen gerecht werden kann und wiederum mindestens das Viertelfinale erreicht. Ebenso gespannt bin ich aber auf die Neulinge und krassen Außenseiter, die in dieser Saison in größerer Formation auftreten als aus den letzten Jahren gewohnt. Bevor sich die 32 Vereine in ihre Spiele stürzen, gibt es dazu auch hier eine ausführliche Vorschau. Heute werde ich die Gruppen A, B, C und D näher beleuchten – wobei ich auf zwei Vereine näher eingehen werde und es zu den anderen beiden Klubs kurze Notizen gibt; sowie anschließend meinen Tipp für den Ausgang nach sechs Spieltagen Anfang Dezember abgeben.

In Gruppe A hat es sich der CFR Cluj gemütlich gemacht. Der Verein, dessen schwer aussprechbarer Name den Berichterstattern noch einige Probleme bereiten wird, erlebte dank dem reichen Unternehmer Arpad Paszkany innerhalb kürzester Zeit einen steilen Aufstieg bis hin zur Qualifikation für die Gruppenphase der Königsklasse in diesem Jahr. Noch 2002 spielten die Nordwestrumänen in der 3. Liga, ehe sich die Investitionen von Paszkany auszahlten. 2008 dann der erste Meistertitel, sogleich gewann Cluj auch den heimischen Pokal. Im Kader und der Stammformation findet man hauptsächlich Brasilianer, Portugiesen und Argentinier. Die wenigen rumänischen Akteure dienen nur als Alibi für die UEFA-Ausländerquote, bekanntester Akteur ist der argentinische Juniorennationalspieler Gustavo Oberman. Trotz dem starken finanziellen Background sollte Cluj nur eine untergeordnete Rolle spielen. Geld regiert auch die Fussballwelt, doch mangelnde Erfahrung lässt sich nicht so einfach kaschieren. Das von der Mannschaft aber durchaus einiges erwartet wird, zeigt die Trainerpersonalie. Meistermacher Ioan Andone wurde vor zwei Wochen wegen eines durchwachsenen Saisonbeginnes kurzerhand entlassen und durch den Italiener Maurizio Trombetta ersetzt.

Als unumstrittener Favorit der Gruppe geht der FC Chelsea in das Rennen. Nach vielen Jahren, in denen der Verein hauptsächlich durch horrende Transfersummen auf sich aufmerksam machen konnte, wird nun der sportliche Erfolg ernsthaft angegangen. Das Ziel ist es, mit dem neuen Trainer Luiz Felipe Scolari – dessen Name unumstößlich für Erfolg steht – auf die Leistung der Vorsaison, als das Finale erreicht wurde, aufzubauen und endlich den ersehnten Titel an die Stamford Bridge zu bringen. Mit Deco und Bosingwa wurde die Mannschaft nur punktuell verstärkt, diese Bausteine könnten aber ausschlaggebend für die Saison sein. Durch die Verpflichtung von Deco steht nun sogar ein klassischer Spielmacher im Kader, wobei sich das Mittelfeld mit Essien, Deco, Ballack, Lampard und Joe Cole ohnehin überragend liest. Bedenkt man dann noch einen Didier Drogba in Topform, sollten die Londoner auch heuer wieder ein Wort um den Titel mitreden können. Stolpern wird Chelsea lediglich dann, wenn sie wieder in alte Muster ihrer lethargischen Spielweise zurückfallen. Etwas dünn besetzt finde ich zudem den Angriff, denn zu Drogba gibt es keine Alternative – Malouda, Kalou und Anelka sind keine klassischen Zentrumsstürmer und nicht mit der großen Torgefahr des Ivorers gesegnet.

Langsam nimmt man Girondins Bordeaux wieder als Größe in Frankreich wahr. Der französische Vizemeister hat sich nach dem desaströsen 15. Rang 2004/2005 gefangen und qualifizierte sich nach einem Jahr im UEFA-Pokal nun sogar wieder für die Champions League. Vater des jüngsten Erfolges ist 1998er-Weltmeister Laurent Blanc, der auf seiner ersten Trainerstation sogleich seriöse Arbeit zeigt. Die Mannschaft wurde mit Diego Placente und Yoann Gourcuff sowie Yoan Gouffran prominent verstärkt. Bei optimalem Verlauf ist vielleicht sogar das Achtelfinale drin.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr auf einen Geheimtipp verzichten – doch der AS Rom hat sich gut verstärkt und hat außerdem noch den Stamm, der bereits in den letzten beiden Spielzeiten das Viertelfinale der Champions League erreicht hat. John Arne Riise und Julio Baptista geben den Römern Anlass, von einer guten Spielzeit zu träumen. Francesco Totti im Sturm, dahinter Aquilani und de Rossi als “Staubsauger” im Mittelfeld. Hinzu kommt die große Erfahrung, die dem Kader seine besondere Note verleiht. Auf die Roma müssen wir in diesem Jahr achten. Meine Einschätzung von Gruppe A:

  1. FC Chelsea London
  2. AS Rom
  3. Girondins Bordeaux
  4. CFR Cluj

Zweiter Debütant in dieser Spielzeit ist Anorthosis Famagusta, in Gruppe B. Zugleich ist dies die erste zyprische Mannschaft, welche sich für die Gruppenphase qualifizieren konnte. Beim Blick auf den Kader stechen zwei Namen ins Auge, beides Abwehrspieler: Jeffrey Leiwakabessy, einst bei Alemannia Aachen aktiv, sowie Traianos Dellas. Der Europameister von 2004, getauft als “Koloss von Rhodos” bildet das Herzstück der Mannschaft, das auf der stabilen Defensive beruht. Trainer Temuri Ketsbaia wird wohl auf eine Kontertaktik setzen, auch wenn Anorthosis mit je drei Treffern in den Heimspielen der Qualifikationsrunden gegen Rapid Wien und Olympiakos Piräus gezeigt hat, dass sie mehr können als nur Spiele zerstören. An eine weitere Sensation glaube ich aber nicht, die Zyprer müssen aufpassen, dass sie nicht untergehen wie eins Levski Sofia.

Zu einem interessanten zyprisch-griechischen Duell wird es kommen, wenn Famagusta auf Panathinaikos Athen trifft. Der 22-malige Meister seines Landes hat mit Henk ten Cate einen bekannten Trainer verpflichtet, von dem Erfolge erwartet werden. Zum einen der erste Gewinn des Meistertitels nach fünf Jahren, zum anderen aber auch die Qualifikation für das Achtelfinale. Der Kader hat einen großen Umbruch erlebt, elf neuen Spieler stehen zwölf Abgänge gegenüber. So wird man sich wohl zunächst noch mit Abstimmungsschwierigkeiten mit Werder Bremen duellieren, die am dritten und vierten Spieltag auf Panathinaikos treffen werden. Erfolgsrezept könnte eine gute Mischung aus jungen Spielern und der erfahrenen Fraktion um Europameister und Mittelfeldregisseur Karagounis sein.

Favorit der Gruppe B jedoch ist Inter Mailand. Trotz eines Zlatan Ibrahimovic im Kader, trotz des Neuzugangs von Manicini vom Ligakonkurrenten AS Rom stellt ein anderer Name alles in den Schatten: Zweifellos wird in den ersten Spielen der Fokus auf José Mourinho, dem exzentrischen portugiesischen Trainer liegen. Da Inter in den vergangenen Jahren auf nationaler Ebene die Titel abgeräumt hat, ist der Auftrag an Mourinho klar – die Champions League soll es sein. Dort setzte sich Inter zwar mit schöner Regelmäßigkeit in den Gruppenspielen durch, scheiterte aber zuletzt zweimal im Achtelfinale des Wettbewerbes. Das Spielermaterial für Mourinho ist großes Kino: Der bereits erwähnte Ibrahimovic im Sturm, auf den Außenbahnen Mancini und Luis Figo, der unter der Regie seines Landsmannes noch einmal aufblühen könnte. Im Mittelfeld sichern Cambiasso und Zanetti für die ebenfalls gut besetzte Viererkette um das Innenverteidigerpaar Cordoba/Chivu ab. Problematisch bleibt aber weiter das unruhige Umfeld, was durch die Verpflichtung von “The Special One” Mourinho neuen Zündstoff bekommen hat. Dennoch traue ich den Mailändern eine gute Saison zu, vielleicht sind sie es ja diesmal, die in das englische Hoheitsgebiet eindringen können und die Artenvielfalt der späteren Spielrunden bereichern.

Für Werder Bremen ist Inter ganz klar das schwerste Los. Die Hanseaten sind nun zum fünften Mal in Serie für die Gruppenspiele qualifiziert, welche aber zuletzt zweimal nicht schadlos überstanden wurden. Auf der Basis des starken Kaders aus dem Vorjahr soll diesmal endlich wieder das Achtelfinale stehen. Während Werder in der Bundesliga Inbegriff der Torgefahr ist, findet die Mannschaft von Thomas Schaaf auf internationalem Parkett häufiger die bessere Mischung zwischen Offensive und Abwehrarbeit. Denn nur so wird es gelingen, das gesetzte Ziel in einer machbaren Gruppe zu erreichen. In Abwehr und Mittelfeld hat sich nichts verändert, lediglich der zuletzt aber schon abstinente Tim Borowski hat den Verein verlassen. Im Sturm hat sich mit dem nach Anlaufschwierigkeiten jetzt etablierten Markus Rosenberg und Rückkehrer Claudio Pizarro ein Sturmduo gefunden, das höheren internationalen Ansprüchen genügt. Mit Hugo Almeida und dem zuletzt formverbesserten Boubacar Sanogo hat man noch zwei weitere Angreifer in der Hinterhand. Kritisch wird es nur dann, wenn Spielmacher Diego verletzt ist oder ein schwaches Spiel macht. Er ist ebenso wenig zu ersetzen wie Torsten Frings, dem Antreiber im Mittelfeld. Um die Gruppenphase zu überstehen, muss der SV Werder einfach früher aus den Pötten kommen als zuletzt, immerhin meint es der Spielplan mit dem Aufakt gegen Famagusta nach den ersten Spielen gegen Chelsea bzw. Real in den Vorjahren besser mit Bremen. Jetzt gilt es, etwas daraus zu machen! Mein Tipp für Gruppe B:

  1. Inter Mailand
  2. Werder Bremen
  3. Panathinaikos Athen
  4. Anorthosis Famagusta

Ein besonderes Augenmerk werde ich auf Gruppe C haben, wo unter anderem Sporting Lissabon spielt. Sporting qualifiziert sich zuletzt in schöner Regelmäßigkeit als Vizemeister für die Gruppenphase, um dann dort in großem Stil zu scheitern. In den internationalen Spielen zeigt sich die Mannschaft von Paulo Bento zu oft einfallslos. Die Arbeit des durchaus torgefährlichen Angriffsduos Derlei/Liedson wird durch die wackelige Defensive um Tonel, Anderson Polga und Torwart Rui Patricio konterkariert. Letzterer ist erst 20 Jahre jung und blickt auf die dürftige Erfahrung von acht Europapokalspielen zurück. Auf ihn wird es ankommen, wenn Sporting in dieser ausgeglichenen Gruppe seine Chance nutzen will.

Durch Zufall entpuppte sich das Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Luzern vergangenen Samstag als Generalprobe für das Comeback des Schweizer Meisters in der Champions League nach fünf Jahren, welches wir beobachten durften. In einer “Wasserschlacht lite”, die Erinnerungen an das packende EM-Spiel Schweiz vs. Türkei im Juni hervorgerufen hat, präsentierten sich die Nordschweizer kombinationssicher und offenbarten auf schwierigem Untergrund ihr zweifellos großes Potential (mehr zur Begegnung Basel-Luzern demnächst an anderer Stelle). Trainer Christian Gross ist seit 1999 eine Institution, und der Erfolg gibt ihm Recht – nicht zuletzt deshalb war er in den letzten Jahren bei vielen Bundesligisten im Gespräch. Trotz vieler Nationen im Kader, präsentiert sich der FC Basel als kompakte Einheit. Mit den Neuzugängen Behrang Safari (von Malmö FF) und David Abraham (von CA Independiente) wurde die ohnehin schon starke Abwehr weiter optimiert, mit Reto Zanni spielt auf der rechten Seite zudem der erfahrenste Europapokal-Akteur des FCB. Das Mittelfeld ist mit fünf Spielern dicht besetzt, herausstechend sind der Ex-Frankfurter Benjamin Huggel als Abräumer vor der Abwehr und der Portugiese Carlitos auf der rechten Seite, der uns am Samstag mit einigen technisch hochanspruchsvollen Dribblings überzeugte. Das System sieht nur einen Stürmer vor, der je nach Verfügbarkeit Marco Streller, Eren Derdiyok oder Orhan Mustafi heißt – wobei diese Rangfolge als Hierarchie gesehen werden kann. Sicher wird es schwer für den FC Basel, doch bei optimalem Verlauf traue ich ihnen das Achtelfinale zu. Verdient hätten es diese großartigen Fans auf jeden Fall.

Der Machtwechsel in der Ukraine von Dynamo Kiew zu Schachtjor Donezk ist bereits seit Jahren vollzogen. Die Mannschaft aus dem Donezk-Becken ist zum fünften Mal in der Gruppenphase vorbei, jedoch wurde diese noch nie erfolgreich überstanden. Trainer Mircea Lucescu sieht sich jetzt leicht wachsendem Druck ausgesetzt, auch im Europapokal Fortschritte zu zeigen. Oft genug war Schachtjor in den letzten Jahren an besseren Resultaten dran, doch es fehlte an Konstanz in den Leistungen. Besetzt mit einigen Brasilanern ist das Problemfeld die Defensive. “Dank” der nur offensiv aktiven Südamerikaner entstehen für jeden Gegner große Lücken im Mittelfeld, die die nun wieder osteuropäisch dominierte Abwehr nicht immer ausbügeln kann. Bekommt man in Donezk aber dieses Problem in den Griff, kann der Weg diesmal vielleicht über die Gruppenphase hinausführen.

Einen Strukturwandel vollzog heuer auch der vierte Verein im Bunde der Gruppe C. Mit neuem Trainer kommt der FC Barcelona daher, Ex-Spieler Josep Guardiola ist eine ungewohnt kleine, interne Lösung. Ein großes Risiko, welches die Vereinsbosse damit eingehen, denn “Pep” hat bisher keine Trainerfahrung gesammelt, schon garnicht auf internationalem Niveau. Fast schon traditionell hohe Wellen schlagen die Katalanen auch auf dem Transfermarkt, mit Daniel Alves und Aleksander Hleb wurden diesmal aber nur zwei Spieler verpflichtet, die für die “Traum-Formation” der Fans in Betracht kommen. Dem gegenüber stehen die Abgänge von Deco, Edmilson, dos Santos, Oleguer, Ronaldinho, Zambrotta und Thuram. Fast wirkt es so, als sei man in Barcelona dem nichtsbringenden Größenwahn leid. Mit einer überragenden Offensive um Bojan, Eto’o, Henry und Messi soll nach dem Halbfinale in der letzten Saison jetzt endlich der nächste große Wurf gelingen. Besonders schwer wird aber die Doppelbelastung, schließlich will man sich nicht im dritten Jahr hintereinander von Real Madrid in der Primera Division demütigen lassen. Klingt nach viel Arbeit für Guardiola und einer unruhigen Saison. Ohne Probleme sollte dennoch das Achtelfinale erreicht werden, denn Barca ist stärkste Kraft in dieser Gruppe:

  1. FC Barcelona
  2. FC Basel
  3. Schachtjor Donezk
  4. Sporting Lissabon

Beim FC Liverpool, der als Gruppenkopf in Gruppe D gesetzt ist, will Robbie Keane endlich auch im Europapokal große Erfolge feiern. Vergeblich hat der Ire bei Tottenham auf diese gewartet – und wechselte in den Sturm der Reds. Einst galt Liverpool als defensive Mannschaft, gerade mit dem als Taktiker bekannten Trainer Rafael Benitez. Doch nun liest sich die Offensiv-Formation wie ein Eintrag im Lehrbuch “Mit Toren zum Erfolg”: Fernando Torres, Robbie Keane, Xabi Alonso, Dirk Kuijt. Logisch, dass da ein Andrej Voronin nicht mehr gebraucht wird und nach Berlin zur Hertha flüchtete. Mit Spannung erwarte ich, wie die Abwehr auftreten wird. John Arne Riise und Steve Finnan stehen nicht mehr im Kader, verdienen jetzt beim AS Rom bzw. Espanyol Barcelona ihr Geld. Dennoch sehe ich die Kette Aurelio-Agger-Carragher-Arbeloa als gefestigt genug an, um der Mannschaft die entscheidende Stabilität zu verleihen. Gerade die Reds sind ein Champions League-Spezialist, waren in den letzten vier Jahren dreimal im Halbfinale und zweimal sogar im Endspiel, 2005 gab es in Istanbul den berühmten Titel. Nur von der Erinnerung leben aber reicht nicht, und die Unruhe, die die beiden amerikanischen Klubbesitzer reinbringen könnte ihr übriges tun. Denn schon im Vorjahr hatte Liverpool zunächst große Probleme, überhaupt die Gruppenphase zu überstehen. Schafft es das Team, dieses erste Etappenziel zu erreichen, ist wieder alles möglich.

Ohnehin ist diese Gruppe sehr ausgeglichen, seinen Beitrag dazu leistet auch der niederländische Meister PSV Eindhoven. Mit dem aus Hamburg verpflichteten Trainer Huub Stevens möchte der Champions League-Dauergast an die Erfolge von 2006/07 anknüpfen, als erst im Viertelfinale finis war. Dabei kommt auf Stevens eine Menge Arbeit zu, denn er hat quasi die komplette Defensive neu zu organisieren. Torhüter Gomes ist weg, Alcides, Aissati, da Costa, Perez und Farfan ebenso. Stattdessen hütet nun der schwedische Nationaltorwart Andreas Isaksson den Kasten. Für die Offensive wurde trotz der prominenten Abgängen nur Dzsudzsak verpflichtet, sonst bilden viele junge Spieler das Gerüst der Mannschaft. Trainer Stevens muss seine einzelnen Puzzleteile schnell zu einem homogenen Bild zusammenfügen, und gleichzeitig die aufkeimende Unruhe im Umfeld im Keim ersticken. Irgendwie bezweifle ich trotz dem Stevens-Faktor, dass der PSV über die Gruppenphase hinauskommen wird. Dazu ist die Konkurrenz in der Gruppe einfach zu stark und zu viele offene Fragezeichen schweben über dem Philips-Stadion.

“Eine rätselhafte Unbeständigkeit” durchfährt die Mannschaft von Atletico Madrid, so titelte der kicker über die zweite Kraft in Spaniens Hauptstadt. In den Qualifikationsspielen gegen Schalke konnte man sich schon ein Bild machen, was genau das denn bedeutet. Planlos im Hinspiel, leidenschaftlich das Heimspiel und ein 4:0, dass die sechste Teilnahme an der Champions League für den Traditionsverein bedeutete. Star des Teams ist Stürmer Sergio Aguero, den sie trotz horrender Angebote bei Atletico gehalten haben, und der mit Diego Forlan ein brandgefährliches Angriffsduo bildet. Die Abwehr sollte mit Tomas Ujfalusi und Johnny Heitinga zusätzlich Stabilität gewinnen, zudem hütet jetzt Gregory Coupet das Tor. Wenn Atletico seine Unbeständigkeit in geordnete Bahnen lenkt, halte ich das Achtelfinale für möglich.

Doch auch für Olympique Marseille offenbart sich eine große Chance. Der Abgang von Nasri zum FC Arsenal wurde durch die Verpflichtung von Ben Arfa von Olympique Lyon gut abgefangen, auch wenn beide als Spielertypen nicht zwingend vergleichbar sind. Ohnehin hat OM im Angriff die wenigsten Probleme, Stürmer Niang, die Flügelspieler Zenden und Koné und jetzt dazu Ben Arfa – man ist gut gerüstet für die Champions League. Probleme macht Trainer Erik Gerets jedoch die Abwehr, diese hat trotz Nationaltorwart Steve Mandanda nur mittelmäßiges Niveau und wird sich wohl als Stolperstein für die Südfranzosen herausstellen. Deshalb landen sie in meinem Tipp auch nicht im Achtelfinale:

  1. Atletico Madrid
  2. FC Liverpool
  3. PSV Eindhoven
  4. Olympique Marseille

Soweit meine Einschätzungen zu den Gruppen A-D. Am morgigen Vormittag erscheint dann der zweite Teil. Schließen möchte ich heute mit zwei Surftipps: Miro hat unter seiner neuen Adresse “north stand” ein Champions League-ABC veröffentlicht, sehr lesenswert! Zudem wird Felix heute Abend das Spiel Bremen-Famagusta livebloggen.

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Porto scheitert an Neuer

Posted by Max on März 06, 2008
Champions League / No Comments

Es war ein spannendes Achtelfinale in der Champions League Ausgabe 2007/2008. Sieben Teams stehen jetzt bereits für das Viertelfinale fest, darunter auch erstmals seit Bayer Leverkusen ’02 ein anderer deutscher Vertreter als der FC Bayern München. Neben diesem großen Erfolg für den deutschen Fussball bleibt eine andere Serie bestehen: Der Titelverteidiger scheidet seit vier Jahren regelmäßig im Achtelfinale aus, diesmal traf es die Senioren des AC Mailand. Der Blick auf die sieben Spiele der vergangenen beiden Tage:

Ohne ernsthafte Probleme erledigte der FC Barcelona seine Pflichtheimaufgabe gegen Celtic Glasgow. Ein frühes Tor von Xavi, wie bereits im Preview angedeutet, brachte die Katalanen auf den richtigen Weg. Es folgte eine Partie im Schongang, Barcelona wollte sich nicht unnötig belasten, denn in der Liga gilt es einen größeren Rückstand auf Real Madrid aufzuholen. Und Celtic Glasgow zeigte wieder einmal, was ihnen in den vergangenen Jahren regelmäßig größere Erfolge in Europa verwehrt hat: Erschreckend harmlos, ohne eine Torchance blieb das Team von Gordon Strachan auf der Strecke. Überschattet wurde das Spiel von einer schweren Verletzung des argentinischen Jung-Stürmers Lio Messi, der unter Tränen und mit Verdacht auf eine Muskelverletzung noch vor der Halbzeitpause ausgewechselt wird. Gerade im Hinspiel hat Messi gezeigt, wie wichtig er für Barca momentan ist. Eine langfristige Verletzung würde die Spanier auch mit Blick auf das Viertelfinale hart treffen.

Ebenfalls unspektakulär löste Manchester United seine Aufgabe gegen Olympique Lyon. Konnten die Franzosen im Hinspiel dem englischen Meister noch ein 1:1 abtrotzen, blieben sie über weite Strecken im Old Trafford zu harmlos, um ManU ernsthaft zu gefährden. Alain Perrin hatte zwar mit Gouvou, Juninho, Ben Arfa und Benzema das volle Kanonenrohr aufgeboten, aber die Innenverteidigung mit Ferdinand/Vidic stand einmal mehr exzellent. Mehr als ein Pfostenschuss sprang dabei nicht heraus. So erzielte Manchester durch Cristiano Ronaldo kurz vor dem Seitenwechsel das entscheidende Tor. Es war keine Glanzleistung der “Red Devils”, aber es hat gereicht. Wie schon in der Vorsaison tat man sich gegen einen französischen Vertreter erstaunlich schwer, damals wurde der OSC Lille nach zwei lahmen 1:0-Siegen gekickt. Doch wer dieses Team kennt, weiß, dass sie erst jetzt richtig aufdrehen werden. Für Lyon endet damit eine Saison, die mit wesentlich weniger Amibitionen als in den Jahren vorher bestritten wurde, letztendlich aber doch einen ordentlichen Erfolg hervorbrachte. Nun muss die Konzentration auf der Ligue 1 liegen, wo Olympique erstmals seit Jahren mit Girondins Bordeaux wieder einen ernsthaften Konkurrenten um den Titelkampf hat. Am Sonntagabend kommt es zwischen diesen beiden Teams zum Spitzenspiel in Frankreich.

Real Madrid bleibt auch im Jahr 2008 auf europäischer Bühne nur ein Schatten seiner selbst, lediglich eine trostlose Karikatur dessen, was sie am Anfang dieses Jahrtausends zur besten Mannschaft Europas gemacht hat. Die 1:2-Niederlage ist der erste negative Höhepunkt der Ära von Bernd Schuster als Trainer der “Königlichen”. Dabei schien man das Fehlen von Ruud van Nistelrooy ganz gut abfangen zu können mit den beiden Spitzen Raul und Robinho, aber Real brachte den Ball nicht im Tor unter. Über weite Strecken zu kompliziert versuchten sie, die Roma schwindlig zu spielen. Doch die Italiener ließen sich von der vermeintlich größeren Klasse der Madrilenen nicht beeindrucken und spielten munter ihren Stiefel herunter: Dabei überzeugte der AS Rom vor allem durch seine starke Innenverteidigung um Mexes und dem ehemaligen Leverkusener Juan. Gezielt versuchten sie, Konter zu setzen und brachten Real so schon früh durch Pfostentreffer in Bedrängnis. Nach knapp 75 Minuten dann der vermeintlich entscheidende Nackenschlag für Real: Das Kopfballtor von Perrotta ließ nun keinen Zweifel mehr an der zweiten Viertelfinalteilnahme der Mannschaft von Luciano Spalletti in Folge. Zwischenzeitlich konnte Raul zwar aus klarer Abseitsposition ausgleichen, doch Vucinic beendete in der Verlängerung mit dem zweiten Tor die letzten Hoffnungen auf einen Erfolg Reals. Real bleibt nach Bayern im Vorjahr nun am AS Rom hängen, für Bernd Schuster kann nun nur ein souveränes Auftreten in der Primera Division für Entlastung sorgen.

Nach der späten, aber gerechten Niederlage verpasst der AC Mailand den Sprung in das neunte Viertelfinale der Vereinsgeschichte. Über die gesamten 180 Minuten Spielzeit war Arsenal London einfach das bessere Team, ließ sich auch von der Defensiv-Stärke der Rot-Schwarzen nicht beeindrucken. Dabei überzeugte diesmal Urgestein Paolo Maldini in seinem damit wohl letztem Europapokalspiel. Verhindern konnte er freilich das Gegentor von Francesc Fabregas in der 84. Minute nicht. Dem war ein wahrer Sturmlauf der Londoner vorausgegangen. Nur in der ersten halben Stunde konnte Milan einigermaßen mithalten, danach übernahm Arsenal das Kommando und erspielte sich wie schon vor zwei Wochen Torchancen in Hülle und Fülle. Und diesmal hat es auch geklappt. Quasi die gesamte Offensiv-Abteilung konnte überzeugen, war spielfreudig und zelebrierte den hochgelobten One-Touch-Football par excellence. In dieser Form ist Arsenal momentan für mich der heißeste Tipp für den Sieg in der Champions League. Eigentlich könnten sie momentan nur über ihre nach wie vor schwache Chancenverwertung stolpern. Die Mailänder verabschiedeten sich glanzlos aus dem Wettbewerb, wirkten bei weitem nicht so abgezockt und eiskalt wie noch vor Jahresfrist. Der Franzose Mathieu Flamini beraubte mit einem großen Kraftakt dem AC seine größte Waffe – Kaka. Dem Weltfußballer droht im kommenden Jahr vielleicht das Münchener Schicksal: Milan steht momentan in der Serie A nur auf dem fünften Rang und würde somit gegenwärtig nicht an der Champions League 2008/09 teilnehmen dürfen.

Noch höher als die Qualifikation der Schalker für die nächste Runde schätze ich den Erfolg von Fenerbahce Istanbul beim FC Sevilla auf der Überraschungs-Skala ein. Zwar war das 3:2 aus dem Hinspiel eine passable Ausgangsposition, doch Sevilla war bisher sehr heimstark und zählte für mich vorher durchaus zu den Geheimfavoriten. Doch dieses Spiel hielt seine ganz eigene Geschichte bereit, die von Fener-Keeper Volkan Demirel. Ohne Not ließ er zwei Fernschüsse nach zehn Minuten in das Tor: Zunächst faustete er sich das Ding selber rein, danach griff er gehörig daneben. Dabei waren das beides keine besonders hart geschossenen Bälle. Erstaunlich, wie Fenerbahce dieses bösen Rückschlag so früh im Spiel wegstecken konnte: Deivid erzielte nach 20 Minuten das Anschlusstor. Weiter war aber bis zu diesem Zeitpunkt der andalusische Gastgeber, auch weil Kanoute kurz vor der Halbzeitpause den dritten Treffer erzielen konnte, diesmal ohne einen Fehler von Volkan. In der zweiten Hälfte entwickelte sich ein spannendes, weiterhin offenes Spiel. Sevilla war anfällig bei Standardsituationen, sodass erneut Deivid zehn Minuten vor dem Ende den Ausgleich erzielte. Die Verlängerung brachte keinen Vorteil für ein Team hervor, sodass die Dramatik eines Elfmeterschießens gefragt war: Und so war es an Volkan Demirel, alles, was vorher geschehen war, vergessen zu machen. Drei gehaltene Strafstöße öffneten die Tür zum Viertelfinale. Fenerbahce sichert sich damit nicht unverdient viel Geld für die nächste Runde, sie zeigten eine spektakuläre Art des Fussballspiels, waren in positiver wie negativer Hinsicht für Überraschungen gut. Dabei war es nicht nur die Leidenschaft und der Kampf, sondern auch eine gepflegte Offensive, die ihnen diesen Erfolg beschehrt hat. Für Sevilla ist das Abenteuer Champions League vorerst beendet. Nach den zwei UEFA-Pokal-Titelgewinnen zuletzt zeigten sie sich stark in der Gruppenphase, aber wenig konsequent im Achtelfinale. In der nächsten Saison führt der Weg wohl erstmal wieder in den UEFA-Cup, wenn überhaupt. Momentan liegen sie mit sechs Punkten Rückstand auf den Europapokalplatz nur im Tabellenmittelfeld.

Schlaff, ideenlos, gelangweilt – so präsentierte sich der FC Chelsea im Hinspiel vor zwei Wochen in der griechischen Hafenstadt Piräus. Vierzehn Tage später eine Leistung wie ausgewechselt: Forsch, dynamisch, offensiv. Ohne Probleme und mit einem bärenstarken Mittelfeld-Duo Lampard/Ballack zieht das Team von der Themse in das Viertelfinale ein. Bereits nach fünf Minuten brachten eine tolle Hereingabe von Lampard und ein wuchtiger Kopfball des deutschen Nationalmannschaftskapitäns die Führung. Und auch den Beweis, dass die Frage durchaus nicht Ballack oder Lampard heißen muss. Frank Lampard legte nach 25 Minuten das 2:0 nach, Kalou machte mit dem 3:0 nach dem Seitenwechsel alles perfekt. Trainer Avram Grant hatte seine “Blues” exzellent eingestellt: Von der ersten Minute an machten sie genau das, was Olympiakos nicht mag: Die Räume eng, den Ball mit sicheren Passstafetten hin und her spielen und mit entscheidenden “Nadelstichen” die Tore erzielen. Das war ein Spiel mit Stil einer europäischen Spitzenmannschaft. Nun darf man aber ob des Sieges nicht zu überschwänglich werden: Olympiakos war ungefährlich wie nie zuvor in dieser Saison.

Mirko Slomka bleibt vorerst Trainer von Schalke 04. Mit dem Erreichen des Viertelfinales sollte sich nun eigentlich erst einmal der Sturm der Schelte am Übungsleiter legen. Wenn Slomka so weiter macht, ist er selbst bald ein Trainer mit “internationalem Standing”, wie der hyperventilierende Vereinspräsident Josef Schnusenberg respektlos gefordert hatte. So groß die Freude nach dem diesem Erfolg auch ist, wenn man das Spiel in Porto nüchtern analysiert, hat sich bei weitem nicht alles mit einem Schlag zum guten gewendet. Vielmehr war die Leistung der königsblauen Mannschaft eine Offenbarung der Schwäche vom FC Porto. Jede andere Mannschaft im Achtelfinale hätte Schalke gnadenlos auseinander genommen. Doch natürlich gehört auch das Glück dazu, dass ihnen ausgerechnet der schwächste Gegner zugelost wurde. Nur in den ersten zehn Minuten machte Schalke das, was Trainer Slomka vorher gefordert hatte: Porto vom eigenen Tor fernhalten und gezielte “Nadelstiche” in Form von Kontern setzen. Dafür verzichtete er sogar auf seinen Lieblings-Wühler Asamoah und brachte Halil Altintop als schnellen zweiten Stürmer neben Kuranyi. Aber spätestens mit der ersten 100%-igen Torchance durch Tarik Sektioui nach 15 Spielminuten war klar, dass Porto hier den Ton angibt. In der Folge verlief das Spiel auf ein Tor, und Schalke durfte sich bedanken, dass Porto ebenso träge und unbeholfen stürmte wie die Gelsenkirchener selbst. Zwei weitere Torchancen bis zur 120. Spielminute vereitelte Manuel Neuer mit sensationellen Reflexen, und scheint seine Formkrise aus der Hinrunde nun endgültig abgelegt zu haben. Er war der Garant für den späteren Erfolg. Erst recht im Elfmeterschießen, wo er zwei Elfmeter glänzend pariert hat. Der Spieler des Spiels, Weltklasseleistung und eine glatte 1 mit einer Unmenge an Sternchen hat sich der Jung-Torwart verdient. Ich muss zugeben, dass ich in der Sympathie-Frage der jungen Torhüter eher zu René Adler tendiere, weil mich die provokant-lässige Art von Manuel Neuer zu sehr an Jens Lehmann erinnert. Aber das, was er in Porto abgeliefert hat, war wirklich unglaublich. Über Sinn und Unsinn einer Schalker Qualifikation für das Viertelfinale zu philosophieren, ist eigentlich zwecklos. Aus der Sicht eines deutschen Fussball-Fans kann das nur ein großer Erfolg sein, wenn sich einmal ein anderer Verein aus der Bundesrepublik außer dem FC Bayern München von seiner besseren Seite zeigt. Sportlich waren die Duelle zwischen Porto und S04 sicher die schwächsten in dieser Runde, was Schalke im Hinspiel gezeigt hat, machte Porto im Rückspiel: Spiel auf ein Tor mit zu vielen Fehlern im Spielaufbau. Nehmen wir es einmal so: Keiner von beiden hat sich das Viertelfinale wirklich verdient erarbeitet, das Team mit etwas mehr Glück und dem besseren Torwart hat gesiegt.

Jetzt bleibt noch die Frage, wer das achte Team in der nächsten Runde sein wird. Kommenden Dienstag treffen Inter Mailand und FC Liverpool aufeinander. Darüber berichten wir dann im gegebenen Rahmen. Für die Auslosung nächsten Freitag wünsche ich mir als Schalker Gegner entweder Fenerbahce Istanbul oder Manchester United. Abschließend möchte ich nochmal auf das Live-Blogging vom Bundesligaduell im UEFA-Pokal zwischen Bayer Leverkusen und Hamburger SV, heute ab 21.00 Uhr auf “Abenteuer Fussball” hinweisen.

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Slomka Fighting

Posted by Max on März 04, 2008
Champions League / No Comments

Nachdem uns am Wochenende Emma einen Besuch abgestattet hat, legt sich zumindest der meteorologische Sturm auf den europäischen Fussball-Plätze. Aus rein sportlicher Sicht hingegen stellen die Spiele heute und am Mittwoch einen entscheidenden Punkt im Saisonverlauf der Vereine dar. Aus der Erfahrung ist ab dem Viertelfinale der Wettbewerb noch viel weniger von möglichen Klassenunterschieden beeinflusst. Ohne dabei eine dumme Faustregel aus dem Boden zu stampfen, aber wer sich für das Viertelfinale in der Champions League qualifiziert, hat auch realistische Chancen, den Titel am Ende der Saison zu gewinnen. Und mittendrin der FC Schalke 04, die pünktlich zum vorläufig größten Augenblick der Vereinsgeschichte den aus der Vergangenheit bekannten Selbstzerfleischungsprozess wieder in Gang gesetzt haben. Aufgrund einer UEFA-Regel, dass nicht zwei Spiele im selben Stadion an zwei Tagen hintereinander durchgeführt werden dürfen, findet das Rückspiel zwischen Inter Mailand und dem FC Liverpool erst nächste Woche Dienstag statt. Damit gibt es also heute nur den Blick auf sieben Spiele.

AC Mailand – Arsenal London (Di., Schiri: Plautz/AUT, Hin: 0:0)

Im Hinspiel verpassten die “Gunners” aus London, trotz zahlreicher Torchancen sich eine komfortable Ausgangsposition für dieses Spiel zu verschaffen. Stattdessen bringt das torlose Remis das Problem, dass Arsenal jetzt mindestens ein Auswärtstor erzielen muss, um die nächste Runde zu erreichen. Doch gerade am vergangenen Wochenende zeigte sich wieder, dass die Effektivität momentan der größte Schwachpunkt im Team von Arsenè Wenger ist: Gegen Aston Villa stürmte Arsenal quasi 45 Minuten lang auf ein Tor, doch den Ausgleich erzielte Nicklas Bendtner erst zwanzig Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit. Und gegen ein Team von der defensiven Klasse des AC Mailand wird man nicht so viele Torchancen bekommen wie gegen die Mannschaft aus Birmingham. Auf jeden Fall entgegen kommen dürfte Arsenal aber, dass beim AC Mailand momentan eine Diskussion um die Veränderung des überalterten Kaders angelaufen ist. Trainer Carlo Ancelotti spricht von “Notstand”, am Samstag gab es ein dürftiges 1:1 zu Hause gegen Lazio Rom, nicht das erste schwache Spiel der Rot-Schwarzen vor dem eigenen Publikum. Im Tor scheint der Australier Kalac jetzt endgültig Dida abgelöst haben, der Brasilianer verspielte nicht zuletzt mit seiner dämlichen Einlage in Glasgow den letzten Kredit auf der großen Fussball-Bühne. Es wird auf jeden Fall ein interessantes Spiel, aber wohl auch wieder ein sehr defensives, abwartendes. Ich wäre auf jeden Fall nicht verwundert, wenn die Begegnung erst in der Verlängerung entschieden wird.

FC Sevilla – Fenerbahce (Di., Schiri: Busacca/SUI, Hin: 2:3)

Fünf Tore und ein Spiel mit viel Tempo sahen die Zuschauer vor zwei Wochen am Bosporus. Diese wiederum quittierten es mit einer fantastischen, emotionalen Stimmung auf den Rängen. Gleiches erwarte ich heute auch vom Publikum in Andalusien, gerade bei dem Duell mit Schalke 04 vor zwei Jahren und im Endspurt des UEFA-Pokals der Vorsaison wurde das wieder deutlich. Die Spanier konnten die großen Ambitionen, mit denen sie aus der Vorrunde gestartet waren, zunächst nicht bestätigen. Drei Gegentore in der Türkei sind eigentlich zu viel gewesen. Doch mit zwei selbst erzielten Treffern wurde der Schaden zumindest noch in Grenzen gehalten, ein 1:0 würde Sevilla nun eigentlich schon reichen. Die Form scheint aber momentan nicht die Beste: Am Wochenende setzte es eine 1:2 Niederlage beim Abstiegskandidaten aus La Coruna. Doch auch Fener konnte nicht überzeugen bei ihrer Generalprobe, 0:0 bei Ankaragücü. Zu verlieren haben die Türken aber nichts, in diesem Duell galt und gilt Sevilla eigentlich als Favorit. Somit erwarte ich wiederum ein offenes Spiel mit vielen Torchancen.

FC Barcelona – Celtic Glasgow (Di., Schiri: Vink/NED, Hin: 3:2)

So gut die tapferen Schotten im Hinspiel mitgespielt haben, so enttäuschend war im Endeffekt das Ergebnis. Das 3:2 macht die Sache eigentlich zu einem Selbstläufer für Barca, denn auswärts hat Celtic in den letzten 300 Jahren nichts mehr gerissen im Europapokal. Mir fällt auch wirklich kein Grund ein, warum dieses Spiel unbedingt zu großer Spannung geredet werden sollte. Die Luft ist eindeutig raus, Barca wird vielleicht versuchen, Celtic mit einem frühen Tor das letzte laue Lüftchen aus den Segeln zu nehmen.

ManU – Olympique Lyon (Di., Schiri: Rosetti/ITA, Hin: 1:1)

Im Gegensatz zum Spiel in Katalonien ist die Begegnung im Old Trafford eine spannende Sache. Das Spiel vor zwei Wochen offenbarte eine Lyoner Mannschaft, die durchaus gewillt ist, nach der durchwachsenen Vorrunde jetzt den Kampf aufzunehmen. Ärgerlich und schmerzlich ist freilich das späte Gegentor Carlos Tevez, so verdient es auch war. Manchester United kommt mit einem flotten 3:0-Sieg in London beim FC Fulham daher, ist jetzt wieder bis auf einen Zähler an Tabellenführer Arsenal dran. Im Gegensatz zum Konkurrenten aus der Hauptstadt rollt die ManU-Offensive selbst bei Fehlen von Rooney und/oder Ronaldo, einer trifft eigentlich immer das Tor, wie jetzt Owen Hargreaves per Freistoß oder Reserve-Spieler Ji-Soon Park. Auch Lyon konnte sein letztes Spiel vor der schweren Aufgabe in Manchester erfolgreich gestalten: Vor neuer französischer Rekordkulisse gewann Olympique 1:0 in Lille. Gegen ManU wird man sich aber sicher erst einmal auf defensive Aufgaben beschränken, aber natürlich muss irgendwann auch ein Tor fallen, denn ein torloses Unentschieden reicht wegen der bekannten Auswärtstor-Regel natürlich nicht aus. Somit ist es ein Spiel wie gemalt für ManU, gegen einen Kontrahenten, der selber zum Erzielen eines Treffers verdammt ist.

Real Madrid – AS Rom (Mi., Schiri: Vassaras/GRE, Hin: 1:2)

Der AS Rom zeigte sich nun schon zum zweiten Mal als Favoritenschreck. Im Vorjahr traf es Olympique Lyon, diesmal Real Madrid? Dazu braucht es aber eine konzentrierte Leistung in Spanien, denn Real konnte sich durch zumindest einen Treffer im Hinspiel eine ordentliche Ausgangsposition erarbeiten. Am Wochenende haben beide Sturmreihen noch einmal die Muskeln spielen lassen, wenn auch nur bei Abstiegskandidaten. Real schaffte einen 3:2-Erfolg bei Recreativo Huelva durch einen 15-Minuten-Doppelschlag von Robinho sowie einen Treffer von Robinho. Die Roma triumphierte 4:0 gegen den AC Parma. Das wohl größte Pfund für die Madrilenen sollte ihre Heimstärke sein, die sie in dieser Europapokal-Saison bereits mehrfach unter Beweis gestellt haben. Vor dem Opern-Publikum trumpfen die “Königlichen” regelmäßig zu starken Sturmleistungen auf. Gegen die Roma wäre ein frühes Tor das probate Mittel, um die frechen Italiener in den Griff zu bekommen. Aber aufgepasst: Francesco Totti spielt momentan in großer Form auf! Viel wird davon abhängen, wie der AS Rom die ersten 20, 30 Minuten im Bernabeu übersteht, geschieht das schadlos, ist die Überraschung durchaus im Bereich des Möglichen.

Chelsea – Olympiakos Piräus (Mi., Schiri: Gonzalez/ESP, Hin: 0:0)

Das 0:0 im Hinspiel war sehr mager, ein lustloser Vortrag der “Blues” gegen mittellose Griechen. Wohl wieder mit dem in starker Form aufspielenden Michael Ballack sehe ich ein typisches Chelsea-Match kommen. Viel defensive Aktion, einige Torchancen, bis irgendwann das 1:0 fällt und anschließend abgesichert wird. Beim 4:0 im Derby gegen West Ham hat sich das Team von Avram Grant schin einmal warm geschossen, spielte dabei sogar 55 Minuten in Unterzahl, weil Frank Lampard schon früh nach einer Tätlichkeit vom Platz gestellt wurde. Für Olympiakos wird das Abenteuer Champions League wohl am Mittwoch, gegen 21.40 Uhr Ortszeit London sein vorläufiges Ende nehmen. Gerade das 1:1 gegen Asteras Tripolis zeigte wieder einmal die Ungefährlichkeit des Sturmes der Griechen. Nur Kampf und hoher Einsatz alleine reicht eben nicht aus.

FC Porto – Schalke 04 (Mi., Schiri: Webb/ENG, Hin: 0:1)

Das Spiel in Porto wird eines der wichtigsten Spiele in der Saison für die königsblauen Schalker. Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge in der Bundesliga und der aufkommenden Trainer-Diskussion, die sich anscheinend schon extrem zugespitzt hat, würde das Ausscheiden in der Champions League vielleicht sogar das Ende der Ära Slomka in Gelsenkirchen bedeuten. Am Samstag im Spitzenspiel gegen Bayern war S04 nicht mehr als eine billige Vorspeise für den Tabellenführer. Die Harmlosigkeit wurde wieder einmal unterstrichen, die offensiven Spieler verdienten sich im kicker die Noten 5 (Rakitic, Sanchez); 5,5 (Kuranyi) und 6 (Grossmüller, Asamoah). Anschließend holte Kapitän Marcelo Bordon zum Rundumschlag aus. Rückendeckung für den Trainer sieht anders aus: “Das bringt nichts, nur zu sagen: Der Trainer ist gut, der Trainer soll bleiben.”. Bordon hinterfragt die Einstellung der Mannschaft, kritisiert die Kollegen Jones, Ernst und Rafinha, die sich unsinnige Gelb- bzw. Gelb-Rot-Sperren eingehandelt haben. Mehrfach wird auch deutlich, dass anscheinend momentan nur wenige Spieler auf Schalke 100 % geben. Die Trainerdiskussion ist natürlich unnötig, aber wieder einmal ein besonderes Schmankerl, was wäre Schalke nur ohne all diese sinnlosen selbst in Umlauf gebrachten Spekulationen? Besonders überzeugend klang das auf keinen Fall, was Manager Müller am Samstag in der Sportschau zur Jobsicherheit für Slomka von sich gegeben hat. Und auch Heiko Westermann reagierte eher trotzig auf die Trainerfrage: “Bin ich Hellseher?” Auch wenn es aus meiner Sicht ein völlig falscher Schritt ist, Slomka nach einem möglichen Ende in der Champions League vor die Tür zu setzen, ausgeschlossen ist das nicht, vielmehr sogar recht wahrscheinlich. Dann sollten sich aber auch die Verantwortlichen fragen, ob sie nicht eher das Ausscheiden auf dem Gewissen haben. Einen ungünstigeren Zeitpunkt für die Trainer-Kritik hätte man sich nicht aussuchen können. Gegen Porto muss also alles besser werden. Vielleicht hilft dabei ja wenigstens, dass Porto in Hinspiel und am Wochenende im Stadt-Duell mit Boavista kein Tor geschossen hat und damit ähnlich ungefährlich ist wie die Schalker selbst. Man erwarte vom Spiel im “Drachenstadion” keinen Augenschmaus, eher eine umkämpfte, ruppige Partie mit wenigen spielerischen Highlights.

Trotz aller Skepsis drücke ich Schalke natürlich die Daumen, denn ein deutscher Verein im Viertelfinale wäre schon eine tolle Sache. Die Analyse dazu und zu allen anderen Spielen gibt es am Donnerstag. Morgen blicken wir dann auf das Achtelfinale im UEFA-Pokal.

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CL-Analyse: Schalke legt vor

Posted by Max on Februar 21, 2008
Champions League / No Comments

[ Hier gibt es die Analyse der Achtelfinale-Hinspiele der Champions League. Zur Vorschau auf den UEFA-Pokal hier entlang… ]

Ein ganz wichtiger Sieg für den Verein, aber eigentlich für den gesamten deutschen Fussball gelang dem FC Schalke am Dienstag in der eigenen Arena gegen den FC Porto. Mit dem 1:0-Erfolg legten die Königsblauen den Grundstein auf dem Weg in die nächste Runde. Eng ist es trotzdem noch, wie bei fast allen anderen Spielen bei diesem Spieltage der Runde der besten 16 Vereine Europas.

Die wenigsten Probleme sollte eigentlich der FC Barcelona mitnehmen. Erstaunlich torreich gestaltete sich deren Gastspiel bei Celtic in Glasgow, und die Katalanen mussten sich doch heftig bemühen, die tapferen Schotten nicht unnötig stark für das Rückspiel zu machen. Durch Tore von Vennegoor of Hesselink und Robson führten die Hausherren sogar zur Halbzeit mit 2:1, zwischendurch hatte der überragende Lionel Messi den Ausgleich für Barca besorgt. Doch mit nur fünf Torschüssen im gesamten Spiel war nach dem Seitenwechsel keine Steigerung mehr möglich, stattdessen wackelte die sonst so sattelfeste Celtic-Defensive. Dazu spielte Barca in die Karten, das sie gestern mal wieder einen richtig guten Abend aus der Wundertüte gezaubert hatten und sich Torchancen in Hülle und Fülle erspielen konnten. Das laufintensive Spiel von Celtic begeisterte zwar die frenetischen Fans, reicht aber in der europäischen Spitze nicht aus. Durch ein weiteres Tor von Messi und einem Treffer von Henry drehten die Gäste das Spiel zu ihren Gunsten. Damit ist die Ausgangsposition für das Rückspiel in zwölf Tagen exzellent: Drei Auswärtstore im Rücken und den Sieg dazu. Für die Schotten müssten alle unwahrscheinlichen Fälle zusammenkommen: Ein Sieg in Camp Nou, entweder mit zwei Toren Differenz, oder im Falle von vier Toren Celtics auch ein schlichter Sieg. Wie soll das gehen?

Der Finalist der letzten Saison, FC Liverpool, hat ungleich bessere Vorraussetzungen für das Rückspiel, welches aus reglementtechnischen Gründen erst am 11. März gespielt wird. Zwei sehr späte Treffer druch Kuijt und Gerrard gegen Inter Mailand brachte die “Reds” auf die richtige Bahn. Bedanken kann sich der Großteil der 41.999 Zuschauer aber beim belgischen Referee Frank De Bleeckere, der Marco Materazzi nach zwei 08/15-Fouls vom Platz stellte und Inter eine Stunde lang mit nur zehn Akteuren auskommen musste. Klar, das so kein großer Angriffswirbel möglich war, wie ihn ein Ibrahimovic in Topform durchaus hätte versprechen können. So war es der erhoffte Befreiungsschlag für den FC Liverpool und Trainer Rafael Benitez nach der peinlichen Pleite gegen Barnsley am Wochenende. Inter Mailand konnte wieder einmal die großen Erwartungen nicht erfüllen, das erneute Ausscheiden droht. Im Rückspiel bedarf es einer Leistungssteigerung, vor allem was die Torgefährlichkeit angeht.

Ohne Esprit und den nötigen Schwung kam der europäische Finanzkrösus FC Chelsea nicht über ein 0:0 bei Olympiakos Piräus hinaus. Einzig die Zuschauer im Stadion in der Athener Hafenstadt hatten Königsklasse-Niveau, was man von Spiel und Rasen nicht behaupten kann. Vor dem Spiel gab es in Griechenland heftige Schneefälle, die das Grün zu einem harten, hoppligen Geläuf machten. Das Feld musste sogar mit Schaufeln vom Schnee befreit werden. Diesen Bedingungen passten sich auch dei beiden Mannschaften an. Olympiakos kam über einige wenige gefällige Aktionen bis zur Strafraumgrenze nicht hinaus, Chelsea drückte erst in der Endphase nach der Doppeleinwechslung von Nicolas Anelka und Salomon Kalou zaghaft auf den Treffer. Erwähnenswert ist, dass Avram Grant im Mittelfeld Michael Ballack den Vorzug gab, Lampard wurde erst nach 86 Minuten für den deutschen Nationalspieler eingewechselt. Doch auch Ballack überzeugte an diesem Abend nicht. Für das Rückspiel hat Chelsea mit ihrer Heimstärke den größten Kredit. Ich weiß nicht, wie lange die “Blues”, die am Dienstag in lumenszierenden Gelb spielten an der Stamford Brigde nicht mehr verloren haben. Es wird wohl auch in zwei Wochen ein zähes Spiel, ein typisches Chelsea-Spiel mit einem Tor und lässiger Verwaltung der Führung.

Ohne Tore mussten auch die Fans des anderen Vertreters aus London auskommen. Im Spitzenspiel des Spieltages trennten sich der FC Arsenal und Titelverteidiger AC Mailand torlos. Im Vorfeld war viel über die harte 0:4-Abfuhr Arsenals im FA-Cup bei Manchester United gesprochen worden, doch mit der Rückkehr einiger Stammspieler in die Startformation besserte sich auch das Spiel der “Gunners”. Zwar war das Tempo der Begegnung durchaus ansprechend, aber die Neutralisierung im Mittelfeld versperrte diesem Aufeinandertreffen den Weg zu den Toren. Der AC Mailand war anscheinend auf gar nichts anderes aus, als ein 0:0 aus dem Emirates Stadium zu entführen, welches dann im eigenen Stadion verwaltet und gezuckert zu einem spröden 1:0-Sieg verarbeitet wird. Wenigstens gab sich Arsenal in einigen Situationen nicht die Blöße, den azurblauben Verweigerungsfussball mitzuspielen. Aber zahlreiche Torchancen reichten nicht, was Blogger-Kollege Felix in den Wahnsinn trieb, und auch mit Blick auf die Mailänder Heimstärke fatal ist. Ich habe die schlimmsten Befürchtungen, was die Entscheidung in diesem offenen Duell angeht. Die Spieler des AC Mailand sind zu abgezockt, um diese Vorlage nicht umzusetzen. Positiv ist die Teilnahme von Jens Lehmann am Spiel zu erwähnen, der mit einigen Paraden seinen Job tadellos erledigte, genauso wie auf der anderen Seite Kalac, der Dida vertrat, dessen Zeit in Mailand langsam abzulaufen scheint.

Entweder Bernd Schuster hat vor dem Spiel nicht auf “Abenteuer Fussball” vorbeigeschaut, oder es gelingt ihm nach einem halben Jahr als Trainer in Real Madrid nicht, den “Königlichen” die Arroganz auszutreiben. Chronische Selbstüberschätzung und eine heftige Fehlinterpretation der Heimstärke des AS Rom brachten der Roma überraschend einen 2:1-Sieg gegen die Madrilenen. Nach der frühen Führung durch Raul drehten die Hausherren, begleitet von 60.000 Besuchern im Olympiastadion das Spiel durch Treffer von Pizarro und Mancini. Damit erarbeiten sich die Italiener wie bereits vor einem Jahr eine exzellente Position für das Rückspiel, seinerzeit wurde Olympique Lyon 2:0 besiegt. Die Leistungen der spanischen Konkurrenten Real Madrid und FC Barcelona scheinen sich in Primera Division und Champions League genau gegensätzlich zu entwickeln, was angesichts des hohen Stellenwerts der Königsklasse natürlich den Druck auf Bernd Schuster für das Rückspiel erhöht. Der deutsche Coach ist zwar momentan unangefochten, jedoch würde ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Wettbewerb ihn auf die gleiche Erfolgsstufe stellen wie den ungeliebten Vorgänger Fabio Capello. Unangebracht fand ich die Schiedsrichter-Schelte des “Blonden Engels”. Nicht verdient habe es Herbert Fandel, ein Landsmann des Schusters zu sein. Dabei ist das doch überhaupt nicht der Fall: Während Schuster Schwabe im Exil ist, war im Fandelschen Haus in der Pfalz einer von nur 993 Einwohnern Kyllburgs ausgeflogen.

Ohne Schiedsrichterschelte kamen gestern Olympique Lyon und Manchester United aus. Unter der hervorrangenden Leitung des spanischen Unparteiischen Luis Medina Cantalejo trennten sich die beiden Teams im französisch-englischen Vergleich schiedlich friedlich 1:1. Sowohl Lyon als auch ManU boten nur eine Sturmspitze auf, weshalb die anfängliche Vorsicht nicht verwunderte. Am ehesten lösten sich noch die Hausherren von den Vorgaben, kamen hin und wieder zu einer Torchance. Über weite Strecken spielte sich das Geschehen im Mittelfeld ab, jedoch mit hohem Tempo. Nur Mitte der ersten Halbzeit schleppte sich die Sache etwas. Zuvor ging Olympique verdient aufgrund höherer Spielanteile durch Karim Benzema in Führung, der insgesamt für viel Unruhe in Manchesters Abwehrreihen sorgte und das Duo Ferdinand/Vidic mächtig beschäftigte. Nach diesem Rückstand dauerte es einige Zeit, aber ManU kontrollierte die Begegnung fortan. Jedoch gelant erst drei Minuten vor dem Ende der Ausgleichstreffer durch den zuvor eingewechselten Carlos Tevez. In der Summe eine gerechte Punkteteilung bei einem offenen Schlagabtausch, der beiden Teams alle Optionen für das Rückspiel offen lässt. Dabei sollte Manchester wegen der erst am letzten Wochenende präsentierten Heimstärke die etwas besseren Karten haben.

Die angenehmste Überraschung des Spieltages war für mich das forsche 3:2 von Fenerbahce Istanbul gegen den FC Sevilla. Damit wiesen die Türken einmal mehr ihre gute Form nach, die sie schon seit einem Vierteljahr unbesiegt lässt. Angetrieben von einem fantastischen Publikum brauchte es aber drei Führungstreffer und jede Menge stabiler Nervendrähte, ehe der Erfolg feststand. Die Führung nach 17 Minuten durch Mateja Kezman egaliserte Istanbuls “Goalgetter” Edu Dracena mit seinem zweiten Eigentor im laufenden Wettbewerb. Im zweiten Durchgang legte das Spiel noch einmal an Intensität zu, Fener kämpfte bis zum Umfallen und verdient sich ein Bonusheft mit Fleißkärtchen. Lugano (57.) und Semih (87.) ließen den Ausgleich durch Escudé nach 66 Minuten vergessen und den Bosporus zum Tollhaus werden. Gespannt bin ich jetzt auch auf das Rückspiel. Sevillas Publikum ist ähnlich leidenschaftlich wie die türkischen Anhänger, zudem bringen zwei Auswärtstore eine gute Ausgangslage. Ein gefährliches Resultat für den türkischen Meister: Einerseits gewonnen, andererseits ist es auch verdammt eng. Fenerbahce braucht eine konzentrierte Leistung, um in Andalusien zu bestehen.

Damit abschließend zum erfreulichsten Resultat der Hinspiele aus deutscher Sicht: Schalkes 1:0-Erfolg über den FC Porto. Zuvor gab es eine schwache Leistung bei der 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg, während Porto in Portugal die Liga dominiert und am Freitag auch ohne Probleme auf Madeira 3:0 gegen Maritimo gewinnen konnte. Aber der Europapokal ist ein anderes Geschäft – Porto wirkte ängstlich, zurückhaltend, nervös. Aus diesem Blickwinkel ist es wirklich schade, dass sich Schalke nicht mit dem ein oder anderen Tor mehr eine bessere Position für das Wiedersehen im Drachenstadion am 5. März geschaffen hat. Stürmisch begann das Team von Mirko Slomka, bereits nach vier Minuten klingelte es im portugiesischen Tor. Auch in den folgenden zwanzig Minuten bestimmte Schalke das Spiel, anschließend aber wurde der FC Porto unnötig aufgebaut. Viele Fehlpässe und katastrophale Ballverluste im Mittelfeld, hektisch gespielte Angriffe brachten Unruhe in das Spiel. So baute das Niveau immer weiter ab, im zweiten Durchgang passierte fast nichts mehr. Immerhin muss die Schalker Defensivarbeit gelobt werden, die wirklich gut funktioniert hat und Porto somit erstmals in dieser Saison ohne eigenes Tor im Europapokal blieb. Traurig aber war die Vorstellung der Angreifer, nur Kevin Kuranyi und Ivan Rakitic konnten im ersten Durchgang etwas wirbeln, auch ihre Arbeit verpuffte nach dem Seitentausch. Nicht ganz nachvollziehen kann ich die positive Bewertung im kicker. So erhält etwa ein Gerald Asamoah auf Schalker Seite die Note 4, obwohl er nicht eine vernünftige Aktion eingeleitet hat. Auch bei Porto muss ich ein wenig den Kopf schütteln: Quaresma Note 3? Außer zehn Freistößen, die in einer furchteinflößenden Ein-Mann-Mauer hängen geblieben sind, und einigen Außenristpässen zum Gegner kam doch nicht besonders viel. Insgesamt muss konstatiert werden, dass für Schalke viel mehr drin war, als dieses 1:0. Wunschergebnisse erreichen ist zwar schön, aber man könnte auch mal darüber hinaus gehen.

Acht spannende Spiele stehen auch in zwei bzw. drei Wochen auf dem Programm, denn kein Team konnte sich einen extrem komfortablen Vorsprung erarbeiten. Für alle 16 Mannschaften ist bei den Rückspielen noch alles möglich. Auch dann meldet sich “Abenteuer Fussball” wieder mit ausführlicher Berichterstattung.

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