Düsseldorfer Rotzlöffel

Posted by Max on Februar 20, 2012
Bundesliga

Es ist schon eine verrückte Zweitligasaison. Diesen Umstand bekommt derzeit Fortuna Düsseldorf deutlich zu spüren. Mit begeisterndem Fussball, hoher Spielkunst und lautstarker Unterstützung ihres enthusiasmierten Publikums wurde die Mannschaft durch die Vorrunde getragen, sammelte dabei 41 Punkte. Normalerweise wäre dieses Punktepolster ausreichend, um mit einem beruhigenden Vorsprung in die zweite Saisonhälfte zu gehen, doch die enorme Leistungsdichte der Saison 2011/2012 zeichnet da ein ganz anderes Bild. Doch seit dem 5. Dezember, als es einen 2:0-Auswärtserfolg beim MSV Duisburg gab und die Hinrunde abgeschlossen wurde, läuft es einfach nicht mehr. Die Konkurrenz ist aufgerückt und vorbeigezogen.

Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, stimmen die Ergebnisse einfach nicht mehr: 1:1 gegen Bochum, Ingolstadt und Frankfurt. Eine Heimniederlage zum Jahresausklang gegen Paderborn wurde noch als Ausrutscher abgetan. Doch spätestens mit der ersten Auswärtspleite der Saison und nun fünf sieglosen Spielen seit dem Rückrundenstart müssen die Alarmglocken am am Rhein schrillen. „The trend is your friend“ heißt es in der Börsensprache, und auch Fortuna sollte die Entwicklung der letzten Partien nicht verkennen. Das Team von Trainer Norbert Meier hat jetzt die Chance, wieder in die Spur zu finden, die nächsten Gegner sind Aachen, Karlsruhe und Aue und halten sich alle im Tabellenkeller auf. Weiterhin geht es bis zum Mai noch gegen St. Pauli und Greuther Fürth, wo die Chance besteht, direkte Konkurrenten wieder hinter sich zu lassen.

Der erste Schritt zur Besserung bei Fortuna muss es sein, den Blick wieder auf das Wesentliche zu lenken. Volle Konzentration auf das Ziel Aufstieg, die eigenen Stärken, um an die Leistungen aus dem Spätsommer und Herbst anknüpfen zu können. Zuletzt ist es der Konkurrenz, insbesondere in Gestalt von Eintracht Frankfurt und deren Coach Armin Veh gelungen, die Düsseldorfer zu verunsichern. Der frühere Meistertrainer entfachte vor zwei Wochen eine Diskussion um die vermeintliche Fallsucht der Fortuna-Spieler im Strafraum. Kurz darauf lieferte der kicker mit einer Statistik Argumentationsnachschub. In der Tat gab es in dieser Spielzeit an 22 Spieltagen bereits elf Strafstöße für die Fortuna, die durch Jens Langeneke (9) und Sascha Rösler (2) alle verwandelt wurden. Und als hätte es Veh geahnt, gab es prompt beim Topspiel am vergangenen Montag einen Elfmeter in Düsseldorf gegen Frankfurt – der allerdings weder durch ein durch die Fernsehkameras eindeutig erkennbares Foul noch durch eine klare Schwalbe zustande gekommen ist.

Vielmehr war es die Reaktion von Sascha Rösler – im Vorfeld das Ziel der Frankfurter Verbalattacken – welche zu einer Eskalation führte. Statt nach dem glücklichen Ausgleich kurz vor Spielende mit der Mannschaft zu feiern machte sich der frühere Bundesligaprofi hurtig auf den Weg Richtung Frankfurter Trainerbank, um Armin Veh seine Meinung zu geigen. Eine völlig unnötige Provokation, die Veh einen Platz auf der Tribüne und Rösler die Gelb-Rote Karte einbrachte. Doch damit hat Rösler seinen Feind erst richtig scharf gemacht, sodass Veh am Tag nach dem Spiel auf einer Pressekonferenz richtig loslegte und Rösler als unsportlichen Begtrüger, Provokateur und „Rotzlöffel“ bezeichnete:

„Rotzlöffel“ Rösler: Die Wutrede des Jahres

Es ist müßig darüber zu debattieren, ob diese Nebenkriegsschauplätze die Fortuna derzeit beeinflussen. Die Niederlage vom Sonntag in München jedenfalls kam ganz ohne Elfmeter und den gesperrten Rösler zustande. Allerdings muss die Fortuna aufpassen, die aufgebauten Sympathiewerte als zurückgekehrte Traditionsmannschaft und Spaßfussballtruppe nicht schnell wieder zu verspielen. Besonders Sascha Rösler, der in Düsseldorf seinen zweiten Frühling genießt und zweifellos eine Stütze dieser Mannschaft ist, muss aufpassen. Der übertriebene Jubel vor Veh war nicht die einzige Provokation im Spiel, auch Gegenspieler wurden mehrfach über die Grenzen des gesunden Menschenverstandes hinaus agitiert. So kann man sich auch schnell die Sympathiewerte von britischen Schwergewichtsboxern verschaffen.

Und auf der anderen Seite ist auch klar zu sagen: Es wäre sicher auch hilfreich, wenn sich beim Dauer-Grisgram Armin Veh die Drähte wieder abkühlen. Einen solchen Privatkrieg zwischen einem Spieler und dem Trainer einer ganz anderen Mannschaft habe ich noch nicht erlebt.

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