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Schwäbisches Mittelmaß 21. April 2013

Posted by Moritz in : Bundesliga , add a comment

Man kann zu den Schwaben stehen wie man will, mit dem Verein wird in den letzten Jahren wohl nur absolutes Mittelmaß verbunden. Wer steht besser dafür als der Name des aktuellen Trainers. Doch Labbadia hin, Labbadia her – der Verein ist seit Jahren einer der regelmäßigsten Teilnehmer am internationalen Geschäft und das macht den VfB Stuttgart gewissermaßen zu einem Phänomen.

Mit dem heutigen schon zweiten Sieg über den SC Freiburg, stellt wieder eine Saison auf den Kopf. Wo seit Monaten eigentlich nur Verdruss auftürmte, stellt sich der Trainer nun hin und bezeichnet die Saison mit dem Nichtabstieg und der Qualifikation für die Europaliga als erfolgreich.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein paar erfolgreiche Wochen mögen zwar kurzfristig Zufriedenheit verbreiten, an den grundsätzlichen Problemen ändert sich dadurch aber herzlich wenig. Jung und wild ist längst Vergangenheit. Tristesse ist auf dem Rasen angesagt. Bis auf einige seltene Ausnahmen mit Symbolcharakter, in denen der VfB zu erleichtern weiß wie in Frankfurt, bleiben zu selten. Die Realität hieß zu oft Magerkost und Gegentore.

Gerade in den letzten Wochen wurde der hohe Einsatz der Mannschaft gelobt oder – je nach Ansicht – für den harten Einsatz kritisiert. Fakt ist, sie läuft und sprintet in der Bundesliga unerreicht weit und oft. Die Tatsache, dass dies explizit hervorgehoben wird, sagt schon viel über den sonstigen Zustand der Mannschaft aus. Denn was nützt all das Laufen, wenn die Tore wer anders macht und die Vorstellung eher öfter als selten mit einschläfernd als mitreißend bezeichnet wird. Hohe Niederlagen gegen Bremen und Düsseldorf prägen eine weitere Sicht auf dieses Problem.

Im Sommer soll hingegen laut Bobic wieder einmal eine Überraschung warten. Nach den bemerkenswerten Verschiebung der Aktivitäten zuletzt in den Winter, ist eine gewisse Portion Skepsis wohl angesagt. Im letzten Sommer wurde der Mannschaft der Vorsaison aus Gründen der Austerität noch vertraut, um letztlich festzustellen, dass die Möglichkeiten sich misszuverstehen trotz Eingespieltheit nahezu unbegrenzt sind. Zwischen den Jahren wurde jedoch die eigentliche Ergänzung verpflichtet. Zuerst Ibisevic und dieses Jahr Maxim brachten die Mannschaft stets einige Schritte voran. Für den ganz großen Wurf reichte es in jeweils einer halben Saison jedoch nicht.

Von Jugendspielern aus der eigenen Akademie hört man hingegen zwar viel, integriert werden sie aber trotz aller Sorgen nur zaghaft. Mit dem jungen Rüdiger gibt es zwar wieder ein Exempel, dass es doch geht. Auf breiterer Front ist davon aber nichts zu spüren. Wo bleiben ein Khedira oder ein Tino Werner, über die hin und wieder gefachsimpelt wird, letztlich aber nicht weiter in Erscheinung treten.

Was bleibt ansonsten noch von der Saison? Die allgemeine Stimmung im Umfeld ist seit Monaten mies. Verein und Fans sind alles andere als ein Herz und eine Seele. Erinnert sei nur an gähnende Leere im Stadion im Europapokal. Die schlechtere Heimbilanz ist wohl mehr als nur ein Symptom.  So beschäftigt man sich am Ende doch wieder mehr mit sich selbst, als mit einer Perspektive. All das macht es für die Verantwortlichen nicht einfacher den Verein aus der Lethargie zu reißen und die Fans gleich mit.

Mit dem Pokalfinale hat sich der Verein zwar wieder einmal mit einem Erfolg – an einen Sieg in Berlin werden wohl nicht einmal Berufsoptimisten glauben – in die Sommerpause gerettet. Eine Initialzündung sieht jedoch anders aus. So wird wohl alles bleiben, wie es schon immer war – und das Phänomen Stuttgart lebt weiter.

Dortmunder Spektakel 10. April 2013

Posted by Max in : Champions League , 1 comment so far

Respekt, Borussia Dortmund! So ein Spiel, so eine Endphase wie beim gestrigen 3:2-Erfolg in der Champions League sieht man wirklich nur ganz selten. Die Vergleiche mit dem 1999 so dramatisch beendeten Finale in der Königsklasse sind keineswegs übertrieben – an ein anderes Spiel auf diesem Niveau mit dieser Dramatik in der Nachspielzeit kann ich mich spontan überhaupt nicht erinnern.

Letztendlich war es ein Sieg der Moral für die Dortmunder, in einem Vergleich mit Malaga, die taktisch über 180 Minuten extrem diszipliniert auftraten und trotzdem viele Chancen zuließen. Analysiert man Hin- und Rückspiel, ergibt sich ein seltsames Bild: Das Weiterkommen der Dortmunder ist verdient, über ein Ausscheiden hätte man sich aber ebenso wenig beschweren können. Nachdem man vor einer Woche im Auswärtsspiel einige große Torchancen leichtfertig vergeben hatte, setzte sich dieses Bild im Rückspiel über weite Strecken fort – nur diesmal setzte Dortmunder die Treffer, in allerletzter Minute zwar, aber immerhin.

Natürlich bestand im Vorfeld des Duells mit dem FC Malaga die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen. Das ist ein fast schon natürlicher Vorgang, nachdem man es zuvor im Wettbewerb mit den Gegnern Real Madrid, Manchester City, Ajax Amsterdam und Schachtjor Donezk zu tun hatte. Als “Freilos” bezeichnete manch durch die Gruppenphase euphorisierter Fan schon die Spanier – wenngleich ich behaupte, dass sich Mannschaft und Trainer der Aufgabe schon bewusst waren. Trotzdem hat es der BVB spannender als nötig gemacht, vielmehr kann man aus diesem Last-Minute-Sieg sogar einen Hauch mehr Motivation in die Runde mitnehmen als bei einem “normalen” Weiterkommen.

Gestern las ich kurz nach der Partie übrigens eine interessante Theorie auf Twitter: Sollte Borussia Dortmund die Champions League gewinnen, würde das die Meisterschaft für den FC Bayern wertlos machen. Ich gebe zu: Eine sehr krude Theorie. Aber sie ist Bestandteil einer in den letzten Wochen etwas albern gewordenen Rivalität zwischen Dortmund und München. Mittlerweile wird dort jede Aktion auf die Goldwaage gelegt, Dortmund hätte letztes Jahr besser gefeiert und sowieso und überhaupt ist der jeweils andere besser.

An eine Entwertung der Meisterschaft für die Bayern – gerade nach den harten letzten zwei Jahren – glaube ich übrigens nicht. Aber ginge der Titel in der Königsklasse wirklich in den Ruhrpott, wäre das freilich ein harter Schlag. Schließlich haben die Bayern in den letzten Jahren oft alleine das deutsche Fähnchen hoch halten müssen und den Titel verdient. The show must go on… Wir warten auf das Halbfinale!

Buchkritik: Absolute Dynamite! 31. März 2013

Posted by Max in : Medien , add a comment

Der Englische Fussball verströmt seinen ganz eigenen Charme. Insbesondere dann, wenn man selbst noch relativ wenig erlebt hat im Mutterland des Fussballs und sich die Erfahrungen auf zwei Stadionbesuche in Fulham und Glasgow beschränken. Deshalb mag ich Bücher wie Absolute Dynamite! von Carsten Germann, welche einem die besondere Atmosphäre des Fussballs auf der Insel etwas begreifbarer machen.

Dem aufmerksamen, langjährigen Leser dieses Blogs dürfte der Name Carsten Germann durchaus bekannt vorkommen: Vor etwa viereinhalb Jahren rezensierte ich bereits football’s home, als dessen Fortsetzung nun also Absolute Dynamite! erschienen ist. Germann liefert 26 neue Geschichten aus England, diesmal sogar auch aus Wales, Nordirland und Schottland.

Carsten Germann, geboren im Jahr 1972, arbeitet seit vielen Jahren als Sportjournalist und gilt als ausgezeichneter Kenner der britischen Fussballszene. Er arbeitet als freier Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien, meist mit Berichten von der Insel, aber durchaus auch mal über allgemeine Sportthemen oder Fussball aus Deutschland. Neben den beiden genannten Büchern veröffentlichte er die Vereinschronik des FK Pirmasens und ein Lexikon über die 150 besten WM-Spieler aller Zeiten.

Die knapp 250 Seiten von Absolute Dynamite! sind ein würdiger Nachfolger seines Vorgängers. In bekannter Weise gibt es 26 interessante Geschichten aus dem britischen Fussball. Dabei unterliegen die Kapitel keiner besonderen Ordnung, alles wirkt lose wie zugeflatterte Zettel. Doch das braucht es auch nicht unbedingt – der Inhalt ist spannend genug. Germann bewältigt dabei einen großen Spagat: Er berichtet sowohl über die zunehmende Kommerzialisierung (Manchester City & Co.), über Weltstars wie Sven-Göran Eriksson oder Titelheld Michael Owen, aber auch über kleine Vereine wie The New Saints FC, FC East Stirlingshire und das Online-Projekt Ebbsfleet United. Aber auch die Tragödie von Hillsborough oder die erbitterte Rivalität zwischen Rapid Wien und Celtic Glasgow. Groundhopper im Rentenalter kommen ebenso zu Wort wie Tony Adams.

Insgesamt präsentiert sich das Buch als bunter, sehr lesenswerter Abriss durch den britischen Fussball. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bilden die einzelnen Geschichten doch ein abgeschlossenes, rundes Gesamtbild. Und machen Hunger auf mehr. Freilich ist nicht jede Story im Buch von der gleichen Qualität und hohem Informationsgehalt, über den FC Wimbledon und seinen Niedergang in Milton Keynes hatte ich in den letzten Jahren schon häufiger gelesen und auch zwei, drei andere Beiträge ziehen sich etwas in der Länge.

Das tut dem Gesamteindruck jedoch kaum einen Abbruch. Wer mehr über den britischen Fussball in seiner Vielfalt erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen!

Der schönen Pflicht zweiter Teil 29. März 2013

Posted by Moritz in : WM 2014 , add a comment

Das Schauspiel ist stets ein merkwürdiges. Die deutsche Nationalmannschaft strotzt vor Selbstbewusstsein. Dominiert das Spiel regelrecht und muss nach nur wenigen starken Situationen der Kasachen mit anschauen, wie das Publikum aufmüpfig wird.

Doch der Reihe nach: Im zweiten Spiel gegen die Kasachen in einer guten Woche erlebte das Kombinationsspiel der Löw’schen Elf einen deutlichen Zuwachs an Schwung. Zu großen Teilen ist dies sicher der Wiederbelebung der linken Angriffsseite geschuldet, die in Astana noch ein Komplettausfall war. Nicht umsonst bildeten die Tore von Marco Reus gewissermaßen einen Rahmen um das Spiel.

Der Dortmunder eröffnete mit einer starken Einzelaktion den Torreigen, nachdem sich die Mannschaft zuvor schon deutlich warmgepasst hatte und krönte beeindruckende Minuten, in denen sich alle elf kasachischen Spieler in ihrer “Box” befanden und trotzdem noch vom Kurzpassspiel eines Özil und Götze durchpflügt worden.

So viel Ballbeherrschung auf engstem Raum war auf deutschen Plätzen abseits von Halbzeitspielchen selten. Einzig ein Tor ließ trotz aller Bemühungen auf sich warten. Bis sich Marco Reus ein Herz fasst und nach kurzem Sprint am Strafraum entlang – nicht passte – sondern einfach abschloss. Nach Vorlagen von Lahm und Özil trafen auch Götze und Gündogan.

Um die Kasachen musste einem in der Pause schon Angst und Bange werden. Doch ein Faux-Pas von Neuer und eine entspanntere Einstellung der Gastgeber ermöglichte schließlich noch den Aufreger des Abends: Ein unnötiges Gegentor, das Gotteslästerung gleich kam und bei dem ein oder anderen wohl trotz der souveränen Leistung schlimmste Traumate aufriss.

Zu guter Letzt hat eine seit Jahren sich manifestierende Tendenz in Nürnberg ihren Höhepunkt erreicht. Als wenn diese merkwürdige Atmosphäre zwischen Rummel und Friedhof traurigerweise nicht schon nahezu gewöhnlich wäre, wird nun der eigene Torwart nach einem Faux-Pas verhöhnt. Auch wenn es einer Vielzahl der Zuschauer so erscheinen muss, sind die deutschen Nationalspieler nicht die Harlem Globetrotters des Fußballs, die sich einzig dem Spektakel verschrieben haben. Ob diese Geisteshaltung reversibel ist, ist momentan mehr als zweifelhaft. Zu Wünschen wäre es den Spielern allemal. Das indifferente Dankeschön-Banner an die besten Fans der Welt nach jedem noch so bescheidenen Spiel dürfte hingegen kontraproduktiv sein.

Manuel Neuer – Es ist ein Spiel gewesen in dem kann man als Torwart nichts gewinnen. Neuer war das zu wenig und verlor mit seinem riskanten Spiel wieder einmal. Es war das erste Gegentor der Kasachen im vierten Spiel. So gesehen ebenfalls das absolut unnötigste, aber wohl auch das Tor mit den denkbar geringsten Auswirkungen. Note: 4

Phillip Lahm – Das Lahm im Nationaltrikot mal wieder unübersehbar zeigt, warum er als einer der stärksten defensiven Außenbahnspieler gehandelt wurde, hätte ich kaum für möglich gehalten. Dynamik, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen von Grundlinie zu Grundlinie ebneten nicht nur den Weg für Götzes Tor, sondern macht Lust auf mehr von diesem Lahm. Note: 2

Per Mertesacker – Ein – im positiven Sinne – Spiel zum Abhaken für den Routinier. Beim Gegentor machtlos, war er die permanente Absicherung des spielstarken Mittelfelds und dürfte neben Neuer am wenigsten gelaufen sein. Viel zu sagen gibt es sonst auch nicht. Note: 3

Jerome Boateng – Ähnliches gilt auch für Boateng, der sich immerhin durch ungeahnte Passsicherheit im Offensivspiel auszeichnen konnte. Der Erkenntnisgewinn hält sich ansonsten in Grenzen. Ein Prüfstein sieht anders aus. Note: 3

Marcel Schmelzer – Mit Marcel Schmelzer im Nationaltrikot werde ich irgendwie nicht warm. Es sieht eigentlich ganz gut aus, was er machte. Zugegeben defensiv war er nicht gefordert. Nach vorne nahmen sich seine Vorsätze gut aus, aber zählbares hat er nicht vorzuweisen. Seine Pässe und Flanken wirken teilweise wie aus der Schrotflinte. Note: 4

Sami Khedira – In der ersten Halbzeit war der ansonsten sehr präsente Sechser kaum zu sehen. Angesichts des weit vorne veranlagte Spiels ist eben das allerdings kein Wunder. In der zweiten Halbzeit versuchte er immerhin sichtlich, wenn auch mit begrenztem Erfolg, der Mannschaft über den kurzzeitigen Bruch im Spiel zu helfen. Note: 3

Ilaky Gündogan – Der Aspirant auf einen festen Startplatz untermauerte seine Ambitionen in starker Manier. Er war auf dem Platz praktisch omnipräsent. Gündogan lieferte fortwährend Impulse aus dem Mittelfeld und traf selbst in vorderster Front. Mit der aktuellen Form muss er sich vor keinem Konkurrenzen verstecken. Note: 2

Thomas Müller – Es war ein ruhiges Spiel von Müller. Ab und zu wurde er als Ballstopper und Weiterleiter ins Spielgeschehen eingebunden. Von ihm selbst kam aber zu wenig. Dank der starken Auftritte seiner Nebenleute fiel das im Gesamtkontext aber kaum auf. Note: 3

Mesut Özil – Bei Özil fällt es langsam schwer etwas zu finden, was es noch nicht gab. Das ganze spricht aber für seine Konstanz. Er war wieder einmal sehr mobil und vorne wie weiter hinten zu finden, um das Spiel aus allen Positionen anzukurbeln. Seine Beteiligung an den Toren kommt nicht von ungefähr. Note: 2

Marco Reus – Obwohl er recht zurückhaltend agierte, war er eine deutliche Belebung des linken Seite im Vergleich zu Podolski zuletzt. Beherzt eröffnete er den Torreigen und beendete ihn kurz vor Schluss auch wieder. Note: 2

Mario Götze – Unbeachtet der Diskussionen um seine vermeintliche und wahre Position zeigte Götze, warum er auf dem Platz steht: Er steht auch mal am richtigen Platz und trifft einfach. Bei dieser Bilanz in vorderster Front sind seine sonstigen Fähigkeiten am Ball eine nette Dreingabe. Wie Beckmann sich da in der Pause einen Stürmer mit noch mehr Ballgefühl wünschen kann, wird für immer sein Rätsel bleiben. Note: 2

FAZIT: Eine Partie, die bei sechs oder mehr Aluminum-Treffern gut und gerne auch zweistellig hätte enden können, präsentierte die Nationalelf in Spiellaune wie selten zuvor. Die passiven Kasachen lieferten sicher ihren Teil, aber wenn sie sich diese Performance bewahren sowie an der Chancenverwertung und dem Abwehrverhalten noch feilen, läuft es auch mal wieder gegen abgezocktere Mannschaften rund.

Pflichtübung 23. März 2013

Posted by Moritz in : WM 2014 , add a comment

Kasachstan ist eigentlich ein gern gesehener Gegner der deutschen Nationalmannschaft. Daran änderte auch das dritte Spiel der letzten drei Jahre gegen das abgesehen von Russland östlichste Uefa-Mitglied nichts. Trotz der weiter als gewöhnlich geratenen Anreise ließen sich Jogi Löw und seine Schützlinge nicht aus dem Konzept bringen.

Auch wenn laut Vorberichten im Stadion mit einigen Zuschauern am Tag zuvor bereits das Jubeln eingeübt wurde, gab es für die Kasachen während des Spiels nicht allzuviel Grund dafür – zu dominant spielten die Deutschen in der Anfangsphase auf. Lediglich ind er zweiten Halbzeit taute das Publikum etwas auf. Dabei hätte ihre Mannschaft durchaus auch mehr verdient. Sehr geschickt verlangsamten sie das Spiel des Gegners und vermieden durch ihr sehr zurückgezogene Spiel Ansatzmöglichkeiten für temporeiche Vorstöße der deutschen Mannschaft.

Diese spielte den Ball zunächst eher in die Breite und brauchte lange, bis sie vor dem 1-0 und 2-0 wirklich gefährlich in den Strafraum kam. Ein Grund für das anfänglich zurückhaltende Spiel ist sicher die ungewohnte Aufstellung gänzlich ohne Stürmer, welche durch den frühen Ausfall Draxlers und die folgende Einwechslung von Podolski einen recht frühen Rückschlag hinnehmen musste. Die letztendlich nicht überragende Leistung in Astana reichte jedoch noch für ein drittes Tor.

Dennoch war das Spiel gegen den Außenseiter letztendlich souverän und wurde in Halbzeit Zwei nur mit minimalen Wacklern über die Zeit gebracht. Löw darf man hingegen gratulieren dafür, endlich mal auch außerhalb von erkorenen Testspielen etwas ausprobiert zu haben. Das so etwas nicht auf Anhieb perfekt funktioniert ist nur natürlich, aber es gefiel auf Grund des Pflichtspielcharakters wesentlich besser.

Manuel Neuer – Als Kasachstan kurzzeitig etwas mutiger aufspielte, stand der Nationaltorwart zu Beginn der zweiten Hälfte einige Male im Mittelpunkt. Die Schüsse von Schmidtgal und Co. wehrte er aber souverän ab und hatte lediglich beim unhaltbaren Lattenknaller Glück. Note: 3

Phillip Lahm – Der Kapitän bliebt in diesem Spiel seiner Position eher treu. Er so lieferte kaum Impulse für das Offensivspiel. Angesichts der ohnehin schon eng beeinander stehenden Spieler vor ihm, war das aber auch eher schwer. Defensive Aufgaben gab es wenn überhaupt nur vereinzelt in der zweiten Halbzeit. Note: 3

Per Mertesacker – Das Innenverteidiger-Duo flog gestern komplett unter dem Radar durch. Besonders Mertesacker füllte die Mannschaft hervorragend auf elf Mann auf und fügte seinem Lebenslauf an einem äußerst ruhigen Abend ein weiteres Auswahlspiel hinzu, an dem er zumindest nichts falsch machen konnte. Note: 3

Benedikt Höwedes – Für ihn gilt praktisch das gleiche wie für seinen Kollegen. Er war zusätzlich noch Ausgangspunkt des Führungstores in dem er Özil auf den Weg schickte. Note: 3

Marcel Schmelzer – Der Dortmunder trug seinen Teil zu einer schwachen linken Mannschaftshälfte bei. Begann er mit Draxler vor sich noch einigermaßen versprechend, gelang im in diese Richtung mit Podolski vor der Nase kaum noch etwas. Note: 4

Sami Khedira – Seine Vorstöße aus dem Rückraum sind immer wieder schön anzusehen. Dank des Vakuums in vorderster Front zog es ihn bisweilen auch dorthin. Spielentscheiden konnte er zwar nicht eingreifen, machte aber immerhin eine gewohnt gute Figur und vermittelte die Sicherheit der Bundesbank. Wenn es nötig geworden wäre, wäre er da gewesen. Note: 3

Bastian Schweinsteiger – Auch Schweinsteiger konnte sich ob geringer defensiver Pflichten von Zeit zu Zeit nach vorne orientieren. Sehr artistisch nahm er vor dem 1-0 den Ball an und mit. Geschickt kassierte er seine zweite Gelbe Karte und verlebt somit im Rückspiel gesperrt eine ruhige Woche. Note: 3

Thomas Müller – Müller war so etwas wie der Spieler des Spiels. Dass wird auch davon unterstrichen, dass der bayerische Jung an allen drei Toren beteiligt war. Ließ sich Götze zurückfallen, drängte er vermehrt in den Strafraum hinein und war auch sonst trotz enger Deckung mobil. Note: 2

Mario Götze – Götze stellte am gestrigen Abend den Ersatzstürmer dar. Auf der für ihn ungewohnten Positionm konnte er trotzdem ab und zu Räume schaffen und zum zweiten Tor des Abends abstauben und harmonierte in der zweiten Halbzeit besser als sonst mit Özil. Note: 3

Mesut Özil – Die Frage ob Özil oder Götze wurde wieder einmal mit “es geht auch zusammen” beantwortet. Einziger Kritikpunkt bleibt wohl die Rechtslastigkeit des Spiels, das zum Teil auch auf seine Kappe geht. Ansonsten war der Pass vor dem eröffnenden Tor gewohnt stark gespielt. Note: 2

Julian Draxler – Löws Wahl viel überraschend auf den jungen Schalker, der für das Spiel ohne echte Spitze versprechendere Anlagen mitbringt als Podolski. Noch bevor er sich richtig warm gespielt hatte, musste er aber schon wieder mit einer Gehirnerschütterung vom Platz und bleibt deshalb ohne Note. Eine Wiederkehr ist aber ausdrücklich erwünscht.

Lukas Podolski – Der Arsenal-Spieler kam zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Partie und erlebte dort gleich die beiden Tore hautnah mit. Zum Kombinationsspiel seiner Nebenleute konnte er erwartungsgemäß nicht viel beitragen und blieb über weite Strecken unbemerkt. Note: 5

FAZIT: Die Operation Kasachstan kann als Erfolg gewertet werden. Mit einer unspektakulären Vorstellung ungfährdet das Maximum herausholen muss der deutschen Mannschaft erst einmal jemand nachmachen. Gleichzeitig gab es durch die Aufstellung einen weiteren Reizpunkt, der auch wenn nicht alles gleich perfekt lief der Fortentwicklung der Mannschaft sicherlich dienlich war. Was will man mehr?