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Der Schlussstrich 12. Juli 2010

Posted by Max in : WM 2010 , 1 comment so far

Lange hatten wir auf die Weltmeisterschaft hingefiebert, und jetzt war sie plötzlich so schnell wieder vorbei. Bereits vor dem Finale stand fest, dass es im Jahr 2010 einen neuen Sieger geben wird. Letztendlich setzten sich die Spanier durch und schafften damit das „Double“, holten also nach dem EM-Titel nun auch den großen Goldpokal auf die iberische Halbinsel und konnten damit eindrucksvoll ihren Ruf als derzeit weltbeste Mannschaft unter Beweis stellen. Zum Abschluss des Weltturniers habe ich heute einen bunten Salat geschnippelt, mit verschiedenen Themen, die ich nach vier Wochen Fussball total kurz Revue passieren lassen möchte.

Weltmeister Spanien

Die Spanier waren vor dem Turnier mein Favorit und haben mich damit auch nicht enttäuscht. Es gibt derzeit keine Mannschaft, die ein wirksames Gegenmittel gegen das spanische Spiel findet, so zermürbend das vielleicht auch immer aussehen mag. Aber diese taktische Disziplin, geprägt von viel Ballbesitz und enormer Passsicherheit ist so derzeit einzigartig. Spanien gelingt es, auch offensiv wirbelnde Teams wie Deutschland auszuschalten. Wie schon vor zwei Jahren im Endspiel der Europameisterschaft gegen die DFB-Auswahl haben Xavi, Iniesta & Co. geduldig auf ihre Chance gewartet und im entscheidenden Moment zugeschlagen. Selbst von der brutalen Spielweise der Niederländer ließ man sich nicht beeindrucken. Irgendwann wird sich auch dieses System abgenutzt haben, spätestens wenn einige Akteure des Erfolgsteams ihren Zenit überschritten haben. Doch auf kurz- und mittelfristige Sicht wird Spanien im Weltfussball das Maß aller Dinge bleiben.

Die deutsche Mannschaft

Bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft hatte ich offen bekundet, dass ich außer Spanien kein Team sehe, das Deutschland deutlich überlegen sei. Mit so einem begeisternden und mitreißenden Auftritt der Mannschaft von Joachim Löw allerdings hatte ich auch nicht gerechnet. Schon gar nicht nach der Vorrunde, die nahezu analog zur EM-Gruppenphase von 2008 lief: Mitreißender Auftakt, gefolgt von einer Niederlage, um sich letztendlich mit Ach und Krach in die nächste Runde zu spielen. Doch was gegen England und Argentinien folgte, war einfach nur überragend. Zwei solche klare Siege, damit konnte einfach nicht gerechnet werden. Schade, dass man am Ende kein wirksames Mittel gegen Spanien finden konnte. So war es nach 2006 wieder Platz Drei. In Anbetracht der vielen verletzungsbedingten Ausfälle ein tolles Resultat, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man mit einem Kader in „Bestbesetzung“ wirklich ähnlich aufgespielt hätte.

Oft genug war in den letzten Tagen zu hören, dass dieser jungen deutschen Mannschaft die Zukunft gehört. Wie bereits nach dem Halbfinale andiskutiert, bin ich da eher vorsichtig optimistisch. 2010 war eine großartige Präsentation deutscher Fussballkunst, aber man wird sich in zwei Jahren in anderer Zusammensetzung und unter anderen Vorzeichen in Polen und der Ukraine wieder sehen. Ich bleibe dabei: Ob dieser eingeschlagene Weg ohne Rückschläge so weitergegangen werden kann, wird auch ganz entscheidend von der Personalie des Bundestrainers abhängen. Nicht nur, dass ich eigentlich immer ein Fan von Joachim Löw auf dem wichtigsten deutschen Trainerposten war, ich wüsste auch wirklich keinen anderen Coach, der derzeit ernsthaft dafür in Frage kommt bzw. dessen Philosophie sich mit diesem Team vereinen ließe.

Verkehrte Welt in Südamerika

Im Achtel- und Halbfinale sprachen einige Berichterstatter bereits von einer „Südamerika-Meisterschaft“ mit europäischem Störfeuer, weil alle fünf Mannschaften die Vorrunde überstehen konnten. Doch während Chile im direkten Duell mit Brasilien schnell geschlagen war, waren die großen Namen der Kicker vom Zuckerhut und aus Argentinien im Viertelfinale dann auch ausgeschieden. Dazu gesellte sich letztendlich noch Paraguay, die unerwartet weit gekommen sind und vielleicht so nahe wie kein anderes Team dran waren, Spanien auszuschalten. Uruguay scheiterte später noch am Weltmeister, hielten mit Platz Vier am Ende aber die südamerikanische Fahne nach oben. Mir ist erst während der WM bewusst geworden, welche große Leistung das von einem Land ist, dass gerade einmal so viele Einwohner hat wie Berlin. Und stellt am Ende mit Diego Forlan sogar noch den besten Spieler des Turniers. Währenddessen ist vom einstigen brasilianischen Ballzauber wenig übrig geblieben, was aber schon bei der Kaderzusammenstellung offenbar wurde. Die Zeiten einer Mannschaft voller Künstler sind vorbei. Ihr großer Erzrivale Argentinien scheiterte letztendlich am Irrglauben, die Aura eines Diego Maradona könnte Erfolge heraufbeschwören. Verkehrte Welt in Südamerika – die großen Namen werden sich neu ausrichten müssen.

Die großen Enttäuschungen

Sicher gehören auch die eben genannten Brasilianer und Argentinier zu den Enttäuschten des Wettbewerbes, doch schafften sie es immerhin noch bis in das Viertelfinale. Da gab es ganz andere Kandidaten, die bereits früh die Heimreise antreten durften. Zum einen Italien – der Titelverteidiger verabschiedete sich bereits nach der Vorrunde! Letztendlich aber bloß die logische Entwicklung der letzten Jahre, der Versuch, mit der schon 2006 eigentlich überalterten (aber damals mit viel Glück und Erfahrung ausgestatteten) Mannschaft vier Jahre später die Jugend der Welt noch einmal düpieren zu wollen, war hanebüchen. Ähnlich selbst verschuldet scheint im Nachgang auch das vorzeitige Ende Frankreichs zu sein, wo man viel zu lange am auch im Team verhassten Trainer Raymond Domenech festgehalten hatte. Interne Grabenkämpfe, die nicht intern blieben sondern im Endeffekt breit in die Öffentlichkeit getragen wurden, machten eine konzentrierte Vorbereitung und Arbeit während des Turniers unmöglich. Ruhiger war es da zwar bei den Engländern, aber an die ihnen im Vorfeld zugedachte Rolle des „Geheimfavoriten“ (auch ich war darauf reingefallen) kamen sie nie heran. Mit einem Italiener am Steuer sollte die einstige Unfähigkeit bei Nationenwettkämpfen eliminiert werden. Doch just mit Turnierstart waren die „Three Lions“ außer Form, entzückten alle anderen Länder mit einem neuen Fliegenfänger zwischen den Pfosten und ließen sich letztendlich von Deutschland im Achtelfinale demütigen.

Die erste Weltmeisterschaft in Afrika. Nicht wenige dachten dabei auch, dass diesmal vielleicht die Stunde der afrikanischen Teams schlagen könnte. Als regelmäßiger Beobachter des Afrika-Cups war ich diesbezüglich eher etwas zurückhaltender, letztendlich war es auch nur mein Tipp Ghana, der überzeugen konnte. Gastgeber Südafrika zeigte zwar viel Leidenschaft, aber auch eindrucksvoll seine qualitative Limits auf. Mannschaften wie Kamerun, Nigeria und die hoch gehandelte Elfenbeinküste bewiesen einmal mehr, dass ein bekannter Name auf der Trainerbank und einige Stars in europäischen Top-Ligen noch kein gutes Team machen. Man dürfte sich gut an die inspirationslosen Auftritte von Kamerun und Nigeria erinnern, und das Theater in Nigeria danach, was auch einmal mehr zeigte, dass der Weg von afrikanischen Mannschaften in die Weltspitze nicht zuletzt aufgrund enormer Strukturschwächen noch ein weiter ist. Die Elfenbeinküste wurde ihrem Ruf als völlig überschätzt gerecht.

Die Stars der Weltmeisterschaft

Kein Kaka, kein Ronaldo, kein Messi. Waren Weltmeisterschaften früher ein Fest für die Weltstars, wirken sie in den letzten Jahren zunehmend isoliert in ihren Mannschaften. Weil Fussball im 21. Jahrhundert mehr ist als nur die Kunst von Einzelnen, der Mannschaftsgedanke rückt wieder mehr in den Vordergrund. Die Qualität aller Mannschaften ist so hoch, dass Individualisten nur noch in wenigen Szenen wirklich glänzen können. Nicht zuletzt deshalb bekommt der Uruguayer Diego Forlan den „Goldenen Ball“ als bester Spieler der WM, weil er mannschaftsdienlich spielt und auch noch Tore schießt. Das gilt sicher auch für einen David Villa, der nun endgültig aus dem Schatten eines Fernando Torres herausgetreten sein dürfte, bei seiner sensationellen Trefferquote der letzten Jahre.

Stars dieser Weltmeisterschaft waren aber auch deutsche Spieler. Bastian Schweinsteiger als Chef im Mittelfeld, als Ballverteiler und teilweise mit genialen Momenten, wie etwa sein überragendes Solo im Viertelfinale. Thomas Müller als Wirbelwind auf der rechten Außenbahn und torgefährlicher Mittelfeldspieler.

Qualität der Spiele

Ich kann mich noch an das Gejammer der ersten WM-Tage erinnern: Was für ein schwaches sportliches Niveau bei dieser Weltmeisterschaft. Zugegeben, der erste Gruppenspieltag war wirklich kein rauschendes Fest, aber wie erwartet wurde es schnell besser. Schon ab der zweiten Runde gab es einige wirklich tolle Spiele, die mitreißen konnten. Das Prädikat „langweilig“ möchte ich eigentlich nur den wenigsten Spielen geben, in irgendeiner Form finde ich an noch fast jedem Match gefallen, sei es der aufopferungsvolle Kampf Neuseelands gegen Italien, ein Spiel mit vielen Fehlpässen und daraus entstehenden kuriosen Situationen (z.B. USA-England) oder eben auch Fussballfesten im Stil der zweiten Halbzeit von Brasilien-Niederlande. In der Frage der Qualität würde ich die WM 2010 am Ende sogar noch etwas vor dem Turnier 2006 ansiedeln. Mich verwundert mehr als das Niveau einiger Spiele die verwunderte Verwunderung über das Niveau. Bei 32 Mannschaften ist ein Leistungsgefälle doch völlig normal.

Die Schiedsrichter

Ein hartes und schwieriges Thema. Es gab bei der Weltmeisterschaft wirklich einige ganz krasse Fehlentscheidungen, wie etwa das „Wembley-Tor“ oder klarste Abseitsfehlentscheidungen (Argentinien-Mexiko, Achtelfinale). Die FIFA muss nach diesem Turnier einfach die Auswahl der Unparteiischen überdenken. Und das eigene Herangehen. Was mich in den letzten Wochen viel mehr gestört hat, als jede Fehlentscheidung, war die fehlende einheitliche Linie in der Regelauslegung. Während Herr Undiano aus Spanien im Spiel Deutschland-Serbien beim kleinsten Windstoß Spieler verwarnte, ließen z.B. die Herren Webb im Finale und Lannoy bei der wüsten Treterei zwischen Brasilien und der Elfenbeinküste Szenen am Rand zur Körperverletzung unbestraft. Es klingt komisch, aber bei dieser WM habe ich das deutsche Schiedsrichterwesen richtig schätzen gelernt: Auch da ist man nicht mit jeder Entscheidung zufrieden, aber es ist eine klare, einheitliche Handschrift zu erkennen, die nur wenig Interpretationsspielraum lässt. Zumindest weniger Spielraum als das, was wir jetzt in Südafrika erleben mussten. Das größte Unding ist dann auch noch, dass sich die FIFA hinstellt und die Schiedsrichter über den grünen Klee lobt. Einfach nur lächerlich.

Gastgeber Südafrika

Die Befürchtungen im Vorfeld waren groß: Leere Stadien. Mord und Totschlag. Südafrika sei der Herausforderung einer Weltmeisterschaft nicht gewachsen. Letztendlich waren einige Plätze besonders in den Vorrundenspielen leer, aber ansonsten waren die Vuvuzelas das größte Problem der Menschen vor Ort. So gewöhnungsbedürftig vielleicht der Klangteppich bei den ersten Spielen war, ich hatte damit eigentlich kein Problem. Im Gegenteil: Ich nehme es als schöne Erfahrung mit, eine andere „Stimmungs-Kultur“ beim Fussball erlebt zu haben. Nach vier Wochen spiele ich meine schwarz-rot-goldene Vuvuzela übrigens nahezu perfekt. Bei den Post-WM-Länderspielen wird sie sicher wieder einmal zum Einsatz kommen. Mein Fazit für den Gastgeber fällt positiv aus, die Befürchtungen im Vorfeld haben sich überhaupt nicht bestätigt, alles verlief friedlich, selbst die sonst üblichen großen Meldungen über Hooligan-Randale sind ausgeblieben. Glückwunsch an Südafrika für die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft, die in Erinnerung bleiben wird!

Die WM-Übertragungen auf Sky

Fast zum Abschluss möchte ich noch einige Worte über die WM-Übertragung bei meinem „Broadcaster“ Sky verlieren. Im Vorfeld bin ich mit gemischten Gefühlen herangegangen, denn eigentlich war ich immer ein Verfechter der Vorberichte aus dem Stadion. Auch die Tatsache, dass mit Kai Dittmann, Marcel Reif und Fritz von Thurn und Taxis nur drei Kommentatoren vor Ort kommentieren, wirkte zunächst etwas befremdlich – erfahrungsgemäß sind weder Esprit der Reporter noch die akustische Atmosphäre bei Übertragungen aus dem „Container“ auf dem Niveau der gewohnten Live-Atmosphäre. In dieser Hinsicht wurde ich positiv überrascht, mit den Leistungen der Kommentatoren bin ich im großen und ganzen eigentlich wirklich zufrieden, Marcel Reif wirkte zwar lange Zeit genervt von den Vuvuzelas, steigerte sich aber in den finalen Spielen und lieferte zuvor schon einen denkwürdigen Kommentar in der Vorrunde ab. Fritz von Thurn und Taxis war mit viel Leidenschaft bei der Sache, Kai Dittmann katapultierte sich mit der WM endgültig „on top“ meiner persönlichen Reporter-Rangliste. Auch die Sache mit dem Münchener Studio empfand ich dann doch nicht so schlimm, bei den „großen“ Spielen wurde eine gute Mischung gefunden zwischen Berichterstattung aus München und aus dem Stadion. Persönliche Entdeckung der letzten Wochen ist für mich Jens Lehmann, der einen richtig starken Eindruck als Experte hinterließ. Wirklich Fremdschämen musste man sich wieder einmal nur bei Jessica Kastrop, die für meinen Geschmack viel zu oft als Moderatorin eingesetzt wurde. Leider ist es ihr auch nach einigen Jahren im Pay-TV nicht gelungen, sich an das Niveau ihrer Kollegen anzugleichen, man merkt viel zu extrem ihre primitiven Boulevard-Wurzeln.

Ausblick auf 2014

Nach Olympischen Spielen wird immer gesagt: Das waren die besten Spieler aller Zeiten. Nach Fussball-Weltmeisterschaften habe ich das noch nicht so bewusst vernommen, weil das Niveau bei allen Turnieren der letzten 20 Jahre sowohl sportlich als auch in der Organisation vom Ausrichter hochprofessionell war. Ich bin sicher, auch Brasilien wird sich in vier Jahren positiv in diese Liste einreihen, auch dort gibt es Probleme mit Kriminalität und Infrastruktur, aber auch dort wird das bewältigt werden. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf die Weltmeisterschaft am Zuckerhut!

Mit diesem ausführlichen Rückblick schließe ich hiermit die Kategorie WM 2010 ab. Alles weitere, auch die Zukunftsfragen rund um unsere Nationalmannschaft, wird ab sofort unter EM 2012 abgelegt. Unser Schnitt ist nun radikal, die Zeit rast, die Bundesliga-Teams sind bereits in den Trainingslagern. Um nach dem WM-Finale den größtmöglichen Umschwung zu dokumentieren, melde ich mich Mittwoch Abend mit einem Liveblog der Testpartie des HSV bei Hajduk Split.

Ende gut, Alles gut 11. Juli 2010

Posted by Moritz in : WM 2010 , 1 comment so far

Zumindest annähernd. Zum ganz großen Wurf hat es bei dieser WM zwar wieder nicht gereicht, aber im letzten Spiel zeigten sie noch einmal eine Portion der Spielweise, die sie so angesagt gemacht hatte. Hier konnten sie auch einmal beweisen, dass sie in der Lage sind mit Rückständen umzugehen und ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

So gab es im strömenden Regen von Port Elizabeth eine ansehnliche Abschiedsvorstellung. In einer rasanten Partie behielt das Team von Löw die Oberhand und konnte sich somit zum dritten Mal in Folge auf dem Treppchen platzieren. Insgesamt ein versöhnlicher Abschluss, dem im Grunde alle Reservisten noch einmal beiwohnen durften, was nicht zu einem allzu großen Bruch im Spielfluss sorgte.

Hans-Jörg Butt: Bei den Gegentoren war er jeweils, das letzte Glied in der Kette und somit chancenlos. Konnte sich aber vor allem in der schnellen zweiten Halbzeit das eine oder andere Mal auszeichnen. Er war in seinem wohl letzten Länderspiel der erfahrene Rückhalt, den es brauchte. Note: 2

Dennis Aogo: Begann auf der linken Seite ein wenig übermotiviert, wofür er früh die Gelbe Karte kassierte. Dadurch hatte er etwas zu kämpfen keine zweite zu kassieren. Auch wenn er sich noch steigerte, war somit einer der schwächeren im Team. Note 4

Arne Friedrich: Mit den meisten Vorschusslorbeeren ausgestattet, versuchte Friedrich in Lucio-Manier auch etwas mehr in die Vorstöße einzubringen. Dabei mit Licht und Schatten. Einmal fast selbst ein Tor und gleichzeitig beim ersten Gegentor vermisst. Ansonsten wieder der beste Verteidiger. Note: 2

Per Mertesacker: Beim traumhaften 2-1 war er etwas weit weg von Forlan und somit chancenlos. Ansonsten lieferte auch er wieder eine Partie ab, die stärker als zu Beginn der WM war, aber auch nicht zu seinen besten gehörten. Note: 3

Jerome Boateng: Durfte heute einmal auf der Lahm’schen Seite ran, womit er besser zurecht kam. Offensiv kein wirklicher Wirbelwind, bereitete aber das Tor zum 2-2-Ausgleich vor. Note: 3

Bastian Schweinsteiger: Wieder eine eigentlich starke Partie des heimlichen Kapitäns. Doch neben der Vorarbeit zum ersten Tor und dem ständigen Antreiben, mischten sich auch immer Unkonzentriertheiten in sein Spiel. Note: 3

Sami Khedira: Wieder der unauffällige Begleiter von Schweinsteiger. Bonus für das erste Eckentor der Nationalmannschaft in diesem Turnier, mit dem er sich dann doch noch in die Schützenliste eintragen konnte. Davor war er zwar immer um den Spielaufbau bemüht aber auch nicht ganz fehlerlos. Note: 3

Marcel Jansen: Sorgte wieder für eine Belebung der linken Hamburger Seite und durfte als Belohnung sogar nach einer tollen Flanke aus dem Halbfeld, die der Torwart unterlief, den Ausgleich machen. Leider waren seine Vorstöße und Schüsse etwas ungenau um erfolgreicher zu sein. Note: 3

Mesut Özil: Irgendwie das Prototyp eines unglücklichen Spielers. Sein Laufpensum und Sinn für den Raum ist von unschätzbaren Wert für das deutsche Team. Ein Torjäger wird er aber wohl in diesem Leben nicht mehr. Man merkte ihm eine lange Saison aber schon recht deutlich an. Note: 3.

Thomas Müller: Er kam, sah und traf. Nachdem er perfekt abstaubte, war er aber nicht mehr so auffällig. Versuchte aber immer mit viel jugendelichem Einsatz am Spiel teilzuhaben. Auch dieses Spiel zeigte wieder dass er im Halbfinale schmerzlichst vermisst wurde. Note: 3

Cacau: Wenn er die Chance zum Schiss hatte setzte er diesen meist daneben. Hatte kurz vor der Auswechslung für Kießling noch eine gute Chance, wirkte aber als einzige Spitze mit schweren Stand nicht so gut integriert in das Spiel. Note: 4

FAZIT: Zum Abschluss gab es vor allem etwas für das Auge, das dem Ball phasenweise gar nicht schnell genug folgen konnte. Auf der anderen Seite aber war das deutsche Team latent immer etwas unkonzentriert, was auch zu den beiden Gegentreffern führte. Bei den Uruguayer war dies aber nicht anders. Letztendlich der verdiente Abschluss eines Turniers, in dem die Löw’sche Mannschaft für einiges an Fourore sorgte.

Blick nach vorn 9. Juli 2010

Posted by Moritz in : WM 2010 , add a comment

Es ist müßig zu diskutieren, was wäre gewesen, wenn Löw anders hätte spielen lassen. Wenn Kroos Casillas hätte alt aussehen lassen. Wenn man es zum Elfmeterschießen hätte kommen lassen. Am Ende aller Gedankenspiele steht, dass es nur Gedanken waren und die Realität wieder “nur” das undankbare Spiel um den dritten Platz hergibt.

Ein Spiel gegen die letzten verbliebenen Südamerikaner im Turnier, das wohl nicht viel hergeben wird, um das Gefühl der Überlegenheit der letzten Woche wieder herstellen zu können. Andererseits bietet es wie vor vier Jahren wieder die Möglichkeit, den ewigen Reservisten in Tor und Feld etwas zu geben, was sie sonst wohl nicht bekommen hätten: eine Chance, ihre Teilnahme am Turnier auf dem Platz zu rechtfertigen.

Doch das was bleibt, wird sein, dass die Welt sich einmal mehr die Augen gerieben hat, wozu eine deutsche Nationalmannschaft in der Lage sein kann. Lob von allen Seite und nicht nur der eigenen Fans dürfte etwas sein, das man hier lange nicht mehr genießen durfte und vielleicht noch einmal auf dem Weg nach Polen und in die Ukraine einen zusätzlichen Ansporn gibt.

Wenn man einen Wunsch äußern könnte, dann den, dass es nicht wieder vier Jahre dauern soll bis die Mannschaft einen ähnlich mitreißenden Fußball spielt. Nicht nur gegen Endland und Argentinien, auch gegen die Türkei und Österreich darf es etwas mehr sein. Es war und ist klar, dass nicht jedes Spiel so aussehen kann, aber die Ansprüche steigen mit den Versprechungen, die bei der WM abgeliefert wurden.

Vier Jahre bleiben jetzt wieder für den nächsten Anlauf mit Italien gleich zu ziehen. Vier Jahre, in denen die aktuellen Spieler reifen können. Vier Jahre, in denen neue Akteuere hinzustoßen werden. Vier Jahre, in denen weiter am Spielsystem gefeilt werden kann, in denen man sich überlegen kann, wie man einerseits gegen Mannschaften anspielt, die erkannt haben, dass Deutschland in engen Räumen vor dem Strafraum Probleme hatte. Die Gelassenheit und Zuversicht, die die Iberer ausstrahlten, fehlte dem Team noch. Sicherlich ein wichtiger Baustein auf dem Weg ganz nach oben.

Interessant wird zunächst einmal die aller nächste Zukunft sein, die Entscheidungen mit sich bringen wird, die weitreichener kaum sein könnten. Wird Löw seinen Weg als Nationaltrainer weiter gehen oder wird er Platz machen für einen jemand neuen, dem dann angesichts der WM die schwierige Aufgabe obligt, die Mannschaft weiter zu entwickeln. Vieles wird auch davon abhängen, ob der (ehemalige?) Kapitän Ballack versucht ins Team zurück zu drängen und wie er sich in diesem Fall integrieren wird können.

Die Spanier hatten wieder einmal gezeigt, wie weit der immerhin gefühlt kleiner gewordene Abstand noch ist, den es beim Übergang von den jungen Wilden zu einer erfahrenen Klassemannschaft zu überwinden gilt. Doch wie das mit den vermeintlich goldenen Generationen ist, weiß nicht nur Portugal zu berichten. Allzu oft scheitern sie am Druck. Wer weiß wie es der unsrigen ergehen wird. Vielleicht wird die spanische Nationalmannschaft ihr Albtraum. Aber immerhin gibt Platz zum träumen und dass es eine solche Hoffnung gibt, ist auch schon viel wert.

Spanien bremst das deutsche Team 8. Juli 2010

Posted by Max in : WM 2010 , 2 comments

Die Hoffnungen vor dem Spiel waren groß, das Halbfinalspiel der DFB-Auswahl gegen Spanien sollte zu einer Art Revanche für das EM-Finale vor zwei Jahren werden. Am Ende jedoch waren es wieder die Iberer, welche sich durchsetzen konnte. Zwar war Deutschland diesmal nicht so extrem unterlegen, wie einst in Wien, doch die Dominanz der Spanier, besonders ihre Zermürbungstaktik durch eine enorm hohe Passgenauigkeit war erneut der Schlüssel zum Erfolg. Der Witz der Geschichte ist, dass am Ende eine Standardsituation den entscheidenden Treffer brachte, nicht etwa ein sehenswerter Spielzug. Dennoch wirkte Joachim Löws Truppe nie so, als könnte sie ernsthaft etwas entgegensetzen. Um es kurz zu fassen: Diese Mannschaft hat von der derzeit besten Mannschaft der Welt ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Lobenswert ist, dass über lange Zeit die Abwehr wirklich stabil stand. Deshalb fällt die Einzelkritik jetzt auch nicht so herb aus, wie nach dem EM-Finale.

Manuel Neuer: Sein bestes WM-Spiel, womit er gestern zugleich bester deutscher Akteur war. Rettete mehrfach großartig und zeigte viel Präsenz. Ohne Chance beim Gegentor. Nach der WM wird er mit einem großen Bonus und viel Vorsprung in den Zweikampf mit René Adler gehen können. Note: 2

Philipp Lahm: Musste viel Abwehrarbeit verrichten und konnte sich wie eigentlich alle anderen Spieler auch nie in die Offensive einschalten. Erledigte den schweren Job gegen Pedro ordentlich und war zugleich auch dabei, Trochowskis Lücken zu stopfen. Note: 3

Per Mertesacker: Eigentlich muss man dem Innenverteidiger-Duo ein großes Kompliment aussprechen. Es ist kein Gegentor aus dem spanischen Spielfluss gefallen. Mertesacker zeigte mehrfach gutes Stellungsspiel, war aber mitunter zu langsam in den Laufduellen. Note: 3

Arne Friedrich: Nach dem Gala-Auftritt gegen Argentinien diesmal nur mit solider Leistung. Für ihn gilt nahezu das gleiche wie bei Mertesacker, beide verhinderten größeres Unheil, aber jeder Pass konnte eben nicht gestoppt werden. Für mich dennoch die größte „Entdeckung“ der WM. Note: 3

Jerome Boateng: Hatte einen harten Stand gegen Iniesta und Ramos, aber für meine Begriffe verrichtete er seine Arbeit nicht so schlecht, wie das heute in einigen Zeitungen zu lesen ist und wie es die zeitige Auswechslung vermuten lässt. Offensiv aber auch mit keinen Impulsen. Note: 4

Sami Khedira: Lief dem Ball oft hinterher, war eines der Hauptopfer der spanischen Rochaden. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Meter Khedira gestern abgespult hat. Insgesamt machte er auf mich einen besseren Eindruck als Nebenmann Schweinsteiger, beim Gegentor allerdings störte er nicht entschlossen genug. Note: 4

Bastian Schweinsteiger: Neben den massiven defensiven Aufgaben war er zumindest lange bemüht, Impulse zu setzen – das aber misslang völlig. Mit zunehmender Spieldauer gefiel mir seine Körpersprache nicht mehr richtig, er strahlte als das Zentrum des deutschen Spieles keine Entschlossenheit mehr aus. Note: 4

Piotr Trochowski: Die Fußstapfen von Müller sind natürlich zu groß gewesen für ihn gewesen. Letztendlich spricht heute aber kaum jemand darüber, dass das Fehlen von Müller der entscheidende Knackpunkt gewesen sei. Das beschreibt die durchschnittliche Leistung Trochowskis, der aber zu oft hinten aushelfen musste, um positiv einwirken zu können. Note: 4

Mesut Özil: Wie bereits gegen Argentinien ohne Bindung zum Spiel. Diesmal fast komplett untergetaucht, seine vielen Meter erzielten null Ertrag. Das sind Spiele, in denen Özil bald mehr die treibende Kraft im deutschen Spiel sein sollte. Als so jungen Spieler verzeiht man ihm das noch. Note: 5

Lukas Podolski: Die leistungsmäßige Berg- und Talfahrt des Kölners geht weiter. Keine Impulse für die Offensive, lange auch nicht mehr so wirkungsvoll mit defensiven Aktionen wie zuletzt noch gegen Argentinien. Wirkte unsicher und zunehmend lustlos. Note: 5

Miroslav Klose: Ganz schwieriges Spiel für Klose, weil sich das Spiel fast ausschließlich in der deutschen Hälfte abspielte. Wie gewohnt viel Laufeinsatz, aber auf verlorenem Posten. Ließ sich aber auch zu selten fallen, um so vielleicht mehr Wirkung zeigen zu können. Note: 4

Marcell Jansen: Wurde nach 52 Minuten für Boateng eingewechselt und interpretierte die Rolle des Linksverteidigers etwas offensiver als der Hamburger. Doch auch er konnte kaum einen Draht zu Podolski finden, seine Vorstöße verpufften oft schon im Ansatz. Note: 4

FAZIT: Schade drum. Aber es war dennoch ein gutes Turnier unserer Nationalmannschaft! Und das Spiel um Platz 3 wird hoffentlich noch mal so ein tolles Highlight wie vor vier Jahren, zu verschenken gibt es jedenfalls nichts. Dem allseits getätigten Spruch „Dieser Mannschaft gehört die Zukunft“ möchte ich allerdings nicht ohne den Vorbehalt zustimmen, dass der Erfolg in Südafrika auch ganz wesentlich von der sportlichen Führung, sprich Joachim Löw und seinem Betreuerteam, abhängt. Ob man aus dem großen Potential, das hier angedeutet wurde, in den nächsten Jahren große Erfolge abschöpfen kann, ist für mich völlig offen und wird auch von den wichtigen personellen Entscheidungen nach dem Turnier abhängen.

Buchkritik Spezial: Anpfiff! (LTB EXTRA) 5. Juli 2010

Posted by Max in : Medien,WM 2010 , 1 comment so far

Eine Weltmeisterschaft erfordert besondere Maßnahmen. Aus diesem Grunde breche ich heute in unserer Buchkritik-Reihe aus der Erörterung mehr oder weniger seriöser Fussball-Schriften aus und widme mich einem kindlichen Genre, dem Comic. Aus der legendären Serie „Lustiges Taschenbuch“ habe ich in den vergangenen Tagen eine WM-Sonderedition gelesen und, das sei vorweg genommen, sehr genossen.

Als Kind gab es für mich, schon damals war ich doch eher konservativ ausgerichtet, eigentlich nur eine einzige interessante Comic-Reihe: Geschichten in und um Entenhausen, egal ob in wöchentlicher Heft-Form oder monatlich gebunden. Und bereits damals schälte sich eine weitere Präferenz heraus: Ich fühlte mich mehr zu Enten hingezogen, als zu Mäusen und Hunden (wobei ich natürlich alle Geschichten gelesen habe, und Mickeys Detektiv-Geschichten waren die Highlights dabei). Somit war es ganz günstig, dass das hier zur Diskussion stehende Werk ausschließlich von den Herren Dagobert, Donald, Tick, Trick & Track begleitet wird. Mit den Jahren aber ließ der dringende Wunsch nach Comics nach, weil andere Dinge in den Vordergrund gerückt sind. Dennoch lasse ich es mir nicht nehmen, in großen Abständen mal eine kurze LTB-Session einzuschieben.

Fussball-Sonderausgaben sind bei LTB wahrlich keine Besonderheit mehr. Ernsthaft erinnern kann ich mich an das Buch zur Europameisterschaft 2000, als Donald Duck damals ein florierendes Busunternehmen besaß, als er allerdings eine Horde deutscher Hooligans zur Endrunde in den Benelux fahren sollte, kam es wie gewohnt zur Katastrophe. Für das Buch zur WM 2010 hat sich das italienische Zeichner- und Autorenkolletiv etwas besonderes, mir so in dieser Form noch nicht bekanntes, einfallen lassen: Durch die knapp 300 Seiten zieht sich eine sechsteilige Geschichte, nur unterbrochen durch drei mittellange und drei einseitige Erzählungen.

Die Hauptgeschichte trägt den Titel „Das Runde und das Eckige“, es geht aber nicht um Ball und Tor, sondern eher um einen eckigen Ball. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist es eine mehrfach geschachtelte Handlung. Der äußere Rahmen dreht sich um den Kampf zweier Fussball-„Philosophien“. Während ein Bewohner des Planeten Ikosaedrus, der vollkommen fussballverrückt ist und hochentwickelte Ball-Technologien (Gegen den „Absoluten Ball“ ist „Jabulani“ eine Witznummer) besitzt, versucht den Fussball in unserer Welt voranzubringen, versucht ein Eindringling vom Planeten Kubon, wo der Sport „Splunz“ mit einem eckigen Ball „gespielt“ wird, sämtliche Rundungen auf der Erde auszulöschen. Unter diesen Voraussetzungen kommt der mittlere Handlungsstrang ins Spiel.

Dagobert Duck möchte, obwohl er kein Interesse am Fussball hat, vom WM-Boom profitieren und unhandliche Briefbeschwerer, die er vor Jahren günstig erworben hat und seitdem lagert, an den Mann bringen. Um das Geschäft voran zu treiben hat er sich berühmte Werbeträger ins Boot geholt: Gianluigi Tuffon, Zlatan Abrahamovic, Makoto Hesabe (vom allseits bekannten VfB Wolfberg) und der Brasilianer Josuah. Nur leider werden die vier Stars in der Nacht vor den Aufnahmen von einem der besagten Außerirdischen zu 12jährigen verwandelt. Um wieder zu normaler Größe zurückzukehren, müssen die Jungs nun die Dinge wiederfinden, die in ihnen einst die Leidenschaft für den Fussball geweckt haben. Als da wären: Tuffons erste Torwarthandschuhe, Josuahs erstes Trikot, Hesabes erster Ball und Abrahamovics erste Fussballschuhe. Um hier nicht zu ausschweifend zu werden: Dagobert, Tick, Trick und Track sowie jeweils einer der kindgewordenen Fussballer erleben auf der Suche den benötigten Utensilien allerlei Abenteuer in gewohnter Manier. Leider spielt mein persönlicher Lieblingscharakter, Donald Duck, nur eine untergeordnete Rolle: Er verweilt über nahezu die gesamte Zeit bei den Briefschwerern. Diese werden zunächst poliert, danach zu Vierecken geschliffen (als die Kubifizierung der Erde bereits vorangeschritten ist…), um sie am Ende wieder rund zu machen.

Die ungewohnte Länge der gesamten Geschichte ist zunächst etwas verwirrend. Anfangs war ich außerdem skeptisch, denn Geschichten mit Bewohnern von fremden Planeten konnten mich früher nie so recht überzeugen. Während die eben beschrieben Haupt-Rahmenhandlung doch etwas sehr konstruiert wirkt, sind die einzelnen Abenteuer der Reisegesellschaft in gewohnt unterhaltsamer LTB-Manier gestaltet. Dabei sparen die Autoren auch nicht an einigen netten Anspielungen, etwa zur Korruption in Italien. Aber auch die kurz eingeschobenen Zwischengeschichten – abgetrennt von der Haupthandlung – gefallen durchaus. So darf dort etwa Donald Duck sein Können als Marketingexperte bei Eintracht Entenhausen oder als Trainer von Dynamo Duck zeigen.

Eine Leseempfehlung möchte ich an dieser Stelle nicht aufschreiben. Wer ein bisschen Interesse an den Walt Disney – Comics hat, wird auch gefallen an diesem LTB finden. Ich kann eigentlich nicht sagen, jemals ein Buch der Reihe gelesen zu haben, dass mir nicht gefallen hat. In einem gefühlten Ranking landet das „Anpfiff“ im Mittelfeld. Eine nette Abwechslung nach längerer Comic-Pause war es aber wieder. Nun aber geht es bald mit ernsthafter Literatur weiter.