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Späte Tore in London 3. Januar 2012

Posted by Max in : Fussball International , 1 comment so far

Wir schreiben gerade den dritten Tag im neuen Jahr und in England wird weiterhin Fussball gespielt, als gäbe es weder Feiertage noch den Jahreswechsel. Dabei patzten am letzten Spieltag im alten Jahr die Top-Teams der Liga nahezu geschlossen, sodass es am Ende trotz überraschender Außenseitererfolge (z.B. dem Sieg von Blackburn bei Sir Alex Fergusons 70. Geburtstagsparty am Silvestertag) keine Veränderungen in der Tabellenkonstellation gab. Mit genau null Tagen Pause wurde gestern Nachmittag nun auch schon die 20. Spielrunde der Saison eingeläutet: Mit einem interessanten Double-Header, der zwei Last-Minute-Erfolge für die beiden Londoner Nachbarteams Chelsea und Fulham brachte.

Den Anfang machten zur besten Teezeit am Montagnachmittag die “Blues” vom Chelsea FC. Im alten Jahr wurden sie kurz vor dem großen Feuerwerk noch vom Stadtrivalen Arsenal auf den fünften Rang verdrängt – ein Platz, der bloß für die Europa League Zugang verschafft und somit wohl den Super-GAU für den ambitionierten Mäzen aus Russland darstellen würde. Den Meistertitel können Abramowitsch und Chefcoach Vilas-Boas in Anbetracht von elf Punkten Rückstand auf Manchester ohnehin schon vergessen, aber beim Verpassen der Qualifikation für die Königsklasse wäre der portugiesische Trainer wohl kaum zu halten. Dabei sollte mit ihm doch alles besser werden: Anknüpfen an die erfolgreichen Zeiten mit Vilas-Boas’ Lehrmeister Mourinho, dazu noch schönen Fussball darbieten. Nun stand man also vor der Auswärtspartie gegen Abstiegskandidat Wolverhampton unter Druck, den Anschluss an die ersten Vier der Liga nicht zu verlieren.

Am Ende darf sich Chelsea aber nicht mehr als ein “Pflichtaufgabe erledigt” in das Klassenbuch schreiben. Im Molineux Stadium tat man sich lange Zeit sehr schwer gegen einen kompakten, freilich auch sehr defensiv eingestellten Gegner. Die Wolves, vom ehemaligen irischen Nationalcoach Mick McCarthy betreut, machten den Gästen das Leben lange Zeit schwer. Mit etwas Glück – der Pfosten rettete zweimal für Petr Cech – hätte man im ersten Durchgang sogar in Führung gehen können. Chelsea spielte zwar durchaus einen ergebnisorientierten Fussball, wirkte aber oft auch planlos. Und Frank Lampard hätte sich nicht beschweren dürfen, wäre er bereits früh im Spiel von Referee Peter Walton vom Platz gestellt worden. Nach einem aus meiner Sicht klar rotwürdigen Foul gab es nur Gelb. Walton verlor nach dieser Aktion für einige Zeit komplett den Durchblick und das richtige Maß, verteilte in acht Minuten fünf Verwarnungen, später beruhigten sich die Akteure aber von selbst. Es ging mit 0:0 in die Pause. Nach dem Seitenwechsel war es Ramires, der die Blues in Führung brachte. Aber dieser Treffer konnte nicht für die nötige Selbstsicherheit sorgen. Hätte man unter Mourinho diese Führung problemlos nach Hause geschaukelt, wurde es nochmal spannend. Stephen Ward erzielte in der 84. Minute den Ausgleich – das Stadion tobte. Doch einen hatte Chelsea noch in der Hinterhand: Frank Lampard traf fünf Minuten später zur erneuten Führung und markierte damit den Siegtreffer. Obwohl er eigentlich gar nicht mehr hätte mitwirken dürfen.

So war es ein dreckiger Arbeitssieg für Chelsea, der zumindest für ein paar Tage wieder etwas Ruhe bringt und sie auch in der Tabelle wieder an Arsenal vorbei auf Platz 4 schiebt. Denn die “Gunners” leisteten sich den großen Fehlgriff und unterlagen den Südlondonern vom Fulham FC. Es war eine typische Arsenal-Niederlage, wie man sie so oft in den letzten Jahren gesehen hat: Drückend überlegen, zahlreiche Torchancen, am Ende aber grandios gescheitert. Im ersten Durchgang dominierten sie komplett die Partie, gingen durch Koscielny auch verdient in Führung. Jedoch verpassten sie es, die Führung auszubauen. Nach der Pause kämpften sich die “Cottagers” zurück in die Partie und bestraften die Gäste für ihre Passivität. Den endgültigen Wendepunkt markierte die 78. Minute, als Arsenals Verteidiger Johan Djourou mit Gelb-Rot berechtigt vom Feld verwiesen wurde. Dieser Platzverweis erzürnte zwar Trainer Arsene Wenger, war aber verdient. Die Endphase wurde vom leidenschaftlichen Kampf der Hausherren geprägt und endete in einem fast typischen Fulham-Finish: Sidwell traf nach einer Ecke zum Ausgleich (85. Minute), Zamora in der Nachspielzeit zum großen Erfolg.

Ein viertel Achtelfinale 18. Februar 2010

Posted by Moritz in : Champions League , add a comment

Vor der Saison hatte ich noch ein wenig gestutzt, warum für das Achtelfinale der Königsklasse auf einmal acht Termine im Spielplan standen, wobei die Logik ja eigentlich bestechend ist ein solches in Achtelhäppchen zu präsentieren. Vielleicht findet sich die Zahl Acht im Verlauf der Runde ja noch häufiger wieder.

Dafür gab es aber auch einige mitreißende Spiele. Den Auftakt in dieser Serie machte der französische Ex-Serienmeister aus Lyon gegen die das Millionenballet aus Madrid. Im Vorhinein wurden den Franzosen auch an gedenk ihrer aktuellen schwächelnden Tabellensituation kaum große Chancen eingeräumt. Dich diese wollten sie sichtbar nutzen. Drängten von der ersten Minute an auf das Tor der Madrilenen und erspielten sich gegen den überfordert wirkenden Gegner Chance um Chance. Das Leder wollte nur nicht ins Tor. Vor allem Delgado scheiterte das ein oder andere Mal.  Eine Offensive seitens der Gäste fand nicht statt, dazu waren sie viel zu sehr und mehr schlecht als recht in ihrer Deckung beschäftigt. Doch ein Tor gelang den Franzosen erst nach der Pause, als Makoun sich den Ball eroberte einige Schritte außerhalb des Sicherheitsabstandes jeglichen Gegners voranschreiten konnte, bevor er den Ball aus über 20 Metern über den zu weit vor dem Tor stehenden Casillas hinweghob. Erst als ihnen gegen Ende der laufintensiven Partie etwas die Luft ausging kam Real, auch wenn zwingend Aktionen anders aussehen. Im Verlauf des Spiels konnte man sich schon fragen, wo die vielen Millionen aus dem Sommer geblieben sind. Vorgestern standen sie zu den fast bescheidenen knapp 70 Millionen, die Lyon im Sommer in die Hand nahm, in keinem Verhältnis, so dass wieder einmal das frühe Aus droht. Im Nachhinein kann man Lyon nur einen Vorwurf machen. Sie haben bei dem verdienten Sieg und ihrem Dominanten auftreten es einfach verpasst, den Sack schon für das Rückspiel zu zu machen.

Ein ähnliches “Missgeschick” unterlief im Parallelspiel dem AC Milan gegen Manchester. Die alten italienischen Kempen, hatten es einfach verpasst, nach dem frühen Führungstor nachzulegen. Die Chancen dazu waren vorhanden, gleich mehrfach. Aber vielleicht wehrte sich hier der italienische Geist zu sehr in Führung zu gehen. die Briten, die zunächst nicht richtig ins Spiel fanden, bedankten sich spätestens nach einer halben Stunde für die Geduld, die man mit ihnen hatte und drehten das Spiel dann Mitte der zweiten Hälfte vollständig. Held des Abends war dabei Rooney, der mit seinem Doppelpack den sieg sicherte. Zweimal setzte er sich wunderbar gegen die nicht schaltende Milanabwehrreihe durch und ließ Dida völlig frei keine Abwehrchance. Die Rossonnieri konnten danach zwar noch einmal an ihren Sturmlauf anknüpfen, doch mehr als eine minimale Chance für das Rückspiel konnten sie sich nicht erhalten. Dazu fehlte ihnen einfach in vorderster Front die Genauigkeit. Sollten sie diese nicht bald wiederfinden, dürfte es schwer werden mit mindestens zwei Treffern im Rückspiel. Zumal Manchester dann auch sein Publikum im Rücken haben wird.

Denn hatten im gestrigen Hinspiel auch die Münchener gegen ehemaligen Verein des ehemaligen Münchners Toni. Den Respekt vor dem Gegner und seiner Form merkte man den Fiorentinern dabei durchaus an. Tief stehend behinderten sie das bekannte druckvolle Spiel der Münchener, die so zwar in Ballbesitz blieben, aber nicht in die Verlegenheit von Torchancen kamen. Auch Zange von Ribery und Robben sendete erst kurz vor der Pause erste Lebenszeichen. Der Führungstreffer kam mit einem etwas überflüssigen Elfmeter, da der Ball auch mit einem Vorteil schon im Netz gewesen war, vor der Pause gerade noch rechtzeitig. Die zweite Halbzeit setzte Van Gaal dann notgedrungen mit einem weiteren Jugendexperiment fort, da sich Van Buyten verletzt hatte und für Contento Platz machte. Auch wenn oder gerade da die erste Szene den Lilanen und ihrem Ausgleichstreffer gehörte, fanden sich die Münchenern nun besser. Endlich verstanden sie es Druck zu machen auf die Abwehrreihe der Italiener. Letztendlich brauchte es trotz einiger Chancen aber einer berechtigten Roten Karte für einen Ellenbogenschlag und der Scheuklappen des hart am Ruf eines Skandalschiedsrichters arbeitenden Övrebrö um noch den Siegtreffer zu erzielen. Klose stand dabei locker ein bis zwei Meter im Abseits, durfte sich aber trotzdem freuen. Während sich Prandelli nun dank des einen Tores über eine machbare Ausgangssituation freuen kann, dürften sich die die Münchener über ihre vielen vergebenen Chancen und das unnötige Gegentor ärgern. Auch wenn es am Ende ein glücklicher Sieg, powered by Övrebrö, war.

Mit weitaus weniger Unterstützung mussten die Kanoniere von Arsenal in Porto leben. Vielmehr machten sie sich mit duseligen Gegentoren selbst das Leben schwer. Zwar plagten das junge Team einige Verletzungssorgen, doch diese rechtfertigen sicher nicht das Verhalten vor den Gegentoren. Zunächst ließ der Almunia-Ersatz Fabianski eine Mittelding aus Flanke und Torschuss gekonnt ins eigene Tor abklatschen, bevor er dann vor dem zweiten Tor einen von Campell zwar unsinnigerweise noch einmal angestubsten Ball in die Hand aufnahm – indirekter Freistoß direkt im Strafraum. Noch ganz verdutzt davon, merkten beide erst, dass dieser schon wieder schnell ausgeführt wurde, als der Ball schon im Tor lag. Dazwischen entwickelte sich ein schnelles Spiel, in dem beide Abwehrreihen das eine oder andere Mal auf ihre Torhüter hoffen mussten. Doch nach dem schnellen, zwischenzeitlichen Ausgleich fand kein weiterer Ball den Weg ins Tor. Bis es zum obenerwähnten Faux-Pas kam, der Arsenal um das Unentschieden brachte. Beschweren dürfen sie sich aber letzten Ende wohl nur bei sich selbst, während Porto eine gute Ausgangssituation ins den Korb gelegt bekommen hat.

Eins ist nach den ersten vier Partien immerhin schon klar. Es kann sich nach dem Hinspiel keiner allzu sicher sein, die nächste Runde auch zu erreichen. Dafür waren eigentlich alle Siege zu knapp. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Europaliga-Abend.

Lehmann, Jens 10. November 2009

Posted by Max in : Bundesliga,Dritte Halbzeit , 1 comment so far

Zumindest einer kann beim VfB Stuttgart feiern. Wenn auch nur heute, denn Torwart Jens Lehmann feiert seinen 40. Geburtstag und reiht sich damit in eine Reihe der Spezies ein, die immer seltener geworden ist. Wo trifft man heute schon noch Akteure, die auch nach vier Jahrzehnten Lebenserfahrung noch die Schuhe schnüren, um am Profifussball aktiv teilzunehmen. Dem Sport bleibt er zumindest noch bis zum nächsten Sommer erhalten, dann wird er seine Karriere beenden.

Erstmals wahrgenommen hatte ich Lehmann, als er nach der Weltmeisterschaft 1998 zum AC Mailand wechselte. Wie bereits mehrfach beschrieben, war dieser Sommer vor elf Jahren der Startschuss für meine Fussballbegeisterung. Zuvor hütete Jens Lehmann zehn Jahre und in fast 300 Spielen für Schalke 04 den Kasten, wobei er bis heute der einzige Torwart ist, der aus einer normalen Spielsituation heraus einen Treffer erzielen konnte. Doch nur wenige Monate und fünf Partien hielt es der eigenwillige Schlussmann in Italien aus. Dann führte ihn sein Weg ausgerechnet zum größten Rivalen der Schalker. Ab Januar 1999 war der Nationaltorwart ein schwarz-gelber Borusse.

Und jetzt rückte er so richtig auf meinen Schirm. Lehmann wurde das Gesicht einer Mannschaft, die unter Michael Skibbe zunächst den Sprung in die Champions League schaffte, danach fast abgestiegen ist (in der Katastrophen-Saison u.a. mit Bernd Krauss und Udo Lattek auf der Trainerbank) und zwei Jahre später mit Matthias Sammer als Coach den Meistertitel holte. Und er war auch dabei, als man im UEFA-Pokal-Finale 2002 knapp gegen Feyenoord Rotterdam scheiterte. In einem Team mit Stars wie dem jungen Tomas Rosicky, Jan Koller, Marcio Amoroso und Ewerthon kristallisierte sich Lehmann als Führungsfigur heraus. Er nahm nie Rücksicht darauf, welchen Status er bei seinen Gegnern genießt – immer nur den Erfolg der eigenen Mannschaft im Blick. Das er dabei gerne, und so ist es auch noch heute, Grenzen auslotet und bisweilen überschreitet, (5 Platzverweise während viereinhalb Dortmunder Jahren) ist bekannt.

2003 erfolgte der Wechsel nach London zu Arsenal. Lehmann, der immer neue Herausforderungen suchte und jetzt die Legende David Seaman ersetzen sollte. Gleich im ersten Jahr spielte er vielleicht die beste Saison der Karriere, mit lediglich 26 Gegentoren in der Premier League führte er sein Team als großer Rückhalt durch eine Spielzeit ohne Niederlagen. Die folgenden Jahre waren immer wieder überschattet von Ränkelspielchen mit seinem Kontrahenten Manuel Almunia, zeitweise wechselten sich der Spanier und Lehmann zwischen den Pfosten ab – doch meist galt der Deutsche als Stammtorwart. Unvergessen aus seiner Arsenal-Zeit ist für mich das Champions League Finale 2006, als er bereits in der Anfangsphase vom Platz gestellt wurde. Sein Team verlor anschließend in Unterzahl und mit Almunia im Kasten gegen Barcelona noch. Die letzten zwei Jahre seiner Londoner Zeit zeichnete sich immer mehr ab, das Arsenè Wenger auf den jüngeren Almunia setzt. Dieser Torwartwechsel wurde durchaus intensiv diskutiert auf der Insel, damals widmete ich der Sache auch einen eigenen Beitrag.

Seine Tage auf der Insel waren gezählt. Und da kam es doch gerade recht, das sich der VfB Stuttgart zuvor mit Rafael Schäfer als Hildebrand-Nachfolger mächtig verhoben hatte und auch Nachwuchstalent Sven Ulreich keine Sicherheit ausstrahlte. Also war eine Stelle als erfahrener Goalie frei, Lehmann wurde Schwabe. Und auch hier sofort zum Führungsspieler. Und einer, der auch heute noch die Grenzen überschreitet. Im “Alter” wurde Lehmann immer wunderlicher, aber verbiegen lassen hat er sich nie und so schimpft er heute erst recht auf die Balljungen.

Neben Meistertiteln in drei Ländern ist Lehmann auf internationaler Ebene aber auch ein “Unvollendeter”, ähnlich wie ein Michael Ballack. Zwei verlorene Finalspiele im Europapokal, wobei er bei einer Niederlage erheblichen Einfluss auf den Spielverlauf genommen hat. In der Nationalmannschaft führte er jahrelang ein Dasein hinter Oliver Kahn. Doch anders als die zahlreichen Namen beim FC Bayern, die nur Wasserträger für den Welttorhüter waren, sprach Lehmann immer seine Ambitionen offen aus. Quasi seit der EM 2000 meldete er regelmäßig Ansprüche an auf den Platz zwischen den Pfosten im Nationalteam. Erst Jürgen Klinsmann gab ihm die 2006 die Chance, sein Können bei einem großen Turnier zu zeigen. Dort verfehlte man ja nur denkbar knapp den großen Wurf. So war es dann auch 2008 bei der Europameisterschaft.

Früher war ich ein großer Kritiker von Lehmann. Ich mochte sein Auftreten einfach nicht, es wirkte arrogant und überheblich als junger Fan. Auch die Wahl von Klinsmann, ihn zur Nummer 1 für die WM 2006 zu machen, enttäuschte mich. Es hat gedauert bis ich erkannt habe: Solche Typen braucht der Fussball. Wenn der Lehmann nicht den Gegenspieler anmotzt, Mitspielern die Pudelmütze vom Kopf reißt oder sich über Balljungen beschwert, fehlt etwas. Er meint es auch nicht böse – der will nur spielen.

Aufgepasst , die Hanse kommt 17. April 2009

Posted by Moritz in : Champions League,Europa League , add a comment

Sie haben es noch einmal spannend gemacht und ihre beruhigenden Ausgangspositionen fast oder gänzlich verspielt, doch am Ende behielten Werder Bremen und der Hamburger SV mehr oder weniger souverän die Oberhand und verhalfen der Bundesliga somit schon vorzeitig zum ersten Mal seit sieben Jahren zu einer Finalteilnahme. Eine Klasse weiter oben hingegen schieden die Münchener erwartungsgemäß aus, während sich die britische Dominanz in der Champions League weiter fortsetzt.

Vor den Rückspielen schien vor allem der erneute Einzug des Titelverteidigers aus Manchester fraglich, da sie sich zuvor überrascht von der Wucht der Portugiesen vom FC Porto gezeigt hatten. Doch im erneuten Aufeinandertreffen, sollte die Partie mehr nach dem Gusto der Roten Teufel laufen. Der frühe Treffer von Christiano Ronaldo stellte die Männer um Hulk erst einmal ruhig. Erst als sie nach einer Weile den frühen Schlag verdaut hatten, rappelten sie sich auf dem gegnerischen Tor entgegen zu rennen, wobei sie mit fortwährender Spieldauer jegliche Ordnung vermissen ließen. ManU begnügte sich mit einigen wenigen Chancen in der Folge und hielt die aus Nahdistanz fast chancenlosen Portogiesen an der langen Leine, ohne das Van der Saar selbst große Gefahr laufen musste hinter sich zu greifen. Letztendlich eine Partie, die den Engländern bis auf eine stabile defensive Ordnung nicht viel abverlangte und vor allem vom “Was wäre wenn Porto ein Tor schießt”-Spannung lebte.

Ganz anders hingegen in London, wo Arsenal seinen in der Vorwoche errungen Vorteil gegen Villareal auszubauen trachtete, während die Gelben mit der gleichen Energie aber letztendlich chancenlos auf das Gegenteil aus waren, so dass sich eine temporeiche Partie entwickelte, in der es von einer Seite des Platzes zu anderen und wieder zurück ging, wobei letztendlich in vielen Situationen die Gunners die Oberhand behielten und nach einer ebenfalls frühen Führung einen kräftigen moralischen Rückenwind verbuchen konnten, dem sich die Gäste früh geschlagen geben mussten. Auch wenn der zweite Treffer in einer chancenreichen Partie lange auf sich warten ließ, bis Adebayor nach gut einer Stunde aus einer ähnlichen Situation wie im Hinspiel die wirklich letzten Zweifel ausräumte und Arsenal mehr als verdient voll auf Halbfinalkurs brachte.

Bereits am Vorabend hatten Chelsea und Liverpool in einem wahrlichen Wechselbad der Gefühle sich einen harten Kampf um ihren Platz in der Vorschlussrunde der Königsklasse geliefert. Durch das Hinspiele schien schon alles entschieden, doch nach einer kurzen Aufwärmphase starteten die Liverpooler durch und vermochten es innerhalb von nur neun Minuten die etwas zögerlich und überrascht agierenden Blues an den Rand des Ausscheidens zu drängen. Vor allem die Art und Weise mit der die Reds mit breiter Brustauf Tore drängten beeindruckte. Letztendlich gelangen vor der Pause durch einen frechen Freistoß und einen Elfmeter jedoch nur zwei Tore, einzig das Glück von Chelsea verhinderte einen größeren Rückstand, bevor sich in der zweiten Halbzeit eine packende Partie entwickelte. Ein vollkommenen veränderte Chelsea war nach der Pause kaum wieder zu erkennen und lieferte sich mit den Reds, die sich auch von einem 3-2 Rückstand nicht entmutigen ließen, einen wechselhaften, spannenden und mitreißenden Kampf, in dem sie letztendlich die Überhand behielten und Liverpool zu keinem Zeitpunkt eine entsprechend ausreichende Führung gelingen sollte. Letztendlich stehen die Blues dank einer von einem genialen Billardtor gekrönten Leistung auch verdient im Halbfinale, vermochten sie es schließlich zweimal gegen ein solches Liverpool einen Rückstand aufzuholen und zu drehen, während die Mannen von Benitez es stets verpassten die entscheidenden Gegentreffer zu verhindern und sich ihre eigenen Bemühungen damit zu Nichte machten.

Nach dem 24. Duell mit Liverpool folgt für den FC Chelsea nun im Halbfinale das bereits siebte und achte Aufeinandertreffen mit den Katalanen des FC Barcelona, der erwartungsgemäß keine Probleme in der Allianzarena hatte. In einem über weite Strecken kaum spannenden Spiel verharrten die Spanier in der Parkposition und ließen sich nur einmal von einem Frank Ribery wirklich kitzeln, der mit einem für ein allseits oft zitiertes Wunder viel zu spätem Tor für 25 Minuten eine Führung der Bayern erzielte. Genauso lange brauchten sie um in den ersten Gang zu schalten und den würdigen Ausgleich zu erzielen, der ein wohl allerseits versöhnliches Ergebnis darstellte, aber auch klar macht, dass wenn Barca gewollte hätte durchaus mehr drin gewesen wäre und in Bayern niemand mehr die Bodenhaftung verlieren muss. Letztendlich war es ein in Hin- und Rückspiel verdientes Ausscheiden, mit dem sie ihre Ziel vom Achtelfinale sogar noch übertroffen haben und nun genügend Zeit haben über ihr Konzept nachzudenken.

Erfreulichere Meldungen gab es hingegen aus dem Uefa-Pokal, indem sowohl der HSV als auch Werder ihre Führungen aus dem Hinspiel verteidigen konnten. Allerdings war in beiden Spielen das große Zittern angesagt, vor allem in Udine erwischte die Bremer zunächst eine kalte Dusche. In der ersten Halbzeit präsentierten sich die Italiener viel zielstrebiger als noch im Hinspiel und Quagliarella konnte vor allem in der Chancenverwertung deutlich mehr überzeugen, so dass ihnen regelrecht drei Nackenschläge gelangen, denen die Hanseaten nur ein bravourös herausgespieltes Tor von Diego entgegensetzen konnten. In einem rasenden Spiel musste man sich spätestens nach der Egalisierung des Hinspiels zur Pause Sorgen um die Grün-Weißen machen, doch nach der Halbzeitansprache zeigten sie sich dann auch geordneter, ließen aber nicht weniger Chancen zu. Viel mehr schossen sie sich nun den Stress vom Leib und vergaben sogar in Person Diego noch einen Elfmeter. Überhaupt war Diego an diesem Abend Lichtgestalt und Hoffnungsträger in einem für die Werderaner. Eine Position, die er mit seiner Leistung und seinen Toren vor den Augen der italienischen Scouts einmal mehr bestätigte. Überhaupt zeigte sich Bremen in diesem Spiel wieder einmal von der altbekannten Seite und nutzte seine Torchancen wie sie fielen, etwas was leider auch die Defensive betraf, dem Erfolg aber nicht im Wege stand.

Im Spiel des HSV, der im nächsten Monat in allen Wettbewerben gegen die Werderaner bestehen muss, gegen des Scheichs Mannschaft, die gestern Abend das erste Mal vor dem Besitzer höchstpersönlich aufspielte, zeigte einige Parallelen zum Hinspiel. Denn bereits früh gingen die Gäste in Führung, während in der Folge die Heimmannschaft durch einen mehr als streitbaren Elfmeter schnell ausgleichen konnte und danach einen Dauerdruck auf das gegnerische Tor aufbaute. Einem Druck, dem der HSV mit einigem Glück, Erfahrung und Frank Rost aber standhalten konnte. Mehrfach half der Pfosten den Rothosen und verhinderte, dass die Partie in die Verlängerung ging, in der der HSV sicher kaum noch hätte mithalten können, denn je länger die Partie dauerte, desto geringer wurde der eigene Vorwärtsdrang und desto mehr ließen sie sich in der eigenen Hälfte festhalten, während sie zu Beginn der Partie durchaus hatten mithalten können. Entgegen kam ihnen auch die Rote Karte gegen den Citizen Dunne, mit dem sich die Gastherren in der Schlussphase selbst schwächten und somit trotz eines Sieges eine gefühlte Niederlage kassierten, fuhr der Zug ins Halbfinale doch ohne sie.

In den beiden anderen franko-ukrainischen Duellen sollten sich jeweils die Mannschaften aus dem Noch-Gastgeberland der Euro 2012 durchsetzen und werden somit den zweiten Pokalfinalisten stellen. Zusammen mit den Hinspielen hatten beide Teams gegen ihre Kontrahenten kaum Probleme, vielmehr sollte es der Abend der französischen Torhüter werden, die mit einigen Szenen eine gewisse Misere auf dieser Position aufdeckten und somit einen etwas größeren Anteil am Ende aller Pokalträume jenseits des Rheins hatten. Luyindula besorgte mit einem Piplica-Gedächtnistor und einer erstklassigen Vorlage das Aus von Paris Saint-Germain, das auch sonst kaum Akzente setzen konnte, gegen den ganz heißen ukrainischen Meisterschaftsanwärter Kiew. Im anderen Spiel war die Luft nach einer halben Stunde heraus, als Donezk das erste Auswärtstor erzielte und somit den Marseilleise schon früh die Hoffnung auf ein kleines Wunder nahm. Einzig zum kurzzeitigen Ausgleich sollte es reichen, bis in der Nachspiel ein Bock von Mandanda die Heimniederlage besiegeln sollte.

Somit steht also die Nationalität des Großteils der Finalteilnehmer schon fest und nach Dortmund und Leverkusen im Jahre 2002 wird nun die Bundesliga nach dem internen Duell um den Finalplatz wieder jemanden die Daumen in der Hölle von Istanbul drücken können wenn es gegen ein Team aus dem Land der orangenen Revolution geht. In der Königsklasse sind die Tickets hingegen wieder einmal fest in englischer Hand und erneut ist es Barcelona, die sich in diese Phalanx einmischen konnte und gegen sie bestehen muss, um einen erneuten britischen Triumph zu verhindern, während für ManU die erste Titelverteidigung des Wettbewerbs so nah wie noch nie gekommen ist.

Angezählt 9. April 2009

Posted by Moritz in : Champions League , add a comment

So wirkt im Moment nach den ersten Viertelfinals der Champions League die Situation vom einstigen Hoffnungsträger auf dem Trainerposten des FC Bayern München. Auch wenn das Ergebnis an sich keine Überraschung ist, war die Art und Weise des Zustandekommens Anschauungsunterricht pur.

Von den Hoffnungen, die auch der Ausgang der Spiele am Tag vor dem Tag, an dem die Bayern ihre Träume in Flammen aufgehen sahen, wurde keine erhört. Nur am Dienstag wackelten die Favoriten. Sowohl ManU als auch Arsenal mussten einen Rückstand hinnehmen und erkämpften sich dann letztendlich immer noch ein Unentschieden.

Dabei gingen die gelben U-Boote aus Villareal zunächst aussichtsreich auf Feindfahrt und kaperten ein ums andere Mal das Gunnersschiff, das einige Startprobleme hatte und bereits vor der Pause mit Almunia und Gallas zwei Leistungsträger auswechseln musste. Erst eine Feinjustierung durch Wenger brachte Arsenal wieder zurück ins Spiel, die nach der Pause so die Offensivwirbel der Spanier bändigen als auch eigene Akzente nach vorne setzen konnten, bis ein wahrliches Traumtor von Adebayor per Fallrückzieher diagonal durch den Strafraum das Endergebnis besiegelte. Damit dürften die London im heimischen Rückspiel vorerst alle Trümpfe in der Hand halten. Chancenlos werden aber auch die Spanier aus Villareal nicht anreisen müssen, zeigten sie doch in den ersten Minuten, dass sie mit dem jungen Gegner, bei dem die eigene Ungenauigkeit in vielen Szenen eine noch bessere Ausgangssituation verhinderte, gut zurechtkommen können.

Noch überraschend starte die Partie im Old Trafford, wo der FC Porto als klarer Underdog sich vorgenommen hatte selbst Druck aufzubauen und ManU nicht zum Zuge kommen zu lassen, was ihnen in der Anfangsphase auch glänzend gelang und so die Gastgeber lange Zeit bremsen konnten. Mit zwei Toren erfüllten sie ihr Soll dabei in der Wiege des englischen Tabellenführers fast tadellos. Einzig ein riesiger Bock nach einer Viertelstunde als Alves den normalerweise weit im Abseits stehenden Rooney mit einem Rückpass nahezu zwang den zwischenzeitlichen Ausgleich zu erzielen. Doch auch nach diesem Erfolgserlebnis war nicht viel Zwingendes von den Mannen in Rot zu sehen, die gegen Ende der Partie, die sie noch drehen konnten, auch ein wenig müde wirkten und so den letzten Treffer des Abends zum Ausgleich hinnehmen mussten. Nächste Woche haben die roten Teufel daher einige Steine im Gepäck, bleibt ihnen im Drachenstadion zu Porto angesichts des Ergebnisses fast nur die Chance zu gewinnen, was ihnen im letzten Auftritt dort vor fünf Jahren nicht gelang, während die jungen Portugiesen berechtigterweise weiterhin träumen davon dürfen einen der großen Favoriten zu eliminieren.

Die Gedanken an ein ähnliches Ergebnis waren bis zum Mittwochabend auf Seiten des FC Bayern mehr als lebendig, doch am Ende mussten sie erfahren wie Lissabon sich nach den beiden Klatschen im Achtelfinale gefühlt haben muss. Dabei haben sie alles versucht, um Barca den Wind aus den Segeln zu nehmen und sogar den Mythos des Angstgegners für spanische Teams bemüht. Darunter fällt auch der Wechsel von Rensing zu Butt, der rein rational vor einem solchen Spiel kaum Sinn machte und wohl ebenfalls die Ankündigungen selbst nach vorne spielen zu wollen. Den von all den Täuschungsmanövern zeigten sich die Katalanen unbeeindruckt. Schnitten sorgenlos ein ums andere Mal durch die Rot-Weiße Butter, die sich Bayern-Defensive nannte und wohl unter die Kategorie Mogelpackung fiel. Teilweise reichten nur drei der Weltklassespieler in den blauroten Trikots, um fast alle sich zu einem Netz eng wie beim Einlass vor einem Fußballspiel gruppierenden Gegner zu überwinden. Die Konsequenz war eine noch harmlos anmutende Halbzeitführung von vier zu null Toren und ein sichtlich gezeichneter, bedauernswerter und machtloser Hans-Jörg Butt. Doch egal in welchen Gang Barcelona schaltete, hätten sich die Bayernspieler genauso gut ein paar Karten für das Spiel besorgen können, um einen ähnlich hohen gefühlten Spielanteil zu bekommen. Sie wurden von Barca beherrscht ohne sich aufbäumen zu können.

Der Rest war die Bilanz des Scheiterns. Selten hat man nach einem Spiel auch die Verantwortlichen so extrem schmallippig erlebt. Man sah ihnen den Schock regelrecht an, sogar Beckenbauer musste mehrere Minuten erklären warum ihm die Worte fehlten, während bei Rummenigge während des Interviews wohl schon erste Trainervermittler anriefen, denn in diesem Spiel zeichneten sich viele der dringlichsten Probleme ab, die in dieser Spielzeit vereinzelt schon auftraten und teils teils auch oder vor allem dem Trainer, dessen Schild nun auch in der Führungseben zu bröckeln scheint, anzulasten sind und die Zweifel an ebenjenem nun weiter gewachsen sind. Zum ersten Mal erlebte man ihn nach einem verloren Spiel vollkommen ratlos, wo er sonst immer noch versuchte irgendeinen positiven Aspekt im Stile deus ex machina hervorzukramen. Das allerdings waren an diesem Abend wohl alle. So jedoch dürften einige heiße Tage im Süden Deutschlands anstehen.

Ähnlich im falschen Film dürften sich auch die Fans an der Anfield Road gefühlt haben, die nach einem eigentlich perfekten Start mit ansehen mussten, wie Chelsea ausgerechnet in der Champions League gegen sie ihre Auswärtsnegativserie beenden werden und gleichzeitig ihrem Team das derzeit lief wie kein anderes in der Premier League einen herben Dämpfer versetzte. Nach einem rasanten Beginn, saßen am Ende die Londoner gegen den Perfektionisten Beniez am längeren Hebel, indem Ivanovic die Partie nach zwei Standards noch dreht und so gemeinsam mir Drogba für ein überraschend deutliches Ergebnis sorgte, dass es für die Reds nach dem Hinspiel nun schon fast unmöglich erscheint an der Stamford Bridge das Pendel noch in die andere Richtung zu drücken.

Somit erscheint in den Dienstagspartien der nächsten Woche unter den Kontrahenten bereits nach den Hinspielen alles geklärt zu sein, während am Tag darauf noch zwei weitere englische Vertreter um ihre Zugangsberechtigung zum Halbfinale spielen werden müssen und eine oder vielleicht auch zwei Überraschungen dort noch in der Luft liegen könnten. In diesem Sinne wünsche ich einen aus Sicht der Bundesliga wesentlich erfolgreicheren Donnerstagnachmittag und einen guten Start in das Osterwochenende.