Gepflegtes Desinteresse

Posted by Max on März 13, 2014
Champions League

Eigentlich war die Champions League für mich immer das Nonplusultra im Vereinsfußball, das Kräftemessen der stärksten Teams in Europa. Doch noch nie ist es mir in den letzten Jahren so leicht gefallen, die Spiele der Königsklasse mit einem solchem gleichgültigen Desinteresse zu begleiten, wie in der Phase der derzeit stattfindenden Achtelfinalrückspiele.

Fast nur Auswärtssiege gab es in den Hinspielen, die bereits in den Gruppen besten Teams setzten sich – mit Ausnahme der Engländer vom FC Chelsea und Manchester United – mehr oder weniger deutlich schon vor zwei bzw. drei Wochen durch. Dabei waren die Unterschiede zwischen den sich duellierenden Teams auch bei den Spielen oft so groß, die nicht 4:0 oder 6:1 ausgingen. Der FC Bayern gewann zwar nur mit 2:0 bei Arsenal, Barcelona mit dem gleichen Ergebnis bei ManCity. Und trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass hier noch so etwas wie Spannung aufkommt – die Ergebnisse dieser Woche bestätigten meine Vermutung.

Und so gab es für mich in den letzten beiden Tagen insgesamt 60 Minuten Champions League Fußball. Ein bisschen von Bayer, noch weniger vom FC Bayern. Und immer nur mit einem Auge hingeschaut. Seit der Saison 2009/2010 wird nun das Achtelfinale schon in einem quälend langen Zeitfenster von insgesamt fünf Wochen ausgetragen. Verkauft wurde die Verlängerung der Runde als hervorragende Möglichkeit für Fans, möglichst viele Spiele zu sehen. Dahinter steckt wohl aber in nicht unwesentlichem Ausmaß auch der Gedanke, auch möglichst viele Spiele für die TV-Stationen anbieten zu können, umdamit höhere Exklusivität und Erlöse zu schaffen. So stellt sich für mich aber in jedem Jahr auch die Frage, ob die UEFA dem Wettbewerb mit dieser Zersplitterung des Achtelfinals wirklich einen Gefallen getan hat.

Denn auch in der Champions League zeigt sich immer mehr, was nun schon seit einigen Jahren in der Bundesliga zu beobachten ist: Die Spitze wird zwar immer hochklassiger, entfernt sich aber auch immer mehr von den anderen Teilnehmern. Das Problem im Achtelfinale ist aber, dass per Modus nur eher zufällig – etwa bei einer schwachen Gruppenrunde eines Spitzenvereins – wirklich spannende vorzeitige Paarungen zwischen zwei Titelfavoriten zustandekommen. Durch das vorgegebene Aufeinandertreffen von Gruppenzweiten und Gruppensiegern sind klare Ergebnisse in vielen Begegnungen vorprogrammiert. Gerade weil wir eben momentan in einer Zeitrechnung leben, wo die Unterschiede zwischen Teams wie Real Madrid, PSG oder dem FC Bayern auf der einen Seite, Mannschaften wie Schalke, Leverkusen oder Arsenal auf der anderen Seite immer größer werden.

So passiert es dann, dass man eine komplette Woche in der Champions League mit gepflegtem Desinteresse verfolgt. Weil eben vorher schon fast alles klar ist. Weil Überraschungen derzeit Mangelware sind. Der langgezogene Achtelfinalmodus nervt mich schon seit Jahren. Es bleibt also das Klammern an den Strohhalm nächste Woche: Chelsea und ManUnited haben wirklich noch schwere Aufgaben vor sich.

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