Horst ist ein Heldt

Posted by Max on Dezember 16, 2012
Bundesliga

Das ging schnell. Etwas mehr als zwölf Stunden nach dem Abpfiff der letzten Bundesligapartie des FC Schalke im Kalenderjahr 2012 ist Huub Stevens entlassen. Letztendlich wurde das für den kauzigen Niederländer als Endspiel titulierte Duell gegen Freiburg eindeutig verloren, mit einer blutleeren Leistung hatte Stevens am Ende offensichtlich keine Argumente mehr auf seiner Seite. Und trotz der zuletzt eindeutigen Tendenz verwundert mich die Entwicklung in Gelsenkirchen nun doch, denn so richtig hatte ich den Bruch eigentlich nicht mitbekommen.

Offensichtlich sind die schlechten Ergebnisse der letzten Wochen nicht nur das Resultat einer sportlichen Delle, sondern vielmehr des gestörten Verhältnisses zwischen Trainer und Mannschaft. Man qualifizierte sich zwar mit Stevens noch als Gruppensieger für das Achtelfinale der Champions League, doch in der Bundesliga gab es den Absturz vom zweiten auf den siebten Platz innerhalb kürzester Zeit. Zuletzt wurde immer häufiger über Misstöne im Team berichtet, einige Spieler sollen ihre Zukunft beim Verein vom (Nicht-)Verbleib des Trainers abhängig gemacht haben.

Letztendlich bleibt die zweite Liaison zwischen Stevens und Schalke also unvollendet. Eigentlich war die Geschichte für mich von Anfang an zum Scheitern verurteilt – die Rückkehr des erfolgreichsten Schalker Trainers der letzten 50 Jahre, der sich in seiner ersten Amtszeit von 1996 bis 2002 einen enormen Stellenwert für den Verein erarbeitet hatte. Bei seinen Stationen danach verweilte Stevens nie mehr als annähernd anderthalb Jahre. Und es war auch nicht die erste Rückkehraktion früherer Helden, die daneben geht. Überraschenderweise spielte Schalke aber eine starke Vorsaison unter Stevens, der im Sommer kurzfristig vom erkrankten Ralf Rangnick übernahm, qualifizierte sich als Dritter in der Liga direkt für die Champions League. Es schien so harmonisch wie Jahre zuvor nicht auf Schalke, aber ich bin zu wenig Insider bei diesem Verein, und so wunderte mich eben die plötzliche Negativentwicklung einschließlich Stimmungskippen gegen Stevens in den letzten Wochen.

Und was kommt nun? Was braucht diese hochveranlagte Mannschaft? In der Champions League Gruppensieger und für die Achtelfinalspiele qualifiziert, in der Bundesliga auch noch in Schlagweite zumindest zum zweiten Rang. In den nächsten Tagen geht es zudem für die Königsblauen auch noch im DFB-Pokal weiter. Für mich – und so formulierte es auch Sky-Experte Jens Lehmann gestern – braucht es eher Ruhe für das Team, eine Winterpause und etwas Selbstvertrauen für die Rückrunde.

Und jetzt kommt Manager Horst Heldt mit Jens Keller als Interimslösung bis Saisonende um die Ecke! Das ist dann plötzlich eine Entscheidung, die für mich einen faden Beigeschmack hat. Erstens: Wie schnell das plötzlich ging. Zweitens: Ausgerechnet Jens Keller! Der wurde einst von Heldt nach Stuttgart geholt, dort dann zum kurzzeitigen Interims-Trainer nach Christian Groß, letztes Jahr erst Scout und dann Jugendtrainer auf Schalke. Und nun ist er per Entscheidung seines Kumpels Heldt plötzlich Cheftrainer. Wer kann sich noch an Keller als Stuttgarter Trainer erinnern? Gut, es waren nur zwei Monate, aber wirklich überzeugen konnte er dort nicht. Außer mit flotten Sprüchen.

Ich glaube, der Verein braucht eine andere Lösung auf der Trainerposition. Nach Stevens keinen Keller, der mit dem Held-Buddy-Manko leben muss. Das könnte eine – für Aussenstehende – lustige Rückrunde werden in Gelsenkirchen.

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