Färinger Nächte

Posted by Moritz on September 12, 2013
WM 2014

Spiele gegen die Färöer haben immer etwas anstregendes. Egal wie unterlegen und kurios die Inselbewohner im vornherein wirken, bisher rieb man sich danach, ob der starken Leistung doch die Augen. Letztendlich reichte es auch am vorgestrigen Abend nicht zu einer Überraschung, doch mit ihren defensiven Qualitäten zwangen sie die deutschen Gäste zu einem teilweise unfassbar zähen Spiel.

Nach einem forschen Auftakt, der überraschte und beinahe sogar mit einem Tor gekrönt wurde, übernahm die Mannschaft von Löw aber sofort das Kommando und drängte den Gastgeber weit zurück. Doch das war es erstmal auch. Gegen das gut verschiebende Abwehrbollwerk fehlte letztendlich etwas an Entschlossenheit und Zielstrebigkeit. Die Passsicherheit mag zwar beeindrucken, wirkt phasenweise aber auch wie ein Abbild von komplizierter Ideenlosigkeit.

Zwar traf Klose mal den Innenpfosten und der eine oder andere Schuss sah durchaus gefährlich aus. Letztendlich musste aber auch Jogi Löw nach dem Spiel anerkennen, dass seine Mannschaft auf diesem Gebiet doch noch einiges einzustudieren hat. Symptomatisch mussten letztlich zwei Standardsituationen das Spiel auf den rechten Weg bringen. Nach einer Ecke und einem berechtigten Elfmeter, für dessen Verursachung der Gastgeber auch noch in Unterzahl geriet, fiel das erste Tor aus dem Spiel heraus erst gegen Ende der Partie.

Nichtsdestotrotz rückt die Qualifikation rückt in immer größere Nähe. Daran änderte auch die Partie auf den entlegenen Inseln der Färöer nichts. Im Gegenteil auch dort muss man erstmal letztendlich klar mit 3-0 gewinnen. Wie sich die einzelnen Spieler auf dem Eiland in Torshavn schlugen lässt sich wie immer in der Einzelkritik nachvollziehen.

Manuel Neuer: Nach gerade wenigen Sekunden musste er überraschend hellwach sein. Die Färinger legten los wie die Feuerwehr, einen folgenlosen Wackler erlaubte er sich und ansonsten gab es erwartungsgemäßg nicht viel zu tun. Note: 3

Phillip Lahm: Il piccolo capitano hatte viele Freiheiten, die er für seine aufgerücktes Spiel zu nutzen wusste. Sein Vorwärtsgang produzierte gerade in der zweiten Halbzeit aber auch viele ungefährliche Flanken und Pässe. Insgesamt hätte man sich über mehr Impulse über außen sicherlich gefreut, aber für die Vorarbeit zum dritten Tor reichte es dennoch. Note: 3

Per Mertesacker: Der Abwehrschlaks erzielte sein drittes Tor und den einzigen Treffer der ersten Halbzeit nach einer Ecke. Das allein ist eigentlich schon ein Ausrufezeichen wert. Zusätzlich sorgte er mit einer souveränen Leistung auch für eine positive Torbilanz der gesamten Mannschaft. Note: 2

Jerome Boateng: Gleich zu Beginn rückte er in den Fokus, als mit einem Block einen frühen und blamablen Rückstand verhinderte. Auch sonst ließ er sich nicht überrumpeln und legte er für einen Verteidiger ungewohnt auch weite Wege zurück und nahm sich die Freiheit den Platz in seiner gesamten Länge und Breite zu erkunden. Warum auch nicht. Note: 3

Marcel Schmelzer: Gefühlt war es in der ersten Halbzeit eines der besseren Spiele von Schmelzer im Nationaldress. Defensiv nicht gefordert koexistierte er zwar gut mit Draxler, ließ dann aber vor allem nach der Pause einiges an Sicherheit vermissen, was die Färinger trotz Unterlegenheit zu nutzen wussten. Note: 4

Sami Khedira: Bei seinem Kopfball auf das fast leere Tor ließ er zwar Zielwasser vermissen, absolvierte aber ansonsten einen wieder einmal eine souveräne Partie, in der er sich öfter nach vorne rücken konnte, ohne dass auf Kosten seiner Aufgaben in der Defensiv ging. Note: 3

Toni Kroos: Es war ein unauffälliges Spiel des Müncheners, der weiß, wie man sich vornehm zurück hält, wenn ohnehin schon alles mit Spielern verstopft ist. Es gab zwar wieder den einen oder anderen Versuch eines Fernschusses, ein Volltreffer wie zuvor gegen Österreich blieb aber aus. Note: 3

Thomas Müller: Müller hatte seine wichtigste Szene im Spiel, als er bei einem Tempogegenstoß (!) gegen die Färinger (!) geschickt den Verteidiger kreuzt und einen Elfmeter gewinnt. Ansonsten stieß er oft wenig effektiv in die Spitze. Das Tor zum Endstand geht auch auf seine Kappe. Note: 3

Mesut Özil: Wie immer war der Neu-Arsenalist ein wichtiger Ballverteiler vor dem Strafraum und dort praktisch überall zu finden. Auch wenn ihm an diesem Abend nicht so sehr an Ideen fehlte, eine wirklich zündende, wie das Bollwerk zu durchdringen ist, war nicht dabei. Gleichzeitig legte er die folgenschwere Ecke zur Führung auf und versenkte gekonnt den Elfmeter zum 2-0. Note: 2

Julian Draxler: Die Schalker Symbolfigur rutschte für Reus in die Startaufstellung und bildete mit Schmelzer zu Beginn ein harmonisches Pärchen. Auf der linken Seite fügte er sich gut in die Mannschaft ein. Ein wenig lies er aber das Kombinationsspiel vermissen, so dass nur seine Aktionen am Ball, die gerne in Fernschüsse mündeten, unter ferner liefen im Gedächtnis blieben. Note: 4

Miroslav Klose: Der frischgebackene Rekordnationalmannschaftstorschütze schien in dieser Partie nicht allzu gesteigerten Wert darauf zu legen alleiniger Rekordnationalmannschaftstorschütze zu werden. Er hatte zwar die eine oder andere Chance und traf auch den Innenpfosten, verlor sich aber als Anspielstation im recht statischen Defensivspiel der Färinger. Note: 4

FAZIT: Ein letztendlich ungefährdert Pflichtsieg gegen eine forderndere Defensive als so mancher Großer zu bieten hat, bringt die deutsche Nationalmannschaft einer ungefährdeten Qualifikation für die WM näher. Ganz wichtig ist auch festzuhalten, dass es wieder einmal kein Gegentor gab. Letzlich fehlen nur noch zwei Punkte für die hundertprozentige Sicherheit.

1 Comment to Färinger Nächte

  • Ich empfand die Farörer als einen fordernen Gegner. Habe die Mannschaft ja schon öfter gegen die deutsche Auswahl gesehen. Und in den letzten Jahren ist das Niveau der Insulaner merklich besser geworden.

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