DFB-Pokal

Die vermaledeite zweite Runde

Posted by Moritz on November 01, 2012
DFB-Pokal, Nordostfussball / No Comments

Für Dynamo ist es wohl ein Deja-vu. Gut gekämpft, doch in der zweiten Runde des DFB-Pokals ist wieder Schluss. In Hannover hatten die Zuschauer angesichts der eher bescheidenen Dresdner Leistungen sicher schon auf eine Heimreise nach 90 Minuten eingestellt.

Dass es anders kommen sollte, lag vor allem auch daran, dass die Dresdner das 96er Angriffswunderwerk geschickt verteidigten. Bis auf den einen obligatorischen Aussetzer nach einer Vierstelstunde, der ihnen auch in der Liga den einen oder anderen Punkt kostete, machten sie die Räume eng genug. Der eine oder andere zukünftige Konkurrent von Hannover wird sich die Zusammenfassung sicher noch zu Gemüte ziehen.

Offensiv hält die von Max zu Beginn der Saison konstatierte Abhängigkeit von Poté bei Dynamo hält weiter an. Das Tor fiel lediglich nach einem Standard durch Abwehrroutinier Bregerie und ansonsten waren die Angriffe eher verhalten und man eher darauf konzentriert den Ball nicht zu schnell wieder zu verlieren. Symptomatisch ist zudem, dass eben jener Poté, der zuvor auch schon die Führung auf dem Fuß hatte, keinen guten Tag erwischte und am Ende den letzten Elfmeter nicht verwandelte. So konnte nach langem Kampf doch der Favorit jubeln und als Sieger den Platz verlassen – wenn auch später als gedacht.

Aus dem Spiel wird Loose aber mitnehmen können, dass Dynamo trotz konditioneller Probleme 120 Minuten mit einer der erfolgreichen Bundesligateams mithalten konnte. Da man zuletzt in der Liga gegen die Mannschaften aus der oberen Hälfte nicht unbedingt zu überzeugen wusste, kann diese Erkenntnis für die folgenden Spiele gegen die direkte Konkurrenz hilfreich sein.

Ein weiteres Déjà-Vu sind wohl die Berichte von Randalierern im Umfeld des Spiels. Nach dem Skandal in Dortmund im vergangenen Jahr, der dem Verein fast die Teilnahme am diesjährigen Pokal und eine hohe Strafe kostete, droht nun wohl ein ähnliche Spießrutenlauf. Was bleibt ist ein knappes Aus und die Frage, wann einmal festgestellt wird, dass immer höhere Strafen nicht gegen einzelne oder auch organisierte Chaoten helfen?

Angesichts der ganzen Strafen, die nicht nur aber auch Dynamo in letzter Zeit leisten musste, und sich solcherlei Meldungen wiederholen stellt sich eigentlich die Frage, was der DFB mit den Zahlungen anstellt. Die fälligen Strafen durch das Sportgericht werden zwar der Bundesligastiftung zugeführt, aber wie werden diese dort dann verwendet?

Die dort aufgeführten Projekte sind löblich. Aber den Fanprojekten, die sich gegen die Gewalt stellen, wäre mit Unterstützung durch die Strafzahlungen und die Stiftung sicher ebenso geholfen – mit dem Ergebnis, dass die Strafen sich nicht nur als sinnlos erweisen, sondern auch gegen ihren Ursprung eingesetzt werden können.

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Revanche

Posted by Moritz on März 22, 2012
DFB-Pokal / No Comments

Es ist in der Tat beeindruckend wie schnell sich Großwetterlagen drehen können. Vor nur wenigen Wochen setzten ein Sägen an einem scheinbar einsamen Stuhl an der Säbener Straße ein. Damals wurde das Pokalfinale als krönender Abschluss von Wochen des Schicksals stilisiert, an deren Ende der FC Bayern alles verspielt haben wird.

Inzwischen reibt sich der neutrale Betrachter die Augen. Zusammenfallend mit der Verletzung von Rafinha und der Rückkehr von Lahm auf die rechte Seite setzte ein Siegeszug ohnegleichen ein. Mit der einhergehenden Wiederbelebung von Ribery und Robben, taten sie es unter drei Toren pro Halbzeit nicht mehr und retteten ihrem Trainer Heynckes vorerst den Job. Weiter östlich wird für eine solche Serie sicher einiges auf den Tisch gelegt.

Hätten Hubnik und De Camargo sich im Halbfinale im Griff gehabt – die uneingeschränkten Festivals des Feierbiests FCB wären wohl weiter gegangen. Doch die Vorzeichen standen schlecht für die Bayern. Auswärts bei der Mannschaft, in der sie bisher ihren ganz persönlichen Meister gefunden hatten, galt es nun sich von der Welle weiter tragen zu lassen.

Das Gladbacher Konzept zum Brechen der Wellen ist immer wieder denkbar einfach. Eng stehen und dabei die Pass- und Laufwege der bayerischen Ballkünstler zustellen. Ein Konzept, dass schon bei den bisherigen Begegnungen aufging und auch gestern in einem intensiven Spiel Früchte zeigte.  Dank des erneut hohen läuferischen Einsatzes störten sie den bayerischen Spielfluss. Die beiden Außen der Bayern konnten ihr Spiel nicht wie gewohnt aufziehen und mussten alternative Wege suchen. Dieses Mal ließen sich die Münchener damit hingegen nicht vollständig neutralisieren ausschalten und erspielten sich trotzdem ein Übergewicht und Chancen.

Es ist mit Sicherheit bezeichnend für alle Halbfinalisten, dass sie (fast) 120 Minuten kein Gegentor zuließen. Entgegen aller sonst gezeigter Offensiv-Stärke ließ sich auch Gladbach nicht zu allzu risikoreichen Angriffen verleiten. Die wenigen Konter, die bis zum Strafraum von Neuer gespielt wurden und nicht vorher schon im bayerischen Defensivsumpf versandeten, fanden dort recht bald in Neuer ihren Meister. Wer die beiden Abwehrreihen passierte. kam letztlich an ihm und Ter Stegen nicht vorbei.

Das besondere Augenmerk lag sicher auf Manuel Neuer. Zweimal hatte er in dieser Saison gegen Gladbach gepatzt, zweimal hatten die Bayern deshalb verloren. Am gestrigen Abend hingegen hielt er mehr, als zu halten war. Einige Male warf er sich mustergültig Reus entgegen und entschärfte auch den letzten Elfmeter. Sein persönliches “Trauma” dürfte somit als verarbeitet gelten.

Dabei zeigte Ter Stegen meiner Meinung nach sogar die bemerkenswertere Leistung als sein Münchener Konterpart. Für sein junges Alter zeigt er wieder einmal, dass  er schon sehr weit ist. Mehrere Male wehrte er, zum Teil gemeinsam mit dem Pfosten, reaktionsschnell die Durchstöße durch den Abwehrverbund ab. Sein Manko war in der allgemeinen Betrachtung wohl letztlich, dass er nicht in der Mannschaft stand, die in wenigen Wochen, das Finale in Berlin bestreiten darf.

In der Verlängerung ging schließlich beiden Teams der Atem aus. Insbesondere bei den Bayern war es da um so verwunderlicher, dass sie zuvor noch nicht gewechselt hatten. Auch wenn Schweinsteiger gefehlt hat, sieht ein Vertrauensvotum für die zweite Reihe mit Sicherheit anders aus.

Bei den Leistungen beider Mannschaften wurde der moderne Münzwurf schließlich das Mittel der Wahl, eine Entscheidung herbeizuführen. Letztendlich entschied mit Dantes verschossenem Elfmeter wieder einmal eine Einzelleistung eine mannschaftlich ausgeglichene Partie. Dass sie angesichts der Wechselvorzeichen noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird, setzte dem Ganzen noch das Tüpfelchen auf das i. Auch wenn sie vorher trotz einiger, weniger Chancen das goldene Tor verpassten, zeigten sie trotzdem wieder einmal eine Leistung, auf die in Hinblick auf den Saisonendspurt aufgebaut werden kann. Die Bayern hingegen demonstierten ihr neugewonnenes Selbstvertrauen. Obwohl der frühe Führungstreffer ausblieb, bewahrten sie einen ruhigen Kopf, der im Elfmeterschießen wohl mit für den Erfolg verantwortlich war. Der verdiente Lohn lehrt alle Kritiker wieder einmal eines besseren – zumindest bis zur nächsten Krise.

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Ein Spiel dauert 120 Minuten

Posted by Max on März 21, 2012
DFB-Pokal / No Comments

Solche Geschichten schreibt nur der Fussball. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Schluss ist erst, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Und in Anlehnung an Sepp Herberger: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 120 Minuten. Genug Floskeln und Weisheiten, die einem mittlerweile zum Hals heraushängen, die Journalisten immer dann verwenden, wenn sie keine anderen Begründungen finden oder wenn sie für das ZDF arbeiten. Aber irgendwie treffen sie doch auf das gestrige Halbfinalspiel des DFB-Pokals zwischen der Spielvereinigung Greuther Fürth und Borussia Dortmund zu.

Viel dramatischer hätte die Partie nicht enden können: Mit dem Schlusspfiff schoss der kurz zuvor eingewechselte Dortmunder Ilkay Gündogan den Ball an den Pfosten, von dort sprang der Ball an den Rücken von Torwart Fejzic, rollte dann zum Siegtreffer über die Torlinie. Greuther Fürth mit Trainer Mike Büskens hatte sich bereits sicher im Elfmeterschießen gewähnt, um dann diesem schmerzhaften Knockout zu erliegen. Wollte der Fürther Trainer vielleicht zu viel Dramatik in einem starken Spiel seiner Zweitliga-Mannschaft gegen den Meister und Tabellenführer der Bundesliga? Jedenfalls setzte er in der 118. Minute ein entscheidende Signal, als er den bis dahin starken und fehlerfreien Goalie Max Grün vom Platz nahm und dafür Regionalligatorwart Jazmin Fejzic brachte. Fejzic gilt als Elfmeterkiller und ist außerdem ein sicherer Schütze, schießt in Fürths Regionalligateam immer die Strafstöße. Zweifellos ist so eine Maßnahme nicht neu, ausgerechnet Fürths Erzrivale 1. FC Nürnberg praktizierte dies vor einigen Jahren erfolgreich mit Ersatzmann Daniel Klewer.

Aber Fürth ist nicht Nürnberg. Und für die Spieler des Kleeblatts war es gestern das falsche Signal zur falschen Zeit. BVB-Coach Jürgen Klopp erkannte nach dem Spiel im Sky-Interview völlig richtig, das Fürth einfach drei Minuten zu früh das Elfmeterschießen schon als gebucht betrachtete. Damit möchte ich nicht behaupten, dass Max Grün den Ball gehalten hätte. Aber ich bin einigermaßen überzeugt – ohne diese Hypothese jemals überprüfen zu können – dass es ohne den Torwartwechsel gar nicht mehr zu dieser Torchance für Dortmund gekommen wäre, sondern Fürth die letzten Minuten irgendwo seriös im Mittelfeld zu Ende gebracht hätte. Offenbar kam das Team aber mental mit dem Signal von der Bank nicht zurecht. Und Borussia Dortmund hat dann einfach die Qualitäten, auch in der 120. Minute noch einen Spieler zu finden, der abzieht und den Ball genau so an den Pfosten setzt, dass er günstig an des Torwarts Rücken abprallt.

So ging bei aller Dramatik am Ende des Abends ein bisschen unter, dass die eigentliche Sensation die Leistung von Greuther Fürth war. Absolut erstligareif, quasi ein lupenreines Empfehlungsschreiben für den Bundesliga-Aufstieg, den man Büskens und seinem Team nach diesem Spiel wirklich nur wünschen kann. Eine Bereicherung wären sie in jedem Fall. In der ersten Halbzeit taten sie sich noch schwer, standen aber defensiv sehr kompakt, Dortmund fand keine Wege und Mittel, den Abwehrverbund zu sprengen. Nach dem Seitenwechsel wurden die Fürther stärker und stärker, waren spätestens ab der 60. Minute bis zum entscheidenden Tor vielleicht sogar die leicht bessere Mannschaft, mindestens aber gleichwertig. Dortmund hatte zwar einige Torchancen, ließ diese aber oft ziemlich leichtfertig liegen. Das Phänomen der schwachen Chancenverwertung tritt beim BVB insbesondere in den Pokalwettbewerben auf, wurde aber bisher im DFB-Pokal nicht so bitter gerächt wie in den letzten beiden Europapokal-Spielzeiten. So wird es nun also – egal wie das zweite Halbfinale heute Abend ausgeht – ein Finale der Extraklasse in Berlin geben.

Nach dem Dortmunder Siegtreffer gab es dann ja noch diese Auseinandersetzungen zwischen den Ex-Schalkern Büskens und Asamoah und BVB-Spieler Kevin Großkreutz. Asamoah hatte sich schon in den Wochen vor dem Spiel mit einigen eindeutigen Lüdenscheid-Interviews eindeutig positioniert. Das man damit einen Mann wie Kevin “mit dem Kopf ist man nirgendwo” Großkreutz, dem fleischgewordenen Nachweis, dass man als Fussballprofi nicht zwingend einen hohen Intelligenzquotienten benötigt, provoziert, ist nicht verwundernswert. Ob die Sache wirklich ein Nachspiel hat, wird wohl auch davon abhängen, ob sich die Rassismus-Vorwürfe der BILD von heute erhärten.

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Kein Klassenunterschied

Posted by Max on Oktober 26, 2011
DFB-Pokal, Nordostfussball / 2 Comments

Das war es also – das vorerst letzte große Spiel des RB Leipzig in der Bullenarena. Zumindest bis man sich vielleicht für den kommenden Sommer, einen neuerlichen Gewinn des Sachsenpokals vorausgesetzt, wieder einen großen Namen als Gegner im DFB-Pokal angeln kann. Jetzt jedenfalls wird es zunächst wieder vor einer wesentlich kleineren Kulisse in den tristen Ligaalltag gehen, um die unausweichliche Pflicht, den Aufstieg in die 3. Liga, zu erfüllen.

Gestern Abend waren es mehr als 34.000 Zuschauer im weiten Rund des ehemaligen Zentralstadions, die auf eine neuerliche Pokalsensation hofften. Schon auf dem Weg zum Spiel deutete die ungewohnte Menschenfülle zu später Stunde in den öffentlichen Verkehrsmitteln darauf hin, dass es doch mehr als die erhofften 30.000 Besucher werden könnten. Am Ende stand ein neuer Rekord für Vereinsmannschaften in Leipzig seit der Wiedereröffnung. Doch obwohl die Zahlen der Erstrundenpartie nochmal übertroffen wurde, kam die akustische Kulisse nach meinem Eindruck nicht an die des Wolfsburg-Spiels heran. Was mit Sicherheit auch an einem völlig anderen Spielverlauf lag wie noch Ende Juni gegen die Elf aus der Autostadt. War es damals ein von Beginn an offener Schlagabtausch mit offenem Visier und entblößten Defensivreihen, machten diesmal zwei Faktoren der Wiederholung dieser Geschehnisse einen Strich durch die Rechnung: Zum einen die Abschlussschwäche der Roten Bullen, noch wesentlicher aber der konsequent umgesetzte Matchplan der Gäste aus Augsburg.

Nach den Eindrücken der 90+x Minuten kann dieser nur gelautet haben: Wir warten auf die eine uns bietende Torchance und schaukeln das Ding dann gemütlich nach Hause in die Puppenkiste. Hat im ersten Teil auch gut funktioniert, der zweite Teil stellte sich dann aber doch komplizierter dar. Die defensive Grundhaltung des FCA war vom Anpfiff weg zu erkennen. Es dauerte aber doch nur ungefähr 20 Minuten, bis RB Leipzig zu ersten nennenswerten Torchancen kam. Wobei ich betonen möchte, dass RBL im Endeffekt keinen einzigen Schuss dabei hatte, den der Augsburger Ersatztorwart Amsif hätte entschärfen müssen. Für mich der Hauptgrund, warum am Ende das unglückliche Ausscheiden in der Statistik stand. Gefühlt waren die Leipziger gerade im ersten Durchgang deutlich überlegen, aber es gelang eben nicht, den Ball gefährlich auf das Tor zu bringen. Oft genug ging war es knapp, aber entweder scheiterte man an technischen Fehlern oder am eigenen Gegenspieler, der den Ball ungewollt in aussichtsreicher Situation abblockte.

Dennoch stand die Null bis zu jener 62. Minute, als ein einziger Konter die Partie entschied. Der Augsburger Daniel Brinkmann schüttelte die wenigen verbliebenen Gegenspieler bei diesem Tempogegenstoß scheinbar mühelos ab, flitzte auf Brasas Borel zu und tunnelte diesen auch noch beim Treffer. Jedoch kein Vorwurf an den Goalie, der ansonsten ein glänzendes Spiel ablieferte und die Bullen mehrfach im Rennen hielt. Nach diesem Schock gab es vom Publikum eine eigenartige Reaktion: Es schwappte die Welle durch die WM-Arena. So angetan ich von den Massen, die RB mobilisiert, bin, umso ärgerlicher ist diese bizarre Stimmung, die sich mitunter immer noch breitmacht und eher an ein Länderspiel denn an einen Pokalfight erinnerte. Dabei war das, was RB in den letzten zehn Minuten ablieferte, ein großartiger Kampf. Zwar ohne Struktur, aber eine Spielweise, wie man es von der verwöhnten Truppe sonst nicht gewohnt war. Der Ausgleichstreffer blieb aus den genannten Gründen aber verwehrt.

Am Ende ging mit Augsburg eine abgezockte, im Profifussball erfahrene Mannschaft durch in die nächste Runde. Den Bullen war durchaus anzumerken, dass sie die körperliche Robustheit des Gegners von Gegner wie St. Pauli II oder Havelse sonst nicht gewohnt sind. Und man kann es sich dann eben nicht leisten, einen Totalausfall wie Timo Rost durchzuschleppen, der mit zahlreichen Fehlpässen, schwacher Zweikampfquote sowie zähem Spielaufbau seine vorzeitige Auswechslung quasi provozierte. Auch vom vermeintlichen Spielmacher Thiago Rockenbach kam, besonders im zweiten Durchgang, viel zu wenig. Die Möglichkeiten wären da gewesen, es mangelte an Konzentration, Können und Glück im Abschluss. Ein Klassenunterschied war aber nicht zu erkennen.

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Saisonziel erreicht

Posted by Max on August 01, 2011
DFB-Pokal, Nordostfussball / No Comments

Auf der letzten Mitgliederversammlung haben die Verantwortlichen von Hertha BSC ein klares Saisonziel ausgegeben: Die zweite Runde im DFB-Pokal soll unbedingt erreicht werden! Was für einen Bundesligisten in einem Duell mit einem Amateurverein eigentlich eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte und von der Berliner Vereinsführung sicher auch nicht ganz ernst gemeint war, hat dennoch einen beschämenden Hintergedanken: Die Hertha scheidet seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit in den ersten zwei Pokalrunden aus, gerne gegen unterklassige Klubs. Auf ein Heimspiel im Pokal wartet man schon seit Jubeljahren, dem Finale im eigenen Stadion hechelt man nahezu seit Menschengedenken hinterher. Von daher wurden die Ansprüche also ganz nach unten geschraubt. Und siehe da – ohne Druck spielte das Team befreit auf und besiegt den Regionalligisten ZFC Meuselwitz locker-flockig 4:0.

Der kleine Zipsendorfer Fussballclub nahe der Skatstadt Altenburg stieg vor einigen Jahren unter dem Erfolgstrainer Damian Halata, einem früheren DDR-Nationalspieler, in die Regionalliga auf und spielt dort seitdem für die begrenzten Möglichkeiten eine achtbare Rolle. Neben den Erfolgen im Ligabetrieb konnte der ZFC nun schon zum zweiten Mal in Folge den Thüringen-Pokal gewinnen, damit die Landesgrößen Rot-Weiß Erfurt sowie Carl-Zeiss Jena hinter sich lassen und durfte an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals teilnehmen. Im vergangenen Jahr war der 1. FC Köln zu Gast, heuer also die Alte Dame aus der Hauptstadt. Freilich hatte keiner einen Sturmlauf der Gastgeber erwartet, aber ein bisschen träumen von der Sensation gegen eine nicht gerade als Pokalmannschaft bekannte Truppe durfte schon erlaubt sein. Und mit einem flotten Spruch machten die Fans dann auch beim Einmarsch der Teams auf sich aufmerksam.

Da die Meuselwitzer “bluechip-Arena” im Normalfall nur für knapp 5.000 Zuschauer Platz bietet, wurde die Kapazität mittels mobiler Zusatztribünen erhöht. Für wieviele Fussballfans letztendlich Platz war, darüber schwanken die Angaben. Am Ende wurden offiziell 7.707 Besucher vermeldet. Die Tribünen sahen sehr gut besucht aus. Wir standen im Oberrang der Gegenseite, die einzige Tribüne mit Dach, was sich an diesem verregneten Julisonntag als großartiger Vorteil erweisen sollte. So konnten wir uns das obligatorische Ganzkörperkondom ersparen.

“Meuselwitz erwache!” – Der Ausruf eines Zuschauers auf unserer Tribüne kurz vor dem Anpfiff war zwar mehr darauf gemünzt, die anderen im Block zum intonieren von ZFC-Fangesängen zu bewegen. Doch eigentlich hätte es noch besser auf die Mannschaft gepasst. Die Gastgeber in Rot-Weißen spielten von Beginn an völlig verunsichert, fast ängstlich. Mit so einem Gestümper besteht man normalerweise nicht einmal in der vierten Liga. Das Vorhaben, die Hertha möglichst lange vom eigenen Tor fernzuhalten, sollte nur knapp 20 Minuten aufgehen. Dann führte das Team von Markus Babbel bereits und die Dinge nahmen ihren Lauf, kurz darauf erhöhten die Berliner auf 2:0. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis sich die Zipsendorfer etwas befreuen konnten. Ein paar gute Kontersituationen, mehr kam aber nicht.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Hertha wieder die Spielkontrolle. Es folgten noch zwei weitere Treffer, einer davon von Patrick Ebert. Der zog in unserem Block den Unmut der Zuschauer auf sich, weil er anstatt sich am Spiel zu beteiligen, auffälig oft am Boden lag und sich danach genüsslich vor der Tribüne die Haare richtete. In den Griff bekam man ihn jedoch bis zu seiner Auswechslung nicht. Am Ende ging Hertha völlig problemlos durch in die zweite Runde. Die Meuselwitzer haben zwar mit viel Einsatz gespielt, insgesamt aber trotzdem etwas enttäuscht. Letztendlich muss man aber auch konstatieren, dass der Bundesligaklub einfach zu stark war und sich, abgesehen im besten Fall von zehn Minuten vor der Pause, keine Schwächephase leistete, jederzeit konzentriert spielte.

Am Ende wurden die Spieler der Gastgeber aber doch vom eigenen Publikum mit Applaus verabschiedet. Es gab auch keinen Grund, sie auszupfeifen. Gestern war einfach nicht der beste Tag des Teams, und dann wird man eben von einem so eingespieltem und hochklassigem Gegner gnadenlos kontrolliert. Da läuft man denn Bällen hinterher und es gelingt nichts. Womit auch die Hertha durchaus Eindruck gemacht hat und für den bevorstehenden Bundesligastart gerüstet ist.

Zum Abschluss noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Catenaccio-Blogger Jens Peters hat in der vergangenen Woche Stimmen und Bilder von 20 Bloggern eingeholt, um der Frage nach dem kommenden Meister, Topspieler und Schützenkönig auf den Grund zu gehen. Auch ich komme dort zu Wort. Heute gibt es Teil 1 mit der Frage nach dem Meistertitel: Sportblogschau Teil 1 (Max ab 04:30).

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