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Seltsames Geplänkel 19. Januar 2013

Posted by Max in : Bundesliga , trackback

Der heißersehnte Rückrundenauftakt der Bundesliga wurde zu einem eigenartigen Spektakel. Am Ende steht der 5:4-Sieg von Schalke 04 gegen Hannover 96 in der Statistik, doch so großartig dieses Resultat auch klingt – wirklich Glücksgefühle hat diese Partie bei mir nicht ausgelöst.

In der Winterpause hatte ich gelesen, dass die Bundesliga in Europas Spitze ein Alleinstellungsmerkmal besitzt: Nirgendwo sonst gab es so wenig trost- und torlose Remis wie in Deutschland. Der kicker beurteilte diese Statistik dann als ein weiteres Argument für die These, dass die Bundesliga derzeit die wohl stärkste Liga der Welt sei – zumindest was die Attraktivität der Spiele angeht. Mit diesem Wissen im Hinterkopf fühlte sich die erste Halbzeit gestern Abend in der Veltins-Arena wie eine schlimme Prophezeiung für die Rückrunde an, denn Schalke und Hannover neutralisierten sich auf sehr überschaubarem Niveau über 44 Minuten gegenseitig. Das zehnte 0:0 der Saison war in meinem Kopf bereits fest eingeplant.

Nach dem glücklichen 1:0 der Schalker vor der Halbzeitpause projizierte sich die ganze Verunsicherung und alle Probleme der beiden Teams in dieser Spielzeit plötzlich auf das Feld. Fast im Minutentakt fielen die Tore – allerdings war kein einziges davon wirklich Folge eines sehenswerten Spielzugs. Ein individueller Fehler folgte dem anderen, lediglich die Torschützen bewiesen an diesem Abend Bundesligaformat. Von daher erfreute ich mich selbst an der Torflut nur bedingt, zu mau war das spielerische Niveau beider Teams.

Für Schalke hat das 5:4 wenigstens einen positiven Aspekt: Endlich wieder drei Punkte. Dieses Ergebnis wird allerdings nur bedingt dafür sorgen können, dass die Zweifel rund um Neu-Trainer Jens Keller ausgeräumt werden. Vielmehr konnte man den Eindruck gewinnen, dass Schalke auch im neuen Jahr keine Stabilität mitbringt und der Sieg nur der Tatsache geschuldet ist, dass ein noch defensivschwächerer Gegner auf dem Feld stand. Bezeichnend und alarmierend zugleich ist auch der Umstand, dass der beste Spieler des Abends – Lewis Holtby – offenbar schon in den nächsten Tagen den Wechsel zu Tottenham vollziehen wird und sich dann endgültig ein kreatives Loch im Mittelfeld auftut. Dass der frühere Herthaner Rafael die Lücke schließen kann, bezweifle ich stark – mit Hertha ging er in die zweite Liga und in Kiew, immerhin wie Schalke ein international anerkannter Verein, konnte er sich nicht durchsetzen. Viel Arbeit für Jens Keller.

Dieses Urteil trifft aber auch auf Mirko Slomka zu. Fast wirkt es so, als hätte es die Winterpause nicht gegeben. Die Probleme fühlen sich gleich an, offensiv mit Durchschlagskraft, defensiv streckenweise katastrophal. Warum Hannover die meisten Gegentore in der Vorrunde kassiert hat, wurde nun wirklich jedem Zuschauer eindrucksvoll vor Augen geführt. Die Stabilisierung der Abwehr, welche Mirko Slomka durch Neuzugang Johan Djourou gesehen haben will, braucht wohl noch seine Zeit. Angesichts der offensiven Ziele Hannovers – erneute Qualifikation für Europa und Weiterkommen in der Europa League – muss Slomka schnell den richtigen Stellhebel finden.

Was bleibt nach diesem Abend? Zwei Mannschaften mit teilweise akuten Problemen. Der Eindruck vom Spiel verfestigte bei allem Spektakel auch den Eindruck, dass sowohl Schalke als auch Hannover derzeit nicht besser sind, als es ihre Tabellenpositionen verraten.

Kommentare»

1. Die Blog- & Presseschau für Montag, den 21.01.2013 | Fokus Fussball - 21. Januar 2013

[...] ob ein 5:4 ein tolles Fußballspiel ist, oder ob dies gar nichts mit Fußball zu tun hätte. Abenteuer Fußball war nicht so begeistert. Der heißersehnte Rückrundenauftakt der Bundesliga wurde zu einem [...]

2. Fanhaushalt - 22. Januar 2013

Sehr interessant. Zum Thema Attraktivität der Bundesliga war mir diese Information noch nicht bekannt und ich nehme diesen Aspekt mit in meine Betrachtung auf. Daher schon mal Danke für die Info:
“Nirgendwo sonst gab es so wenig trost- und torlose Remis wie in Deutschland. Der kicker beurteilte diese Statistik dann als ein weiteres Argument für die These, dass die Bundesliga derzeit die wohl stärkste Liga der Welt sei – zumindest was die Attraktivität der Spiele angeht.”