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Eindrücke aus Stuttgart 7. März 2014

Posted by Max in : WM 2014 , add a comment

Es gibt uns noch! Unglaublich aber wahr, nach langer Pause soll es hier weitergehen. In etwas abgespeckter Form, mit weniger hausgemachten Verpflichtungen wie Notengebung nach Länderspielen. Derlei eingeschlichene Strukturen und ein wahnsinnig unausgeglichener (Frei-)Zeithaushalt waren die Gründe für die längere Auszeit. Jetzt geht’s also wieder los, einfach mit den Themen, die mich rund um mein Abenteuer Fußball bewegen. Hoffentlich einigermaßen regelmäßig, aber sicher auch mal wieder mit Unterbrechungen.

Wir haben im September mit einem Beitrag über die Nationalmannschaft aufgehört, und genau ein Spiel dieses Teams ist jetzt auch Bestandteil des ersten Eintrags im neuen Jahr. Am Mittwoch hatte ich – auf Einladung von Mercedes-Benz – die Gelegenheit, der DFB-Auswahl bei ihren Testspielbemühungen gegen Chile zuzuschauen. Glücklicherweise ein Gegner, der seinem guten Ruf gerecht wurde und ordentlich Power mitbrachte. So entwickelte sich ein sehr sehenswertes, fast schon faszinierendes Fußballspiel mit hohem Tempo. Faszinierend wegen dem über 90 Minuten quasi ununterbrochenen Vorwärtsdrang der Chilenen, aber auch wegen der Schlaffheit der deutschen Bemühungen, die zeitweise schon in schockierende Überforderung mündete.

Es gab irgendwo einen Wendepunkt in diesem Spiel, den ich nicht genau zeitlich einordnen kann. Wahrscheinlich lag er irgendwo zwischen dem Führungstor durch Götze (16. Minute) und der 30. Spielminute. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Partie durch beide Teams bestimmt, zwei Mannschaften die in der Anfangsphase mit sehr hohem Tempo das Mittelfeld überbrückten und in Hochgeschwindigkeit das gegnerische Tor suchten. Leider fiel die Deutsche Mannschaft dann ziemlich schnell in alte lethargische Muster zurück, die Körpersprache und -spannung einiger Spieler ließ deutlich nach. Fortan stürmten nahezu nur die Südamerikaner, allerdings bis zum Abpfiff ohne das nötige Glück im Abschluss. Bei der Vielzahl von vergebenen Torchancen kann man da aber auch die Qualitätsfrage stellen: Mit Ausnahme vom letzten Pass großartig und mit vielen variablen Ideen, danach aber kam bis auf einen Lattentreffer nicht mehr viel.

Wenigstens in den ersten 20 Minuten hinterließ die DFB-Auswahl einen guten Eindruck, wenngleich einmal mehr das Problem der fehlenden Balance zwischen Angriff und Abwehr offenbar wurde. Es fehlt ein Stabilisator im Mittelfeld, die ordnende Hand. Mag verrückt klingen, aber Sami Khedira ist für diese Mannschaft wahrscheinlich doch wichtiger, als oft angenommen. Philipp Lahm – diesmal auf der “Sechs” aufgestellt – spielte für mich keine erkennbare Rolle im System, welche die Lobpreisungen seiner Leistungen auf dieser Position im Verlaufe der Saison gerechtfertigt hätte. Auch ein Bastian Schweinsteiger, in Bestform wohlgemerkt, ist für diese Rolle wohl besser geeignet als ein Verschlepper der Marke Toni Kroos. Bis zur 70. Minute, als ich von meinem Sitznachbarn auf sein Mitwirken aufmerksam gemacht wurde, nahm ich vom zuletzt Hochgelobten keinerlei Notiz. Es wäre aus meiner Sicht zu einfach, die zahlreichen Torchancen von Chile nur der ungeordneten Viererkette zuzuschreiben. Vielmehr ist es die eben beschriebene abhandengekommene Stabilität bei der Verbindung der beiden konträren Mannschaftsteile.

Das Team unter der Regie von Joachim Löw ist bekannt dafür, dass es einen klaren Plan im Offensivspiel verfolgt. Was mir am Mittwoch einmal mehr fehlte, ist ein sichtbarer Alternativplan. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Marcell Jansen kam Marcel Schmelzer in die Partie. Dieser versuchte sich mehrfach in Läufen auf der Außenbahn, es mangelte aber an Anspielen in seinen Laufweg. Die Möglichkeiten dazu wären da gewesen. Doch weder ein Özil, ein Lahm, Kroos, oder wer auch immer den Ball hatte, alle drehten auf dem Weg nach außen lieber ab. Rückpass statt Flügelangriff. Marcel Schmelzer war der Frust deutlich anzusehen. Dabei wäre es durchaus eine Möglichkeit gewesen, auch die Chilenen mal in Verlegenheit zu bringen, mit Klose (und Gomez auf der Bank) wären auch kopfballstarke Spieler als Empfänger und Verwerter von Flanken vorhanden. Es wird wohl ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Weltmeisterschaft werden, ob ein Team Löw im Falle ähnlicher Überforderung gegen ähnliche Gegner in Brasilien seine Spielweise umstellen könnte. Übrigens: Der einzige Treffer der Partie wurde ja über die Außenbahn und einem Hackentrick (!) von Marcell Jansen (!!!) eingeleitet.

Wie also soll man dieses Spiel nun einordnen? Bereits am Montag hatte der Bundestrainer mit einigen markigen Worten eine deutliche Ansprache über die Medien gesetzt. Löw dürfte sich durch diese Partie bestätigt fühlen, seine Worte später in der Pressekonferenz waren da eindeutig: Dass die Spieler nun doch hoffentlich gesehen hätten, dass auch ein Team wie Chile ein guter Gegner ist und nicht im Vorbeigehen zu erledigen. Es ist noch ein weiter Weg bis Brasilien, der aufgrund der zu erwartenden schwierigen Vorbereitung mit Abwesenheit diverser Stammspieler holprig werden könnte. Zu früh ist es, um den – auch im Vorfeld im Gespräch von Giovanne Elber geäußerten – Topfavoritenstatus der DFB-Mannschaft in Frage zu stellen. Aber es gibt wohl bei der WM doch noch mehr als Deutschland und Argentinien, Elbers Geheimtipp.

Wer noch mehr über das erfahren möchte, was in Stuttgart gelaufen ist, dem empfehle ich die ebenfalls anwesenden Kollegen:

Färinger Nächte 12. September 2013

Posted by Moritz in : WM 2014 , 1 comment so far

Spiele gegen die Färöer haben immer etwas anstregendes. Egal wie unterlegen und kurios die Inselbewohner im vornherein wirken, bisher rieb man sich danach, ob der starken Leistung doch die Augen. Letztendlich reichte es auch am vorgestrigen Abend nicht zu einer Überraschung, doch mit ihren defensiven Qualitäten zwangen sie die deutschen Gäste zu einem teilweise unfassbar zähen Spiel.

Nach einem forschen Auftakt, der überraschte und beinahe sogar mit einem Tor gekrönt wurde, übernahm die Mannschaft von Löw aber sofort das Kommando und drängte den Gastgeber weit zurück. Doch das war es erstmal auch. Gegen das gut verschiebende Abwehrbollwerk fehlte letztendlich etwas an Entschlossenheit und Zielstrebigkeit. Die Passsicherheit mag zwar beeindrucken, wirkt phasenweise aber auch wie ein Abbild von komplizierter Ideenlosigkeit.

Zwar traf Klose mal den Innenpfosten und der eine oder andere Schuss sah durchaus gefährlich aus. Letztendlich musste aber auch Jogi Löw nach dem Spiel anerkennen, dass seine Mannschaft auf diesem Gebiet doch noch einiges einzustudieren hat. Symptomatisch mussten letztlich zwei Standardsituationen das Spiel auf den rechten Weg bringen. Nach einer Ecke und einem berechtigten Elfmeter, für dessen Verursachung der Gastgeber auch noch in Unterzahl geriet, fiel das erste Tor aus dem Spiel heraus erst gegen Ende der Partie.

Nichtsdestotrotz rückt die Qualifikation rückt in immer größere Nähe. Daran änderte auch die Partie auf den entlegenen Inseln der Färöer nichts. Im Gegenteil auch dort muss man erstmal letztendlich klar mit 3-0 gewinnen. Wie sich die einzelnen Spieler auf dem Eiland in Torshavn schlugen lässt sich wie immer in der Einzelkritik nachvollziehen.

Manuel Neuer: Nach gerade wenigen Sekunden musste er überraschend hellwach sein. Die Färinger legten los wie die Feuerwehr, einen folgenlosen Wackler erlaubte er sich und ansonsten gab es erwartungsgemäßg nicht viel zu tun. Note: 3

Phillip Lahm: Il piccolo capitano hatte viele Freiheiten, die er für seine aufgerücktes Spiel zu nutzen wusste. Sein Vorwärtsgang produzierte gerade in der zweiten Halbzeit aber auch viele ungefährliche Flanken und Pässe. Insgesamt hätte man sich über mehr Impulse über außen sicherlich gefreut, aber für die Vorarbeit zum dritten Tor reichte es dennoch. Note: 3

Per Mertesacker: Der Abwehrschlaks erzielte sein drittes Tor und den einzigen Treffer der ersten Halbzeit nach einer Ecke. Das allein ist eigentlich schon ein Ausrufezeichen wert. Zusätzlich sorgte er mit einer souveränen Leistung auch für eine positive Torbilanz der gesamten Mannschaft. Note: 2

Jerome Boateng: Gleich zu Beginn rückte er in den Fokus, als mit einem Block einen frühen und blamablen Rückstand verhinderte. Auch sonst ließ er sich nicht überrumpeln und legte er für einen Verteidiger ungewohnt auch weite Wege zurück und nahm sich die Freiheit den Platz in seiner gesamten Länge und Breite zu erkunden. Warum auch nicht. Note: 3

Marcel Schmelzer: Gefühlt war es in der ersten Halbzeit eines der besseren Spiele von Schmelzer im Nationaldress. Defensiv nicht gefordert koexistierte er zwar gut mit Draxler, ließ dann aber vor allem nach der Pause einiges an Sicherheit vermissen, was die Färinger trotz Unterlegenheit zu nutzen wussten. Note: 4

Sami Khedira: Bei seinem Kopfball auf das fast leere Tor ließ er zwar Zielwasser vermissen, absolvierte aber ansonsten einen wieder einmal eine souveräne Partie, in der er sich öfter nach vorne rücken konnte, ohne dass auf Kosten seiner Aufgaben in der Defensiv ging. Note: 3

Toni Kroos: Es war ein unauffälliges Spiel des Müncheners, der weiß, wie man sich vornehm zurück hält, wenn ohnehin schon alles mit Spielern verstopft ist. Es gab zwar wieder den einen oder anderen Versuch eines Fernschusses, ein Volltreffer wie zuvor gegen Österreich blieb aber aus. Note: 3

Thomas Müller: Müller hatte seine wichtigste Szene im Spiel, als er bei einem Tempogegenstoß (!) gegen die Färinger (!) geschickt den Verteidiger kreuzt und einen Elfmeter gewinnt. Ansonsten stieß er oft wenig effektiv in die Spitze. Das Tor zum Endstand geht auch auf seine Kappe. Note: 3

Mesut Özil: Wie immer war der Neu-Arsenalist ein wichtiger Ballverteiler vor dem Strafraum und dort praktisch überall zu finden. Auch wenn ihm an diesem Abend nicht so sehr an Ideen fehlte, eine wirklich zündende, wie das Bollwerk zu durchdringen ist, war nicht dabei. Gleichzeitig legte er die folgenschwere Ecke zur Führung auf und versenkte gekonnt den Elfmeter zum 2-0. Note: 2

Julian Draxler: Die Schalker Symbolfigur rutschte für Reus in die Startaufstellung und bildete mit Schmelzer zu Beginn ein harmonisches Pärchen. Auf der linken Seite fügte er sich gut in die Mannschaft ein. Ein wenig lies er aber das Kombinationsspiel vermissen, so dass nur seine Aktionen am Ball, die gerne in Fernschüsse mündeten, unter ferner liefen im Gedächtnis blieben. Note: 4

Miroslav Klose: Der frischgebackene Rekordnationalmannschaftstorschütze schien in dieser Partie nicht allzu gesteigerten Wert darauf zu legen alleiniger Rekordnationalmannschaftstorschütze zu werden. Er hatte zwar die eine oder andere Chance und traf auch den Innenpfosten, verlor sich aber als Anspielstation im recht statischen Defensivspiel der Färinger. Note: 4

FAZIT: Ein letztendlich ungefährdert Pflichtsieg gegen eine forderndere Defensive als so mancher Großer zu bieten hat, bringt die deutsche Nationalmannschaft einer ungefährdeten Qualifikation für die WM näher. Ganz wichtig ist auch festzuhalten, dass es wieder einmal kein Gegentor gab. Letzlich fehlen nur noch zwei Punkte für die hundertprozentige Sicherheit.

Mit Stimmung nach Brasilien 9. September 2013

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Endlich mal wieder ein vernünftiges Länderspiel. Nach den aus verschiedenen Gründen zu Experimentierstunden verkommenen Testpartien gegen Ecuador, USA und Paraguay kam es am vergangenen Freitag in München zu der ersten ernsthaften Bewährungsprobe für die Deutsche Nationalmannschaft seit einigen Monaten. Und bis auf den verletzungsbedingt wieder einmal ausgefallenen Bastian Schweinsteiger war diesmal auch die volle Kapelle an Bord und auf dem Platz.

Gegner Österreich hatte die DFB-Auswahl beim Hinspiel (2:1-Sieg für Deutschland in Wien) vor mächtige Probleme gespielt und auch sonst einen sehr anständigen Part in der bisherigen WM-Qualifikation gespielt. Die Mannschaft spielt seit dem Trainerwechsel zu Marcel Koller einen agressiven Pressing-Fussball, ist dazu durchsetzt mit vielen bekannten Namen aus internationalen Topligen. Symptomatisch: Bis zur Einwechslung von Burgstaller und Sabitzer in der 67. Minute stand bei den Rot-Weißen kein Spieler aus der heimischen Ösi-Bundesliga auf dem Feld. Mit diesem Wissen im Hinterkopf konnte man von den Gästen also durchaus einiges erwarten.

Doch die Enttäuschung setzte schon früh ein. Nur in den ersten fünf Minuten schafften es die Österreicher ihr effektives Pressing umzusetzen. Der Bremer Gestalter Zlatko Junuzovic fehlte im Mittelfeld, sein Verlust konnte durch Kavlak nicht aufgefangen werden. Dazu nahmen die aufmerksamen Flügelzangen der Deutschen sowohl Ivanschitz links als auch Arnautovic rechts fast völlig aus dem Spiel. Im gesamten Spiel schafften es die Österreicher nicht, dem unermüdlichen Passspiel des DFB-Teams Herr zu werden. Mit zunehmender Dauer schlichen sich zudem Unkonzentriertheiten ein, sodass der Sieg für Deutschland am Ende auch in der Höhe mit 3:0 in Ordnung geht.

Und damit ab zu den Einzelbewertungen, diesmal quasi direkt aus dem Stadion von der Gegentribüne gesehen geliefert.

Manuel Neuer: War in seinem Heimstadion lange Zeit beschäftigungslos, reagierte aber in zwei Situationen, als die Österreicher die Chance zum Anschlusstreffer hatten, hervorragend und verhinderte somit ein mögliches Kippen der Partie. Note: 2

Philipp Lahm: In seinem 100. Länderspiel erledigte der Kapitän des Teams seinen Job ruhig und solide. Besonders in der ersten Halbzeit schaltete er sich auch regelmäßig nach vorne ein, das etablierte Zusammenspiel mit Thomas Müller vor ihm passte. Die Flanken fanden aber selten Abnehmer. Note: 3

Per Mertesacker: Legte gleich nach wenigen Augenblicken mit einem grausamen Fehlpass los, lieferte danach aber eine sehr stabile Partie und glänzte sogar mit einigen guten Tacklings. Zudem starkes Stellungsspiel, hatte keine Mühe mit den Stürmern der Gäste. Note: 3

Jerome Boateng: “Peng Peng” ist derzeit in guter Form, was er auch am Freitag wieder beweisen konnte. Stand defensiv gemeinsam mit Mertesacker sehr sicher und kurbelte auch immer wieder das Spiel nach vorne an. In dieser Verfassung wichtiger Bestandteil zur Stabilisierung der Abwehr. Note: 3

Marcel Schmelzer: Eines der besseren Länderspiele vom Dortmunder bisher. Bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung zum Seitenwechsel mit einigen guten Aktionen nach vorne. Doch auch für ihn gilt wie für Lahm: Die Hereingaben finden keinen Abnehmer. Note: 3

Sami Khedira: Besonders in der ersten Halbzeit war der Madrilene auffällig. Schaffte immer wieder Räume und bediente seinen Teamkollegen Özil in der Schaltzentrale. Später weniger auffällig, defensiv aber insgesamt auch kaum gefordert. Note: 3

Toni Kroos: Der nächste formstarke Münchner. Ein Phänomen, eigentlich spielerisch limitiert holt er aber immer wieder das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus. Versuchte es mehrfach mit Distanzsschüssen, einer saß dann und schaffte früh in der zweiten Hälfte Ruhe. Note: 2

Thomas Müller: Hoher Laufeinsatz und ständig eingebunden über die sehr aktive rechte Angriffsseite. Lieferte die Vorlage zum Führungstor, hatte selbst dann auch einige gute Möglichkeiten und verwandelte schließlich zum Endstandt. Manchmal aber etwas zu klein-klein. Note: 3

Mesut Özil: Der Spielmacher zeigte sich unbeeindruckt von den Begleitumständen seines kurzfristigen Wechsels nach London und glänzte mehrfach mit starken Aktionen, die prompt für Torgefahr sorgten. Einziges Manko: Keine seiner Szenen war letztendlich von Torerfolg gekrönt. Note: 2

Marco Reus: Am Freitagabend der unauffälligste deutsche Spieler auf dem Feld. Über seine linke Seite kam lange nicht so viel Vortrieb wie von der anderen Flanke. Hatte gleich früh im Spiel eine große Chance und vergab diese relativ leichtfertig. Letztendlich aber mit Vorarbeit zum 2:0. Note: 4

Miroslav Klose: Immer weiter, unermüdlich, Klose. Zog mit seinem Tor zum 1:0 endlich mit Gerd Müller gleich und unterstrich neben einer starken Leistung damit noch einmal auch in der Statistik, welchen Wert er in den letzten 15 Jahren für den deutschen Fussball hatte und weiterhin haben wird. Note: 2

Benedikt Höwedes: Als Backup für Schmelzer eingewechselt, verrichtete der Schalker seinen Job ähnlich solide – trotz ungewohnter Position. Etwas weniger offensiv ausgerichtet, trotzdem gelang ihm dann die Torvorlage zum Endstand. Note: 3

FAZIT: Ein hochverdienter Sieg für Deutschland, die Österreich mit ihren “neuen” Stärken überhaupt nicht zur Entfaltung kommen ließen. Defensiv sehr stabil, offensiv zumindest für eine Stunde auch gut anzusehen. In den letzten 30 Minuten verkam die Partie etwas zum Ballgeschiebe, doch die DFB-Auswahl konnte sich das leisten. Diese Partie war die richtige Antwort zur aufkeimenden Defensivproblem-Diskussion der letzten Wochen.

Zum Schluss noch ein kurzes Wort zur Stimmung im Stadion. Nach der Partie sah ich beim Durchscrollen auf Twitter wieder die üblichen Verdächtigen über die angeblich schlechte Stimmung diskutieren. Da ich diesmal selbst in der Arena war, weiß ich es besser: Sicher keine 90 Minuten Dauergesang, aber doch sehr ordentlich von den Fanblöcken beider Seiten. Es gab übrigens auch keine Laola-Welle. Das muss man an dieser Stelle ja auch mal erwähnen. Dass es am Ende mit Abflachen des Spiels etwas ruhiger wurde, ist bei der zu Ligaspielen verschiedenen Zuschauerdurchmischung auch normal und okay.

Auf Normalmaß gestutzt 4. Juni 2013

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Die DFB-Elf ist ein guter Gast zumal an der Seite der Amerikaner mit Klinsmann ein alter Bekannter stand, der bei der Vermittelung des Sparringspartners zum 100. Geburstages des Verbandes sicher keine kleine Rolle gespielt hatte.

Dass die Motivation dann auch einseitig verteilt war, zeigte sich auf dem Platz überdeutlich. Von der überraschend dynamischen Eröffnung vom Mittwoch war nicht mehr viel übrig. Brillierte Podolski gegen Ecuador noch, untermauerte er die höchsteigene Analyse, dass seine Leistung dort keine Reaktion auf die Bierhoff’sche Kritik gewesen sein. Anders ist das folgende Versteckspiel auch kaum zu erklären.

Doch nicht nur der Arsenalstürmer blieb hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere die Abwehrtätigkeit blieb kaum mehr als Stückwerk. Wie so oft waren individuelle Fehler das schwächste Glied. Symptomatisch dafür Mertesacker, der Dempsey kurz vor der Flanke davon läuft oder der nervöse Faux-Pas von Ter Stegen.

Durch die vielen Fehler und das engagierte Auftreten der Amerikaner, blieb auch nach vorne vieles nur eine schlechte Idee. Am auffälligsten war da noch Schürrle. Seine größte Chance war jedoch eine Einzelaktion, im Stile eine Robben. Der Ball ging trotzdem einige Meter am Kasten vorbei.

Erst in Halbzeit Zwei kam durch einen Vierer-Wechsel, vor allem aber durch Max Kruse, frischer Wind in die Partie. Der Junge zeigte sein Potenzial. Überall war er zu finden und glänzte mit recht ausgereiften Ideen um den Strafraum. Mitreißen konnte Kruse jedoch kaum. Viele andere dilettierten in aller Ruhe weiter. Die Saison ist ja ohnehin gelaufen.

Viel zu sehen gab es trotzdem auf dieser Reise und die Erkenntnisse, dass eine deutsche B-Elf doch nicht als potenzieller Endspiel Gegner der A-Mannschaft taugt und unnötige Länderspieler wohl nie aussterben werden.

Abschließend gibt es wie immer die subjektiv absolut objektiven Bewertungen der einzelnen Akteure dieser 4-3-Niederlage. Viele konnten sich vorgestern jedoch nicht für weitere Einsätze empfehlen:

Marc-André ter Stegen: Ter Stegen ist der Mann für die Schützenfeste. Sein Schnitt dürfte unerreicht sein. Der Bock zum 2-0 wird in keinem Jahresrückblick fehlen. In der zweiten Halbzeit stabilisierte er sich zwar, aber die Leistung blieb trotzdem arg verbesserungswürdig. Note: 5

Lars Bender: Eine dreiviertel Stunde beackerte er zusammen mit Schürrle zusammen, das was die “aktive” Seite der deutschen Mannschaft darstellte. Praktisch sah das dann so aus, dass sein Vordermann einen aktiveren Mitspieler als Podolski hatte. Ansonsten setzte er kaum Akente. Note: 4

Per Mertesacker: Wurder er zuletzt noch für seine biedere Zuverlässigkeit gelobt, strafte er einen mit diesem Spiel Lügen. Maßgeblich verantwortlich für das erste der vier Gegentore, war er auch sonst ein zuverlässiger Unsicherheitsfaktor und wurde nach einer Halbzeit vom Platz geholt. Note: 4

Benedikt Höwedes: Höewedes hatte Schwierigkeiten mit der Situation umzugehen und ließ sich von den Problemen der Nebenleute ablenken. So ließ er ebenfalls zu viel Platz für die Gegenleute und konnte ebenfalls nicht als Baum zum Anlehnen herhalten. Note: 3

Marcell Jansen: In der Halbzeit, die er auf der linken Seite verbrachte, lief dort wenig zusammen. Jansen trug seinen Anteil daran. Unterstützung für Podolski war selten und bei beiden Gegentreffern machte der Ball auf seiner Position Station. Note: 4

Sven Bender: Dem nachgereisten Dortmunder merkte man an, dass er sich in der unbekannten Umgebung nur schwer zurecht fand. Zwar bemühte er sich stets, sich als Bindeglied einzubgrinden. Bis auf einige Fehlpässe blieb er bis zu seiner Auswechslung in der Pause allerdings recht unauffällig. Note: 4

Stefan Reinartz: Stand während des Spieles oft sehr tief, um hinten auszuhelfen. Das klappte nur bedingt. Gleichzeitig konnte er deshalb kaum Akzente nach vorne setzen, hatte im Zweifel auf Grund der unmotivierten Mitspieler Probleme Anspielstationen zu finden. In der zweiten Halbzeit war er alleiniger Sechser. Note: 4

André Schürrle: Der Noch-Leverkusener war neben Ter Stegen der auffälligste Spieler der ersten Halbzeit. Seinen Aktionsradius weitete er etwas aus und war überall zu finden. Abgesehen vom optischen hohen Anteil am deutschen Spiel gelang es aber auch ihm nicht, eine Struktur ins Spiel zu bringen. Note: 3

Julian Draxler: Zu einem Özil fehlt Draxler noch einiges. Dennoch zeigte er sich stets bemüht und war viel unterwegs. Ein entscheidender Pass gelang ihm die Partie über nicht. Sein Tor, dass er mit langem Anlauf gut abstaubt, rettet ihn auf Note: 3

Lukas Podolski: Wie bereits im Vorlauf erwähnt, war dieser Podolski nur noch ein Schatten seiner selbst und weit von der Form der ersten Minuten gegen Ecuador entfernt. Zum Tiefpunkt einer Partie, in die er nie richtig fand, lässt er sich von Dempsey austanzen. Note: 5

Miroslav Klose: Der König der deutschen Stürmer gönnte sich eine ruhige Partie. Ohne die Spielintelligenz der Hinterleute verpuffte sein gewohntes Spiel praktisch im Nichts, so dass er praktisch verloren auf weiter Flur wirkte. Einizges Lebenszeichen war ein Abseitstor. Note: 5

Max Kruse: Der Messias! Ein Spieler, der Ecken schlägt wie ein Gott. Gleich im ersten Versuch, schlägt der Ball durch seine Vorlage ein. Trotzdem darf man ihn nicht als Inselbegabung abtun. Er brachte Leben in eine totgeglaubte Partie und macht selbst Tore. Ein in allen Belangen guter Junge. Note: 2

Dennis Aogo: Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal schreiben darf – aber Aogo hat das spiel belebt. Berücksichtigt man das Ausgangsniveau relativiert sich der Satz zwar, aber mit ihm war die linke Seite nur noch halb so nutzlos. Die Defensivleistung blieb dort nichtsdestotrotz eher bescheiden. Note: 4

Heiko Westermann: Durfte ab er zweiten Halbzeit mit mäßigem Erfolg zeigen, was er etablierten Kräften in der Innenverteidigung voraus hat. Von diesen hebt ihn lediglich sein Tor ab. Ansonsten fügte er sich nahtlos in die Abwehrleistung ein. Note: 4

Phillip Wollscheidt: Gekommen mit dem gleichen Auftrag wie Westermann, agierte er besonnener und unauffälliger. Große Auswirkungen hatte sein Wechsel nicht. Note: 4

FAZIT: Der Schmerz hält sich in Grenzen. Die Erkenntnisse ebenso. Die Niederlage geht vorbei. Am Wichtigsten bleibt jedoch: Die Sommerpause ist kurz. Das nächste wichtige Länderspiel wartet schon im August: Paraguay ruft. Wetten, dass das Gejammer in der Bundesliga über den sportlichen Wert groß ist, werden bereits nicht mehr angenommen.

Der Rest von Deutschland 30. Mai 2013

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Vor fast exakt 50 Jahren machte sich der Rest von Leipzig auf, die DDR zu erobern. Der besten Spieler beraubt, holten sie damals sensationell die Meisterschaft. Eine, zugegeben weit hergeholte, Parallele zum gestrigen Spiel ist nicht zu verleugnen. Ohne die überwiegende Mehrzahl an Nationalspielern von FCB und BVB trat die DFB-Auswahl ihre Reise nach Florida an. Gespickt mit Debütanten und Akteueren der zweiten Reihe

Der Rest von Deutschland legte dabei furios vor. Podolski trug sich mit dem bisher schnellsten Treffer der Auswahlgeschichte in die Annalen ein. Ein weiterer Treffer von ihm und zweier von Bender komplettierten das letztlich ungefährdete Spiel von Jogis Jungs bereits nach weniger als 30 Minuten. Es bleibt jedoch anzumerken, dass der Kontrahent Ecuador sich wohl hat davon täuschen lassen, dass lediglich die B- oder C-Auswahl auf dem Platz stehen wird. Nach Bekunden des Kommentators verzichtete Ecuador auf ein explizites Warmmachen und beschränkte die eigenen Aktivitäten auf eine Platzbegehung. Ein Umstand, der sich wenige Minuten später doch deutlich bemerkbar machte.

Die Abstände, in denen die deutsche Mannschaft agieren konnte waren dermaßen groß, dass sich der eine oder andere wohl die Augen gerieben haben dürfte. Dementsprechend anschaulich nahmen sich die ersten Kombinationen in jender ersten halben Stunde auch aus. Dazu kam die Unterstüzung eine vogelwilden Hintermannschaft samt Torwart, der trotz stylischem Base Cap nicht unbedingt das Gefühl von Durchblick zu vermitteln mochte.

Erst danach merkte der nominelle Gastgeber aus Ecuador, dass er drauf und dran war sich zu blamieren und schaltete den Stand-By-Modus wieder aus. Die Südamerikaner kamen in der Folge vor allem über den Kampf ins Spiel. Mit einer sehr ruppigen Gangart machten sie sich jedenfalls kaum Freunde. Dem Schiedsrichter schien dies jedoch alles herzlich egal und lief unglaublich viel laufen. Angesichts dieser Leistung des Referees sollte so manche Schelte hier in Deutschland wohl noch einmal überdacht werden.

Letztendlich bleibt die Erkenntnis, dass es auch in der zweiten Reihe hinreichend viele Spieler gibt und immer neue dazukommen, die sich für ein Nachrücken empfehlen, sollte jemals Not am Mann sein. Alleine diese Erkenntnis war das Spiel wert. Vor allem wenn man sich dabei noch einmal die rasante Entwicklung in den letzten Jahren vor Augen führt. Ob es im Stile eines Rests von Deutschland auch zum Titel reichen würde, wird man jedoch wohl nie erfahren. Doch nun zur Einzelkritik der gestrigen Akteure:

René Adler: Lange sah es für den Hamburger danach aus, als erlebe er die entspanntesten 90 Minuten seiner Karriere ausgerechnet im Nationaldress. Mit dem Ende der ersten Halbzeit änderte sich das und er hielt was er halten konnte. Bei den Gegentoren war er jedoch chancenlos. Note: 2

Benedikt Höwedes: Der Schalker war schon einige Male als Lückenbüßer im Einsatz. Dieses mal verschlug es ihn auf die rechte Abwehrseite, wo er vorne agierte er immer wieder nur verhalten. Das glich er aber mehrfach erfolgreich aus, indem Höwedes gegen den wohl auffälligsten Ecuadorianer Montero seinen Mann stand. Note: 3

Per Mertesacker: Der Kapitän machte eine durchschnittliche Partie und beschränkte sich auf das nötigste, um der Abwehr Konturen zu geben. seine Spielweise ist altbewährt und konstant, aber überrascht doch das eine oder andere Mal wieder. Dass aus dem Londoner kein feinfühliger Techniker wird, erwartet ohnehin keiner. Note: 3

Heiko Westermann: An der Seite von Mertesacker merkte man ihm an, dass er sich in Abwesenheit des Stammpersonals präsentieren wollte. Er zeigte eine stabilere Leistung als gewohnt und hatte nur selten das Nachsehen. Ob diese nüchterne Darstellung allerdings ein großes Empfehlungsschreiben war ist zweifelhaft. Note: 3

Marcel Jansen: Auf ihn wartete vom Namen her wohl die schwerste Aufgabe. Gegen Valencia löste er seine Defensivaufgaben jedoch meist gut. Vor dem 4-1 war er jedoch chancenlos, als er durch einen rüden Bodycheck vom Ball getrennt wurde. Normalerweise ein Foul, doch gestern war beinahe alles erlaubt. Note: 3

Roman Neustädter: Der schwächste Schalker im Bunde, der abseits der Startaufstellung erst wieder auffiel, als er ausgewechselt wurde. Er verbuchte zwar eine Torvorlage, aber man wünschte sich von ihm, dass er etwas mehr für die Verbindung der Mannschaft nach hinten getan hätte, aber das ist in der ungewohnten Situation wohl auch etwas zu viel verlangt. Note: 4

Lars Bender: Dem Leverkusener Bender dürfte die Partie vor allem durch seine zwei Tore in Erinnerung bleiben. Nach gut 3 Minuten sehenswert mit dem Außenrist und 20 Minuten später mit etwas Unterstützung durch den Keeper unterstrich er seine ansonsten solide Leistung mit zwei Ausrufezeichen. Am Ende verließ ihn ob der robusten Gegner und der Wärme etwas die Luft, aber das schmälert seinen Auftritt kaum. Note: 2

Sidney Sam: Er gab gestern sein Debüt in der Nationalmannschaft und ließ es eigentlich auch ganz gut angehen. Wirkte angesichts des Platzes, der ihm anfangs gelassen wurde, sehr quirlig und nutzte seine Sprintstärke gut aus. Gleich zu Beginn legte er seinem Teamkollegen Bender mit einem gut getimten Pass das Tor auf. Ein Einstand nach Maß. Note: 2

Julian Draxler: Der erfahrene Jungspund füllte die Rolle hinter den Spitzen mit einiger Übersicht jedoch auffällig unauffällig aus. So ganz ohne Fixpunkte um ihn herum war das auch keine leichte Aufgabe zumal die Partie schnell ruppiger wurde. Von einem Mann seiner Erfahrung hätte man sich letztendlich doch ein paar mehr Impulse gewünscht. Note: 3

Lukas Podolsko: Wenn der Spielverlauf auf jemanden zugeschnitten war, dann auf ihn. Er nam sein Herz in die Hand und war mit seinem Tor nach 9 Sekunden der Dosenöffner zu einem furiosen Beginn. Wenig später schob er sogar einen zweiten Treffer nach. Zeitweise unterstüzte Podolski, der einige Kilometer abspulte, Jansen gegen Valencia mit ungewohnter Arbeit nach hinten. Wenn jemandem dieses Spiel gut getan hat, dann dem Londoner Jung Podolski. Note: 2

Max Kruse: Der Freiburger feierte ein gelungenes Debüt. Er spielte in vorderste Front sehr variabel und legte Podoslki seinen zweiten Treffer auf. Insgesamt war er zunächst sehr präsent. Später viel er etwas vorne herunter, da die gesamte Mannschaft Probleme hatte, den Ball gut nach vorne zu bringen. So möchte man ihn aber gerne mal wieder sehen. Note: 2

Fazit: Das Spiel gegen Ecuador war von seiner merkwürdigen Dynamik geprägt. Nach einem furiosen Start nahm die DFB-Elf einiges an Tempo heraus, während der Kontrahent sich nicht vollkommen abschlachten lassen wollte. Die zweite Halbzeit zeigte hingegen eher, was normalerweise zu erwarten gewesen wäre. Nichtsdestotrotz ein zumindest launiger Auftritt, bei dem der eine oder andere Debütant oder seltene Teilnehmer sich präsentieren konnte.