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Der Bela-Guttmann-Fluch 17. Mai 2014

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Mein Kollege, über dessen Kritik an der Bundesliga-Langeweile ich vor einiger Zeit sinnierte, ist aufgrund seiner familiären Wurzeln Fan von Benfica Lissabon. In dieser Woche musste er (wieder einmal) feststellen, dass es wohl noch mindestens 48 Jahre dauern wird, bis er wieder einen Internationalen Titel seiner Mannschaft feiern darf. Anfang 90 wird er dann sein, und vorher wird der Liebe Gott bei ihm nicht das Licht ausknipsen.

Schuld an der Misere ist Béla Guttmann. Ich kannte diesen Namen nicht, bevor ich Anfang des Jahres das sehr empfehlenswerte Buch von Jonathan Wilson zur Taktikgeschichte des Fußballs gelesen hatte. Mit Guttmann gewann Benfica im Jahr 1962 letztmals den Europapokal der Landesmeister, seitdem gab es acht Finalteilnahmen, in allen acht Spielen verlor Benfica das Endspiel. Wilson schreibt dazu in seinem Buch:

Man erzählt sich, Guttmann habe Benfica bei seinem Abschied mit einem Fluch belegt. Demnach sollte der Klub so lange keinen europäischen Titel mehr gewinnen, bis er ihm seine ihm zustehende Prämie bezahlt habe. Natürlich ist das Unsinn. Dennoch hat Benfica seitdem von fünf Endspielen im Europapokal keines mehr gewinnen können.  (Jonathan Wilson: Revolutionen auf dem Rasen, Seite 138)

Mittlerweile sind es schon acht Niederlagen: Im Europapokal der Landesmeister 1963, 1965, 1968, 1988 und 1990. Im UEFA Cup 1983 sowie in der Europa League 2013 und 2014. Ein interessantes Guttmann-Portrait aus dieser Woche nennt eine andere Version: Benfica habe ihm eine Gehaltserhöhung verweigert, deshalb ergriff Guttmann Hals über Kopf die Flucht und verfluchte den Verein auf 100 Jahre im Europapokal. Diese Version ist die bekannteste Auslegung des Bela-Guttmann-Fluchs. Bei früheren Finals flehten sogar schon Stars wie Eusebio am Grab des Ex-Trainers, es half alles nichts. Bela Guttmann, ein großer Name, Visionär und Weltenbummler, Importeur des erfolgreichen 4-2-4-Systems in Brasilien, galt gleichermaßen als unsentimental wie skrupellos, hat kein Einsehen.

Der Fluch ist derzeit so präsent wie lange nicht mehr: Zwei Jahre nacheinander verlor der größte Sportverein der Welt das Finale der Europa League. Vorige Saison gegen Chelsea durch ein Tor in der Nachspielzeit, vergangene Woche gegen den FC Sevilla im Elfmeterschießen. Nun mag man denken, dass sich die Fußballmillionäre von heute nicht um Flüche, Prophezeiungen oder andere Gedankenspiele der Metaebene kümmern.

Nur schwer lässt sich aber ohne das Bemühen höherer Mächte erklären, was am Mittwoch beim Finale in Turin passiert ist: Benfica hatte, beginnend mit der Endphase der ersten Halbzeit, reihenweise hochkarätiger Torchancen, deren Verhinderung durch den FC Sevilla sich nur unzureichend mit Glück beschreiben lässt. Wie die Spanier den Ball im letzten Moment von  der Linie kratzen, wie von Geisterhand plötzlich den Ball abblockten oder die Benfica-Spieler aus bester Position das Tor verfehlten – hatte hier Bela Guttmann seine Finger im Spiel? Anders lässt sich wohl auch kaum erklären, wie kläglich Oscar Cardozo und Rodrigo ihre Elfmeter in der entscheidenden Phase vergaben. Als hätte ihnen beim Anlauf die Stimme von Guttmann im Kopf herum gespukt.

So stand am Ende der Titelgewinn für den FC Sevilla. Es ist bereits der dritte Titel in diesem Wettbewerb für den Verein innerhalb der letzten acht Jahre. Man kann diese vom Kader her eigentlich relativ unspektakuläre Truppe also gut und gerne als Spezialist für den Europapokal beschreiben. Ohne Piotr Trochowski, den indisponierten Marko Marin, der nur 26 Minuten nach seiner Einwechslung wieder ausgetauscht wurde, dafür aber mit einem überragenden Ivan Rakitic. Der Kroate hat sich in den drei Jahren seit seinem Weggang vom FC Schalke 04 zu einem gestandenen Mittelfeldspieler von hoher internationaler Klasse entwickelt. Eine Entwicklung, die damals im Trikot der Königsblauen nicht unbedingt absehbar war. Am Mittwoch überzeugte Rakitic durch eine extrem hohe Präsenz in fast allen Teilen des Spielfeldes, einem guten Gespür für den richtigen Pass und unterstrich auch seine Führungsqualitäten als Mannschaftskapitän. Kein Wunder also, dass er in den Blickpunkt einiger großer Vereine gerückt ist.

Während Sevilla also in seinen drei europäischen Finalteilnahmen immer siegreich vom Platz ging, knabbert Benfica weiter am Bela-Guttmann-Fluch. Noch 48 Jahre – oder ist doch alles nur Aberglaube und großer Zufall?

Die verschmähte Liga 9. März 2013

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“Wir holen den Europacup” ist nach wie vor eine der häufigsten Liedzeilen in deutschen Fankurven. Mit mittlerweile sieben festen Startplätzen ist die Bundesliga in den beiden UEFA-Wettbewerben vertreten, doch es gibt – auch im vierten Jahr nach der Reformation des UEFA-Pokals zur Europa League – weiterhin ein extremes Gefälle in Wahrnehmung und Attraktivität der “ersten” und “zweiten” Liga in Europa. Während die Champions League schon früh enorme Gewinne für die teilnehmenden Vereine abwirft, lohnt sich die Europa League erst so richtig in den letzten drei Spielrunden. Doch dort sind deutsche Vereine zuletzt kaum vertreten.

Wer nicht gerade zur Beletage des deutschen Fussballs gehört und regelmäßig in den Genuss der Champions League kommt, für den sollte doch der Gang in die Europa League eine lukrative Alternative sein. Die letzten Spielzeiten brachten jeweils ein heftiges und enges Balgen zahlreicher Mannschaften um die Plätze in diesem Wettbewerb, “Europa League” hört man häufig als definiertes Saisonziel im engen Bundesliga-Mittelfeld. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bundesliga regelmäßig hochgelobt wird und als vielleicht ausgeglichenste Liga der Welt gilt, sollte man von sehr guten Voraussetzungen für die deutschen Teilnehmer ausgehen, abseits der hochgedopten Spielzeuge von geltungssüchtigen Milliardären.

Während die Champions League bei allen Vereinen in allen Ländern große Euphorie auslöst, gibt es gerade eine europäische Spielklasse tiefer ein tiefes Gefälle in der Akzeptanz und Wertschätzung des Wettbewerbs – auch in Deutschland. Vergleichen wir da nur einmal Borussia Mönchengladbach, die bei jedem Heimspiel eine großartige Atmosphäre und volle Hütte hatten und sogar bei Auswärtsreisen von Tausenden Fans begleitet wurden, mit dem VfB Stuttgart. Die knapp 28.000 Zuschauer gegen Lazio Rom – also ein etwa halb volles Stadion – war mit Abstand die größte Kulisse dieser Saison in der Europa League. Und das, obwohl der VfB als letzte deutsche Mannschaft im Wettbewerb ist und sicher keinen unschlagbaren Gegner vor der Brust hat. Doch dieses Akzeptanzproblem der Europa League gibt es nicht nur in Deutschland. Es zieht sich quer durch Europa, wenigstens finden wir es jedoch in allen “großen” Ligen, hier tragen oft sogar die Trainer durch die Nominierung von B-Mannschaften zum schwachen Status des Wettbewerbs bei.

“Cup der Verlierer” nannte Franz Beckenbauer einst den Vorgänger-Wettbewerb. Mal abgesehen davon, dass diese Aussage vom hohen Roß des FC Bayern aus getätigt wurde, scheint die Europa League wirklich verloren. Gerne möchte ich dazu auch auf eine gute Kolumne von Lukas Hermsmeier aus dem Dezember verweisen, der einige Probleme aufzeigt. Hauptproblempunkte sind aus meiner Sicht aber nicht mal unbedingt die geringeren Fernsehgelder und Prämien, sondern zwei andere Aspekte: Die große Teilnehmeranzahl und der Donnerstag-Termin.

Warum ist es nicht möglich, die Europa League im Vorfeld der Champions League am Dienstag und Mittwoch spielen zu lassen – quasi als Aufwärmer für die Königsklasse? Anstoß 18.30 oder 19.00 Uhr – okay, während der Woche keine wirklich freundliche Anstoßzeit, aber die gibt es ja derzeit auch schon und sind sicherlich nicht das entscheidende Problem des Wettbewerbs. Ein weiterer Vorteil: Man könnte die Spiele auf zwei Tage aufteilen und könnte den Donnerstag endlich streichen. Die Idee eines exklusiven Spieltags ist zwar prinzipiell gut, aber mit Blick auf die entzerrten Liga-Spieltage mit diversen Anstoßzeiten wohl auch ein gewichtiger Grund für Trainer und Spieler, auch mental vielleicht nicht ganz an die Belastungsgrenze zu gehen.

Ende des letzten Jahres wurde auch mal darüber spekuliert, ob die UEFA den Wettbewerb vielleicht sogar komplett abschafft und dafür die Champions League weiter aufbläht. Dazu wird es sicher nicht kommen, es wird sicher genug einflussreiche Menschen bei der UEFA geben, die Platini vor dieser damit einhergehenden Entwertung der Champions League bewahren. Doch vielleicht ist es schon möglich mit den oben genannten Korrekturen, angefangen bei der Größe des Teilnehmerfeldes und der Verschiebung der Spieltage, die Europa League aufzuwerten. Denn eigentlich mag ich den Wettbewerb wirklich, weil man hier eben nicht immer wieder die gleichen 20 Mannschaften sieht, ergänzt um schmückendes Beiwerk für die Gruppenphase.

Was mich aber doch etwas ratlos macht, ist das schwache Abschneiden der Bundesliga-Teams in der Europa League. Außer dem HSV, der es 2010 ins Halbfinale schaffte, ging es maximal bis ins Viertelfinale. Dem Jubel, dass sich alle deutschen Europapokalvertreter Ende 2012 für die KO-Phasen qualifizierten, folgte im Februar schnell Ernüchterung. Und nun sieht es so aus, als sei – wie schon 2010/2011 – das Ganze eine Bundesliga-freie Veranstaltung. Schade um den Stress, den man in der Liga immer um das Erreichen der Europapokalränge macht.

Spanien legt vor 30. März 2012

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Vor zwei Wochen hatte ich hier an dieser Stelle bekräftigt, wie ausgeglichen doch die Europa League sei, gerade mit Blick auf die ausgelosten Viertelfinalspiele. Ausgeglichenheit impliziert dabei natürlich zum einen sehr gute Chancen, dass die deutschen Vertreter Schalke 04 und Hannover 96 das Finale in Bukarest erreichen, zum anderen könnte der Weg der Beiden aber auch schon im Viertelfinale zu Ende sein. Nach den gestrigen Hinspielen sieht es wohl eher nach der zweiten Variante aus, wobei sich insbesondere bei den Schalkern schon Resignation eingestellt hat. Sowohl für Hannover als auch für Schalke wäre deutlich mehr möglich gewesen, um eine bessere Ausgangssituation in die Rückspiele mitzunehmen. Letztendlich scheiterten sie aber entweder an der eigenen Unkonzentriertheit, sicher aber auch an der hohen Klasse ihrer Gegner.

Eine besondere Klasse bewies dabei einmal mehr Athletic Bilbao. Der Verein aus dem Baskenland mit seiner ganz eigenen Philosophie eliminierte schließlich in der vergangenen Runde schon Manchester United und überzeugte mit Leidenschaft, hohem Einsatz bis zur letzten Minute. Besonders die Mentalität, nie ein Spiel verloren zu geben, hilft ihnen neben ihrer zweifellos vorhandenen individuellen Klasse weiter. Davon mussten sich die Schalker überzeugen lassen, als Bilbao nach 20 Minuten durch Llorente in Führung ging. Doch noch stützten sich die Königsblauen auf ihre immer wieder bewiesene Fähigkeit, erst nach einem Rückstand richtig in Schwung zu kommen, was zuletzt Twente Enschede im Achtelfinale (4:1-Sieg nach 0:1-Rückstand) erfahren musste. So wunderte es wohl kaum jemanden, dass keine zwei Minuten nach Bilbaos Führung durch Raul der schnelle Ausgleich kam. Ab diesem Moment kontrollierte das Team von Huub Stevens das Geschehen, und als wiederum Raul mit einem sehenswerten Tor nach einer Stunde zum 2:1 traf, schienen die Dinge ihren Lauf zu nehmen. Kurz darauf gab es weitere hochkarätige Chancen. Aber wie bereits erwähnt: Gegen Athletic Bilbao darf man sich nie auf der sicheren Seite wähnen, doch Schalke machte genau diesen Fehler: Plötzlich nahmen sie Tempo aus der Partie, wollten das Spiel über die Runden bringen, evtl. noch ein drittes Tor erzielen. Solche Nachlässigkeiten bestraft Athletic sofort, erzielte seine Treffer Zwei, Drei und Vier. Zumindest bei einem Treffer sah auch der zur Halbzeit eingewechselte Ersatz-Ersatz-Ersatz-Torwart Matthias Schober mit einer verunglückten Abwehraktion nicht gut aus. Schalkes Hintermannschaft zeigte danach weiter Auflösungserscheinungen und schien auch tatsächlich nicht aus den kurz zuvor begangenen Fehlern gelernt zu haben: Bilbao gibt nie auf! Während den Schalker Spielern im Kopf schon förmlich das “2:0-Sieg in Bilbao ist möglich” durch die Gehirnzellen ratterte, machten die Basken das vierte Tor. Nun braucht es ein 3:0 im Athletic-Hexenkessel. Stevens knapp dazu: “Daran glaube ich nicht.” Horst Heldt meinte sogar, man müsse sich nun auf die Liga konzentrieren. Mit dieser Einstellung haben sie das Halbfinale wohl tatsächlich schon abgeschrieben. Versuchen wäre wenigstens eine Variante, 90 Minuten konzentriert durchspielen. Das man Bilbao kontrollieren kann, hat Schalke selbst für einige Zeit bewiesen.

Anders stellte sich das Geschehen in Madrid dar. Nach der Auswärtsreise in die spanische Hauptstadt muss man die 1:2-Niederlage als großen Erfolg werten. Schließlich haben die Niedersachsen so nun wegen des Auswärtstreffers noch eine realistische Chance auf das Weiterkommen. Dazu muss es allerdings nächste Woche zu einer deutlichen Leistungssteigerung kommen, denn das Endergebnis spiegelt nicht einmal ansatzweise die Überlegenheit des Titelfavoriten Atletico dar. Von der ersten Minute an dominierten die Spanier das Geschehen, nach neun Minuten erzielte Falcao unter freundlicher Mithilfe von 96-Goalie Ron-Robert Zieler und seiner Vordermannschaft die Führung. Danach blieb Hannover weiter mächtig unter Beschuss, aber Atletico verwertete die sich bietenden Chancen schlecht. Und da die Gäste zumindest ein einigermaßen unberechenbares Team sind, kam in der 38. Minute der überraschende Ausgleich durch Mame Diouf. Aus dem Nichts – wie man so schön sagt. Mit diesem Erfolgserlebnis im Rücken konnte Slomkas Elf dann nach der Halbzeitpause zumindest streckenweise dagegenhalten, erspielte sich zwei Möglichkeiten. Weiterhin waren aber hauptsächlich die Hausherren dominierend, aber eines konnte man Hannover an diesem Abend nicht vorwerfen: Mangelnder Einsatz. Mit großer Leidenschaft gingen sie in jedes Laufduell, absolvierten jeden Zweikampf, blockten immer wieder im letzten Moment gute Schussmöglichkeiten ab. So dauerte es auch bis zur 89. Minute, als Atletico durch Savio zum für Hannover unglücklichen, letztendlich aber hochverdienten Siegtreffer kam. Atletico war die deutlich bessere Mannschaft und hat seine Klasse – bis auf die Chancenverwertung – untermauert. Für die 96er ist trotzdem alles möglich, wenn sie Atletico im Rückspiel besser unter Kontrolle bekommen.

Mit dem gleichen 2:1-Heimsieg absolvierten auch Sporting Lissabon gegen Metalist Kharkov und AZ Alkmaar gegen den FC Valencia ihre Hinspiele. Wie bei Hannover gilt hier: Eine gute Ausgangsposition für das siegreiche Team, aber noch nichts entschieden. Es scheint fast so, als sei Bilbao vs. Schalke die einzige Paarung, in der es bereits zu einer Vorentscheidung gekommen ist. Für attraktive Rückspiele ist in jedem Fall gesorgt!

Ausgeglichene Europa League 16. März 2012

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Neben der Königsklasse geht auch ihr kleiner Bruder Europa League langsam auf die Zielgerade. Heute wurden in der UEFA-Zentrale in Nyon die Spiele für das Viertelfinale ausgelost, mit dabei sind weiterhin zwei deutsche Vertreter: Hannover 96 und Schalke 04. Doch während man in der Champions League einen Kreis von zwei, drei Favoriten ausmachen kann, fällt dies eine Klasse tiefer schwer. Man kann das als fehlende Spitzenklasse auslegen, ich sehe es aber eher als abwechslungsreiche Ausgeglichenheit. Die acht Teams, die gestern die nächste Runde erreicht haben, können an guten Tagen ihren Gegner jeweils schlagen und auch den Wettbewerb gewinnen. Von einer Übermacht wie den FC Barcelona kann man nicht sprechen. Blicken wir also auf die vier Begegnungen im Viertelfinale.

FC Schalke 04 – Athletic Bilbao

Die Schalker beschwören schon seit Saisonbeginn im Europapokal mit der legendären Hymne von 1997 den Finaleinzug. Bisher ging es einigermaßen souverän durch den Wettbewerb, sehen wir mal von der Extraschicht in der Verlängerung gegen Viktoria Pilsen ab. Beeindruckend hingegen war die gestrige Partie gegen Twente Enschede, als Schalke nach frühem Rückstand aus fast schon aussichtsloser Lage doch noch die Qualifikation für das Viertelfinale schaffte. Der Schlüssel für Schalke liegt besonders in den Heimspielen, hier konnten die Königsblauen bisher überzeugen und in den letzten beiden Runden jeweils das Weiterkommen sichern. Gleiches gilt nicht unbedingt für Athletic Bilbao. Der charismatische Klub aus dem Baskenland hat schließlich zuletzt absolut überzeugend den großen Favoriten Manchester United bezwungen – sowohl in England, als auch im eigenen Stadion. Auf das Erfolgsrezept rund um Trainer Marco Bielsa hatte ich bereits in unseren letzten Querpässen hingewiesen. In den Duellen mit United hat sich Athletic insbesondere als offensivstarke Elf erwiesen, die auch vor großen Namen keinen Halt macht. Mit Blick auf den Schalker Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar (mit neun Toren bester Schütze der Europa League) könnte das eine sehr ansprechende Paarung werden, in der Schalke diesmal bereits im Heimspiel-Hinspiel vorlegen muss.

Atletico Madrid – Hannover 96

Kaum einer hätte vor dieser Saison auch nur einen Pfifferling darauf verwettet, dass Hannover 96 in das Viertelfinale einziehen würde, dass ihnen tatsächlich noch einmal so eine stabile, gute Saison gelingt. Nach dem Quali-Ausscheiden von Mainz 05 gab es bereits die ersten Unkenrufe, Hannover würde bald nachfolgen. Sie bezwangen den FC Sevilla, setzten sich in der Gruppenphase gegen Kopenhagen, Lüttich und Poltawa durch, eliminierten das Belgien-Doppel Brügge und nochmal Lüttich. Gerade in der Endphase der Saison scheinen die Niedersachsen noch einmal richtig in Schwung zu kommen – nimmt man das gestrige 4:0 gegen Standard als Maßstab. Zweifellos, das Viertelfinale ist ein riesiger Erfolg und Ausdruck der Stabilität, die mit Mirko Slomka an der Leine eingekehrt ist. Gegner von ganz anderem Kaliber hatte jedoch bisher Atletico Madrid vor der Brust: Eine schwere Gruppe mit Udinese Calcio, Celtic sowie Stade Rennes. Lazio Rom in der Zwischenrunde und zuletzt Besiktas Istanbul im Achtelfinale. Ihre Aufgaben haben die Spanier mit einer großen Souveränität erledigt, kaum einmal gerieten sie wirklich in Bedrängnis. Ob Hannover beim Sieger von 2005 Schwächen findet? Es war wohl das schwerste Los im Topf, es wird ein schweres Stück Arbeit. Am Ende dürfte sich aber Atletico durchsetzen, auch weil sie für mich mit den bisherigen Leistungen aus der Reihe ausgeglichener Teams der größte Titelkandidat sind.

AZ Alkmaar – FC Valencia

In den letzten Jahren haben sich die Niederländer step-by-step im erweiterten europäischen Spitzenfeld etabliert. Von der guten Arbeit des Louis van Gaal (2005-2009), der AZ in seinem Abschiedsjahr auch zum zweiten Meistertitel nach 1981 führte, profitiert der Klub auch heute unter Gertjan Verbeek noch. Dabei sind sie für mich etwas schwer einzuschätzen, da sie in der Gruppenphase mit Kharkov, Malmö und Austria Wien lösbare Aufgaben hatten. Danach ging es über RSC Anderlecht und Udinese Calcio in das Viertelfinale. Für die Moral der Mannschaft spricht der spektakuläre Spielverlauf gestern beim Rückspiel in Udine: Bereits nach zwei Minuten flog Verteidiger Vierger nach einer Notbremse vom Platz, nach einer Viertelstunde war der 2:0-Hinspielvorsprung von Alkmaar aufgebraucht. Aber es folgte ein großer Kampf zu Zehnt, es kam zum Anschlusstor und sogar ein verschossener Strafstoß konnte dem Tabellenführer der niederländischen Eredivise nichts mehr anhaben. Für Gegner FC Valencia ist es bereits das zweite Aufeinandertreffen mit einem niederländischen Klub in Folge: Gegen PSV Eindhoven (1:1/4:2) ließ man ergebnismäßig wenig anbrennen, im Hinspiel zeigte sich jedoch, dass die Spanier mitunter zur Überheblichkeit und Nachlässigkeit neigen. Ebenso in der Gruppenphase der Champions League, wo Valencia mit etwas mehr Konsequenz in der Staffel mit Chelsea, Leverkusen und Genk relativ einfach die lukrative nächste Runde hätte erreichen können. Hier liegt die Chance für Alkmaar, unter normalen Umständen geht aber der FC Valencia durch ins Halbfinale.

Sporting Lissabon – Metalist Kharkov

Eine völlig offene Begegnung. Das liegt vor allem an den Ukrainern aus Kharkov, die zwar immer noch einen Underdog-Status haben, in den letzten Jahren aber mit schöner Regelmäßigkeit im Europapokal zu Gast waren. Größter Erfolg war dabei bisher das Achtelfinale 2009, als sie ausgerechnet an Dynamo Kiew scheiterten. Letzte Saison überzeugten sie in zwei Spielen der Zwischenrunde gegen Leverkusen nicht. Ganz anders in dieser Spielzeit, wo man mit viel Offensivpower bereits viele hohe Siege einfahren konnte. Garant dafür ist eine mit zahlreichen Brasilianern und Argentiniern bestückte Mannschaft, die aber durchaus Moral hat, wie die späte Aufholjagd im Achtelfinale gegen Piräus beweist – hier wurden die entscheidenden Treffer, um die 0:1-Heimspielniederlage zu egalisieren, erst in den letzten zehn Minuten erzielt. Ich traue den Ukrainern durchaus den nächsten Sprung zu, auch weil Sporting Lissabon eine weitere unberechenbare Größe im Viertelfinalgeschäft ist. Einerseits eine Mannschaft, die in den vergangenen Jahren oft Champions League spielte. Andererseits international nur selten überzeugend, und in bleibender Erinnerung sind natürlich noch die bösen Pleiten im CL-Achtelfinale 2009 (0:5 und 1:7 gegen den FC Bayern). Und nochmal im Gegensatz dazu hat man im Achtelfinale brav seine Chance gegen ein nachlässiges Manchester City genutzt. Zusammengefasst dürfte Sporting dann eine Chance haben, wenn sie Kharkovs Offensivstärke in den Griff bekommen oder ihnen die Ukrainer – allerdings nicht zu erwarten bei den größten Spielen ihrer Vereinsgeschichte – durch fehlenden Einsatz Möglichkeiten bieten.

Fünfmal Spanien, zweimal Deutschland, dazu je ein Vertreter aus Portugal, Niederlande und Ukraine. Als leichte Favoriten sehe ich Atletico Madrid und den FC Valencia. Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt: In diesem Wettbewerb ist alles möglich. Und große Namen werden in der Europa League ganz klein – fragen sie mal in Manchester nach! Europa League ist Einstellungssache – nicht umsonst sind sieben der acht “Absteiger” aus der Gruppenphase der Champions League bereits wieder ausgeschieden.

Die Hochburg fällt 18. März 2011

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Es war keine gute Woche für die deutschen Vereine im Europapokal. Der FC Bayern verdaddelte am Dienstag völlig unnötig das Viertelfinale in der Champions League, wo die Hoffnungen nun auf Schalke ruhen. Gestern in der Europa League verabschiedete sich mit Bayer Leverkusen. Damit finden dort nun die letzten drei Spielrunden ohne Bundesliga-Vertreter statt. Ein ungewohntes Bild, weil in den letzten Jahren deutsche Mannschaften regelmäßig das Halbfinale erreichten, teilweise in doppelter Formation und Werder erst im Finale 2009 Schachtjor Donezk unterlag. Diese Hochburg ist nun also gefallen, weil Dortmund in der Vorrunde die Erfahrung fehlte, Werder und Stuttgart ihre schwache Saison auch auf internationaler Ebene fortführten, Leverkusen nicht clever genug agierte.

Doch damit steht die Bundesliga nicht alleine da: Unter den letzten achten Mannschaften gehört mit Bayer-Bezwinger FC Villarreal lediglich ein Klub aus den Top5-Ligen der UEFA-Fünfjahreswertung (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) zum verbliebenen Kreis der Titelkandidaten in der Europa League. Stattdessen dreimal Portugal, zweimal Niederlande, das aufstrebende Osteuropa mit zwei Teilnehmern in der Runde der letzten Acht.

Und eben der FC Villarreal. Das Rückspiel im Stadion El Madrigal erinnerte in einigen Punkten an das Hinspiel: Wieder war Bayer Leverkusen das Team mit den höheren Spielanteilen, die Werkself hatte mehr Torschüsse, mehr Eckbälle. Wieder triumphierte am Ende das gelbe U-Boot. Doch diesmal hatte Bayer nicht wirklich eine Chance. Vor einer Woche noch konnte man den Sieg von Villarreal als unverdient bezeichnen, weil Bayer es einfach verpasste seine zahlreichen Chancen auszunutzen und in der Nachspielzeit durch Nilmar den entscheidenden Nackenschlag bekam. So hatte man im Bayer-Lager doch noch Hoffnung, mit einer ähnlich ansprechenden Offensivleistung und einer stabileren Defensive die nächste Runde zu erreichen. Es sollte anders kommen, weil Villarreal einmal mehr seine Heimstärke unter Beweis stellen konnte, Bayer hingegen nur schwer in die Partie kam. Besonders die Innenverteidigung mit Sami Hyypiä und Stefan Reinartz erwischte keinen guten Abend, ebnete so auch bereits in der ersten Halbzeit den Weg zum Führungstor. Das Bemühen war der Werkself zwar danach nicht abzusprechen, jedoch fehlte die entscheidende Durchschlagskraft. Die Tormöglichkeiten hatten auch lange nicht die Qualität aus dem Hinspiel. Erst beim Stand von 2:0 für die Gastgeber, wurde es etwas konkreter, zu mehr als dem Anschlusstreffer, auch noch ein Eigentor, reichte es aber nicht mehr. In der Summe gehen die Spanier verdient durch in die nächste Runde, sind mit solchen Vorstellungen sicher ein heißer Titelfavorit.

Auch die Premier League hadert mit dem Abschneiden seiner Klubs. Der FC Liverpool verabschiedete sich einigermaßen peinlich – bei allem Respekt – gegen die portugiesische Felsmannschaft Sporting Braga. Für Manchester City hingegen reichte es nicht zum Weiterkommen im Duell mit Dynamo Kiew. Das Hinspiel konnten die Ukrainer mit 2:0 für sich entscheiden, gestern retteten sie sich mit einer 0:1-Niederlage knapp über die Runden. Dabei ist bei ManCity nun mal wieder ein Spieler in der Diskussion, um den es wohl Zeit seiner Karriere nie ruhig werden wird: Mario Balotelli. Der Italiener gilt als hochtalentiert, aber immer wenn er bisher auf meinem Schirm auftauchte, ging es um sportliche Krisen, Querelen neben dem Platz und Undiszipliniertheiten. Mit einer brutalen Attacke in der 36. Minute brachte er gestern sein Team schon im ersten Durchgang in Unterzahl, eine Aktion, die City zwar zunächst gut kompensierte, in der Endphase aber fehlte die Kraft. In nun 19 Pflichtspieleinsätzen für Manchester City hat es Balotelli in drei Wettbewerben auf sieben Verwarnungen und zwei Platzverweise geschafft – dem stehen allerdings auch schon neun Treffer gegenüber. Direkt nach dem Platzverweis gab es auch das Führungstor für die Gastgeber, sie erspielten sich weitere Chancen und hätten zumindest die Verlängerung durchaus verdient gehabt. Aber im Endeffekt fehlte in einigen Situationen der zusätzliche Stürmer, der elfte Mann auf dem Feld. Später sorgte Dynamo mehrfach für Entlastung und ließ nicht mehr viel anbrennen. Auch die Einwechslung von Edin Dzeko brachte keine Besserung mehr.

Der Wettbewerb in der Europa League ist nun völlig offen. Liverpool und ManCity sind nur zwei weitere Beispiele dafür, wie schnell die Qualität im kleinen Bruder der Königsklasse unterschätzt wird. Gerade die Teams aus den Ligen auf den Plätzen 6 bis 10 der Fünfjahreswertung haben hier eine ideale Spielwiese gefunden, um zu internationalen Topmannschaften zu reifen, während Teams aus der Premier League, der Serie A und Primera Division nur die Champions League als Ziel kennen. Ich sehe den FC Villarreal als leichen Favorit, grundsätzlich dürfte aber jedem der acht ausgeglichenen Teams der Titel zuzutrauen sein.