Afrika-Cup: Afrika, deine Torhüter 13. Januar 2010
Posted by Max in : Fussball International , trackbackAus zeitlichen Gründen konnte ich den Afrika-Cup in den letzten Tagen leider nur durch Zusammenfassungen und Spielberichte verfolgen. Mittlerweile haben drei Gruppen das Turnier begonnen, Staffel D folgt am heutigen Mittwoch. Nach einigem Hin und Her ist Togo nun doch nicht dabei, die Rückreise der Nationalmannschaft sowie das damit verbundene Fehlen beim geplanten Auftaktspiel am Montagabend hat die Disqualifikation zur Folge. Somit wird Gruppe B jetzt nur noch zwischen Ghana, der Elfenbeinküste und Burkina Faso ausgespielt.
Dabei wurde dem deutschen WM-Gruppengegner Ghana zuerst die Möglichkeit zuteil, zusätzliche Tage der Vorbereitung einzulegen. Die Ausgangslage der Mannschaft hat sich sicher nicht verschlechtert, da im Duell der Gruppenkontrahenten keine Tore fielen, somit die Elfenbeinküste und Burkina Faso nur die Punkte teilten. Besonders enttäuschend war dabei die Vorstellung der Ivorer, aufgrund der sportlichen Entwicklung der letzten Jahre zu einem Turnierfavorit erklärt. Kein Durchsetzungsvermögen, auch Stürmerstar Didier Drogba enttäuschte. An einigen Stellen habe ich schon gelesen, die Mannschaft schont sich für die Weltmeisterschaft. Sicher will kein Spieler beim Highlight im Sommer fehlen, aber das deckt sich auch nicht mit Aussagen vom Afrika-Experten Otto Pfister und einigen Spielern, die den Afrika-Cup von der Bedeutung sogar noch über die WM stellen. Vielmehr sehe ich bei der Elfenbeinküste das fehlende Turnier-Gen, es gibt andere Teams aus Afrika, die sich schon aufgrund von Leistungen einen guten Ruf erarbeitet haben. Die Ivorer sind sicher ein talentiertes Team, aber der Erfolg wird auch ihnen nicht zufliegen. Weder beim Kontinentalturnier jetzt, noch im Sommer.
Ein typischer Fall von Unterschätzung des Gegners durften die Zuschauer bei der Partie zwischen Außenseiter Malawi (Weltranglistenplatz 99, schlechtester aller Teilnehmer) und WM-Teilnehmer Algerien bestaunen. Die Nordafrikaner kamen mit der Euphorie des Sieges über Ägypten zum Turnier, fühlten sich unbesiegbar und rechneten wohl damit, die Kicker aus der ehemaligen britischen Kolonie mit dem kleinen Finger wegschnippen zu können. Die Quittung gab es im Endergebnis - 3:0 für Malawi ließt sich deutlich. Trotzdem ist noch nicht alles verloren, schließlich teilten sich bekanntlich die Gruppengegner Angola und Mali beim 4:4 die Punkte.
Die überzeugendste Leistung bisher einer Mannschaft beim 27. Afrika-Cup lieferten gestern die Ägypter ab. Eigentlich zählen die Pharaonen in Expertenkreisen wegen ihrer überalterten Mannschaft nicht zum Favoritenkreis. Doch wie schon in der Vorschau angedeutet, den Rekordsieger würde ich nie abschreiben. Immer noch stark genug wurde am Ende Nigeria besiegt, die nach Augenzeugenberichten wohl nicht viel auf die Reihe bekommen haben. Dennoch ist für die Nigerianer noch nicht alles verloren, schließlich ist die Gruppe dank der weiteren Aufgaben Benin und Mosambik mit “machbar” treffend umschrieben. Beim Duell der “Mambas” und “Eichhörnchen” wurde man Zeuge eines typisch afrikanischen Problems: Die Torwartposition. Wohlwollend formuliert, hat der Torwart Mosambiks, Rafael, im Fitness-Bereich noch Luft nach oben. Fast alle vier Treffer beim 2:2 gingen schwerwiegende Fehler der Schlussleute voraus. Zwar kein Tor, dafür jede Menge spöttische Kommentare rief folgende Situation von Rafel hervor:
Wie meinte Eurosport-Reporter Ralf Itzel so schön? “Zum Bodenturnen ist der wohl eher nicht zu gebrauchen.” Es wird sicher auch nicht der letzte Patzer eines Torwarts bei diesem Turnier gewesen sein.
Die Ausgangsposition in den Gruppen könnte kaum spannender sein, dank einer Reihe von Remis ist noch kein Team abgeschlagen, keine Mannschaft enteilt. Ob das auch in Gruppe D der Fall sein wird? Dort spielen heute Kamerun gegen Gabun, sowie Sambia gegen Tunesien.
Kommentare»
Sieht ein bisschen aus wie Tim Wiese damals gegen Juventus und erinnerte mich daran, dass ich nach der WM 1998 einen kicker-Artikel zum gleichen Thema las. Darin wurde als einer der Gründe angeführt, dass in Afrika die Torhüterposition keinerlei Wertschätzung genießt und von Anfang an der Schwächste/Kleinste/Dickste ins Tor muss, es demzufolge auch keine richtige Ausbildung gibt.
Scheint sich nicht viel geändert zu haben.