Plötzliches Ende der Ära Veh 23. November 2008
Posted by Moritz in : Bundesliga , trackbackNach dem gestrigen 1-4 gegen Wolfsburg haben in Schwaben einige Verantwortliche ihre Zeit zum Handeln kommen sehen. Das Ergebnis, die heutige Beurlaubung von Armin Veh als Trainer seines VfB Stuttgart, war in der Summe wohl eine Überraschung mit Ankündigung.
Eine Überraschung insofern, als dass die Mannschaft im vergangenen Jahr ebenfalls in der Hinrunde in einer Krise steckte, die sie sogar bis nur auf einen Punkt vor die Abstiegsränge und Platz 14 geführt hatte, bevor sie die Kurve noch bekam und sich halbwegs konstant in oberen Regionen wieder eintrudelte, um auf einem akzeptablen sechsten Platz die Qualifikation für internationale Weihen gerade so nicht verpasst hatte. In dieser ganzen Zeit hielten die Verantwortlichen wohl auch noch unter Eindruck der Meistermeriten an Armin Veh fest. Eine Ausdauer, die ich den ruhigen Schwaben grundsätzlich auch in dieser Saison wieder zugetraut hätte – und weit daneben lag.
Denn den Abschied vorbereitend scheint es in den letzten Wochen intern und in jüngster Vergangenheit auch vermehrt öffentlich kräftig rumort zu haben, als immer offensichtlicher wurde, dass die eigene Mannschaft zwar nicht unbedingt schlecht spielte, den hohen Ansprüchen an sich selbst aber immer mehr hinterherlief. Schwache und starke Auftritte wechselten sich im Uefa-Pokal und der Bundesliga regelmäßig ab, bis in den letzten Wochen erstere die Überhand gewannen und deutlich machten, dass die Mannschaft zu sehr von Mario Gomez abhängt und die nach der Meistersaison in erneuter Abkehr vom erfolgreichen Jugendkonzept getätigten Neuverpflichtungen nicht die gewünschte Qualität sowie den unbedingten Erfolgshunger mitbrachten. Doch auch in diesem Sommer blieb die Korrektur aus und schlug sich deutlicher auf dem Spielfeld nieder, was Veh im Vorfeld seines letzten Spiels dazu veranlasste sich selbst sowie Horst Held und Jochen Schneider als Verantwortliche zu benennen.
Sein gleichzeitiger und letzter Aufruf an die Mannschaft in Wolfsburg zu zeigen, dass in ihnen das Potenzial steckt den Erfolgspfeil wieder nach oben zu drehen verhallte trotz einer Führung ungehört und der sympathische Augsburger, der sowohl im Erfolg als auch im Misserfolg ruhig blieb, musste mit ansehen, wie die Mannschaft eines seiner Vorgänger nach Belieben aufdrehte und das Spiel drehte, so dass der verblasste Meisterglanz auch nichts mehr retten konnte und das verstimmte Verhältnis zu Heldt den Ausschlag gab.
“Wir waren in einigen Punkten einer Meinung, in anderen Punkten eben nicht - und das hat den Ausschlag gegeben” (H. Heldt)
Veh selbst wird nach einer Verdauungsphase ein insgesamt positives Fazit seiner Tätigkeit in Stuttgart ziehen können und, sollte er wollen, nicht lange auf ein Angebot warten müssen, da er sich hier weiterentwickelt und so für höhere Weihen empfohlen hat, so dass er der Bundesliga wohl hoffentlich nicht allzu lange fern bleiben muss. Einen ähnlichen “Fehler” wie seinen Wechsel zum FC Augsburg, der den Trainer des Jahres 07 lange Zeit aus dem Blickfeld verschwinden und in Vergessenheit ließ, ist nicht zu erwarten.
Die Frage ist nun wie es mit den Stuttgartern weitergehen wird, denn von den offensichtlichen Problemen dürften sich durch einen neuen Trainer wohl nur die mentalen in naher Zukunft kitten lassen, während die strukturellen nach erneuter langfristiger Aufbau verlangen werden, vor allem wenn Mario Gomez zum Ende der Saison den allseits erwarteten Absprung aus der Fußballprovinz gelingt, in die der VfB wohl wieder eingedrungen ist. Denn von den hochfliegenden Zielen wird man sich selbst erst einmal verabschieden müssen.
Das Trainergeschäft wird nun interimsweise Markus Babbel übernehmen, während sich der Verein nach verfügbaren Lösungen auf dem Markt umschauen wird. Nachdem zuletzt Veh von der Übergangs- zur Dauerlösung wurde, wäre wohl auch ein dauerhaftes Engagement des ehemaligen Nationalspielers denkbar, wobei die Stuttgarter auch eine Aufgabe für Mirko Slomka sein könnte, da man internationales Standing im Südwesten in den nächsten Wochen nicht brauchen wird. Vielmehr wird es darauf ankommen so schnell wie mögliche die eigene Serie zu beenden.
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Von Voodoo-Priestern, Regentänzen und Trainerentlassungen
Als Soziologe und Systemtheoretiker tobe ich mich ja eigentlich bei den Sozialtheoristen aus. Doch es gibt die seltenen Fälle, in denen sich die beiden Themen überschneiden. Ich will mir den Fußball ja nicht kaputt analysieren. Deshalb achte ich mei…