Trainer-Philosophie 20. Mai 2013
Posted by Max in : Bundesliga , add a commentMit einem dramatischen Finish hat die Bundesliga ihre 50. Saison beendet. Plötzlich ist Fortuna Düsseldorf abgestiegen, Augsburg schafft nach katastrophaler Vorrunde noch den Komplett-Turnaround und Hoffenheim darf in der Relegation doch noch auf den Klassenerhalt hoffen. Der Abstiegskampf im Frühjahr 2013 war aber auch das Aufeinandertreffen verschiedener Philosophien rund um die Trainer, wer wie lange seinem Übungsleiter in einer enormen Drucksituation die Treue hält. Drei Vereine, drei Entscheidungen, drei Ergebnisse.
FC Augsburg
Es war schon ein großes Risiko der FCA-Verantwortlichen, nach dem Abgang von Jos Luhukay mit Markus Weinzierl einen Trainer zu verpflichten, der bis dato ausschließlich auf Erfahrung als Coach in der Dritten Liga verweisen konnte. Klar, Weinzierl war gerade mit Jahn Regensburg aufgestiegen, doch der Sprung in die höchste Spielklasse kam dann doch überraschend. Lange wirkte es in Augsburg so, als sei Weinzierl ein ähnliches Missverständnis, wie es ein Jahr zuvor der SC Freiburg mit Marcus Sorg erlebte: Kompetenter Trainer, aber zu unerfahren und ruhig für die Bundesliga. Doch die Augsburger gingen einen anderen Weg: Veränderungen in der Führungsebene wurden lediglich auf der Position des Sportdirektors vorgenommen – hier wurde nämlich nach Andreas Rettigs Wechsel zur DFL eine große Lücke gerissen. Wo andere Vereine nach der desaströsen Hinserie (9 Punkte, punktgleich Tabellenletzter mit Greuther Fürth) einen Trainerwechsel forciert hätten, verpflichtete der FC Augsburg lieber mit Stefan Reuter einen erfahrenen Sportdirektor. Das brachte Ruhe, Reuter stärkte Weinzierl den Rücken, es gab ein paar dezente aber wichtige Kaderkorrekturen. Mit dem Klassenerhalt am letzten Spieltag gab es in letzter Sekunde dann die volle Belohnung für die Treue zum Trainer. Wie bereits im Jahr zuvor hat sich Kontinuität durchgesetzt.
TSG Hoffenheim
Ganz anders die Hoffenheimer. Der Klub war nach dem Abgang von Mastermind Ralf Rangnick nicht zur Ruhe gekommen, weder Marco Pezzaiouli noch Holger Stanislawski noch Markus Babbel konnten alte Erfolge zurückkehren lassen. Vom ruhigen über den emotionalen bis zum mürrischen Typen hat die TSG alles ausprobiert. Anscheinend lag der Fehler aber eher in der Grundausrichtung der Mannschaft. Zu viele verschiedene Spielertypen, die nicht zusammenpassten. Die vorhandenen Transfermillionen konnten nicht gewinnbringend eingesetzt werden. Babbel wurde im Herbst schnell geschasst, hinterließ wie schon ein Jahr zuvor in Berlin den Eindruck, ein schwer umgänglicher Typ zu sein. Die folgenden Kurzzeit-Intermezzos von Frank Kramer und Marco Kurz waren kein Ruhmesblatt für Neu-Manager Andreas Müller, doch mit Markus Gisdol hat er kurz vor knapp doch noch einen Glücksgriff gelandet. Zurück in die Zukunft lautet jetzt wohl das Motto im Kraichgau, Gisdol setzte im Saisonendspurt kontinuierlich auf junge Spieler, hatte keine Hemmungen, selbst im Entscheidungsspiel vom Samstag gegen Dortmund Debütanten zu bringen. Dieser krasse Weg und Philosophiewandel in Hoffenheim hat zumindest kurzfristig Erfolg gebracht – man muss die Dinge sicher nach der Relegation erneut bewerten.
Fortuna Düsseldorf
Der Düsseldorfer Weg stellte sich im Saisonendspurt als der Falsche heraus: Nach 34 Spieltagen muss man wohl festhalten, dass ein neuer Impuls von der Trainerbank vielleicht der bessere Weg gewesen wäre. Stark waren die Rheinländer in die Saison gestartet, am Ende wurde die Spielzeit zum Desaster. Die sofortige Rückkehr in die 2. Bundesliga. Nur neun Punkte in der Rückrunde bedeuten exakt die gleiche Ausbeute wie Augsburg in den ersten 17 Spielen – doch die Hinserie der Fortuna war etwas schwächer als der Endspurt der Schwaben. Die Verantwortlichen in Düsseldorf standen im Verlauf der Saison vor schwierigen Entscheidungen. Sehr gut gestartet nach 15 Jahren Abstinenz im Oberhaus, später mit einigen Rückschlägen, wurde es erst in den letzten Wochen so richtig dramatisch. Obwohl selbst die Spieler immer wieder vor der Absturzgefahr warnten, hat das scheinbar komfortable Punktepolster wohl doch geblendet. Weiterhin fällt es sicher nicht so leicht, sich vom Erfolgstrainer der letzten fünf Jahre zu trennen. Schließlich war die Ehe Meier-Düsseldorf zuvor ausschließlich eine Erfolgsgeschichte, der etwas eigenwillige Coach führte den Verein aus der Dritten Liga bis in die Bundesliga. Am Ende schien er mit seinem Latein jedoch am Ende, es gab keinen frischen Wind mehr. So ehrbar das Festhalten an Meier war – in Düsseldorf vielleicht der falsche Weg. Aber wie soll man das richtig entscheiden? Es hätte auch enden können wie einst mit Daum in Frankfurt.
Turbulente Tage 27. April 2013
Posted by Max in : Bundesliga,Champions League , add a commentEs sind verrückte Tage für die Fussballrepublik Deutschland. Vom Steuersünder über den Götze-Transfer bis zu zwei souveränen Siegen im Halbfinale der Champions League war alles dabei. Und immer mittendrin: Der FC Bayern und Borussia Dortmund, die beiden beherrschenden Teams im deutschen Fussball der letzten Jahre. Eigentlich bin ich kein Freund von generalisierenden Rückblicken, aber da es hier zuletzt so lange ruhig war und ich zumindest einige Gedanken zu den verschiedenen Themen niederschreiben möchte, mache ich das heute trotzdem mal.
Beginnen wir zumindest kurz mit der Steueraffäre rund um Uli Hoeneß. Ich bin ja der Meinung, so etwas ist Privatsache der Leute. Hoeneß wird seine Strafe bekommen, er hat sich ja schließlich auch selbst angezeigt. Nun ist es natürlich so, dass Hoeneß kraft seines Amtes eine öffentliche Person ist, von daher musste er zwangsläufig damit rechnen, dass die Geschichte auch an die Öffentlichkeit kommt. Der Bayern-Präsident wusste ja in den letzten 30 Jahren auch selbst oft genug sich der Wirkung der Presse zu bedienen. Trotzdem finde ich dass, was jetzt rund um dieses Thema abgezogen wird, schlicht lächerlich: Zerredet in den zig Talkshows, wird die Hoeneß-Steueraffäre jetzt wohl sogar ein Wahlkampfthema? Wie krank sind denn die Politiker, die offenbar so einen Grund brauchen, um Themen zu finden? Und letztes Wort dazu: Wer jetzt den Rücktritt von Hoeneß mit Verweis auf seine Vorbildfunktion fordert, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Stigma der “Vorbildfunktion” hat der Profifussball schon seit vielen Jahren abgelegt.
Die Reaktion auf diese letztendlich trotzdem für den FC Bayern unappetitlichen Geschichte kam in der Nacht zum Montag: Plötzlich und unerwartet wurde der Wechsel von Mario Götze öffentlich. Ein völlig nachvollziehbares Manöver, besonders die Dortmunder Fans hatten schließlich in den Tagen zuvor riesigen Spaß daran, gegen Bayern und Hoeneß zu schießen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bayern den Wechsel frühestens nach den Rückspielen im Halbfinale bekanntgeben wollten, wenn nicht sogar erst in der Sommerpause. Doch sie mussten diesen “Trumpf” ziehen, um Hoeneß aus der Schusslinie zu nehmen. Hätte übrigens Dortmund und jeder andere Verein genauso gemacht. Und die Scheinheiligkeit vom BVB-Boss Watzke, der sich enttäuscht zeigte über die vorher nicht erfolgte Kontaktaufnahme seitens des FC Bayern, nervt auch extrem: Wie lief gleich noch mal der Wechsel von Reus zu Dortmund ab? Noch schlimmer aber ist die Behauptung, Bayern würde den anderen Vereinen die Spieler wegkaufen. Das ist das Geschäft. Dortmund würde auch einen Ribery oder Robben kaufen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Und: Wer zwingt Götze nach München zu gehen? Er ist ein freier Mann und hat diese Entscheidung sicher nicht ohne Grund getroffen.
Doch damit genug geschimpft. Kommen wir lieber zu angenehmen Dingen. Ungeachtet sämticher oben benannter Störfeuer in den Tagen zuvor brannten Bayern und Dortmund in den Halbfinal-Hinspielen ein Feuerwerk ab. Eine solche brutale Qualität im Halbfinale, insbesondere in den Hinspielen, habe ich zuvor noch nie erlebt. Auch wenn im Bayern-Spiel zwei bis drei Tore irregulär waren, das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf trotzdem völlig korrekt wieder. Barcelona hatte ebenso keine Chance, wie einen Tag später Real Madrid. Diese beiden Spiele haben neue Maßstäbe gesetzt, die “spanischen Verhältnisse”, von denen Uli Hoeneß noch unbelastet vor zwei Wochen – wenn auch im Bezug auf die Bundesliga – sprach, muss man für die Königsklasse verneinen: Die Spanier sind im Halbfinale untergegangen. Deutschland ist Trumpf.
Und das ist das schöne in diesen Tagen: Das Säbelrasseln zwischen den Vereinen, insbesondere der Funktionäre und den Medien, scheint die Teams kaum zu beeindrucken. Aber nur deshalb kann man das groteske Gebahren zwischen den Spielen einigermaßen ertragen. Wird dann doch bald Zeit für die Sommerpause.
Schwäbisches Mittelmaß 21. April 2013
Posted by Moritz in : Bundesliga , add a commentMan kann zu den Schwaben stehen wie man will, mit dem Verein wird in den letzten Jahren wohl nur absolutes Mittelmaß verbunden. Wer steht besser dafür als der Name des aktuellen Trainers. Doch Labbadia hin, Labbadia her – der Verein ist seit Jahren einer der regelmäßigsten Teilnehmer am internationalen Geschäft und das macht den VfB Stuttgart gewissermaßen zu einem Phänomen.
Mit dem heutigen schon zweiten Sieg über den SC Freiburg, stellt wieder eine Saison auf den Kopf. Wo seit Monaten eigentlich nur Verdruss auftürmte, stellt sich der Trainer nun hin und bezeichnet die Saison mit dem Nichtabstieg und der Qualifikation für die Europaliga als erfolgreich.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein paar erfolgreiche Wochen mögen zwar kurzfristig Zufriedenheit verbreiten, an den grundsätzlichen Problemen ändert sich dadurch aber herzlich wenig. Jung und wild ist längst Vergangenheit. Tristesse ist auf dem Rasen angesagt. Bis auf einige seltene Ausnahmen mit Symbolcharakter, in denen der VfB zu erleichtern weiß wie in Frankfurt, bleiben zu selten. Die Realität hieß zu oft Magerkost und Gegentore.
Gerade in den letzten Wochen wurde der hohe Einsatz der Mannschaft gelobt oder – je nach Ansicht – für den harten Einsatz kritisiert. Fakt ist, sie läuft und sprintet in der Bundesliga unerreicht weit und oft. Die Tatsache, dass dies explizit hervorgehoben wird, sagt schon viel über den sonstigen Zustand der Mannschaft aus. Denn was nützt all das Laufen, wenn die Tore wer anders macht und die Vorstellung eher öfter als selten mit einschläfernd als mitreißend bezeichnet wird. Hohe Niederlagen gegen Bremen und Düsseldorf prägen eine weitere Sicht auf dieses Problem.
Im Sommer soll hingegen laut Bobic wieder einmal eine Überraschung warten. Nach den bemerkenswerten Verschiebung der Aktivitäten zuletzt in den Winter, ist eine gewisse Portion Skepsis wohl angesagt. Im letzten Sommer wurde der Mannschaft der Vorsaison aus Gründen der Austerität noch vertraut, um letztlich festzustellen, dass die Möglichkeiten sich misszuverstehen trotz Eingespieltheit nahezu unbegrenzt sind. Zwischen den Jahren wurde jedoch die eigentliche Ergänzung verpflichtet. Zuerst Ibisevic und dieses Jahr Maxim brachten die Mannschaft stets einige Schritte voran. Für den ganz großen Wurf reichte es in jeweils einer halben Saison jedoch nicht.
Von Jugendspielern aus der eigenen Akademie hört man hingegen zwar viel, integriert werden sie aber trotz aller Sorgen nur zaghaft. Mit dem jungen Rüdiger gibt es zwar wieder ein Exempel, dass es doch geht. Auf breiterer Front ist davon aber nichts zu spüren. Wo bleiben ein Khedira oder ein Tino Werner, über die hin und wieder gefachsimpelt wird, letztlich aber nicht weiter in Erscheinung treten.
Was bleibt ansonsten noch von der Saison? Die allgemeine Stimmung im Umfeld ist seit Monaten mies. Verein und Fans sind alles andere als ein Herz und eine Seele. Erinnert sei nur an gähnende Leere im Stadion im Europapokal. Die schlechtere Heimbilanz ist wohl mehr als nur ein Symptom. So beschäftigt man sich am Ende doch wieder mehr mit sich selbst, als mit einer Perspektive. All das macht es für die Verantwortlichen nicht einfacher den Verein aus der Lethargie zu reißen und die Fans gleich mit.
Mit dem Pokalfinale hat sich der Verein zwar wieder einmal mit einem Erfolg – an einen Sieg in Berlin werden wohl nicht einmal Berufsoptimisten glauben – in die Sommerpause gerettet. Eine Initialzündung sieht jedoch anders aus. So wird wohl alles bleiben, wie es schon immer war – und das Phänomen Stuttgart lebt weiter.
Sympathie verspielt 3. März 2013
Posted by Max in : Bundesliga , 3 commentsDieser Beitrag brennt mir schon lange unter den Nägeln. Nach den Ereignissen der letzten Woche jedoch kann ich ihn nicht länger zurückhalten, die Luft muss einfach mal raus. Es gibt da einen Charakter in der Bundesliga, der es geschafft hat in den vergangenen Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren, jegliche Sympathie zu verspielen: Jürgen Klopp.
Rückblende ins Jahr 2006: Jürgen Klopp, wortgewandter Erfolgstrainer des FSV Mainz 05, erobert während der Weltmeisterschaft gerade durch spritzige Analysen im Trio mit Johannes B. Kerner und Urs Meier die Herzen der Zuschauer. Auch mir ist Klopp durch seine offene und ehrliche Art sympathisch, verbunden mit dem Aufstieg der nicht weniger sympathischen Nullfünfer aus Mainz exponiert sich diese Sympathie in den nächsten Jahren nur noch. Dass Klopp ein Klasse-Trainer ist, beweist er nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund 2008. Denn er schafft es auch hier, mit Erfolg zu punkten. Zweimal führt er den BVB bis letzten Sommer zur Meisterschaft, gewinnt zuletzt sogar das Double mit dem DFB-Pokal.
Doch irgendwann im letzten Jahr kam es zum Bruch. Klopp wirkt mittlerweile feinfühliger bei Niederlagen, kann Pleiten oder gar Kritik seiner Mannschaft nicht mehr so nonchalant weglächeln wie in früheren Tagen. Stattdessen an der Tagesordnung: Ein mies gelaunter, motzender Klopp, der bei leicht provokanten Nachfragen sofort aus der Haut fährt. Im Herbst 2012, als Dortmund in der Liga für einige Zeit nicht richtig in Schwung kommt, und der Abstand zum Hauptkonkurrenten FC Bayern immer größer wird, vergeht kaum eine Woche, an dem man nicht einen muffigen Jürgen Klopp bei Interviews erleben muss. Fast so, als sind die Journalisten Schuld an den fehlenden Ergebnissen. Klopp und die anderen Dortmunder Verantwortlichen werden zwar nicht müde zu erwähnen, dass man ja in der Champions League sehr erfolgreich sei und selbst Platz Zwei oder Drei in der Bundesliga ein großer Erfolg sei. Doch die regelmäßig gereizte Stimmung bei Interviews lässt auf andere Gefühle schließen.
Mittlerweile ist Klopp in meiner Sympathie-Skala irgendwo in der Region von Mario Ballotelli oder Marco Materazzi angekommen. Zum Verständnis: Auch ich rege mich gerne mal über Spieler, Schiedsrichter oder Journalisten auf. Ich toleriere dass bei anderen Trainern. Aber wenn es mittlerweile zur Gewohnheit wird, wie bei Klopp, ist das für mich nur noch schlechter Stil.
Einen neuen Höhepunkt erreichte Klopps fehlende Souveränität nach dem Pokalspiel in der letzten Woche. Die Anschuldigungen, der FC Bayern würde sich an der Spielweise Dortmunds orientieren und wie die Chinesen kopieren, sind schlicht absurd. Die Duelle gegen den FC Bayern waren für Klopp wohl bis zuletzt der letzte Rettungsanker für das Ego, der nun auch gefallen ist. Anders kann ich mir diese Schlechte-Verlierer-Mentalität nicht mehr erklären. Und das ist der Unterschied zwischen souveränen Trainern von Weltformat wie Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld zu dem gelb-schwarzen Burschen mit der Pöhler-Kappe aus dem Ruhrgebiet.
Übrigens wächst in Mainz schon der nächste Kandidat dieser Sorte heran. Emotionen rechtfertigt keine Beleidigungen und Beschimpfungen. Und damit endet dieser Beitrag zum Frustabbau auch schon.
Gebrochenes Idyll 25. Februar 2013
Posted by Max in : Bundesliga , 1 comment so farLange Jahre wurden sie “Die Unaufsteigbaren” genannt. Mit fast schon beängstigender Präzision fanden sich die verschiedenen Spielergenerationen der SpVgg Greuther Fürth am Ende jeder Zweitligaspielzeit immer knapp hinter den Aufstiegsplätzen ein, besonders gern wurde dabei Rang 5 eingenommen. Zehn Jahre versuchten es die Fürther immer wieder, nahmen einen neuen Anlauf Richtung Bundesliga. Während andere Vereine an dem Vorhaben auch scheiterten, dann aber wieder in der Versenkung verschwanden, zahlte sich das Durchhaltevermögen in Fürth aus: Im vergangenen Sommer glückte endlich der Aufstieg.
Mittlerweile ist nicht mehr so viel übrig geblieben von den “34 Festtagen”, welche die Spielvereinigung unabhängig vom Abschneiden im Oberhaus verleben wollte. Das Idyll am Ronhof ist gebrochen – und die Vision, einen ähnlich sympathischen Eindruck zu hinterlassen wie einst die Underdogs aus Unterhaching, kann man nach der Entlassung von Mike Büskens letzte Woche auch erst mal zu den Akten legen. Letztendlich ist Büskens den harten Gesetzen der Branche zum Opfer gefallen. Er bekam nicht mehr die Möglichkeit, mit seiner Mannschaft in die Erfolgsspur zurück zu finden, vielleicht sogar in der nächsten Saison einen neuen Anlauf in Richtung Bundesliga zu unternehmen.
Zu hart war Präsident Helmut Hack nun offenbar der Aufprall in der Bundesliga geworden: Weit abgeschlagen vom rettenden Ufer, selbst noch mit Respektabstand zum Relegationsplatz rangiert man auf dem letzten Tabellenplatz. Zwei Saisonsiege, insbesondere aber nur vier Remis im eigenen Stadion sind die Bilanz einer schwachen Spielzeit. Letztendlich bleibt nach 23 Runden der Eindruck: Dieses Team ist nicht bundesligatauglich. Mike Büskens ist es nicht mehr gelungen, die Wende zu schaffen. Das Ende der Büskens-Ära in Franken hinterlässt ein paar offene Fragen. Noch vor wenigen Wochen hatte Präsident Hack Büskens demonstrativ den Rücken gestärkt, beteuert, man wolle im Ernstfall auch mit ihm in die Zweite Liga gehen. Nun war die Begründung zu Büskens Beurlaubung, dass man einen “neuen Impuls” setzen wolle. Dabei galt doch gerade Büskens als akribischer Arbeiter, als guter Motivator und Freund der Spieler.
Die Suche nach den Gründen für das sich abzeichnende Scheitern der Greuther in ihrer ersten Bundesliga-Spielzeit sind vielschichtig. Hauptgrund ist aber meiner Meinung nach das Fehlen eines Bindeglieds zwischen Trainer und Präsidium. Im vergangenen Sommer hatte sich Rachid Azzouzi als Manager nach St. Pauli verabschiedet. Hack verzichtete auf einen Nachfolger, verantwortete gemeinsam mit Büskens die – so muss man nun konstatieren – weitgehend verfehlte Transferpolitik. Erst in der Winterpause korrigierte Hack seinen Fehler und ernannte Rouven Schröder zum sportlichen Leiter. Doch da war der Zug Richtung Klassenerhalt schon abgefahren, jetzt gilt es, Schadensbegrenzung zu betreiben.
Büskens muss sich vorwerfen lassen, dass er aus dem vorhandenen Spielermaterial mit sicher begrenzten Möglichkeiten auch nicht immer das Optimum herausholen konnte. Der Kader hat keine Bundesligaqualität. Aber mit 100% Leistung an allen Spieltagen würde man nun besser dastehen. Doch Leistungsträger wie Sercan Sararer bleiben hinter den Leistungen der Aufstiegssaison zurück, der Abgang von Oliver Occean nach Frankfurt konnte von der Offensive nie aufgefangen werden. Wobei fraglich ist, inwiefern Occean wirklich die Lage verbessern würde: Schließlich kann auch er in Frankfurt kein Bundesliga-Format abrufen.
Die Suche nach dem geeigneten Büskens-Nachfolger ist ein schweres Los für Novize Schröder. Mit Ludwig Preis, dem Logistik-Mitarbeiter aus der Präsidenten-Firma, der sich für seinen Bundesliga-Einsatz sogar Urlaub nehmen musste, kann es mangels Lizenz nicht weitergehen. Greuther Fürth will ja nun bekanntlich einen neuen Impuls setzen, muss mit Blick auf die Tabelle aber auch schon perspektivisch denken. Bedeutet, man braucht einen Mann, mit dem man selbst beim Scheitern der Mission Klassenerhalt in der Zweiten Liga neu starten will. Gehandelt werden Namen wie Ralph Hasenhüttl (Aalen) oder Frank Schmidt (Heidenheim), die aber kein Interesse haben. Dann sind da auch noch Christian Ziege, Lorenz-Günter Köstner und Lothar Matthäus, die durch die Medien geistern, aber angeblich (noch) nicht kontaktiert wurden. Einen vertragslosen Trainer möchte Hack übrigens nicht, wodurch etwa Heiko Herrlich ausfällt.
Und Büskens? Bei entsprechender Konstellation ist es denkbar, dass er ab Sommer in Gelsenkirchen beim FC Schalke 04 auf der Bank sitzt. Seine Familie lebt dort, Vertragsverlängerungen in Fürth hingen zuletzt auch an der Distanz in die Heimat. Horst Heldt wird sicher intensiv darüber nachdenken – zumal Büskens auch eine große königsblaue Identifikationsfigur ist.

