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Björn Kopplin 21. Mai 2014

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Björn Kopplin, geboren im Januar 1989 in Berlin, bei der U20-Weltmeisterschaft in Ägypten über die linke Abwehrseite Antreiber des Spiels der DFB-Auswahl war. Obwohl die Deutsche Mannschaft damals im Viertelfinale knapp in der Verlängerung an Brasilien scheiterte, blieb mir dieses Nachwuchsturnier wie kein vergleichbarer Wettbewerb vorher oder danach in Erinnerung. Insbesondere auch wegen dem blonden Jungen auf der linken Abwehrseite: Björn Kopplin.

Kopplin spielte damals in der Zweiten Mannschaft des FC Bayern. Nach dem Turnier urteilte ich:

Besonders Kopplin könnte in dieser Form schon bald ein ernsthafter Ergänzungsspieler werden, was in absehbarer Zeit auch das Außenverteidigerproblem der Bayern lösen könnte.

Letztendlich kam es anders: Die Lücke, als Philipp Lahm von der linken auf die rechte Abwehrseite verschoben wurde, wurde bei Bayern durch verschiedene Spieler geschlossen. Massimo Oddo, Edson Braafheid, Diego Contento, David Alaba. Nur ein Name taucht in dieser Liste nie auf: Björn Kopplin. Er brachte es nie auf ein Bundesligaspiel für den FC Bayern – mehr noch: Absolvierte noch keine einzige Partie in der höchsten Spielklasse. Wie kam es dazu? Natürlich waren im Nachgang mit einigen Jahren Abstand betrachtet meine Vorschusslorbeeren für Kopplin etwas überzogen, doch dass er ein guter Bundesligaspieler werden könnte, dessen war ich mir schon sicher.

Nach besagter U20-Weltmeisterschaft spielte Björn Kopplin noch ein Jahr im Unterbau des FC Bayern. Da war aber schon nicht mehr sein Mentor Hermann Gerland der Trainer, sondern Mehmet Scholl. 2010 schließlich ging Kopplin – übrigens auf Vermittlung von Gerland – zum VfL Bochum. Dort testete er nicht nur erfolgreich Currywürste, sondern spielte auch zwei anständige Saisons. In seiner ersten Spielzeit mit dem VfL ging es sogar bis in die Aufstiegsrelegation gegen Mönchengladbach. Doch Kopplin handelte sich im Hinspiel seine fünte Gelbe ein, fehlte dann im Rückspiel gesperrt. Bochum blieb (sicher nicht wegen Kopplin) zweitklassig, plänkelte im Jahr darauf im Mittelfeld vor sich hin. Aber Kopplin war Stammspieler, allerdings auf der Position des Rechtsverteidigers.

Björn Kopplin war nun etabliert, immerhin in der Zweiten Bundesliga. Und so klang es schon etwas romantisch, als im Sommer 2012 sein Wechsel zu Union Berlin erfolgte. Die Köpenicker waren bereits in den ersten neun Fußballerjahren Kopplins Heimat, eher er im Alter von 15 nach München wechselte. Der Start in seiner Geburtsstadt war aber sicher nicht optimal: Kopplin verpasste zunächst mit einer Schambeinentzündung, kurz darauf mit einem Nasenbeinbruch das komplette erste Halbjahr. Es folgten zwar noch elf Einsätze in der Rückrunde, doch in der Saison 2013/2014, die eigentlich dann seine hätte werden sollen, kam er nicht an Marc Pfertzel vorbei. Kurioserweise jener Spieler, den er einst in Bochum verdrängte. Sieben Partien stehen in seiner Statistik der abgelaufenen Spielzeit, fünf weitere Spiele in der Zweiten Mannschaft, die in der Regionalliga Nordost kickt. Und die Perspektiven sind nicht besser: Obwohl Marc Pfertzel die Eisernen im Sommer verlässt, hat Union mit dem Österreichischen Nationalspieler Christopher Trimmel bereits einen neuen Konkurrenten verpflichtet.

Die Gründe für den ausgebliebenen endgültigen Durchbruch von Björn Kopplin sind vielschichtig. Da waren zum einen die wohl zu hohen Erwartungen. Vielleicht aber auch seine Versetzung auf die rechte Abwehrseite – denn auf Links wäre die Konkurrenz, egal in welchem Verein, wohl heute nicht so groß. Seine Vorstöße von der linken Flanke waren beim Nachwuchsturnier 2009 eine echte Waffe, in seinen Vereinen trat Kopplin aber nicht als besonders offensiv in Erscheinung. Doch auch eine gewisse Unruhe und Schludrigkeit waren Gründe, weshalb die Karriere nicht den erhofften Verlauf nahm. In einem Beitrag der Berliner Zeitung vom letzten Dezember berichtet sein Jugendtrainer Hermann Gerland: “Er war sehr schnell und laufstark, hatte allerdings wenig Ruhe am Ball”. Dass er sich in der letzten Saison nicht durchsetzen konnte, lag wohl auch an einer mangelnden Einstellung in der Vorbereitung. Kopplin gibt zu: “Ich war vom Fitnesszustand nicht so weit, dass ich jedes Training gut absolvieren konnte”.

Bis 2015 läuft der Vertrag von Kopplin bei seinem Heimatklub noch. Die Perspektiven sind wie beschrieben durch die Verpflichtung eines prominenten Konkurrenten nicht besser geworden. Doch man kann Björn Kopplin nur wünschen, dass er den Kampf wenigstens annimmt und sich an den Rat seines Ex-Trainers Gerland hält: “Er soll ein bisschen Gas geben”.

Komisches Ende 11. Mai 2014

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Die Saison 2013/2014 ist abgesehen von den Relegationsausläufern vorbei. Damit hat nun auch eine seltsame Rückrunde ihr Ende gefunden. Seltsam, weil die Entwicklungen in fast allen Tabellenregionen kaum in ein Muster der letzten Jahre passten. Seltsam bedeutet nicht zwingend uninteressant, dennoch hinterlässt diese Rückrunde am Ende ein komische Gefühl, welches ich nicht richtig einordnen – und noch schwerer erklären kann.

Oben gab es die zeitigste Meisterschaft der Bundesliga-Meisterschaft. Bereits am 27. Spieltag, ausgepielt am 25. März, mit einem 3:1 im Berliner Olympiastadion, sicherte sich der FC Bayern die Deutsche Meisterschaft. Eine großartige Leistung der Mannschaft, die im Spannungsfeld zwischen Überschwang, Demut und Enttäuschung über die Chancenlosigkeit anderer Teams gleich global als auf Jahre unschlagbar eingeordnet wurde. Dazu beigetragen haben für mich insbesondere Ergebnisse wie das 1:6 zwischen Wolfsburg und Bayern Anfang März. Mit hohem Aufwand spielte dort der VfL über eine Stunde stark mit, führte sogar, und ging am Ende komplett unter. Angesichts solcher Erfahrungen schienen das scheue Wegkuschen vieler Konkurrenten und Verweigern jeder Offensive in Spielen gegen den Meister eine legitime Einstellung zu sein. Wer hätte gedacht, dass Guardiola den Bayern nach dem Triple letzte Saison noch so einen Qualitätssprung verpassen könnte? Doch so groß der Einfluss des Katalanen auf die frühe Meisterschaft gewesen sein mag, so viele Fehler leistete er sich in den Wochen danach. Das frühzeitige Abschreiben der Meisterschaft führte zu einem riesigen Spannungsabfall, plötzlich relativierten sich viele Bayern-Leistungen als eine besonders starke Phase. Niederlagen gegen Augsburg und Dortmund, letztendlich sogar das Ausscheiden in der Champions League. Was wäre gewesen wenn in den Monaten bis März nur mehr Gegner aufbegehrt hätten gegen die Bayern?

Mit gehöhrigem Respektabstand hatten sich zur Winterpause Leverkusen, Mönchengladbach und Dortmund hinter dem Tabellenführer auf den Rängen zur Champions League einquartiert. Letztendlich erlebten die Leverkusener ihren obligatorischen Rückrundeneinbruch, der schon so vielen Trainern den Arbeitsplatz im Rheinland gekostet hat. Während Mönchengladbach eine Rückrunde im besseren Rahmen seiner Möglichkeiten spielte, fanden die Dortmunder zurück zu alter Stärke und nährten die Hoffnung, doch langfristig wieder ein ernsthafter Konkurrent für die Bayern zu sein. Das 3:0 in München war schon ein Ausrufezeichen, das Pokalfinale steht noch aus und scheint heute offener als gedacht.

Eine wesentliche Erkenntnis, die bei mir in dieser Rückrunde aber intensiv gereift ist: Die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga haben sich nachhaltig verschoben. Die Zustände, wie ich sie seit 1998 kannte, gibt es so nicht mehr: Stuttgart, Bremen oder Hamburg spielen nun bereits seit einigen Jahren auf dem absteigenden Ast. Es scheint schwer vorstellbar, dass hier schon zur neuen Spielzeit eine deutliche Besserung einsetzt. Zu tiefgreifend waren die Einschnitte in diesen Klubs, auch aufgrund von Fehlern in der Vergangenheit. Es wird für diese Vereine ein langer Weg zurück zu alten Hohenflügen, kurzfristig dürfte das eher ein Ausreißer werden. Dazu tragen auch die neuen, starken Kräfte im oberen Mittelfeld bei: Mönchengladbach ist mittlerweile ein dauerhafter Anwärter auf Europa, Mainz, Augsburg oder Hoffenheim in der Bundesliga etabliert. Freiburg oder Frankfurt hatten zwar lange Zeit große Probleme, konnten sich aber nach dem Abwerfen der Belastung Europa League letztendlich relativ deutlich im Mittelfeld sichern.

Die aber wohl eigenartigste Erscheinung dieser Rückrunde war der Abstiegskampf. Oder das, was man landläufig so nennt. Denn ein wirklicher Kampf war es nicht wirklich. Während Stuttgart, Freiburg, Frankfurt und Hannover zwar zwischenzeitlich schlechte Phasen hatten, gab es diesmal drei Mannschaften, denen über die ganze Saison die Qualität fehlte, um den Ligaerhalt zu sichern. Das gipfelte dann darin, dass der HSV, Nürnberg und Braunschweig alle fünf Partien am Saisonende verloren.

Quelle: Härringer Spottschau vom 10.05.2014

Während der Braunschweiger Löwe ebenso kurz vor dem Ziel krepierte wie das Nürnberger Schneckenrennen ein jähes Ende fand, gibt es für den HSV noch Hoffnung. Als Fan und Mitglied bei den Hamburgern nimmt man den letzten Strohhalm Relegation natürlich gerne mit – auch wenn der Abstieg, wenn man ehrlich ist, die logische Konsequenz aller Fehlentwicklungen und fragwürdigen Entscheidungen seit der Labbadia-Verpflichtung 2009 gewesen wäre. Es macht schon Angst, wenn man sich trotz fünf Niederlagen am Saisonende keinen Platz verloren hat und sich an ein paar gute Momente in den Spielen gegen Bayern und Mainz klammert. Dieser merkwürdige Abstiegskampf im Frühjahr 2014 gibt wohl den letzten Ausschlag für das komische Gefühl, welches diese Saison – insbesondere die Rückrunde – hinterlässt.

Symbolpolitik 26. April 2014

Posted by Max in : Bundesliga,Nordostfussball , add a comment

Vor wenigen Minuten gewann RasenBallsport Leipzig mit 1:0 in Rostock. Damit rückte die ostdeutsche Abordnung des Brausekonzerns aus Österreich ein großes Stück näher Richtung Aufstieg. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende gegen den 1. FC Saarbrücken im eigenen Stadion kann der direkte Durchmarsch finalisiert werden. Ab durch die Dritte – so hatte es die RB-Marketingabteilung bereits vor der Saison, sehr zum Unmut von Trainer Alexander Zorniger, formuliert. Nun scheint der kühne, aber schon im letzten Sommer nicht völlig unrealistische Wunsch Realität zu werden. Die neue Saison wirft ihre Schatten schon voraus. In der vergangenen Woche hatte RB Leipzig unter Auflagen die Lizenz für die Zweite Bundesliga erhalten. Seitdem wird fleißig diskutiert.

Ein interessanter Randaspekt dieses Spieltages war, dass Andreas Rettig, DFL-Geschäftsführer und damit irgendwie auch oberster Gralshüter der Lizenzen, die Partie von RB Leipzig in Rostock im Stadion verfolgte. Rettig, der DFL-Mann, also bei einer Partie der Dritten Liga – bekanntlich einem DFB-Wettbewerb. Nun ist es ihm nicht verboten, privat solche Spiele zu verfolgen. Doch der Zeitpunkt ist schon interessant. Schließlich hatte es Rettig in dieser Saison perfektioniert, in diversen Interviews immer wieder kleine Spitzen gegen die Leipziger fallen zu lassen. Es war nie ein Frontalangriff, da ist Rettig Diplomat genug. Doch seine klare Haltung und Abneigung zum Geschäftsmodell RB Leipzig ließ er immer wieder durchblicken, erwähnte mehrfach, dass er eine Lizenzerteilung in der aktuellen Konstellation sehr kritisch sieht. Der Weser-Kurier vermutete schon vor einigen Wochen, dass hier wohl die “feine Hinterzimmer-Diplomatie” zwischen Verein und Ligaverband einen Kompromiss aushandelt, der am Ende eine Lizenz mit Auflagen für RB Leipzig vorsieht. So kam es dann auch. Richtigerweise vermutete das Blatt auch, dass die “juristisch Hintergründe reichlich schwammig wirken”. Letztendlich sind es drei Auflagen für RB Leipzig geworden:

Auflage 1: Ein neues Logo muss her
Klar, Regeln sind Regeln. Aber von den drei Auflagen kann man diese wohl mit größter Wahrscheinlichkeit als Symbolpolitik der DFL abstempeln. Natürlich ähnelt das aktuelle Vereinswappen sehr stark dem Firmenlogo von Red Bull. Das ist weder schwer erklärbar noch eine große Überraschung. Doch was genau würde sich mit einem anderen Logo ändern? Würde damit die intime Verbindung zwischen dem Verein RasenBallsport e.V. und dem Konzern Red Bull weniger greifbar werden? Stadionname, Banden- und Trikotwerbung, Rahmenprogramm, das blanke Wissen um die Hintergründe dieses Vereins – nichts würde sich ändern. RB Leipzig und Red Bull bleiben untrennbar miteinander verbunden. Die Änderung des Vereinslogos wäre hier nur ein ganz kleiner Tropfen auf den (zu) heißen Stein. Erinnert sei an die Anfangsphase des Vereins: Damals spielte man in der Hoheit des Sächsischen Fußballverbandes, dieser lehnte das Logo ebenfalls schon ab – was zur Folge hatte, dass der Verein einfach ohne Logo auftrat. Nach dem Aufstieg in die Vierte Liga genehmigte der DFB das Wappen – jetzt geht der Spaß wieder von Neuem los. So albern diese Auflage auch scheint, in einigen Fankreisen wird diese doch auf Zustimmung stoßen. Etwa bei den Rasenballisten (“Für RasenBallsport, gegen Red Bull”), die in der Vergangenheit schon mehrfach die zu starke Assoziierung des Logos mit dem Geldgeber kritisierten.

Auflage 2: Neubesetzung der Führungsgremien
Diese Auflage ist weit weniger banal und durchaus diskussionswürdig. Im Kern geht es der DFL um die Frage, ob im Verein die oft benannte “50+1 Regel” ausgehebelt wird. Allerdings gilt diese Regelung nur für Kapitalgesellschaften, die aus Vereinen hervorgegangen sind und wo die Mehrheiten weiterhin beim Stammverein liegen. Dagegen argumentiert RB Leipzig, dass man ein Verein im klassischen Sinne sei und kein Interesse habe, den Profifußball in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Soweit die vermeintlich klare rechtliche Grundlage, nichtsdestotrotz sind natürlich sämtliche Entscheidungsposten von Abgesandten aus Österreich besetzt. Aber eben in einer klassischen Vereinsstruktur.

Auflage 3: Vereinfachte Mitgliedschaft
Die Zahlen wurden zuletzt mehrfach durch die Presse getrieben: 800 Euro Mitgliedschaftsgebühr pro Jahr, dazu kommen 100 Euro einmalige Aufnahmegebühr. Außerdem könne der Vorstand jeden Mitgliedsantrag ohne Angabe von Gründen ablehnen. Das alles soll dazu geführt haben, dass RB Leipzig wohl nur eine einstellige Anzahl von Mitgliedern hat. Interessant aber, dass RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter vergangenes Jahr mal von über 250 Mitgliedern sprach. Die Argumentation, man wolle sich Zuständen mit Ultra-Gruppierungen wie in anderen Vereinen entziehen ist natürlich hanebüchen. Der wahre Grund, einen möglichst reibungsfreien Einfluss des Geldgebers zu gewährleisten, liegt klar auf der Hand. Ich bin nun kein Kenner des deutschen Vereinsrechts, aber bei RB Leipzig ist man sich sehr sicher, alle Ansprüche des Gesetzgebers zu erfüllen. Von daher ist es nur logisch, dass man alle Winkel der Gesetze ausschöpft um den von Red Bull verfolgten Zweck zu gewährleisten. Sollte es tatsächlich zu einem Rechtsstreit um die RB-Lizenz kommen, wäre ich auf diesen Punkt besonders gespannt: Was gibt das Vereinsrecht her? Kann die DFL bestimmen, wie ein Fußballverein organisiert sein muss oder ist das schon Anmaßung?

Wenn die Diplomaten aus Verband und Verein schon diesen Auflagen-Kompromiss erarbeitet haben, wird es wohl auch in letzter Instanz bei der endgültigen Vergabe Ende Mai eine Einigung geben. Spannend fände ich eine gerichtliche Auseinandersetzung aber in jedem Fall – weil es wohl wahrscheinlich ist, dass die Auflagen der DFL kaum rechtlich Bestand hätten. Die Frage ist, ob RB Leipzig diesen Weg tatsächlich einschlagen will, denn so etwas kann sich bekanntlich lange hinziehen und zu einem unsicheren Schwebezustand in der Sommerpause führen – nicht nur bei den Leipzigern, sondern auch bei einem potentiellen Nachrückerverein. Den Streit um das Vereinslogo kann man sicher einfach aus der Welt räumen. Eine kreative Idee der Marketing-Abteilung von Red Bull wird da schon eine brauchbare, nicht anfechtbare Alternative hervorbringen. Bei den anderen beiden Punkten bin ich aber gespannt auf die Kompromissbereitschaft des Vereins.

Ärgerlich in diesem Zusammenhang aus Leipziger Sicht ist aber auch die fehlende Einigkeit zwischen DFB und DFL. Gerade in so elementaren Fragen müsste doch zwischen den beiden Verbänden Einigkeit herrschen. Der DFB winkt RB Leipzig samt Vereinsstruktur und Logo in seinen Ligen durch, die DFL stresst mit Hardliner Rettig an der Spitze. Von daher wäre ein gerichtlicher Präzedenzfall sehr interessant – er könnte einige Dinge im deutschen Fußball auf den Kopf stellen.

Wahrnehmungsverzerrung 9. April 2014

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Ihr wollt vier Tage nach der ersten Saisonniederlage des FC Bayern noch einen weiteren Beitrag zur Wettbewerbsverzerrung? Bitte schön, hier kommt er.

Viel schlimmer als die Totalrotation von Pep Guardiola finde ich dieser Tage die künstliche Aufregung darüber. Ich habe mich sofort an eine Geschichte erinnert gefühlt, über die ich vor mehr als drei Jahren geschrieben habe. Damals wurde in England der Blackpool FC bestraft, weil er angeblich nur eine B-Mannschaft auf das Feld brachte. Dieser Bestrafung zugrunde liegt eine absolut schwachsinnige Regel, die ausschließlich subjektiv auslegbar ist. So weit ist die Bundesliga glücklicherweise nicht, doch die öffentliche Empörung über drei Amateure in der Startaufstellung war so groß, dass mir noch heute der Schädel brummt.

Der Trainer bestimmt die Aufstellung. Soweit der unerschütterliche Standard im Fußball bei nahezu allen zivilisierten Vereinen (von durchgeknallten Mäzenen wie in der Schweiz mal abgesehen). Wer, wenn nicht der FC Bayern hat sich in dieser überragenden Saison das Recht erarbeitet, auch mal einen Großteil der Stammspieler zu schonen? Ist eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen Nürnberg, Freiburg oder Hoffenheim zu kritisieren, die seit Jahren regelmäßig Amateurspieler (wenn auch aus ganz anderen Motiven) in die Startformation schmeißen?

Die ganze Aufregung geht mir mächtig gegen Strich. Weil die Bayern-Kritiker keinen Deut authentisch sind – dieselben Leute haben vor Wochen noch über die fehlende Ausgeglichenheit der Liga gejammert, als Bayern mit voller Kapelle spielte. Es ist ja keineswegs so, dass die stark veränderte Bayern-Formation mit dem Ziel ins Spiel ging, eine Niederlage einzustecken. Das wäre natürlich Wettbewerbsverzerrung. Wer hat dafür auch nur einen stichhaltigen Nachweis? So bleibt nur eine starke Wahrnehmungsverzerrung.

Dann gibt es noch das Argument, dass die Fans ja viel Geld für eine Eintrittskarte sehen und sie somit betrogen würden. Doch man bezahlt ja schließlich dafür eine Mannschaft vom Verein XY zu sehen – und nicht um Spieler Müller oder Lahm zu sehen. Oder? Ob sie in Augsburg wirklich gern gegen das volle Bayernensemble verloren hätten, nur um für viel Geld alle Stars zu sehen? Oder nimmt man nicht doch lieber einen 1:0-Sieg mit in die Puppenkiste?

Ach, würde sich doch jeder Horst nur auf seine Arbeit konzentrieren. Man müsste sich nicht so oft aufregen. Danke fürs Zuhören!

Über eine interessante Bundesliga 23. März 2014

Posted by Max in : Bundesliga , 1 comment so far

Es ist noch nicht lange her, da habe ich hier über mein aktuelles Desinteresse am Achtelfinale der Champions League geschrieben. Endreas Müller hatte dann fast zeitgleich in seinem Blog noch die passenden Zahlen parat, welche eine klare Veränderung der Kräfteverhältnisse erkennen lassen. Aber was ist eigentlich mit der Bundesliga? Hat man im letzten Jahr den Durchmarsch des FC Bayern zum Titel noch als Reaktion auf die zwei Dortmunder Meisterschaften zuvor abtun können, nimmt die Dominanz der Münchner in dieser Spielzeit schon fast beängstigende Formen an. Weil sich zumindest im bisherigen Verlauf der Champions League auch noch kein ernsthafter Konkurrent für den FCB gefunden hat, liest man immer wieder gleich die Floskel, dass “die Bayern auf Jahre dominieren” werden. International –  und National sowieso.

Doch zurück zur Bundesliga. Mittlerweile scheint es “tres chic” zu sein und sowieso zum guten Ton zu gehören, die Langeweile der Bundesliga zumindest an der Spitze hervorzuheben, zu kritisieren oder in anderer Weise wenig vorteilhaft darzustellen. Auch ich habe in meinem Umfeld einen solchen Kandidaten, der jeden Montag über die vermeintliche Langeweile der Liga jammert – wo ich dann schon die Frage stelle: Warum schaust du dir dieses Elend überhaupt noch an? Der Kollege hat darauf leider keine brauchbare, sinnvoll begründbare Antwort. Er ist Hannover-Fan, das rechtfertigt wohl einiges. Natürlich ist die Dominanz des FC Bayern in dieser Saison besonders erdrückend, wenn selbst ein Team von (vermuteter) internationaler Klasse wie der VfL Wolfsburg über 60 Minuten eine Spitzenleistung zeigt und dann doch mit 1:6 vom Platz geschossen wird.

Ein spannender Titelkampf ist durch nichts zu ersetzen. Letztendlich wollen doch alle nur Meister werden. Wen interessiert denn, wer in die Europa League kommt? All diese Argumente werden gerne angeführt. Klar, ein spannender Meisterschaftskampf bis zur letzten Minute wie 2001 oder 2007 ist das Optimum und würde einer jeden Saison den passenden Glanz verleihen. Aber die Bundesliga ausschließlich darauf  zu beschränken, ist für mich persönlich keine vertretbare Philosophie – ähnlich wie ich dem puren Medaillendenken bei Olympia nicht besonders viel abgewinnen kann. Während es in der Champions League für mich tatsächlich darum geht, die Besten Europas zu sehen, ist die Bundesliga seit jeher ein Konglomerat von Triumphen und Tragödien, spannenden und kuriosen Geschichten, positiven und negativen Entwicklungen. Sieht man im einen Wettbewerb die Teams bloß in größeren Abständen spielen, bedeutet die Bundesliga das Tagesgeschäft. So platt wie es sich anhört: Bundesliga ist auch das Tagesgeschäft für mich als Fußballverrückten. Die vielen verschiedenen Strömungen der 18 Vereine während einer Spielzeit aufzunehmen, das ist für mich das Nonplusultra.

Ganz im Gegenteil zur oben skizzierten Auffassung zur Bundesliga bin ich der Meinung, dass wir 2013/2014 eine der interessantesten und abwechslungsreichsten Spielzeiten seit längerer Zeit erleben. Das begann mit der Frage, wie sich der in Barcelona sehr erfolgreiche Pep Guardiola wohl in der Bundesliga zurechtfinden würde. Die Antwort darauf kennen wir mittlerweile. Und ja, auch die Beantwortung der Frage, welcher Verein wohl als erster über volle 90 Minuten die Bayern ernsthaft herausfordern könnte und wie dies aussehen würde, bleibt für mich interessant – auch mit der Gefahr, zumindest bis Mai darauf wohl keine Antwort mehr zu bekommen. Aber darauf muss man sich nicht fokussieren, es ist wohl für eine gesunde Wahrnehmung der Liga sogar besser, sich davon zu lösen. Es gibt noch 17 andere Klubs in dieser Liga. Und für diese Vereine gilt derzeit der eigentlich ziemlich alberne Satz “Jeder kann jeden schlagen” (rein faktisch ist das nämlich immer möglich, das Spiel beginnt bei 0:0 mit dem Anpfiff) wohl mehr als jemals zuvor. Die gefestigten Grundmauern der Bundesliga aus den 1990er und 2000er Jahren wackeln bedenklich, weil seriös wirtschaftende und vor allem mit einer langfristigen Strategie ausgestatteten Klubs wie Mainz, Augsburg oder Mönchengladbach den Etablierten aus Bremen, Hamburg und Stuttgart langsam den Rang ablaufen. Wieso hat Borussia Dortmund die Leichtigkeit der letzten Jahre verloren? Jens Keller war schon zweimal fast weg auf Schalke und steht jetzt kurz vor der direkten Qualifikation für die Champions League. Nicht zuletzt der spannende Abstiegskampf mit dem scheinbar hilf- und planlosen Handeln der Verantwortlichen bei meinem HSV. Ich könnte diese Auflistung noch viel länger fassen mit vielen Beispielen aus dieser oder vorherigen Saisons, warum die Bundesliga für mich weiterhin eine hochinteressante Liga ist.

Vielleicht ist es aber auch eine Einstellungssache. “Früher war alles besser” ist wohl jene Mentalität, die auch den genannten Bekannten umtreibt. Ich habe altersbedingt die Zeiten der 70er-, 80er, ja sogar weite Teile der 90er-Jahre nicht erlebt. Die Bundesliga im Jahr 2014 hat für mich nichts von ihrem Charme und Spannung eingebüßt, seit ich 1998 die ersten Spiele verfolgte. Möglicherweise bin ich aber auch einfach etwas zu sehr Idealist, der zunächst jedes Fußballspiel separat noch als echtes Highlight betrachtet. Ich erfreue mich auch an einem Kantersieg der Bayern, wenn er denn mit einer solchen Brillanz vorgetragen wird wie über weite Phasen dieser Saison. Aber auch ein Spiel im Abstiegskampf oder ein “normales” Aufeinandertreffen zweier Mittelfeldteams haben weiterhin ihren Reiz. Und diese Einzelstücke einer Saison dann gesamthaft zu betrachten, inklusive dem ganzen Getümmel rundherum, was gibt es schöneres?