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Beamtenfußball 16. November 2012

Posted by Moritz in : WM 2014 , add a comment

Was haben der DFB-UmweltCup, Mercedes Benz sowie Bitburger gemeinsam? Genau, sie versprühten während des Klassikers Niederlande-Deutschland auf der Werbebande 90 Minuten lang mehr Dynamik als die 22 + x Akteure auf dem Rasen. Die dritte Begegnung der Elftal mit der “Mannschaft” brachte ein Anschauungsbeispiel für die gepflegte Neutralisation zweier Mannschaften hervor.

Der Höhepunkt war ohnehin die Verabschiedung von Edgar Davids aus den Diensten der Nationalmannschaft. Darauf muss man sieben Jahre nach dem letzten Länderspiel auch erst einmal kommen.

Ein weiterer Faktor, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte: Ibrahimovic hatte einen wichtigen Termin in Stockholm. Seine Präsenz und seine Tore fehlten eindeutig. Aber das ist eine Frage der Perspektive und nur periphär die Schuld des Bundestrainers, sondern aller Herren, die den Spielplan ausmachen und sich an dieser nachbarschaftlichen Konstellation wohl nicht satt sehen können. Partie Drei wird keine Sonderseite in den Statistikbüchern bekommen.

Wenn man sich zurück ruft, dass solche Auftritte vor nicht einmal zehn Jahren noch als unglaublicher Erfolg gefeiert worden waren, kann man die allgemeine Enttäuschung auch als Kompliment für die Arbeit des Bundestrainers sehen. Dass in dieser Partie nicht viel stimmte sei angesichts der Absagen geschenkt. Das hinten diesmal die Null steht ebenfalls. Ausrutscher passieren. Der Erkenntnisgewinn des vorvergangenen Abends hält sich somit ohnehin in Grenzen.

Dementsprechend schwierig verteilte sich auch die Notenvergabe. Kaum Fehler und kaum bemerkenswerte Einzelaktionen lassen diese zu einem relativ subjektiv Einheitsbrei werden.

Manuel Neuer: Der Nationaltorwart war mit Abstand der einzige der seine Leistung über die vollen 90 Minuten abrufen konnte und vereitelte die niederländischen Chancen geistesgegenwertig – immerhin zwei an der Zahl. In der ersten Halbzeit drängte er den dadurch irritierten Robben ab und hielt in der zweiten einen verdeckten Schuss, der saß. Note: 1

Phillip Lahm: Als Kapitän trägt er die Verantwortung auf dem Platz, soll er voraus gehen. Dies gelang ihm im Rahmen seiner Möglichkeiten soweit, als dass viele Angriffe vor allem über außen kamen und Ruben Schakan nun auch in Deutschland bekannt ist. Zudem prägte er nach dem Spiel den Satz, dass es viel Ballbesitz auf beiden Seiten gegeben habe. Das macht im Endeffekt exakt 100% und Note: 4

Mats Hummels: Einmal so fühlen wie Barcelona. Dieser Traum ging für ihn in Erfüllung. Als Spieler einer der höchsten Ballkontakten wurde ihm das Spiel quasi aufgedrängt. Allerdings nutzte er seine Freiheiten nur selten dazu, das Angriffsspiel anzukurbeln, wofür er in Dortmund mitunter gefeiert wird. Nebenbei gab es keine Probleme den nicht vorhandenen Zauber der Niederländer Stand zu halten. Note: 3

Per Mertesacker: Als Turm in der Schlacht stand er seinen Mann und hielt die deutschen Farben aufrecht im Wind. Überraschend ist lediglich, dass Manuel Neuer keine Leiter an ihn anlegte, um von oben eine bessere Übersicht über das ferne Spiel zu erlangen. Ansonsten gilt ähnliches wie für Hummels. Note: 3

Benedikt Höwedes: Er war ebenso wie Lahm einer der Aktivposten im Aufbauspiel. Den Platz den Robben ihm ließ nutzte der gelernte Innenverteidiger gut, hatte dann naturgemäß Probleme den Ball verwertbar weiterzugeben. Und als Bonbon: Hinten hielt er alles dicht. Insgesamt eine ordentliche Vorstellung. Note: 2

Ilkay Gündogan: Der, der sonst nie zum Zuge kommen, profitierte von der Abwesenheit der etablierten. Er versuchte sich auch eifrig in die Spielgestaltung einzubringen. Mangels Unterstützung von vorne, hatte er aber im Alleingang keine Gelegenheit, dieses Riesenloch, dass sich zwischen den orangenen Pylonen vor ihm auftat zu stopfen. Note: 3

Lars Bender: Bender. Bender? Er war wohl anwesend und da die Hintermänner kaum etwas zu tun hatten, absolvierte er wohl eine souverände Partie und hielt Gündogan den Rücken frei. Das ist in diesem Spiel auch ausreichend. Es müssen ja nicht alle nach vorne rennen. Note: 3

Thomas Müller: Er machte das, was er immer tut: Er bemühte sich. Meist sind unkonventionelle Aktionen sowie Angst und Schrecken in den Reihen des Gegners das Ergebnis. Dieses Mal allerdings ackerte er vergeblich und schalte relativ schnell angeschlagen herunter. Note: 3

Lewis Holtby: Dieses Spiel dürfte dem Schalker Buchmacher nicht gefallen haben, da es nichts zu einer Wertsteigerung des Jungspunds beitrug. Er tauchte einfach ab und wurde kaum gesehen. Note: 5

Mario Götze: Götze auf der legendären falschen Neun. Die Last wog schwer auf seinen Schultern. Er war vorne auf verlorenem Posten. Ließ er sich fallen, fehlte die Anspielstation. Blieb er vorn, fehlte der Abspieler. Vertracke Situation, in der im Endeffekt auch die die Leichtigkeit, die ihn sonst so auszeichnet, fehlte. Note: 4

Marco Reus: Reus setzte das Offensivglanzlicht der Partie: Er traf den Pfosten und sorgte für eine der wenigen Situationen, in denen in der Amsterdamer Arena Jubel aufbrandete. In der restlichen Zeit war er auch bemüht, litt aber ebenso wie die anderen an der unbekannten Aufstellung den defensiven Oranjes. Note: 4

FAZIT: Angesichts der extrem schwankenden Post-EM-Leistungen kann man nur hoffen, dass Löw sein Grundgerüst für die kommende WM möglichst schnell findet und in der Folge darauf aufbauen kann. Leckerbissen sehen anders aus. Guten Rutsch und auf ein frohes neues Jahr.

Lebenslang Grün-Weiß? 13. November 2012

Posted by Max in : Bundesliga , 3 comments

Das Motto der Bremer Meisterhymne von 2004 wird derzeit an der Weser von keinem Geringeren als Manager Klaus Allofs, seit 1999 eine Institution im Gleichschritt mit Trainer Thomas Schaaf,  in Frage gestellt. Auch wenn der Transfer von Allofs zur Stunde noch nicht feststeht, verdichten sich derzeit die Anzeichen. Die eindeutig uneindeutigen Aussagen des Hauptprotagonisten sind entweder ein eigenartiger Schachzug des von Lemke angepissten Managers, oder Ehrlichkeit einer ernsthaften Wechselabsicht. Fakt ist: Ein Wechsel von Allofs in die Autostadt würde eine massive Bewegung in die Bundesliga bringen. Da wäre zum einen die erwartete Rekord-Ablöse für einen Funktionär, andererseits aber auch das Aufbrechen der in Bremen als Naturgesetz geltenden Machtstrukturen im Verein.

Werder Bremen hat sich in den 1990er-Jahren schon einmal in einer solchen Situation befunden. Damals war es Trainer Otto Rehhagel, der mit seinem Wechsel zum FC Bayern nach 14 Dienstjahren im Westerstadion dafür sorgte, dass der Verein auf eine jahrelange Schlingertour geschickt wurde. Vier Jahre dauerte es, ehe mit Thomas Schaaf, der interessanterweise Felix Magath ablöste, die nächste Langfristlösung gefunden wurde. Fast zeitgleich kam Klaus Allofs dazu, die Beiden bildeten seit dieser Zeit ein harmonisches Duo, das Werder zu zahlreichen Europapokalteilnahmen brachte, mehrere Pokalsiege sowie eine Meisterschaft holte. Zuletzt ist der Glanz aber etwas verflogen. Weniger durch eine bröckelnde Beziehung Schaaf/Allofs, eher scheint das Verhältnis zwischen Manager und Vereinsführung, in persona Willi Lemke, zerrüttet. Schon beim letzten Vertragspoker vor etwa einem Jahr waren deutliche Misstöne zwischen Lemke und Allofs zu vernehmen, letztendlich blieb der Manager aber doch. Und sucht er jetzt doch eine neue Herausforderung?

Auf den ersten Blick scheint die vermeintliche Wahl des VfL Wolfsburg mehr als logisch: Allofs steht wie kein anderer Macher in der Bundesliga für Kontinuität, Solidität und letztendlich auch für Erfolge. So eine erfahrene Führungskraft zu gewinnen, ist aus unternehmerischer Sicht jede Anstrengung wert. Dennoch gibt es Zweifel: Bei allen Vorteilen und der überzeugenden Arbeit Allofs der letzten Jahre, er kennt quasi kein anderes Geschäft als in Bremen. Wolfsburg bewegt sich in einer anderen Dimension. In Bremen musste Allofs jeden Cent zweimal umdrehen, hatte bei Transfers – insbesondere bis ca. 2008 – häufig ein glückliches Händchen. In Wolfsburg nun könnte er aus einem deutlich größeren Geldtopf schöpfen – doch kann er das auch? Kann er nach 13 Jahren Werder-Denke plötzlich in eine andere Welt eindringen, in höhere Gehalts- und Transfersphären? Letztendlich muss er dann auch beim Geldgeber VW Rechenschaft ablegen. Und die Herren im altehrwürdigen Backsteingebäude arbeiten nach den knallharten Gesetzen der Wirtschaft – in Bremen geht es da beim Rapport wohl doch etwas beschaulicher zu.

Ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Allofs in Wolfsburg funktionieren würde. Es gibt einfach Vereine, die sind aufgrund ihrer Konstellation einfach nicht darauf ausgelegt, über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren Kontinuität zu verkörpern. Wolfsburg gehört für mich dazu. Wie auch immer, “Lebenslang Grün-Weiß” bliebe Allofs mit Blick auf die Vereinsfarben des VfL übrigens auch bei einem Wechsel an die Aller.

Des Kaisers neue Kleider 7. November 2012

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Es gibt Tatsachen, die sind einfach wie sie sind. Oft werden sie diskutiert. Gerade zu tot geredet bis sich keiner mehr traut sie auszusprechen und sie deshalb wieder ein Vergessenheit geraten. Gut, dass es ständige Mahner gibt, die kurz und prägnant ihre Bedenken schildern und eben dies verhindern. Diese weltgewandten Intellektuellen tun das mit einer solchen Tiefe, dass die Aussage allgemeingültig einfach für sich steht und den Leser in einem Moment des Nachdenkens zurücklasst.

Die Wirkung potenziert sich, wenn sie einem an einem überraschend Ort begegnen. Eine solcher war der heutige Sportteil der lokalen Zeitung. Die ganze Aussage, der ganze “Artikel” gar, beläuft sich auf gerade einmal zwölf für sich stehende, quellenlose Worte:

Franz Beckenbauer vermisst bei der deutschen Fußballnationalmannschaft frühere Tugenden wie kämpferischen Einsatz. [LVZ, 7.11.12]

Wer erinnert sich nicht an des Kaísers neue Kleider. Hier ist der Kaiser das Kind.

Die vermaledeite zweite Runde 1. November 2012

Posted by Moritz in : DFB-Pokal,Nordostfussball , add a comment

Für Dynamo ist es wohl ein Deja-vu. Gut gekämpft, doch in der zweiten Runde des DFB-Pokals ist wieder Schluss. In Hannover hatten die Zuschauer angesichts der eher bescheidenen Dresdner Leistungen sicher schon auf eine Heimreise nach 90 Minuten eingestellt.

Dass es anders kommen sollte, lag vor allem auch daran, dass die Dresdner das 96er Angriffswunderwerk geschickt verteidigten. Bis auf den einen obligatorischen Aussetzer nach einer Vierstelstunde, der ihnen auch in der Liga den einen oder anderen Punkt kostete, machten sie die Räume eng genug. Der eine oder andere zukünftige Konkurrent von Hannover wird sich die Zusammenfassung sicher noch zu Gemüte ziehen.

Offensiv hält die von Max zu Beginn der Saison konstatierte Abhängigkeit von Poté bei Dynamo hält weiter an. Das Tor fiel lediglich nach einem Standard durch Abwehrroutinier Bregerie und ansonsten waren die Angriffe eher verhalten und man eher darauf konzentriert den Ball nicht zu schnell wieder zu verlieren. Symptomatisch ist zudem, dass eben jener Poté, der zuvor auch schon die Führung auf dem Fuß hatte, keinen guten Tag erwischte und am Ende den letzten Elfmeter nicht verwandelte. So konnte nach langem Kampf doch der Favorit jubeln und als Sieger den Platz verlassen – wenn auch später als gedacht.

Aus dem Spiel wird Loose aber mitnehmen können, dass Dynamo trotz konditioneller Probleme 120 Minuten mit einer der erfolgreichen Bundesligateams mithalten konnte. Da man zuletzt in der Liga gegen die Mannschaften aus der oberen Hälfte nicht unbedingt zu überzeugen wusste, kann diese Erkenntnis für die folgenden Spiele gegen die direkte Konkurrenz hilfreich sein.

Ein weiteres Déjà-Vu sind wohl die Berichte von Randalierern im Umfeld des Spiels. Nach dem Skandal in Dortmund im vergangenen Jahr, der dem Verein fast die Teilnahme am diesjährigen Pokal und eine hohe Strafe kostete, droht nun wohl ein ähnliche Spießrutenlauf. Was bleibt ist ein knappes Aus und die Frage, wann einmal festgestellt wird, dass immer höhere Strafen nicht gegen einzelne oder auch organisierte Chaoten helfen?

Angesichts der ganzen Strafen, die nicht nur aber auch Dynamo in letzter Zeit leisten musste, und sich solcherlei Meldungen wiederholen stellt sich eigentlich die Frage, was der DFB mit den Zahlungen anstellt. Die fälligen Strafen durch das Sportgericht werden zwar der Bundesligastiftung zugeführt, aber wie werden diese dort dann verwendet?

Die dort aufgeführten Projekte sind löblich. Aber den Fanprojekten, die sich gegen die Gewalt stellen, wäre mit Unterstützung durch die Strafzahlungen und die Stiftung sicher ebenso geholfen – mit dem Ergebnis, dass die Strafen sich nicht nur als sinnlos erweisen, sondern auch gegen ihren Ursprung eingesetzt werden können.