Bundesliga

Das Talent der Inkonstanz

Posted by Max on Januar 24, 2015
Bundesliga, Fussball International / No Comments

Plötzlich war er wieder da. Gleich im zweiten Spiel für den FC Southampton trifft Eljero Elia, in der Bundesliga bestens bekannt aus insgesamt vier Spielzeiten beim Hamburger SV und bei Werder Bremen, doppelt. Totgesagte leben länger? Obacht! Schließlich eilt Elia ein balotelli’scher Ruf voraus, zwar hochveranlagt, aber zu schlampig für einen Spitzenprofi und insbesondere auch wenig diszipliniert. Inkonstant. Zwei Tore für den neuen Verein, da kam bei mir gleich das typische Elia-Gefühl auf: Starker Start, und dann? Der Name Eljero Elia ist bei mir negativ konnotiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er in der Labbadia-Saison 2009/2010 zum HSV kam, jener Spielzeit, als für mich der Absturz in das bis heute andauernde Dilemma begonnen hat. Elia trägt daran sicher keine Hauptschuld, aber er war damals zwei Jahre Teil einer überforderten Mannschaft.

Eljero Elia war einer dieser jungen Spieler, denen eine große Karriere vorhergesagt wurde. Einer dieser jungen Spieler, die dann weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, die mit komplizierten Situationen überfordert sind. Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Karrierestationen des Niederländers:

  • 07/2007 – 07/2009: Twente Enschede (Wechsel für 200.000 Euro)
    Nach dem Wechsel von ADO Den Haag nach Enschede wurde Elia sofort Stammspieler, erzielte in seiner ersten Saison nur zwei Treffer, der erste am 19. Spieltag. Der endgültige Durchbruch gelang in der zweiten Spielzeit: Neun Tore erzielte Elia und geriet in den Fokus des HSV. Schon hier deutet sich ein später typisches Phänomen an, denn von den neun Treffern fielen vier bereits an den ersten sechs Spieltagen, während sich die weiteren Tore über den restlichen Saisonverlauf verteilten.
  • 07/2009 – 08/2011: Hamburger SV (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Mit viel Vorschuss wurde Elia unter dem neuen HSV-Trainer Labbadia schnell zum Leistungsträger. Mit fünf Toren in der Vorrunde war er am guten Saisonstart maßgeblich beteiligt. Später fiel seine Leistung dann proportional zu denen des gesamten Teams ab, die Rückrunde verpasste er weitgehend durch eine Knöchelverletzung. In seiner zweiten Saison an der Elbe waren es dann nur noch zwei Treffer, bei Armin Veh fiel er regelmäßig durch eine negative Körpersprache auf (vergleiche Özil, Mesut). Ende August 2011 folgte – schon unter seinem vierten Trainer in Hamburg – der Wechsel nach Turin.
  • 08/2011 – 07/2012: Juventus Turin (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Der Deal war gut. Quasi ohne Verlust gab der HSV Elia nach Turin ab. Die Geschichte dort ist schnell erzählt: Obwohl nicht verletzt, kam Elia nur auf vier Ligaeinsätze, pendelte ansonsten zwischen Ersatzbank und Tribüne.
  • 07/2012 – 01/2015: Werder Bremen (Wechsel für 5,5 Mio. Euro)
    Der Transfer von Elia nach Bremen sollte für den Niederländer einen Neustart markieren. Zugleich war es einer der letzten Fehleinkäufe der Ära Allofs/Schaaf an der Weser. Elia war auch an der Weser zu Beginn Stammspieler, die Rückrunde verbrachte er dann häufiger auf der Bank, am Saisonende wurde er mit dem gleichsam undisziplinierten Marko Arnautovic wegen einer Autobahnraserei suspendiert. Null Tore in seiner ersten Werder-Saison. Der Start in das Spieljahr 2013/2014 war besser, vier Tore unter dem neuen Trainer Robin Dutt in der Hinrunde. Elia blieb Stammspieler bis zum Saisonende, war aber wie die gesamte Mannschaft inkonstant. Nach der Entlassung von Dutt im vergangenen Herbst hatte Elia endgültig keinen sportlichen Wert mehr für die Mannschaft, Victor Skripnik brauchte ihn nicht mehr im Kader.

Wie sein früherer Bremer Leidensgenosse Marko Arnautovic ist Eljero Elia nun also in der Premier League gelandet. Und hat mal wieder einen guten Beginn beim neuen Verein hingelegt. Trainer in Southampton ist sein Landsmann Ronald Koeman, vielleicht braucht er ja diesen heimischen Einfluss, um endlich konstanter zu werden. Southampton ist ein Neustart für Elia. Mal wieder.

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Winterpausen-Statistik: 2. Bundesliga

Posted by Max on Januar 16, 2015
Bundesliga / 1 Comment

Noch zwei Wochenenden ist Winterpause, dann startet die Bundesliga wieder. Eine Woche danach beginnen auch die Teams der 2. Bundesliga wieder. Wie bei meinem Beitrag zur RB-Statistik versprochen, möchte ich heute noch einige Statistiken aus meinen Aufzeichnungen der Vorrunde liefern. Alle Daten wurden in den letzten Monaten mit größter Gewissenhaftigkeit erzeugt, trotzdem kann es passieren, dass sich bei 171 Ligaspielen und allen dazugehörigen Fakten in wenigen Details Fehler eingeschlichen haben. Sollte dies der Fall sein, bitte ich um einen kurzen Hinweis.

Teams

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf den Verlauf jeder einzelnen Mannschaft eingehen, sondern in zwei Grafiken aus meiner Sicht besonders interessante Entwicklungen verdeutlichen. Die erste Grafik zeigt den Punkteverlauf des FC Ingolstadt (Platz 1), von Eintracht Braunschweig (Platz 4) sowie dem VfL Bochum (Platz 11).

150111_fieberkurve_ebs_ing_bocIch bevorzuge zur Analyse von Saisonverläufen an dieser Stelle eine Darstellung der erreichten Punkte anstatt dem sonst oft verwendeten Verlauf von Platzierungen, da die Entwicklung der Punkteabstände ein genaueres Bild der erzielten Ergebnisse zeichnen und sich aus dem Anstieg der Kurven auch auf die Form der Mannschaft schließen lässt. Referenzmarke für die Darstellungen ist natürlich der Ligaprimus FC Ingolstadt. Mit sieben Punkten Vorsprung liegen die Oberbayern einigermaßen souverän vor der punktgleichen Konkurrenz auf den Plätzen zwei bis vier. Eben diesen vierten Platz nimmt Eintracht Braunschweig ein. Der Bundesligaabsteiger kam schlecht in die Saison, erzielte bis zum zehnten Spieltag nur elf Punkte, was den elften Platz bedeutete. Doch in den restlichen neun Partien bis zur Winterpause holte das Team von Torsten Lieberknecht 22 Punkte, entwickelte sich einige Zeit parallel zum FC Ingolstadt, einige Zeit verzeichnete die Kurve sogar einen steileren Anstieg als die des Tabellenführers. Einen völlig anderen Verlauf nahm die Saison des VfL Bochum: Sehr gut aus den Startlöchern gekommen, lag man bis zum siebten Spieltag noch fast gleichauf mit Ingolstadt, doch danach kam der bekannte Einbruch, der Punkteanstieg fiel bis zur Winterpause deutlich niedriger aus und führte zuletzt auch mit zur Entlassung von Peter Neururer, auch wenn hier offiziell freilich andere Gründe genannt wurden.

Die zweite Grafik beschäftigt sich mit drei Teams aus der unteren Tabellenhälfte in Referenz zum jeweiligen Tabellenführer.

150111_fieberkurve_fue_fcsp_1860_ingDa wäre zum einen die SpVgg Greuther Fürth. Bis zum zweiten Spieltag nur waren die Franken punktgleich mit der Tabellenführung, doch danach wurde der Abstand kontinuierlich größer. Mittlerweile beträgt die Differenz nach ganz vorne 17 Punkte, was letztendlich einen enttäuschenden zwölften Tabellenrang bedeutet. Der erhoffte Aufstieg dürfte bei der harten Konkurrenz in der oberen Tabellenhälfte wohl nur mit einer langen braunschweig-esken Serie noch möglich sein, ansonsten muss der Blick nach den Leistungen der letzten Wochen eher nach unten gehen. Dahin, wo sich mit 1860 München (Platz 15 mit 17 Punkten) und dem FC St. Pauli (16 Punkte, vorletzter Platz) zwei Mannschaften befinden, die auch höhere Ziele angepeilt hatten. Vor der Saison hatte der damalige 1860-Coach Ricardo Moniz ja sogar von der Meisterschaft gesprochen. Stattdessen ist der Saisonverlauf der beiden ehemaligen Bundesligisten bezüglich ihrem Punktekonto fast parallel und weit unter den Erwartungen. Beide Teams haben einige längere Phasen ohne jeden Punkteanstieg – also Niederlagenserien – zu  verzeichnen.

Apropos Serien, folgende Serien sind aus den ersten 19 Saisonspielen besonders erwähnenswert:

  • Spiele ohne Niederlage
    • FC Ingolstadt (13 Spiele, 1. – 13. Spieltag, 27 Punkte)
    • Fortuna Düsseldorf (11 Spiele, 4. – 14. Spieltag, 23 Punkte)
    • SV Darmstadt 98 (10 Spiele, 10. – 19. Spieltag, 18 Punkte)
  • Spiele ohne Sieg
    • FC St. Pauli (9 Spiele, 10. – 18. Spieltag, 2 Punkte)
    • FC Erzgebirge Aue (9 Spiele, 11. – 19. Spieltag, 4 Punkte)
  • Längste Siegesserie: Eintracht Braunschweig (5 Spiele, 11. – 15. Spieltag)
  • Längste Niederlagenserie: FC Erzgebirge Aue (5 Spiele, 1. – 5. Spieltag)

Tore und Ergebnisse

428 Treffer sind in bisher 171 Spielen gefallen. Das ergibt einen Durchschnitt von 2,50 Toren pro Partie, wobei der Trend seit Saisonbeginn eindeutig abfallend ist, wie nachfolgende Grafik verdeutlicht.

150111_torbilanzDer Tiefpunkt wurde dabei am 15. Spieltag erreicht, wo die 18 Mannschaften lediglich 15 Tore erzielten. Blickt man auf die Entwicklung der letzten Jahre, bestätigt sich damit ein abnehmender Trend: von 2,79 Toren pro Spiel in der Saison 2011/2012 entwickelte sich dieser Wert kontinuierlich abwärts – von 2,58 über 2,56 zu nun eben 2,50. Sollte es bis zum Saisonende dabei bleiben, wäre es der niedrigste Wert seit der Spielzeit 1993/1994 mit 2,49 Toren pro Spiel (Link zur Gesamtstatistik der 2. Bundesliga).

Von den 428 Toren entfielen 238 auf die Heimteams, also knapp 56 %. Einmal mehr ein Beleg dafür, dass der Heimvorteil in der heutigen Zeit nicht mehr die siegstiftende Bedeutung früherer Spielzeiten hat. Unter allen bisher erzielten Treffern gab es elf Eigentore (ca. 3 %) und bemerkenswerte 39 Joker-Tore (ca. 9 %).

Eben schon angeschnitten, kommen wir jetzt zur Ergebnisverteilung. Zwar endet der größte Anteil aller Partien mit einem Sieg der Heimmannschaft (72 Heimsiege, 42 % aller Partien), doch bei 55 Unentschieden (32 %) und 44 Auswärtssiegen (26 %) verbleiben im Schnitt nur 1,58 Punkte pro Spiel bei der Heimmannschaft. Anders gesagt: Die Heimteams holen nur etwas mehr als die Hälfte aller Punkte, was für ein insgesamt sehr ausgewogenes Verhältnis spricht. In den letzten Wochen der Hinrunde war der Trend hier sogar eher abfallend.

150111_ergebnisverteilung

Werfen wir einen Blick auf die Ergebnishäufigkeiten der bisherigen Saison: Das häufigste Ergebnis ist – nach den vorherigen Erkenntnissen wenig überraschend – ohne Berücksichtigung des Heimrechts ein Sieg mit nur einem Tor. Sowohl bei den Heim- als auch bei den Auswärtssiegen führt dieses knappe Resultat die Rangliste eindeutig an. Bei der genannten hohen Anzahl an Remis überrascht auch nicht, dass ein 1:1 das zweithäufigste Resultat ist. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass einigermaßen klare Siege der Marke 3:0 oder 2:0 mit jeweils achtzehn Spielen noch vor dem torlosen 0:0 liegen.

Spieler

Zunächst möchte ich auf die Gesamtstatistik aller Spieler verweisen. In dieser Liste sind alle Spieler – sortiert nach Einsatzminuten – aufgelistet, die in den ersten 19 Spieltagen dieser Saison mindestens einmal im Kader eines Teams standen. Für diese Kategorie könnte man viele Details herausfiltern, ich möchte an dieser Stelle auf die für mich interessantesten Fakten eingehen:

  • 13 Spieler absolvierten alle möglichen 1.710 regulären Saisonminuten bisher. Bemerkenswert ist, dass der Ingolstädter Danilo auf diese Zahl kommt, obwohl er dreimal ausgewechselt wurde – allerdings jeweils erst in der Nachspielzeit. Nur sechs der Dauerbrenner sind Torhüter.
  • Drei Spieler absolvierten nur eine einzige Spielminute. Der Lauterer Tim Heubach kam zwar auf drei Partien, wurde aber jeweils in der zweiten Nachspielminute eingewechselt. Jeweils nach einer Minute war sein Mitwirken bereits mit dem Abpfiff wieder beendet.
  • Rekordeinwechsler in der bisherigen Spielzeit ist Philipp Hofmann vom 1. FC Kaiserslautern. Bei 16 Einsätzen brachte er es auf 13 Einwechslungen, zweimal durfte er durchspielen, einmal wurde er ausgewechselt. Im Schnitt absolvierte er pro Partie nur 36 Spielminuten.
  • Bemerkenswerte Low-Runner unter den häufigen Einwechselspielern (mindestens neun Einwechslungen) sind aber andere Akteure: Ronny König vom SV Darmstadt kam in neun Spielen auf nur 69 Minuten (7,7 Minuten pro Spiel). Dicht gefolgt wird er von Karl-Heinz Lappe (FC Ingolstadt), der bei zwölf Einwechslungen nur 102 Minuten auf dem Feld stand. Das sind schlanke 8,5 Minuten pro Partie.
  • Vier Spieler traten mehr als einmal zum Elfmeter an. Marc Schnatterer, Vicenzo Grifo und Nejmedding Daghfous trafen bei einem von zwei Versuchen. Beim Aalener Leandro war nur einer von drei Versuchen im Tor.
  • Zehn Elfmeter wurden bisher durch die Torhüter gehalten. Einziger Keeper mit drei Paraden ist Manuel Riemann vom SV Sandhausen, alle anderen Torhüter hielten jeweils einen Strafstoß. Beachtenswert: Von den Torhütern mit abgewehrten Elfmetern absolvierte nur Patric Klandt (FSV Frankfurt) alle Saisonspiele. Teilweise reichten einigen Spielern dafür nur zwei (Gabor Kiraly), fünf (Raphael Schäfer) oder sieben (Lars Unnerstall) Einsätze.
  • Der Düsseldorfer Joel Pohjanpalo ist mit drei Jokertoren (bei nur sechs Einwechslungen insgesamt) der torgefährlichste Spieler von der Bank. Ihm folgen Mikael Forssell (Bochum), Sebastian Jacob (Kaiserslautern) und Damir Kreilach (Union) mit jeweils zwei Joker-Toren.
  • Von elf Eigentoren in der gesamten Saison entfielen jeweils zwei Treffer ins eigene Gehäuse auf André Hainault (Aalen) und Philipp Ziereis (St. Pauli).

Trainer

Auch hier als Erstes wieder der Hinweis auf die verfügbare Gesamtübersicht der Zweitligatrainer bis zum 19. Spieltag. Sortiert ist diese Statistik nach dem Punktedurchschnitt, den die Coaches bei den Spielen unter ihrer Leitung erzielt haben. Mit dabei ist auch Timo Schultz vom FC St. Pauli, der zwar unter Thomas Meggle eigentlich nur Co-Trainer war, aber aufgrund eines verbalen Austritts seines Chefs gleich zum Debüt für zwei Spieltage an der Seitenlinie stand. Kurioserweise holte Schultz in seinen zwei Partien genauso einen Sieg wie Meggle in seinen elf Spielen. Wirklich lohnenswert ist der Blick auf diese Statistik nur bei jenen Vereinen, die in den vergangenen Monaten einen Trainerwechsel hatten:

  • 1. FC Nürnberg: Valerien Ismael wirkte auf seiner ersten Profitrainerstation in Deutschland schnell überfordert. Seine Mannschaft kam nur zäh aus den Startlöchern, zeigte sehr schwankende Leistungen. Nach einer deftigen Pleitenserie im ersten Saisonabschnitt gab es danach einige Spiele Besserung, doch schnell fiel das Team unter Ismael in alte Muster zurück. Am Ende stehen nur 1,08 Punkte im Durchschnitt aus 13 Spielen. Unter seinem Nachfolger René Weiler lief es dann gleich viel besser: Der Schweizer katapultierte sich in den sechs Spielen vor der Winterpause mit 2,17 Zählern pro Partie an die Spitze des Rankings. Schon jetzt holte er nur einen Punkt weniger als Ismael während seiner Amtszeit.
  • FC St. Pauli: Rechnet man wie oben erwähnt Timo Schultz mit, beschäftigten die Hamburger in dieser Saison schon vier Trainer. Der glücklose Roland Vrabec wurde nach vier Punkten aus vier Partien entlassen. Thomas Meggle gelangen in elf direkt geleiteten Partien furchterregende 0,55 Punkte pro Partie, was lediglich vom Null-Punkte-Götz aus dem Erzgebirge unterboten wird. Über Timo Schultz habe ich oben bereits geschrieben, er holte in seinen zwei Spielen genauso viele Punkte wie Ewald Lienen, der kurz vor der Winterpause installiert wurde.
  • Erzgebirge Aue: Auf den Saisonverlauf der Veilchen bin ich bereits vor einigen Wochen ausführlich in einem Beitrag eingegangen. Der völlig missratene Saisonstart unter Falko Götz (vier Spiele, vier Niederlagen) führte zu einem größeren Umbruch während der ersten Länderspielpause. Unter Nachfolger Tomislav Stipic ging es auf und ab, letztendlich gelangen dem neuen Trainer aber auch nur durchschnittlich 0,93 Punkte in seinen 15 Spielen.
  • 1860 München: Von der Meisterschaft träumte Ricardo Moniz vor Saisonbeginn. Schnell mussten die Löwen (näheres zum Saisonverlauf siehe oben) diese Hoffnung begraben, das Intermezzo von Moniz war nach sieben Spielen mit lediglich 0,86 Punkten pro Partie schnell beendet. Letztendlich führten auch zahlreiche atmosphärische Störungen zur vorzeitigen Trennung, unter Markus von Ahlen soll ein besseres Klima herrschen, wenngleich er mit 0,92 Punkten in zwölf Spielen einen kaum besseren statistischen Wert aufweisen kann.
  • VfL Bochum: Auch den Saisonverlauf des VfL Bochum habe ich oben bereits näher analysiert. Was auch immer letztendlich zur Trennung von Peter Neururer führte, mit 1,25 Punkten pro Partie liegt er letztendlich im Mittelfeld des Trainerrankings. Sein Interims-Nachfolger Frank Heinemann holte aus drei Spielen nur drei Unentschieden.

Schiedsrichter und Strafen

Die Gesamtstatistik der Zweitligaschiedsrichter gibt es hier. Sortiert ist die Übersicht nach den durchschnittlich verteilten persönlichen Strafen pro Einsatz. Zur Berechnung dieses Wertes gibt es für eine rote Karte fünf Punkte, drei Punkte für eine gelb/rote Karte und einen Punkt für eine einfache gelbe Karte. Auffällig ist die besonders hohe Anzahl eingesetzter Schiedsrichter: 42 Referees wurden für 171 Partien bisher eingesetzt – denn zu den regulären Zweitligaschiedsrichtern gesellen sich abwechselnd auch noch die nicht in der Bundesliga eingesetzten Referees. Im vergleichen zu anderen Ligen – etwa der Premier League, wo die meisten Schiedsrichter an 80% der Spieltage im Einsatz sind – sind so die Spielleiter mit den meisten Ansetzungen nur sechsmal im Einsatz gewesen. Dies betrifft Frank Willenborg, Sascha Steegemann sowie Robert Kampka. Willenborg ist auch führender der Kartenstatistik: 31 Gelbe Karten und insgesamt vier Platzverweise machen ihn zum Spitzenreiter dieser Kategorie. Er ist überhaupt der einzige Referee, der jeden Art von Platzverweis mehr als einmal aussprach. Diese Statistiken – das möchte ich hier eindeutig betonen – sagen nichts über seine Leistungen aus. Theoretisch können sowohl alle dieser Entscheidungen völlig richtig als auch komplett falsch sein, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Abschließend zu dieser Betrachtung noch ein kurzer Blick auf die Kategorie “Heimpunkte”, welche angibt, wieviele der persönlichen Strafen pro Schiedsrichter auf die Heimteams entfallen. Es gibt vier Schiedsrichter, die liegen hier über 60 %, der überwiegende Teil aller Schiedsrichter verteilt jedoch mehr Strafen an die Auswärtsteams (betrifft alle Werte unter 50 %). Auch hierfür wird es freilich nachvollziehbare Gründe geben, die fernab jeder Verschwörungstheorie zu suchen sind.

Der Grund für die notwendige Anwesenheit der Schiedsrichter sind bekanntlich die an einem Spiel beteiligten Teams mit ihren Akteuren. Hier kommen sind die Auffälligkeiten bezüglich Bestrafungen kurz zusammengefasst:

  • Bereits zwölf Spieler haben mehr als fünf gelbe Karten kassiert. Spitzenreiter sind Tom Beugelsdijk (FSV Frankfurt) sowie Markus Karl (1. FC Kaiserslautern).
  • Diese beiden Spieler führen auch die Punktewertung mit dann neun Punkten an, werden hier aber ergänzt von Javier Pinola (1. FC Nürnberg) sowie Goran Sukalo (SpVgg Greuther Fürth), die beide neben vier Verwarnungen eine glatt rote Karte erhielten.
  • Noch kein Spieler wurde in dieser Saison bisher mehrfach vom Platz gestellt.
  • Das fairste Team der Liga sind die Braunschweiger. Lediglich 1,74 Punkte – also nicht mal zwei Verwarnungen – entfielen auf die Eintracht-Spieler. Damit sind sie eines von nur sechs Teams, bei dem es bisher noch keinen Platzverweis zu verzeichnen gab.
  • Schlusslicht der Wertung ist Union Berlin: 41 Verwarnungen, zwei gelb-rote sowie drei rote Karten ergeben 3,26 Punkte pro Begegnung. Bei den Platzverweisen sind die Eisernen damit eindeutig Spitzenreiter.
  • Die meisten Verwarnungen kassierte bisher der FC St. Pauli (51), die wenigsten gelben Karten gab es für den VfR Aalen (31).
  • Das Stadion, in dem die wenigsten Strafen verteilt werden, steht in Braunschweig. Bei neun Partien gab es für die Eintracht und die Gastmannschaft lediglich 30 gelbe Karten (3,33 Punkte pro Spiel). Gegenpol ist hier die Arena in Fürth, bei schon fünfzig Verwarnungen gab es zudem noch zwei Platzverweise in allerdings zehn Spielen (6,0 Punkte pro Partie).

Zuschauer

Zum Abschluss möchte ich den Blick noch kurz auf die Zuschauerstatistik lenken. Wenig überraschend stehen hier die klangvollen Namen Nürnberg, Kaiserslautern und Düsseldorf an der Spitze, wobei der Club seine Führungsposition erst mit dem sehr gut besuchten Derby gegen Fürth kurz vor Weihnachten erreichte. Hinter dem Spitzentrio liegt RB Leipzig auf dem vierten Platz, gefolgt vom FC St. Pauli. Fünf Teams erreichen keinen Durchschnitt von wenigstens 10.000 Besuchern pro Partie: Erzgebirge Aue, bekanntermaßen Tabellenführer Ingolstadt, bei denen trotz starker Leistungen kein wirklicher Aufwärtstrend zu verzeichnen ist, Aalen, Frankfurt und Sandhausen. In allen Partien kamen bisher durchschnittlich 17.325 Besucher, was bei acht ausverkauften Spielen einer Auslastung von 62,7 % entspricht. Zum Vergleich: Im letzten Jahr lag der Durchschnitt bei 17.888 Zuschauern, wobei zu bemerken ist, dass mit Köln und Dresden zwei Vereine mit hohen Besucherzahlen die Liga verlassen haben.

Genug der Zahlenspielerei. Es ist ein schönes Hobby, man kann darin etwas wühlen und sich austoben. Doch entscheidend ist immer noch auf dem Platz. Bald geht es wieder los. Zum Glück.

Winterpausen-Statistik: RB Leipzig

Posted by Max on Dezember 28, 2014
Bundesliga, Nordostfussball / No Comments

Es ist Winterpause. Diese spielfreie Saisonphase wird kurz nach den besinnlichen Festtagen nicht nur für wenig besinnliche, wilde Transfergerüchte genutzt, sondern gerne auch, um auf die erste Saisonhälfte zurückzublicken. Genau das möchte ich heute mit RB Leipzig machen, dem viel beachteten Aufsteiger in der Zweiten Bundesliga. In den Vordergrund stellen möchte ich dabei, neben ein paar persönlichen Eindrücken, vor allem statistisches Material, welches ich im Lauf der letzten Monate über die Liga gesammelt habe.

Das erste Halbjahr der Rasenballer war – sportlich gesehen – eines mit vielen Höhen und ein paar Rückschlägen. Zwischen den Heimspielen zum Saisonauftakt (0:0 gegen Aalen) und kurz vor Weihnachten (1:1 gegen 1860 München) konnte man gewisse Ähnlichkeiten erkennen in einer bemühten, aber arg verkrampften Spielanlage. Doch dazwischen lag ein guter Saisonstart und ein abfallender Trend in den Wochen ab November. Als sinnvoller Vergleich für die Entwicklung der Mannschaftsleistungen taugt wohl eher das 3:0 in München im August, dem ersten richtig überzeugenden Auftritt des Teams, und dem zähen 1:1 vor einigen Tagen gegen den selben Gegner im eigenen Stadion. Nachfolgende Grafik verdeutlich den Leistungsabfall in den letzten Wochen.

141228_fieberkurve_positionenDem erfolgreichen Saisonstart mit elf Punkten aus fünf Spielen ohne Niederlage folgte Ende September die erste Pleite – “ausgerechnet” bei Union Berlin. Jenem Verein, der es sich offenbar besonders auf die Fahne geschrieben hat, gegen RB anzukämpfen. Spätestens ab dem achten Spieltag ist jedoch ein tabellarischer Abwärtstrend zu erkennen. Ab da gab es mit drei Spielen ohne Dreier die bisher längste Sieglos-Serie, wobei es im gleichen Zeitraum nur eine Niederlage gab bei zwei Unentschieden. Von einem wirklichen Negativ-Trend zu reden, ist zumindest mit Blick auf diese Werte eher wie das Suchen mit der Nadel im Heuhaufen. Für einen Aufsteiger (auch wenn RB sicher kein “normaler Aufsteiger” ist) lesen sich 29 Punkte nach 19 Spielen sehr positiv, zumal der Abstand auf den direkten Aufstiegsplatz nur vier Punkte beträgt. Das RB aber ab Mitte der Hinrunde zumindest den Kontakt zum souveränen Tabellenführer Ingolstadt verloren hat, zeigt die nächste Grafik – die Punkteschere zwischen den Oberbayern und RB Leipzig ging zuletzt immer weiter auseinander.

141228_fieberkurve_punkte

Dass die Leistungen der letzten Wochen trotz nach wie vor guter Tabellenposition nicht mehr an die Spiele im Sommer und Frühherbst herankamen, ist offensichtlich. Im folgenden habe zunächst einige Fakten über die eher geringe Trefferanzahl der Mannschaft zusammengetragen.

  • In den ersten neun Spielen erzielte das Team 14 Tore (Schnitt: 1,56). In den darauffolgenden zehn Partien gab es nur noch acht Treffer, der Schnitt sank auf 0,8 pro Spiel.
  • Acht Spiele, also etwas weniger als die Hälfte aller Spiele konnte RB Leipzig keinen eigenen Treffer erzielen. In fünf Spielen gab es nur ein Tor.
  • Mit einem Mittelwert von 1,16 Toren pro Spiel sind nur vier Teams ungefährlicher (Nürnberg, Sandhausen, Aalen, Aue).
  • Acht Spieler haben sich bisher für RBL in die Torschützenliste eingetragen. Unumstrittener Goalgetter ist Yussuf Poulsen (acht Tore). Er ist dabei auch der effektivste regelmäßige Spieler, benötigt nur knapp 159 Minuten pro Treffer. Ihm folgen Terrence Boyd (177 Minuten pro Tor) und Daniel Frahn (343 Minuten pro Tor). Was man in den letzten Wochen gesehen hat, verströmten aber fast ausschließlich Poulsen und Boyd Torgefahr. Für Kapitän Frahn scheint die Leistungsgrenze erreicht, zuletzt gab es harte Gerüchte, dass er bald aussortiert wird.
  • Der mittlerweile nach Ried verliehene Denis Thomalla erzielte in 99 Spielminuten bei einer Einwechslung einen Treffer als Einwechselspieler. Dieses Tor gegen 1860 München und ein weiteres von Mathias Morys im gleichen Spiel waren die einzigen Joker-Tore bisher.

RB Leipzig hat die wenigsten Treffer aller Teams bis zu seiner aktuellen Tabellenposition. Warum die Mannschaft trotzdem gut im Rennen ist, liegt auch in der starken Defensivarbeit begründet – auch wenn man davon in einigen Spielen, insbesondere gegen 1860 München zuletzt, als letztendlich auch bestraftes Abwehr-Harakiri gespielt wurde, manchmal nicht viel merkt. Nur zwölf Gegentore in 19 Partien jedoch sind Ligabestwert. Neunmal bereits gingen die RB-Torhüter Bellot und Coltorti ohne Gegentreffer vom Feld, achtmal setzte es nur einen Treffer. Lediglich Union Berlin und Fortuna Düsseldorf erzielten zwei Tore gegen die RB-Abwehr, jeweils gegen Benjamin Bellot im Kasten. Wenn man diese Fakten zusammenfasst, wundert es auch nicht, dass die drei häufigsten Ergebnisse lauten: 0:0 (fünfmal), 0:1 (dreimal), 1:0 (zweimal).

Nun folgen noch eine ganz Menge weiterer Queer-Beet-Fakten aus den ersten 19 Saisonspielen:

  • Den einzigen Elfmeter der Saison für die Roten Bullen vergab Daniel Frahn in München. Gegen sich bekam das Team noch keinen Strafstoß gepfiffen.
  • In einer fiktiven Tabelle der ersten 45 Spielminuten ist RB Viertplatzierter, während man in der Tabelle der zweiten Spielhälfte nur auf dem zehnten Rang liegt. Bestätigt den Eindruck, dass RB nicht immer eine konstante Leistung über die volle Spielzeit gelingt.
  • Konditionelle Probleme sind es wohl allerdings nicht: In einer Tabelle der Schlussviertelstunde liegt RB Leipzig auf Tabellenrang 7. Bochum wäre hier übrigens Zweiter, Sandhausen Vierter.
  • In der Heimtabelle ist RB Fünfter (19 Punkte), auswärts liegt das Team auf dem zehnten Platz (10 Punkte).
  • Diego Demme ist der einzige Spieler, der in allen Saisonspielen mitgewirkt hat. Dabei stand er bis auf das Spiel gegen Kaiserslautern in der Startformation. Dort wurde er eingewechselt, ansonsten siebenmal ausgewechselt.
  • Anthony Jung absolvierte bis zu seinem Platzverweis in Aalen als einziger Spieler im Kader jede Spielminute der Saison. Er ist trotz der dort verpassten Spielzeit und der nachfolgenden Sperre mit 1.586 Spielminuten der Dauerbrenner der Mannschaft.
  • Zsolt Kalmar wurde in neun Spielen eingewechselt und führt damit diese Statistik an. In einer Partie stand der Ungar in der Startformation, da wurde er aber ausgewechselt. Somit kommt Kalmar trotz zehn Einsätzen auf nur 187 Spielminuten – die wenigsten aller Spieler mit mindestens zehn Saisoneinsätzen.
  • Kapitän Daniel Frahn wurde bei 17 Einsätzen (davon 14 in der Startformation) zwölfmal vorzeit vom Platz genommen. Ein weiterer Nachweis einer eher mäßigen Hinrunde des Kapitäns.
  • 42 Gelbe Karten und zwei Gelb/Rote-Karten (für Clemens Fandrich und Anthony Jung) stehen in der Sünderkartei. Das ist Platz 13 in der Liga. Rani Khedira ist mit sechs Verwarnungen mannschaftsinterner Spitzenreiter, gefolgt von Marvin Compper und Daniel Frahn (jeweils fünf). Insgesamt wurden schon 17 Spieler im RB-Kader verwarnt.
  • In den 19 Partien wurde RB Leipzig von 18 verschiedenen Schiedsrichtern gepfiffen. Lediglich Christian Dingert begleitete zwei Spiele der Mannschaft. In diesen beiden Spielen zeigte er keinem RB-Spieler eine Karte.
  • Insgesamt kamen bisher 263.477 Zuschauer bei zehn Heimspielen in die Red Bull Arena. Im Durchschnitt liegt man damit hinter Nürnberg, Kaiserslautern und Düsseldorf auf dem vierten Platz. Die Spannweite geht von 18.235 Besuchern (Spieltag in der Woche, gegen Karlsruhe) bis zu 38.660 gegen St. Pauli. Lediglich bei Nürnberg (und hier auch nur durch das fast ausverkaufte Derby) ist die Differenz zwischen niedrigster und höchster Besucherzahl größer.
  • Auswärts kamen bisher 152.615 Zuschauer zu den RB-Gastspielen, das sind 16.957 im Durchschnitt (Stadionauslastung ca. 57 %). Damit liegt man lediglich auf dem elften Rang, wobei diese Statistik natürlich verfälscht ist – noch haben ja nicht alle Teams auf allen Plätzen gespielt.

Wer noch nicht genug vom Zahlenwust hat, für den habe ich die bisherige Saisonstatistik des RB-Kaders mithilfe meiner Statistik-Software zusammengestellt. Hier entlang!

Meine Statistik beschränkt sich nicht nur auf RB Leipzig, sondern umfasst die gesamte Zweite Bundesliga. Die Highlights des gesamten Materials werde ich in den nächsten Tagen an dieser Stelle präsentieren.

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Auer Absturz

Posted by Max on Dezember 19, 2014
Bundesliga, Nordostfussball / No Comments

Er hat es wieder getan: Jakub Sylvestr erzielte auch im Rückspiel gegen den FC Erzgebirge Aue den entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg für seinen neuen Arbeitgeber 1. FC Nürnberg. Ein klarer Fall von “ausgerechnet Sylvestr”. Bis zum Sommer spielte der Slowake zwei Jahre lang im Erzgebirge und trug dort als Torjäger maßgeblich zu zweimal Klassenerhalt bei. Jakub Sylvestr steht für eine bessere Zeit im Erzgebirge, denn aktuell mühen sich seine ehemaligen Mitspieler und Sturm-Nachfolger vergeblich darum, eine zweitligataugliche Mannschaft darzustellen.

Die Saison ging schon denkbar schlecht los: Noch unter Trainer Falko Götz gab es vier Niederlagen an den ersten Spieltagen im August. Zweimal knapp auswärts (Nürnberg, Leipzig), aber vor allem auch zweimal ziemlich heftig im eigenen Stadion – 1:5 gegen Bochum, 0:3 gegen Düsseldorf. Den Mechanismen des Geschäfts folgend wurde Götz entlassen, aber auch Präsident Lothar Lässig trat von seinem Amt zurück. Die Lücke wurde geschlossen mit Helge Leonhardt, Bruder von Uwe Leonhardt, der von 1992 bis 2009 bereits Präsident beim FC Erzgebirge war. Der neue starke Mann im Verein präsentierte sich vom ersten Moment als Draufgänger mit klaren Worten, klaren Positionen. Einen “Karacho-Plan” kündigte er an, damit der Verein schnell wieder aus der Talsohle herauskommt. Und gleich mit seiner ersten Entscheidung sorgte er dann auch für eine große Überraschung: Tomislav Stipic wurde verpflichtet, ein bis dato unbekannter Nachwuchstrainer aus Ingolstadt.

Es folgte die bislang beste Phase dieser Saison. Zwar gab es auch unter Stipic zunächst eine Niederlage gegen die Überflieger aus Darmstadt, doch die Mannschaft präsentierte sich schnell verändert, frischer und kreativer. Drei Heimsiege in Folge gegen St. Pauli, Aalen und 1860 München, dazu Remis in Ingolstadt, Sandhausen und Frankfurt hievten die Veilchen für eine Weile aus der direkten Abstiegszone. Doch die Form der Früherbst konnte das Team nicht halten, der bis heute letzte Sieg datiert vom 19. Oktober (gegen 1860), seitdem gab es in acht Spielen nur drei Punkte. Teils unglückliche Punktverluste zwar, gegen Heidenheim etwa vergab das Team reihenweise gute Möglichkeiten, aber nur von einer Ergebniskrise zu reden, reicht nicht.

Leonhardt und Stipic, das wurde schnell klar, ist kein normales Duo. Der junge Trainer Stipic, ein Mann mit interessanten Ideen und Ansichten, die ja zumindest in seiner ersten Phase Erfolg hatten. Soviel wurde in den drei Monaten ihrer Zusammenarbeit klar: Stipic ist Leonhardts Mann. Beide präsentieren sich als Einheit und schlagen verbal in eine ähnliche Kerbe. Der eine (Leonhardt) etwas lauter, der andere (Stipic) eher sachlich. Die Frage jedoch ist, ob insbesondere das harte Draufgehen von Leonhardt in der aktuellen Situation wirklich förderlich ist. Vor dem Spiel am vergangenen Wochenende gegen Heidenheim gab er bei Sky ein für mich bemerkenswertes Interview. Leonhardt äußerte sich dort mit klaren Worten zur aktuellen sportlichen Situation:

Der Kader wurde umfangreich analysiert von Stipic und Co. Wir haben ein Rating gemacht über jede Person. Deshalb kann ich jetzt nicht über Personen sprechen, wenn wir noch drei Spiele haben. Das ist auch eine Frage, wie geht man mit dem Kader um, wie geht man mit der Perspektive um, du hast einen Bestand, im Ernstfall würde ich auch den Kaderstamm verkleinern und würde mit denen weiterarbeiten, die die Fights hier annehmen im Erzgebirgsstadion, die unsere Tugenden annehmen. Wir brauchen hier jetzt keinen schönen Fußball zu spielen, wir müssen draufdreschen, wir müssen ein Zeichen setzen. Damit unsere Fans uns die Treue halten, aber nicht nur wegen den Fans, wir werden dann auch Erfolg haben. Da bin ich mir sicher. Wir haben ein klares Rating und wir haben eine Perspektive. Und die Perspektive heißt Veränderung.

Ich halte es in einer solchen Lage, wie sich der FC Erzgebirge derzeit befindet, nicht für besonders klug, offen über ein mannschaftsinternes Rating und daraus abzuleitenden Veränderungen zu reden. Insbesondere unter dem Aspekt, dass Aue mit bisher 24 Spielern inklusive Ersatztorwart im Vergleich zu anderen Zweitligateams nicht auffällig viele Spieler im Kader hatte. Der Stamm besteht aus zehn Spielern, die bisher bei mindestens 16 der 18 Partien mitgewirkt haben. Alle diese Spieler standen auch gegen Heidenheim in der Startformation, wo sich Trainer Stipic direkt im Anschluss an die Leonhardt-Aussagen folgendermaßen äußerte:

Wir haben heute eine richtig gute Aufstellung. Wir haben eine Mannschaft zusammengestellt, die in der Lage ist dieses Spiel zu gewinnen. […] Wir sind aktuell Tabellenletzter, haben aber eine bessere Stimmung als unser Tabellenplatz aussagt. Wir sind auf dem Weg, wieder ein Team zu werden. In den letzten Spielen […] haben wir allen Spielern das Vertrauen gegeben, auch im Wettkampf zu spielen, um sie dann auch zu sehen, zu begutachten. Jetzt haben wir uns heute für diese elf Spieler entschieden, die das absolute Vertrauen haben – und natürlich auch die Qualität.

Rating erstellt, alle Spieler im Wettkampf getestet, und trotzdem den gleichen Stamm wie im großen Teil der Saisonspiele auf dem Feld? Da stellt sich dann schon die Frage, welche Veränderungen Leonhardt konkret meint. Welche Spieler den Kaderstamm verlassen sollen um diesen zu verkleinern. Zumal Stipic seinen Stammspielern – wenn auch nur im Nachsatz – explizit Qualität zugesprochen hat. Das wird wohl eine spannende Wintertransferperiode im Erzgebirge, sicher auch wieder mit interessanten Aussagen des Duos Leonhardt/Stipic.

Gegen Heidenheim endete das Spiel übrigens 1:1. Der Optimismus von Stipic vor dem Spiel wurde zumindest dahingehend bestätigt, dass Aue dort seine beste Leistung seit einigen Wochen zeigte. Nun bleibt noch am Sonntag die Chance in Bochum den Abstand auf die Nichtabstiegsränge (vier Punkte) bzw. den Relegationsplatz (drei Punkte) bis zur Winterpause zu verringern.

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Alles halb so schlimm?

Posted by Max on Dezember 02, 2014
Bundesliga / 1 Comment

Eigentlich sollte doch alles besser werden. Ausgliederung der Profi-Mannschaft, neue Führungskräfte. Einigermaßen sinnvolle Transfers im Sommer. Kurz nach dem Saisonstart dann noch der Trainerwechsel. Trotz all dieser Bemühungen wandelt der Hamburger SV auch im Dezember 2014 wieder am Abgrund. Vorletzter Platz, nur noch die in einer schweren Ergebniskrise steckenden Dortmunder stehen hinter den Rothosen. Wird der Bundesliga-Dino trotz des schwer wiegenden Umbruchs im Sommer also diesmal tatsächlich sein Alleinstellungsmerkmal der ewigen Erstklassigkeit einbüßen. Oder ist nach erst 13 Spieltagen dieser Saison eigentlich alles halb so schlimm?

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Einerseits lügt natürlich die Tabelle nicht: Platz 17, erst sieben Saisontreffer und nur drei Siege stehen in der Bilanz. Zu betrachten ist aber auch, dass der Abstand zu den Nichtabstiegsrängen nicht existiert (punktgleich mit Freiburg), Platz Zwölf nur einen Sieg entfernt ist und selbst die Distanz zur oberen Tabellenhälfte lediglich sechs Punkte beträgt. Viel wichtiger als diese Zahlenspielerei ist aber die Einschätzung über tatsächliche Veränderungen im Verein und insbesondere in der Mannschaft. Diese sind – zumindest in meiner subjektiven Einschätzung – durchaus im positiven Umfang vorhanden. Nach einer ganzen Reihe von gescheiterten Trainern, die bereits erfolgreiche Stationen hinter sich gebracht hatten und ihr eigenes Konzept, ihre eigene Spielidee einem völlig verunsicherten und qualitativ limitierten HSV-Kader aufdrücken wollten, sind unter Josef Zinnbauer durchaus Fortschritte zu erkennen.
Der Einfluss von Zinnbauer bei seinem Debüt als Profi-Trainer ist sicher noch nicht in der Geschwindigkeit erkennbar, wie sich Trainer, Funktionäre und Umfeld vorstellen. Doch realistischerweise muss man auch bedenken, wo der HSV herkam: In der Endphase von Fink, unter van Marwijk wie auch bei Slomka war keinerlei Struktur vorhanden. Das krampfhafte Bemühen um offensive Kreativität ging bei allen drei Trainern einher mit defensivem Chaos. Zinnbauer konzentrierte sich zunächst auf die Stabilisierung des Abwehrverbundes, hatte damit teilweise Erfolg (0:0 gegen Bayern), stößt damit aktuell aber auch an (Qualitäts-)Grenzen. Trotzdem wirkt das HSV-Spiel seit einigen Wochen deutlich stabiler und zumindest teilweise mit einem Plan ausgestattet. Das Gefühl für mich als Anhänger dieses Vereins selbst nach einer 1:3-Niederlage gegen Augsburg vom Samstag ist besser als bei vergleichbaren Ergebnissen unter Zinnbauers Vorgängern. Denn zumindest eine Halbzeit ging das Konzept gut auf, die Augsburger konnten ihr Spiel vor der Pause nicht entfalten. Eine zweite Halbzeit auf gleichem Niveau ist der Mannschaft dann aber nicht gelungen.

Trotzdem: Es fühlt sich einfach besser an. Von daher bin ich etwas verwundert, wie stark kicker-Reporter Sebastian Wolff – der als langjähriger HSV-Berichterstatter alle Tiefen der letzten Spielzeiten schon miterlebte – am Montag die aktuelle Entwicklung kritisierte. Frei nach dem Motto: Nichts wird besser. Vielleicht ist es bei mir auch nur Zweckoptimismus mit dem HSV?
In einer Sache hat Wolff aber recht: Die Saison wird maßgeblich von der weiteren Entwicklung zweier Faktoren abhängen. Zum einen muss das Team dringend offensiv gefährlicher werden. Sämtliche Angriffsgefahr wirkt immer noch eher zufällig, bessere Belege als die beiden Treffer gegen Bremen am vorletzten Spieltag gibt es dafür wohl kaum. Und auf der anderen Seite gilt es für den HSV dranzubleiben. Das Problem an dieser Spielzeit: In der unteren Tabellenhälfte gibt es eine große Anzahl von Klubs, die derzeit auf einem ähnlichen Niveau agieren. Abgehängte Teams wie in den Vorjahren Braunschweig oder Fürth, die einen Abstiegsplatz quasi fix blockierten oder fehlgestartete Europapokalteilnehmer sucht man diesmal vergeblich. Ich vertrete die Theorie, dass der HSV mit seiner aktuellen hauchzart ansteigenden Entwicklung in den Vorjahren besser platziert wäre. Von daher ist es wichtig, dass bei aller Stabilisierung auch in den nächsten Wochen die Punkte eingefahren werden, um zumindest den direkten Anschluss an die Konkurrenz zu halten. Denn reißt in dieser Saison der Kontakt ab, wird es in der aktuellen Konstellation fast unmöglich sein, zurückzukommen.

Zweifellos wird das Team des Hamburger SV auch in dieser Saison bis zum Ende im Abstiegskampf stecken. Bei allen positiven Ansätzen ist auch Josef Zinnbauer davon abhängig, ob die Ergebnisse weiterhin stimmen beziehungsweise besser werden. Doch nach dem ganzen Pessimismus der letzten Jahre kann ich wieder etwas Hoffnung schöpfen. Hoffentlich täuscht mich mein Gefühl nicht.

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