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Traumfussball in Leverkusen 6. September 2009

Posted by Max in : WM 2010 , trackback

Es gab sie wieder - “Die Welle” sauste nach meinen Beobachtungen diesmal allerdings nur einmal durch das weite Rund der nagelneuen BayArena. Beim 2:0-Testspielsieg gegen Südafrika gab es erstmals seit langer Zeit gegen einen ernsthaften Gegner wieder so etwas wie ansehbare Spielzüge mit flottem Tempo. Letztendlich waren es trotzdem noch zu lange Phasen mit zu viel Leerlauf, dazu kommt die unbekannte Komponente mit der wahren Stärke der Südafrikaner. So bleibt am Ende des Abends lediglich der Blick auf die Einzelleistungen der Akteure, die mit wenigen Ausreißern nach unten und oben zumindest befriedigend waren. Es folgt die Einzelkritik.

René Adler: Der Leverkusener konnte den Ländervergleich bei seinem Heimspiel durchaus zur Empfehlung im Torhüterkampf nutzen. Nach ziemlich beschäftigungsarmer Anfangsphase rettete Adler später mehrmals glänzend und blieb so ohne Gegentor. Note: 2

Philipp Lahm: Von den beiden Außenverteidigern der deutlich aktivere Part, schaltete sich speziell im ersten Durchgang mehrmals nach vorne ein und konnte so mehrere Torchancen einleiten. Später etwas zurückhaltender, aber solide in der Defensivarbeit. Note: 3

Serdar Tasci: Der Stuttgarter Innenverteidiger durfte nur die erste Halbzeit mittun, ließ sich dort allerdings nix weiter zu Schulden kommen und bildete zusammen mit Friedrich ein gutes Gespann. Kleine Nachlässigkeiten konnte er durch zwei beherzte Vorstöße ausgleichen. Note: 3

Arne Friedrich: Bei ihm weiß man, was man hat. Bei Friedrich bekommt man sauberes, konsequentes Stellungsspiel. Die volle Konzentration auf die Abwehrarbeit sollte aber gerade gegen Kaliber Südafrikas etwas gelockert werden zugunsten einer forcierten Spieleröffnung aus der Deckung heraus. So ist es grundsolide, aber auch nicht mehr. Note: 3

Marcel Schäfer: Der Wolfsburger scheint momentan die einzige ernsthafte Alternative für die linke Abwehrseite zu sein, von daher steht er besonders im Fokus. Eine deutliche Leistungssteigerung zum fahrigen Spiel gegen Aserbaidschan, doch wirkt er im Vergleich mit Gegenüber Lahm extrem zurückhaltend. Note: 3

Michael Ballack: Der Kapitän verrichtete die Arbeit gewohnt zuverlässig. Man lese bitte die Einschätzungen der letzten Länderspiele. Ab und an mit klugen Pässen in die Spitze, selber jedoch eher zurückhaltend und auf das Beackern des Mittelfeldes beschränkt. Note: 3

Simon Rolfes: Im interessanten taktischen Konzept von Joachim Löw spielte Rolfes diesmal neben Ballack als Sechser und konnte in dieser Rolle durchaus gefallen - vielleicht eine denkbare Option für die nächsten Monate? Sicher in der Defensivarbeit, im ersten Durchgang mit guter Spieleröffnung. Danach zurückhaltender. Note: 3

Bastian Schweinsteiger: Wieder ein schwaches Länderspiel von ihm. Das Bemühen kann man dem Münchener sicher nicht absprechen, aber seinen Aktionen fehlte vollständig jede Form der Effektivität. Dribblings wurden mit “dem Kopf durch die Wand” bestritten, der Nebenmann oft übersehen. Note: 5

Mesut Özil: Der Bremer erhielt erstmals im DFB-Trikot einen Startelfeinsatz und konnte das Vertrauen des Bundestrainers voll rechtfertigen. Mit klugen Pässen und starken Einzelaktionen war er DER Aktivpunkt im deutschen Spiel. Schönes Tor zum 2:0. Note: 2

Marko Marin: Im vergangenen Jahr war es noch Marin, der bei wenigen, kurzen Einsätzen für Belebung sorgte. Diesmal in etwas seltsamer Rolle auf dem linken Flügel (als hängende Spitze?) zwar bemüht, allerdings ähnlich glücklos wie auch Schweinsteiger. Zur Pause ausgetauscht. Note: 4

Mario Gomez: Erstmals als alleinige Spitze aufgeboten, löste er diese Aufgabe wirklich gut. Die Blockade im Nationalteam ist wohl endgültig besiegt. Gut anspielbar im Strafraum, wenn auch nicht immer mit dem nötigen Schussglück. Der Führungstreffer aber war gelungen. Note: 3

Heiko Westermann: Mein erster Gedanke beim Zusammenstellen der Noten - Westermann hat mitgespielt? Sehr unauffällige Leistung als Ersatz für Tasci in der Innenverteidigung, ab und zu kleine Abstimmungsprobleme mit Arne Friedrich. Note: 4

Lukas Podolski: Der Kölner wurde zur Pause für Marin eingewechselt und fügte sich in den ersten Minuten danach gut ein. Doch relativ bald tauchte er ab und konnte keine weiteren Akzente im Spiel setzen. Durchwachsener Auftritt insgesamt. Note: 4

Miroslav Klose: Bei Bayern ist Klose völlig aus dem Blickfeld geraten, im Nationalteam ist er aber neben Gomez die ernsthafteste Alternative im Angriff. Mit Spiel- und Einsatzfreude konnte er sich manchmal in Szene setzen und wirkte durchaus bemüht. Note: 3

FAZIT: Verdienter Sieg mit einem interessanten taktischen Experiment (4-2-1-1-1-1-System) in der ersten Halbzeit. Vom Notendurchschnitt ist es die beste Leistung in diesem Länderspieljahr gewesen, was nicht zwingend für das gestrige Spiel sprechen muss, sondern eher das durchwachsene Jahr 2009 der Nationalelf charakterisiert.

Im Nachklapp zum Spiel sorgte wieder einmal die übertragende Fernsehanstalt für Aufregung, in Person von Kommentator Bela Rethy. Mauertaktik und Catenaccio nahmen sich der Leistung der ungarischen Quasselstrippe an und sammelten fleißig Sprüche. Mein Lieblingszitat:

Klose auf Özil – und Tor! Mann, kann Fußball schön sein!

Mit weiteren Fussballfreuden geht es schon am Mittwoch weiter, gegen Aserbaidschan. Und die haben gestern das Toreschießen entdeckt!

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