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Das Phantom auf der Bank 21. März 2008

Posted by Max in : Bundesliga , trackback

Seit Huub Stevens vor einiger Zeit seinen Abschied nach der Saison zum PSV Eindhoven verkündete, befindet sich der Hamburger Sportverein auf der Suche nach einem Nachfolger des Niederländers. Diese läuft im Vergleich zu vielen anderen Vereinen wesentlich ruhiger und unspektakulärer ab. Grund dafür ist auch, dass der sportliche Erfolg trotz des ab Juli vakanten Postens weiterhin stimmt. Schließlich ist es kein hanebüchener Grund, weshalb Stevens die Elbestadt verlässt, so schmerzhaft es für den Verein auch ist, in jedem Fall nachvollziehbar ist sein Wunsch, näher bei seiner kranken Frau in der Heimat zu sein. Es ist kein dehnbarer Gummi-Grund vom Schlage “Kreativpause” (Hitzfeld) oder “Neue Herausforderung”, es ist schlicht ein menschlicher Grund.

Nach dem Ausscheiden in den beiden Pokalwettbewerben ist klar, dass Stevens noch exakt neun Pflichtspiele bzw. 900 reguläre Spielminuten auf der hanseatischen Trainerbank sitzen wird. Gerade wegen der wegfallenden Dreifachbelastung und aufgrund der ruhigen, konzentrieren Arbeit des Übungsleiters stehen die Chancen auf einen erfolgreichen Saisonendspurt gut. Das vergangene Wochenende brachte zwar keinen überzeugenden Sieg über Borussia Dortmund hervor, aber immerhin der wichtige Erfolg, um an Leverkusen und dem Hanse-Rivalen Werder vorbeizuziehen. Denn: Wer nicht hüpft, ist ein Bremer. Ob der HSV vielleicht noch ein bisschen höher springen kann, ist hingegen sehr fraglich. Platz 2 scheint bei allem Optimismus wirklich das Maximum, was man aus dieser Mannschaft herausholen kann. Wie es jetzt weitergeht, hängt aber auch davon ab, das der Einfluss durch die offene Trainer-Stelle nicht zu groß wird. Gerade wegen der sich dem Ende zuneigenden Spielzeit will vielleicht bald der ein oder andere Leistungsträger wissen, mit welchen Faktoren er in naher Zukunft planen kann.

Gast unter den Zuschauern am vergangenen Samstag war Slaven Bilic, Nationaltrainer der kroatischen Nationalmannschaft. Offiziell auf Beobachtungstour in Sachen Olic, Petric und Kovac, aber natürlich auch, um sich zumindest mit den Verantwortlichen des Sportvereins zu treffen. Trotz vehementen Abstreitens von Dietmar Beiersdorfer und einem bestätigten Gespräch der Gastfreundschaft wegen durch Bernd Hoffmann offenbarte sich Anfang der Woche, dass es sehr wohl konkrete Gespräche über einen Job für Bilic gesprochen wurde. Nachdem wochenlang Christian Gross und Fred Rutten als Hauptkandidaten gegolten haben, schien sich jetzt alles auf den Kroaten zu fixieren. Bilic sagte:

Aus dem Gespräch mit den HSV-Leuten habe ich gesehen, dass ich deren Hauptkandidat bin.

Doch um allen Beobachtern, Fans und Journalisten gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurde heute bekannt, dass Slaven Bilic nicht der Anfang des Jahres vielleicht etwas voreilig angekündigte “Osterhase” ist:

Das ist ein fantastisches Angebot, das man nur einmal im Leben bekommt. Doch ich möchte in Kroatien bleiben.

Die Absage von Bilic beendet zugleich auch die Spekulationen, dass er eine Doppelfunktion als Nationaltrainer und HSV-Coach einnehmen könnte, was sich ohnehin mit meinen Vorstellung eines modernen Vereinstrainers nicht gedeckt hätte und wohl auch nur schwer ohne Einschränkung für eine der beiden Parteien von statten gegangen wäre.

Sogleich tauchen aber wieder die schon seit Wochen und Monaten kolportierten Namen auf, im Grunde seit dem Eingreifen von Slaven Bilic im Rennen um den Post immer jene vier Phantome: Fred Rutten, Christian Gross, Jürgen Klopp und Bruno Labbadia. Ich bin, was diese Kandidaten angeht, doch etwas skeptisch. Wie sich ja nun herausgestellt hat, war keiner dieser Namen der Hauptkandidat der HSV-Verantwortlichen. Weiterhin gehe ich davon aus, dass es am Ende eine doch etwas überraschende Lösung geben wird, wohl aber schon aus dem Ausland. Die jetzt doch etwas langwierigere Suche nach dem neuen Chef auf dem Trainingsplatz deutet aber darauf hin, dass die Verantwortlichen wissen, welchen Typ Trainer es braucht: Das Experiment mit Kumpel-Typ Doll ging auf längere Sicht schief, der im letzten Frühjahr vollzogene Radikalwechsel zum stoischen, ruhigen defensiv orientierten Huub Stevens dagegen bringt nun schon über längeren Zeitraum Erfolg. So muss dann auch das Anforderungsprofil an den neuen Mann aussehen: Einer, der mit der gekonnten Mischung aus Freiheit für seine Spieler und harter Hand die Mannschaft führt, denn im disziplinarischen Moment ist der HSV eine besondere Truppe. Andererseits aber auch eher ein defensiv orientierter Trainer, für Hurra-Fussball ist der Kader nicht ausgelegt. Und das erst recht, wenn im Sommer wohl auch Kapitän Rafael van der Vaart den Klub verlassen wird. Damit fallen aus meiner Sicht Labbadia und Klopp schon durch das Raster.

Schade eigentlich, warum unter den Kandidaten nie der Name Markus Schupp genannt wird. Der Assistent von Huub Stevens wäre zumindest die Garantie dafür, dass die Arbeit im gleichen Stil des Niederländers weitergeführt wird. Leider wird dieser Variante weder intern noch extern in Betracht gezogen, vielleicht ist der Kontakt von Schupp als Co-Trainer aber zu eng, um ihn auf den Cheftposten zu befördern, das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Wer immer auch der neue starke Mann wird an der Seitenlinie, er wird in große Fußstapfen treten müssen. UEFA-Pokal-Achtelfinale, DFB-Pokal-Viertelfinale, wohl wieder die Qualifikation für die Champions League, mehr geht wirklich nicht mit diesem Kader. Der Hamburger SV wird demzufolge auch ein Kapitel in der Auto-Biographie von Stevens werden, an der er momentan arbeitet. Es ist wohl spätestens mit der Verbannung des “Osterhasen” ins Märchenreich müßig, über den Tag der Entscheidung zu diskutieren. Einerseits kann es sich noch bis in den Mai hinziehen, andererseits könnte der neue Name auch bereits morgen verkündet werden. Damit soll es von meiner Seite zu diesem Thema auch endlich gut sein, ich werde mich dazu erst wieder äußern, wenn es wirklich neue Fakten gibt.

Kommentare»

1. dogfood - 22. März 2008

Re: Markus Schupp
Stevens fiel ja 2007 mehrere Wochen aus, als seine Frau einen Rückfall erlitt und Schupp übernahm das Tagesgeschäft (ich glaube auch bei 1-2 Spielen auf der Bank). Wenn ich mich richtig erinnere, spielte der HSV in dieser Phase eher mau.

Re: “Hurra-Fußball”
Kann man auch anders argumentieren, wenn man die Blicke von van der Vaart weglenkt. Die Stammkräfte auf den Außenverteidigerpositionen sind theoretisch eher offensiv orientiert (Atouba & Boateng). Der meiste Nachwuchs und die jungen Kräfte sind offensiv ausgerichtet: Trochowski, Castelen, Choupo-Moting, Sidney Sam, Ben-Hatira, Chrisantus. Mit Van der Vaart fällt “nur” die ausgeprägte Spielmacher-Position weg.

Das defensive Mittelfeld rund um Jarolim und De Jong ist hingegen ziemlich gesetzt und braucht keine große Anleitung. Allenfalls Kompany muss noch geformt werden, der möglicherweise zu einer Art “Hanseaten-Fabregas” werden soll: erster Mittelfeld-Aufräumer der auch das Spiel antreibt.