Monthly Archives: Mai 2012

Schwiizer Nati olé

Posted by Moritz on Mai 28, 2012
EM 2012 / No Comments

Das Gastspiel in der Schweiz bot eine ideale Gelegenheit, den Besuch in Basel, der vor gut vier Jahren wortwörtlich ins Wasser fiel, zu wiederholen. Schon damals konnte man der Stadt hinter all dem Regen einen gewissen Reiz nicht absprechen und erst recht bei bestem Kaiser-Wetter empfahl sie sich für mehr als nur einen kurzen Tagesausflug. Alleine das Baseldütsch ist neben den entspannten Stunden am Rhein-Ufer und der Altstadt eine Reise wert.

Damals noch beim FC Basel auf der Gegengeraden platziert, war dieses Mal die Muttenzer-Kurve meine Heimat. Mit einem Sonnenbrand fiel man im roten Block zwar nicht auf – bei den Massen an Auswärtsfans, wäre ein solches Mimikry aber auch nicht nötig gewesen. Wie viele deutsche Fans die Nähe der Stadt zum Besuch nutzten, merkte auch bei einer Straßenumfrage, für die sie am Rheinufer händeringend Schweizer Stimmberechtigte suchte. Die verzweifelte Frau hatte alle Mühe ihre Zettelchen zu füllen.

Das Spiel an sich war eine historische Schmach, die der deutschen Auswahl am Sonnabend beigebracht wurde. Der erste Sieg einer Schweizer Mannschaft seit 56 Jahren gegen den übermächtigen Gegner aus der Nachbarstadt stellt einen neuen Tiefpunkt dar. Die meisten Gegentore seit dem 5.1 in Rumänien vor der enttäuschenden EM 2004 müssen für Löw eine persönliche Niederlage sein. Zumal so kurz vor einer Europameisterschaft, in der man beinahe schon zum Siegen verdammt ist.

Der einzige und letztendlich grundlegende Aspekt, der nicht in diese fatalistische Interpretation passt, ist die Tatsache, dass es sich um ein Testspiel handelte, welches zudem unter der Abwesenheit einiger Schlüsselspieler und somit deutlich erschwerten Bedingungen stattfand. Gleichzeitig zu diesem Schritt entschied sich Löw zudem auch, wieder einmal ein neues System mit nur einem Mann vor der Abwehr zu testen.

Man könnte behaupten, das Experiment dadurch mehr Druck nach vorne zu entwickeln ging schief. Denn gleichzeitig standen die, die auf dem Platz waren, meilenweit von ihren Gegenspielern weg und mussten bei einfachen Pässen und Seitenwechseln erst mühsam hinterher verschieben, um den ballführenden unter Druck setzen zu können. Bis dahin war der Ball aber oft schon weitergereicht gewesen. Insgesamt bekam die Mannschaft so keinen umfassenden Zugriff auf die Schweizer Spieler und stand gleichzeitig auch zueinander weit entfernt. So kam man oft gar nicht in die Verlegenheit nach vorne zu spielen.

Dies mag an der Zusammenstellung oder fehlender Frische nach einer anstrengenden Trainingswoche gelegen haben. Ohne viel vorwegzunehmen, sind die Gewinner dieses letzten Testspiels vor der endgültigen Nominierung im Großen und Ganzen letztlich jene, die nicht auf dem Platz standen und somit nichts falsch machen konnten. Dies spiegelt sich auch in den Noten wider, die angesichts der ungenügenden Möglichkeiten im Stadion Notizen zu machen, wie in Anfangstagen in Mannschaftsteilen angeordnet sind.

Im Tor fiel die Löw’sche Wahl auf Ter Stegen und erreichte beinahe einmaliges. Die meisten Gegentore für einen Debütanten im DFB-Dress seit dem 8-3 gegen Ungarn 1954 (laut @optafranz) gehen nun auf sein Konto. Vorwürfe kann man ihm selbst kaum machen. Zu sehr bereiteten seine Vorderleute dem Gegner und insbesondere Derdiyok den Weg. Ein paar wenige Male konnte er ein Tor verhindern, sah im Gegenzug aber beim 4-2 unglücklich aus. Note: Ter Stegen 4

Die Abwehrreihe davor war Ausbund an Unsicherheit. Vor allem die Innenverteidigung machte ihren Mitspielern das Leben schwer. Hummels und Mertesacker passten überhaupt nicht zusammen. Die Abstimmung und Laufwege stimmten wiederholt nicht und hinterließen oftmals ein Loch vor Ter Stegen. Bei letzterem merkte man die fehlende Spielpraxis und ersterer feilt immer noch an der Umstellung von Dortmund auf das System Löw. Schmelzer und Höwedes komplettierten die Viererreihe, taten ihrerseits aber auch nicht viel, um für Stabilität zu sorgen. Die Außenbahn auf der Lahm nicht eingesetzt wird, dürfte der Schwachpunkt der deutschen Elf im Turnier sein. Noten: Schmelzer 4, Hummels 4, Mertesacker 5, Höwedes 4

Insbesondere in der ersten Halbzeit blieb das Mittelfeld weit unter seinen Möglichkeiten. Khedira verlor als eigentlicher Verbindungsmann des öfteren den Anschluss an die Abwehr und orientierte sich ohne groß zählbare Ergebnisse zu weit nach vorne. Gündogan erledigte auf die Aufgabe vom Gefühl her effizienter. Özil verzettelte sich zwar oft in kleineren Aktionen und verpasste einige Male den Ball zum entscheidenden Zeitpunkt abzugeben. Nichtsdestotrotz war er einer der präsentesten Spieler auf dem Platz.

Dass Götze mitspielte, merkte man erst in der zweiten Halbzeit, als er wunderbar mit dem eingewechselten Reus harmonierte. Vorher enttäuschte er aber. Explizit hervorheben muss man aber Reus. Er kam zur Halbzeit für Özil und verlieh dem gesamten deutschen Spiel instantan mehr Fluss und Zusammenhalt. Die Niederlage konnte er alleine zwar nicht verhindern, aber der Neu-Dortmunder war der einzige, der sich nicht nur durch ein Tor für ein mehr an Spielzeit während der EM empfehlen konnte.

Podolski machte wieder das, wofür er bekannt ist und bewachte die linke Außenbahn. Auf der Gegenseite spielte Schürrle um einen Stammplatz. Von Anfang an konnte er aber ebenfalls nicht zeigen, warum er Podolski oder Müller ersetzen sollte. Er lief zwar viel und erzielte auch ein Tor, präsenteirte sich aber ansonsten recht ineffizient. Noten: Khedira 4, Özil 3, Podolski 4, Schürrle 4, Götze 4, Gündogan 3, Reus 2

Im Angriff bildete Klose lange Zeit die einsame Spitze und ließ vieles von dem vermissen, was ihn sonst so auszeichnet. Er spielte sehr zurückgezogen und auch ihm merkte man die lange Verletzungspause deutlich an. Klose blieb somit gerade von der entgegengesetzten Tribüne aus gesehen ein eher großes Fragezeichen. Note 4

Fazit: Ein rundherum gelunger Aufenthalt in der sympathischen Stadt am Rhy – Einzig die Nationalmannschaft dämpfte die Stimmung etwas, aber der Testspielcharakter beulte diesen Knick schnell wieder aus. Letztendlich fehlte es dieser Mannschaft doch an vielem. Sei es nun Frische, Erfahrung im Zusammenspiel oder Vertrautheit mit dem System. Spätestens zur WM wird man mit Sicherheit wieder eine wortwörtlich andere Mannschaft sehen.

Abschließend muss ich den Schweizern eine Begeisterungsfähigkeit für ihre Nati zugestehen, die ich ihnen qua Vorurteil gar nicht zugetraut hätte. Im Stadion hörte sich das völlig anders an, als einst das Länderspiel in Leipzig gegen Liechtenstein. Manch einem mag im Joggeli dabei ob der überraschten Freude der Sitznachbarn fast das Trommelfell geplatzt sein.

Für die Geschichtsbücher

Posted by Max on Mai 21, 2012
Champions League / 1 Comment

Das war es nun also, das “Finale dahoam”. Der Titel nervte ja schon etwas, der Hype war riesig und schon vorher war klar: Egal wer gewinnt, irgendwas für die Geschichtsbücher wird es schon werden. Entweder gewinnt erstmals Chelsea, oder mit Bayern holt erstmals ein Verein im eigenen Stadion die Champions League. Natürlich hofften die meisten deutschen Fussball-Fans auf Variante Zwei, aber letztendlich setzte sich die effektivere Spielweise durch.

Der Spielverlauf war eines Finals der Königsklasse absolut würdig: Zwar nicht mit der allerhöchsten Ballkunst, wie man es vielleicht mit Barcelona und/oder Real erlebt hätte. Aber dramatisch war es, mit einigen überraschenden Wendungen. Und es bleibt die pikante Randnotiz, dass Bayern nun zehn Jahre nach “Vizekusen” auch das Kunststück vollbracht hat, in allen Wettbewerben das Nachsehen zu haben. Opa meinte, auch Platz Zwei ist ein hervorragendes Ergebnis – aber vereinbar mit den Bayern-Ansprüchen ist es natürlich kaum. Ob die schmerzhafte Niederlage vom Samstag nun verdient ist oder nicht – das interessiert in einer Woche keinen mehr. Dann bleibt für ewig der Name FC Chelsea im Pokal mit den großen Ohren eingraviert.

An dieser Stelle möchte ich ganz ausdrücklich den “Blues” gratulieren: Schließlich hechelt Chelsea nun auch schon seit Jahren dem Titel hinterher, stand mehrfach kurz vor dem Finale oder scheiterte im Endspiel fast ebenso dramatisch wie jetzt die Bayern. Sie waren oft kurz vor dem Triumph, und es freut mich auch für die Generation Cech-Terry-Lampard-Drogba, die wohl ein Auslaufmodell ist, dass sie nun doch auf den letzten Drücker noch den Titel mitgenommen hat.

Was mich im Umfeld des Finals, auch schon im Halbfinale gestört hat: Die extreme Kritik an der Spielweise von Chelsea. Ist Fussball nicht auch im Jahr 2012 noch ein ergebnisorientierter Sport? Was hätte man denn im Halbfinale – was Matthias Sammer für mich unverständlich als “Katastrophe für den Fussball” bezeichnete – machen sollen? Sich abschlachten lassen wie Leverkusen? Diese Spielweise ist auf die momentane Situation des Kaders von Chelsea zugeschnitten und Interims(?)-Coach Roberto di Matteo hat das Optimum herausgeholt. Diese Spielweise ist auch nicht die Zukunft des Fussballs, sondern einfach eine Momentaufnahme. Und: Hätte sich Genosse Sammer ebenso aufgeregt, wären die Rollen vertauscht gewesen? Dann würden wir Jupp Heynckes wohl jetzt für seine taktischen Meisterleistungen gegen Barca und Chelsea loben. Also immer schön den Ball flach halten.

Schade in diesem Zusammenhang ist – und für mich der einzige Kritikpunkt an der ansonsten exzellenten Sky-Berichterstattung vom Finale – dass sich ein eigentlich ausgewiesener Fachmann wie Jan Henkel beim Interview nach dem Spiel auf das Sammer-/Boulevard-Niveau herunterziehen ließ: Di Matteo beendete das Interview mit Henkel sofort, als dieser fragte: “Finden sie diese Spielweise attraktiv?” Die Frage kann man stellen, aber sicher nicht fünf Minuten nach dem Finale dem Trainer der siegreichen Mannschaft.

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Buchkritik: Joachim Löw und sein Traum vom perfekten Spiel

Posted by Max on Mai 17, 2012
Medien / 1 Comment

Joachim Löw hat den Fussball in Deutschland seit seiner Ernennung zum Bundestrainer im Jahr 2006 zu einer neuen Kunstform erhoben. Die alten Tugenden Disziplin und Kampfgeist, über die Deutsche Mannschaften für Jahrzehnte definiert wurden, wurden systematisch ergänzt bis hin zum perfekten Spiel. Erstaunlicherweise ist Löw in der Öffentlichkeit erst seit sechs Jahren so richtig präsent, weil er nicht die schillernde Karriere vieler seiner Vorgänger vorweisen kann. Um mehr über den Architekten des Erfolgs der letzten Jahren zu erfahren, habe ich das Buch Joachim Löw und sein Traum vom perfekten Spiel von Christoph Bausenwein gelesen.

Christoph Bausenwein ist gebürtiger Nürnberger und seit Ende der 1980er-Jahre als freier Autor tätig. Er verfasste diverse Bücher und Chroniken verschiedener Vereine, widmete sich dem “Geheimnis Fußball”, veröffentlichte den Fussball-Band der legendären “Was ist Was”-Reihe und ging dem Erfolgsgeheimnis von Uli Hoeneß auf die Spur. Bausenwein hat aber noch eine andere interessante Notiz in seiner Biografie stehen: Im Jahr 1986 musste er eine Haftstrafe absitzen, weil er als Totalverweigerer den Zivildienst schwänzte und der “Dienstflucht” bezichtigt wurde. Die interessante Geschichte lässt sich auf seiner Website nachlesen.

Doch kommen wir zurück zu Joachim Löw. Eigentlich war wenig bekannt über ihn, bis er von Jürgen Klinsmann 2004 zum Co-Trainer der “neuen” Nationalmannschaft berufen wurde. Doch schon während der sicher stilprägenden Ära Klinsmanns kristallisierte sich heraus, dass der eigentliche Erfolgsfaktor Löw heißt. Der Co-Trainer machte die Taktik, verfolgte seine eigene Philosophie vom schönen Spiel. Zuvor war er mehr oder weniger erfolglos als Vereinstrainer unterwegs. Zwar holte er 1997 mit dem VfB Stuttgart den DFB-Pokal, doch Löw war immer als “zu lieb”, “zu nett”, “zu weich” verschrien. Nach der Stuttgarter Zeit ging es nach Österreich, in die Türkei, zum Karlsruher SC. Er wurde Meister in Österreich, aber besonders lange war er bei keinem Verein. Löws Karriere nahm die entscheidende Wende, als der Anruf von Jürgen Klinsmann kam…

In seinem Buch zeichnet Christoph Bausenwein ein ausführliches Bild vom Bundestrainer, ohne dabei zu viele private Details zu veröffentlichen. Es ist ja auch keine Autobiografie. Joachim Löw und sein Traum vom perfekten Spiel ist in drei logische Teile gegliedert: Zunächst wird die Spieler- und Trainerkarriere Löws bis 2006 beschrieben (“Der Aufstieg eines Unscheinbaren”). Hier gibt es ausführliche und interessante Informationen zu Löws Schweizer Fussballlehrer-Prägung, sowie seiner Tingeltour mit verschiedenen Vereinen. Bis hin zur Zeit als DFB-Co-Trainer. Im zweiten Teil “Der Bundestrainer und seine Turniere”) wird die Entwicklung der letzten sechs Jahre dargestellt. Teil 3 (“Die Nationalmannschaft als Firma Löw”) verlässt teilweise die Ebene der harten Fakten und beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Löw im Zusammenspiel mit seinen engsten Mitarbeitern Flick, Bierhoff und Köpke die Nationalmannschaft step-by-step zu einer Art eigenem Unternehmen umgebaut hat. Mit aller Konsequenz, aber auch mit dem Erfolg, den wir jetzt haben.

Auf knapp 350 Seiten bleibt eigentlich kaum eine Frage unbeantwortet, bleibt kaum ein Fakt zum Bundestrainer unberührt. Was hat er eigentlich vor der DFB-Karriere gemacht? Warum waren seine Gastspiele bei Vereinen nie von Dauer? Was und wer prägte Löw in seiner Spielphilosophie? Wie geht Löw mit Konflikten im Rahmen der Nationalmannschaft (Stichwort: Ballack/Frings) um? Dieses Buch taugt nicht nur als eine perfekte, detaillierte Nacherzählung der Laufbahn von Joachim Löw, sondern steigt viel tiefer in die Materie ein.

Unterstützt wird das Lesevergnügen durch den sehr angenehmen, flüssigen Schreibstil des Autors. Weiterhin ist das Buch keinesfalls eine Glorifizierung der Person Joachim Löw, denn unklare Verhaltensweisen von Löw, etwa der unnötig in die Länge gezogene Abschied von Michael Ballack, werden vom Autor hinterfragt und kritisiert – somit bleibt Bausenwein immer glaubwürdig. Lediglich das letzte Kapitel, was Joachim Löw als “Philosoph auf der Trainerbank” beschreibt, war etwas zäh. Oder ich hatte nur einen schlechten Tag. Und noch ein kleiner Kritikpunkt: Dem aufmerksamen Leser entgehen im Buch einige kleine fachliche Fehler nicht. In der sechsten Auflage sollte eigentlich auch ein “Jürgen Tuchel” als Mainzer Trainer nicht mehr auftauchen.

Fazit: Eine unbedingte Leseempfehlung. Und zwar noch bis zum Beginn der Europameisterschaft. Ich habe selten eine so überzeugende Biografie gelesen. Großartige Leistung von Christoph Bausenwein!

In eigener Sache

Posted by Moritz on Mai 13, 2012
Dritte Halbzeit / No Comments

Der eine oder andere treue Leser wird das offenkundige schon bemerkt haben. Sowohl Max als auch mir fehlt seit einigen Wochen immer öfter die Zeit, um das Geschehen in der gewohnten Manier der letzten Jahre mehr oder weniger aktuell zu verfolgen. Eine Situation, die auch für uns unbefriedigend war und ist.

Nach einiger Diskussion haben wir uns jedoch dazu entschieden, dass wir wir den Blog nach beinahe fünf Jahren aber nicht  ganz aufgeben möchten. Er ist uns doch zu sehr ans Herz gewachsen.  Langfristig wird sich die Frequenz zwar eher auf einem geringeren Niveau von einigen Beiträgen im Monat einpendeln, aber wir hoffen dadurch einfach etwas den einfachen Druck auf uns selbst zu reduzieren.

Zuvor wird die kommende EM aber noch einmal Highlight, auf das wir vorausschauen und dem wir uns intensiver widmen werden. Es lohnt sich aber auch danach weiterhin ab und zu hier vorbei zuschauen. Wir freuen uns über jeden, der sich über das, was wir machen, ebenso freut. In diesem Sinne wünschen wir noch einen angenehmen Sonntagabend!

Alles verloren

Posted by Moritz on Mai 13, 2012
Fussball International / No Comments

Gerechnet hatte irgendwie keiner damit, schließlich konnte der FC Metz auch in der letzten Saison den Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen. Auch wenn ist es noch nicht amtlich ist, wäre es ein Narr, der glaubt, dass der Verein seinen Rückstand zum rettenden Ufer noch aufholen könnte. Er beträgt genau drei Punkte und die Wenigkeit 14 Toren.

Damit erlebt der Absturz des Vereins einen neuen, traurigen Höhepunkt. Einen mit Ansage jedoch. Grundlos versinkt Metz nicht das erste Mal in seiner achtzigjährigen Geschichte nicht in der Drittklassigkeit. Jean-Sébastien Gallois vom Republicain Lorrain hat ein wunderbar zutreffendes Filmzitat aus “La Haine” dafür gefunden:

Dies ist die Geschichte einer Mannschft, die aus dem 38. Stock eines Hochhaus fällt. Während sie fällt, wiederholt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher ging es gut, bis hierher ging es gut, bis hierher ging es gut…‘. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!

Was die Jahre zuvor gut ging, endete nun schmerzhaft. Lange Zeit befand man sich im Mittelfeld, wähnte sich in Sicherheit und spielte weder spektakulär noch unterirdisch. Doch die Ergebnisse entsprachen nicht mehr dem, was im Herbst zuvor den ruhigen Tabellenplatz verschafft hatte. Es war der schleichende Beginn, der Maßnahmen zum Winter wohl unnötig erscheinen ließ.

Erst in der zweiten Saisonhälfte brach die Mannschaft beinahe komplett auseinander. Bedingt auch durch die Verletzung einiger Schlüsselspieler, die danach nie wieder an ihre alte Form anknüpfen konnten, verlor die Mannschaft jegliche Durchschlagskraft im Spiel nach vorne und stellt inzwischen den schwächsten Angriff der Liga. 29 Tore in 37 Spielen, das ist das harmlose Niveau eines FCK und ähnlich hat man sich die Auftritte auch vorzustellen.

Das alleine ist man vom Verein noch gewohnt. Schwer wiegt hingegen, dass der Liga, in der jedes drittes Spiel unentschieden endet, das, was den FC Metz eigentlich auszeichnete, sich ebenfalls dem schwachen Niveau anpasste. Nachdem sowohl der ehemalige Kapitän als auch der Außenverteidiger in Dresden große Erfolge feiern, zeigte der Defensivverbund in Metz in vielen Spielen Lücken. Tödlich bei Stürmern, die ihren Namen kaum verdienen.

Im Vorfeld wurde zwar stets versprochen, dass man es nun besser machen werde. Das Ergebnis strafte offenkundig lügen. Zahlreiche Punkte wurden nur durch wenige Momente der Unaufmerksamkeit verschenkt.

Doch Präsident Serin wackelte bis auf ein eingehaltenes Ultimatium und nur zwei Siegen in der Rückrunde nicht am Stuhl des Trainers Bijotat. Ein Vertrauen, das letztendlich nicht erfüllt wurde. Vielleicht auch weil auch er konstatieren musste, dass diese Mannschaft, die wirkte wie ein benommer Boxer, der apathisch einen Haken nach dem anderen kassiert, auch durch einen anderen Trainer nicht aufgeweckt werden konnte.

Ein weiterer Randaspekt, der das das Verhältnis zur Realität ganz gut beschreibt ist, dass die Verantwortlichen sich die ganze Zeit über Hoffnungen auf eine verspätete Nominierung zur EM-Stadt und einen millionenschweren Stadionneubau machten. Im Nachhinein erscheint es wie der Größenwahn eines Fieberkranken.

Für den Verein kann es nun nicht einfach nur heißen, die Mannschaft zusammenzuhalten. Dazu sind die Gründe auf allen Ebenen zu tiefgreifen, zu vielfältig. Vielmehr wird ein grundlegender Neuanfang nötig sein, der sowohl die Mannschaft als auch die Vereinsstruktur komplett entkernt und neuzusammensetzt. Unter den gegebenen Umständen dürfte es den FC Metz noch weiter an den Rand seiner Möglichkeiten oder sogar darüber hinaus treiben. Es ist die Quittung für Fehler, die inzwischen in der Vergangenheit liegen und nicht rechtzeitig korrigiert wurden.

Wie weit das führen kann, zeigt ein warnendes Beispiel: Vor exakt zwei Jahren stieg der RC Strasbourg gleichermaßen ab und wurde von den in der Folge freigesetzten Fliehkräften rund um den Abstieg und verpassten Wiederaufstieg im Grunde vollkommen zerissen und findet sich als Schatten seinerselbst nur noch in der fünften Liga wieder. Bleibe dies dem Verein erspart.

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