1. FC Köln

Beeindruckende Show

Posted by Max on November 26, 2011
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Am Ende war es wieder eine deutliche Vorführung. 0:3 verlor der 1. FC Köln am Freitagabend zu Hause gegen den Erzrivalen aus Mönchengladbach. Wieder einmal, nachdem man schon im letzten Jahr mit 0:4 (zu Hause) und 1:5 (in Gladbach) deutlich das Nachsehen hatte und insgesamt im für die eigenen Fans vielleicht wichtigsten Spiel des Jahres eine schlechte Bilanz vorzuweisen hat. Letztendlich war der Auftakt zum 14. Spieltag eine Demonstration der Gladbacher Stärke, und ein deutlicher Fingerzeig für Köln, dass man noch weit von Konstanz entfernt ist.

Dabei dürfte man in Köln schon froh sein, dass sich die anfänglichen Bedenken mittlerweile zerschlagen haben. Mit Stale Solbakken holte man im Sommer einen Trainer, der in den letzten Jahren mit dem 1. FC Kopenhagen große Erfolge vorweisen konnte und in schöner Regelmäßigkeit von diversen Bundesligisten umworben wurde. Dass es Solbakken letztendlich nach Köln zog, war da schon eine Überraschung. Mit Solbakken holte man aber nicht nur den neuen Übungsleiter, sondern ein völlig anderes taktisches System, was ungefähr eine 180°-Wendung zu dem bedeutete, was Kölner Spieler bisher kannten. In den ersten Spieltagen erwies sich die Saisonvorbereitung als zu kurz, denn da spielten die Kölner fernab von Gut und Böse. Die Automatismen funktionierten überhaupt nicht, es wirkte oft sogar so, als wären die Spieler mit Solbakkens System schlicht überfordert.

Seit dem sechsten Spieltag geht es aufwärts. Seitdem gab es schon einige gute Spiele, in denen man sehen konnte, wie begeisternd der 1. FC Köln auftreten kann, wenn die Rädchen ineinander greifen. Nur auswärts hat man bisher noch kein Bein auf den Boden bekommen und teilweise heftige Niederlagen kassiert. Grundsätzlich zeigt sich ein positiver Trend, aber es gibt immer wieder Rückschläge, konstant hat sich das neue System noch nicht etabliert. Wenn man dann einen gebrauchten Tag erwischt, gegen eine Mannschaft mit Selbstvertrauen wie die Gladbacher spielt, und noch dazu selbst erschreckend blutleer auftritt, kommt eben dann eine 0:3-Niederlage im Derby heraus.

Die Borussia aus Mönchengladbach zeigte in dieser Spielzeit gleich am ersten Spieltag an, wohin die Reise gehen könnte: Man triumphierte mit 1:0 in München. Das schaffte bisher nur eine weitere Mannschaft, nämlich Borussia Dortmund. Kein Zufall also, dass die Fohlen gemeinsam mit Bayern und Dortmund derzeit die Tabellenspitze bilden. Auch am Niederrhein hat sich einiges verändert, jedoch hatte Coach Lucien Favre bereits eine Halbserie Vorlaufzeit, um seine Vorstellungen zu etablieren – mit beeindruckendem Resultat. Favre hat es geschafft, eine Mannschaft mit jungen Nachwuchsleuten zu mischen mit Routiniers. Er disziplinierte einen Arango, erweckte Mike Hanke zu neuem Leben, dass man fast Angst haben muss, Jogi Löw denkt ernsthaft über eine Rückholaktion nach. Prunkstück ist natürlich Marco Reus, der derzeit in überragender Form aufspielt, aber keinesfalls ein Einzelgänger ist und mit seiner Leistung über Wohl und Wehe der Borussia entscheidet.

Das Kollektiv steht im Vordergrund, und wenn man sieht, wie bodenständig sich die Spieler auch nach solchen emotionalen Siegen in Köln geben, kann man der Mannschaft einen ähnlichen Weg andichten, wie ihn zuletzt Hannover 96 gegangen ist: Trainer mit Konzept, homogene Mannschaft, sportlicher Erfolg. Es würde mich nicht wundern, ja nach derzeitigem Stand sogar enttäuschen wenn es nicht klappt, wenn Borussia Mönchengladbach in der nächsten Saison die Farben der Bundesliga mindestens in der Europa League vertritt. Das Potential haben sie auf jeden Fall. Und Favre hat bewiesen, was für ein guter Trainer ist – auch wenn man Bedenken muss, dass in Gladbach die finanziellen Mittel doch besser sind als in Berlin, wo er ja der Hertha zumindest kurzzeitig schon zu Höhenflügen verhalf.

Was mir gestern Abend noch in den Sinn gekommen ist: Was muss sich Friedhelm Funkel heute ärgern? Borussia Mönchengladbach steht heute dort, wo eigentlich Funkel mit dem VfL Bochum stehen müsste, wäre damals nicht dieses vermaledeite Relegationsspiel entgegen jeder Logik und Regel fünf Sekunden zu lange gelaufen. Die Welt ist böse. Und es gibt eben doch einen Fussballgott.

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Trainer wechsel dich

Posted by Moritz on April 19, 2011
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Die Spatzen pfiffen es schon seit gefühlten Ewigkeiten von den Dächern und nun kamen die weittragenden Trompeten hinzu, die das Signum unter dem Vertrag von Holger Stanislawski in Hoffenheim in die Welt hinaus tragen.

Im Breisgau bekommt man somit also einen Trainer, der für Kontinuität, Herzblut und Hingabe steht und quasi nebenbei auch noch mit relativ geringen Mitteln erfolgreich sein kann, wie er es in den letzten Jahren am Millerntor gezeigt hat.

Zudem ist er ohne jeden Zweifel belastungsfähig, ist Stanislawski doch einer der wenigen Tainer, die zeitgleich zu ihren Vereinstätigkeiten auch noch erfolgreich den Trainerlehrgang in Köln absolvierten – auf beiden Gebieten wohlgemerkt.

Ich bin 39 Jahre alt und damit als Trainer noch relativ jung. Irgendwann möchte ich definitiv auch mal bei einem Klub im Süden arbeiten. (Stanislawski, 2009)

Auch wenn er vor zwei Jahren schon von einer Tätigkeit im Süden sprach, wird er dabei wohl nicht Hoffenheim im Kopf gehabt haben zu sicher und erfolgreich saß Rangnick damals im Sattel. Der Sprung von einem Extrem ins andere wirkte nichtsdestotrotz grotesk. Heute noch der Trainer für den Kult-Klub vom Kiez. Morgen der Trainer des Retortenvereins. Es wird interessant zu sehen sein, wie der mit dem Totenkopf im Herzen quasi beim Klassenfeind in der Lage sein wird den bevorstehenden Umbruch zu moderieren.

Schon im Winter kündigte Hopp an den Verein finanziell auf eigenständigere Beine zu stellen. Große Sprünge werden da sicher nicht möglich sein auf dem Transfermarkt, zumal mit der Abkehr von der europäischen Bühne als Ziel auch der eine oder andere Akteur das Weite suchen wird. Beim Verein wird man mit ihm Wohl die Hoffnung verbinden, in die Erfolgsspur zurückzukehren und dem Streben des Vereins neue Phantasie zu verleihen. Für ihn selbst wird er wohl das Sprungbrett darstellen sich mehr als nur dem ewigen Kampf zwischen den beiden Bundesligen zu widmen. Ob das (einstige?) Spielzeug Hopps dazu bereits in der Lage ist, bleibt abzuwarten.

Woanders hingegen ist wieder eine Stelle frei geworden. Nach wochenlangem Hin und Her gab Frank Schaefer in Köln nun bekannt, seinen Vertrag nicht zu verlängern und zurück in die Jugendabteilung zu wechseln. Die Gründe sollen persönlicher Natur sein. Doch um das als alleinigen Grund zu akzeptieren, müsste man wohl den gesamten Wirbel der letzten Wochen missachten.

Eine große Aktie am Rücktritt dürfte wohl Volker Finke haben. Nach Ewigkeiten ls Trainer macht es den Anschein, als ob er mit der eher passiven Rolle als Sportdirektor nicht zurecht kommt. So hat er die Autorität seines Trainers nicht nur in der Öffentlichkeit durch wohl reichlich unqualifizierte Aussagen untergraben, sondern dies auch intern im Training getan. Nach dem Motto die Katze lässt das Mausen nicht, soll er wohl immer wieder eingegriffen haben.

Nimmt man dann noch die durchaus persönlichen und ehrlichen Ansichten des Noch-Trainers Schäfer hinzu, kann man sich schon sehr gut vorstellen, dass er trotz des Erfolges keinen rechten Spaß an der Arbeit hatte und sich überflüssig vorkam.

Schade für den FC, der nun einen Trainer verliert, der Erfolg hatte, bei den Fans akzeptiert schien und zudem Wiedererkennungswert und das Potenzial zu einem gewissen Original gehabt hätte. Zu einem Trainer, der nicht so glatt geschliffen ist wie die einige der Kollegen, die ihre Verein wie die Unterhose wechseln.

Als Nachfolger wird bereits Michael Skibbe genannt. Nunja, auch er wäre wohl nur ein weiterer von vielen Trainern, die in Köln antreten den schlafenden Riesen zu wecken und irgendwo im Spießrutenlauf Domstadt auf(ge)geben werden.

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Zur Lage der Liga – unten

Posted by Max on April 13, 2011
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Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich das Trainerkarussell der Bundesliga nicht ein Stück weiterbewegt. Heute ist es Holger Stanislawski, der seinen Abschied zum Saisonenende verkündet hat. Ob er den 34. Spieltag wirklich noch als Coach erlebt, dürfte nach dem Erlebten der letzten Wochen nicht als 100%ig sicher gelten. Sollte er ab Sommer zudem – wie spekuliert wird – tatsächlich neuer Übungsleiter in Hoffenheim, wäre das ein ziemlich krasser Imagewechsel der St. Pauli-Legende. Derzeit aber steht er noch in Hamburg in der Verantwortung und muss zusehen, mit seinen Kiez-Kickern nach sieben Pleiten in Folge den Umschwung im Abstiegskampf zu schaffen. Und damit auf zu Teil Zwei der Tabellenanalyse – der Blick nach unten.

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Die fast Geretteten

Nach meinen Berechnungen reichen diese Saison 36 Punkte für den direkten Klassenerhalt, ein Zähler weniger berechtigt immerhin zur Teilnahme an der Relegation. Vier Vereine haben dieses Ziel schon fast erreicht und brauchen aus den letzten fünf Spielen nur noch ein oder zwei Punkte, um auf der sicheren Seite zu sein. Zum einen die TSG Hoffenheim. Mit Spannung hatte ich die Auswirkungen des Trainerwechsels im Kraichgau erwartet – doch Marco Pezzaiouli konnte den Vertrauensvorschuss nicht zurückgeben, zeigte sich farblos, das Team tritt seit der Winterpause endgültig auf der Stelle. Ein kompliziertes Restprogramm wird dafür sorgen, dass es mit Punktgewinnen gegen Frankfurt und Wolfsburg nur knapp über die 40-Punkte-Grenze geht. Auswärtsniederlagen in Leverkusen und Nürnberg scheinen vorprogrammiert, zudem empfängt die TSG noch hochmotiverte Stuttgarter. Letztendlich bleibt es beim tristen zehnten Rang – jenseits von Gut und Böse.

Bei Werder Bremen machen sie drei Kreuze, wenn die Saison endlich vorbei ist. Mittlerweile hat sich das Schaaf-Team selbst in etwas ruhigeres Fahrwasser gebracht. Zudem geht es gegen St. Pauli, Wolfsburg und Kaiserslautern. Direkte Konkurrenten also, und Spiele, wo Werder jeweils zumindest mit einem Remis leben kann. Auch der designierte Meister Dortmund wird an der Weser kein leichtes Spiel haben. Lediglich die wiedererstarkten Schalker dürften am nächsten Spieltag eine andere Kragenweite haben und drei Punkte aus dem Weserstadion mitnehmen. Dennoch brennt für Werder nichts mehr entscheidend an.

Der 1. FC Kaiserslautern scheint aus dem Gröbsten heraus, muss aber wachsam bleiben. Die nächsten Spiele gegen Nürnberg, Schalke und St. Pauli bringen nochmal Unsicherheit, ein Auswärtssieg in Wolfsburg am 33. Spieltag jedoch wird den Klassenerhalt endgültig klar machen. Da wird das Remis eine Woche später gegen Werder Bremen nur noch die Kür sein.

Mit seiner Heimstärke haben die Spieler vom 1. FC Köln das Fundament gelegt für die ordentliche Ausgangsposition. Mit einem weiteren Erfolg vor eigenem Publikum am Samstag gegen Konkurrent Stuttgart wird der letzte Schritt gemacht. Da darf man sich dann auch im Derby gegen Leverkusen wieder mal eine Heimpleite leisten, in Wolfsburg und Frankfurt werden wie üblich die Punkte gelassen. Ein Punktgewinn gegen Schalke beendet die Saison. Die Kölner haben so viele Big-Point-Spiele gegen direkte Konkurrenten, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die akut Gefährdeten

Geändert hat sich bei Eintracht Frankfurt einiges, seit Christoph Daum das Zepter schwingt. Die Ergebnisse jedoch fehlen noch, und so wird es ein zähes Ringen um den Ligaverbleib bis zum Ende. Das Restprogramm ist extrem schwer. Ein Unentschieden am Samstag in Hoffenheim, ein Heim-Erfolg gegen Köln: Reicht alles gerade so, denn Niederlagen gegen Bayern, Mainz und Dortmund müssen zwingend einkalkuliert werden. Nur über die zwei genannten Spiele wird der Weg zum Ziel führen.

Apropos drei Kreuze: Für den VfB Stuttgart dürften die Haken hinter die Spielzeit eher dutzendweise gesetzt werden. Es wird richtig eng, und der Ligaerhalt sollte schon vor dem letzten Spieltag feststehen – denn dann geht es nach München. Am Samstag in Köln wird man an der Heimstärke des Gastgebers verzweifeln, auch der HSV eine Woche später wird die Schwaben vor Probleme stellen. Vielleicht wackelt sogar nochmal der Stuhl von Bruno Labbadia? In Hoffenheim und Hannover heißt es dann alles oder nichts. Und die Stuttgarter werden den Kopf gerade so noch aus der Schlinge ziehen.

Da wird es am Ende der Spielzeit auch dem VfL Wolfsburg nicht mehr viel nützen, dass Magath die Wölfe wieder besser in die Spur bekommt. Zu lange hat es gedauert, bis der Meistercoach die Defizite der vergangenen Monate aufgearbeitet hat. Mit einem Erfolg am kommenden Wochenende im direkten Vergleich setzt man sich erstmal von St. Pauli ab, eine Woche später folgt ein weiterer Heimerfolg gegen Köln. Die beiden folgenden Heimspiele sind das größte Plus des Champions von 2009. Zum Abschluss jedoch wird man die gute Ausgangslage wieder verdaddeln, nur ein Punkt aus dem Spiel gegen Werder, Pleiten in den Duellen mit Lautern und Hoffenheim. Für den VfL führt der Weg in die Bundesliga 2011/2012 nur über die Relegation.

Bleibt in dieser Kategorie noch der FC St. Pauli. Die Nackenschläge der letzten Wochen sind eigentlich kaum noch zu fassen. Seit dem umjubelten Derbysieg reihen sich die Niederlagen fröhlich aneinander, dazu folgt wohl noch ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Vater des Erfolgs verlässt zudem bald das Schiff. Schlechte Aussichten, St. Pauli wird stark angeschlagen absteigen. Die Fortsetzung der Pleitenserie gegen Wolfsburg, Bremen, Bayern und Mainz wird nur durch ein letztes Aufbäumen in Kaiserslautern unterbrochen. Im besten Fall.

Borussia Mönchengladbach

Blickt man heute auf die Tabelle, sieht die Lage für die Gladbacher eigentlich wieder hoffnungsvoll aus. Doch immer wieder folgten auf vermeintliche Aufholjagden bittere Rückschläge. Das ständige Herankämpfen kostet zu viel Kraft. Am Freitag ist ein Punkt in Mainz möglich, doch dann folgen Dortmund und Hannover, was das Ende aller Hoffnungen bedeuten wird. Ein Sieg gegen Freiburg noch, HSV-Pleite zum Abschied. Auf ein neues in Liga Zwei.

Und am Ende kommt es wohl ganz anders.

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Die ersten Opfer

Posted by Max on Oktober 26, 2010
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Es ist Herbst. Die Temperaturen werden langsam ungemütlich und mancher zieht sich mittlerweile beim samstäglichen Gang in das Stadion schon eine lange Unterhose an. Traditionell bricht mit dem Abfallen der ersten Blätter aber auch ein Prozess über die Bundesliga herein, der den Entwicklungen der ersten Wochen der Saison geschuldet ist: Trainerentlassungen. Auch wenn ich generell das Gefühl habe, die Vereine sind bei vorschnellen Reaktionen in den letzten Jahren vorsichtiger geworden, hat es nun innerhalb weniger Tage die ersten beiden Opfer gegeben: Christian Groß beim VfB Stuttgart, Zvonimir Soldo in Köln. Zwei völlig gegensätzliche Typen, die jedoch der sportliche Misserfolg in den zweieinhalb Monaten dieser Spielzeit vereinte.

In Stuttgart dominierte der Schweizer Christian Groß mit harter Hand, von einigen Seiten wurden ihm sogar Allmachtsfantasien bescheinigt, die letztendlich zum schnellen – und für mich auch überraschenden – Ende beigetragen haben. Am Anfang sah es noch nach der üblichen schwäbischen Start-Delle im Saisonverlauf aus. Mit einem 7:0 gegen Mönchengladbach im September schien der Wendepunkt eingeleitet. Doch es folgten weitere Niederlagen. Die Umstände dieses Trainerwechsels sind für mich noch immer etwas diffus: Zum einen traf es Groß am Ende einer Länderspielpause. Hat es wirklich zwei Wochen gebraucht, um die Situation zu analysieren oder haben sich in der spielfreien Zeit unüberbrückbare Differenzen zwischen Trainer und Management aufgebaut? Was soll das Nachkarten von Groß’ Nachfolger Jens Keller, der mangelnden Einfluss als Co-Trainer unter seinem Vorgänger bemängelte? Für mich schaut es hier eher so aus, dass die vorschnelle Abwicklung der Personalie Groß nicht hauptsächlich ihre Ursache in der sportlichen Situation hatte. Nach anfänglichen Spekulation um eine Verpflichtung von Bobic-Kumpel Balakov oder gar Christoph Daum ist man in Stzuttgart wohl jetzt erstmal gewillt, mit dem Trainertandem Keller/Kramny fortzusetzen.

Bemerkenswert ist der Trainertausch in Stuttgart für mich auch durch die Tatsache, die für mich kaum erklärbar ist, dass es wieder ein Schweizer Trainer nicht geschafft hat, für dauerhaften Erfolg in der Bundesliga zu stehen. Erst Hans-Peter Latour, dann Marcel Koller in Köln und Bochum und nun Christian Groß. Bei Groß allerdings ist die Entwicklung besonders interessant, weil er ja quasi seit Jahren bei diversen Bundesliga-Klubs als Kandidat gehandelt wurde und nun bei seiner ersten Station in Deutschland nach nicht einmal einem Jahr die Sachen packen musste.

Nachdem es einst mit einem Schweizer nicht klappte, wagte der 1. FC Köln vergangenen Sommer das kroatische Experiment mit Zvonimir Soldo und setzte zugleich einen Trainer-Neuling auf die Bank. Eigentlich muss man überrascht sein, wie lange sich Soldo halten konnte – stand er doch eigentlich von Beginn an ziemlich unter Beschuss. Man erinnere sich nur an den unattraktiven Nullnummer-Fussball des FC in der vergangenen Saison. Oder die Querelen mit Torjäger Novakovic. Die lang andauernde Integration von Rückkehrer Podolski. Am Anfang versuchte es Soldo mit Streicheln, dann mit der harten Hand. Genützt hat es wenig, zu viele Spieler tanzten ihm auf der Nase herum. Höhepunkt jetzt war die Story um Faryd Mondragon, der letztendlich nichts anderes als Arbeitsverweigerung betrieben hat. Soldo zu lieb, zu wenig durchsetzungsfähig für den Trainerjob? Pauschal würde ich dass so nicht unterschreiben, allerdings schon für die Konstellation Köln/Soldo. Gebt Soldo einen ruhigeren Posten, das könnte klappen.

Der 1. FC Köln schreibt also wieder einmal keine sportlichen Schlagzeilen. Auch hier rückt mit U23-Coach Schaefer zunächst eine interne Alternative nach, doch dies wird wohl wirklich nur ein temporärer Zustand sein. Die Namen, die jetzt durch die Gegend geistern, passen da schon eher: Christian Groß, Christoph Daum, Hans Meyer, Klaus Toppmöller. Bei letzterem dementierte der Verein heute heftig, womit die Verpflichtung von Toppmöller also nur noch eine Frage von Stunden sein sollte. Lassen wir uns überraschen!

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Saisonvorschau 10/11 – Teil 1

Posted by Max on August 18, 2010
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Sie kommt spät. Aber verzichten möchten wir auch in diesem Jahr darauf nicht. In der mittlerweile vierten Auflage unserer Saisonvorschau haben wir in den letzten Tagen wieder unser Analysebüro geöffnet und die 18 Bundesligamannschaften in acht Kategorien bewertet. Auf Grundlage der Kriterien des kicker, der diese Form der Saisonvorschau bis zur Saison 2006/2007 durchführte, ist dabei wieder eine Rangliste entstanden, die hier in zwei Teilen kurz vorgestellt wird. Für den detaillierten Überblick und eine Kurzbeschreibung aller Kategorien verweise ich auf die Übersichtsseite. Den Anfang machen heute die neun Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Wohlgemerkt aus der von uns zusammengestellten unteren Tabellenhälfte.

(10) Eintracht Frankfurt (Notenschnitt: 2,26)

In mühsamer Kleinarbeit hat sich die Eintracht in den letzten Jahren in der Bundesliga konsolidiert. Nach einigen tristen Jahren knapp vor den Abstiegsrängen scheinen die Hessen mit Skibbe einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Doch der Weg zurück nach oben bleibt weiter zäh, auch in dieser Spielzeit wird der Erfolg nicht zufliegen. Wegbereiter könnte die Offensive sein, wenn sie den vor allem von Moritz ausgemachten Nachteil einer durchwachsenen Defensive ausgleichen kann. Probleme könnte es geben, wenn viele Stammspieler ausfallen. Die zweite Reihe ist zu dünn besetzt.

(11) FC St. Pauli (Notenschnitt: 2,30)

Überraschend weit oben, im Mittelfeld der Tabelle, darf sich der Aufsteiger aus Hamburg einordnen. Grund dafür sind in erster Linie zwei Faktoren: Zum einen die recht ausgewogen zusammengestellte Mannschaft, die durch prominente Neuzugänge gut verstärkt wurde. Zum anderen spielt die Komponente von Trainer Holger Stanislawski eine wichtige Rolle. Allgemein gut bewertet wurde auch das Vereinsumfeld, wobei hier abzuwarten ist, inwiefern die scheinbare Ruhe bei der ersten sportlichen Krise bestehen bleibt.

(12) FSV Mainz 05 (Notenschnitt: 2,32)

Hält der Mainzer Fussballzauber an, oder müssen sie sich der Weisheit fügen, dass das zweite Jahr für einen Aufsteiger stets das schwierigste sei? Größter Pluspunkt ist und bleibt das angenehme Umfeld, indem sich in Windeseile auch der einstige Nobody Thomas Tuchel zum gestandenen Bundesliga-Trainer entwickelte. Fraglich scheint, ob die Offensive Bundesligansprüchen genügt. Zumindest Moritz meldet an diesem Punkt einige Zweifel an. Torwart Heinz Müller spielte eine starke Debütsaison, fehlt nun aber längere Zeit verletzt. Auch das könnte ein wichtiger Faktor sein.

(13) Borussia M’gladbach (Notenschnitt: 2,57)

Bei keinem anderen Team liegen Moritz und ich in der Gesamteinschätzung so weit auseinander, wie bei der Borussia. Für meinen Teil sehe ich Gladbach zumindest auf der nächsten Entwicklungsstufe in Richtung Mittelfeld, während Moritz sogar den Abstiegskampf prognostiziert. Arge Diskrepanz weist dabei die Einschätzung der Abwehrreihe auf. Michael Frontzeck hat sich zwar gemacht am Niederrhein, aber bei Moritz noch lange nicht alle Vorurteile besiegt. Es wird interessant zu sehen sein, wer am Ende Recht behält.

(13) 1. FC Köln (Notenschnitt: 2,57)

Nach unserer Einschätzung wird der 1. FC Köln auch in dieser Spielzeit nicht so recht aus den Pötten kommen. Ein entscheidender Knackpunkt ist dabei erneut Trainer Zvonimir Soldo, der in seiner Debütsaison einige Anpassungsschwierigkeiten offenbarte. Kölner Trümpfe sind die Defensive inklusive Goalie Mondragon. Sorgen bereitet dagegen die Besetzung der zweiten Reihe sowie das unruhige Umfeld. Im medialen Haifischbecken Köln könnte es schon bei einem Fehlstart schnell ungemütlich werden. Einiges wird auch davon abhängen, ob Lukas Podolski der Mannschaft endlich entscheidend weiterhilft.

(15) 1. FC Kaiserslautern (Notenschnitt: 2,59)

Auch bei der Bewertung des Meisters von 1998 liegen wir beide um einiges auseinander. Ich für meinen Teil halte diese Mannschaft für zu wenig erfahren, um in der Bundesliga Bestehen zu können. Während Moritz die Neuzugänge und Verstärkungen als gut bewertet, sehe ich diese bestenfalls befriedigend. Wie wird Marco Kurz als Bundesliga-Novize auf der Trainerbank damit zurecht kommen? Wer schießt im Angriff die Tore? Kommt bei Niederlagen schnell Unruhe auf? Das sind doch einige offene Fragen. Ohne Zweifel wird es für den FCK eine schwere Saison im Abstiegskampf.

(16) Hannover 96 (Notenschnitt: 2,75)

Trotz Slomka: Auch 2010/2011 wird in der Landeshauptstadt Niedersachsens wieder gegen den Abstieg gespielt. Am Ende kommen Moritz und ich zwar auf den gleichen Notenschnitt, aber die Einzelwertungen liegen teilweise weit auseinander. Moritz etwa beurteilt die Neuzugänge als unzureichend. Für meinen Geschmack sind da allerdings durchaus einige gute Namen dabei. Dafür sieht er die Offensive als Prunkstück, für mich sind dort zu viele Namen dabei, die lange ihre Qualitäten vermissen ließen. Comeback fraglich. Größtes Sorgenkind ist aber die Defensive. Sie genügt zumindest auf dem Papier keinen Erstligaansprüchen.

(17) 1. FC Nürnberg (Notenschnitt: 2,77)

Erst in der Relegation hat sich der Club vor dem Abstieg gerettet. Diesmal könnte es die Franken erwischen, zumindest knapp wird es wieder. Bis auf den erfahrenen Goalie Torwart Schäfer wurden alle mannschaftsrelevanten Kategorien nur durchschnittlich eingeschätzt. Durchschnittlich zu wenig für die Bundesliga? Auch Trainer Dieter Hecking konnte uns noch nicht endgültig als Krisenmanager überzeugen. Für mich ist er gar ein heißer Kandidat auf einen Rauswurf bis zur Winterpause. Spiele mit dem FCN dürften auch in dieser Saison keine Leckerbissen werden.

(18) SC Freiburg (Notenschnitt: 3,00)

Mit großem Abstand und Einigkeit der beiden Bewerter landet der sympatische SC Freiburg abgeschlagen auf der letzten Position. Letztendlich wird es darauf hinauslaufen, was Teams aus dem Breisgau von jeher auszeichnete: Ein kompetenter Trainer, der in einem ruhigen und homogenen Umfeld ungestört arbeiten darf und eine Mannschaft formt. Die Probleme liegen in eigentlich allen Mannschaftsteilen, die Abwehr ist zu löchrig und wurde nicht ansprechend verstärkt. Der Sturm ist ausgedünnt mit lediglich drei Angreifern. Die Alternativen auf der Bank versprechen auch eher keine Besserung. Na dann: Mit dieser Prognose kann uns der SCF nur positiv überraschen!

Soweit die Teams auf den Plätzen 10-18. Morgen geht es dann in höhere Gefilde. Mit Antworten auf die Fragen: Wer wird Meister? Wer zieht in den Europapokal ein? Wer landet im oberen Mittelfeld?

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