Es musste einfach passieren 19. Mai 2008
Posted by Max in : Bundesliga , trackbackNach einer Saison voller Mißverständnisse, schlechter Spiele und einer am Ende schon verzweifelnd anmutenden Wutrede (”Alles Blablabla”) kann sich Borussia Dortmund seit heute Mittag auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machen. Laut kicker bot Thomas Doll der Vereinsführung seinen Rücktritt an. Für die war es wohl eher ein willkommenes Geschenk, statt einem großen Schock. Es wurde ohnehin - und nach dieser Spielzeit durchaus zurecht - über die Ablösung des glücklosen Trainers diskutiert.
Es ist falsch, wenn man die schlechte Endplatzierung - so eine schwache Abschlussposition in der Tabelle hatte man in Dortmund seit über 20 Jahren nicht erlebt - nur am Trainer festmacht. Aber eine große Teilschuld trifft ihn schon am kollektiven westfählischen Versagen. Er schaffte es nicht, aus einem Kader mit viel Potential das Optimum herauszuholen, bastelte zu lange an den entscheidenden Positionen. Dass, was Doll eigentlich von seinem Vorgänger, dem mürrischen Niederländer Bert van Marwijk unterscheiden sollte, blieb aus: Dem ehemaligen DDR-Nationalspieler gelang es nicht, seine motivatorischen Fähigkeiten zu aktivieren. Eher befand sich ganz Dortmund während dieser Spielzeit in einem emotionalen Loch. Mit Ausnahme des DFB-Pokals wollte nie so recht der Funke zwischen einer kämpfenden Mannschaft und dem Publikum überspringen. Ein weiteres Problem: Fehlende Konstanz. Extremer als bei jeder anderen Bundesliga-Mannschaft zeigte die Borussia schon innerhalb einer Partie meist zwei Gesichter. In zu vielen Spielen ging mindestens eine Halbzeit daneben, was oft Brücken für mehr versperrt hat. Was nach der durchwachsenen Saison bleibt, ist immerhin eine Teilnahme am UEFA-Pokal, was aber nur ein kleines Trostpflaster sein dürfte, denn in dieser Form wird schon das Überstehen der ersten Runden ein Drahtseilakt.
Über die Gründe von Dolls Scheitern in Dortmund lässt sich nur mutmaßen. Aus meiner Sicht hat er sich nach einer harten Zeit in Hamburg mit einem rasanten Aufstieg, und einem noch viel schnellerem Fall, zu schnell wieder von einem großen Verein verpflichten lassen. Gerade für einen emotionalen Charaktertyp wie Thomas Doll hätte es etwas mehr Zeit zur psychischen Verarbeitung seiner ersten Amtszeit als Bundesliga-Chefcoach gebraucht. Doch so taumelte er von einem Problem zum nächsten, war nach dem Desaster in Hamburg verunsichert und scheiterte mit der Personalpolitik im Sommer, das lässt sich trotz seltener positiver Ansätze bilanzieren. Das nervöse Dortmunder Umfeld, die schlechte sportliche Verfassung des Vereins. Nie hatte der Trainer Zeit, Luft zu holen, musste sich quasi jede Woche für seine Arbeit rechtfertigen und stand schon seit Beginn seiner Zeit bei den Schwarz-Gelben enorm unter Druck. Da wirkt diese Wutrede schon etwas unbeholfen und auch in diesem Sinne als ein Rückfall in die Endphase seines Schaffens in der Hansestadt.
Bleibt die Frage nach dem Nachfolger. Der FSV Mainz 05 verfehlte am Sonntag um Haaresbreite die Rückkehr in die Bundesliga, wodurch dort die große Ära des Jürgen Klopp endete. Auf dem deutschen Trainermarkt ist Klopp momentan der größte Name - und dahinter herrscht ein großes Loch an Qualität und Quantität. Logisch, dass jetzt dieser Name kursiert. Ich hoffe jedoch, dass sich Klopp nicht am Vorbild Thomas Doll orientiert, sich stattdessen jetzt eine Pause gibt um sieben emotionale Jahre in Mainz zu verarbeiten. Für einen mit dem Potential, wie es “Kloppo” hat, wäre es eigentlich schade, wenn er zu diesem Zeitpunkt nach Dortmund gehen würde. Wenngleich es natürlich schon eine Steigerung wäre. Klopp wird mit Sicherheit ein Angebot des BVB bekommen, aber er sollte sich diesen Schritt wirklich gut überleben. In Mainz war er der Held, in Dortmund hingegen würde er bei fehlenden Ergebnissen sofort im Kreuzfeuer der Presse stehen. Sicher, jeder Trainer muss so etwas in seiner Entwicklung einmal überstehen; aber muss es ausgerechnet jetzt und hier mit Klopp und Dortmund sein? Schlecht abschätzen kann ich aber, wie ein Votum von Klopp bei entsprechendem Angebot ausfallen würde. Klar ist aber, wenn sich nicht etwas entscheidendes auf dem Trainermarkt verschiebt, wird bei einer Absage des Mainzer Helden wohl die Suche ins Ausland verlagert werden.
Die Suche sollte aber schnell gehen, denn so könnte ein neuer Trainer noch Einfluss auf die Personalplanungen nehmen, damit ein erneuter Fehlschlag wie 2007 verhindert werden kann!
Kommentare»
Der Name einer neuen Generation lautet Doll
Es ist noch nicht lange her, da kürte die SZ (ihres Zeichens meine Hauspostille) die Generation Neururer. Das ist ein schöner Bericht über die Zeiten, wie sie einmal waren. Von einer Generation kann man ja immer erst sprechen, wenn sie prägend …
Eine sehr gute Analyse der BVB-Saison, wie ich finde. Allerdings denke ich schon, dass ‘Kloppo’ von Persönlichkeit und Auftreten her das Zeug dazu hätte, im schwierigen Dortmunder Umfeld zu bestehen. Ob er’s macht und ob es klappt - weiß ich auch nicht.