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Der schönen Pflicht zweiter Teil 29. März 2013

Posted by Moritz in : WM 2014 , add a comment

Das Schauspiel ist stets ein merkwürdiges. Die deutsche Nationalmannschaft strotzt vor Selbstbewusstsein. Dominiert das Spiel regelrecht und muss nach nur wenigen starken Situationen der Kasachen mit anschauen, wie das Publikum aufmüpfig wird.

Doch der Reihe nach: Im zweiten Spiel gegen die Kasachen in einer guten Woche erlebte das Kombinationsspiel der Löw’schen Elf einen deutlichen Zuwachs an Schwung. Zu großen Teilen ist dies sicher der Wiederbelebung der linken Angriffsseite geschuldet, die in Astana noch ein Komplettausfall war. Nicht umsonst bildeten die Tore von Marco Reus gewissermaßen einen Rahmen um das Spiel.

Der Dortmunder eröffnete mit einer starken Einzelaktion den Torreigen, nachdem sich die Mannschaft zuvor schon deutlich warmgepasst hatte und krönte beeindruckende Minuten, in denen sich alle elf kasachischen Spieler in ihrer “Box” befanden und trotzdem noch vom Kurzpassspiel eines Özil und Götze durchpflügt worden.

So viel Ballbeherrschung auf engstem Raum war auf deutschen Plätzen abseits von Halbzeitspielchen selten. Einzig ein Tor ließ trotz aller Bemühungen auf sich warten. Bis sich Marco Reus ein Herz fasst und nach kurzem Sprint am Strafraum entlang – nicht passte – sondern einfach abschloss. Nach Vorlagen von Lahm und Özil trafen auch Götze und Gündogan.

Um die Kasachen musste einem in der Pause schon Angst und Bange werden. Doch ein Faux-Pas von Neuer und eine entspanntere Einstellung der Gastgeber ermöglichte schließlich noch den Aufreger des Abends: Ein unnötiges Gegentor, das Gotteslästerung gleich kam und bei dem ein oder anderen wohl trotz der souveränen Leistung schlimmste Traumate aufriss.

Zu guter Letzt hat eine seit Jahren sich manifestierende Tendenz in Nürnberg ihren Höhepunkt erreicht. Als wenn diese merkwürdige Atmosphäre zwischen Rummel und Friedhof traurigerweise nicht schon nahezu gewöhnlich wäre, wird nun der eigene Torwart nach einem Faux-Pas verhöhnt. Auch wenn es einer Vielzahl der Zuschauer so erscheinen muss, sind die deutschen Nationalspieler nicht die Harlem Globetrotters des Fußballs, die sich einzig dem Spektakel verschrieben haben. Ob diese Geisteshaltung reversibel ist, ist momentan mehr als zweifelhaft. Zu Wünschen wäre es den Spielern allemal. Das indifferente Dankeschön-Banner an die besten Fans der Welt nach jedem noch so bescheidenen Spiel dürfte hingegen kontraproduktiv sein.

Manuel Neuer – Es ist ein Spiel gewesen in dem kann man als Torwart nichts gewinnen. Neuer war das zu wenig und verlor mit seinem riskanten Spiel wieder einmal. Es war das erste Gegentor der Kasachen im vierten Spiel. So gesehen ebenfalls das absolut unnötigste, aber wohl auch das Tor mit den denkbar geringsten Auswirkungen. Note: 4

Phillip Lahm – Das Lahm im Nationaltrikot mal wieder unübersehbar zeigt, warum er als einer der stärksten defensiven Außenbahnspieler gehandelt wurde, hätte ich kaum für möglich gehalten. Dynamik, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen von Grundlinie zu Grundlinie ebneten nicht nur den Weg für Götzes Tor, sondern macht Lust auf mehr von diesem Lahm. Note: 2

Per Mertesacker – Ein – im positiven Sinne – Spiel zum Abhaken für den Routinier. Beim Gegentor machtlos, war er die permanente Absicherung des spielstarken Mittelfelds und dürfte neben Neuer am wenigsten gelaufen sein. Viel zu sagen gibt es sonst auch nicht. Note: 3

Jerome Boateng – Ähnliches gilt auch für Boateng, der sich immerhin durch ungeahnte Passsicherheit im Offensivspiel auszeichnen konnte. Der Erkenntnisgewinn hält sich ansonsten in Grenzen. Ein Prüfstein sieht anders aus. Note: 3

Marcel Schmelzer – Mit Marcel Schmelzer im Nationaltrikot werde ich irgendwie nicht warm. Es sieht eigentlich ganz gut aus, was er machte. Zugegeben defensiv war er nicht gefordert. Nach vorne nahmen sich seine Vorsätze gut aus, aber zählbares hat er nicht vorzuweisen. Seine Pässe und Flanken wirken teilweise wie aus der Schrotflinte. Note: 4

Sami Khedira – In der ersten Halbzeit war der ansonsten sehr präsente Sechser kaum zu sehen. Angesichts des weit vorne veranlagte Spiels ist eben das allerdings kein Wunder. In der zweiten Halbzeit versuchte er immerhin sichtlich, wenn auch mit begrenztem Erfolg, der Mannschaft über den kurzzeitigen Bruch im Spiel zu helfen. Note: 3

Ilaky Gündogan – Der Aspirant auf einen festen Startplatz untermauerte seine Ambitionen in starker Manier. Er war auf dem Platz praktisch omnipräsent. Gündogan lieferte fortwährend Impulse aus dem Mittelfeld und traf selbst in vorderster Front. Mit der aktuellen Form muss er sich vor keinem Konkurrenzen verstecken. Note: 2

Thomas Müller – Es war ein ruhiges Spiel von Müller. Ab und zu wurde er als Ballstopper und Weiterleiter ins Spielgeschehen eingebunden. Von ihm selbst kam aber zu wenig. Dank der starken Auftritte seiner Nebenleute fiel das im Gesamtkontext aber kaum auf. Note: 3

Mesut Özil – Bei Özil fällt es langsam schwer etwas zu finden, was es noch nicht gab. Das ganze spricht aber für seine Konstanz. Er war wieder einmal sehr mobil und vorne wie weiter hinten zu finden, um das Spiel aus allen Positionen anzukurbeln. Seine Beteiligung an den Toren kommt nicht von ungefähr. Note: 2

Marco Reus – Obwohl er recht zurückhaltend agierte, war er eine deutliche Belebung des linken Seite im Vergleich zu Podolski zuletzt. Beherzt eröffnete er den Torreigen und beendete ihn kurz vor Schluss auch wieder. Note: 2

Mario Götze – Unbeachtet der Diskussionen um seine vermeintliche und wahre Position zeigte Götze, warum er auf dem Platz steht: Er steht auch mal am richtigen Platz und trifft einfach. Bei dieser Bilanz in vorderster Front sind seine sonstigen Fähigkeiten am Ball eine nette Dreingabe. Wie Beckmann sich da in der Pause einen Stürmer mit noch mehr Ballgefühl wünschen kann, wird für immer sein Rätsel bleiben. Note: 2

FAZIT: Eine Partie, die bei sechs oder mehr Aluminum-Treffern gut und gerne auch zweistellig hätte enden können, präsentierte die Nationalelf in Spiellaune wie selten zuvor. Die passiven Kasachen lieferten sicher ihren Teil, aber wenn sie sich diese Performance bewahren sowie an der Chancenverwertung und dem Abwehrverhalten noch feilen, läuft es auch mal wieder gegen abgezocktere Mannschaften rund.

Pflichtübung 23. März 2013

Posted by Moritz in : WM 2014 , add a comment

Kasachstan ist eigentlich ein gern gesehener Gegner der deutschen Nationalmannschaft. Daran änderte auch das dritte Spiel der letzten drei Jahre gegen das abgesehen von Russland östlichste Uefa-Mitglied nichts. Trotz der weiter als gewöhnlich geratenen Anreise ließen sich Jogi Löw und seine Schützlinge nicht aus dem Konzept bringen.

Auch wenn laut Vorberichten im Stadion mit einigen Zuschauern am Tag zuvor bereits das Jubeln eingeübt wurde, gab es für die Kasachen während des Spiels nicht allzuviel Grund dafür – zu dominant spielten die Deutschen in der Anfangsphase auf. Lediglich ind er zweiten Halbzeit taute das Publikum etwas auf. Dabei hätte ihre Mannschaft durchaus auch mehr verdient. Sehr geschickt verlangsamten sie das Spiel des Gegners und vermieden durch ihr sehr zurückgezogene Spiel Ansatzmöglichkeiten für temporeiche Vorstöße der deutschen Mannschaft.

Diese spielte den Ball zunächst eher in die Breite und brauchte lange, bis sie vor dem 1-0 und 2-0 wirklich gefährlich in den Strafraum kam. Ein Grund für das anfänglich zurückhaltende Spiel ist sicher die ungewohnte Aufstellung gänzlich ohne Stürmer, welche durch den frühen Ausfall Draxlers und die folgende Einwechslung von Podolski einen recht frühen Rückschlag hinnehmen musste. Die letztendlich nicht überragende Leistung in Astana reichte jedoch noch für ein drittes Tor.

Dennoch war das Spiel gegen den Außenseiter letztendlich souverän und wurde in Halbzeit Zwei nur mit minimalen Wacklern über die Zeit gebracht. Löw darf man hingegen gratulieren dafür, endlich mal auch außerhalb von erkorenen Testspielen etwas ausprobiert zu haben. Das so etwas nicht auf Anhieb perfekt funktioniert ist nur natürlich, aber es gefiel auf Grund des Pflichtspielcharakters wesentlich besser.

Manuel Neuer – Als Kasachstan kurzzeitig etwas mutiger aufspielte, stand der Nationaltorwart zu Beginn der zweiten Hälfte einige Male im Mittelpunkt. Die Schüsse von Schmidtgal und Co. wehrte er aber souverän ab und hatte lediglich beim unhaltbaren Lattenknaller Glück. Note: 3

Phillip Lahm – Der Kapitän bliebt in diesem Spiel seiner Position eher treu. Er so lieferte kaum Impulse für das Offensivspiel. Angesichts der ohnehin schon eng beeinander stehenden Spieler vor ihm, war das aber auch eher schwer. Defensive Aufgaben gab es wenn überhaupt nur vereinzelt in der zweiten Halbzeit. Note: 3

Per Mertesacker – Das Innenverteidiger-Duo flog gestern komplett unter dem Radar durch. Besonders Mertesacker füllte die Mannschaft hervorragend auf elf Mann auf und fügte seinem Lebenslauf an einem äußerst ruhigen Abend ein weiteres Auswahlspiel hinzu, an dem er zumindest nichts falsch machen konnte. Note: 3

Benedikt Höwedes – Für ihn gilt praktisch das gleiche wie für seinen Kollegen. Er war zusätzlich noch Ausgangspunkt des Führungstores in dem er Özil auf den Weg schickte. Note: 3

Marcel Schmelzer – Der Dortmunder trug seinen Teil zu einer schwachen linken Mannschaftshälfte bei. Begann er mit Draxler vor sich noch einigermaßen versprechend, gelang im in diese Richtung mit Podolski vor der Nase kaum noch etwas. Note: 4

Sami Khedira – Seine Vorstöße aus dem Rückraum sind immer wieder schön anzusehen. Dank des Vakuums in vorderster Front zog es ihn bisweilen auch dorthin. Spielentscheiden konnte er zwar nicht eingreifen, machte aber immerhin eine gewohnt gute Figur und vermittelte die Sicherheit der Bundesbank. Wenn es nötig geworden wäre, wäre er da gewesen. Note: 3

Bastian Schweinsteiger – Auch Schweinsteiger konnte sich ob geringer defensiver Pflichten von Zeit zu Zeit nach vorne orientieren. Sehr artistisch nahm er vor dem 1-0 den Ball an und mit. Geschickt kassierte er seine zweite Gelbe Karte und verlebt somit im Rückspiel gesperrt eine ruhige Woche. Note: 3

Thomas Müller – Müller war so etwas wie der Spieler des Spiels. Dass wird auch davon unterstrichen, dass der bayerische Jung an allen drei Toren beteiligt war. Ließ sich Götze zurückfallen, drängte er vermehrt in den Strafraum hinein und war auch sonst trotz enger Deckung mobil. Note: 2

Mario Götze – Götze stellte am gestrigen Abend den Ersatzstürmer dar. Auf der für ihn ungewohnten Positionm konnte er trotzdem ab und zu Räume schaffen und zum zweiten Tor des Abends abstauben und harmonierte in der zweiten Halbzeit besser als sonst mit Özil. Note: 3

Mesut Özil – Die Frage ob Özil oder Götze wurde wieder einmal mit “es geht auch zusammen” beantwortet. Einziger Kritikpunkt bleibt wohl die Rechtslastigkeit des Spiels, das zum Teil auch auf seine Kappe geht. Ansonsten war der Pass vor dem eröffnenden Tor gewohnt stark gespielt. Note: 2

Julian Draxler – Löws Wahl viel überraschend auf den jungen Schalker, der für das Spiel ohne echte Spitze versprechendere Anlagen mitbringt als Podolski. Noch bevor er sich richtig warm gespielt hatte, musste er aber schon wieder mit einer Gehirnerschütterung vom Platz und bleibt deshalb ohne Note. Eine Wiederkehr ist aber ausdrücklich erwünscht.

Lukas Podolski – Der Arsenal-Spieler kam zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Partie und erlebte dort gleich die beiden Tore hautnah mit. Zum Kombinationsspiel seiner Nebenleute konnte er erwartungsgemäß nicht viel beitragen und blieb über weite Strecken unbemerkt. Note: 5

FAZIT: Die Operation Kasachstan kann als Erfolg gewertet werden. Mit einer unspektakulären Vorstellung ungfährdet das Maximum herausholen muss der deutschen Mannschaft erst einmal jemand nachmachen. Gleichzeitig gab es durch die Aufstellung einen weiteren Reizpunkt, der auch wenn nicht alles gleich perfekt lief der Fortentwicklung der Mannschaft sicherlich dienlich war. Was will man mehr?

Besiegter Fluch 7. Februar 2013

Posted by Max in : WM 2014 , add a comment

Es gibt ja solche Themen in der Öffentlichkeit, die existieren eigentlich nur für die Medienschaffenden. Dazu gehört wohl auch die Tatsache, Statistiken überzubewerten. So kam es mir jedenfalls in den Tagen vor dem Freundschaftsspiel gegen Frankreich vor, keine Zeitung, die nicht auf die lange sieglose Serie gegen Frankreich eingegangen wäre. Und ich behaupte: Weder für Joachim Löw noch für irgendeinen Spieler war das vor, während noch nach dem Spiel ernsthaft ein Thema.

Glücklicherweise schaffte es die Mannschaft diesmal, durch eine phasenweise gute Leistung einen solchen heraufbeschwörten Fluch zu besiegen. Im Vergleich zu den Auftaktspielen der letzten Jahre, aber auch zum Gegurke aus dem Herbst 2012 war eine klare Leistungssteigerung zu erkennen. Zwar gab es gerade im Aufbauspiel noch jede Menge Fehlpässe und gerade die offensive Abteilung mit Gomez und Podolski enttäuschte komplett, Abstände zwischen Mannschaftsteilen war hin und wieder noch zu groß – aber ein erster Fortschritt war schon zu erkennen. Und auch wichtig: Die Spielfreude im Nationaltrikot kehrte bei einigen Akteuren sichtbar zurück. Und damit kommen wir zur Einzelkritik.

René Adler: Bei seinem ersten Spiel nach über zwei Jahren verhinderte Adler zweimal ein Gegentor, insbesondere stark gegen Benzema im ersten Durchgang. War präsent und gab viele Kommandos, gute Leistung zum Comeback. Note: 2

Philipp Lahm: Der Kapitän schaltete sich in der ersten Halbzeit häufig nach vorne ein, agierte mit viel Tempo. Allerdings fehlte seinen Flanken komplett die Präzision, so gingen einige gute Vorstöße ins Leere. Später unauffälliger. Note: 3

Per Mertesacker: Plötzlich ist er wieder ein Thema in der Nationalmannschaft. Nachdem ihm 2012 die jungen Kollegen komplett den Rang abgelaufen hatten, verlieh er der Defensive diesmal ungewohnte Stabilität und wurde auch offensiv zweimal wirksam. Note: 2

Mats Hummels: Instabile Vorstellung des Dortmunders. Seine hochgelobten Spieleröffnungen verpufften mehrfach durch schlampige Pässe, verlor zudem beim Führungstor seinen Gegenspieler aus den Augen. Ließ sich von der Nervosität Höwedes’ anstecken. Note: 4

Benedikt Höwedes: In Abwesenheit von Marcel Schmelzer agierte er als Linksverteidiger, was keine gute Wahl von Löw war. Viele Angriffe der Franzosen liefen über seine Abwehrseite, oft stand er einen Schritt zu weit weg und hob beim 0:1 das Abseits auf. Note: 5

Sami Khedira: Der Madrilene war omnipräsent auf dem Feld, bildete ein gut harmonierendes Duo mit Gündogan. Neben einigen guten Abräumeraktionen tauchte er auch mehrfach vor dem Tor von Lloris auf, erzielte mit konsequentem Abschluss das Siegtor. Note: 2

Ilkay Gündogan: Nach kurzer Eingewöhnungsphase wurde er im Spielverlauf immer stärker. Beackerte eine große Fläche, gewann einige wichtige Zweikämpfe und krönte seine gute Leistung mit der Vorlage zum Ausgleichstor. Note: 2

Thomas Müller: Müller etablierte sich gestern zum besten Spieler der deutschen Mannschaft. Absolvierte ein hohes Pensum auf seiner Seite und rochierte auch häufig in die Mitte. Eiskalt beim Ausgleichstor, darüber hinaus ständiger Aktivposten. Note: 2

Mesut Özil: Fast schon vergessen, welche Spielfreude auch Mesut Özil versprühen kann. In der Anfangsphase vergab er relativ leichtfertig eine große Chance, ließ sich danach aber nicht hängen und ging weite Wege. Absolute Weltklasse der Pass zum Siegtor. Note: 2

Lukas Podolski: Erster Totalausfall und einmal mehr der Beweis, dass man für ihn mittlerweile wirklich ernsthaft über Alternativen auf der linken Seite nachdenken muss. Keine Akzente und wenig Durchsetzungsfähigkeit. Note: 5

Mario Gomez: In Abwesenheit von Klose wollte er ein Zeichen setzen, nachdem er zuletzt im Verein nur zweite Wahl ist. Das Vorhaben scheiterte kläglich, Gomez fand nie Bindung zum Rest der Mannschaft und erzeugte null Torgefahr. Note: 5

Toni Kroos: Als Einwechsler für Gomez hatte er keinen guten Einstand, fabrizierte einige haarsträubende Fehler und hatte später mit sich selbst zu kämpfen, wurde jedoch stabiler. Note: 4

FAZIT: Verdienter Sieg einer mobilen, agilen und einsatzfreudigen deutschen Mannschaft. Das Spiel hat sowohl die Schwachstellen aufgezeigt, als auch die Potentiale dieses Teams. Durch eine starke Leistung der Mittelfeldspieler konnte der Ausfall im Sturm aufgefangen werden.

Kollektiv geschlagen 26. Dezember 2012

Posted by Moritz in : EM 2012,WM 2014 , add a comment

Vor kurzem geschah bemerkenswertes. Jogi Löw gestand doch noch ein, dass er Fehler gemacht hat. Zwei sogar und ziemlich ähnlicher Natur. Nachdem bisher jegliche Vorwürfe öffentlich komplett an ihm abprallten, zeigte er seine nachdenkliche Seite. Und das sicher auch zurecht.

Schaut man ein paar Jahre zurück, war das zu Ende gehende für die Nationalmannschaft ein vergleichbar gutes gewesen. Doch mit den Leistungen steigt auch der Anspruch und macht aus einem
guten nur noch ein durchschnittliches. Aus diesem stechen zwei Fehlleistungen hervor, die dem Selbstverständnis nach schon gar nicht vorkommen dürfen.

Doch der Reihe nach: Zu Beginn des Jahres stand die deutsche Nationalmannschaft als einer der Top-Favoriten auf den Titel fest. Die Eindrücke der WM 2010 und die perfekte Qualifikation prägten diese nicht nur nationalen Erwartungen. Die Testspiele vor dem Turnierstart mit den Niederlagen gegen Frankreich und die Schweiz sowie dem uninspierierten Schlafwagenfußball mit Israel, erhöhten lediglich die Unsicherheit, ob die Realität gewillt ist, sich dem eigenen Denken zu beugen.

In der Gruppenphase tat sie das letztendlich souverän. Gegen hervorragend organisierte Portugiesen wurde der EM-Star in deutschen Farben gekührt und köpfte sich in die Herzen. Ausgerechnet der viel gescholtene Schönwetterfußballer Mario Gomez, dem nur unwichtige Tore gelingen, brachte die Mannschaft in das Turnier.

Aller danach erst recht aufflammenden gerechtfertigten sowie ungerechtfertigten Kritik an seiner Spielweise zum Trotz schoss er im folgenden Spiel auch die Niederlande ab. Auch wenn Oranje letztendlich sang- und klanglos ein Spiel später den Heimweg antrat, waren spätestens nach dieser Begegnung die letzten Zweifel beseitigt, dass Deutschland ein Titelanwärter ist. Hinten und vorne gefestigt, spielte Löws Team auch ohne den großen Hurrafußball erfolgreich.

Wer danach glaubte, dass der Weg ins Finale ein einfacher sein wird, hatte die Rechnung ohne den gemeinen Italiener gemacht. Ausgerechnet der, der sich um Systeme und Anordnungen nicht schert, stach zweimal zu. Balotelli wurde zum Bezwinger eine Maschine, die in diesem Spiel kräftig aus dem Tritt geraten war.

Es war der erste Kardinalfehler von Löw. Er entblößte durch eine taktische Umstellung die rechte Seite. Das lähmte zum einen die Mannschaft, die dadurch kollektiv gelähmt schien, und öffnete zum anderen den Italienern, den Weg zu ihrem letztendlich verdienten 2-1. Nicht nur die elf Spieler sondern auch Löw, schienen vom Verlauf wie vor den Kopf geschlagen und unfähig zu irgendeiner Reaktion. Es war ein erster Schatten auf dem sonst gottgleichem Bild des Trainers.

Über die Sommerpause kühlten sich die Gemüter nur geringfügig wieder ab und die Spiele danach taten nicht viel, die allgemein skeptischere Stimmung zu heben. Irgendeinen Grund zur allgemeinen Kritik fand sich nach den Spielen gegen Argentinien, die Faröer und Österreich immer. Mal war das Spiel zu sinnlos, der Sieg zu hart erkämpft, zu glücklich, das Tor zu groß oder wahlweise zu klein. Doch trotz allem befand sich die Mannschaft auf einem makellosen Weg nach Brasilien.

Bis zu jenem zweiten Schicksalstag. Keiner hörte es kommen. Keiner ahnte es. Trotzdem schlug es gnadenlos zu. Max meinte, das beste Spiel der Nationalmannschaft gesehen zu haben. Bis nach einer Stunde eine komplette Mannschaft regelrecht implodierte und eine spielerisch vollkommene 4-0-Führung für die Annalen noch abgab.

Konnte man die Niederlage gegen Italien mit anderthalb zugedrückten Augen noch als Lernprozess verbuchen, fällt das bei der Partie gegen Schweden wesentlich schwerer und ließ viele zunächst sprachlos zurück. Anders als gehofft werden beide Spiele der Auswahl noch eine ganze Weile nachhängen. In beiden Partien gab es keinen einfachen Auslöser, sondern die Niederlagen fußten auf einem feinen Netz sich verstärkender Ursachen. Ob deren Analyse zu einem positiven Ende verarbeitet oder doch nur nonchalant übergangen werden wird sich herausstellen müssen. Die Selbstkritik von Löw mag ein Schritt sein, es darf aber nur der erste und nicht der letzte gewesen sein.

In Gänze hat das vergangene Jahr zwei Dinge in aller Konsequenz gezeigt. Die deutsche Mannschaft ist, so kann man das durchaus nennen, gerade im Griff einer goldenen Generation. In der Verfassung, wie sie sich im vergangenen Jahr präsentierte, könnte es die erste sein, die keinen Titel erringt. Der Druck wird stetig wachsen, aber mindestens vier Jahre hat sie noch Zeit sich zu krönen und die sollte man ihr auch geben.

Beamtenfußball 16. November 2012

Posted by Moritz in : WM 2014 , add a comment

Was haben der DFB-UmweltCup, Mercedes Benz sowie Bitburger gemeinsam? Genau, sie versprühten während des Klassikers Niederlande-Deutschland auf der Werbebande 90 Minuten lang mehr Dynamik als die 22 + x Akteure auf dem Rasen. Die dritte Begegnung der Elftal mit der “Mannschaft” brachte ein Anschauungsbeispiel für die gepflegte Neutralisation zweier Mannschaften hervor.

Der Höhepunkt war ohnehin die Verabschiedung von Edgar Davids aus den Diensten der Nationalmannschaft. Darauf muss man sieben Jahre nach dem letzten Länderspiel auch erst einmal kommen.

Ein weiterer Faktor, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte: Ibrahimovic hatte einen wichtigen Termin in Stockholm. Seine Präsenz und seine Tore fehlten eindeutig. Aber das ist eine Frage der Perspektive und nur periphär die Schuld des Bundestrainers, sondern aller Herren, die den Spielplan ausmachen und sich an dieser nachbarschaftlichen Konstellation wohl nicht satt sehen können. Partie Drei wird keine Sonderseite in den Statistikbüchern bekommen.

Wenn man sich zurück ruft, dass solche Auftritte vor nicht einmal zehn Jahren noch als unglaublicher Erfolg gefeiert worden waren, kann man die allgemeine Enttäuschung auch als Kompliment für die Arbeit des Bundestrainers sehen. Dass in dieser Partie nicht viel stimmte sei angesichts der Absagen geschenkt. Das hinten diesmal die Null steht ebenfalls. Ausrutscher passieren. Der Erkenntnisgewinn des vorvergangenen Abends hält sich somit ohnehin in Grenzen.

Dementsprechend schwierig verteilte sich auch die Notenvergabe. Kaum Fehler und kaum bemerkenswerte Einzelaktionen lassen diese zu einem relativ subjektiv Einheitsbrei werden.

Manuel Neuer: Der Nationaltorwart war mit Abstand der einzige der seine Leistung über die vollen 90 Minuten abrufen konnte und vereitelte die niederländischen Chancen geistesgegenwertig – immerhin zwei an der Zahl. In der ersten Halbzeit drängte er den dadurch irritierten Robben ab und hielt in der zweiten einen verdeckten Schuss, der saß. Note: 1

Phillip Lahm: Als Kapitän trägt er die Verantwortung auf dem Platz, soll er voraus gehen. Dies gelang ihm im Rahmen seiner Möglichkeiten soweit, als dass viele Angriffe vor allem über außen kamen und Ruben Schakan nun auch in Deutschland bekannt ist. Zudem prägte er nach dem Spiel den Satz, dass es viel Ballbesitz auf beiden Seiten gegeben habe. Das macht im Endeffekt exakt 100% und Note: 4

Mats Hummels: Einmal so fühlen wie Barcelona. Dieser Traum ging für ihn in Erfüllung. Als Spieler einer der höchsten Ballkontakten wurde ihm das Spiel quasi aufgedrängt. Allerdings nutzte er seine Freiheiten nur selten dazu, das Angriffsspiel anzukurbeln, wofür er in Dortmund mitunter gefeiert wird. Nebenbei gab es keine Probleme den nicht vorhandenen Zauber der Niederländer Stand zu halten. Note: 3

Per Mertesacker: Als Turm in der Schlacht stand er seinen Mann und hielt die deutschen Farben aufrecht im Wind. Überraschend ist lediglich, dass Manuel Neuer keine Leiter an ihn anlegte, um von oben eine bessere Übersicht über das ferne Spiel zu erlangen. Ansonsten gilt ähnliches wie für Hummels. Note: 3

Benedikt Höwedes: Er war ebenso wie Lahm einer der Aktivposten im Aufbauspiel. Den Platz den Robben ihm ließ nutzte der gelernte Innenverteidiger gut, hatte dann naturgemäß Probleme den Ball verwertbar weiterzugeben. Und als Bonbon: Hinten hielt er alles dicht. Insgesamt eine ordentliche Vorstellung. Note: 2

Ilkay Gündogan: Der, der sonst nie zum Zuge kommen, profitierte von der Abwesenheit der etablierten. Er versuchte sich auch eifrig in die Spielgestaltung einzubringen. Mangels Unterstützung von vorne, hatte er aber im Alleingang keine Gelegenheit, dieses Riesenloch, dass sich zwischen den orangenen Pylonen vor ihm auftat zu stopfen. Note: 3

Lars Bender: Bender. Bender? Er war wohl anwesend und da die Hintermänner kaum etwas zu tun hatten, absolvierte er wohl eine souverände Partie und hielt Gündogan den Rücken frei. Das ist in diesem Spiel auch ausreichend. Es müssen ja nicht alle nach vorne rennen. Note: 3

Thomas Müller: Er machte das, was er immer tut: Er bemühte sich. Meist sind unkonventionelle Aktionen sowie Angst und Schrecken in den Reihen des Gegners das Ergebnis. Dieses Mal allerdings ackerte er vergeblich und schalte relativ schnell angeschlagen herunter. Note: 3

Lewis Holtby: Dieses Spiel dürfte dem Schalker Buchmacher nicht gefallen haben, da es nichts zu einer Wertsteigerung des Jungspunds beitrug. Er tauchte einfach ab und wurde kaum gesehen. Note: 5

Mario Götze: Götze auf der legendären falschen Neun. Die Last wog schwer auf seinen Schultern. Er war vorne auf verlorenem Posten. Ließ er sich fallen, fehlte die Anspielstation. Blieb er vorn, fehlte der Abspieler. Vertracke Situation, in der im Endeffekt auch die die Leichtigkeit, die ihn sonst so auszeichnet, fehlte. Note: 4

Marco Reus: Reus setzte das Offensivglanzlicht der Partie: Er traf den Pfosten und sorgte für eine der wenigen Situationen, in denen in der Amsterdamer Arena Jubel aufbrandete. In der restlichen Zeit war er auch bemüht, litt aber ebenso wie die anderen an der unbekannten Aufstellung den defensiven Oranjes. Note: 4

FAZIT: Angesichts der extrem schwankenden Post-EM-Leistungen kann man nur hoffen, dass Löw sein Grundgerüst für die kommende WM möglichst schnell findet und in der Folge darauf aufbauen kann. Leckerbissen sehen anders aus. Guten Rutsch und auf ein frohes neues Jahr.