EM 2008

Die EURO-Analyse

Posted by Max on Juli 04, 2008
EM 2008 / No Comments

Andreas Renner hat es schon getan, ebenso Felix von Medien-Sport-Politik. Zum Ausklang einer Europameisterschaft gehört aus Sicht eines Bloggers natürlich auch eine zünftige Analyse. Jetzt, fünf Tage nach der Finalniederlage der deutschen Mannschaft in Wien, ist auch hier der Zeitpunkt dafür gekommen. Gleich vorweg: Anders als bei der WM 2006 bin ich diesmal nach dem Ende der Titel-Hoffnungen nicht sehr enttäuscht. Gemessen an der Spielweise und dem relativ dünn besetzten Kader hat unsere Elf das Optimale herausgeholt, und gescheitert ist man am Ende nur am mit Abstand besten Team des Wettbewerbes.

Damit möchte ich auch gleich zu denen kommen, die dieser Europameisterschaft ihren Stempel aufgedrückt haben, Spieler und Mannschaften. Mit den Spaniern hatte ich kein so schlechtes Gefühl, als ich bereits vor dem Turnier in meinem Umfeld selbstbewusst verkündet hatte, dass ich mit den Iberern heuer besonders stark rechne. Größtes Plus war die Spielstärke, die aus einem auch in der Breite qualitativ hochwertigen Kader resultiert. Zudem blieben Streitigkeiten innerhalb der einzelnen Fraktionen und Blöcke in der Mannschaft aus, als Resultat bleibt der erste große Titel seit 44 Jahren. Besonders Fernando Torres drückte dem Turnier seinen Stempel auf. Zuvor noch von Sturmkollegen David Villa in den Schatten gestellt, bereitete er den DFB-Verteidigern im Endspiel große Probleme und erzielte zudem den entscheidenden Treffer. Auf dem Weg zum Titel besiegten die Spanier auch zweimal Russland – was sonst keinem Team gelungen ist. So setzt sich jetzt auch mit der Nationalmannschaft ein Trend fort, der im Europapokal mit zwei Titelgewinnen in drei Jahren bereits deutlich wurde – mit Hilfe von finanzstarken Investoren befindet sich der Fussball im ehemaligen Ostblock stark im Aufwind. Bei der EM wurden einige interessante Spieler bekannt: Arshavin, Pogrebnyak oder auch Bilyaletdinov. Über kurz oder lang wird deren Weg wohl in die europäische Spitze führen, auch wenn die heimischen Millionen vermehrt die Talente von einem Abgang nach Mittel- und Westeuropa fernhalten. Als dritte Mannschaft unter den Überraschungen steht für mich die Türkei auf dem Zettel: Die Bosporus-Kicker überzeugten wahrlich nicht mit großer Fussballkunst, aber ihr dreimaliges Comeback in letzter Minute machte ihre Spiele zu besonderen Highlights. Klar, dass sie auch beim kuriosesten Spiel des Turnieres dabei waren, bei der Wasserschlacht von Basel. Defensive Schwächen und das Handicap der Rotsperre von Torwart Volkan konnten dann aber gegen Deutschland nicht kaschiert werden. Doch nach der WM 2002 war es bereits der zweite Achtungserfolg der Türken, die alleine durch ihre Kampfkraft immer wieder unerwartete Dinge erreichen können.

Positiv anmerken möchte ich auch, dass ich den kontinuierlichen Trend zum offensiven Fussball mit großer Zufriedenheit erkannt habe. In der Vorrunde brauchte es nicht einmal eine Hand, um die schwachen Spiele abzuzählen. Ab dem Viertelfinale waren die Matches weitestgehend von Taktik geprägt, aber immer spannend und die Begegnungen Niederlande-Russland und Russland-Spanien haben dann auch wieder voll überzeugt. Nach dem griechischen Titel 2004, Italiens Weltmeisterschaft 2006 und Milans Titel-Gewürge 2007 ließ mich langsam verzweifeln, die Suche nach dem Guten im Fussball zu bewältigen. Schon die vergangene CL-Saison, nun die Europameisterschaft: Der Trend zeigt eindeutig Richtung Offensive. Dabei fällt auf, dass immer mehr Mannschaften die perfekte Mischung zwischen attraktivem Spiel und kontrollierter Defensive finden, ohne dass dies gleich italienische Züge annimmt.

Apropos Italien – die gehörten natürlich zu den Enttäuschungen. Als amtierender Weltmeister fast das Ausscheiden in der Vorrunde, dann die nicht minder peinliche Vorstellung mit dem abrupten Ende im Viertelfinale. Doch dieses Abschneiden wundert mich nicht so sehr, die Entwicklung im italienischen Fussball ist seit der WM vor zwei Jahren stehen geblieben. Zu alt, zu wenig Ideen – einfach langweilig. Größte Enttäuschung für mich aber war Tschechien, die in einer eigentlich lösbaren Gruppe schon früh die Segel streichen mussten. Der Ausfall von Rosicky konnte nicht adäquat abgefangen werden, die Nürnberger Leistungsträger Koller und Galasek schleppten ihren Abstiegskrampf mit auf den Platz. Desweiteren konnte auch Frankreich nicht an die hohen Erwartungen anknüpfen, doch auch hier gilt: Kaum neue Akzente seit dem Finale von Berlin. Stillstand allenthalben. Beliebig erweitern möchte ich diese Liste nicht, denn im Grunde ist klar: Drei Gruppensieger haben sich zuvor souverän durchgesetzt, und kapitulierten schon im Viertelfinale – Portugal, Kroatien und die Niederlande.

Negativ erwähnen möchte ich auch die Schiedsrichterleistungen bei diesem Turnier. So schwer das Pfeifen in der heutigen Zeit sein mag, es waren teilweise sehr krasse Fehlentscheidungen dabei, die auf diesem Niveau nicht passieren sollten. Quasi jeder Schiedsrichter leistete sich einen Leistungsausreißer nach unten, das ganze gipfelte in der Willkür des spanischen Selbstdarstellers Manuel Mejuto Gonzalez. Und warum die UEFA als vierte Offizielle zunächst unerfahrene Leute einsetzt, bleibt auch ein Rätsel. Als ab dem Viertelfinale auch nominelle Hauptschiedsrichter den vierten Mann mimten, lief die Sache einfach wesentlich kontrollierter und besser.

Zum Abschluss nun die kurze Auswertung dessen, was Moritz und ich vor dem Turnier erwartet hatten. Am Abend vor dem Start der Europameisterschaft legten wir uns auf Favoriten und Topstars fest (Link). Mit dem EM-Favoriten Deutschland lagen wir beide nicht ganz falsch, auch wenn es ja bekanntlich dann nicht ganz reichte. Völlig daneben ging auch die Prognose für Frankreich als zweiten Namen auf der Favoritenliste. Immerhin landete ich mit dem dritten Schuss Spanien einen Volltreffer, während die Schweiz, getippt von Moritz, eher ein Griff in das Klo war. Die Frage nach der Richtung Einschätzung zwecks EM-Topstar lässt sich schnell beantworten: “Mein” Fernando Torres gehört sicher eher dazu als Karim Benzema. Wenngleich ich resümieren muss, dass kein Spieler durchgängig voll überzeugen konnte. Spanien war mannschaftlich geschlossen, kaum jemand hatte einen schlechten Tag, es hat einfach gepasst.

Meine Meinung zum besten EM-Spiel aller Zeiten (Portugal-England 2004) möchte ich nicht revidieren. Es waren heuer viele großartige Spiele dabei, auch spannende, dramatische, jedoch reicht aus meiner Sicht nichts an jenes Spiel von 2004 heran. Als besonders einprägender Moment wird von diesem Turnier die Wasserschlacht zwischen der Türkei und der Schweiz haften bleiben, ebenso die Abende, als die Niederländer in beeindruckender Manier Italien und Frankreich zerlegten.

Damit möchte ich nun die Kategorie “EM 2008″ beschließen. Hier wird es nur noch dann etwas geben, wenn es überraschende Nachwehen geben sollte. Ich freue mich schon jetzt auf die Europameisterschaft 2012 in Polen, Ukraine, Italien, Spanien – oder wo auch immer. Ab dem ersten Länderspiel der Deutschen der neuen Saison im August gegen Belgien wird alles turnierrelevante unter “WM 2010″ abgelegt. Ich wünsche ein angenehmes Wochenende!

Deutschland klar unterlegen

Posted by Max on Juni 30, 2008
EM 2008 / 1 Comment

Bevor ich mit der Aufarbeitung des EM-Finales aus deutscher Sicht beginne, möchte ich zunächst etwas anderes loswerden: Glückwunsch an Spanien, die ein großartiges Turnier gekrönt haben als mit Abstand stärkste Mannschaft dieses Turnieres. So schmerzhaft die erneute Niederlage in einem Endspiel nach 2002 ist, muss man auch anerkennen, dass es nach den letzten drei Wochen nur diese eine Mannschaft verdient hatte, mit dem Pokal nach Hause zu reisen. Durchgesetzt hat sich das Team mit der besten Offensiv-Leistung. Nach dem defensiven Trend der letzten beiden Turniere haben die Spanier genau die richtige Mischung gefunden, aus kontrollierter Spielweise und Durchschlagskraft. Es wird wohl definitiv auch nicht die letzte Glanzleistung dieser noch jungen Mannschaft mit jeder Menge Perspektive gewesen sein.

Damit nähern wir uns der Analyse der deutschen Mannschaft. Es war eine tolle Leistung, dass man es bis in das Finale geschafft hat, aber es gilt nun einfach anzuerkennen, dass Spanien deutlich besser war und speziell in der zweiten Halbzeit auch den Klassenunterschied spielerisch sichtbar gemacht hat. Es reichen eben nicht nur gute zehn Minuten zu Beginn des Spieles und drei brauchbare Torchancen im Bereich um die 60. Minute herum. Je länger das Spiel dauerte, umso klarer wurde jedem Beobachter, wo die Defizite des DFB-Teams lagen. Keine Akzente im Angriffsspiel, fehlende Passpräzision. Zudem wurde ich wiederum den Eindruck nicht los, dass einige Spieler nicht die nötige Konzentration aufgebracht haben oder aufbringen konnten. Es fehlte einfach der letzte Tick, um in solchen Spielen mehr als die Auszeichnung als zweiter Sieger entgegenzunehmen. Speziell Kapitän Michael Ballack war Sinnbild für den Untergang der deutschen Titelträume, er leistete sich bereits seine dritte schwache Leistung in diesem Turnier, was letztendlich mindestens einmal zuviel des Schlechten war. Nichtsdestotrotz bin ich stolz auf diese Mannschaft, sie hat Deutschland trotz einiger spielerischer Defizite würdig vertreten und stand auch berechtigt im Finale. Der Kader hatte aber einfach nicht jene Qualität und Breite, wie noch vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft. Es folgt die Einzelanalyse:

Jens Lehmann: Verhinderte in seinem wohl letzten Länderspiel eine deutlich höhere Niederlage. Der einzige deutsche Spieler, der eine meisterhafte Leistung zeigen konnte, rettete mehrmals in letzter Not, spielte großartig mit. Leider reichte seine beste Vorstellung in diesem Jahr nicht für den Gewinn des Titels. Jetzt wird es trotz nach wie vor vorhandener Klasse aber Zeit für den Rücktritt. Note: 1

Arne Friedrich: Der Kapitän der Berliner Hertha war über die gesamte Spielzeit nur mit defensiven Aufgaben gebunden. Hatte über seine Seite mit Capdevila und Iniesta zu tun, wobei Letzterer auch immer wieder in das Zentrum eingerückt ist. Erledigte seine Aufgaben recht zuverlässig, gewann einige wichtige Laufduelle, leistete sich aber auch teils katastrophale Fehlpässe. Note: 4

Per Mertesacker: Das Finale bildete leider den negativen Höhepunkt eines kontinuierlichen Leistungsabfall mit Beginn der KO-Spiele. Der lange Bremer konnte all seine Stärken nicht einbringen, war zu spät in den Zweikämpfen, schwaches Timing beim Stellungsspiel. Völlig überfordert mit Iniesta, der ihm immer wieder Knoten in die Beine gespielt hat. Viel zu zögerlich auch beim entscheidenden Gegentor. Note: 5

Christoph Metzelder: Müßig zu erwähnen, dass auch Metzelder große Probleme mit Torres, Xavi und Iniesta hatte. Wieder mit einem gefährlichen Querschläger in der Anfangsphase, danach schreckhaft und nervös. Strahlte keine Sicherheit aus. Ich hoffe, dass er bald auch im Verein mehr Spielpraxis erhält, denn die braucht der Innenverteidiger dringend. Trotz verbesserter Spiele im Verlauf des Turnieres weit entfernt von der WM-Form. Note: 5

Philipp Lahm: Wohl die größte Enttäuschung im deutschen Team. Bis auf eine schöne Aktion im Zusammenspiel mit Lukas Podolski offensiv ohne Wirkung, hinten fahrig. Ganz schwach sein Verhalten im Laufduell gegen Torres, dass anschließend zum 1:0 führte und damit das Endspiel entschied. Wäre er konsequenter hingegangen, hätte er Torres stören können. Aber Fussball ist kein Spiel der Konjunktive. Ausgewechselt zur Halbzeitpause. Note: 5

Bastian Schweinsteiger: Hatte einen schweren Stand gegen Capdevila, schaffte es aber immerhin, den spanischen Außenverteidiger ab und zu ernsthaft zu beschäftigen. Im Vergleich zu früheren Jahren jedoch ein Vorbild in Sachen Kampfgeist und Spielfreude, versuchte nach dem Seitenwechsel mit guten Szenen das Ruder herumzureißen, leider vergeblich. Die Standardsituationen von ihm bleiben ein schlimmes Desaster. Note: 4

Torsten Frings: Bester deutscher Feldspieler aus meiner Sicht. Hatte alle Hände damit zu tun, die Arbeit für den angeschlagenen Michael Ballack und den ebenso indisponierten Hitzlsperger ebenfalls zu erledigen. Somit ohne Akzente im vertikalen Spiel, aber mit einigen wichtigen Zweikämpfen im Mittelfeld. Erledigte nach der Auswechslung von Hitzlsperger die “Sauger-Rolle” alleine recht solide. Note: 3

Thomas Hitzlsperger: Extremer Leistungsabfall des besten deutschen Akteurs im Halbfinale. Überfordert in den Zweikämpfen gegen Fabregas und Xavi, was immer wieder zu gefährlichen Angriffen des Gegners führte. Zudem Ballverluste zum Haareraufen. Nach einer Stunde ausgewechselt für Kuranyi. Note: 5

Michael Ballack: Im Nachhinein muss man sich die Frage stellen, ob es richtig war, den angeschlagenen Kapitän im Finale einzusetzen. Aber die Autorität eines Ballacks greift man eben nicht an, auch weil er immer wieder für entscheidende Tore gut war. Das Spiel mit sehr vielen schwachen Momenten, zwar sehr aggressiv aber ohne die echte Durchschlagskraft. Ging mit dem schwachen Rest unter und wurde immer wieder behandelt. Note: 5

Lukas Podolski: Einer der ganz wenigen, die Torgefahr erzeugten. Harmonierte zu Beginn ordentlich mit Lahm, fast hätte es die dritte Auflage der gefährlichen Spielzüge mit Kumpel Schweini gegeben. Nach dem Seitenwechsel ideenlos, ausgepumpt und nicht spritzig genug. Leistete sich aber immerhin keine fatalen Fehler wie einige seiner Mitspieler. Note: 4

Miroslav Klose: Hatte bereits nach wenigen Augenblicken die Führung auf dem Fuß. Mit viel Laufarbeit, aber zu selten eingesetzt von seinen Mitspielern. Hatte einen ganz schweren Stand alleine gegen Puyol und Marchena. Das System mit ihm als alleine Spitze war der fehlenden Form der Alternativen geschuldet, ist für mich aber kein Zukunftsmodell. Dafür ist Klose zu sehr Teamspieler und zu wenig eiskalter Vollstrecker. Note: 4

Marcell Jansen: Brachte etwas mehr Sicherheit auf die linke Abwehrseite nach seiner Einwechslung in der Halbzeitpause. Jedoch viel zu seltene Vorstöße, die hätten das Spiel drehen können. Die Zusammenarbeit mit Podolski führte wenigstens nicht mehr zu gefährlichen Situationen. Note: 3

Kevin Kuranyi: Seine Auswechslung war die Offenbarung des Bundestrainers, angesichts einer völlig außer Form befindlichen Ersatzbank ein verzweifeltes offensives Zeichen zu setzen. Hatte nur eine nennenswerte Kopfballszene, kam gegen Casillas aber zu spät. Ansonsten konnte der Schalker nur beweisen, weshalb er zuvor keine Einsatzzeiten hatte. Note: 5

FAZIT: Das Turnier endet mit einer schwachen Leistung. Es wird Zeit für die Sommerpause!

Soweit zum letzten Spiel dieser Europameisterschaft. Das soll es aber noch nicht ganz gewesen sein vom Kontinentalturnier, in einem abschließenden Artikel möchte ich noch auf die positiven und negativen Erkenntnisse, Überraschungen und Enttäuschungen sowie einige Trends eingehen. Dies dann zu gegebener Zeit.

Die Party kann beginnen!

Posted by Max on Juni 29, 2008
EM 2008 / No Comments

Es ist soweit, der große Tag steht kurz bevor. Deshalb kurz und schmerzlos der Klassiker der Stadion-Songs der deutschen Nationalmannschaft:

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!

Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!

Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand.

Blüh’ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland!

Einig wird Deutschland heute hinter seiner Mannschaft stehen, und mir wird jegliche Objektivität abhanden kommen. Spielt’s auf!

Die tägliche Dosis Fakten

Posted by Moritz on Juni 28, 2008
EM 2008 / No Comments

Mit dem ZDF hat bereits das kompetenteste Experten-Duo der aktuellen Europameisterschaft die Bildschirme verlassen. Und auch die ZDF-Faktenmaschine muss nun wieder ihr einsames Dasein im Mainzer Keller fristen nachdem sie in den letzten Wochen wohl der heimliche Star der Fernsehanstalt gewesen war.

Damit der aufmerksame Leser und Finalschauer hier aber nicht auf seine tägliche Ration an lebensnotwendigen Tatsachen verzichten muss, haben wir ihr noch einmal ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt und noch einmal angeworfen. Dabei sind interessante und wissenswerte Informationen zum Finale und den beiden morgigen Kontrahenten im Ernst-Happel-Stadion ans Licht getreten, die wohl falls das Spiel so spannend werden sollte wie es erhofft wird, wohl nicht richtig zur Geltung kommen werden.

Die deutsche Mannschaft ist jedenfalls diejenige, die nicht nur Rekordtitelträger sondern mit dem nun schon sechsten Auftreten in einem Endspiel auch Rekordfinalteilnehmer ist. Spanien wird nun erst in den Genuss des dritten Spiels um den Pokal kommen. Es hätten derer allerdings auch schon eins mehr sein können, hätte der spanische Diktator Franco seinen Spielern im ersten Wettbewerb 1960 nicht aus ideologischen Gründen verboten in der UdSSR anzutreten, die darauf kampflos ins Finale einzog und gewann.

So waren sie vier Jahre später nur noch die zweiten, die die Coupe Henri Delaunay in die Höhe recken konnten. Nach dem bisher einzigen Turniersieg einer spanischen Mannschaft überhaupt könnten sie nun die erste sein, die den neu kreierten und verschlankten Nachfolger gleichen Namens für vier Jahre ihr Eigentum nennen könnten. Ein Triumph, der auch zum Testkaninchen qualifiziert, denn der neue Europameister, darf am Probelauf für die WM in Südafrika Europa beim Konföderationen-Pokal vertreten.

 Beide Mannschaften haben übrigens nur die gleiche geringen Anzahl an Legionären in ihren Reihen. Jeweils nur vier Spieler beider Teams verdienen ihr Geld nicht in der heimischen Liga. Während die zweite Wahlheimat der Iberer für alle die englische Premier League ist, wie auch für zwei ihrer deutschen Kollegen, sind die beiden anderen Legionäre im deutschen Kader unbewusst im letzten Jahr mit Informationsbeschaffung im „Feindland“ für Urs Siegenthaler beauftragt. Während Deutsche fußballerisch auf der südwestlichen Halbinsel also durchaus keine Unbekannten sind und auch als Trainer gerne gesehen werden, nützte es in der abgelaufenen Saison auch eine ausdauernde Suche nach dem Spanier in den Bundesligakadern nichts. Es gab einfach keinen.

Nach dem ungemein nervenzerrüttendem Halbfinale gegen die Türkei, kann die Mannschaft von Jogi Löw eigentlich auf späte Gegentreffer verzichten, doch auch die Spanier zeigten schon wie gegen Schweden, dass in ihnen auch ein wenig türkisches Temperament sitzt. Dass ein Spanier auch nicht unbedingt ein Spanier sein muss erlebte Dänemark in der Qualifikation zur EURO 76 als der Argentinier Roberto Martinez mit falschem Pass antrat und das Siegtor schoss. Geholfen hat es im Endeffekt aber auch nicht viel, denn im darauf folgenden Viertelfinale scheiterten sie am morgigen Finalgegner Deutschland.

Im diesjährigen Viertelfinale fürchtete schon Felipe Scolari vor der Größe der deutschen, die mit durchschnittlich 184,87 cm nur um ganze 0,04 mm zweitgrößtes Team hinter den Kroaten sind. Angesichts dieser körperlichen Größe, dürfte Luis Aragones angst und bange werden, sind seine Mannen doch die kleinsten des Turniers mit doch gar nicht so weit entfernten 179,61 cm. Ein unschätzbarer Vorteil, der bei der Taktikbesprechung in der deutschen Kabine sicher nicht unerwähnt bleiben wird.

Von der Körpergröße nun zu ganz anderen Höhen – die auf Deutschlands größtem Gipfel angekündigte Bergtour wird im Ernst-Happel-Stadion gerade einmal auf Mittelgebirgsniveau ihren Höhepunkt finden. Liegt das Stadion doch nahe der tiefsten Stelle Wiens mit einer Höhe von rund 150 Metern über dem Meeresspiegel. Ein gutes Omen dürfte vielleicht auch sein, dass nach dem letzten Titelgewinn 1996 nun erneut mit Rosetti ein Italiener das Finale leiten wird, was allerdings beim letzten WM-Finale nicht sonderlich viel Glück gebracht hatte.

Offensiv braucht sich das Team um Michael Ballack allerdings nicht vor den Spaniern verstecken, denen im Verlaufe des Turniers gerade mal ein einziges Tor mehr gelungen ist. Dennoch sollte die deutsche Mannschaft aufpassen im Finale, denn immer wenn sie das Endspiel erreichten, wurden die Spanier auch mindestens Zweiter. Eine nicht zu verachtende Leistung. Doch auch unsere Finalgegner müssen sich in Acht nehmen, denn sobald eine deutsche Mannschaft in den letzten 15 Jahren die Vorrunde überstand, wurde sie auch Europameister…

Angesichts dieses ganzen Vorwissens dürfte nun die volle Konzentration auf das Spiel gewährleistet sein, das sicher zu einem Glanzpunkt der jüngeren Nationalmannschaftsgeschichte gehören wird. Nach langer Zeit ist es wieder einmal soweit zu zeigen, warum sich die die Konkurrenten immer vor der Turniermannschaft aus Zentraleuropa gefürchtet haben, die immer auf den Punkt topfit war und mit ihren Tugenden meist zu überzeugen wusste. In diesem Sinn noch das Zitat eines bekannten Engländers, das auch diesen Sommer bereits mehrfach Anwendung fand: Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen immer die Deutschen. In diesem Sinne wünsche ich noch ein schönes Wochenende.

Rote Furien fordern weiße Adler

Posted by Moritz on Juni 27, 2008
EM 2008 / No Comments

Die Spanier erklärten sich also bereit der letzte Prüfstein für die deutsche Equipe auf dem Weg zum Titel zu sein. Für die Russen waren die Spanier somit das A und O des Turniers und konnten nicht bestätigen, was sie zwischen beiden Partien bis ins Halbfinale gebracht hat. So wie sie den Niederländern ihre Grenzen aufzeigten, durften sie am gestrigen Abend die ihrigen erkennen.

Dafür riefen die Iberer eine geschlossene Mannschaftsleistung ab und machten damit den gerne flink und schnell konternden Spielern vom anderen Ende Europas das Leben schwer. In der ersten Halbzeit jedoch spielten beide noch ein wenig abwartend wohl in dem Bewusstsein, dass ein Fehler schnell zu dem Fehler hätte werden können. Dennoch war es gut anzuschauen, ließ aber noch keine Tendenz erkennen. Auch da die Mannen von Aragones im Regen von Wien ihren Torschützen Nummer Eins im Turnier verloren und mit Fabregas nun ihr Spiel umstellen mussten.

Erst nach der Pause tauten die konzentriert agierenden Spanier auf und ließen ihr den Gegner spüren, der darauf keine passende Antwort fand und in Lethargie zu erstarren schien. Mit wunderbaren nach vorne gerichteten Aktionen brachen sie den degressiv fortschreitenden Widerstandswillen ihrer Gegenspieler. Mit geschickten Bällen ließen sie ihre Gegner vor den Toren meist den Ball hinterherlaufen und machten so recht zeitig den Sack zu und stehen somit zu Recht und verdient im Wiener Finale.

Dies ist nun nicht nur durch die Teilnahme Deutschlands ein echtes Topspiel für die Fans sondern auch nominell, kreuzen doch der Vierte und Fünfte der Weltrangliste ihre Klingen, wobei die Spanier, die nach langen 24 Jahren wieder in die EM-Erfolgsspur zurückwechselten, darin leicht ihre Nase vorne haben. Doch auch der Halbfinalauftritt der beiden Auserwählten spricht für sie, konnten die Spanier unter Aufsicht ihres Königs ihr Ziel doch wesentlich eleganter überqueren, als die hart arbeitende alemannische Mannschaft.

Die Bilanz vergangener Begegnungen spricht dennoch für Jogi Löws Schützlinge, die ermunternd positiv ausfällt, wenn auch das letzte Freundschaftsspiel dem Finalkontrahenten zufiel. Doch auch dieser konnte in diesem Turnier nicht immer hundertprozentig überzeugen und strapazierte sein Glück ebenfalls schon im Elfmeterschießen im Viertelfinale, dem ein kaum berauschendes Spiel voraus gegangen war. Gegen solchermaßen defensiv ausgerichtete Mannschaften, fiel auch ihren Kreativposten nicht viel ein, was zum vorzeitigen Erfolg geführt hätte. Mit einer ähnlich bzw. eher engagierteren Defensivleistung wie gegen Portugal könnte dies demnach zu bändigen sein.

Überhaupt war das Spiel gegen die Lusitanier wohl das perfekte „Testspiel“ für dieses Finale, ähnelt deren Spielweise doch stark der kommenden Aufgabe und auf die Idee ihr Spiel dem der kroato-osmanischen Fraktion anzupassen, werden sie wohl nicht zurückgreifen, was sehr ästhetisch entgegenkommend sein dürfte und ein spielerisch ansprechendes Finale erwarten lässt, auch wenn so manche Erwartung an die Spielkultur in Finalspielen überzogen scheint. Dennoch kann nach dem Halbfinale vieles besser werden denn Potential dafür hat die Mannschaft von Jogi Löw allemal. Vielleicht wird er auch angesichts der Aufgabe wieder eines seiner taktischen Kabinettstückchen aus dem Hut zaubern und ein völlig neues Gesicht ins Wasser werfen um somit neue Impulse verbreiten. Zuzutrauen wäre es ihm.

Denn für das erste Aufeinandertreffen seit mehr als fünf Jahren werden die Karten gänzlich neu gemischt, das bisherige nicht mehr viel zählen und ein erstklassiges Finale dürfte fast garantiert sein, wenn Millionen von Anhängern beider Mannschaften dem Anstoß und schließlich dem Abstoß entgegenfiebern. In diesem Sinne wünsche ich den beiden Teams und der deutschen Mannschaft ein wenig mehr Glück im letzten Gefecht des Turniers. Es ist wieder Zeit für einen großen Pokal und beide wollen auf dem Gipfel der Bergtour ergriffen werden.