1. FC Nürnberg

Die Sache mit Hecking

Posted by Max on Dezember 28, 2012
Bundesliga / No Comments

Stell dir vor, du bist ein sogenannter Traditionsverein. Rekordabsteiger zwar gemeinsam mit Arminia Bielefeld, aber gerade dabei – im Gegensatz zur drittklassigen Arminia – dich wieder in der Bundesliga zu etablieren. Endlich hast du einen Trainer gefunden, der die bescheidenen finanziellen Mittel ideal mit den vorhandenen Ressourcen aus dem eigenen Nachwuchs verknüpft. Und dann kommt direkt vor Weihnachten der vom größten deutschen Automobilhersteller fremdgelenkte VfL Wolfsburg daher und nimmt dir diesen Coach kurzerhand von der Gehaltsliste. Frohes Fest!

Es wirkt schon bizarr, dass der eigentlich als ruhig und besonnen geltende Hecking plötzlich den Schritt nach Wolfsburg wagt. Ein Verein, der nach dem Abgang von Wolfgang Wolf 2003 nie zur Ruhe gekommen ist. Zwar feierte man kurzzeitig große Erfolge, aber nachhaltig waren diese Ergebnisse nie. In der Reihe mit Jürgen Röber, Eric Gerets, Holger Fach, Klaus Augenthaler, Felix Magath, Lorenz-Günter Köstner, Steve McClaren und Pierre Littbarski ließt sich Dieter Hecking nur wie ein weiterer Kandidat einer langen Streichliste mit dem Titel “Gescheitert in Wolfsburg”.

Dieses Gefühl, dass sich bei einem scheinbar unvorstellbaren Trainerwechsel einstellt, ist nun auch bei Hecking da. Unvorstellbar im Sinne von “das kann nicht funktionieren.” Dieses Gefühl, dass ich einst übrigens auch mal bei Jürgen Klopp und Dortmund hatte. Dieses Gefühl, welches sich einstellt, wenn bei einem Trainerwechsel nicht die Wahl auf einen der “üblichen Verdächtigen” Marke “Retter” oder “Feuerwehrmann” fällt, sondern der langjährige Coach eines anderen Vereins verpflichtet wird. Geprägt wird das Gefühl davon, dass hier eine Gewohnheit aufgebrochen wird, zum einen natürlich – und das ist einschneidend – beim abgebenden Verein, zum anderen in den Köpfen der Fussballfans und -experten.

Ein seltsames Gefühl also, und jetzt reden wir gleich wieder davon, dass VW mit seinen Millionen mit unlauteren Mitteln kämpft, und Hecking letztendlich dem Ruf des Geldes erlegen ist. Aber bringen wir nicht für jeden Kollegen oder gar Verwandten Verständnis auf, der seine Arbeitsstelle bei einem kleinen mittelständischen Unternehmen aufgibt, wenn er die Chance bekommt bei einem Branchenprimus zu arbeiten und dort ganz andere Möglichkeiten aufgezeigt bekommt? Wer würde nicht zu Mercedes-Benz gehen und fortan den Lieferanten die Konditionen diktieren – dabei wie selbstverständlich auch noch mehr Geld kassieren – anstatt den emsigen Produktionsleiter mit 50-Stunden-Woche und ständigem Wettbewerbsdruck bei eben diesem Zulieferer zu geben?

Nähern wir uns dem Hecking-Transfer aber mal noch von einer anderen Seite an: Schon erstaunlich, dass dies tatsächlich die erste Trainersuche von Klaus Allofs war. So wie man ihn als Manager in Bremen kennengelernt hat, ist die Wahl Hecking eigentlich schon wieder verständlich. Ein großer internationaler Name hätte eigentlich ebenso wenig gepasst wie ein klassischer Ein-Zwei-Jahre-Trainer. Hecking stand in Nürnberg mit bescheidenen Mitteln für Kontinuität und Erfolg, so wie es auch bei Allofs und Schaaf an der Weser viele Jahre war.

Umso interessanter fand ich die Tatsache, dass Allofs offenbar zuerst mit Bernd Schuster verhandelte. Oder verhandeln musste? Schließlich war Schuster schon mehrfach im Gespräch und gilt als persönlicher Freund von VW-Aufsichtsrat Sanz. Ob sich letztendlich Allofs durchgesetzt hat und Rückgrat bewies, oder der lange verhandelte Vertrag mit Schuster aus anderen Gründen nicht zustande kam – wir werden es wohl nie erfahren, es sei denn, Allofs schreibt mal ein Enthüllungsbuch. Komisch bleibt nur das Timing, nach Allofs’ Amtsantritt erst wochenlang Interimscoach Lorenz-Günter Köstner hinzuhalten, dann offiziell und lange mit Schuster zu verhandeln und letztendlich den gefühlten Schnellschuss mit Hecking abzufeuern. Doch diese Kapriolen um die Trainerwahl sind nun vorbei, ab Januar wird das Duo Hecking/Allofs nur noch an Erfolgen gemessen. Interessant wird außerdem zu sehen sein, wie beide mit der neuen Situation – Geld im Überfluss – klarkommen. In jedem Fall eine interessante Konstellation an der Aller.

Die ärmste Sau bei dem ganzen Gebahren ist wohl Martin Bader. Je nach dem, ab welchem Zeitpunkt der Nürnberger Manager über die Abwanderungsgedanken und -taten von Dieter Hecking informiert war. Der Nachfolger von Hecking wurde dann über die Weihnachtstage schnell etabliert: Der bisherige U23-Coach Michael Wiesinger übernimmt. Eine andere Lösung als diese hätte mich auch verwundert. Erstens wäre das nicht Nürnberg-like für die Ära Bader gewesen, zweitens hat man mit Wiesinger einen Trainer, der eine Chance verdient hat. Der Job im stabilen Nürnberg Umfeld – wobei die Stimmung dort auch schnell kippen kann – scheint ideal, um erste Erfahrungen als Bundesligatrainer zu sammeln. Mit acht Punkten Abstand zum Relegationsplatz, gar elf Zähler bis zum direkten Abstiegsrang, hat ihm Hecking ein gutes Polster hinterlassen. Seinen eigenen Weg muss Wiesinger nun trotzdem finden, das Potential zur nächsten Dauerlösung hat er.

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Zur Lage der Liga – oben

Posted by Max on April 11, 2011
Bundesliga / No Comments

Die Bundesliga rast unaufhörlich ihrem Ende entgegen. In fünf Wochen sind die Entscheidungen gefallen. Langsam spitzt sich die Lage im Kampf um den Titel, um die Europapokalränge oder gegen den Abstieg zu. Sogar beim FC Bayern gehen mittlerweile die Nerven durch, Louis van Gaal wurde entlassen und durch eine branchenübliche Übergangslösung, aber bayernuntypische Co-Trainer-Beförderung ersetzt. Fünf Spieltage vor dem Ende habe ich mich mal vor den Tabellenrechner gesetzt und den Ausgang der Saison festgelegt. Heute gibt es den ersten Teil mit der oberen Tabellenhälfte.

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Der Titelkampf

Auch wenn die junge Dortmunder Mannschaft langsam ins Grübeln kommt und nicht mehr am laufenden Band die großartigen Leistungen abruft, die Klopps Team bis in den März hinein ausgezeichnet haben – der Titel wird am Ende souverän geholt. Eine Schlüsselrolle wird dabei bereits der nächste Spieltag einnehmen: Am Sonntag muss Hauptkonkurrent Leverkusen nach München und wird dort wohl bestenfalls einen Punkt mitnehmen, Dortmund kann im Spätspiel gegen Freiburg nachlegen und den Vorsprung wieder anwachsen lassen. Dann ließe sich auch im Restprogramm mit den Abstiegskandidaten Mönchengladbach, Bremen und Frankfurt gut machen, eine obligatorische Niederlage gegen Nürnberg habe ich schonmal eingeplant. Es wird zwar nochmal etwas enger für den BVB, und der Titel könnte letztendlich tatsächlich erst am letzten Spieltag vergeben werden, aber zehn Punkte sind noch drin.

Gleiches gilt auch für Bayer Leverkusen. Die Werkself wird in diesem Jahr nicht den obligatorischen Totaleinbruch erleben, aber den Dortmundern auch nicht mehr entscheidend auf die Pelle rücken können. Natürlich könnte man mit einem Sieg in München am Sonntag nochmal ordentlich Kohlen nachlegen, unter normalen Umständen aber sind Dreier gegen Hoffenheim, Köln und Hamburg möglich. Es könnte wirklich bis zum letzten Spieltag offen bleiben, aber dann verliert Bayer 04 gegen den jenseits von Gut und Böse platzierten SC Freiburg zum Abschied von Jupp Heynckes.

Qualifikation für die Champions League

Man stelle sich vor: Das Finale der Champions League 2012 findet in München statt und und der FC Bayern hätte nicht einmal die Möglichkeit, um diesen Titel mitzuspielen. Um dies zu vermeiden reagierten die Bosse nun mit der Reißleine. Gegen die designierten Absteiger Frankfurt, St. Pauli und Stuttgart müssen Dreier her, zudem mindestens zwei Punkte aus den Spielen gegen Leverkusen und Schalke. Letztendlich wird man wohl davon profitieren, dass Hannover auf der Zielgeraden ein bisschen die Puste ausgeht.

Die 96er haben ein undankbares Restprogramm. Nächstes Wochenende gibt es gegen den HSV freilich nichts zu holen. Danach sind zwei Siege gegen Freiburg und Gladbach möglich, doch am vorletzten Spieltag trifft Slomkas Elf auf hochmotiverte Stuttgarter, die ihre letzte Chance auf den Klassenerhalt ergreifen. Am letzten Spieltag gegen Nürnberg geht es für die “Clubberer” noch um die Europa League, weshalb auch hier kein Erfolg schwierig wird. So wird Hannover seine starke Saison letztendlich mit Platz Vier abschließen.

Qualifikation für die Europa League

Da die ersten vier Plätze manifestiert sind und es hier nur noch um die Reihenfolge geht, bleibt eine Startberechtigung für die Europa League offen – oder doch mehr? Der Kampf um Platz Fünf wird von einigen Rückschlägen für die beteiligten fünf Vereine gekennzeichnet sein. Genau: Fünf Vereine. Ich rechne den FC Schalke auf der Welle des derzeitigen Rangnick-Hypes auch noch zu einem heißen Kandidaten. Womit man vielleicht sogar Gedankenspiele anstellen könnte, was wäre wenn Schalke Fünfter wird und den Pokal gewinnt? Dann rückt schließlich sogar P6 in die Europa League. So weit wird es am Ende aber wohl nicht kommen, zu groß ist der Rückstand jetzt und zu viele andere Vereine Konkurrenten.

Eine besondere Rolle wird dabei das direkte Duell zwischen Mainz und Nürnberg am 31. Spieltag einnehmen. Da ich hier mit einem Remis, eher sogar mit einem Erfolg für Mainz rechne, wird letztendlich auch ein Sieg in Dortmund der Hecking-Elf nicht mehr weiterhelfen. Man scheitert knapp an der Qualifikation für Europa.

So wird es auch den HSV treffen, und die letzten Saisonspiele werden von ähnlicher Inkonstanz geprägt sein wie der bisherige Saisonverlauf. Rückschläge wie das späte 1:1 von Dortmund am Samstag erschweren die Lage zusätzlich. Siege gegen Hannover, Stuttgart und Gladbach helfen nicht, wenn Leverkusen und Freiburg nicht bezwungen werden.

Die Schalker robben sich wie beschrieben noch einmal heran, der Weg nach oben ist aber zu weit. Der SC Freiburg behält seine absteigende Kurve der letzten Zeit bei und kommt auf einem dennoch respektablen neunten Rang ein.

Soweit der Blick auf die obere Tabellenhälfte. In den nächsten Tagen dann folgt die Antwort auf die spannende Frage, wer nächstes Jahr nach Paderborn reisen darf.

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Saisonvorschau 10/11 – Teil 1

Posted by Max on August 18, 2010
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Sie kommt spät. Aber verzichten möchten wir auch in diesem Jahr darauf nicht. In der mittlerweile vierten Auflage unserer Saisonvorschau haben wir in den letzten Tagen wieder unser Analysebüro geöffnet und die 18 Bundesligamannschaften in acht Kategorien bewertet. Auf Grundlage der Kriterien des kicker, der diese Form der Saisonvorschau bis zur Saison 2006/2007 durchführte, ist dabei wieder eine Rangliste entstanden, die hier in zwei Teilen kurz vorgestellt wird. Für den detaillierten Überblick und eine Kurzbeschreibung aller Kategorien verweise ich auf die Übersichtsseite. Den Anfang machen heute die neun Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Wohlgemerkt aus der von uns zusammengestellten unteren Tabellenhälfte.

(10) Eintracht Frankfurt (Notenschnitt: 2,26)

In mühsamer Kleinarbeit hat sich die Eintracht in den letzten Jahren in der Bundesliga konsolidiert. Nach einigen tristen Jahren knapp vor den Abstiegsrängen scheinen die Hessen mit Skibbe einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Doch der Weg zurück nach oben bleibt weiter zäh, auch in dieser Spielzeit wird der Erfolg nicht zufliegen. Wegbereiter könnte die Offensive sein, wenn sie den vor allem von Moritz ausgemachten Nachteil einer durchwachsenen Defensive ausgleichen kann. Probleme könnte es geben, wenn viele Stammspieler ausfallen. Die zweite Reihe ist zu dünn besetzt.

(11) FC St. Pauli (Notenschnitt: 2,30)

Überraschend weit oben, im Mittelfeld der Tabelle, darf sich der Aufsteiger aus Hamburg einordnen. Grund dafür sind in erster Linie zwei Faktoren: Zum einen die recht ausgewogen zusammengestellte Mannschaft, die durch prominente Neuzugänge gut verstärkt wurde. Zum anderen spielt die Komponente von Trainer Holger Stanislawski eine wichtige Rolle. Allgemein gut bewertet wurde auch das Vereinsumfeld, wobei hier abzuwarten ist, inwiefern die scheinbare Ruhe bei der ersten sportlichen Krise bestehen bleibt.

(12) FSV Mainz 05 (Notenschnitt: 2,32)

Hält der Mainzer Fussballzauber an, oder müssen sie sich der Weisheit fügen, dass das zweite Jahr für einen Aufsteiger stets das schwierigste sei? Größter Pluspunkt ist und bleibt das angenehme Umfeld, indem sich in Windeseile auch der einstige Nobody Thomas Tuchel zum gestandenen Bundesliga-Trainer entwickelte. Fraglich scheint, ob die Offensive Bundesligansprüchen genügt. Zumindest Moritz meldet an diesem Punkt einige Zweifel an. Torwart Heinz Müller spielte eine starke Debütsaison, fehlt nun aber längere Zeit verletzt. Auch das könnte ein wichtiger Faktor sein.

(13) Borussia M’gladbach (Notenschnitt: 2,57)

Bei keinem anderen Team liegen Moritz und ich in der Gesamteinschätzung so weit auseinander, wie bei der Borussia. Für meinen Teil sehe ich Gladbach zumindest auf der nächsten Entwicklungsstufe in Richtung Mittelfeld, während Moritz sogar den Abstiegskampf prognostiziert. Arge Diskrepanz weist dabei die Einschätzung der Abwehrreihe auf. Michael Frontzeck hat sich zwar gemacht am Niederrhein, aber bei Moritz noch lange nicht alle Vorurteile besiegt. Es wird interessant zu sehen sein, wer am Ende Recht behält.

(13) 1. FC Köln (Notenschnitt: 2,57)

Nach unserer Einschätzung wird der 1. FC Köln auch in dieser Spielzeit nicht so recht aus den Pötten kommen. Ein entscheidender Knackpunkt ist dabei erneut Trainer Zvonimir Soldo, der in seiner Debütsaison einige Anpassungsschwierigkeiten offenbarte. Kölner Trümpfe sind die Defensive inklusive Goalie Mondragon. Sorgen bereitet dagegen die Besetzung der zweiten Reihe sowie das unruhige Umfeld. Im medialen Haifischbecken Köln könnte es schon bei einem Fehlstart schnell ungemütlich werden. Einiges wird auch davon abhängen, ob Lukas Podolski der Mannschaft endlich entscheidend weiterhilft.

(15) 1. FC Kaiserslautern (Notenschnitt: 2,59)

Auch bei der Bewertung des Meisters von 1998 liegen wir beide um einiges auseinander. Ich für meinen Teil halte diese Mannschaft für zu wenig erfahren, um in der Bundesliga Bestehen zu können. Während Moritz die Neuzugänge und Verstärkungen als gut bewertet, sehe ich diese bestenfalls befriedigend. Wie wird Marco Kurz als Bundesliga-Novize auf der Trainerbank damit zurecht kommen? Wer schießt im Angriff die Tore? Kommt bei Niederlagen schnell Unruhe auf? Das sind doch einige offene Fragen. Ohne Zweifel wird es für den FCK eine schwere Saison im Abstiegskampf.

(16) Hannover 96 (Notenschnitt: 2,75)

Trotz Slomka: Auch 2010/2011 wird in der Landeshauptstadt Niedersachsens wieder gegen den Abstieg gespielt. Am Ende kommen Moritz und ich zwar auf den gleichen Notenschnitt, aber die Einzelwertungen liegen teilweise weit auseinander. Moritz etwa beurteilt die Neuzugänge als unzureichend. Für meinen Geschmack sind da allerdings durchaus einige gute Namen dabei. Dafür sieht er die Offensive als Prunkstück, für mich sind dort zu viele Namen dabei, die lange ihre Qualitäten vermissen ließen. Comeback fraglich. Größtes Sorgenkind ist aber die Defensive. Sie genügt zumindest auf dem Papier keinen Erstligaansprüchen.

(17) 1. FC Nürnberg (Notenschnitt: 2,77)

Erst in der Relegation hat sich der Club vor dem Abstieg gerettet. Diesmal könnte es die Franken erwischen, zumindest knapp wird es wieder. Bis auf den erfahrenen Goalie Torwart Schäfer wurden alle mannschaftsrelevanten Kategorien nur durchschnittlich eingeschätzt. Durchschnittlich zu wenig für die Bundesliga? Auch Trainer Dieter Hecking konnte uns noch nicht endgültig als Krisenmanager überzeugen. Für mich ist er gar ein heißer Kandidat auf einen Rauswurf bis zur Winterpause. Spiele mit dem FCN dürften auch in dieser Saison keine Leckerbissen werden.

(18) SC Freiburg (Notenschnitt: 3,00)

Mit großem Abstand und Einigkeit der beiden Bewerter landet der sympatische SC Freiburg abgeschlagen auf der letzten Position. Letztendlich wird es darauf hinauslaufen, was Teams aus dem Breisgau von jeher auszeichnete: Ein kompetenter Trainer, der in einem ruhigen und homogenen Umfeld ungestört arbeiten darf und eine Mannschaft formt. Die Probleme liegen in eigentlich allen Mannschaftsteilen, die Abwehr ist zu löchrig und wurde nicht ansprechend verstärkt. Der Sturm ist ausgedünnt mit lediglich drei Angreifern. Die Alternativen auf der Bank versprechen auch eher keine Besserung. Na dann: Mit dieser Prognose kann uns der SCF nur positiv überraschen!

Soweit die Teams auf den Plätzen 10-18. Morgen geht es dann in höhere Gefilde. Mit Antworten auf die Fragen: Wer wird Meister? Wer zieht in den Europapokal ein? Wer landet im oberen Mittelfeld?

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Großes Kommen in Franken

Posted by Moritz on Januar 02, 2010
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Es scheint im Moment in Nürnberg einiges in Bewegung zu sein. Um fünf Tage hatte Dieter Hecking den Trainingsstart für die Rückrunde nach vorne verlegt, um die Mannschaft auf den kommenden Abstiegskampf einzustimmen. Gleichzeitig versprühte er mit den 08/15-Sprüchen zu seiner Vorstellung den ganzen Charme eines Feuerwehrmannes, als er betonte, dass es wieder unangenehm sein müsse gegen den Club antreten zu müssen.

Dass die Mannschaft den letzten Kontrahenten nicht wirklich ein ebenbürtiger Gegner war, zeigt schon allein die Tordifferenz der letzten vier Auftritte vor der Pause. Mit 0-12 spricht sie eine deutliche Sprache, die auch deutlich macht, dass solche Sprüche alleine nicht weiterhelfen werden – zumindest wenn man nicht nach unten aufschließen möchte.

Angesichts des für einen hochgradigen Abstiegskandidaten typischen Symptome der Ratlosigkeit und des “seltsam gehemmten” Auftretens hatte man bei den Verantwortlichen noch vor der Entscheidung Oenning vor die Tür zu setzen erkannt, dass man der jungen Mannschaft mit einigen Neuzugängen unter die Arme greifen möchte. Auch da die frischen Kräfte, die zu Saisonbeginn das rot-schwarze Trikot überstreiften, keine wirkliche Verstärkung darstellten und wie so mancher etablierte Spieler durchweg enttäuschten.

Nachdem vor der Öffnung des Transferfensters bereits über den einen oder anderen spekuliert wurde, wurden zu Neujahr erste Nägel mit Köpfen gemacht. so bediente man sich auf der Ersatzbank der Münchener, die nun nachdem van Gaal immer mehr eine Stammformation entwickelt wieder fester an einige Kandidaten gebunden sein wird. Mit Breno und Ottl leiht man sich zwei Spieler aus, die wohl aus vor allem aus Perspektivlosigkeit in München öfter zum Einsatz zu kommen, das Abenteuer in Nürnberg zu wagen. Allerdings hatte vor allem Breno bisher kaum die Gelegenheit zu zeigen, ob er in der Lage ist eine wackelige Abwehrreihe zu stabilisieren. Ähnlich dürfte der Fall bei Ottl liegen, dem zwar ebenso eine Menge Potenzial nachgesagt wird, aber es bisher erst selten zeigen konnte. Allerdings können sie nun zumindest in nächster Zeit damit rechnen ohne großen Konkurrenzdruck wie in der Hauptstadt eingesetzt zu werden.

Ähnlich dürfte es sich mit dem inzwischen sehr heiß gehandelten Roy Makaay verhalten. Der Ex-Münchener fristet im Moment bei Feyenord eine Dasein als Joker und verbringt die meiste Zeit damit sich, für seine Einsätze aufzuwärmen. Er scheint alle Anforderungen die Hecking und Co. an ihren Wunschstürmer haben zu erfüllen, zu denen vor allem Erfahrung zu zählen scheint. Dass er die hat, hat er in seiner eindrucksvollen Karriere bereits nachgewiesen und auch in Rotterdam traf er in den letzten Jahren recht zuverlässig das Tor.

Es wird interessant zu sehen sein, ob es für ihn noch dazu reicht in der Bundesliga und mit dieser Mannschaft noch einmal eine entscheidende Rolle zu spielen. Denn ohne Grund wird der Altmeister sicher auch in Rotterdam nicht auf die Ersatzbank gerutscht sein. Vor allem da man im Frankenland mit Rückholaktionen von alternden Stürmern in die Bundesliga schon beim letzten Abstieg schlechte Erfahrung gemacht hatte. Nicht dass sie am Ende zusammen mit Mintal einen reinen Phantomsturm mit großer Erfahrung und Potenzial haben, dieser aber weiterhin nicht trifft.

Ob dieser Anflug von Torschlusspanik beim Zusammenbau neue Impulse im Frankenland setzen wird, muss sich noch zeigen. Für frisches Blut in allen Mannschaftsteilen ist zumindest schon einmal gesorgt. Skeptisch darf man aber durchaus sein und bleiben, da inzwischen einiges an die vorletzte Saison erinnert, an deren Ende ein eigentlich vielversprechendes Kapitel des Club vorzeitig zu Ende ging und der der Verein zum Rekordabsteiger avanciert ist.

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BL-Analyse (I): Im Keller

Posted by Moritz on Dezember 23, 2009
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Die Hinrunde ist bereits wieder einmal Geschichte, die Spieler widmen sich mehr oder weniger freudig den besinnlichen Stunden des Jahres. Gleichzeitig gibt uns das die Gelegenheit die Tradition unserer Analyse der Bundesligavereine während der Winterpause wieder aufzunehmen. Bereits zum vierten Mal durchleuchten wir die 18 Vereine und ihr Auftreten in den vergangenen 17 Spielen – nicht zu letzt, um auch eine Prognose für die zweite Hälfte der Saison abzugeben. Dafür zäumen wir die Tabelle von unten auf und beginnen mit den Kellerkindern, die ein eher tristes Fest erleben dürften.

VfB Stuttgart (15. – 16 Punkte – 16:23 Tore)

Der Saisonverlauf

Der mit Ambitionen gestartete Vorjahresdritte begann die Saison wie so oft in den vergangenen Jahren mit einer Krise im Herbst. Was zunächst nur wie eine Ergebniskrise schien, fuhr immer stärker in die Knochen und wuchs sich zu einer handfesten Talfahrt aus, die geprägt war von der Suche nach dem großen Knopf, den Trainernovize Babbel trotz oder wegen seines Lehrgangs nicht zu drücken vermochte, so dass am Ende der Vorstand nach unrühmlichen Protesten drei Spiele vor der Pause das Not-Aus betätigte. Der darauf folgende jüngste Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz nach der Inthronisierung des ewigen Kandidaten Christian Gross scheint hingegen fast unterzugehen in jenem Orkan, den Jens Lehmann entfachte. Zunächst feilte er mit harter öffentlicher Kritik am Vorstand nach der Entlassung von Babbel und dann mit eigenen Aussetzern, die Punkte kosteten, an einem Bad Boy-Image, dass den Verein nicht zur Ruhe kommen ließ.

Analyse

Der Vater des letztjährigen Erfolgs, Markus Babbel, hatte seinen wichtigsten Sohn, Mario Gomez, in der Sommerpause verloren. Die Entschädigung war zwar nicht zu verachten, doch von diesem Kuchen wollte jeder etwas ab haben, weshalb sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig gestaltete. Lange ließen Ergebnisse auf sich warten. Bis mit Hleb und Pogrebniyak kamen – und bis jetzt enttäuschten. In der allgemeinen Verunsicherung der Stuttgarter kamen sie nicht zurecht. Dafür schwang sich mit Kuzmanovic ein anderer Neuer zum Leistungsträger auf. Die Lücke im Sturm, das offensichtlichste Manko der Hinrunde konnte auch er nicht alleine stopfen. Die Chance der allgemeinen Verunsicherung nutzte mit Rudy auch der Nachwuchs. Dass das Potenzial, das sie lange Zeit nicht abrufen konnten noch in ihnen steckt, zeigten sie beim Gross’schen Einstand in der Chamipons League eindrucksvoll.

Prognose

Sollte Gross ein annähernd ähnlicher Einstand gelingen, die dem erfolgreichstem aller VfB-Trainer – seinem Vorgänger – wird man wohl leicht südlich der Europaligaplätze landen. Bei weitem realistischer dürfte aber ein Platz im gesicherten Mittelfeld sein, worüber man nach dieser Hinrunde sicher nicht undankbar sein wird. Vom großen fußballgeschäft wird man sich mit zwei Festen gegen Barca kurzfristig aber erst einmal verabschieden müssen.

VfL Bochum (16. – 16 Punkte – 18:33 Tore)

Der Saisonverlauf

Nach unser Saisonvorschau bewegt man sich in Bochum durchaus im Soll. Viel mehr erwartet man von der Nummer Drei im Ruhrgebiet angesichts des engen Etats auch gar nicht. Trotzdem gab es schon früh in der Saison so etwas wie eine kleine Revolution im Verein, als der Verein sich nach einigen schlechten Auftritten den wieder einmal verstärkten Unmutsäußerungen gegenüber Koller beugte. Nach vier Jahren war sein ohnehin geringer Kredit aufgebraucht gewesen, seine unspektakuläre Art nicht mehr erwünscht. Mehr Einsatz, mehr Spektakel wünschte man sich. Der Trainernovize versprach solchen bei seinem Antritt. Von großen Sprüngen, die die Bochumer seitdem vollzogen haben könnten, ist nicht viel zu sehen, so dass der Abstiegskampf weiterhin das Gebot der Stunde bleibt.

Analyse

Geändert hat sich nicht viel. Ruhiges Handeln scheint immer noch das Gebot der Stunde zu sein. Das große Feuer und die Leidenschaft, die Herrlich versprach lässt sich zu oft noch lange bitten, was letztendlich dazu führte, dass ein besserer Ausgang der Hinrunde gegen Köln und Stuttgart verspielt wurde. Doch hier gilt, das das wichtigste war, hier nicht verloren zu haben, denn das größte Plus waren sicher die Siege gegen die direkten Konkurrenten Hertha, Nürnberg und Hannover. Überhaupt liest sich der Kader wie eine lange Liste mit Erinnerungen an eine bessere Zukunft. Viele Spieler die einst von Bochum auszogen die Welt zu erobern kehrten geschlagen an ihre Wurzeln zurück und suchen weiter die Form vergangener Tage. Ein wenig wie die gesamte Mannschaft.

Prognose

Sollte man gegen die direkte Konkurrenz weiter die Nase vorne behalten und das ein oder andere Extra einsammeln, könnte es noch etwas werden mit dem Klassenerhalt. Wahrscheinlicher bleibt angesichts des mittelmäßigen Kaders wohl eher ein Platz in der Relegation.

1. FC Nürnberg (17. – 12 Punkte – 12:32 Tore)

Der Saisonverlauf

Als letztes der vier Kellerkinder hat mit dem Ende der Hinrunde nun also auch der Club seinem Trainer den Laufpass gegeben. Der strahlende Aufstiegsheld Michael Oenning, dem schon das viele nicht zugetraut hatten, musste kurz vor Weihnachten den Hut nehmen. Das positive Momentum nach dem Aufstieg ist so vollkommen verpufft. Drei Siege und drei Unentschieden waren der Verantwortlichen einfach zu wenig. Obwohl Nürnberg bis zu der Niederlagenserie gut im Geschäft war und das rettende Ufer noch im mittelnahen Bereich zu sein scheint. Doch scheinbar wollte man handeln bevor es zu spät ist, was etwas übereifrig erscheint.

Analyse

Nun soll es also Dieter Hecking richten. Heiß sei er auf die Aufgabe und es folgen die üblichen den Abstiegskampf betreffenden Sprüche eines Feuerwehrmannes. Auslöser für seine Verpflichtung waren wohl die vier letzten desolaten Auftritte der Nürnberger, die die ganze Situation noch einmal verschärft darstellten. Hinten lässt das Aufstiegsprunkstück zu viel zu und vorne fehlt ein Vollstrecker, der auch einmal ein Tor mache kann. Das wirft auch kein gutes Licht auf den in der Quantität exponierten Sturm mit unter anderem Neuzugang Charisteas, der furios scheiterte. Auch präsentierte soch das einstige Phantom Mintal wirkt eher wie ein Schatten. sich Als Pluspunkt konnte man bis vor kurzem die charmante Art von Oenning anführen, die nun aber wegfällt.

Prognose

Dieter Hecking scheint irgendwie der falsche Mann am falschen Ort zu sein. So wirklich traut man ihm die Mission Klassenerhalt nicht zu, weshalb es für den Club als Rekordabsteiger auch wieder nur um den Wettstreit um einen der letzten beiden Plätze gehen wird. Angesichts der letzten Bilanzen kein gutes Zeichen.

Hertha BSC (18. – 6 Punkte – 13:39 Tore)

Der Saisonverlauf

Der Saisonverlauf der Berliner ist im Grunde schnell erzählt. Zum Start ein Sieg, dann folgten sechs Niederlagen, nach denen Favres Stuhl vor die Tür gestellt wurde. Der Neue auf dem Posten, Feuerwehrmann aus Überzeugung Funkel, setzte die Serie für zwei Spiele fort, bevor alle Jubeljahre einmal ein Punkt Himmel fiel. Kurz und knapp: In der Bundesliga setzte es eine katastrophale Hinrunde. Einzig die Europaliga sorgte im Spätherbst für neuen Mut, als mit drei Siegen die zweite Runde erreicht wurde.

Analyse

Mängel in allen Mannschaftsteilen prägen die Hinrunde der Berliner. Obwohl allen klar war, dass der Verlust von gleich drei Führungsspielern ein schweres Stück Arbeit wird und die letzte Saison eine erfreuliche Ausnahme war, muss man sich schon fragen, wie das eigene Team dermaßen überschätzt werden konnte. Favre mag das zwar gesehen haben, schien sich aber in seiner zögerlichen Art nicht gegen allmächtige Sparpläne durchringen zu können. Die geholten Spieler waren bis auf eine Ausnahme keine Verstärkungen. Da sein Nachfolger mit dem gleichen Kader auch nicht mehr auf die Beine bringt, scheint man in der Führungsetage nun gemerkt zu haben, dass ohne entsprechende Verstärkungen nicht einmal mehr ein Blumentopf zu gewinnen ist. Zwei weitere Verteidiger und mit Gekas ein Stürmer, der dem bisher einzigen Torschützen, der diesen Namen verdient hat, behilflich sein soll, wurden bisher geholt. Auch wenn dies laut Preetz bereits alles gewesen sein soll, ist das Mittelfeld bisher der einzige Mannschaftsteil, der ohne Winterzugang leben muss. Max scoutete dafür intensiv in Norwegen, wo er mir bzw. eher dem Verein Magne Hoseth, als polyvalenten und vor allem torgefährlichen Mittelfeldspieler vorstellte. Ein solcher wäre vielleicht noch eine Überlegung wert.

Prognose

Zum Sterben zu wenig und zum Überleben sowieso. Sollten Preetz, Gegenbauer und Funkel ihre Seele nicht dem Teufel verschreiben, sieht es leider düster aus für die alte Dame. Einzig ein – kaum zu erwartender – überragender Start in die Rückrunde könnte die Hoffnung noch einmal nähren.

Soweit zum Auftakt unserer erneuten Serie. Die nächsten Teile wird es voraussichtlich erst nach den Weihnachtsfeiertagen geben.  Doch auch während dieser Tage soll es hier nicht verwaisen. Vielmehr lädt Max zu einem Liveblogging. Es lohnt sich also reinzuschauen. In diesem Sinne wünsche ich schon einmal ein Frohes Fest.

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