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VfL Wolfsburg: Die neue Zweieinigkeit 30. Mai 2008

Posted by Moritz in : Bundesliga , trackback

Es war am Ende der letzten Saison, als es auch Klaus Augenthaler erneut nicht gelungen war mit der grauen Maus der Liga in höhere Sphären zu entgleiten. Nach der zweimaligen Ehre des 15. Platzes holten die Verantwortlichen Felix Magath aus dem Karibikurlaub um erneut einen Angriff auf die oberen Plätze einzuleiten. Ausgestattet mit allen Vollmachten und den Posten des Trainers und Managers bzw. Geschäftsführers stürzte er sich mit tatkräftiger, finanzieller Unterstützung von VW in das Abenteuer ein neues Team zu formen und aufzubauen, um den Verein den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen.

Der Saisonverlauf

Eine Menge Skepsis umwehte die Aufgabe zunächst, waren doch bereits viele Mannschaften aus einem zu viel an Ansprüchen und Millionen tiefer gestürzt, als sie empor gewollt haben, wollten die neuen Spieler ,so teuer sie auch waren, einfach nicht zusammenpassen. Magath wusste dies sicher auch und nahm mit dem simplen Saisonziel der Steigerung wohl eine Menge Druck von der Mannschaft, die nach dem großen Umbruch nichtsdestotrotz einige Startprobleme hatte. Obwohl die Angriffsreihe kein einziges Vorrundenspiel ohne eigenen Erfolg vorweisen konnte, wollte die Abstimmung vor allem in der Defensive einfach nicht funktionieren und kassierte dementsprechend meist ein bzw. zwei Tore mehr als für einen Sieg nötig gewesen wären. In besonderer Art und Weise rückte dabei auch Simon Jentzsch in den Vordergrund. Auf der Suche nach dem Loch wurde er trotz annehmbarer wenn auch schwächerer als von ihm gewohnten Leistungen ausgemacht um dann kurz vor der Winterpause in der Halbzeitpause demontiert zu werden. In der darauffolgenden Rückrunde ging das Konzept von Magath erst richtig auf. Mit neuem Torwart und der Magathschen Luft sollte vom grauen Mittelfeldplatz der „Aufstieg” in höhere Regionen gelingen, auch wenn erst am letzen Spieltag mit ein wenig Glück der Sprung auf einen direkten Platz zum Uefa-Cup gelingen sollte. Davor waren aber deutliche Verbesserungen im Vergleich zur Vorrunde sichtbar. Die Abwehr hielt dicht und steuerte so seinen Teil zur Verdopplung der Siege hinzu. Die nun kompakter stehende und zusammengehöriger wirkende Mannschaft konnte nun auch gegen Mitkonkurrenten aus dem eigenen Tabellenumfeld überzeugende Argumente hervorbringen. Der Abstand aus dem alten Jahr lies sie aber lange Zeit stabil auf Platz sieben hängen, bis die größere Kontinuität in der Rückrunde den letzten Hopser zuließ und somit eine für Wolfsburger Verhältnisse überdurchschnittliche Saison beendete und erst zum zweiten Mal die Chance eröffnet den Namen auch über die Grenzen des deutschen Oberhauses hinaus nach Europa zu tragen.

Der Kader

Neuzugänge

An neuen Gesichtern hatte der Kader des VfL in dieser Saison sicher mehr als genug zu bieten, als es galt nach dem großen Abgang die Reihen neu zu füllen. Der Trikotsponsor und Eigentümer des Vereins stellte dafür Mittel in zunächst unbegrenzter Höhe zur Verfügung, die Felix Magath in Eigenregie planvoll einsetzte, dabei aber auch merkte, dass vernünftige Gehälter noch keinen nach Wolfsburg locken. Und so blieb der größte Name, an den man sich dieses Jahr in Wolfsburg gewöhnen musste, der des Portugiesen Ricardo Costa, der sich zu seinem Leidwesen gleich das Kreuzband riss und somit große Teile der Hinrunde verpasste. Doch danach verstärkte er wie erwartet die wackelige Abwehr und machte einen unaufgeregt guten Eindruck. Einen großen Anteil daran hat auch Winterneuzugang Benaglio, dem nach langer Suche die Rolle der neuen Nummer Eins zufiel und die Torwartdiskussion sogleich verstummen ließ. Ansonsten wurde das Geld vor allem in jüngere Spieler investiert, die dem Verein perspektivisch wohl eher weiterhelfen konnten als in dieser Saison. Dennoch schafften mit Gentner und Dejagah zwei von ihnen schon den Sprung in die erste Elf und trugen den Erfolg so tatkräftig mit. Trotz aller guten Griffe erlaubte sich Magath auch zwei nicht gerade günstige Fehlgriffe, als er von Cottbus das Duo Radu/Munteanu erwarb. Beide kamen in der Autostadt nicht richtig zum Zug und suchten dementsprechend auch wieder schnell das Weite.

Gewinner - Verlierer

Wo gehobelt wird, fallen Späne, sagt der Volksmund. In Wolfsburg wurde eine Menge gehobelt, so dass es kaum verwunderlich sein dürfte, dass dort mehr als nur einen „Verlierer” gibt. Als fast schon tragisch ist dabei der Abgang von Simon Jentzsch zu nennen, der regelrecht abgesägt wurde und seinen Coach aus irgendeinem Grund zu solch einer radikalen Maßnahme gedrängt haben muss. In dieselbe Kategorie dürfte auch der Argentinier Quiroga gehören, von dem man in dieser Saison nach der schwachen Vorrunde nichts mehr zu hören bekam. Dass es dazu kam ist sicher auch der „Verdienst” vom wieder genesenen Ricardo Costa als aber auch Christian Gentner, der nach in Stuttgart noch ohne Chance in Wolfsburg zum Mittelfeldstabilisator aufstieg und dem Argentinier somit keine Ausweichmöglichkeit ließ. Im letzten halben Jahr spielte sich als einer, der nur gewinnen konnte, auch Diego Benaglio in das Herz des Entscheidungsträgers.

Trainer/Management

In Wolfsburg harmonieren diese beiden Posten so gut wie wohl bei keinem anderen Verein. Zu mindestens wurden bis jetzt noch keine schwerwiegenden Meinungsverschiedenheiten, die den eingeschlagenen Kurs gefährden, bekannt. Dies allerdings dürfte sich solange sich Felix Magath einer robusten geistigen Gesundheit erfreut auch nicht so schnell ändern. Mit seinen Leistungen im vergangenen Jahr darf er dafür umso mehr zufrieden sein, da er wohl alle Erwartungen übertraf und sein Team mit der besten Vereinsplatzierung aller Zeiten auf die Internationale Bühne führte. Er wusste überzeugend mit dem ihm zur Verfügung gestellten Mitteln um zu gehen und ließ sich nicht dazu verleiten ein Regiment alternde Stars mit Erfahrung aus zwei Jahrzehnten anzuheuern, sondern stellte sich eine gute Mischung zusammen, auf die sich in den nächsten Jahren aufbauen lässt. Auch als Trainer konnte er wieder seine Klasse beweisen. Man muss ihn einfach machen lassen, den Rest erledigt er mit besten Gewissen und erfolgreich, könnte das Fazit seiner einjährigen Tätigkeit sein.

Fazit/Ausblick

Die Zeichen stehen weiter auf grün in Wolfsburg. Mit Felix Magath wurde der erste Schritt zu einer besseren Zukunft gemacht, die dem Verein mittelfristig tatsächlich ein wenig Farbe verleihen dürfte über das bisher wenig aussagekräftige bedeckte Grau. Doch der erste Schritt war wohl bisher nur der einfachste, den  bereits einige Mannschaften hinter sich haben. Allzu viele scheiterten an der zweiten Phase und verpassten es sich erst einmal auf dem Niveau zu stabilisieren bevor es weiter gehen sollte auf dem Weg nach oben. Die Aufnahme in den elitären Zirkel der Bayern und Bremer wird ungleich länger und steiniger. Mit dem Einzug in den Uefa-Pokal ist der Verein jedoch seinem selbstauferlegten Zeitplan sicher schon ein wenig voraus. Nur darf er sich davon nicht verleiten lassen. Doch Felix Magath wird sicher auch darauf achten und an einer erfolgreichen Zukunft weiterbasteln, so man ihn lässt, doch in diesem Bezug dürfte keinerlei Gefahr bestehen, sieht doch Aussicht zartrosa aus und VW kann nun erstmals darauf hoffen von dem Engagement bei dem Werksklub zu profitieren. Es könnte der Anfang einer erfolgreichen Zeit sein.

Kommentare»

1. surfguard - 30. Mai 2008

Ich war zu Beginn des Jahres extrem skeptisch, was die Magaths Personalunion als Trainer/Sportdirektor und Geschäftsführer angeht. Normalerweise ist es nämlich nicht gut, wenn solche Rollen, die durchaus unterschiedliche Interessen verfolgen, in einer Person vereint sind: diese Person kann sich dann nämlich nur noch überlegen, in welche Tasche sie sich lügt, die linke oder die rechte.

Der Trainer würde ja in der Regel die maximale Investition für die besten Spieler fordern; das Management dagegen würde vor allem auf Wirtschaftlichkeit achten, und vielleicht sogar mal geringeren sportlichen Erfolg bei höherer Rentabilität in Kauf nehmen. Wenn diese Positionen aber nicht mehr ausdiskutiert werden, dann wird irgendwas den Bach runtergeht: Sport oder Geld.

Aber dann fiel mir auf, wie dieses Problem beim VfL Wolfsburg gelöst wird: Geld muss kein Thema sein, wenn man (i.e.: VW) genug davon hat. Oder anders formuliert: Wer hintefragt (geschweige denn: überprüft) eigentlich, ob die Investitionen in die Mannschaft wirtschaftlich waren? Ob man also mit geringerem Aufwand das gleiche sportliche Ergebnis hätte erreichen können?