Der FC Fulham zu Gast in Leipzig

Posted by Max on Juli 20, 2012
Fussball International, Nordostfussball

Endlich wieder großer Fussball zu Gast in der Messestadt. Zumindest fast. Jedenfalls dürfte es schon etliche Jahre her sein, dass letztmals ein Verein aus der höchsten Englischen Spielklasse in Leipzig vorbeigeschaut hat. Von Europapokalspielen will ich hier gar nicht mal reden. Diesen Mittwoch war der Fulham Football Club aus London für 90 Minuten Testspielgegner des 1. FC Lokomotive Leipzig. Eine Reihe von Klubs aus der Premier League testet in diesen Tagen gegen deutsche Teams, insbesondere Mannschaften aus den neuen Bundesländern. Fulham mag zwar nicht der größte Name sein, aber immerhin Finalist der Europa League 2010 und mit einigen Millionen-Stars gespickt. Und für den gerade frisch in die Regionalliga aufgestiegenen 1. FC Lokomotive Leipzig eine willkommene Gelegenheit, sich mit einem prominenten Testspiel ins öffentliche Gespräch zu bringen. Das hat dann auch funktioniert, mit 5.012 Zuschauern war das Bruno-Plache-Stadion ausverkauft.

Die Gäste vom Fulham FC spielten mit der gewohnten Mischung aus Stars und Nachwuchskräften. In der Pause wurde bis auf zwei Positionen einmal komplett durchgetauscht, sodass letztendlich nahezu alle Stars ihre Spielanteile von Trainer Martin Jol bekamen. Die Cottagers taten sich anfangs schwer, in die Partie zu finden. Wie bereits einige Tage zuvor bei einem trostlosen 0:0 gegen einen dänischen Zweitligisten in Grimma war den Themse-Anrainer der frühe Zwischenstand der Vorbereitung anzumerken. In den ersten Minuten versuchten die Lok-Spieler den Gegner zu überrumpeln. Es dauert ca. 15 Minuten, bis Fulham die Spielkontrolle übernahm und durch einen Doppelschlag vom Italiener Marcello Trotta – ein Eigengewächs aus der Fulham Academy – bis zur Pause den Zwischenstand auf 2:0 stellte. Besonders auffällig in der ersten Halbzeit war John Arne Riise. Der Norweger deutete an, dass er auch im fortgeschrittenen Fussballer-Alter von 32 Jahren noch immer Dynamik und Bissigkeit aus früheren Zeiten auf höchstem internationalen Niveau besitzt.

Ebenfalls mit von der Partie war Sascha Riether, die Neuerwerbung für die rechte Abwehrseite. Riether wirkte bisweilen aber arg unkonzentriert. Wenn Lok später einmal zu Angriffen kam, war es entweder fatalen Fehlpässen im Mittelfeld geschuldet, oder die (letztendlich aber allesamt schwach abgeschlossenen) Vorstöße kamen über Riethers Seite. Nur selten schaffte er es wie im folgenden Foto, den Spielaufbau voranzutreiben.

Im zweiten Durchgang durfte dann auch Mladen Petric mitwirken. Der Kroate war die letzten Jahre eine wichtige Stützte des Hamburger SV, wirkte zuletzt aber trotz gegenteiliger Beteuerungen immer lustloser und spielte teilweise mit fataler Körpersprache. Sein Habitus war auch in dieser Partie ziemlich grenzwertig, mit Lässigkeit eigentlich auch nur unzureichend beschrieben. Letztendlich erzielte Petric zwar das 3:0, vergab aber auch eine weitere Chance sehr fahrlässig und wirkte nicht wirklich austrainiert. Ob er bis zum Saisonstart wirklich eine ernsthafte Alternative wird, bezweifle ich – so stark wie er am Mittwoch abgefallen ist. Handlungsbedarf für Coach Martin Jol besteht auch in der Abwehr. Die Innenverteidigung – im zweiten Durchgang mit Brede Hangeland – hat ein enormes Geschwindigkeitsdefizit.

Letztendlich endete die Partie nach dem Treffer Lauri Dalla Valle mit 4:0 für die Gäste aus England. Ein hochverdienter, standesgemäßer Sieg. Der Klassenunterschied war zumindest über 75 Minuten deutlich zu erkennen.

Es ist schwer, eine solche Partie aus der Sicht des Underdogs zu bewerten. Die Spieler des 1. FC Lokomotive Leipzig haben sich achtbar geschlagen und sind nicht unter die Räder gekommen. In einigen Szenen konnten sie mit einem beherzten Dazwischengehen individuelle Fehler der Cottagers nutzen. Im letzten Augenblick fehlte aber entweder die Übersicht für den besser postierten Mitspieler, oder die Kraft zu einem platzierten Torschuss reichte nicht mehr aus. Einen guten Eindruck hinterlassen haben Torwart Christopher Gäng sowie Neuzugang Kevin Walthier. Der 21jährige Mittelfeldspieler kam von der Reserve des 1. FC Nürnberg und zeigte einige nette Dribblings. Ob er mit seinen teilweise arg verspielten Aktionen aber im robusten Regionalligaumfeld Erfolg haben wird, muss sich erst noch zeigen.

Für den 1. FC Lok Leipzig startet die neue Saison am 11. August mit einem Auswärtsspiel bei Hertha BSC II. Eine Woche später empfängt der FC Fulham in der Premier League Norwich City.

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