Bundesliga

Alles halb so schlimm?

Posted by Max on Dezember 02, 2014
Bundesliga / 1 Comment

Eigentlich sollte doch alles besser werden. Ausgliederung der Profi-Mannschaft, neue Führungskräfte. Einigermaßen sinnvolle Transfers im Sommer. Kurz nach dem Saisonstart dann noch der Trainerwechsel. Trotz all dieser Bemühungen wandelt der Hamburger SV auch im Dezember 2014 wieder am Abgrund. Vorletzter Platz, nur noch die in einer schweren Ergebniskrise steckenden Dortmunder stehen hinter den Rothosen. Wird der Bundesliga-Dino trotz des schwer wiegenden Umbruchs im Sommer also diesmal tatsächlich sein Alleinstellungsmerkmal der ewigen Erstklassigkeit einbüßen. Oder ist nach erst 13 Spieltagen dieser Saison eigentlich alles halb so schlimm?

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Einerseits lügt natürlich die Tabelle nicht: Platz 17, erst sieben Saisontreffer und nur drei Siege stehen in der Bilanz. Zu betrachten ist aber auch, dass der Abstand zu den Nichtabstiegsrängen nicht existiert (punktgleich mit Freiburg), Platz Zwölf nur einen Sieg entfernt ist und selbst die Distanz zur oberen Tabellenhälfte lediglich sechs Punkte beträgt. Viel wichtiger als diese Zahlenspielerei ist aber die Einschätzung über tatsächliche Veränderungen im Verein und insbesondere in der Mannschaft. Diese sind – zumindest in meiner subjektiven Einschätzung – durchaus im positiven Umfang vorhanden. Nach einer ganzen Reihe von gescheiterten Trainern, die bereits erfolgreiche Stationen hinter sich gebracht hatten und ihr eigenes Konzept, ihre eigene Spielidee einem völlig verunsicherten und qualitativ limitierten HSV-Kader aufdrücken wollten, sind unter Josef Zinnbauer durchaus Fortschritte zu erkennen.
Der Einfluss von Zinnbauer bei seinem Debüt als Profi-Trainer ist sicher noch nicht in der Geschwindigkeit erkennbar, wie sich Trainer, Funktionäre und Umfeld vorstellen. Doch realistischerweise muss man auch bedenken, wo der HSV herkam: In der Endphase von Fink, unter van Marwijk wie auch bei Slomka war keinerlei Struktur vorhanden. Das krampfhafte Bemühen um offensive Kreativität ging bei allen drei Trainern einher mit defensivem Chaos. Zinnbauer konzentrierte sich zunächst auf die Stabilisierung des Abwehrverbundes, hatte damit teilweise Erfolg (0:0 gegen Bayern), stößt damit aktuell aber auch an (Qualitäts-)Grenzen. Trotzdem wirkt das HSV-Spiel seit einigen Wochen deutlich stabiler und zumindest teilweise mit einem Plan ausgestattet. Das Gefühl für mich als Anhänger dieses Vereins selbst nach einer 1:3-Niederlage gegen Augsburg vom Samstag ist besser als bei vergleichbaren Ergebnissen unter Zinnbauers Vorgängern. Denn zumindest eine Halbzeit ging das Konzept gut auf, die Augsburger konnten ihr Spiel vor der Pause nicht entfalten. Eine zweite Halbzeit auf gleichem Niveau ist der Mannschaft dann aber nicht gelungen.

Trotzdem: Es fühlt sich einfach besser an. Von daher bin ich etwas verwundert, wie stark kicker-Reporter Sebastian Wolff – der als langjähriger HSV-Berichterstatter alle Tiefen der letzten Spielzeiten schon miterlebte – am Montag die aktuelle Entwicklung kritisierte. Frei nach dem Motto: Nichts wird besser. Vielleicht ist es bei mir auch nur Zweckoptimismus mit dem HSV?
In einer Sache hat Wolff aber recht: Die Saison wird maßgeblich von der weiteren Entwicklung zweier Faktoren abhängen. Zum einen muss das Team dringend offensiv gefährlicher werden. Sämtliche Angriffsgefahr wirkt immer noch eher zufällig, bessere Belege als die beiden Treffer gegen Bremen am vorletzten Spieltag gibt es dafür wohl kaum. Und auf der anderen Seite gilt es für den HSV dranzubleiben. Das Problem an dieser Spielzeit: In der unteren Tabellenhälfte gibt es eine große Anzahl von Klubs, die derzeit auf einem ähnlichen Niveau agieren. Abgehängte Teams wie in den Vorjahren Braunschweig oder Fürth, die einen Abstiegsplatz quasi fix blockierten oder fehlgestartete Europapokalteilnehmer sucht man diesmal vergeblich. Ich vertrete die Theorie, dass der HSV mit seiner aktuellen hauchzart ansteigenden Entwicklung in den Vorjahren besser platziert wäre. Von daher ist es wichtig, dass bei aller Stabilisierung auch in den nächsten Wochen die Punkte eingefahren werden, um zumindest den direkten Anschluss an die Konkurrenz zu halten. Denn reißt in dieser Saison der Kontakt ab, wird es in der aktuellen Konstellation fast unmöglich sein, zurückzukommen.

Zweifellos wird das Team des Hamburger SV auch in dieser Saison bis zum Ende im Abstiegskampf stecken. Bei allen positiven Ansätzen ist auch Josef Zinnbauer davon abhängig, ob die Ergebnisse weiterhin stimmen beziehungsweise besser werden. Doch nach dem ganzen Pessimismus der letzten Jahre kann ich wieder etwas Hoffnung schöpfen. Hoffentlich täuscht mich mein Gefühl nicht.

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Björn Kopplin

Posted by Max on Mai 21, 2014
Bundesliga / No Comments

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Björn Kopplin, geboren im Januar 1989 in Berlin, bei der U20-Weltmeisterschaft in Ägypten über die linke Abwehrseite Antreiber des Spiels der DFB-Auswahl war. Obwohl die Deutsche Mannschaft damals im Viertelfinale knapp in der Verlängerung an Brasilien scheiterte, blieb mir dieses Nachwuchsturnier wie kein vergleichbarer Wettbewerb vorher oder danach in Erinnerung. Insbesondere auch wegen dem blonden Jungen auf der linken Abwehrseite: Björn Kopplin.

Kopplin spielte damals in der Zweiten Mannschaft des FC Bayern. Nach dem Turnier urteilte ich:

Besonders Kopplin könnte in dieser Form schon bald ein ernsthafter Ergänzungsspieler werden, was in absehbarer Zeit auch das Außenverteidigerproblem der Bayern lösen könnte.

Letztendlich kam es anders: Die Lücke, als Philipp Lahm von der linken auf die rechte Abwehrseite verschoben wurde, wurde bei Bayern durch verschiedene Spieler geschlossen. Massimo Oddo, Edson Braafheid, Diego Contento, David Alaba. Nur ein Name taucht in dieser Liste nie auf: Björn Kopplin. Er brachte es nie auf ein Bundesligaspiel für den FC Bayern – mehr noch: Absolvierte noch keine einzige Partie in der höchsten Spielklasse. Wie kam es dazu? Natürlich waren im Nachgang mit einigen Jahren Abstand betrachtet meine Vorschusslorbeeren für Kopplin etwas überzogen, doch dass er ein guter Bundesligaspieler werden könnte, dessen war ich mir schon sicher.

Nach besagter U20-Weltmeisterschaft spielte Björn Kopplin noch ein Jahr im Unterbau des FC Bayern. Da war aber schon nicht mehr sein Mentor Hermann Gerland der Trainer, sondern Mehmet Scholl. 2010 schließlich ging Kopplin – übrigens auf Vermittlung von Gerland – zum VfL Bochum. Dort testete er nicht nur erfolgreich Currywürste, sondern spielte auch zwei anständige Saisons. In seiner ersten Spielzeit mit dem VfL ging es sogar bis in die Aufstiegsrelegation gegen Mönchengladbach. Doch Kopplin handelte sich im Hinspiel seine fünte Gelbe ein, fehlte dann im Rückspiel gesperrt. Bochum blieb (sicher nicht wegen Kopplin) zweitklassig, plänkelte im Jahr darauf im Mittelfeld vor sich hin. Aber Kopplin war Stammspieler, allerdings auf der Position des Rechtsverteidigers.

Björn Kopplin war nun etabliert, immerhin in der Zweiten Bundesliga. Und so klang es schon etwas romantisch, als im Sommer 2012 sein Wechsel zu Union Berlin erfolgte. Die Köpenicker waren bereits in den ersten neun Fußballerjahren Kopplins Heimat, eher er im Alter von 15 nach München wechselte. Der Start in seiner Geburtsstadt war aber sicher nicht optimal: Kopplin verpasste zunächst mit einer Schambeinentzündung, kurz darauf mit einem Nasenbeinbruch das komplette erste Halbjahr. Es folgten zwar noch elf Einsätze in der Rückrunde, doch in der Saison 2013/2014, die eigentlich dann seine hätte werden sollen, kam er nicht an Marc Pfertzel vorbei. Kurioserweise jener Spieler, den er einst in Bochum verdrängte. Sieben Partien stehen in seiner Statistik der abgelaufenen Spielzeit, fünf weitere Spiele in der Zweiten Mannschaft, die in der Regionalliga Nordost kickt. Und die Perspektiven sind nicht besser: Obwohl Marc Pfertzel die Eisernen im Sommer verlässt, hat Union mit dem Österreichischen Nationalspieler Christopher Trimmel bereits einen neuen Konkurrenten verpflichtet.

Die Gründe für den ausgebliebenen endgültigen Durchbruch von Björn Kopplin sind vielschichtig. Da waren zum einen die wohl zu hohen Erwartungen. Vielleicht aber auch seine Versetzung auf die rechte Abwehrseite – denn auf Links wäre die Konkurrenz, egal in welchem Verein, wohl heute nicht so groß. Seine Vorstöße von der linken Flanke waren beim Nachwuchsturnier 2009 eine echte Waffe, in seinen Vereinen trat Kopplin aber nicht als besonders offensiv in Erscheinung. Doch auch eine gewisse Unruhe und Schludrigkeit waren Gründe, weshalb die Karriere nicht den erhofften Verlauf nahm. In einem Beitrag der Berliner Zeitung vom letzten Dezember berichtet sein Jugendtrainer Hermann Gerland: “Er war sehr schnell und laufstark, hatte allerdings wenig Ruhe am Ball”. Dass er sich in der letzten Saison nicht durchsetzen konnte, lag wohl auch an einer mangelnden Einstellung in der Vorbereitung. Kopplin gibt zu: “Ich war vom Fitnesszustand nicht so weit, dass ich jedes Training gut absolvieren konnte”.

Bis 2015 läuft der Vertrag von Kopplin bei seinem Heimatklub noch. Die Perspektiven sind wie beschrieben durch die Verpflichtung eines prominenten Konkurrenten nicht besser geworden. Doch man kann Björn Kopplin nur wünschen, dass er den Kampf wenigstens annimmt und sich an den Rat seines Ex-Trainers Gerland hält: “Er soll ein bisschen Gas geben”.

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Komisches Ende

Posted by Max on Mai 11, 2014
Bundesliga / No Comments

Die Saison 2013/2014 ist abgesehen von den Relegationsausläufern vorbei. Damit hat nun auch eine seltsame Rückrunde ihr Ende gefunden. Seltsam, weil die Entwicklungen in fast allen Tabellenregionen kaum in ein Muster der letzten Jahre passten. Seltsam bedeutet nicht zwingend uninteressant, dennoch hinterlässt diese Rückrunde am Ende ein komische Gefühl, welches ich nicht richtig einordnen – und noch schwerer erklären kann.

Oben gab es die zeitigste Meisterschaft der Bundesliga-Meisterschaft. Bereits am 27. Spieltag, ausgepielt am 25. März, mit einem 3:1 im Berliner Olympiastadion, sicherte sich der FC Bayern die Deutsche Meisterschaft. Eine großartige Leistung der Mannschaft, die im Spannungsfeld zwischen Überschwang, Demut und Enttäuschung über die Chancenlosigkeit anderer Teams gleich global als auf Jahre unschlagbar eingeordnet wurde. Dazu beigetragen haben für mich insbesondere Ergebnisse wie das 1:6 zwischen Wolfsburg und Bayern Anfang März. Mit hohem Aufwand spielte dort der VfL über eine Stunde stark mit, führte sogar, und ging am Ende komplett unter. Angesichts solcher Erfahrungen schienen das scheue Wegkuschen vieler Konkurrenten und Verweigern jeder Offensive in Spielen gegen den Meister eine legitime Einstellung zu sein. Wer hätte gedacht, dass Guardiola den Bayern nach dem Triple letzte Saison noch so einen Qualitätssprung verpassen könnte? Doch so groß der Einfluss des Katalanen auf die frühe Meisterschaft gewesen sein mag, so viele Fehler leistete er sich in den Wochen danach. Das frühzeitige Abschreiben der Meisterschaft führte zu einem riesigen Spannungsabfall, plötzlich relativierten sich viele Bayern-Leistungen als eine besonders starke Phase. Niederlagen gegen Augsburg und Dortmund, letztendlich sogar das Ausscheiden in der Champions League. Was wäre gewesen wenn in den Monaten bis März nur mehr Gegner aufbegehrt hätten gegen die Bayern?

Mit gehöhrigem Respektabstand hatten sich zur Winterpause Leverkusen, Mönchengladbach und Dortmund hinter dem Tabellenführer auf den Rängen zur Champions League einquartiert. Letztendlich erlebten die Leverkusener ihren obligatorischen Rückrundeneinbruch, der schon so vielen Trainern den Arbeitsplatz im Rheinland gekostet hat. Während Mönchengladbach eine Rückrunde im besseren Rahmen seiner Möglichkeiten spielte, fanden die Dortmunder zurück zu alter Stärke und nährten die Hoffnung, doch langfristig wieder ein ernsthafter Konkurrent für die Bayern zu sein. Das 3:0 in München war schon ein Ausrufezeichen, das Pokalfinale steht noch aus und scheint heute offener als gedacht.

Eine wesentliche Erkenntnis, die bei mir in dieser Rückrunde aber intensiv gereift ist: Die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga haben sich nachhaltig verschoben. Die Zustände, wie ich sie seit 1998 kannte, gibt es so nicht mehr: Stuttgart, Bremen oder Hamburg spielen nun bereits seit einigen Jahren auf dem absteigenden Ast. Es scheint schwer vorstellbar, dass hier schon zur neuen Spielzeit eine deutliche Besserung einsetzt. Zu tiefgreifend waren die Einschnitte in diesen Klubs, auch aufgrund von Fehlern in der Vergangenheit. Es wird für diese Vereine ein langer Weg zurück zu alten Hohenflügen, kurzfristig dürfte das eher ein Ausreißer werden. Dazu tragen auch die neuen, starken Kräfte im oberen Mittelfeld bei: Mönchengladbach ist mittlerweile ein dauerhafter Anwärter auf Europa, Mainz, Augsburg oder Hoffenheim in der Bundesliga etabliert. Freiburg oder Frankfurt hatten zwar lange Zeit große Probleme, konnten sich aber nach dem Abwerfen der Belastung Europa League letztendlich relativ deutlich im Mittelfeld sichern.

Die aber wohl eigenartigste Erscheinung dieser Rückrunde war der Abstiegskampf. Oder das, was man landläufig so nennt. Denn ein wirklicher Kampf war es nicht wirklich. Während Stuttgart, Freiburg, Frankfurt und Hannover zwar zwischenzeitlich schlechte Phasen hatten, gab es diesmal drei Mannschaften, denen über die ganze Saison die Qualität fehlte, um den Ligaerhalt zu sichern. Das gipfelte dann darin, dass der HSV, Nürnberg und Braunschweig alle fünf Partien am Saisonende verloren.

Quelle: Härringer Spottschau vom 10.05.2014

Während der Braunschweiger Löwe ebenso kurz vor dem Ziel krepierte wie das Nürnberger Schneckenrennen ein jähes Ende fand, gibt es für den HSV noch Hoffnung. Als Fan und Mitglied bei den Hamburgern nimmt man den letzten Strohhalm Relegation natürlich gerne mit – auch wenn der Abstieg, wenn man ehrlich ist, die logische Konsequenz aller Fehlentwicklungen und fragwürdigen Entscheidungen seit der Labbadia-Verpflichtung 2009 gewesen wäre. Es macht schon Angst, wenn man sich trotz fünf Niederlagen am Saisonende keinen Platz verloren hat und sich an ein paar gute Momente in den Spielen gegen Bayern und Mainz klammert. Dieser merkwürdige Abstiegskampf im Frühjahr 2014 gibt wohl den letzten Ausschlag für das komische Gefühl, welches diese Saison – insbesondere die Rückrunde – hinterlässt.

Symbolpolitik

Posted by Max on April 26, 2014
Bundesliga, Nordostfussball / No Comments

Vor wenigen Minuten gewann RasenBallsport Leipzig mit 1:0 in Rostock. Damit rückte die ostdeutsche Abordnung des Brausekonzerns aus Österreich ein großes Stück näher Richtung Aufstieg. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende gegen den 1. FC Saarbrücken im eigenen Stadion kann der direkte Durchmarsch finalisiert werden. Ab durch die Dritte – so hatte es die RB-Marketingabteilung bereits vor der Saison, sehr zum Unmut von Trainer Alexander Zorniger, formuliert. Nun scheint der kühne, aber schon im letzten Sommer nicht völlig unrealistische Wunsch Realität zu werden. Die neue Saison wirft ihre Schatten schon voraus. In der vergangenen Woche hatte RB Leipzig unter Auflagen die Lizenz für die Zweite Bundesliga erhalten. Seitdem wird fleißig diskutiert.

Ein interessanter Randaspekt dieses Spieltages war, dass Andreas Rettig, DFL-Geschäftsführer und damit irgendwie auch oberster Gralshüter der Lizenzen, die Partie von RB Leipzig in Rostock im Stadion verfolgte. Rettig, der DFL-Mann, also bei einer Partie der Dritten Liga – bekanntlich einem DFB-Wettbewerb. Nun ist es ihm nicht verboten, privat solche Spiele zu verfolgen. Doch der Zeitpunkt ist schon interessant. Schließlich hatte es Rettig in dieser Saison perfektioniert, in diversen Interviews immer wieder kleine Spitzen gegen die Leipziger fallen zu lassen. Es war nie ein Frontalangriff, da ist Rettig Diplomat genug. Doch seine klare Haltung und Abneigung zum Geschäftsmodell RB Leipzig ließ er immer wieder durchblicken, erwähnte mehrfach, dass er eine Lizenzerteilung in der aktuellen Konstellation sehr kritisch sieht. Der Weser-Kurier vermutete schon vor einigen Wochen, dass hier wohl die “feine Hinterzimmer-Diplomatie” zwischen Verein und Ligaverband einen Kompromiss aushandelt, der am Ende eine Lizenz mit Auflagen für RB Leipzig vorsieht. So kam es dann auch. Richtigerweise vermutete das Blatt auch, dass die “juristisch Hintergründe reichlich schwammig wirken”. Letztendlich sind es drei Auflagen für RB Leipzig geworden:

Auflage 1: Ein neues Logo muss her
Klar, Regeln sind Regeln. Aber von den drei Auflagen kann man diese wohl mit größter Wahrscheinlichkeit als Symbolpolitik der DFL abstempeln. Natürlich ähnelt das aktuelle Vereinswappen sehr stark dem Firmenlogo von Red Bull. Das ist weder schwer erklärbar noch eine große Überraschung. Doch was genau würde sich mit einem anderen Logo ändern? Würde damit die intime Verbindung zwischen dem Verein RasenBallsport e.V. und dem Konzern Red Bull weniger greifbar werden? Stadionname, Banden- und Trikotwerbung, Rahmenprogramm, das blanke Wissen um die Hintergründe dieses Vereins – nichts würde sich ändern. RB Leipzig und Red Bull bleiben untrennbar miteinander verbunden. Die Änderung des Vereinslogos wäre hier nur ein ganz kleiner Tropfen auf den (zu) heißen Stein. Erinnert sei an die Anfangsphase des Vereins: Damals spielte man in der Hoheit des Sächsischen Fußballverbandes, dieser lehnte das Logo ebenfalls schon ab – was zur Folge hatte, dass der Verein einfach ohne Logo auftrat. Nach dem Aufstieg in die Vierte Liga genehmigte der DFB das Wappen – jetzt geht der Spaß wieder von Neuem los. So albern diese Auflage auch scheint, in einigen Fankreisen wird diese doch auf Zustimmung stoßen. Etwa bei den Rasenballisten (“Für RasenBallsport, gegen Red Bull”), die in der Vergangenheit schon mehrfach die zu starke Assoziierung des Logos mit dem Geldgeber kritisierten.

Auflage 2: Neubesetzung der Führungsgremien
Diese Auflage ist weit weniger banal und durchaus diskussionswürdig. Im Kern geht es der DFL um die Frage, ob im Verein die oft benannte “50+1 Regel” ausgehebelt wird. Allerdings gilt diese Regelung nur für Kapitalgesellschaften, die aus Vereinen hervorgegangen sind und wo die Mehrheiten weiterhin beim Stammverein liegen. Dagegen argumentiert RB Leipzig, dass man ein Verein im klassischen Sinne sei und kein Interesse habe, den Profifußball in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Soweit die vermeintlich klare rechtliche Grundlage, nichtsdestotrotz sind natürlich sämtliche Entscheidungsposten von Abgesandten aus Österreich besetzt. Aber eben in einer klassischen Vereinsstruktur.

Auflage 3: Vereinfachte Mitgliedschaft
Die Zahlen wurden zuletzt mehrfach durch die Presse getrieben: 800 Euro Mitgliedschaftsgebühr pro Jahr, dazu kommen 100 Euro einmalige Aufnahmegebühr. Außerdem könne der Vorstand jeden Mitgliedsantrag ohne Angabe von Gründen ablehnen. Das alles soll dazu geführt haben, dass RB Leipzig wohl nur eine einstellige Anzahl von Mitgliedern hat. Interessant aber, dass RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter vergangenes Jahr mal von über 250 Mitgliedern sprach. Die Argumentation, man wolle sich Zuständen mit Ultra-Gruppierungen wie in anderen Vereinen entziehen ist natürlich hanebüchen. Der wahre Grund, einen möglichst reibungsfreien Einfluss des Geldgebers zu gewährleisten, liegt klar auf der Hand. Ich bin nun kein Kenner des deutschen Vereinsrechts, aber bei RB Leipzig ist man sich sehr sicher, alle Ansprüche des Gesetzgebers zu erfüllen. Von daher ist es nur logisch, dass man alle Winkel der Gesetze ausschöpft um den von Red Bull verfolgten Zweck zu gewährleisten. Sollte es tatsächlich zu einem Rechtsstreit um die RB-Lizenz kommen, wäre ich auf diesen Punkt besonders gespannt: Was gibt das Vereinsrecht her? Kann die DFL bestimmen, wie ein Fußballverein organisiert sein muss oder ist das schon Anmaßung?

Wenn die Diplomaten aus Verband und Verein schon diesen Auflagen-Kompromiss erarbeitet haben, wird es wohl auch in letzter Instanz bei der endgültigen Vergabe Ende Mai eine Einigung geben. Spannend fände ich eine gerichtliche Auseinandersetzung aber in jedem Fall – weil es wohl wahrscheinlich ist, dass die Auflagen der DFL kaum rechtlich Bestand hätten. Die Frage ist, ob RB Leipzig diesen Weg tatsächlich einschlagen will, denn so etwas kann sich bekanntlich lange hinziehen und zu einem unsicheren Schwebezustand in der Sommerpause führen – nicht nur bei den Leipzigern, sondern auch bei einem potentiellen Nachrückerverein. Den Streit um das Vereinslogo kann man sicher einfach aus der Welt räumen. Eine kreative Idee der Marketing-Abteilung von Red Bull wird da schon eine brauchbare, nicht anfechtbare Alternative hervorbringen. Bei den anderen beiden Punkten bin ich aber gespannt auf die Kompromissbereitschaft des Vereins.

Ärgerlich in diesem Zusammenhang aus Leipziger Sicht ist aber auch die fehlende Einigkeit zwischen DFB und DFL. Gerade in so elementaren Fragen müsste doch zwischen den beiden Verbänden Einigkeit herrschen. Der DFB winkt RB Leipzig samt Vereinsstruktur und Logo in seinen Ligen durch, die DFL stresst mit Hardliner Rettig an der Spitze. Von daher wäre ein gerichtlicher Präzedenzfall sehr interessant – er könnte einige Dinge im deutschen Fußball auf den Kopf stellen.

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Wahrnehmungsverzerrung

Posted by Max on April 09, 2014
Bundesliga / No Comments

Ihr wollt vier Tage nach der ersten Saisonniederlage des FC Bayern noch einen weiteren Beitrag zur Wettbewerbsverzerrung? Bitte schön, hier kommt er.

Viel schlimmer als die Totalrotation von Pep Guardiola finde ich dieser Tage die künstliche Aufregung darüber. Ich habe mich sofort an eine Geschichte erinnert gefühlt, über die ich vor mehr als drei Jahren geschrieben habe. Damals wurde in England der Blackpool FC bestraft, weil er angeblich nur eine B-Mannschaft auf das Feld brachte. Dieser Bestrafung zugrunde liegt eine absolut schwachsinnige Regel, die ausschließlich subjektiv auslegbar ist. So weit ist die Bundesliga glücklicherweise nicht, doch die öffentliche Empörung über drei Amateure in der Startaufstellung war so groß, dass mir noch heute der Schädel brummt.

Der Trainer bestimmt die Aufstellung. Soweit der unerschütterliche Standard im Fußball bei nahezu allen zivilisierten Vereinen (von durchgeknallten Mäzenen wie in der Schweiz mal abgesehen). Wer, wenn nicht der FC Bayern hat sich in dieser überragenden Saison das Recht erarbeitet, auch mal einen Großteil der Stammspieler zu schonen? Ist eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen Nürnberg, Freiburg oder Hoffenheim zu kritisieren, die seit Jahren regelmäßig Amateurspieler (wenn auch aus ganz anderen Motiven) in die Startformation schmeißen?

Die ganze Aufregung geht mir mächtig gegen Strich. Weil die Bayern-Kritiker keinen Deut authentisch sind – dieselben Leute haben vor Wochen noch über die fehlende Ausgeglichenheit der Liga gejammert, als Bayern mit voller Kapelle spielte. Es ist ja keineswegs so, dass die stark veränderte Bayern-Formation mit dem Ziel ins Spiel ging, eine Niederlage einzustecken. Das wäre natürlich Wettbewerbsverzerrung. Wer hat dafür auch nur einen stichhaltigen Nachweis? So bleibt nur eine starke Wahrnehmungsverzerrung.

Dann gibt es noch das Argument, dass die Fans ja viel Geld für eine Eintrittskarte sehen und sie somit betrogen würden. Doch man bezahlt ja schließlich dafür eine Mannschaft vom Verein XY zu sehen – und nicht um Spieler Müller oder Lahm zu sehen. Oder? Ob sie in Augsburg wirklich gern gegen das volle Bayernensemble verloren hätten, nur um für viel Geld alle Stars zu sehen? Oder nimmt man nicht doch lieber einen 1:0-Sieg mit in die Puppenkiste?

Ach, würde sich doch jeder Horst nur auf seine Arbeit konzentrieren. Man müsste sich nicht so oft aufregen. Danke fürs Zuhören!

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