Das Ende von Zorniger

Posted by Max on Februar 13, 2015
Bundesliga, Nordostfussball

Das Ende für den Trainer bei RB Leipzig kam dann doch etwas überraschend und abrupt, aber es erscheint konsequent. Schließlich ist Alexander Zorniger nicht der erste Trainer, der bei einem Verein aufgrund Perspektivlosigkeit hinwirft. Das mag auf den ersten Blick zwar verwundern, denn schließlich ist erst ein Pflichtspiel im Jahr 2015 absolviert und der Abstand zum Aufstiegsrelegationsplatz beträgt lediglich fünf Punkte. Doch der Verein wählte diese Woche als Zeitpunkt, um den Trainer mitzuteilen, dass er – unabhängig vom Ausgang der Saison – nicht über den Sommer hinaus beschäftigt wird. Als Lückenbüßer und Übergangstrainer ohne Perspektive wollte Zorniger nicht herhalten, folgerichtig konsequent sein freiwilliger Abgang.

Tino Vogel, Tomas Oral, Peter Pacult und Alexander Zorniger – ausgerechnet der erfolgreichste Übungsleiter der jungen Rasenball-Geschichte ist nun der erste Coach, der innerhalb einer Saison den Verein verlässt. So man den Ankündigungen der Verantwortlichen glauben darf, wird Nachwuchscoach Achim Beierlorzer die Profis bis zum Saisonende trainieren. Ob es dabei wirklich bleibt, zweifle ich aber im Moment noch an, denn wenige Tage vor dem plötzlichen Zorniger-Ende wollte Sportdirektor Ralf Rangnick auch keinen Zweifel an seinem Trainer lassen – nur um ihn kurz darauf sein Ende in Leipzig mitzuteilen. So bekamen die Gerüchte über Thomas Tuchel, der als Name schon lange durch die Messestadt geistert und sich kürzlich ein Haus in der direkten Umgebung gekauft haben soll, schnell neuen Nährboden. Heute wurde das Interesse an Tuchel dann öffentlich von Rangnick bestätigt. Seine Verpflichtung als neuer Trainer scheint nur noch eine Frage der Zeit: Schon im Verlauf der Rückrunde? Oder doch mit einem klaren Schnitt im Sommer?

Das Ende der Ära Zorniger ruft nun natürlich wieder Kritiker auf den Plan: Sehr her, alles nur wirtschaftliches Kalkül. Der Erfolgstrainer der letzten Jahre, einst als eine der ersten Amtshandlungen von Rangnick verpflichtet, schien nicht mehr das volle Vertrauen der Verantwortlichen zu genießen. Zweifellos stagnierte die Mannschaft in den letzten Wochen etwas, allerdings nach einem für einen Aufsteiger sehr beachtlichen Saisonstart. Dass es trotz zahlreicher Neuzugänge in der Winterpause am vergangenen Freitag eine derbe Pleite gab, die insbesondere auf dem spielerischen Sektor erschreckende Defizite offenbarte, dürfte den Verantwortlichen wohl die letzte Bestätigung gegeben haben. In der Tat gibt es auch in meinem Umfeld viele Stimmen, die mit dem eigenwilligen Charakter Alexander Zorniger nicht zurechtkamen und ihm die Tauglichkeit für höhere Aufgaben absprachen. Irgendwie schien es unausgesprochen schon lange besiegelt, dass Zorniger nicht über den Sommer hinaus in Leipzig tätig sein wird.

Über den Zeitpunkt der Bekanntgabe, respektive über den Zeitpunkt der Kommunikation der internen Entscheidung an den Trainer kann man streiten. Auf der einen Seite erscheint es von Seiten des Vereins RB Leipzig nur fair, Zorniger so früh wie möglich die fehlende Perspektive aufzuzeigen. Wesentlich herber wären die Reaktionen wohl im Sommer ausgefallen, wenn die Rasenballer tatsächlich noch den Aufstieg geschafft hätten. Auf der anderen Seite: Sind das nicht auch die normalen Mechanismen des Geschäfts? Letztendlich war wohl auch die Aufstiegsfrage ein zentraler Punkt für die Vereinsentscheidung: Rangnick will möglichst sofort den Weg in die Bundesliga suchen, Zorniger erst in der nächsten Saison angreifen. Die Sichtweise des Ex-Trainers scheint verständlich, zuletzt wurde der Konflikt aber mehr oder weniger auch öffentlich ausgetragen und die Richtung der Entwicklung auf dem Trainerposten vorzugeben.

Die Frage, ob mit Zorniger der Aufstieg gelingen würde, lässt sich nun nicht mehr seriös beantworten. Schon bald wird man allerdings eine Tendenz erkennen, ob sich das Team unter Beierlorzer weiterentwickelt, vielleicht tatsächlich noch oben angreifen kann. Oder ob die Mannschaft die Saison im Mittelfeld zu Ende bringt und im Sommer der große Schnitt gemacht wird. Mit neuen Spielern für neue Millionen. Und Thomas Tuchel. Sollte der Aufstieg gelingen, könnte man sagen: Alles richtig gemacht, Herr Rangnick. Derzeit bleibt allerdings ein eher seltsames Gefühl einen verdienten Trainer den Weg zur Tür gewiesen zu haben.

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