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Ein Verein wie jeder andere 24. Februar 2013

Posted by Moritz in : Bundesliga , trackback

Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Der Umgang damit ist unterschiedlich. Oft wird in Anbetracht noch nicht erreichter Ziele jede graduelle Verschiebung des Status Quo nach unten hin im besten Fall ignoriert. Das bisherige Erfolgsweg darf auf keinen Fall verlassen werden, schließlich ist er für den Erfolg verantwortlich.

Solch einer Art der Realitätsverweigerung wird sich wohl auch in Hoffenheim hingegeben. Lediglich ist das Erfolgsrezept dort schon deutlich verwässert. Dem einstigen sportlichen Mastermind Rangnick wurde oft genug in die Suppe gespuckt, so dass er vor nun schon zwei Jahren hinwarf und inzwischen in Salzburg größere Brötchen backt.

Die Personalpolitik hat seitdem einen deutlich kurzfristigen Charakter. Trainer und Manager sind seitdem gekommen und gegangen. Doch allesamt wirken sie hilflos und getrieben vom vermeintlichen Anspruch jenes erste halbe Jahr in der Bundesliga zurück zu holen. Die Vision geriet zum Selbstzweck.

Fast scheint es als hätte man noch an die vor der Saison ausgegeben babbelschen Ziele von Europa geglaubt. Das schlimmere jedoch ist, dass man selbst davon völlig überzeugt war. Man erinnere sich an Wieses Argument für Hoffenheim. Die Champions League in Sinsheim. Das war sicher leichtgläubig von der ehemaligen Nummer Eins, aber selbst wird er es sich auch nicht ausgedacht haben. Beide sind bereits nicht oder nicht mehr lange im Kraichgau und das wohl auch aus gutem Grund.

Ein gutes Bild über die Zustände, die Teilweise herrschen, lässt sich aus dem Transfergerangel um Compper ablesen, das Max jüngst analysierte. Doch das betrifft nicht nur die Spieler, auch die Beschreibung der Verpflichtung eines Spielers, dem vorgegaukelt wurde, dass Hoffenheim eine Millionenstadt sei, zeigt den laschen Umgang mit der Wirklichkeit auch von Seiten des Vereins. Auch wenn dies zu Zweitligazeiten schon etwas zurück liegt.

Inzwischen hat die Realität die Wünsche nicht nur eingeholt, sondern zieht fies grinsend rechts vorbei. Medial wird rhetorisch in die martialische Kiste gegriffen, gar Schlachten ausgerufen. Allein die Taten auf dem Platz sehen gar nicht danachaus. Spieler, die auf dem Platz offensichtlich nicht das umsetzen, was ihnen Kurz mit auf den Weg gibt. Der nennt zwar selbst öffentlich keine Namen, aber er würde auch gar nicht fertig werden damit..

Die im Winter nicht gerade günstig verpflichteten Verstärkungen blieben bisher ebenso viel schuldig, wie die, die vorher bereits enttäuschten. Das was früher frische Namen waren, sind immer mehr alte Bekannte. Es ist ein Armutszeugnis, dass inzwischen sogar Stuttgart in der aktuellen Form und auch Augsburg ohne großen Aufwand in der Lage sind gegen 1899 zu bestehen.

Die nächsten zwei Wochen dürften hart werden für Hoffenheim. Am nächsten Wochenende ist der designierte Meister zu Gast, der bis in den April hinein keine Geschenke zu vergeben hat, bevor in der Woche darauf Fürth bereit steht dem Hoffenheimer schon den vermeintlichen Todesstoß zu versetzen.

Jüngst warf unter anderem Watzke 1899 vor, anderen Traditionsmannschaften ihren Platz in der Liga zu nehmen. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich für Hoffenheim das Kapitel Bundesliga zunächst erledigt haben wird. Angesichts eingangs genannter Ambitionen wird jedoch hart daran gearbeitet, das Image eines Vereins abzulegen, dem alles in den Schoß gelegt wird. Vom einstigen hoffnungsvollen Image ist schon eine Weile nichts mehr übrig.

Apropos, auf wohl immer drängendere Fragen hatte Hopp versichert, dass er über die Saison hinaus dem Verein treu bleibt. Mit diesem Dementi ist die Zukunft wohl endgültig geklärt.

Kommentare»

1. Die Bundesligaschau für Montag, den 25.02.2013 | Fokus Fussball - 25. Februar 2013

[...] Abenteuer Fußball mit einer Bestandsaufnahme des Kraichgauer Fußballs. [...]

2. Max - 25. Februar 2013

Da hast du mir doch glatt das Thema zum bloggen für heute “gestohlen” ;-) … Von daher ein paar Ergänzungen.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir heute ganz anders von Hoffenheim schreiben, berichten und denken würden, wenn sich einst Vedad Ibisevic im Wintertrainingslager 2009 nicht das Kreuzband gerissen hätte. Sicherlich extrem hyptothetisch, aber das würde mich schon mal interessieren: Wie hätte sich der Verein entwickelt, wenn nicht bereits im Frühjahr 2009 ohne Ibisevic der erste große Absturz ins Mittelfeld eingesetzt hätte?

Was mir in diesen Tagen noch so durch den Kopf geht am Beispiel Hoffenheim: Stell dir vor, du steigst ab – und keiner hat Mitleid. Das ist jetzt sicher übertrieben, aber ich kenne keinen wirklichen Hoffenheim-Fan, außer Franziska van Almsick. Und ob deren aus dem erfolgreichen Herbst stammende Treuebekundung zur TSG auch heute noch bestand hat, zweifel ich mal an.

Am meisten Leid tut mir derzeit eigentlich Marco Kurz. Den halte ich für einen guten Trainer, der hier aber den falschen Karriereschritt gemacht hat. Er wird genauso untergehen wie Andreas Müller, der jetzt schon so hilflos und verzweifelt wirkt wie einst bei seinem Ende auf Schalke.

3. Moritz - 26. Februar 2013

Hoffenheim bewegt uns offenbar :)
Ich denke auch, dass bei einer erfolgreichen Rückrunde damals ganz anders an die folgenden Spielzeiten herangegangen worden wäre. Ob es erfolgreicher gewesen wäre – wer weiß.
Für alles was in Hoffenheim passiert gibt es ohnehin vorgefasste Klischees vom erfolgreichen bis fallengelassenen Spielzeug. Wie man es dreht und wendet, am Ende stehen sie in weiten Teilen der öffentlichen Meinung auf der falschen Seite des Fußballs.
Gleichzeitig wird von offizieller Seite aber auch immer gleich dünnhäutig reagiert, so neue Munition geliefert und das nächste Fettnäpfchen mitgenommen, anstatt nonchalant ignoriert. So machen es die bellenden Hunde anderen natürlich auch leicht.